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Wandern und Reisen Bader und Sommerfrischen.

Dillenburg.

Eine Perle des Nassauer Landes.

Wer zum ersten Male die kleine Kreisstadt in dem Bergland zwischen Lahn und Sieg auf­sucht, wird überrascht sein, in dieser Gegend des Vaterlandes ein so idyllisches Fleckchen Erde vorzufinden. Kaum vergleichlich in seiner Art und Schönheit ist das Bild, das sich dem Auge des Wanderers darbietet. Rings von wald­bestandenen, bis zur Höhe von 600 Meter auf­steigenden Bergen umsäumt, überragt von dem stattlichen Wilhelmsturm, der zur Erinnerung an Dillenburgs größten Sohn, Wilhelm den Ver­schwiegenen von Oranien, auf den Ruinen des einstigen Schlosses errichtet wurde, gruppiert sich die ansehnliche Stadt malerisch um die ilfet des zu trockener Jahreszeit sanft dahingleitenden Dillflusses. Auf Schritt und Tritt begegnen wir den Zeugen einer glanzvollen und bewegten Ver­gangenheit. Hier die winkligen Gäßchen, unweit der alten Stadtmauer, die prächtige Motive für den Maler abgeben, die einzigartige, fast aus­schließlich von Behörden bewoynte Wilhelmstraße in ihrem reinen klassizistischen Baustil, droben die Ruinen der einst gewaltigen Burg mit ihren mächtigen unterirdischen Gewölbekammern und Gängen, die aus mittelalterlicher Zeit stam­mende evangelische Kirche, in halber Derglage die Stadt überragend, mit dec Grabstätte der Ahnen des brandenburgisch-preußischen und des nieder­ländischen Königshauses, in der Altstadt allent­halben die putzigen Fachwerkhäuser, die sich ge­genseitig den Raum streitig machen und dazwi­schen die stattlichen Bauwerke der neueren Zeit. Ganz dicht tritt der allein im Ämkreis einer Stunde auf 4000 Hektar Fläche verteilte Wald an die Stadt heran, und die herrlichsten Duchen- bestände wechseln ab mit würzig-duftenden Fich­ten und Kiefern. Fast jedes der nach allen Him­melsrichtungen ausstrahlenden Täler bietet dem Spaziergänger unvergeßliche Eindrücke, zumal für gute, gangbare Wege, Ruhebänke und Schutz- Hütten Sorge getragen ist. Infolge seiner ozon­reichen Luft und der trotz der Höhenlage der Stadt (230 bis 270 Meter ü. NN) günstigen kli­matischen Verhältnisse ist Dillenburg zum Luft­kurort wie geschaffen und wird als solcher auch seit vielen Iahren von den Bewohnern der In­dustriegegenden in Rheinland und Westfalen, von denen dec Rhein- und Mainebene und besonders von Holländern aufgesucht, die enge Beziehungen zu dem Geburtsort des Befreiers ihres Vater­landes unterhalten. Dem starken Zuspruch durch Echolungssuchende hat die Stadt mit der Er­richtung des städtischen Kurhauses Rechnung ge­tragen, das unmittelbar am Walde gelegen, als die ideale Stätte der Erholung und des gesell­schaftlichen Lebens der Stadt anzusehen ist. Eine Reihe guter Hotels und Gasthöfe ist in der Lage, allen Anforderungen des Fremdenverkehrs, zu entsprechen, aber auch eine Anzahl Privathäuser gewähren preiswürdige Unterkunft und Ver­pflegung.

Dillenburg genießt unter den kleineren Städten des Rassauer Landes einen gewissen Vorzug, ein­mal wegen feiner zentralen Derkehrslage. dann aber auch wegen einer großen Zahl von Be­hörden, die es in seinen Mauern beherbergt. Die Stadt ist Sitz der Verwaltung des drei Städte und 69 Landgemeinden umfassenden Dillkreises, eines staatlichen Landgestüts mit 160 Hengsten, eines Bergrevieramts und einer staatlichen Berg­inspektion, hat ferner eine Bcrgschule, staatl. Gym­nasium, Handelskammer, Kulturamt, zwei staatl. Dauämter, Domänenrentamt, Gewerbeaussichts­amt, Amtsgericht, Katastcramt, zwei Oberförste­reien, Reichsbank, Rassauische Landesbank u. a. Dillenburg ist Schnellzugstation der Cisenbahn- hauptlinie HagenGießenFrankfurt und hat einen großen, mehr als 2 Kilometer langen Ver­schiebebahnhof. Eine Anzahl von Rebenbahnen, die nach dem Westerwald und den angrenzenden Gebieten der Kreise Biedenkopf, Marburg und Wittgenstein führen nehmen hier ihren Ausgang. Die Industrie ist mehr auf die Ämgegend der

Stadt verteilt, so daß ungünstige Einflüsse auf die Beschaffenheit der Luft durch Rauch und dergleichen vermieden werden. Als besondere Sehenswürdigkeiten sind das Heimatmuseum, die Burg-Jugendherberge in seiner unmittelbaren Rähe, die mächtige Burgmauer krönend, und die Wilhelmslinde zu nennen, unter der Wilhelm der Verschwiegene einstmals die niederländischen Gesandten empfing, die ihn zur Befreiung des Vaterlandes vom Joche spanischer Vorherrschaft aufforderten. Die bevorzugte Verkehrsale macht die Stadt zum Ausgangspunkt für größere Wande­rungen besonders geeignet. Als empfehlenswerte

Ausflugsziele seien hier vor allem genannt der Heunstein mit altgermanischem Ringwall, das Forsthaus Reuhaus, ein altnassauisches Jagd­haus in schöner Waldlage, Oberscheld als Mittel­punkt des Grubenrevicrs in dem erzreichen ro­mantischen Scheldetal, wo einzelne Gruben un­ter Führung eines Steigers befahren und be­sichtigt werden können, und Herborn, eine inter­essante, alte Stadt, mit altertümlichen Häusern und Toren, sowie einem noch gut erhaltenen Schloß, in dem das theologische Landesseminar untergebracht ist.

Bad Pyrmont.

Von Otto Buchmann.

Don Rom, der ewigen Stadt, geht die Sage, daß, wer in ihren Brunnen ein Geldstück versenkt, von der Sehnsucht nach römischem Himmel und römischer Sonne nie wieder befreit wird!

In die Brunnen Bad Pyrmonts kann man schon aus technischen Gründen kein Geldstück werfen, denn siebrodeln" ihre Wasser aus tief­sten Tiefen unter einer starken Glasbedeckung. Aber trotzdem wird der, der Bad Pyrmont kennenlernte, es immer lieben und nie wieder vergessen!

Auf Bad Pyrmont paßt, wie auf keine andere Stadt oder Landschaft in deutschen Landen, das Wort des Dichters Bodenbach:Jede Stadt ist ein Seelenzustand!"

Seit den ältesten Tagen treffen sich die feinsten Geister Deutschlands in diesem gesegneten Erden­winkel, den weite Waldberge wie mit schützenden Armen umfangen. Von Bad Pyrmont aus schrieb Goethe innige Worte über die Schönheit dieses Tales, das die forellenreiche Emmer durchströmt, ein Humboldt berichtete in schwärmerischen Briefen von dergewaltigen Lieblichkeit" dieser Berge, unter deren Bäumen ein Denkstein gibt noch Kunde davon Friedrich der Große kriegerische Pläne ersann. Der Ruf Bad Pyrmonts reicht bis in graueste Vorzeiten zurück. Als man sich vor Jahren an die Fassung desBrodelbrunnens" auf dem Drunnenplahe machte, seit dem Beginn unserer Zeitrechnung wirft dieser Brunnen unversiegbar aus dem Erd- innern seine Wasser ans Tageslicht fand man römische Spangen und Schmuckstücke, ferner eine Denkmünze, die den Kopf des römischen Cäsaren C a r a c a l l a trug. Dieser Caracalla war ein balneologisches Genie und wird als Schöpfer der römischen Thermen und gewaltigen Wasser­anlagen Roms betrachtet.

Die Frauenwelt dominiert heute in Bad Pyr­mont. Denn dieses Bad gehört immer noch zu den allerersten Frauenbädern Deutschlands.

Geschworenen Ehcfeinden, Schopenhauerianern und allen sonstigen Verächtern des langen Haares heute müßte man allerdings Bubikopf sagen ist ein Abstecher nach Bad Pyrmont anzuraten. Der ärgste Frauenfeind und grilligste Hypochon­der wird bekehrt, wenn er alle diese ein wenig blassen und blutarmen Frauen und Mädchen, in duftigste Farben gekleidet, jede das Glas Stahl­wasser mit dem Saugstäbchen, als seien ihnen kleine gläserne Schnäbelchen gewachsen, vor dem Munde, durch die Hauptallee mit ihrem jahr­hundertealten Baumbestände wandeln sieht! Diese unbekümmerte Jugend, unter der auch das Alter wieder jung wird, ganz der frohen Stunde des Sonnentages hingegeben, ist ungemein reizvoll!

Man denke aber nicht, daß man nur zum Flir­ten, Tennisspielen und zum Faulenzen in Bad Pyrmont ist. Im Gegenteil, man muß tüchtig arbeiten. Wenn man folgsam das vom strengen Herrn Badearzt ausgestellte Tagesprogramm ab­solvieren will, ist tatsächlich jede Minute des Tages ausgefüllt.

Als ich jüngst auf einer Dank in denfranzö­sischen Anlagen" des Kurgartens sitze, wo groh- mächtige Palmen ihre weiten Wedel ausspannen und im Sommer ein sinnverwirrendes Blühen exotischer und heimatlicher Blumen herrscht, daß

man meint, sich unter italienischem, nicht aber norddeutschem Himmel zu befinden, fand ich das liegengebliebeneMemorandumbüchlein" einer mondänen Frau. Che ich es schicklich zurückgab, konnte ich nicht umhin, einen Blick hineinzu­werfen. Cs stand da zu lesen:

Um 8 Ähr: Aus stehen! Don 8 bis 9 Ähr: Toilette und gymnastische Hebungen (Mcnsen- dieken). Von 9 bis i/210 Ähr: Frühstück. Von 10 bis 11 Ähr: Spaziergang und Stahlbrunnen- trinken, 3 Gläser kalt. 11 bis 12 Ähr: Solbad. 12 bis 1 Ähr: Ruhe. 1 bis 2 Ähr: Mittagessen. 2 bis 4 Ähr: Ruhe. 4 bis 1/26 Ähr: Tennis­spielen, Kaffeetrinken. 1 »6 bis 1'28 Ähr: Ruhe auf der Liegestuhlwiese, dabei 2 Gläser Stahl­brunnen. 8 bis 9 Ähr: Abendessen. 9 bis ? Ähr: freier Herr!

Man sieht aus diesen lakonischen Aufzeich­nungen, daß man den Willen haben muß, eine Kur durchzuführen. Der Erfolg bleibt aber nicht aus. Die bleichsüchtige Frauen- und Jungmäd­chenwelt, der überarbeitete Geschäftsmann, den Verven" und Rheuma plagen, sie alle, die vor Wochen abgespannt, unlustig und pessimistisch in dieses gesegnete Tal der heilenden Quellen kamen, fahren nach beendeter Kur mit strahlenden Augen und roten Backen und mit Sonne im Herzen wieder in die Heimat.

Rach der Äeberlieferung ist^ Friedrich der Große der Schöpfer der gewaltigen, amBom- berge' in dreifacher Ausstrahlung sich schneiden­den Kuralleen, die in ihrer Erhabenheit einen Anblick bilden, den man kaum irgendwo wieder in Deutschland findet. Das ganz ins Grün der Hauptallee eingebettete kleineFürstliche Schau­spielhaus", ein Miniaturtheater, im Renaissance­stil erbaut, gab schon Goethe Anlaß zu erbau­lichen Betrachtungen. Hier schwang sieben Jahre lang derdeutscheste der deutschen Komponisten", Albert L 0 r tz i n g, den Taktstock, und heute ver­mittelt das Ensemble des Meininger Landes­theaters dem Pyrmonter Kurgast die neueste Dühnenkunst.

Man kann in Bad Pyrmont jede Unterhaltung haben und auch jeden Sport pflegen: der Tennis­spieler kann seinemweißen Sport" auf prächtigen Plätzen huldigen, der Pistolen- und Tonlauben- schühe findet Schießstände mit den modernsten Einrichtungen vor, die allsommerlichen Pyrmonter Rennen sind ein hippologisches und gesellschaft­liches Ereignis: wie gesagt, man kann, außer sich in Moor, Sole und Stahl zu legen oder aus langen gläsernen Schnäbeln Sole und Stahl zu schlürfen, reiten, schießen, flirten, forellenfischen, tanzen, fliegen, faulenzen!

Was man aber auch tut und wie man feinen Tag hinbringt, abends finden sich alle, der Ge­nießer, der Faulenzer und der pflichtgetreue Kuraspirant im Kurpark vor der weiten, von vielen tausend Kerzen erhellten Kurhausfassade zusammen. Äm das weite Rondell des Konzert­platzes flutet dann ununterbrochen der Strom der Lustwandelnden. Don der Terrasse erklingen die Weisen des Kurorchesters. Das lacht und scherzt und plaudert bis tief in die warme Pyrmonter Rächt hinein! Immer rundherum im bunten Kreise!

Rucksack packen!

Von Margret Halm

Cs ist wesentlich leichter und einfacher, einen luxuriösen Schrankkoffer zweckmäßig zu packen als einen Rucksack. Am schwierigsten ist letzteres wohl dann, wenn man ganz ohne Koffer reisen muh ober möchte, gerne recht viel mitnehmen und doch nicht übermäßig schleppen will. Doch auch dies ist nicht unmöglich für den, der eS versteht, einen Rucksack nach allen Regeln der Kunst vorzubereiten.

Die erste Vorbedingung heißt, ein Rucksack muh selber praktisch fein. Wohl die schönsten und modernsten sind die schwedischen Rucksäcke mit Traggestell. Er soll nicht zu groß sein und nicht zu klein, wasserdicht und möglichst außen und innen mit Taschen versehen.

Die zweite Bedingung ist peinliche Ordnung innerhalb des Rucksacks, will man etwas herauS- holen, so muh es mit einem Griff zu finden sein. Das Durcheinanderwühlen der einzelnen Gegen­stände kann dieselbe Last erheblich erschweren. Darum empfiehlt es sich, leichte aber gleichfalls wasserdichte Säckchen herzustellen, entweder ver­schiedenfarbig oder bezeichnet, eben so, daß man sofort weih, was sie enthalten.

In eines dieser Säckchen kommen die Toilette- gegenstände, in ein anderes Rähzeug, ein drittes dient für die Touristenapotheke, alles möglichst weich, harte Gegenstände find tunlichst zu ver­meiden.

Die Touristenapotheke enthält Aspirin, Phra- midon, etwas Opium, ein Herz anregendes Mittel« etwas Iod, Verbandmull, Watte, eine Binde zum Wickeln und evtl. Blutstauen, etwas Kognak.

Auch ein Säckchen mit Schnur, vielleicht ein Ceberricmen sowie eine elektrische Taschenlaterne oder Windlicht und Feuerzeug sollen nicht fehlen. Ein größerer Sack wird mit Leibwäsche gefüllt, In die Außentaschen kommen Handtücher, Fahr­pläne und Karten.

Wer sie besitzt, nimmt, zum winzigen Päckchen gefaltet, eine wasserdichte Regenhaut im Ruck­sack mit. Ein paar leichte Schuhe dienen gleich­zeitig als Pantoffeln und auch als Abendschuhe.

Steil gepackt kann die Dame außerdem in einem flachen Pappkästchen ein dünnes seidenes Kleid mitnehmen; eine Bluse, einen Iumper wird sie sowieso in einem besonderen Säckchen unterbrin­gen. Strümpfe nicht zu dünn und nicht zu knapp.

Als Proviant hat der Tourist stets etwas Tee, Kakao und Zucker dabei; gedörrte Früchte, Schokolade, Cakes und etwas Speck bilden den eisernen Bestand. Eine Feldflasche mit Decher wird außen angehängt.

Wer sich zum Abkochen vorsehen will, nimmt selbstverständlich nur Aluminiumgeschirr und Hartspiritus mit. Thermosflasche nach Bedarf.

Ob wir nun von Hause weg mit dem Rucksack abfahren oder ihn unterwegs im Hotel zu einer Hoch tour vorbereiten diese Gegenstände und Art der Verpackung bleiben immer die gleichen. Äeberflüssig zu sagen, daß wir Toilette-, Räh- unb Derbandgegenstänbe nur in kleinsten Mengen mitnchmen werden. Wir brauchen auf einer Wanderung keine ganze Fadenrolle und können mit einem Stückchen Reiseseife ober einigen Büch­lein Seifenpapier schon eine Weile auskommen und uns doch sehr gründlich reinigen.

Wanderfahrten.

Slrahebersbach Lahnhof Feudingen.

Wir benutzen den Frühzug nach Dillenburg, wo wir gleich Anschluß nach Straßebersbach haben. Von hier folgen wir der Markierung D, die uns gleich hinter dem Ort in kräftigem Anstieg auf die Höhe bringt, wo wir einen prächtigen Ausblick genießen. Indem wir einem Höhenweg, vorwie­gend durch Wald, folgen, ermöglichen Lichtungen entzückende Ausblicke auf die umliegenden Berge, auf Täler, friedliche Dörfer und grüne Wälder. Rachdem wir einen kleinen Weiler, Sohl, wo Er­frischungen zu haben sind, durchschritten haben, führt uns das Zeichen nach der Eisenstrahe und auf dieser nach links zum Lahnhof, wo im Gasthof

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