Ausgabe 
18.11.1929
 
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Wiesbaden, 17.Nov. Die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung hatten in Groh- Wiesbaden frl^endeZ ®rg:6n s Soziald^molraten 19 686 Stimmen, 13 Manoate (bisher 17),Deutsch­nationale 4344, 3 Mandate (2), Zentrum 9430, 6 Mandate (6), Kommunisten 8878, 6 Mandate (7), Nationalsozialisten 13107, 9 Mandate (4), Durgerliste (D. V. P., Demokraten, Wirtschafts­partei und Dolksrechtpartei) 25 394, 17 Mandate (18). Wahlbeteiligung 70 v. H.

Marburg (Lahn): Soz. 4 (1), Ztr. 2 (1), Komm. 0 (1), Christ. Vollst). 1 (0), D. Dp. 3 (2), Nat.-Soz. 1 (1), Interesfengern. d. Mieter 5 (8), Vereinigte Gewerbetreibende 2 (0), Dnt. 4 (5), Bürgert. Arbeitsgem. 4 (0), Vereinigte Teamten- liste 2 (4), Handwerk und Gewerbe 1 (früher Wirtsh.-Verö. 6), Dem. 1 (1).

Fulda: Hessische Arbeitsgemeinschaft 1439 Stimmen (1395) 3 Mandate, Sozialdemokraten 1151 (1247) 2 Mandate, Zentrum 7318 (5710) 20 Mandate, Demokraten 233 (593), Kommu­nisten 241 (1094), Nationalsozialisten 368 (399) 1 Mandat, Dürgerpartei 907 (1456) 2 Man­date, Christlichsoziale 1361 () 3 Mandate, Mieterpartei 703 (i) 1 Mandat.

Hanau: KPD. 6, komm. Gruppe Wagner 3 (8), Mittelstand 5 (0), Soz. 8 (5), D. Vp. 6 (4), Handwerk 2 (6), Zentr. 3 (3), Dem. 2 (3), Dnt. 1 (3), Nat.-Soz. 0 (0).

Limburg: Soz. 2 (3), Zentr. 15 (12), D. Vp. 5 (4), Dem. 1 (2).

Wehla r (Reg.-Dez. Koblenz): Soz. 11 (9), Zentrum 2 (2), Kommunisten 1 (1), Deutfchnatl. 3 (2), Dem. 3 (3), Dürgerliste 8 (11).

Diez a. d. L.: Soz. 3 (3), Erwerbslose 1 (), Deutschnationale 4, Bürgerliste 6, Zen­trum 2 (früher zusammen 12).

Niederlahn st ein: Soz. 2 (1), Zentrum 10 (8), Komm. 5 (4), Volksrechtpartei 2, Ar- beitsgememschaf t 4.

Bad C m s : Soz. 7, Zentr. 4, Bürgerblock 4, Wirtschastsparter 3.

Homburg: Soz. 6 (6), Ztr. 5 (7), D.Dp. 3, Dn. 3 (Listenverbindung 7), Dem. 1 (3), Wirt- schaftsp. 3 (0), Nat.-Soz. 0 (0), Bürger!. Ar- beitsgem. Kirdorf 1 (0), Liste Riedel 4 (KPD. 3), Allgem. Bürger!. 1 (0).

Oie ersten Wahlergebnisse aus Sachsen.

Leipzig: Soz. 148 307 27 Sitze (124 966 26 Sitze): Verein, bürger!. L. 154 719 28 S. (112 196 22©.); K. 53 666 9 6. (69 093 15©.); Komm. Opposition 5832 1 ©. (--); Dolksrp.

21 581 4 ©. (26 110 6 ©.); Dem. 20 094 3 6. (19 462 4 6.); alte Soz. 2141 0 6. (6043 1 6.); Nat.- Soz. 17 694 3 6. (5615 1 6.); USP. 1034 0 6. (3753 0 Sitze). Das neue Stadtverordnetenkolle- S'um wird mit 33 bürgerlichen gegen 37 svzial.- mm. Stadtverordnete eine bürgerliche Mehrheit ausweisen, während im bisheri­gen Stadtporlament das Verhältnis 33:42 betrug.

Chemnih: Soz. 21 (17); Kom. 9 (14); Dnt. 7 (8); W. P. 8 (8); DVP. 7 (7); Dem. 2 (3); Volksrp. 2 (2); Nat.-Soz. 4 (1); Chr. Volksd. 1 (0).

Bautzen: Soz. 11 (11); Linke Kommunisten 0 (0); Demokraten 3 (2); Kommunisten 2 (4); Alte SPD. 1 (1); Freie Bürgerliche 2 (1); Dolks- rechtspartei 0 (0); Nat.-Soz. 4 (0); Berufsstän­dische Einheitsliste (Deutschnationale, Zentrums- und Wirtschaftspartei 12 (0).

Zwickau: Soz. 16 (16); Deutfchnatl. 5 (6); Kommunisten 4, DVP. 5 (6); Wirtschaft!. Vereinigung 4 (3); Wirtschastspartei 3 (4); Na- tionalsoz. 7 (0), Kommunistische Oppos. 1 (0) Mandate.

Oer verhinderte Hauskauf der Sklareks.

Auch Bötz gegen den Verkauf.

Berlin, 16. Nov. (WTB.) 3n der An­gelegenheit des versuchten Ankaufs der Grund­stücke in der Kommandanten st raße durch die Gebrüder Sklarek, für den den Gebrüdern SklarekeinbesondersbilligerPreis für die Quadratrute berechnet wer-

Oer Teller.

Don Hans Friedrich Blunck.

Grade wie ich an meinem Hoftor, das unter dem vielen Regen ein wenig aufgeauollen ist, das Holz abhobeln will, kommt einer oie Landstraße herauf, schaut mir eine Weile zu ich weiß schon, was jetzt kommen wird und fragt, ob ich nicht ein oder zwei Stunden Arbeit für ihn hätte. Außerdem hätte er seit gestern nichts im Magen. Ob ich nicht ich muß plötzlich auf- schauen, ist mir doch, als hätte ich diesen alten zerrissenen Bummler schon einmal gesehen.

Ja," sage ich,ich muß die Pforte ausheben, helfen Sie mal.

Er versucht es mit zitternden Händen, viel Unterstützung habe ich nicht dabei, zudem ist der Schnapsgeruch mir widerlich. Aber daß er lange nichts gegessen hat, glaube ich auch, und weil die Gärtnersfrau grade ihren Mann zum Essen ruft, frage ich sie, ob sie einen Teller Suppe übrig hätte. Es ist eine gutmütige junge Frau, sie bringt bald eine dampfende Erbsensuppe auf einem blaugesaßten Warenhausteller, einen Zinn- loffel dazu, wie sie ihn für solche Armen stets zur Hand hat.

Der Landstreicher guckt mich fragend an. Ich nicke ihm zu: 3a, essen Sie jetzt nur, ich werde allein fertig. Aber in dem Augenblick, wo ich seinen Blick fing, habe ich ihn auch wieder­erkannt, fällt mir die vertrackte Geschichte ein, wie ich einmal als Student unsere Landschaft ablief, gut Freund und brüderlich mit jedem, der gleich mit die Straße trottete und begeistert un^ bespräche mit wanderndem Volk, sur welches wir damals eine weit größere Vorliebe hatten, als für alle bürgerliche Heim- seligkeit. Uni) während mein müder Suppengast hungrig den Teller auslöffelt und ich mit dem Hobel über die ausgequollene Tür hin und her fahre, bin ich plötzlich in meinen Gedanken weit zurück auf der Landstraße, wandere ich mit einem, einem verbummelten Musiklehrcr. eine zwcisaitige Geige unter dem Arm und im Herzen eine barbarische Wut aus das nächste Wirts­haus, wo man chm und er schilderte es mit ungeheurer Eindringlichkeit das letzte Auf- spielen nicht genug bezahlt hatte.

Ich werde ebenso zornig wie neugierig auf das geizige Krögerpaar, und weil der Kamerad voll Schabernack steckt und ich noch etntftc Gro­

den sollte, wird berichtet, daß über den Kauf ein Vorvertrag geschlossen worden war. Das Bezirksamt Mitte hatte mit Zustimmung des Bürgermeisters Schneider den Vertrag mit den Sklareks in der Weise festgelegt, daß ein Achtel der Kaufsumme von der K. V. G. beim Er­werb des 80 Quadratruten großen Grundstückes gleich bezahlt, der Rest in Raten bis zum Iahre 1938 getilgt werden sollte. Dieser Vertrag muß auch Stadtrat N e u e n d o r f, der hierfür zu­ständig war, Vorgelegen haben. Der Magistrat hatte zu diesem Grundstücksgeschäft bereits seine Zustimmung gegeben. Der Sachbearbeiter im Magistrat, Magistratsrat Dr. Hiller, hatte jedoch sehr erhebliche Bedenken gegen die Durch­

führung des Verkaufes, da er erkannie, daß der Preis von 8000 Mk. pro Quadratrute keines­wegs dem wirklichen Wert entsprach. Durch die Maßnahmen Dr. Hillers kam es dann zu einer Sonderkonferenz unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters. Dr. Hiller erreichte, daß sich Oberbürgermeister Böß mit aller Entschiedenheit gegen den bereits vom Magistrat genehmigten Verkauf der Grundstücke zum Preise von 8000 Mk. pro Quadratrute wandte und erklärte, daß dieser Beschluß nicht durch- geführt werden dürfe, daß vielmehr, wenn ein Verkauf stattfinde, die Sklareks einen angemesse­nen Preis bezahlen mühten.

Me Änbenisiing der zweiten Haager Konferenz.

Frankreich wünscht eine weitere Verschleppung bis in den Januar.

Paris. 17. Roo. (ID 23.) Die Morgenpresse be­richtet, daß im Laufe des gestrigen Minifterrales die Bilanz der Tätigkeit der im Haag eingesetzten Aus­schüsse gezogen wurde. Man stellte fest, daß m i t Ausnahme der Kommission für 0 ff - tcparafionen die Arbeiten so gut wie be­endet sind. Die französischen Minister kamen jedoch zu der Ueberzeugung^ daß alle Ausschüsse zu einem Ergebnis gekommen sein müßten, bevor die Einbe­rufung der zweiten Haager Konferenz möglich wäre. Es könne also nicht mehr von einer Einberufung der Konferenz gegen den 15. Dezember die Rede sein. Als voraussichtlicher Termin käme vielmehr d i e er sie Hälfte des Monats Januar in Be­tracht.Reuyork herald" will berichten können, daß bereits in dem gestern vormittag abgehallenen Ka­binettsrat beschlossen worden sei, versuchsweise den 3. Januar für den Beginn der zweiten Haager Konferenz vorzuschlagen. Das gleiche Blatt glaubt übrigens zu wissen, daß die Konferenz möglicher­weise n i ch t i m h a a g zusammenlreten werde, daß aber auf jeden $aU Ministerpräsident Tardieu selbst die Führung der französischen Delegation übernehmen werde.

Oie Ostreparaü'onen.

Der Widerstand Ungarns und Bulgariens.

Paris, 17. Nov. (WB.)Petit Parisien" berich­tet über den Stand der Verhandlungen im Ausschuß für Ostreparationen: Betreffs Oester­reich ist ein Abkommen unterzeichnet worden, dagegen war es unmöglich, den Widerstand der ungarischen Regierung zu beseitigen, die sich nicht nur weigert, nach 1942, wenn das ihr be­

willigte Moratorium aufhört, die größten Anstren­gungen für die Aufbringung der Reparationen zu machen, sondern auch Anspruch darauf erhebt, von ihren Gläubigern Reparationen zu erhalten. Trotz dem bedeutenden Reparations­nachlaß, der Bulgarien gewährt wurde, ant­wortet die bulgarisch« Regierung auf die an sie ge­stellten Forderungen mit vollkommen ungenü­genden Angeboten. Nach demPetit Pari- sien" plant man letzt zwei verschiedene Maßnahmen, um diesen Widerstand zu brechen, jedoch wurde dar­über noch nichts näheres mitgeteilt, da noch andere Regierungen ihre Zustimmung dazu geben müssen. Auf alle Fälle würde Budapest, das sich bisher vollkommen widerspenstig gezeigt habe, etwas anders behandelt werden als Sofia, das wenig st ens zu Verhandlungen bereit fei. Es bestehe immer noch die Möglichkeit eines Abkommens mit Bulgarien.

Belgien unterzeichnet das Bankstatut mit Vorbehalt.

Brüssel, 16.Nov. (WB.) Der Generalsekretär des Organisationskomitees der Bank für inter­nationalen Zahlungsausgleich erschien heute in Brüssel, um die Unterschrift der belgischenD"legation unter die Dokumente, an deren Zustandekommen sie mitgearbeitet hat, ein­zuholen. Die belgischen Vertreter Franck und 23 a n Zeeland unterzeichneten unter Auf­rechterhaltung ihrer in Baden-Baden ge- machten V o r b e h a l t e, die sich auf den S i tz d e r Bank und auf die politischen Erwägun­gen beziehen, die die Abreise der belgischen haupt­delegierten aus Baden-Baden begründeten. Die bel­gische Regierung beabsichtigt, diese Vorbehalte der Haager Konferenz zu unterbreiten.

Südlich beginn her Saarverhandlungen.

Berlin, 17. Nov. (Priv.-Tel.) Die letzte Un­terredung zwischen dem deutschen Botschafter in Paris, Herrn von Hoesch, und d-ern französischen Außenminister Driand hat ergeben, daß dem Beginn der Saarverhandlungen jetzt keinerlei Hindernisse mehr im Wege stehen. Man nimmt allgemein an, daß vielleicht schon am 20. No­tz e m b e r die erste Zusammenkunft beider Dele­gationen erfolgen wird. Wie sich dann die Dinge im einzelnen weiter entwickeln werden, läßt sich heute noch nicht sagen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß in einem Zug verhan­delt werden muh, also Unterbrechungen auszu­schalten sind, und daß es nur im Interesse der Lösung des Reparationsproblems liegt, wenn in kürzester Frist brauchbare Derhand- lungs^rgebnisse zutage gefördert werden. Daß sich Frankreich der Bedeutung der Saarverhand­lungen voll bewußt ist, geht aus der Zusammen­setzung seiner Kommission hervor, an deren Spitze der Minister Per not steht; Umgruppierungen innerhalb der deutschen Delegation werden nicht mehr vorgenommen. Sämtliche Unterhänd­ler sind vor Wochen ernannt worden, sie haben sich mit der zu behandelnden Materie vertraut gemacht, auch ist es nicht nötig, den Franzosen

Gefolgschaft zu leisten und ebenfalls einen aktiven Minister an die Spitze der Kommission zu stellen. Herr von S i m s o n besitzt alle Eigenschaften eines guten Interessenvertreters, er besitzt aber auch einen über Deutschlands Grenzen hinaus bekannten Namen, so daß nicht die geringste Veranlassung besteht, ihn durch einen Minister zu ersetzen. Unser Reichskabinett ist auch nicht so umfangreich wie das französische, das bequem für etliche Wochen auf die Anwesenheit des Arbeitsministers in Paris verzichten kann.

pariser Echo der Kaas-Rede.

Glatte Unverschämtheit".

Paris, 16. Nov. (Funkspruch. TU.) Die in Frankreich stark beachtete Rede des Vorsitzenden der Zentrumspartei des Prälaten K a a s in Saarbrücken wird von der Abendpresse aus­führlich und teilweise mit großer Schärfe be­sprochen. Arn wildesten gebärdet sich wieder einmal Iber nationalistischeIntransige- ant, der die Rede als eine glatte Un- verschärn theit bezeichnet. Mehr Irrtümer, Fälschungen und Unwahrheiten über die Saar­frage hätte die Rede Kaas nicht enthalten können.

Der moralische Druck, den Deutschland in der ©aatfrage ausübe, sei eine Unverschämt­heit und verkenne schwer die französischen Ver­sprechen, daS Recht und die Tatsachen, sowie die Logik der Verträge. DaSI o u r n a 1 des Debats" schreibt, Kaas fei leider in die Irrtümer der Nationallsten verfallen. Welche Unterschiede gebe es nvch zwischen ihm und Hugenberg? Welches Interesse fjabe Frankreich an einer Annäherung, wenn es al­lein Zugeständnisse machen soll und sich auf Generationen hinaus trotzdem derartigen er­presserischen Drohungen ausgesetzt fühle? Wie habe Driand in der Saar­frage für einen großen Teil des Parlaments feine Ansichten vor der Kammer und vor Frankreich vertreten, wenn Männer wie Kaas, die gegen­über Frankreich als Annäherungsapostel auf-

Oie Wetterlage.

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'-Wettervoraussage.

Mit dem Abzug der Störungen, die sowohl über Nord- als auch über Mitt.leuropa lagern, setzt sich der Kaltluftcinbruch weiter südwärts durch. Ueber Schweden sind die Temperaturen stark unter Null zurückg:gangen, gleichzeitig hat sich dadurch höherer Druck herausgebildet. Die Wetterlage dürste insolgedes en' durch den Ein­fluß hohen Druckes und die zusließ.nde Kaltluft eine Beruhigung erfahren, wobei jedoch vielfach Nebelbildung herrscht. Tie Temperaturen werden nachts den Gefrierpunkt erreichen und ihn über­schreiten. Ferner bleibt es täg Hüber kalt. Ie.och scheint der Umschlag wieder nur vorübergehend zu fein, denn vom Atlantischen Ozean rückt unter Darometersal! eine neue Störung im Raume von Island und Irland heran. Warme Lust bringt dort erneut Temperaturanstieg und Niederschläge.

Wettervoraussage für Dienstag: Vielfach nebelig, tagsüber auch aufheiternd, leich­ter Nachtfrost, meist trocken.

Witterungsaussichten für Mitt­woch: A . änglich wenig e 7erring je och spä er Uebergang zu wie.er mil.crein, zu Nrede.sch.agen neigendem Wetter wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 17. November: mittags 6,1 Grad Celsius, abends 4,6 Grad; am 18. November: morgens 4,5 Grad. Maximum 6,5 Grad, Minimum 4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. November: abends 4,4 Grad; am 18. November: morgens 4,2 Grad Celsius. Niederschlag 2,2 mm.

schen in der Tasche habe, lade ich ihn auf einen Teller Suppe ein. Und einen Schnaps wollen wir auch dazu trinken, er kostete um die Zeit noch einen halben Groschen, kurz und gut, die Einladung wurde angenommen, nur wurde es mir zur Pflicht gemacht, wegen des Zustands der Feindseligkeiten nichts anderes alshm" und mmm zu sagen, das andere wolle er schon be­sorgen.

Nicht ohne Spannung löffelte ich an jenem Tag die 6uppe bis zum Boden, grabe so heißhungrig wie mein Macker, und das war gut, denn im Augenblick, wo er fertig war, entdeckt er etwas, entdeckt mit einem überraschten Schrei den Teller, kehrt ihn um und reibt ihn, bläst darauf wie ein Münzsammler, hält ihn schräg, fährt mit kurzsichtigen Augen den unteren Rand entlang, daß sogar ich die Drille aufsetze, aber es war ein ganz gewöhnlicher Teller, ein wenig alt­modisch vielleicht.

Wo haben Sie um Gottes willen den Teller her?" schrie mein Freund plötzlich. Einige Gaste horchen auf, der Wirt unterbricht die Lesung der Kreiszeitung so Plötzlich, daß ihm der Klemmer auf die Nasenspitze rutscht, die Wirtin hört auf, die Theke abzuwischen.Den Teller haben Sie wohl schon lange Zeit, wohl schon mächllg lange?

Es waren damals die Iahre, wo man sich auf gutes altes Handwerk besann und man auch draußen auf dem Lande wußte, daß unter altem Gerümpel, das man bis dahin in Bausch und Bogen verkauft hatte, beim Trödler sich wert­volle Stücke anfanden.

Eine Art Entdeckungsfieber war überall wach geworden, wie sollte die geizige Krögerin nicht davon wissen, die bei der Sonntagsmusik die Groschen sparte?

Was sagst du?" fahrt er mich an.Delft, sage ich, ein ganz altes Delfter Stück!"

Hm/' sage ich, gemäß unserer Verabredung. Und dann merke ich, er muß irgendwo etwas aufgeschnappt haben, er weiß etwas von vier oder fünf fast mittelalterlichen Delfter Siegeln, mit wird unheimlich vor seinem Wissen.

Hm, hm," antwortete ich bedrückt.

Aber das ist das prächtigste Stück, das ich jemals gesehen habe." er dreht den Teller gegen das Licht, er läßt ihn auf der Kante laufen, er läßt ihn wirbeln, als gehörte das alles zur Untersuchung.

Ich weiß nicht, was das Stück wert ist.Wo­her haben Ei« ihn." fragt er nochmals. .Gewiß

hat einer ihn von einem Feldzug mitgebracht, oder kommt Ihr von Holland?"

Und zu mir gewandt:Drüben ist alles abge- grast, sage ich, aber hier wissen die Leute nicht, was für Schätze sie im Hause haben. Was für ein Prachtstück! Nicht unter hundert Mark, was sage ich, nicht unter hundertundsünfzig Mark zu haben, Herrgott, und die Leute wissen nichts .-and setzen uns solch Stück vor, das man bei Gott einmal fallen lassen könnte."

»Hm. hm," erwiderte ich pflichtgemäß und beuge mich neugierig zu seinem Teller hinüber. Dabei flüstert er plötzlich:Geh voran und laufe, was du kannst!" Und während ich überrascht und zögernd ausstehe, wie um die Tür zu finden, sehe ich meinen sonderlichen Freund, noch ehe die überraschte Wirtin recht zugreifen kann, mit dem Teller zum Fenster stapfen, sehe, wie er ihn gegen das Sonnenlicht hält, höre noch:Ohne Zweifel, geliefert für das königliche Schloß im Haag", es ist als läse er eine Wasfermarke im Licht. Unb plötzlich, während die andern sich näherdrängen unb er ben Teller höher unb höher gegen bie blinfenbe Sonne ba braußen hält, vorsichtig hatte ich zwei Groschen für bie Suppe auf ben Tisch gelegt plötzlich ge­schieht es, baß mein Freunb wohl ausgleitet, ober in seiner Aufregung bas Gleichgewicht ver­liert. Unter einem Schreckensschrei aus fünf Keh­len, unter einem Entsehensgekreisch ber hinzu- springenben Wirtin, fliegt ber Delfter Teller auf den Fliesenboden und zerspringt in hundert Scherben.Mein Gott, mein Golt, wie schade," schreit mein Freund, unb währenb Wirt und Wirtin und Gäste alle im ersten Schreck nach den Scherben langen er durch die Tür und mit langen Deinen die Landstraße, die Geige im Arm, hinunter, kaum kann ich ihm folgen.

Na." keucht er,die Geizkragen haben es ge­kriegt, denen tut ein paar Tage der Teller leib.

Der letzte Spahn ist abgehobelt, ich will die Tür wieder einschen. Der Landstreicher oor mei­nem Hause fetzt ben Teller hin unb will mir Helsen, aber bas Leben hat ihm arg mitgespielt, es sind nur noch bie Gebärden, als höbe er mit, ich muß schon den Gärtner zu Hilfe rufen. Grade will ich fragen, wie es ihm in der Zwischenzeit ergangen ist, will so gütlich leise bie alte Ge­schichte in Erinnerung bringen, ba hebt mein Freund, unbeschäftigt, wie er sich sieht, plötzlich den Teller hoch, hebt ihn gegen das Licht, dreht ihn nach allen Seiten.MebrigenSfragt er Reifer, .wo haben Sie de» Teller her? Altes

Crbei wahrscheinlich? Hören Sie mal, ich verstehe mich etwas darauf."

Er begriff nicht, warum ich plötzlich in ein so barbarisches Gelächter ausbrach. Es verwirrte ihn, ein roter Schein flog über sein blasses, stoppeliges Gesicht.Warum lachen Sie doch?"

Oie Glahe als Reklamefläche.

Gesucht 12 repräsentative glatzköpfige Herren," so beginnt eine Anzeige, die kürzlich in einem Londoner Dlatt erschien und in der auseinander- geseht wird, daß alsRellameflächen" schöne Glatzen gesucht werden, dieohne jede Schädi­gung der Gesundheit" beschrieben werden sollen. Die also ausgenuhten Glatzen sollen, wie bie Anzeige weiter hervorhebt,an Stätten des Gottesdienstes, in Theatern und Konzerten sowie in anderen Versammlungen gezeigt werden, in denen ber Kopf gewöhnlich unbedeckt bleibt. Iede Glatze wird von einer Person begleitet werden, um sie gegen Beleidigung oder Belästigung zu schützen." Der Gedanke der Verwertung von Glatzen zu Reklamezwecken ist zwar kein ganz neuer, scheint aber hier zum erstenmal systematisch durchgeführt au werden. Man verlangt nicht nur fleckenlose Glatzen, von deren Weiße sich die schwarze Schrift schön abhebt, sondern auch flecken­lose Charaktere, denn nach dem Wortlaut der Anzeigewerden nur Herren von bestem Ruf und absolut tadellosem Charakter berücksichtigt". Der Begleiter dürfte zu dem würdevollen Auf­treten dieser wandelnden Reklameflächen noch beitragen, unb es ist nicht einzufehen, weshalb sie belästigt werden sollten, denn sie werden, um allgemein sichtbar zu sein, nur auf ben besten Plätzen erscheinen können. Eine anbere Frage ist es, ob bie Geistlichen, Schauspieler ober Vir­tuosen nicht Schutz gegen biefe neue Reklameform suchen werben, da das Erscheinen der Glatzen die Aufmerksamkeit von der Kanzel, von ber Bühne unb vom Podium in unerwünschter Weise ablenken dürfte.

Hochschulnachnchien.

Der vrdenlliche Professor des römischen Rechts unb modernen Privatrechts an der Universität Zürich Dr. Andreas D. Schwarz hat einen Auf auf einen Lehrstuhl für römisches unb deutsches bürgerliches Recht, sowie für Rechts- vergleichung an ber Universität Freiburg L D. erhalten.