Ausgabe 
18.7.1929
 
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zierung der Schulbenbedingungen. Es frage sich jetzt, ob der Voung-Plan angenommen und ausgeführt werde, Herriot kam dann auf die Ruhrbesetzung zu sprechen. Unter dem Protest der Rechten sagte er, daß diese Be­setzung für Frankreich keine Sicherheit be­deutet habe. Das sei auch die Ansicht des Mar­schalls F o ch und seines Generalstabschefs De - st i ck e r gewesen. Er habe, als die Länderkonfe­renz eingesetzt war, General Desticker gefragt, ob man die Konferenz an der Weigerung, das Ruhrgebiet zu räumen, scheitern lassen wolle. Destiker habe geantwortet:Wenn man das Ruhrgebiet räumt, bin ich zufrieden, denn im Falle einer Krise mühte es unsere erste Sorge sein, die Mannschaften zurückzurufen, die an exponierter Stelle stehen."

Man erkläre, doh die Besetzung des Ruhrge­biets Deutschland bezwungen und anderseits Milliarden eingebracht habe; man vergesse aber, dah sie Frankreich noch vielmehr an hast ein­getragen habe. Deutschland habe den Dawes­plan nicht wegen der Ruhrbesehung. sondern trotz der Ruhrbesetzung angenommen.

Die Vertreter Deutschlands hätten chre Unter­schrift in London freiwillig geleistet, und von diesem Tage an habe Deutschland gezahlt. Was den Young-Plan betreffe, so könne Frankreich, falls Deutschland versage, wohl eine Gegenleistung for­dern, die Frankreich die gleichen Vorteile wie Deutschland sichere. Briand habe gestern erklärt, er wolle sich nicht binden, bevor er auf die Konferenz gehe. Man spreche von der allgemeinen Liquidie­rung des Krieges: bis jetzt handele es sich aber nur um eine angelsächsische Liquidierung. Die Radikalen forderten deshalb eine auswärtige Politik, die dahin führe, dah die Liquidierung ein französischer Friede werde, der Frankreich zwar nicht einen beherrschenden Platz sichere, aber auf französischen Ideen ausgebaut sei. Wir wollen," so erklärte Herriot,daß Frankreich, das der Menschheit die Menschenrechte gegeben hat, das Land wird, das den Völkern vorschlägt, die Charta der Rechte der Völker anzuneh­men. Wenn Europa sich nicht organisieren kann und seine Wirtschaft nicht in Grdnung bringt, wird es zum Opfer des Wirrwarrs.

Eine wesentliche Bedingung für die europäische Regelung ist eine loyale Verständigung zwi­schen Frankreich und Deutschland.

Wir waren die ersten, die den deutschen Republi­kanern geholfen haben, und sind die ersten, ihnen zu sagen, daß wir wünschen, daß die Verpflichtung eine Rechtsgrundlage erhält." Herriot forderte des­halb die Regierung auf, die europäische Föderation zu verwirklichen und für die Abrüstung zu Lande das zu tun, was Macdonald für die A b - riistung zur See unternommen habe. Zu Briand gewendet erklärte Herriot: ,Lhr Werk von Locarno gibt Ihnen die Mittel an die Hand, unseren Friedenswünschen zu entsprechen." Die Ausführungen Herriots ernteten allgemeinen Beifall.

Appell der Ausschußsprecher.

Rach einer Unterbrechung der Sitzung ergriff der Berichterstatter des Finanzaus­schusses. Aba. Chappedelaine, das Wort zu seinem Bericht. Er endete mit den Worten: Die Lasten, die unser Land erdrücken, werden noch vergrößert, wenn wir nicht in den Text der Ratifizierung die formellen Vor­behalte einfügen, die der Finanzausschuß ver­langt."

Nächster Redner war der Berichterstatter des ' Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Abg. Stern, der die gleichen Forderungen wie Chap- pedelaine namens des auswärtigen Ausschusses stellt.

Hierauf wurde die weitere Beratung auf Don­nerstag vertagt.

Nur eine Entschließung.

Paris, 17. Juli. (WB.) Nach der heutigen Kammersitzung haben, wie Havas mitteilt, zwischen

Ricarda Huch.

3u ihrem 65. Geburtstage.

Von Hanns Martin Elster.

Zwischen zwei Welten wuchsen Werk und Per­sönlichkeit dieser Dichterin: zwischen dem All und dem Irdischen, zwischen dem Absoluten und der Wirklichkeit. Die schöpferische Tragik ihrer We­senheit war es vom ersten Laut- und Gestalt­werden ihres Blutes an, durch das Gefühl wie bis zum letzten Grunde und bis zur vollen Aus­schließlichkeit das Ewige und Unendliche, durch den Verstand wie bis zur endgültigen Llebcr- windung aller Allmusik das Reale erobern zu können.Vita somnium breve das Leben ein kurzer Traum, dieser erste Titel ihres Ro­mansMichael Unger, gab das Grundmotiv ihresAußerhalb der Wirklichkeit Lebens" und ihres leidenschaftlichen Willens zur Wirk­lichkeit, ihres Erlebens der unabänderlichen Ver­gänglichkeit und des immer neuen Blühens, des Todes und der Liebe.

O Leben, o Schönheit!" ist das eine Motto ihrer Dramen, ihrer Lyrik, ihrer Romane und Rovellen, die sie seit 1891 mit berauschter Sprach­kraft gab, als einen Hymnus, als eine dionysische Ekstase der Lebenslust im Glück und Schmerz, im Herzen und im Hirn. Alles, was da ist, hat nur Sinn und Wert in dem Maße, in dem es dem Leben dient und das Leben in seiner Tiefe und Höhe, Dichte und Weite verstärkt. Die Flamme des Seins lodert im Sinnlichen und See­lischen mit himmelhoher Glut, nicht um irgend­einem Ideal einer Pflicht, einer Aufgabe, einer Person, einem Ziel, einer Sache zu dienen, son­dern .nur um der Lust des Lebens, um des Loderns selbst willen. Das Dasein ausschöpfen, auskosten mit fieberhafter Inbrunst, mit nie ge­stilltem Allumfassen, mit grenzenlosem Lieber» maß an Lebenswillen, das ist die Bestimmung und Seligkeit derechten Kinder der Ratur". Frau Celeste" unterliegt dieser Leidenschaft ebenso wie Garibaldi, Galeide in denErinnerun­gen von Ludolf Llrsleu dem Jüngeren, ebenso Marielies Ritter Heinrich wie Michael, Gras Confalonieri wie Friedrich von Spee imGroßen Krieg". DasEvoe!" ihres Iugenddramas. das das Leben allein an der Intensität des Erlebens als wirklich erkennt und empsindet, identifiziert sich im stärksten Lebenstrieb, in der Liebe: die Liebe wird Wirklichkeitsinhalt ihres gesamten dichterischen Schaffens, und als die Dichterin mit dem Fortschreiten ihrer historischen Epik stärker von ihr fortstrebt, verblaßt auch die poetische Schönheit ihrer Werke.Wißt. General." sagt Wafina zu Garibaldi,ich habe diese Rächt ent»

BedeuiendeForischn'tie bes,,Oo X"

Italienische Sachverständige an Bord.

Friedrichshafen, 17. Iuli. (WB.) Bei anhaltend trockener und schöner Witterung hat das Dornier-Riesenflugzeug, während gestern wegen des Einbaues von neuen Meß­instrumenten nur kleinere Versuche auf dem Was­ser stattgefunden haben, heute den ganzen Tag über seine Werkstättenflüge von der Basis in Alten-Rhein am Schweizer Ufer fortgesetzt. Bei den einzelnen Flügen befanden sich wiederum etwa 20 b i s 25 Mann an Bord.

3n der Flugdauer sind bedeutende Fortschritte erzielt worden.Do. X" befand sich bei den heutigen Flügen bis zu einer halben Stunde ununterbrochen in der Luft. Die höhen, die da­bei erreicht wurden, betragen etwa 500 bis 600 Meter.

Das Flugschiff kreuzte im Laufe des Tages mehrmals am nördlichen Rande des Bodensees. RachdemDo X" bereits gegen 10 Uhr in ziem­licher Höhe in Begleitung anderer Flugzeuge das westliche Villenviertel Friedrichsha­fens in Richtung der Dornier-Werft passiert hatte, überflog es kurz nach 16.30 Uhr in etwa 250 Meter Höhe die Altstadt. In südwestlicher Richtung vom Bodensee herkommend beschrieb

das Flugzeug, im Sonnenschein einen prächtigen Anblick bietend, eine große Schleife über der Stadt und entfernte sich dann, gefolgt von einem kleinen Dornier-Delphin, nach Westen. Der erste Besuch des Luftriesen, dessen Erscheinen, noch ehe man ihn zu Gesicht bekam, durch das Ge­räusch seiner zwölf Motoren angekündigt wurde, versetzte die Bevölkerung und die zahl­reichen Fremden in sichtliche Erregung.

Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgten na­mentlich die Straßenpassanten den Flug des ruhig dahinziehenden Riesenvogels, dessen un­gewöhnliche Ausmaße man im vergleich mit dem unter ihm fliegenden Wasserflugzeug des Aero Lloyd auch in der Luft gut erkennen konnte.

Das Einfliegen desDo. X" wird in den nächsten Tagen planmäßig weitergeführt.

An einem der Nachmitagsflüge nahmen auch der italienische Unterstaatssekretär für Luftfahrt­wesen, B a l b o , General C r o c c o und Dr. Dor­nier, sowie verschiedene andere offizielle italienische Persönlichkeiten teil. Nach dem Fluge äußerte sich B a [ b o außerordentlich begeistert über die Fahrt und war besonders erstaunt über die leichte Ma­növrier- und Steuerfähigkeit der Maschine.

verschiedenen Regierungsmitgliedern und Abgeordneten der Mehrheitsparteien, ins­besondere den Urhebern der Gegenentwürfe von Entschließungen, über die Vorbehalte zur Schulden­ratifizierung Besprechungen zu dem Zwecke, eine möglichst breite Grundlage einer Einigung über die Formulierung der Vorbehalte zu finden, stattgefunden. Es hat den Anschein, daß man sich auf eine Entschließung einigen wird, wonach Frankreich die Vereinigten Staaten und Großbritannien in dem Maße bezahlen wird, in dem es selbst von seinem deutschen Schuldner be­zahlt werden wird. In die Entschließung soll wei­ter die Erklärung ausgenommen werden, daß Frankreich auf keinen Fall seine Ansprüche auf eine gerechte Verteilung der Kriegslasten werde verjäh­ren lassen, und daß es gegenüber den Gläubiger­mächten nicht weitergehend verpflichtet sein werde, als Deutschland ihm gegenüber, lieber diesen Text werden verschiedene Kammerfraktionen morgen Be­schluß fassen.

pomcare leicht erkrankt.

Paris, 17. Iuli. (WB.) Ministerpräsident P o i n c a r e konnte, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wegen leichter Erkran­kung an der heutigen Kammersitzung nicht teil­nehmen. Sein Hausarzt hat eine leichte Tempe­raturerhöhung festgestellt und ihm eine 24stün- dige Ruhe verordnet. Es wird erklärt, daß die Erkrankung Poincarös keiner! ei ernsten Charakter hat und auf die Ueberarbeitung der beiden letzten Wochen, insbesondere anläß­lich der gestrigen Kammerrede, zurückzuführen ist. Im Laufe des Tages hat sich sein Befinden wie­der gebessert.

England und Briands Staatenbund -Vorschlag.

London, 17. Iuli. (WB.) Im Unterhause fragte ein Abgeordneter, ob das Foreign Office irgendeine Mitteilung der französischen oder der deutschen Regierung über die Vorschläge Briands für einen europäischen Staatenbund erhalten habe und ob es eine Darstellung dieser Vorschläge und anderer Vor­schläge für einen engeren wirtschaftlichen und poli­tischen Zusammenschluß, die seit dem Kriege von Persönlichkeiten in international anerkannter Stel-

deckt, daß alles außer der Liebe Traum und Täuschung ist. Solange wie lieben, leben wir in Fleisch und Blut: was wir sonst tun, ist graues Schattenspiel, das in hastiger Verzerrung über kahle Wände zuckt." Liebe und Leben sind so ineinander gleichgeseht: in denLiebesgedichten" offenbarte Ricarda Huch dies Lebensergreifen überwältigend und bleibend. Weibtum spricht sich hier groß aus.

Dies Weibtum ist aber gesegnet mit ebenso heftigem Mannestum, mit scharfem Verstand. Er bringt die Tragik in den Rausch des Trieb­lebens durch das unerschütterliche Wissen um die Vergänglichkeit, den Tod, das Ende aller Wirk­lichkeit. Dieser Verstand sieht jede Einzelheit des Irdischen, jede Gefühlswelle, jedes Gescheh­nis, jede Phantasie unter dem Schein der Ewig­keit. Das unaufhaltsame Vergehen führt zu der Ludolf-Ursleu-Frage:Was ist das Leben des Menschen? Wie Regentropfen, die vom Himmel auf die Erde fallen, durchmessen wir unsere Spanne Zeit, vom Winde des Schicksals hin und her getrieben. Der Wind und das Schicksal haben ihre unabänderlichen Gesetze, nach denen sie sich bewegen, aber was weiß der Tropfen davon, den sie vor sich herfegen? Er rauscht mit dem anderen durch die Lüfte, bis er im Sande ver­sickern kann. Aber der Himmel sammelt sie alle wieder und wieder, immer dieselben und doch an­dere." Durch ihren Verstand ist Ricarda Huch zur Rihilistin geworden und die Schwermut ihres Rihilismus rettet sich in den Traum vom Leben, von der Liebe. Sie hatte in ihrer dichterischen Periode nicht die Kraft, sich vom Verstandes­wissen, darin ein Kind des Materialismus im vergangenen Iahrhundert, zu erheben zum reli­giösen Allerleben, sie konnte sich nur durch An- Mamtnerung an den Lebensrausch vor dem Sich» verlieren ins Richts retten.

Phantasie und Gefühl leiteten sie hierbei mit stärkstem schöpferischen Vermögen. Das Ge» fühl umarmte das Wirkliche, durchtränkte es und bestellte dadurch jede auch noch so subtile Im­pression mit der seltsamen Magie des Traumes, der Llnwirklichkeit. Die Phantasie wirft, wie die Triumphgasse betörend enthüllt, den Schimmer der Schönheit auch über das Dunkelste und Häß­lichste zu trunkener Selbstvergessenheit. Geboren ward aus diesem Zusammenarbeiten von Phan­tasie und Gefühl im Rhythmus der Sprache jene musikalische Stimmung, die das Irdische, das Objekt schließlich auflöst und nur noch das Sub­jektive, das Sein als Raturhaftes bestehen läßt. Diese Musikalität trieb fort über alles Un» geheuerliche. Dämonische, Entsetzliche des Daseins und ließ allein festhalten am Instinkt, am nacht­wandlerischen Sichausleben des Instinkts, am my­stisch Vegetativen.

lung gemacht worden feien, zu veröffentlichen ge­denke. Henderson antwortete, er habe keine Mitteilung erhalten: die im zweiten Teil der Anfrage enthaltene Anregung solle geprüft werden.

Abschaffung der Ll-Bovte?

London, 17. Iuli. (WB.) Im älnterhaus richtete Kenworthy an den Ersten Lord der Admiralität, Alexander, die Anfrage, wie es um den nunmehr auch von der amerikanischen Regierung vertretenen britischen Vorschlag stehe, die Unterseeboote durch ein gegenseitiges Abkommen abzuschaffen, und ob er diesen Vorschlag auf der nächsten Marineabrüstungs­konferenz erneut vorzubringen beabsichtige. Alexander erwiderte, dah eine diesbezügliche Erklärung von der britischen Delegation während der Washingtoner Konferenz abgegeben und seit­dem als Ansicht der Regierung bestätigt und aufrechterhalten worden sei. Es fei jedoch ein Abkommen erst möglich, wenn die Ra- tionen sich zu dieser Ansicht bekehrt hätten. Zum zweiten Teil der Anfrage äußerte Alexander, daß die Möglichkeit, ein solches Abkommen zu schließen, dauernd von der Regierung erwogen werde und daß eine erneute Bekanntgabe der Ansicht der Regierung bei der ersten geeig­neten Gelegenheit erfolgen würde.

London, 17. Iuli. (WB.) Wie Reuter zu wissen glaubt, ist die Frage der geplantem Reise Macdonalds nach Amerika gegenseitig Gegenstand diplomatischer Verhand­lungen. Auch die Frage, zu welchem Zeitpunkt die Einberufung der Abrüstungskonfe­renz in Betracht käme, wird erörtert.

Uvung-plan uni)'Reparationen!

Aeutzerungen

des englischen Sachverständigen.

Antwerpen, 17. Iuli. Der Führer der eng­lischen Delegation auf der Pariser Sachverstän­digenkonferenz, S t a m p , der sich vorübergehend zu Besuch hier aufhält, gewährte dem Mitarbei­ter der ZeitungMetropole eine Unterredung, in deren Verlauf er u. a. ausführte: Die Rege­lung der belgischen Markfrage ist nicht nur hinsichtlich der glatten Durchführung des

Form und Inhalt der Dichtung Ricarda Huchs wird von diesen elementaren und weltanschau­lichen Grundkräften bestimmt: die Rhythmik der Sprache, die Fülle der Bilder und Impressionen, die Ratur der Instinkt», Reflexions- und zwischen beiden hin und herschwankenden Menschen, der Ablauf des Geschehens vom Triumph des Gebend bis zum letzten Vergehen, vom höchsten Glück bis zum süßesten Leid, die Traumferne und halbe Tlnwirklichkeit des Irdischen, der Geschehnisse, die Kälte und die Glut dieser ganzen symbolisch- realistischen, romantisch-materialistischen Lebens- verfallenheit.

Im Anfang steht diese Kunst da als ein tragik­erfüllter Zustand: das Leben ist so und es gilt sich mit ihm abzufinden.Die Erinnerungen von Ludolf älrsleu d. I." (1892), die ersten Rovellen (1896/99)Aus der Triumphgasse (1901) stehen ganz im Banne dieses verlorenen Wissens um das Leben, dieser restlosen Rauschhingabe an das Leben. Langsam fängt dann aber eine Ent­wicklung an: vom wissenschaftlichen Arbeiten her. Die Studien über die Blütezeit, die Ausbreitung und den Verfall des Romantik (1899 bis 1902) schaffen die erste Distanz zur wilden Trauer dieses Lebensgefühles: der Humor des Vorbildes Gottfried Keller, über den eine feine Studie ent­steht, weckt positive Möglichkeiten, die Rieder­lage unter dem materialistischen Rihilismus, ihn äu überwinden und die historischen Arbeiten über das Risorgimento, den Dreißigjährigen Krieg für die Dichtung und die Wissenschaft schaffen Klar­heit über die Wurzeln des Lebens.

Diese Klarheit gewinnt Ricarda Huch mit der SchriftRatur und Geist als die Wurzeln des Lebens und der Kunst (1914) undEntpersön­lichung" (1921) nicht als Dichterin, sondern als Denkerin. Es ist die Klarheit des Verstandes. Sollte sie einst auch die des Herzens werden, wird die Dichterin, die seit dieser Stunde, nun schon zehn Iahre schweigt, wieder erwachen. Syn­these zwischen Ratur und Geist sucht dieser Ver­stand mit den Mitteln der physiologischen Psycho­logie: Schiller, Rovalis und Weininger haben hier Pate gestanden. Der Mensch ist zuerst über­wiegend unbewußt, der Instinkt leitet sein Welt­begreifen, er wird bewußt, d. h. er erkennt schließ­lich selbstbewußt, d. h. erkennt sich selbst. Das Unbewußte ist positiv, das Selbstbewußte negativ: das Weib, als wesentlich bewußt, ist positiver als der Mann, der wesentlich selbstbewußt ist. Selbstbewuhtsein ist Persönlichkeit, also höchste Regativität. Die Welt ist heute krank an dieser Regativität: Rettung ist nur möglich durch Be­seitigung des Tlebennahes an Selbstbewuhtsein, durch den harmonischen Ausgleich von Bewußtem und Unbewußtem, Geist und Ratur sich bildet. Aufgabe des Menschen ist, seine Persönlichkeit im

Vvnng-PlaneS ein sehr schönes Ergebnis, son­dern auch vom politischen Standpunkt aus ge­sehen werden die Beziehungen zu Deutschland von nun an fortschreitend herzlicher werden. Ich habe die feste lieber* zeugung, dah es den Kreisen von Wallstreet mit geringer Mühe gelingen würde, zu erreichen« dah sich

die vereinigten Staaten an der Internationalen Bank beteiligen.

Wie man zugeben muh, wird zur Zeit in London ein starker Druck ausgeübt, um die Wahl des Sitzes der neuen Dank ent­scheidend zu beeinflussen. Soweit wir daran in­teressiert sind, verlangen wir nichts weiter, als dah die Bank in einer Stadt untergebracht wird, die leicht erreichbar ist. Es folgt daraus nicht unbedingt, daß es gerade London sein muh. Ich sehe die größte Zuversicht in die Transfer Politik und in eine wirksame Kommerzialisierung der deutschen Schulden. Wenn die Leiter der Beteiligten Rationen gewillt sind, die Sache großzügig aufzufassen und in wirklich internationa­lem Geist die Verhandlungen führen, so wer­den wir rasch zu einem solchen Grad von Ver­ständigung zwischen den Völkern gelangen, dah sich dann erst wirklich zeigen wird, wie wert­volles Gut der Menschheit der Völkerbund ist. Zum Schluß erklärte S t a m p noch, seiner auf­richtigen Meinung nach müsse die Räumung des Rheinlandes durchaus möglich fein.

Das Befinden

des Königs von England.

London, 17. Iuli. (WTB.) Im Buckingham- Palast wurde heute vormittag erklärt, das Be­finden des Königs mache zufrieden­stellende Fortschritte. Wie verlautet, ist die Operationsstelle eiterfrei, so dah kein Drai­nageröhrchen in Anwendung kommen konnte.

Dänischer Königsbesuch in Hadersleben.

Kopenhagen, 17. Iuli. (WTB.) Wie aus Hadersleben gemeldet wird, sind der König und die Königin von Däne­mark heute vormittag an Bord der königlichen Iacht zu einem Besuch der Stadt und des Be­zirkes dort eingetroffen. An dem Empfang hat sich auch die deutsche Fraktion des Stadtrates zum erstenmal seit 1920 be­teiligt.

Aus aller Wett.

Der Schiffbruch desAbtao".

Valparaiso, 17. Juli. (WTB.) Von der Be­satzung des gestern, wie bereits gemeldet, im Sturm gesunkenen chilenischen Truppen- transportschiffes21 b t a o" sind, wie auf Grund der Funkspriiche von dem zur Hilfeleistung herbei« geeilten Schiffen festgestellt werden konnte, im gan­zen zwei 'Dl a n n geborgen worden. Die Zahl der Geretteten hat sich also um eine Person er­höht. Obwohl in kurzer Zeit fünf Schiffe, dar­unter zwei Zerstörer, an der Ungliicksftelle ein­trafen, fanden sie nichts mehr vor als treibende Trümmer. Die übrigen 41 Mann der Besatzung scheinen demnach sämtlich von dem Schiff in dieTiefegezogen worden zu sein. Der Sturm ist einer der schwersten, die man je an der chileni­schen Küste erlebt hat. Die Rettungsdampfer können infolge des noch immer anhaltenden stürmischen Wetters ebenso wie die Fischerboote keinen Hafen anlaufen, sondern müssen auf offener See bleiben. Die Passagiere desDerfflinger" an Land gebracht.

Wie Lloyd ans Tsingtau berichtet, sind die 24 Passagiere des auf ein Riff aufgelaufenen

Verkehr mit anderen Menschen auszugleichen, zu überwinden, sich zu entpersönlichen, zu typisieren.

Ricarda Huch war schon in den drei Bänden desGrohen Krieges auf diesem Wege der Entpersönlichung: sie entwickelte sich vom Persön­lichen zum Architektonischen, vom Subjektiven zum Typischen, vom Lyrischen zum Antiken, von Der Gotik, dem Barock, der Romantik zur klassi­schen Harmonie, zur Religion, zur Gotteskind- schast, zur Freiheit. Vorerst ging sie den Weg nur als Denkerin, als Suchende des Geistes, als Erkennende: mit den Büchern überLuthers Glauben" (1916), über denSinn der Heiligen Schrift (1921) undMichael Bakunin und die Anarchie" (1923). Unt> jetzt in der real-historischen Welt, die sie in ihrer Iugend schon liebte, mit den zwei Bänden der herrlichen Städtebilder Im alten Reich" (1927 bis 1929). Heberzeugen wird sie uns erst vom Organischen ihrer bisher nur konstruktiven neuen Entwicklung, wenn ihre erreichte Harmonie, die im starken Gegensatz zur Dichtergeneration unserer Zeit steht, im Kunst­werk Gestalt geworden sein wird. Das erhoffen wir von der Weisheit ihres Alters mit frohem Mut.

Hochschulnachrichten.

Als Rachfolger des zurücktretenden bekannten Internisten Prof. H. Sahli ist vom Bernischen Regierungsrat Prof. Dr. mcd. Walther Frey, Direktor der inneren Abteilung des Katharinen- Hospitals in <3 t u 11 g a r t, zum ordentlichen Pro­fessor für innere Medizin an der Universität Bern und zum Direktor der Medizinischen Uni­versitätsklinik im Inselspital gewählt worden. Dr. Frey, dessen Sondergebiet Herzpathologie ist, ist 1884 zu Bern (Schweiz) geboren.

Der ordentliche Professor der Philosophie Dr. Max Wundt in Jena hat einen Ruf an die Universität Tübingen als Nachfolger von Prof. K. Groos erhalten. Prof. Wundt, Rudolf Euckens Nachfolger auf dem Jenaer Lehrstuhl, ein Sohn des Leipziger Philosophen Wilhelm Wundt, ist 1879 geboren, studierte unter Leitung seines be­rühmten Vaters sowie in Freiburg, Berlin und München und begann im Jahre 1907 seine akade­mische Laufbahn als Prioatdozent in Straßburg. Anfang 1918 folgte er einem Rufe als a. o. Pro­fessor nach Marburg als Nachfolger von Georg Misch. Seit Ostern 1920 wirkt Wundt als Ordina­rius und Nachfolger des Geheimen Rates Rudolf Eucken in Jena. Eine Berufung nach Gießen als Nachfolger Siebecks hat der Gelehrte abgelehnt. Seine Arbeiten bewegen sich vorwiegend auf dem Gebiete der griechischen Philosophie.

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