zierung der Schulbenbedingungen. Es frage sich jetzt, ob der Voung-Plan angenommen und ausgeführt werde, Herriot kam dann auf die Ruhrbesetzung zu sprechen. Unter dem Protest der Rechten sagte er, daß diese Besetzung für Frankreich keine Sicherheit bedeutet habe. Das sei auch die Ansicht des Marschalls F o ch und seines Generalstabschefs De - st i ck e r gewesen. Er habe, als die Länderkonferenz eingesetzt war, General Desticker gefragt, ob man die Konferenz an der Weigerung, das Ruhrgebiet zu räumen, scheitern lassen wolle. Destiker habe geantwortet: „Wenn man das Ruhrgebiet räumt, bin ich zufrieden, denn im Falle einer Krise mühte es unsere erste Sorge sein, die Mannschaften zurückzurufen, die an exponierter Stelle stehen."
Man erkläre, doh die Besetzung des Ruhrgebiets Deutschland bezwungen und anderseits Milliarden eingebracht habe; man vergesse aber, dah sie Frankreich noch vielmehr an hast eingetragen habe. Deutschland habe den Dawesplan nicht wegen der Ruhrbesehung. sondern trotz der Ruhrbesetzung angenommen.
Die Vertreter Deutschlands hätten chre Unterschrift in London freiwillig geleistet, und von diesem Tage an habe Deutschland gezahlt. Was den Young-Plan betreffe, so könne Frankreich, falls Deutschland versage, wohl eine Gegenleistung fordern, die Frankreich die gleichen Vorteile wie Deutschland sichere. Briand habe gestern erklärt, er wolle sich nicht binden, bevor er auf die Konferenz gehe. Man spreche von der allgemeinen Liquidierung des Krieges: bis jetzt handele es sich aber nur um eine angelsächsische Liquidierung. Die Radikalen forderten deshalb eine auswärtige Politik, die dahin führe, dah die Liquidierung ein französischer Friede werde, der Frankreich zwar nicht einen beherrschenden Platz sichere, aber auf französischen Ideen ausgebaut sei. „Wir wollen," so erklärte Herriot, „daß Frankreich, das der Menschheit die Menschenrechte gegeben hat, das Land wird, das den Völkern vorschlägt, die Charta der Rechte der Völker anzunehmen. Wenn Europa sich nicht organisieren kann und seine Wirtschaft nicht in Grdnung bringt, wird es zum Opfer des Wirrwarrs.
Eine wesentliche Bedingung für die europäische Regelung ist eine loyale Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland.
Wir waren die ersten, die den deutschen Republikanern geholfen haben, und sind die ersten, ihnen zu sagen, daß wir wünschen, daß die Verpflichtung eine Rechtsgrundlage erhält." Herriot forderte deshalb die Regierung auf, die europäische Föderation zu verwirklichen und für die Abrüstung zu Lande das zu tun, was Macdonald für die A b - riistung zur See unternommen habe. Zu Briand gewendet erklärte Herriot: ,Lhr Werk von Locarno gibt Ihnen die Mittel an die Hand, unseren Friedenswünschen zu entsprechen." — Die Ausführungen Herriots ernteten allgemeinen Beifall.
Appell der Ausschußsprecher.
Rach einer Unterbrechung der Sitzung ergriff der Berichterstatter des Finanzausschusses. Aba. Chappedelaine, das Wort zu seinem Bericht. Er endete mit den Worten: „Die Lasten, die unser Land erdrücken, werden noch vergrößert, wenn wir nicht in den Text der Ratifizierung die formellen Vorbehalte einfügen, die der Finanzausschuß verlangt."
Nächster Redner war der Berichterstatter des ' Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Abg. Stern, der die gleichen Forderungen wie Chap- pedelaine namens des auswärtigen Ausschusses stellt.
Hierauf wurde die weitere Beratung auf Donnerstag vertagt.
Nur eine Entschließung.
Paris, 17. Juli. (WB.) Nach der heutigen Kammersitzung haben, wie Havas mitteilt, zwischen
Ricarda Huch.
3u ihrem 65. Geburtstage.
Von Hanns Martin Elster.
Zwischen zwei Welten wuchsen Werk und Persönlichkeit dieser Dichterin: zwischen dem All und dem Irdischen, zwischen dem Absoluten und der Wirklichkeit. Die schöpferische Tragik ihrer Wesenheit war es vom ersten Laut- und Gestaltwerden ihres Blutes an, durch das Gefühl wie bis zum letzten Grunde und bis zur vollen Ausschließlichkeit das Ewige und Unendliche, durch den Verstand wie bis zur endgültigen Llebcr- windung aller Allmusik das Reale erobern zu können. „Vita somnium breve“ — das Leben ein kurzer Traum, dieser erste Titel ihres Romans „Michael Unger“, gab das Grundmotiv ihres „Außerhalb — der Wirklichkeit — Lebens" und ihres leidenschaftlichen Willens zur Wirklichkeit, ihres Erlebens der unabänderlichen Vergänglichkeit und des immer neuen Blühens, des Todes und der Liebe.
„O Leben, o Schönheit!" ist das eine Motto ihrer Dramen, ihrer Lyrik, ihrer Romane und Rovellen, die sie seit 1891 mit berauschter Sprachkraft gab, als einen Hymnus, als eine dionysische Ekstase der Lebenslust im Glück und Schmerz, im Herzen und im Hirn. Alles, was da ist, hat nur Sinn und Wert in dem Maße, in dem es dem Leben dient und das Leben in seiner Tiefe und Höhe, Dichte und Weite verstärkt. Die Flamme des Seins lodert im Sinnlichen und Seelischen mit himmelhoher Glut, ■ nicht um irgendeinem Ideal einer Pflicht, einer Aufgabe, einer Person, einem Ziel, einer Sache zu dienen, sondern .nur um der Lust des Lebens, um des Loderns selbst willen. Das Dasein ausschöpfen, auskosten mit fieberhafter Inbrunst, mit nie gestilltem Allumfassen, mit grenzenlosem Lieber» maß an Lebenswillen, das ist die Bestimmung und Seligkeit der „echten Kinder der Ratur". „Frau Celeste" unterliegt dieser Leidenschaft ebenso wie Garibaldi, Galeide in den „Erinnerungen von Ludolf Llrsleu dem Jüngeren“, ebenso Marielies Ritter Heinrich wie Michael, Gras Confalonieri wie Friedrich von Spee im „Großen Krieg". Das „Evoe!" ihres Iugenddramas. das das Leben allein an der Intensität des Erlebens als wirklich erkennt und empsindet, identifiziert sich im stärksten Lebenstrieb, in der Liebe: die Liebe wird Wirklichkeitsinhalt ihres gesamten dichterischen Schaffens, und als die Dichterin mit dem Fortschreiten ihrer historischen Epik stärker von ihr fortstrebt, verblaßt auch die poetische Schönheit ihrer Werke. „Wißt. General." sagt Wafina zu Garibaldi, „ich habe diese Rächt ent»
BedeuiendeForischn'tie bes,,Oo X"
Italienische Sachverständige an Bord.
Friedrichshafen, 17. Iuli. (WB.) Bei anhaltend trockener und schöner Witterung hat das Dornier-Riesenflugzeug, während gestern wegen des Einbaues von neuen Meßinstrumenten nur kleinere Versuche auf dem Wasser stattgefunden haben, heute den ganzen Tag über seine Werkstättenflüge von der Basis in Alten-Rhein am Schweizer Ufer fortgesetzt. Bei den einzelnen Flügen befanden sich wiederum etwa 20 b i s 25 Mann an Bord.
3n der Flugdauer sind bedeutende Fortschritte erzielt worden. „Do. X" befand sich bei den heutigen Flügen bis zu einer halben Stunde ununterbrochen in der Luft. Die höhen, die dabei erreicht wurden, betragen etwa 500 bis 600 Meter.
Das Flugschiff kreuzte im Laufe des Tages mehrmals am nördlichen Rande des Bodensees. Rachdem „Do X" bereits gegen 10 Uhr in ziemlicher Höhe in Begleitung anderer Flugzeuge das westliche Villenviertel Friedrichshafens in Richtung der Dornier-Werft passiert hatte, überflog es kurz nach 16.30 Uhr in etwa 250 Meter Höhe die Altstadt. In südwestlicher Richtung vom Bodensee herkommend beschrieb
das Flugzeug, im Sonnenschein einen prächtigen Anblick bietend, eine große Schleife über der Stadt und entfernte sich dann, gefolgt von einem kleinen Dornier-Delphin, nach Westen. Der erste Besuch des Luftriesen, dessen Erscheinen, noch ehe man ihn zu Gesicht bekam, durch das Geräusch seiner zwölf Motoren angekündigt wurde, versetzte die Bevölkerung und die zahlreichen Fremden in sichtliche Erregung.
Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgten namentlich die Straßenpassanten den Flug des ruhig dahinziehenden Riesenvogels, dessen ungewöhnliche Ausmaße man im vergleich mit dem unter ihm fliegenden Wasserflugzeug des Aero Lloyd auch in der Luft gut erkennen konnte.
Das Einfliegen des „Do. X" wird in den nächsten Tagen planmäßig weitergeführt.
An einem der Nachmitagsflüge nahmen auch der italienische Unterstaatssekretär für Luftfahrtwesen, B a l b o , General C r o c c o und Dr. Dornier, sowie verschiedene andere offizielle italienische Persönlichkeiten teil. Nach dem Fluge äußerte sich B a [ b o außerordentlich begeistert über die Fahrt und war besonders erstaunt über die leichte Manövrier- und Steuerfähigkeit der Maschine.
verschiedenen Regierungsmitgliedern und Abgeordneten der Mehrheitsparteien, insbesondere den Urhebern der Gegenentwürfe von Entschließungen, über die Vorbehalte zur Schuldenratifizierung Besprechungen zu dem Zwecke, eine möglichst breite Grundlage einer Einigung über die Formulierung der Vorbehalte zu finden, stattgefunden. Es hat den Anschein, daß man sich auf eine Entschließung einigen wird, wonach Frankreich die Vereinigten Staaten und Großbritannien in dem Maße bezahlen wird, in dem es selbst von seinem deutschen Schuldner bezahlt werden wird. In die Entschließung soll weiter die Erklärung ausgenommen werden, daß Frankreich auf keinen Fall seine Ansprüche auf eine gerechte Verteilung der Kriegslasten werde verjähren lassen, und daß es gegenüber den Gläubigermächten nicht weitergehend verpflichtet sein werde, als Deutschland ihm gegenüber, lieber diesen Text werden verschiedene Kammerfraktionen morgen Beschluß fassen.
pomcare leicht erkrankt.
Paris, 17. Iuli. (WB.) Ministerpräsident P o i n c a r e konnte, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wegen leichter Erkrankung an der heutigen Kammersitzung nicht teilnehmen. Sein Hausarzt hat eine leichte Temperaturerhöhung festgestellt und ihm eine 24stün- dige Ruhe verordnet. Es wird erklärt, daß die Erkrankung Poincarös keiner! ei ernsten Charakter hat und auf die Ueberarbeitung der beiden letzten Wochen, insbesondere anläßlich der gestrigen Kammerrede, zurückzuführen ist. Im Laufe des Tages hat sich sein Befinden wieder gebessert.
England und Briands Staatenbund -Vorschlag.
London, 17. Iuli. (WB.) Im Unterhause fragte ein Abgeordneter, ob das Foreign Office irgendeine Mitteilung der französischen oder der deutschen Regierung über die Vorschläge Briands für einen europäischen Staatenbund erhalten habe und ob es eine Darstellung dieser Vorschläge und anderer Vorschläge für einen engeren wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluß, die seit dem Kriege von Persönlichkeiten in international anerkannter Stel-
deckt, daß alles außer der Liebe Traum und Täuschung ist. Solange wie lieben, leben wir in Fleisch und Blut: was wir sonst tun, ist graues Schattenspiel, das in hastiger Verzerrung über kahle Wände zuckt." Liebe und Leben sind so ineinander gleichgeseht: in den „Liebesgedichten" offenbarte Ricarda Huch dies Lebensergreifen überwältigend und bleibend. Weibtum spricht sich hier groß aus.
Dies Weibtum ist aber gesegnet mit ebenso heftigem Mannestum, mit scharfem Verstand. Er bringt die Tragik in den Rausch des Trieblebens durch das unerschütterliche Wissen um die Vergänglichkeit, den Tod, das Ende aller Wirklichkeit. Dieser Verstand sieht jede Einzelheit des Irdischen, jede Gefühlswelle, jedes Geschehnis, jede Phantasie unter dem Schein der Ewigkeit. Das unaufhaltsame Vergehen führt zu der Ludolf-Ursleu-Frage: „Was ist das Leben des Menschen? Wie Regentropfen, die vom Himmel auf die Erde fallen, durchmessen wir unsere Spanne Zeit, vom Winde des Schicksals hin und her getrieben. Der Wind und das Schicksal haben ihre unabänderlichen Gesetze, nach denen sie sich bewegen, aber was weiß der Tropfen davon, den sie vor sich herfegen? Er rauscht mit dem anderen durch die Lüfte, bis er im Sande versickern kann. Aber der Himmel sammelt sie alle wieder und wieder, immer dieselben und doch andere." Durch ihren Verstand ist Ricarda Huch zur Rihilistin geworden und die Schwermut ihres Rihilismus rettet sich in den Traum vom Leben, von der Liebe. Sie hatte in ihrer dichterischen Periode nicht die Kraft, sich vom Verstandeswissen, darin ein Kind des Materialismus im vergangenen Iahrhundert, zu erheben zum religiösen Allerleben, sie konnte sich nur durch An- Mamtnerung an den Lebensrausch vor dem Sich» verlieren ins Richts retten.
Phantasie und Gefühl leiteten sie hierbei mit stärkstem schöpferischen Vermögen. Das Ge» fühl umarmte das Wirkliche, durchtränkte es und bestellte dadurch jede auch noch so subtile Impression mit der seltsamen Magie des Traumes, der Llnwirklichkeit. Die Phantasie wirft, wie die „Triumphgasse“ betörend enthüllt, den Schimmer der Schönheit auch über das Dunkelste und Häßlichste zu trunkener Selbstvergessenheit. Geboren ward aus diesem Zusammenarbeiten von Phantasie und Gefühl im Rhythmus der Sprache jene musikalische Stimmung, die das Irdische, das Objekt schließlich auflöst und nur noch das Subjektive, das Sein als Raturhaftes bestehen läßt. Diese Musikalität trieb fort über alles Un» geheuerliche. Dämonische, Entsetzliche des Daseins und ließ allein festhalten am Instinkt, am nachtwandlerischen Sichausleben des Instinkts, am mystisch Vegetativen.
lung gemacht worden feien, zu veröffentlichen gedenke. Henderson antwortete, er habe keine Mitteilung erhalten: die im zweiten Teil der Anfrage enthaltene Anregung solle geprüft werden.
Abschaffung der Ll-Bovte?
London, 17. Iuli. (WB.) Im älnterhaus richtete Kenworthy an den Ersten Lord der Admiralität, Alexander, die Anfrage, wie es um den nunmehr auch von der amerikanischen Regierung vertretenen britischen Vorschlag stehe, die Unterseeboote durch ein gegenseitiges Abkommen abzuschaffen, und ob er diesen Vorschlag auf der nächsten Marineabrüstungskonferenz erneut vorzubringen beabsichtige. Alexander erwiderte, dah eine diesbezügliche Erklärung von der britischen Delegation während der Washingtoner Konferenz abgegeben und seitdem als Ansicht der Regierung bestätigt und aufrechterhalten worden sei. Es fei jedoch ein Abkommen erst möglich, wenn die Ra- tionen sich zu dieser Ansicht bekehrt hätten. Zum zweiten Teil der Anfrage äußerte Alexander, daß die Möglichkeit, ein solches Abkommen zu schließen, dauernd von der Regierung erwogen werde und daß eine erneute Bekanntgabe der Ansicht der Regierung bei der ersten geeigneten Gelegenheit erfolgen würde.
London, 17. Iuli. (WB.) Wie Reuter zu wissen glaubt, ist die Frage der geplantem Reise Macdonalds nach Amerika gegenseitig Gegenstand diplomatischer Verhandlungen. Auch die Frage, zu welchem Zeitpunkt die Einberufung der Abrüstungskonferenz in Betracht käme, wird erörtert.
Uvung-plan uni)'Reparationen!
Aeutzerungen
des englischen Sachverständigen.
Antwerpen, 17. Iuli. Der Führer der englischen Delegation auf der Pariser Sachverständigenkonferenz, S t a m p , der sich vorübergehend zu Besuch hier aufhält, gewährte dem Mitarbeiter der Zeitung „Metropole“ eine Unterredung, in deren Verlauf er u. a. ausführte: Die Regelung der belgischen Markfrage ist nicht nur hinsichtlich der glatten Durchführung des
Form und Inhalt der Dichtung Ricarda Huchs wird von diesen elementaren und weltanschaulichen Grundkräften bestimmt: die Rhythmik der Sprache, die Fülle der Bilder und Impressionen, die Ratur der Instinkt», Reflexions- und zwischen beiden hin und herschwankenden Menschen, der Ablauf des Geschehens vom Triumph des Gebend bis zum letzten Vergehen, vom höchsten Glück bis zum süßesten Leid, die Traumferne und halbe Tlnwirklichkeit des Irdischen, der Geschehnisse, die Kälte und die Glut dieser ganzen symbolisch- realistischen, romantisch-materialistischen Lebens- verfallenheit.
Im Anfang steht diese Kunst da als ein tragikerfüllter Zustand: das Leben ist so und es gilt sich mit ihm abzufinden. „Die Erinnerungen von Ludolf älrsleu d. I." (1892), die ersten Rovellen (1896/99) „Aus der Triumphgasse“ (1901) stehen ganz im Banne dieses verlorenen Wissens um das Leben, dieser restlosen Rauschhingabe an das Leben. Langsam fängt dann aber eine Entwicklung an: vom wissenschaftlichen Arbeiten her. Die Studien über die Blütezeit, die Ausbreitung und den Verfall des Romantik (1899 bis 1902) schaffen die erste Distanz zur wilden Trauer dieses Lebensgefühles: der Humor des Vorbildes Gottfried Keller, über den eine feine Studie entsteht, weckt positive Möglichkeiten, die Riederlage unter dem materialistischen Rihilismus, ihn äu überwinden und die historischen Arbeiten über das Risorgimento, den Dreißigjährigen Krieg für die Dichtung und die Wissenschaft schaffen Klarheit über die Wurzeln des Lebens.
Diese Klarheit gewinnt Ricarda Huch mit der Schrift „Ratur und Geist als die Wurzeln des Lebens und der Kunst“ (1914) und „Entpersönlichung" (1921) nicht als Dichterin, sondern als Denkerin. Es ist die Klarheit des Verstandes. Sollte sie einst auch die des Herzens werden, wird die Dichterin, die seit dieser Stunde, nun schon zehn Iahre schweigt, wieder erwachen. Synthese zwischen Ratur und Geist sucht dieser Verstand mit den Mitteln der physiologischen Psychologie: Schiller, Rovalis und — Weininger haben hier Pate gestanden. Der Mensch ist zuerst überwiegend unbewußt, der Instinkt leitet sein Weltbegreifen, er wird bewußt, d. h. er erkennt schließlich selbstbewußt, d. h. erkennt sich selbst. Das Unbewußte ist positiv, das Selbstbewußte negativ: das Weib, als wesentlich bewußt, ist positiver als der Mann, der wesentlich selbstbewußt ist. Selbstbewuhtsein ist Persönlichkeit, also höchste Regativität. Die Welt ist heute krank an dieser Regativität: Rettung ist nur möglich durch Beseitigung des Tlebennahes an Selbstbewuhtsein, durch den harmonischen Ausgleich von Bewußtem und Unbewußtem, Geist und Ratur sich bildet. Aufgabe des Menschen ist, seine Persönlichkeit im
Vvnng-PlaneS ein sehr schönes Ergebnis, sondern auch vom politischen Standpunkt aus gesehen werden die Beziehungen zu Deutschland von nun an fortschreitend herzlicher werden. Ich habe die feste lieber* zeugung, dah es den Kreisen von Wallstreet mit geringer Mühe gelingen würde, zu erreichen« dah sich
die vereinigten Staaten an der Internationalen Bank beteiligen.
Wie man zugeben muh, wird zur Zeit in London ein starker Druck ausgeübt, um die Wahl des Sitzes der neuen Dank entscheidend zu beeinflussen. Soweit wir daran interessiert sind, verlangen wir nichts weiter, als dah die Bank in einer Stadt untergebracht wird, die leicht erreichbar ist. Es folgt daraus nicht unbedingt, daß es gerade London sein muh. Ich sehe die größte Zuversicht in die Transfer Politik und in eine wirksame Kommerzialisierung der deutschen Schulden. Wenn die Leiter der Beteiligten Rationen gewillt sind, die Sache großzügig aufzufassen und in wirklich internationalem Geist die Verhandlungen führen, so werden wir rasch zu einem solchen Grad von Verständigung zwischen den Völkern gelangen, dah sich dann erst wirklich zeigen wird, wie wertvolles Gut der Menschheit der Völkerbund ist. Zum Schluß erklärte S t a m p noch, seiner aufrichtigen Meinung nach müsse die Räumung des Rheinlandes durchaus möglich fein.
Das Befinden
des Königs von England.
London, 17. Iuli. (WTB.) Im Buckingham- Palast wurde heute vormittag erklärt, das Befinden des Königs mache zufriedenstellende Fortschritte. Wie verlautet, ist die Operationsstelle eiterfrei, so dah kein Drainageröhrchen in Anwendung kommen konnte.
Dänischer Königsbesuch in Hadersleben.
Kopenhagen, 17. Iuli. (WTB.) Wie aus Hadersleben gemeldet wird, sind der König und die Königin von Dänemark heute vormittag an Bord der königlichen Iacht zu einem Besuch der Stadt und des Bezirkes dort eingetroffen. An dem Empfang hat sich auch die deutsche Fraktion des Stadtrates zum erstenmal seit 1920 beteiligt.
Aus aller Wett.
Der Schiffbruch des „Abtao".
Valparaiso, 17. Juli. (WTB.) Von der Besatzung des gestern, wie bereits gemeldet, im Sturm gesunkenen chilenischen Truppen- transportschiffes „21 b t a o" sind, wie auf Grund der Funkspriiche von dem zur Hilfeleistung herbei« geeilten Schiffen festgestellt werden konnte, im ganzen zwei 'Dl a n n geborgen worden. Die Zahl der Geretteten hat sich also um eine Person erhöht. Obwohl in kurzer Zeit fünf Schiffe, darunter zwei Zerstörer, an der Ungliicksftelle eintrafen, fanden sie nichts mehr vor als treibende Trümmer. Die übrigen 41 Mann der Besatzung scheinen demnach sämtlich von dem Schiff in dieTiefegezogen worden zu sein. Der Sturm ist einer der schwersten, die man je an der chilenischen Küste erlebt hat. Die Rettungsdampfer können infolge des noch immer anhaltenden stürmischen Wetters ebenso wie die Fischerboote keinen Hafen anlaufen, sondern müssen auf offener See bleiben. Die Passagiere des „Derfflinger" an Land gebracht.
Wie Lloyd ans Tsingtau berichtet, sind die 24 Passagiere des auf ein Riff aufgelaufenen
Verkehr mit anderen Menschen auszugleichen, zu überwinden, sich zu entpersönlichen, zu typisieren.
Ricarda Huch war schon in den drei Bänden des „Grohen Krieges“ auf diesem Wege der Entpersönlichung: sie entwickelte sich vom Persönlichen zum Architektonischen, vom Subjektiven zum Typischen, vom Lyrischen zum Antiken, von Der Gotik, dem Barock, der Romantik zur klassischen Harmonie, zur Religion, zur Gotteskind- schast, zur Freiheit. Vorerst ging sie den Weg nur als Denkerin, als Suchende des Geistes, als Erkennende: mit den Büchern über „Luthers Glauben" (1916), über den „Sinn der Heiligen Schrift“ (1921) und „Michael Bakunin und die Anarchie" (1923). Unt> jetzt in der real-historischen Welt, die sie in ihrer Iugend schon liebte, mit den zwei Bänden der herrlichen Städtebilder „Im alten Reich" (1927 bis 1929). Heberzeugen wird sie uns erst vom Organischen ihrer bisher nur konstruktiven neuen Entwicklung, wenn ihre erreichte Harmonie, die im starken Gegensatz zur Dichtergeneration unserer Zeit steht, im Kunstwerk Gestalt geworden sein wird. Das erhoffen wir von der Weisheit ihres Alters mit frohem Mut. —
Hochschulnachrichten.
Als Rachfolger des zurücktretenden bekannten Internisten Prof. H. Sahli ist vom Bernischen Regierungsrat Prof. Dr. mcd. Walther Frey, Direktor der inneren Abteilung des Katharinen- Hospitals in <3 t u 11 g a r t, zum ordentlichen Professor für innere Medizin an der Universität Bern und zum Direktor der Medizinischen Universitätsklinik im Inselspital gewählt worden. Dr. Frey, dessen Sondergebiet Herzpathologie ist, ist 1884 zu Bern (Schweiz) geboren.
Der ordentliche Professor der Philosophie Dr. Max Wundt in Jena hat einen Ruf an die Universität Tübingen als Nachfolger von Prof. K. Groos erhalten. Prof. Wundt, Rudolf Euckens Nachfolger auf dem Jenaer Lehrstuhl, ein Sohn des Leipziger Philosophen Wilhelm Wundt, ist 1879 geboren, studierte unter Leitung seines berühmten Vaters sowie in Freiburg, Berlin und München und begann im Jahre 1907 seine akademische Laufbahn als Prioatdozent in Straßburg. Anfang 1918 folgte er einem Rufe als a. o. Professor nach Marburg als Nachfolger von Georg Misch. Seit Ostern 1920 wirkt Wundt als Ordinarius und Nachfolger des Geheimen Rates Rudolf Eucken in Jena. Eine Berufung nach Gießen als Nachfolger Siebecks hat der Gelehrte abgelehnt. Seine Arbeiten bewegen sich vorwiegend auf dem Gebiete der griechischen Philosophie.
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