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Dictoire" befaßt sich besonders mit dem schon auf der Washingtoner Konferenz befaßten Beschluß, nachdem die französische und italienische Flotte gleich sein sollten. Frankreich habe aber viel umfangreichere Kolo­nialgebiete zu verteidigen, als Italien und es sei deshalb nicht mehr als recht, daß seine Flotte entsprechend größer sei. Außerdem habe man nicht nötig, sich über die auf dem Pachter stehende Flottengleichheit Kopfschmerzen zu machen. Man brauche nur an den deutschen 10 000-Tonnen-Kreuzer zu denken, um die Fest­stellung zu machen, daß diese kleinen Schiffe ebenso wirksam seien, wie die größten Pan­zerkreuzer. DerExcelsior" betont, daß Frankreich es vorgezogen habe, noch nicht auf die in der englischen Rote aufgeworfenen Fragen einzugehen, sondern erst zu Beginn der Kon- ferenz mit der Besprechung aller Einzelheiten beginnen werde. Cs sei dies eine vorsich­tige Methode, denn die französischen Unter­händler könnten dann die Schritte unternehmen, die sie je nach den Uebereinkommen zwischen Amerika und England für notwendig hielten.

Macdonald in Kanada.

2cr britische Premier gesundheitlich stark abgespannt.

Ottawa, 18. Oft. (WTB. Funkspruch.) Pre­mierminister Macdvnald, der von Washington zum Besuch der kanadischen Regierung in Ottawa eingetroffen ist, sieht abgespannt aus und seine Gesundheit verursacht den ihm Nächststehen- den viel Besorgnis. Nachdem er bei dem vor­gestrigen öffentlichen Empfang etwa 2500 Menschen die Hand geschüttelt hatte, sank er müde in einen Stuhl zurück und es wurde mitgeteilt, daß es ihm nicht möglich sei, den übrigen Erschienenen die Hand zu geben. Wegen seiner Gesundheit wurden weitere Emp­fänge in Ottawa und Montreal abgesagt.

Macdonald hat dem kanadischen Premiermini­ster Mackenzie King die bestimmte Ver­sicherung gegeben, daß eine Washingtoner Mel­dung, er habe der Schleifung der brifi- schen Befestigungen auf den west­indischen Inseln, sowie der Aufgabe der Flotten st ation Halifax zugestimmt, jeder Grundlage entbehre. Der Sonder­berichterstatter des »Daily Herald", der sich im Gefolge Macdonalds befindet, meldet, daß Mac­donald und Mackenzie King die Möglichkeit er­örtert hätten, die nächstjährige britische Reichskonferenz in Kanada abzuhalteru Aller Voraussicht nach würden die Regierungen der übrigen Dominions zustimmen.

Bürgermeister Schneider vom Amt suspendiert.

Berlin, 17. Oft (Privatmeldung.) Bürger­meister Scholz hat dem Leiter des Bezirksamtes Mitte Bürgermeister Schneider wegen der in der Sklarek - Angelegenheit gegen ihn erhobe­nen Vorwürfe die Ausübung der Amtsge­schäfte auf Grund des Disziplinargesetzes vor­läufig untersagt. Bürgermeister Schneider soll auch von großen Firmen, mit denen er geschäft­lich zu tun hatte, Geschenke angenommen, ferner von'Künstlern, denen er als Bezirksbürger­meister Aufträge gab, Bilder und Statuen als Ge­schenke erhalten haben. Nach allen diesen Vorfällen wird nicht daran zu zweifeln zu sein, daß gegen Bürgermeister Schneider ähnlich, wie es bei den Stadtbankdirektoren bereits gescyehen ist, das Ver­fahren mit dem Ziel auf Dienstentlassung eingeleitet wird.

Die durch die Angelegenheit Sklarek kompromit­tierten Direktoren der Berliner Stadtbank, Schmitt, Hoffmann und S ch r ö d e r wer­den, wie dasB. T." zu wissen glaubt, ohne Rück­sicht darauf, welchen Ausgang die Disziplinarunter- suchung nehmen wird, nicht mehr in ihr Amt zu­rückkehren, sondern ihrer Stellung ent­hoben werden. Die drei Stellen der Stadtbank­direktoren sind, wie das Tageblatt meldet, bereits heute zur Neubesetzung ausgeschrieben worden.

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Nadir Khan

König von Afghanistan.

Kabul von den flüchtenden Truppen Habib Uttahs geplündert.

London, 17. Oft. (WB.) Wie Reuter aus Kabul meldet, hat die Rationalversammlung mit Stimmenmehrheit Radir Khan trotz seines Widerstrebens z u m König von Afgha- nistan gewählt. Die Wahl erfolgte in An­erkennung seiner persönlichen Verdienste um die nationale Sache. In einem Telegramm der fran­zösischen Journalistin Frau. Andree Viellis aus Kabul, wohin sie nach Einnahme der Stadt durch Nadir Khans Truppen geflohen ist, heißt

-Dali Khans Truppen haben die Zitadelle nach heftiger Beschießung eingenom­men und halten jetzt Kabulvolständigbe- JjbL Cnnr Habib Allah ist geflüchtet. Nadrr Khan zog am Mittwoch an der Spitze von 12 000 Mann ein. Habib Allahs Truppen hatten dre britische Gesandtschaft an- gegriffen, waren jedoch mit Verlusten ab- worden. Die französische Ge- s a n d t s ch a f t ist teilweise geplündert wor- den. D:e Stadt selbst wurde vollkommen geplündert. Jetzt ist wieder verhältnismäßige Ruhe eingetreten. u

Estenkinder wollen deutsche Schulen besuchen.

die deutsche Schule im Ausland auch auf Nlchtdeutsche eine große kulturelle Anziehungs- °usubt einmal wegen der vorbildlichen deutschen Lehrmethoden, dann aber auch weaen des Deutschen als Weltverkehrs- Drache, ist besannt. Diese Vorzüge der deutschen Schule machen sich in der Welt als eine sebr ectoünfäte kulturelle Werbung geltend; in den gemischtsprachigen Gebieten pflegt die deutsche Schule ohne gewaltsame höhere Einwirkung, in Ostoberschlesien sogar trotz eines ausgesprochenen Schulterrors der Polen, eine starke AnziehunoS- kraft auszuüben. Auch in den baltischen Staaten haben sich die deutschen Schulen dank des erschütternden Opfersinnes der deutschen Be­völkerung wieder einen ehrenvollen Play zu sichern gewußt. Aus Fellin wird als ein Beispiel der Werbekraft der deutschen Schule

Oie politischen Ziele -es Zentrums.

Prälat Kaas zur Sagt.

Dortmund, 17. Oft (WTB.) Der Vor­sitzende der Deutschen Zentrumspartei, Professor Dr. Kaas, sprach in Dortmund über die auhen- und innenpolitische Lage. Das Charakteristische der gegenwärtigen Lage und einer ihrer be­drohlichsten Passivposten sei der Mangel einer innerlich ausgeglichenen, durch einen einheitlichen Willen zusammengeschweißten, koalitions- mäßig f e st gebundenen Regierung. Anbedingtes Erfordernis sei es, in Zukunft Siche­rungen dafür zu schaffen, daß eine durch das Ver­trauen des Parlaments bestätigte Regierung nicht durch jeden Stimmungsumschwung innerhalb der Regierungsparteien gehemmt werde, und daß ihr eine größere Anabhängigkeit gegen­über den unberechenbaren Zufälligkeiten des parlamentarischen Wetterwech­sels garantiert werde. Dr. Kaas kündigte die Bereitwilligkeit des Zentrums zu planvollen Reformen im Innern an.

Außenpolitisch wiederholte Dr. Kaas den be­kannten Standpunkt des Zentrums, daß eine end­gültige und verantwortliche Stellungnahme zum Poung-Plan und seinen Auswirkungen noch nicht in Frage kommen könne. Dr. Kaas be­klagte das Schneckentempo der Verständigungs­bereitschaft auf der Gegenseite. Die Liquidation des Krieges ist im Gange, aber noch nicht zu Ende. Die Form der Liquidation war niemals weniger gleichgültig, als im gegenwärtigen Augenblick. Ich denke da vor allem an d i e deutsche Saar. Es kann kein Zweifel dar­über sein, daß Deutschland zu jedem Entgegen­

kommen bereit ist, das mit der Idee der be­dingungslosen politischen Rückkehr und dem Ge­danken der wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit zwischen Saar und Gesamtdeutschland vereinbar ist. Wir verneinen nicht die wirtschaftlichen Zu­sammenhänge, die sich aus der geographischen Nachbarschaft mit Frankreich ergeben, und wir sind bereit, diesen Notwendigkeiten inf Rahmen unseres nationalen Interesses und unserer natio­nalen Würde Rechnung zu tragen. Der sachliche Inhalt und das Tempo der Erledigung der Saar­abmachungen wird von wesentlichem Einfluß auf die Weiterentwicklung der politischen Verhält­nisse fein.

Kaas bedauerte das Fehlen einer ihrer Ver­antwortung bewußten, bei aller sachlichen Schärfe die ungeschriebenen Gesetze ritterlichen Kampfes und die Gegebenheiten der Realpolitik respektie­renden Opposition. Ganz anders würden sich die Dinge gestalten, wenn wir eine Rechts­opposition hätten die mit beiden Füßen auf dem Boden des republikanischen Staatswesens stünde und alle ihre Kräfte einsetzte gegen das un­organische Entwicklungstempo, wie es vielen sozialistischen Vertretern des repu­blikanischen Gedankens vorschwebt. Ein Kreuzweg ist dieses Jahrzehnt gewesen, aber fein Irrweg. Der Aufstieg Deutschlands kann sich nicht in frontalem und aggressivem Kampf gegen die Willkürbestimmungen der Friedensverträge vollziehen, sondern nur in geduldiger moralischer Offensive und in stufenweiser Geltendmachung unserer wiedererstarkenden Kräfte für die Errin­gung eines ausgeglicheneren und gerechteren Frie­denszustandes, als Versailles uns ihn beschert hat.

,,ElasZeppe>in"von-erZa>kaiifahttzmüügekehlt

Am Donnerstag früh um 9.35 Ahr teilte der Graf Zeppelin" über Namslau funken telegra­phisch mit, daß er Kurs in Richtung Kreuzburg OppelnDeuthen nehme. Am 10.10 Ahr war das Luftschiff über Oppeln. Am 10.35 Ahr überflog das Luftschiff Groß-Strelitz, um 11 Ahr Deuthen, um 11.15 Ahr ©leite. Nach Aeberfliegen von R a t i 6 o r hatGraf Zeppe­lin" kurz nach 12 Ahr den Kurs geän­dert und ist in Richtung auf Oderberg Wien weitergeslogen. Linz wurde mit Kurs donauaufwärts um 16.30 Ahr überflogen und abends um 18.30 Ahr zum zweitenmal Mün­chen passiert. Obwohl Abendnebel über der Stadt lagen, zeichneten sich die Konturen des Luftriesen deutlich am Horizont ab. Das Surren und Brummen der Motoren, das das Luftschiff schon von weither ankünöigte, lockte auch diesmal zahlreiche Personen auf die Straßen. Das Lustschifs machte über der Stadt mehrere Schleifen uni) wurde wieder jubelnd begrüßt. Gegen 18.45 Ahr nahm das Luftschiff scharfen Kurs nach Südwest.

Friedrichshafen wurde um 20.15 Ahr wieder erreicht. Das Luftschiff bot im Vollmond- fchein wieder einen phantastischen Anblick, zumal um diese Zeit noch gute Sicht vorhanden war. Trotz des immer stärker werdenden Bodennebels konnte um 21 Ahr die Landung glatt durch­geführt werden. Die Fahrgäste sind von der Reise sehr befriedigt, wenn auch hin und wieder die Sicht behindert war. Einen besonders nachhalti­gen Eindruck auf die Passagiere hat die Be­grüßung desGraf Zeppelin" durch die Be­völkerung des oberschlesischen Industriegebiets gemacht.

Enttäuschung in Breslau.

3n Breslau war die Enttäuschung groß, als es immer augenscheinlicher wurde, daß derGraf Zeppelin" feine Absicht, auf dem Breslauer Flug­hafen zu landen und einen Passagierwechsel vor­zunehmen, der schlechten Witterung wegen auf­geben muhte. Da die Erregung des Publikums einen Grad erreicht hatte, daß es schien, als wollte es das Flughafenkasino stür­men, wurde ein starkes Polizeiaufgebot einge­setzt, um den Platz vor dem Flughafen zu räumen. Gleichzeitig sandte der Polizeipräsident an den Zeppelin folgendes Funktelegramm:Gebet Ant­wort, ob mit Landung des Schiffes in Breslau heute noch zu rechnen ist, da Publikum unruhig. Polizeipräsident." Kurz nach 1 Ahr ging die Ant­wort ein:*21 ein. Befinden uns bereits auf Heimfahrt kurz vor Brünn." Auch unter denjenigen, die im Breslauer Flughafen stunden­lang warteten, um mitzufliegen, herrschte eine sehr erregte Stimmung.

An den Oberbürgermeister von Breslau funkte Dr.- Eckener: Keiner bedauert mehr als die Be­satzung und ich, daß wir die Landung in Breslau und das ganze Don uns geplante schlesische Pro­gramm nicht durchführen können. Wir sehen unseren lebhaften Wunsch, in Schlesien unseren weltgefahrenen ..Graf Zeppelin" vorzuführen, wie auch unseren Beschluß und Versuch, nach der anstrengenden Balkanfahrt zu Ihnen zu kommen, zerstört. Es muh leider bei der teilweisen Aus­führung unserer geplanten Visite bleiben. Nebel und tiefhä ngende Wolken spielen im Herbst eine Hauptrolle, namentlich in gebirgigen Gebieten, jetzt kommt es sehr schlecht von Nord­westen herein; wir müssen noch die gute Sicht benutzen, um auf südlichem Wege alsbald den heimischen Hafen zuzusteuern. Auf ein andermalI Ergebenen Gruß Dr. Eckener.

dem V. D. A. mitgeteilt, daß von Jahr zu Jahr die Zahl derjenigen Eltern estnischerNatio- nalität steigt, die, bisher allerdings meisten­teils vergeblich, ihren Kindern den Besuch der deutschen Grund- oder Mittelschule zu ermög­lichen versuchen. Das Städtische Schulamt stellt den Erlaubnisschein in der Regel nicht aus, da ja Voraussetzung für den Besuch einer deutschen Schule die Ausnahme der Eltern in das National­register, also das Bekenntnis zur deutschen Natio­nalität ist. Das Felliner Schulamt gibt in einer Ortszeitung zu, daß der Andrang estnischer Kin- der zur deutschen Schule seinen Grund einmal in der Aeberlegenheit der deutschen Schule im allgemeinen hat, dann aber auch in dem Be­streben, die Kinder wenigstens eine Fremdsprache gründlich erlernen zu lassen. Das Schulamt stellt fest, daß in den estnischen Mittelschulen die Kinder häufig nicht einmal ihre eigene Muttersprache richtig schreiben lernen, geschweige denn, daß sie die Kenntnisse erwerben, die zu der im öffent­lichen Leben Estlands geforderten Beherrschung dreier Sprachen nötig sind.

Aus aller Welt.

l)o X fliegt mit voller Belegung.

Das neue deutsche RiesenflugbootDo X" wird am Freitag zum erstenmal mit voller Belegung auf- steigen und auch 15 0 Passagiere mit an Bord nehmen. Damit wird zum erstenmal das große deutsche Riesenflugboot seine volle Trag, fähig kett ausnutzen. Es soll ein längerer Flug über dem Bodensee durchaesührt werden. Die Kon­struktionspläne derDo X" sehen bekanntlich vor, daß 100 Passagiere, 15 Mann Besatzung samt allem Gepäck sowie Betriebsstoff für etwa 1000 Kilometer Flug mit an Bord genommen werden können. Mit der Belastung durch das Gewicht von 150 Passagieren dürfte ungefähr die Leistungsfähigkeit nach den Konstruktionsplänen voll ausgenutzt werden.

Silbermünzen

zur (Erinnerung an den Weltflug des Zeppelins.

Der Reichsrat gab seins Zustimmung zu einer Vorlage, die die Ausprägung von Silbermün­zen aus Anlaß Les ersten Weltfluges des Lust- schrffesGraf Zeppelin" bezweckt. Es sollen drei QMnonen Mark Drei-Markstücke und zwei Mrlltonen Mark Fünf-Mark-Stücke als Ermnerungsmünzen auf allen deutschen Münz- statten geprägt werden. In der Begründung hecht es. day der erste Weltflug des Gras Zeppelin" em Ereignis von derart überragender Dedeutung d-L gere<6tfertiflt erfchcim.

Tat durch dre Ausgabe einer Erirmerungs- mun^e auch für die Nachwe 11 festzuhal­ten. Die Schauseite wird die durch Langs- und Breitengrade veranschaulichten nördlichen und

südlichen Teile der Weltkugel zeigen, in der freien Mittelfläche ist das Luftschiff dargestellt. Aeber ihm das WortZeppelin", darunter das WortWeltflug".

Der Leichensund in der höhle bei Uftrungen.

Die Leiche des in der Diebeshöhle bei Uftrungen gefundenen Mannes konnte als die des etwa fünfzig Jahre alten Bäckermeisters Ludwig aus Winde­hausen bei Nordhausen identifiziert werden. Die ge­naue Todesursache wird erst durch die behördliche Untersuchung der Leiche festgestellt werden können. Zu der Bergung der Leiche waren zehn Mann er- forderlich, die mehrere Stunden mit Ketten und Hebebäumen zu arbeiten hatten.

Die Anklage gegen Graf Christian zu Stolberg.

Gegen Graf Christian zu Stolberg-Wernige­rode ist von dem Erweiterten Schöffengericht Hirschberg Anklage wegen fahrlässigerTö- tung erhoben worden. Graf Stolberg steht bekanntlich im Verdacht, seinen Vater in dessen Wohnzimmer durch unvorsichtiges Handhaben des Jagdgewehrs erschossen zu haben.

Graf Bernstorff in London schwer bestohlen.

Der Vertreter Deutschlands bei den Seeabru- stungsverhandlunaen in Genf, Botschafter Graf Bernstorfs, der sich einige Tage in London aufhielt, ist das Opfer eines Diebstahls geworden. Graf Bernstorfs wollte vom Liverpoolstreet-Bahnhos nach Dänemark reisen und händigte fein Gepäck einem Träger aus, der es nicht unmittelbar in den Zug brachte, sondern zunächst beiseite legte. Kurz vor Abgang des Zuges wurde festgestellt, daß e i n kleiner Koffer fehlte, der persönliche Pa- piere, Juwelen und andere Gegenstände im Werte von rund 2000 Mark enthielt. Die Untersuchung war bisher ergebnislos.

Sieben Tote bei einem Hotelbrand in U. 5. A.

InSeattle wurde das Portland-Hotel durch Feuer zerstört. Aus dem niedergebrannten Hotel sind bisher sieben Personen als Leichen aeborgen worden. Mehrere Personen haben lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Das Hotel war ein Dacksteinbau. Es war innerhalb einer Stunde ein einziger Trümmerhaufen.

Schweres Verkehrsunglück in Reval.

In der Nähe des Risti-Bahnhofs der Eisenbahn­linie RevalHapsal wurde ein Omnibus beim Kreuzen eines Bahnüberganges von einem Güterzug erfaßt. Drei Personen wurden qe - tötet, eine schwer verletzt.

Todesurteil gegen einen Vatermörder.

Ota# zweitägiger Sitzung verurteilte das Schwurgerrcht Ravensburg den 25 Jahre alten ledigen Landwirtssohn Julius ZeN wegen erms Verbrechens des vollendeten mit Vorsatz und Aeberlegung ausgeführten Mordes zum Tode

T und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehren­rechte auf Lebenszeit. Wegen einer Anterschla- gung erhielt er außerdem eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten. Der Angeklagte hatte seinen Vater, den 64 Jahre alten Gemeindepfleger Franz Zell, aus dem Hinterhalt mit einem M ili tärgew ehr erschossen und die Leiche im Hof verscharrt. Der Täter leugnete zwar hartnäckig den Mord ab und behauptete, sein Vater habe Selb st mord begangen, nach­dem er zuerst erklärt hatte, fein Vater sei feit drei Wochen vermißt. Dann aber wollte et seinen Vater in Notwehr erschossen haben. Durch Indizienbeweis wurde er jedoch des vor­sätzlichen und mit Aeberlegung ausgeführten Mordes überführt.

Das neue mexikanische Strafrecht.

Der neue Strafgesehentwurf, den Präsident Portes G i l auf Grund der ihm vom Kongreß verliehenen besonderen Machtbefugnisse verfaßt, sieht u. a. vor, daß der Vater das Recht hat, seine Tochter und ihren Verführer zu töten, wenn die Tochter sich freiwillig preis­gegeben hat. Im Falle von Ehebruch darf der geschädigte Teil den anderen t'ö t e n, ohne bestraft zu werden. Das Strafgesetzbuch, das am 15. Dezember in Kraft tritt, schafft die Ge­schworenengerichte ab und erseht sie durch Ge­richtshöfe, die aus Irrenärzten und anderen Sachverständigen bestehen.

Tragischer Tod einer Greisin.

Die 90jährige Lady Paget, Witwe des frühe­ren englischen Botschafters, ist das Opfer eines tragischen Unglücksfalles aeworden. Ihre Kleider fingen, als sie vor dem Kamin saß, Feuer. Bevor sie die Klingel erreichen konnte, um Hilfe herbeizu­rufen, hatte sie bereits schwere Brandwun­den erlitten, denen sie im Krankenhaus erlegen ist. Lady Paget war eine geborene Gräfin Wal­burga von Hohenthal, ihre Großonkel war der preußische Kriegsminister der Befreiungskriege, General Scharnhorst. Lady Paget war seiner­zeit von der Königin Victoria nach Dänemark gesandt worden, um die Prinzessin Alexandra, die spätere Gemahlin Eduards VII., kennen zu ler­nen. Erst nachdem Lady Paget einen günstigen Be­richt erstattet hatte, gab Königin Victoria ihre for­melle Zustimmung zur H e i r a t des damaligen Prinzen von Wales, späteren Königs Eduards VII., mit der Prinzessin Alexandra.

Der erste Berliner Wolkenkratzer ferliggestellk.

In einer Rekordzeit von fünf Monaten ist so­eben der erste Wolkenkratzer der Reichshaupt­stadt in der Potsdamer Straße fertig- gestellt worden. Das Gebäude ist nach einem amerikanischen Verfahren von Prof. Bruno Paul errichtet worden und gehört einem gro­ßen Konzern der Kaffeebranche. DaS Gebäude, das das städtebauliche Gesicht der Um* gegenö grundlegend verändert, erhebt sich in sei­nem mittleren Teil bis zu zwölf Stockwerken in einer Gesamthöhe von 43 Olle'em. Die Genehmi­gung für den T<lu benötigte zum Durchlaufen der etwa zwanzig Instanzen ein vo les Jahr, also daS Doppelte der gesamten Bauzeit.

Berliner Börse.

Berlin, 18. Okt. (WTB. Funkspruch.) Im heu­tigen Frühverkehr schien sich nach den wenigen ge­nannten Kursen zu urteilen (Farben zirka 188 exkl. Bezugs, Siemens zirka 229 und Schuckert zirka 189) gegen die schwachen Franlfurtcr Abendnotierungen eine leichte Erholung durchsetzen zu können. Die allgemeine Unsicherheit blieb aber weiter bestehen. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,87, London gegen Mailand 93,02, London gegen Spanien 33,93 zu 33,98, London gegen Kabel zirka 487, London gegen Berlin zirka 20,40, Kabel gegen Berlin 4,1885 zu 4,1890.

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Wettervoraussage.

.Der Einfluß der nördlichen Störung wird weiter keine Wirkung auf unsere Wetterlage ausüben. An ihrer Rückseite werden die vordringenden kalten Luftmassen wohl zu etwas veränderlichem Wetter führen. Dabei herrscht wechselnde Bewölkung, und es besteht die Neigung zu einzelnen Schauern, jedoch kommt es morgen bereits wieder zur Auflösung der Wolkendecke, so daß vorübergehende Atifheiterung eintritt. Die Temperaturen gehen zunächst tagsüber zurück.

Wettervoraussage für Samstag: Kühler, wechselnd wolkig und vorübergehend auf­heiternd, nur vereinzelt leichte Schauer.

Witterungsaussichten für Sonntag: Teils wolkig, teils aufheiternd, kühl, meist trocken.

Lufttemperaturen am 17. Oktober: mittags 14,2 Grad Celsius, abends 11 Grab; am 18. Oktober: mor­gens 10 Grad. Maximum 14,3 Grad, Minimum 9,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. Oktober: abends 10,1 Grad Celsius; am 18. Okto- der: morgens 10,8 Grad Celsius.