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uaon der Welt, er umfaßt 400 000 Kriegsopfer, ist daher auch die größte Kriegsopfer-Organisa­tion in Deutschland.

Hierauf sprach Hans Freund, Mainz, über das ThemaOrganisationsfragen der Kriegsopfer innerhalb der Krieger­kameradschaft Hassia". Er forderte zu genauen Meldungen der Kriegsbeschädigten auf, damit die Zahl der Beisitzer wachse: auf Ober­hessen entfallen 7, auf Starkenburg und Rhein­hessen je 5. 1931 finden wieder Neuwahlen der Beisitzer zu den Gerichten statt. Er forderte leb­hafte Werbetätigkeit der Obmänner und mehr Rührigkeit der Kriegsbeschädigten, denn die Or­ganisation sei die Grundlage des Erfolges.

Otto B o n h a r d, Gießen, hielt sodann einen Dortrag überDas Reichsversorgungs- g es eh". Er sprach über Reuanträge, Meldefrist, Elternrente, über den großen Wert der Aus­sagen des Hausarztes und des Zeugnisses des Bürgermeisters u. a. m.

Oberleutnant a. D. K r ö m m e l b e i n, Darm­stadt spricht über das gleiche Thema und erklärte, daß in der Zeit der heutigen Rot die Hassia alles für die im Felde beschädigten Kameraden tun werde. Die Kriegsbeschädigten müßten die letzten sein, bei denen bei aller Rot des Bater- landes gespart werden dürfe.

Der Landesvorsihende Ihrig referierte über das Thema:Erfahrungen bei den Sitzungen am Dersorgungs- und am Reichsversorgungsgerich t". Wie rie­sengroß die Arbeit ist, geht daraus hervor, daß in Berlin 40 000 Rekurse noch unerledigt schwe­ben, darunter noch solche von 1927. Roch rück­ständige Gesuche müßten jetzt schleunigst einge­reicht werden. Ein Sparerlaß folge dem andern, sehr wichtig sei der § 104, der sich mit noch­maliger Untersuchung und Obergutachten befasse. Redner behandelte besonders die Zusammen­setzung und Gliederung des Gerichts in Berlin und sprach zum Schlüsse über Nervenleiden, Fall­sucht, Lungenkrankheit und Tuberkulose bei den Kriegsopfern.

Bezirksobmann für Butzbach, Klee, Rocken­berg, gab wertvolle Aufklärungen über3 n - validen-, Unfall- und Sozialfür- sorg e". Er erläuterte die Fragen des Wieder­inkrafttretens der Rente, der Erlangung der Zu­fahrente, der Heilbehandlung, des Markenkle­bens usw.

Als letzter Referent sprach Dr. W i ck s n e r, Darmstadt, an Stelle des verhinderten Regie­rungsbaumeisters Kohl überW ohnungs- f ü r s o r g e". Es soll möglichst innerhalb der Hassia eine Organisation für Kleinwohnungsbau für die Kriegsopfer ins Leben gerufen werden, die den Dau von Eigenheimen in Hessen an­strebt. 3n Gießen wurde in der Person des Di­plom-Ingenieurs Schmidt ein Bertrauens- mann ernannt.

Vergebung öffentlicher Aufträge im kommenden Winter.

3m Reichsarbeitsministerium sand dieser Tage eine Besprechung mit den Beschaffungsressorts des Reiches einschließlich der Reichsbahn und der Reichspost statt, bei der auch das Reichs- wirtschastsministerium, das Reichsfinanzministe­rium und die Reichsanstalt für Arbeitsvermitt­lung und Arbeitslosenversicherung vertreten waren. Es wurde die Frage erörtert, inwieweit die Beschaffungsstellen durch verstärkte Ber- gebung von Aufträgen, vor allem in den kritischen Wintermonaten, an der De r f ü r - zu ng der Arbeitslosigkeit mitwirken könnten. Die Vertreter der Beschaffungsressorts erklärten, daß sie bei der Vergebung ihrer Auf­träge dem Gedanken des Konjunktur- und Saison­ausgleichs nach Möglichkeit Rechnung trügen und die örtlichen Deschaffungsstellen angewiesen hätten, in enger Fühlung mit den Landesarbeits­ämtern in diesem Sinne zu verfahren. Sie sagten

Dämonen derzeit.

Vornan von Arthur Brausewetter.

33 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Er nahm einen vor ihm auf dem Pulte lie­genden Brief und fuhr fort:

Herr Doktor Hamann schreibt, er hätte ge­lt em mit einem jungen Mädchen bei uns zu Nacht gegessen. Diese, eine kleine Pfarrerstockler aus der Provinz, .die in seinem Hause Aufnahme gefunden und die er, um unnötiges Gerede zu vermeiden, als seine Nichte apsgegeben, hätte sein harmlos scherzendes Verhalten mißverstan­den und sich eines geringfügigen An-lasses we­gen an den Direktor gewandt, mit dem sie von früher her bekannt war. So verhielt es sich, nicht wahr?"

Jawohl. Die junge Dame rief meinen Schutz an. Was sie dazu trieb, entzieht sich meiner Kenntnis."

Sie sagen also selber, es entziehe sich 3hrer Kenntnis. 3st es dann richtig, daß Sie, ohne sich über die Angelegenheit zu unterrichten und ohne Herrn Doktor Hamann zu fragen, sofort die Partei des jungen Mädchens ergriffen?"

Das ist richtig. Und nach meiner Ansicht auch selbstverständlich."

Weshalb selbstverständlich?"

Weil, wie 3hnen bereits mitgeteilt ist, ich die Dame kannte und wußte, daß sie sich eines geringfügigen Anlasses wegen nicht in meinen Schuh begeben würde. Zudem glaubte ich, in Ihrem Sinne zu handeln ..."

Gewiß, ich dulde in meinem Hause nicht den leisesten Verstoß. Ein solcher lag aber sicherlich hier nicht vor. Auf jeden Fall hätten Cie ge­schickter und taktvoller vorgehen können. Vol­lends Ihre Weisung an den Oberkellner:Der Herr zahlt," hat Herrn Doktor Hamann aufs tiefste gekränkt."

Das ist seine Sache. Iedenfalls kann ich den Vorwurf eines unrichtigen Vorgehens, wo ich nicht nur die Ehre einer Dame, sondern auch die Ihres Hauses zu wahren suchte, nicht auf mir sitzen lassen."

Ich kann Ihnen einen solchen dennoch nicht ersparen."

So ziehe ich die Folgerung und erbitte meine Entlassung."

Sie können gehen, sowie es Ihnen beliebt."

Klaus war in das Geschäftszimmer zurück- gekehrt, um die letzte Hand an 'eine Bücher zu legen, die er vor seinem Scheiden in geordnetem Zustande abliefern wollte.

Da trat der Oberkellner zu ihm heran.

Sie haben Verdruß gehabt ... wegen der Sache gestern abend, Herr Kamerad?"

Vertrauensmännerversammlung des Hessischen Landbundes in Alsfeld.

Am Samstag tagten in Alsfeld die Ver­trauensmänner des Hesfischen Land­bundes. Die Verhandlungen leitete der Kreis­vorfitzende, Steuernagel, Eudorf. Zuerst sprach der Landesvorsihende Dr. v. H e l m o l t, M. d. L., Friedberg, über die Lage der Land­wirtschaft. Der Redner ging z «nächst auf die Verhandlungen im Reichstage ein. Er erkannte an, daß im vergangenen Frühjahr ein Anfang gemacht worden sei, die Verhältnisse zr bessern, leider fei das von der Organisation vorgebrachte Material nicht genügend beachtet worden, und so seien die heutigen Verhältnisse auf dem landwirtschaftlichen Produktenmarkt erklärlich. Im zweiten Teil feiner Ausführungen berichtete er eingehend über die neuesten Forderungen des Reichs-Landbundes tzw. der Reichs- bauernfront. Wenn eine Besserung der landwirtschaftlichen Verhältnisse Platz greifen solle, dann müßten endlich diese Forderungen zur Annahme gelangen. Die Aussprache, die sich sehr lebhaft gestaltete, fand ihren Niederschlag in der folgenden einstimmig angenommenen

Entschließung:

Die heute in Alsfeld versammelten Ver­trauensmänner des Hessischen Landbun­des haben sich eingehend mit der Lage der Landwirtschaft beschäftigt. Die Vertrauens­männer kamen dabei zr folgendem Resultat:

Die kommenden Schwierigkeiten voraussehend, haben sich seiner Zeit die landwirtschaftlichen Spitzenverbände auf einheitliche Selbsthilfe- maßnahmen und wirtschaftspolitische Forderungen geeinigt. Diese Selbsthilfemaß­nahmen sind bisher unter den allerschwierigsten Verhältnissen weitergeführt worden. Die Ver­treter der Spitzenverbände haben aber bei jeder Gelegenheit, insbesondere auch gelegentlich der großen Agrardebatte im vergangenen Früh­jahr, gar keinen Zweifel darüber gelassen, daß

die Selbskhilfemaßnahmen ohne genügende roirt- schaflspottttfche Stützung wirkungslos bleiben würden. Die eindringlichen Mahnungen der Ver­treter aller Desitzgrößen sind leider zum größten Teil in den Wind geschlagen worden. Cs wird anerkannt, daß ein Anfang gemacht worden ist, durch entsprechende Aenderung der Wirtschafts­politik, der Landwirtschaft zu helfen. Diese Hilfe kann sich aber leider kaum auswirken, da sie zu gering war. Die Vertreter der Spitzenverbände haben nicht versäumt, immer und immer wieder auf diese Tatsache hinzuweisen.

So ist es daher nicht verwunderlich, daß z. B. Vieh und Roggen heute überhaupt nicht ab zu setz en sind, auch der milch wirt­schaftliche Betrieb ist nach wie vor un­rentabel. Wir betonen ausdrücklich, daß wir nicht davon überzeugt sind, daß Selbsthilfemaß­nahmen, wie Mechanisierung, Standardisierung, Qualitätsverbesserung u. dgl. allein die Land­

wirtschaft r entabel gestalten können. Der Weg vom Erzeuger z u m V e r b r a u che r m u ß abgekü rzt werden. Versuche in dieser Rich­tung mit milchwirtschaftlichen Produkten haben leider bisher gezeigt, daß uns der Handel höhere Preise bezahlt, als die Derbrauchergenvssenschaf- ten. Selbst die Konsumanstalten solcher Industrie- elfer Werke, die in der Hauptsache die Land­wirtschaft zum Abnehmer haben, bevorzugen ausländische Produkte. Daß dieser Standpunkt nicht berechtigt ist, ergibt sich daraus, daß unsere hiesigen Molkereien die höchsten Prämiierungen des In- und Auslandes erhalten haben.

So liegen die Verhältnisse in Wirklichkeit. Rur dem Umstande, daß der Dauer mit seiner Fa­milie in doppelter als der heute all­gemein üblichen Arbeitszeit tätig ist und er seine Ansprüche unter das Niveau eines großstädtischen Arbeitslosen gesetzt hat, ist es zu­zuschreiben, daß er heute noch auf seinem Be­sitze lebt.

Die heute versammelten Vertrauensmänner er­warten, daß die von den landwirtschaftlichen Spihenverbänden geforderten Soforlmaßnafjmen unverzüglich in die Tal umgeseht werden. Weiter erwarten sie entsprechende steuerliche Erleichterungen. Langwierige Verhandlungen seitens der Regierung erübrigen sich. Die Wege sind gezeigt, und Verzögerungen können uns nur noch vollends um unseren sauer verdienten Jahreslohn bringen. Leisten Regierung und Volksvertretung diesem Notruf keine Folge, so ist die Landwirtschaft nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Gläu­bigern, insbesondere auch gegenüber dem Staate in steuerlicher Beziehung, nachzukommen."

lieber den nächsten Punkt, Kreistags­und Provinzialtagswahl, berichtete kurz der Geschäftsführer Schnägelberger, Als­feld. Zu diesem Punkt sprach in längeren Aus­führungen der Provinzialvorsitzende des Hessi­schen Landbundes, Fenchel, M. d. L., Ober­hörgern. Nach der Aussprache über eine zur Verlesung gebrachte Vorschlagsliste wurde dieser Wahlvorschlag einstimmig gutge­heißen.

Geschäftsführer Schnägelberger berichtete dann noch kurz über die zur Zeit laufenden Steuerfragen. Unter Punkt Verschiedenes wurde aus der Versammlung heraus eine Reihe von Beschwerden, z. B. über das Verbot des Fahrens der Pflugschleifen, sowie über die Poli­zeiverordnung betr. der Beleuchtung landwirt­schaftlicher Fuhrwerke u. dgl. mehr vorgebracht. Der Vorstand wurde beauftragt, im Sinne der Versammlung bei den Behörden entsprechend vor­stellig zu werden.

insbesondere zu, daß sie auf eine möglichst reich­liche Vergebung von Aufträgen in den Winter­monaten hinwirken wollten.

Waldbrände und deren Bekämpfung.

Sobald der Waldboden mit feiner Moos-, Laub- und Reisigdecke längere Zeit trocken ge­worden ist, entsteht die Gefahr verheerender Waldbrände durch Funkenauswurf von Loko­motiven, weggeworfene Streichhölzer, Zigaretten­reste, oder auch durch leichtsinniges Hantieren mit Feuer in Wäldern, auf Heideflächen oder in deren Nähe. Besonders gefährdet sind zu­sammenhängende Nadelholzwälder. Vorsätzliche

Wenn sie außerhalb des Saalbetrieoes waren nannten sie sich bei diesem an frühere Zeiten ge­mahnenden Titel. Im Dienst und Verkehr mit den Gästen wahrte Persich stets Form und Ab­stand.

Er nahm einen Stuhl und setzte sich zu Klaus.

Sriefem fiel zum ersten Male der leise Zug von Schwermut um den etwas großen und mit einem Schatten von Schnurrbart umdunkelten Mund auf, der ihm im nie ruhenden Betrieb des Tages weniger zum Bewußtsein gekommen war.

Ich habe es mir gedacht, daß es nicht gut ablaufen würde," fuhr Persich fort.Sehen Sie, das ist ja das Traurige für unsereinen: früher mußten wir auch gehorchen, aufs Wort, wie wohl in keinem andern Beruf, mußten uns Urteilen und Ansichten fügen, selbst wenn wir sie nicht zu den un'eren machen konnten, ja, wenn wir uns innerlich zu ihnen in Widerspruch setzten. Aber es lag ein eisernes System in allem. Vor allem: wir wußten, wem wir zu gehorchen und zu dienen hatten. Es waren Männer, die erst aus dem Gehorchen das Befehlen gelernt hatten und die, mochten sie in noch so hoher Stellung sein, immer noch gehorchen und dienen mußten. Das schuf bei aller streng gewahrten Rang­abstufung doch eine gewisse innere Gleichheit. Heute aber sind wir der Herrschaft und Laune jedes beliebigen Menschen untertan, der weder das Gehorchen noch das Dienen gelernt hat, der sich gor fein Recht zum Befehlen erworben hat."

Es war um diese Morgenstunden ganz still in den Weinstuben: so konnte er ungestört weiter­sprechen:

Und sehen Sie, unter nichts habe ich alle diese Icchre hindurch so gelitten wie unter einer so unberechtigten, nur auf den Geldunterschieden aufgebauten Herrschaft. Sie hätte mich, wäre ich nicht von frühester Iugend an so deutsch ge­wonnen, zum Anarchisten machen können. Ein wenig davon spüre ich trotz alledem im Blute. Ich kann nichts dafür. Alles andere: das Herab­sinken von einer einmal angesehenen Stellung, der täglich aufgezwungene Kampf ums liebe Brot, die Rot und Entbehrung, die un c reiner oft durchzumachen hatte ... alles das habe ich, ohne zu murren, auf mich genommen. Gegen das Schicksal, das von oben kommt,' kann schließlich keiner an. Es macht stark und widerstandsfähig. 2si>er das Schicksal, das von unten kommt, das heißt von Menschen, die wir vielleicht nicht ein­mal achten können, zermürbt und erniedrigt."

Sie haben auch 'chon viel durchgemacht, nicht wahr?" fragte Klaus, der den Worten des an­deren mit wachsender Teilnahme gefolgt war.

Du lieber Himmelt" erwiderle der, und in feinen stahlgrauen Augen lag etwas Verson­nenes und zugleich Fernes.Zuerst blieb ich Offizier. Ich hatte früh meine Eltern verloren und war von Verwandten, die sich nie um mich

oder fahrlässige Brandssiftung ist in allen Kul­turländern unter strenge Strafe gestellt. Ieder arbeitsfähige Mann ist ohne weiteres zur Lö­schung von Waldbränden gesetzlich verpflichtet. Man unterscheidet Erd-, Boden- und Gipfel­brände. Erdbrände entstehen nicht nur in Moo­ren, sondern können auch in Nadelwaldungen mit reichlicher Humusdecke Vorkommen, wie das vor einigen Jahrzehnten am Butterweg der Fall war. Sie sind schwer zu bekämpfen, weil sie, anscheinend gelöscht, an irgendeiner Stelle wieder ausbrechen. Man isoliert sie durch tiefere Grä­ben. Solche Brände schädigen die Baumwurzeln. Boden-, oder Lauf- und Flugfeuer kann bei ge­ringer Ausdehnung durch Ausschlagen mit grü-

fümmerten, als achtjähriger Iunge in das Ka­dettenkorps gesteckt. Ich kannte alfo von meiner ersten Kindheit an nichts anderes als den Sol- batenberuf. Dann kam der Tag, wo es nicht mehr ging, weil ich mich in die neue Art nicht zu fin­den vermochte. Nun fing ich allerlei an, wurde Kaufmann, zog durch die kleinen Städte und das platte Land und suchte, was ich auf meiner Wanderung erstanden, mit geringem Gewinn wie­der loszuschlagen. Bald aber packte mich ein Ekel vor dieser erniedrigenden Tätigkeit, die mehr an den Hausierer als an den Kaufmann erin­nerte. Ich nahm eine Stelle in einem ostpreußi­schen Vaterländischen Verband an und wan­derte, für die gute Sache werbend, von Dorf zu Dorf. Aber auch diese Tätigkeit, die im Grunde eine unaufhaltsame Bettelei war, mußte mir nicht liegen. Wenigstens erhielt ich nicht soviel, als meine hierin mehr beschlagenen Kollegen. Und so ... na ja ... so kam ich schließlich auf den Kellnerberuf, auf den mich ein gewisses Geschick und körperliche Gewandtheit vielleicht von vorn­herein gewiesen hatte."

Und von da an ist es Ihnen gut gegangen, nicht wahr?"

Nun, wie Sie sehen," erwiderte der andere, indem ein eigentümlich wehmütiges Lächeln um seine dünnen Lippen spielte,wenngleich es wahr­lich nichts Leichtes ist, vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein auf den Wink und die Klingel von Leuten zu springen, von denen man sich früher die Schuhe putzen ließ."

Seit wann sind Sie hier?"

Seit fast zwei Jahren und bin zufrieden. Sonst wäre ich auch nicht so lange geblieben.

Gewiß ... auch ich wäre geblieben ...

Da sah ihn Persich mit einem großen, erstaun­ten Blicke an.

Sie wären geblieben? Was wollen Sie damit sagen? Denken Sie denn daran, uns zu verlassen? Wir haben uns doch so gut zusammen eingear­beitet und verstehen miteinander."

Da haben Sie recht, Herr Kamerad," er­widerte Klaus und reichte ihm die Hand.Aber es geht nicht anders. Sie als ehemaliger Offizier werden das sofort einsehen."

Und er erzählte ihm kurz die Unterredung, die er eben mit Herrn Dettmiller gehabt, und von der Stellung, die dieser dem Vorkommnis des gestrigen Abends gegenüber eingenommen hatte.

Persich sagte kein Wort. Leidenschaftlich zu werden oder aufzubraufen, lag nicht in seiner Art, aber 'in seinen stahlgrauen Augen sprang ein Hecker Funke auf.

Richt wahr, das sehen Cie ein?" fragte Klaus nach einer Weile.

3a ... das sehe ich ein. Wir sind eins in dieser Sache und werden es bleiben. Darauf kön­nen Sie sich verlassen.-

nen Zweigen unterdrückt werden. Am wirksam­sten ist das Wegräumen der brennbaren Doden- decke in breiten Streifen, wie sie längs der Bahn­linien vorbeugend angelegt find. Bei Gipfel­feuern in hohen Nadelho -beständen muß Holz­abtrieb an der gefährdeten Seite vorgenommen werden. Wer einen Waldbrand bemerkt und nicht alles tut, was zu feiner Unterdrückung zweck­mäßig erscheint, macht sich strafbar.

Oberheffen.

Ohm-Lumdatal Sängerbund.

ö Lehnheim, 16. Sept. Gestern sand hier in der Gastwirtschaft von Honig die ordentliche G e neraloersammlung des Ohm-Lumda- tal-Sängerbundes statt. Vor Beginn der Versammlung wurde dem im 85. Lebensjahre stehenden Mitglied Eckhardt des Gesangvereins Lehnheim eine feierliche Ehrung bereitet. Die Vertreter der Bundesvereine,-sowie die Mitglieder des Gesangvereins Lehnheim begaben sich vor die Wohnung des alten Herrn, wo der Bundesvorsitzende, Becker (Kesselbach), dem Jubilar, der von seinem 23. bis zum 78. Lebensjahre aktiver Sänger war, herzliche Glückwünsche aussprach und ein Geschenk überreichte. Der alte Herr dankte ergriffen für diese schöne Ehrung seitens des Bundes. In der Ver­sammlung erstattete zunächst der Bundesvorsitzende, Becker (Kesselbach, den Geschäftsbericht, aus dem u. a. zu berichten ist: In einer der letzten Vorstandssitzungen wurde die Gründung eines M u sikausschusses beschlossen, dem die Herren Schäfer (Nieder-Ohmen), Dönges (Merlau), S ch o m b e r (Kesselbach), Graulich (Burg-Ge- münden) und Müller (Babenhausen) angehören. Der Bund umfaßte zu Beginn des Geschäfts­jahres 27 Gesangvereine mit 857 Mitgliedern; ein Verein (Lumda) ist ausgetreten, ein anderer (Allendorf) hat seinen Beitritt erklärt, so daß der Bund zur Zeit 27 Vereine mit 903 Sängern zählt. 3n dem Bericht wurde weiter angeregt, den großen Lahntal-Gau in zwei Cinzelgaue einzuteilen. Der Schriftführer Con­rad, Weitershain, gab die Protokolle bekannt, hierauf wurde der Rechnungsbericht erstattet, aus dem zu ersehen war, daß der Bund das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem lleberschuß abgeschlossen hat, durch den sich das Bundes- Vermögen weiterhin erhöhte. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt, lieber das zweite Hessische Sängerfest in Darmstadt berichtete Müller. Babenhausen. Das Wertungssingen und Bundesfest für 19 3 0 wurde durch Ab­stimmung Freienseen übertragen. Der Ver­ein Nieder-Gemünden begeht im nächsten 3ahre sein Fahnenweihfest. Die hohen Beiträge für die Tonsetzer-Dereinigungen wurden auch diesmal wieder stark kritisiert. Weiter wurde beschlossen, 10 Prozent der Einnahmen aus den Bundesfest­einnahmen an den Bund abzuführen. Zum Schluffe berichtete der Gauvorsitzende Koch. Gießen, noch über die Unterschlagungen in der Verwaltung des Deutschen Sängerbundes.

Landkreis Gießen.

y. Lollar, 16. Sept. Gestern feierte der Verein K i n de r f r e u n d, dem die über­wiegende Mehrzahl aller Gemeindeglieder an- gehort, unter regster Beteiligung der Einwoh­nerschaft, das 25jährigeDe st ehenfeiner Kleinkinderschule. Der von der Firma Deibel & Nuhn hergestellte Neubau tour>e am 11. September 1904 eingeweiht. Dem Ver­ein wurde bereits ein halbes Jahr später e e © e meindekvankenpflege angegliefccr;. Die Schwestern wurden von Anfang an vom Diakonissenhause Elisabethenstift in Darmstadt ge­stellt. Sie sind durch ihre Arbeit an Kindern und Kranken seitdem mit der Gemeinde auf das innigste verwachsen. Als Auftakt zum 3ubi» läumstage fand am Samstagabend im großen Saale zurLinde" ein stark besuchter Fami­lienabend statt. Pfarrer Hrckel, der Lei-

Klaus hatte seine letzten Worte kaum noch ver­standen, denn er hatte die Schritte des Chefs vernommen und sich zurückgezogen, da er ein Zu­sammentreffen vermeiden wollte.

Als er nach einigen Besorgungen, die er in der Stadt gemacht, in das Geschäftszimmer trat, fand er den Oberkellner dort noch vor.

Er faß auf demselben Stuhl wie vorhin, recht« auf einem großen Blatt weißen Papiers Zahlen an Zahlen und war so in seine Arbeit vertieft« daß er seinen Eintritt erst bemerkte, als Klaus ihn leise an der Schulter berührte.

Was machen Sie denn da, Herr Kamerad?"

Meine Abrechnung."

Hat sie solche Eile, daß Sie nichts hören unö und sehen?"

»3a ... sie hat Eile. Denn wir gehen morgen zusammen."

Wir gehen morgen zusammen? Was soll daS heißen?"

Daß ich soeben dem Chef erklärt habe, daß Ihre Sache zugleich die meine wäre. Er bot mir das Doppelte meines Einkommens, aber auf meine Bedingung, Sie um Ihr Bleiben zu bitten, ging er nicht ein. Damit war die Angelegenheit für mich erledigt."

Klaus hatte Mühe, die in ihm aufsteigende Be­wegung zu unterdrücken.

Sie sind ein guter Kamerad und ein ganzer Kerl, Persich," sagte er. dem andern die Hand entgegenstreckend,und ich bin stolz darauf, Sie zum Freund gewonnen zu haben, und doch das hätten sie nicht tun sollen. Und ich hoffe, daß es nicht endgültig ist."

Es ist endgültig."

Wie soll ich es verantworten, Sie aus einer so guten Stelle vertrieben zu haben?"

Darüber können Sie ganz ruhig sein. Ein tüchtiger und zuverlässiger Oberkellner findet überall etwas im Leben, und auch Sie werden es sind en."

In der einen Beziehung hatte Persich richsig vermutet: nach wenigen Tagen bereits hatte er eine ihm zusagende Stellung im Ho.el Adlon, das gerade einen Ober.'e Inet suchte und ihn auf seine Zeugnisse hin sofort übernahm.

Klaus aber fand nichts, und Persichs Bemühun­gen, ihn bei Adlon oder anderswo als Direktor anzubringen, scheiterten, denn für diesen Posten war das Angebot viel stärker als der Bedarf.

Schwere Zeiten brachen an. Alles mögliche ver­suchte Klaus. Aber immer wurde ein anderer vorgezogen. Es war ein Gsiick, daß er von beiden Stellen, *auf denen er be fr ier Beköstigung we­nig gebraucht hatte, einige Ersparnisse gemacht hatte. Aber auch die würden eines Tages zu Ende gehen und was sollte dann geschrien?

(Fortsetzung folgt.)