Nr. 115 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Samstag, 18. Mal 1929
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Die Illustrierte Gießener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle.
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Die Flamme.
Gedanken zum heiligen Pfingstfest.
Von Dr. W. A. Krannhalel.
Aufrauscht die Woge des Lebens! 3n tönendem Sang wandelt die Ewnne ihre Dahn, Erfüllung, Sommer — das ist wie ein Ahnen jenes Zauber- gartens, jenes Paradieses in uns.
Wolkenlos strahlt der blaue Himmel und in das grüne Wunder des Werdeps, der ewigen Reu- schöpsung, senkt sich einer Taube lichtes Gefieder. Trägt ein grünes Zweiglein, einen Zweig der Hoffnung, daß die Flut, die böse würgende Flut der Welt verebbt, die Flut des Todes, und daß neues Leben grünt, daß unseres Lebens Schiss, unsere Arche, wieder Fuß fassen kann auf den Höhen der Erde, — wenn nur in unserer Seele alles Arge getilgt ist.
Wie Roah seine Taube aussandte, so senden wir, die wir suchend wandern im nebligen Tal, unsere Sehnsucht aus, steigen auf zu den Wolken, gehen ein mit ihnen in die Dläue des ewigen Himmels und fühlen täglich, stündlich in immer stürmischerem Sehnen, daß Frühling uns nicht werden kann, wenn sich der Himmel selbst nicht gnadenreich auftut und wiederum die Taube des Hl. Geistes sich niedersenkt. Des Geistes! — —
Mit flammendem Schwerte steht der Tod am Eingang zum Paradiese: Rur in der läuternden Flamme, in der Reinigung, in der Tleberwindung dieses Erdenlebens, das ohne Gott ist, können wir zum Daume des Lebens gelangen, zum Daume des Paradieses Gottes, das der Himmel ist, das Reich Gottes; das uns die Liebe Christi neu erschloß, indem er den Tod überwand! „Siehe, ich mache alles neu!"
Richts anderes als solches Rcuwerden, als solche Reuschöpfung, nichts anderes als das Erlebnis solcher Schöpfung war die große Stunde, da ein jeder der Jünger zu brennen meinte, wie jener feurige Dusch, vor dem Moses die Stimme des Herrn vernahm. Denn ein Reues war geboren und dieses Reue, das zur Erfüllung, zur Dcsiegelung des Lleberwindcrweges des Menschensohnes not war, das die Jünger in Schmerzen ersehnten, als „Er" zum Himmel fuhr, es ist die Offenbarung des neuen Dundes durch Gott selbst. Das war eine Reuschöpfung von so ungeheurer Gewalt, daß die Menschen, die sie an sich erfuhren, dieses größte und höchste und tiefste Erlebnis nur mit einer gewaltigen Erschütterung erleben konnten, einer Erschütterung, die sich sofort in Degeisterung umsehte, jene flammende Degeisterung, die den tiefen wahren Sinn dieses Wortes in Wirklichkeit erfüllte.
Mehr noch! Degeisterung. — ja, in ihr ist Geist, aber es ist jener Geist des Augenblicks, jener köstliche Rauschzustand, so daß Petrus den Richtbegreifenden sagen mußte: „Sie sind nicht ertrunken!" Erfüllt vom Geist waren sie, die Jünger, sie, die als die ersten im neuen Dunde das große Erlebnis in sich hatten, in ihrer Seele, daß in Wahrheit das Reich Gottes in ihnen selbst Platz ergriffen hatte, daß sie selbst durch die Flamme gegangen waren, daß sie selbst in ihnen lohte, daß sie selber, weil sie innerlich dieses Leben überwunden hatten, für wert befunden wurden, vom Baume des Lebens zu essen! Werkzeuge, Künder, Sendboten Gottes selbst durften sie sein, Gottes, der nie aufgehört hatte, seines Wesens Liebe immer wieder über die Erde zu strömen, dem kein Widerhall ward, Gottes, dem sich die Sehnsucht nicht bis zu den Wolken entaegenreckte und der darum wieder aus der Liebe heraus, seinen eigenen Sohn entsenden mußte als ein Deispiel.
Run aber war es da! Was die Völker ersehnt, was die tiefsten aller Denker geahnt, was die große Offenbarung, die Offenbarung des Weltwesens, die Offenbarung des Geistes, die mit Flammen sich in aller Herzen senkte, die göttliche Destätigung, die göttliche Antwort auf jene Frage, die schon Euripides, der griechische Dichter, stellte: „Wer aber weih, ob das, was sterben heißt, nicht leben, das Leben aber Sterben ist?"
Das war das „2a" auf solche Frage, ein „Ja" freilich, das niemand vernimmt, der nicht schon selbst den Weg zum Geiste beschritten hat, denn nur der geistige Mensch, dem dieser Geist, dessen göttliche Glut er in seinem Inneren brennen fühlt, Richtung wird seines Lebens. Riemals wird der Duchstabenmensch, bcr allein an dem klebt, der nur das für wahr, für wirklich hält, was seine Augen sehen und seine Ohren Horen, dem noch nicht einmal das göttliche Wunder seines eigenen Seins eben als ein Wunder aufgegangen ist, niemals wird der Materialist, der Raturalist dieses Geistes einen Hauch verspüren!
Drausen aber war und ein gewaltiger Wind und Flammen züngelten und alle äußere Scheidung war verlöscht und ein jeder sprach und verstand das Wort der Liebe! —
War? War das nur? Ist denn nicht unsere ganze Heilige Schrift, die — weil sie mit Men- fchenzungen reden muß — sich der Form von Erzählungen bedient, nicht ein einziges Erlebnis, das wir täglich, stündlich in unserem Lebenswandel in uns neu erleben? Richt getrennt in Jahrtausende, nicht zerlegt in historische Gestaltungen, sondern ein einziges Geschehen in uns selbst, in unserem Leben? Don unserer Geburt, der Schöpfung an, über die Ausstoßung aus dem Paradiese, über die Rot und Flut der Welt bis zum Sehnen, bis zum Reuwerden, bis wir aufgetane Schalen werden, geöffnete Gräber, geheilte Kranke, wiederauferstandene Tote und des Geistes Flamme in uns spüren. Ja, dann, wenn wir
Die Notlandung des „Graf Zeppelin".
3m Kamps mit dem Mistral. - Nach Süden abgetrieben. — Gegen abend glatte Landung im Lusthafen von Toulon. - Entgegenkommen der französischen Behörden.
Die Tragik, unter der Graf Zeppelin von seinen ersten Anfängen zur Eroberung der Luft zu leiden gehabt hat, bleibt seinem Werke treu. Cs ist, als wenn die Geister der Luft jedesmal wieder alle Anstrengungen machten, ihr Reich gegen den Einbruch des Menschen zu verteidigen. Die Erinnerung an den Tag von Echterdingen steigt hoch, als der alte Graf den Deweis von der Richtigkeit seiner Theorie erbrachte und kurz vor dem heimatlichen Hafen an der Tücke des Objekts scheiterte. Damals aber hat sich auch das Band zwischen dem Werk des Grafen Zeppelin und dem deutschen Volke so eng verknüpft, daß es allem Mißgeschick zum Trotz nicht reiht. Wir haben das Gefühl, daß das Luftschiff für uns ein Stück Kulturgut geworden ist, dah nicht ein Einzelner mit der verbissenen Zähigkeit Dr. Eckeners gegen die Widerstände ankämpft, sondern dah hier alles, was deutsch i st, innerlich beteiligt ist und sich durch Mißerfolge von dem Glauben an die Richtigkeit des Weges nicht abbringen läßt.
Merkwürdig genug, dah Dr. Eckener bei allen seinen Fahrten nicht ein einziges Mal vom Wetter begünstigt worden ist. Dei der Ablieferung des Reparationsluftschiffes, bei der ersten Fahrt mit dem „Graf Zeppelin" wie bei der Rückkehr, jedesmal türmte sich eine Fülle von atmosphärischen Widerwärtigkeiten gegen ihn auf, die einen weniger nervenstarken Menschen zur Verzweiflung gebracht hätte. Er hat seine Ruhe und seine Unerschütterlichkeit nie verloren, er hat auch jetzt wieder bewiesen, daß er kein Spieler, sondern ein Kämpfer ist. Welches Mah von Selbstüberwindung gehörte zu dem Entschluß, unmittelbar vor den Toren des Atlantischen Ozeans wieder umzukehrcn, nur weil ihm mit dem Ausfall von zwei Motoren der Sicherheitskoeffizient nicht groß genug mehr erschien. Welche Widerstandsfähigkeit war nötig, um den Kampf mit dem Mistral aufzunehmen, der natürlich gerade in dem Augenblick mit einer Stärke von sechzig Sekunden- Metern einsetzte, wo das Schiff an der Entfaltung seiner vollen Maschinenkräfte behindert war.
Trösten wir uns damit, daß eine weltumstürzende Erneuerung nicht von heute auf morgen geschaffen, sondern daß sie erst erobert werden muh. Jedenfalls wird das deutsche Volk un- erschüttert daran festhalten, dah an dem Testament des Grafen Zeppelin weitergearbeitet wird. Cs ist eine selbstverständliche Pflicht, auch in den Zeiten der größten Sparsamkeit für diesen großen Gedanken Mittel zur Verfügung zu stellen. Denn eine solche Idee darf nicht am Mangel an Geld oder an schlechtem Material scheitern.
Die Sturmfahrt über Südfrankreich.
Paris, 17. Mai. (IDIB. Funkspruch.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist, nachdem Dr. Eckener den Entschluh gefaßt hatte, den Amerikaflug abzubrechen, auf dem Rückwege über Südfrankreich auf skarkenGegenwlnd gestohen. Der Mistral, ein hier sehr unangenehm austrelender, heftiger Nordwind, behinderte das Luftschiff am vorwärks- kommen. So steuerte der „Graf Zeppelin" bei einer Windstärke von 40 bis 50 Kilometer in der Stunde mit geringer Geschwindigkeit im Zickzackkurs das Rhonetal aufwärts, nachdem die französische Küste bei Les St. Maries de la mfcre überflogen war. Gegen 10 Uhr befand er sich in der Gegend Hirnes, wo er über eineinhalb Stunden gesichtet wurde. Um 12.05 Uhr wurde die Stadt Monte- limar in tausend Meter höhe mit Kurs nach Osten überflogen. Der Gegenwind zeigte Stärken von 60 bis 80 Kilometer. Die ein Passagier drahtet, arbeiteten gegen mittag drei Motore, die meisten Passagiere befanden sich am Fenster und erhielten dauernd von verwandten und Bekannten Radiotelegramme. Um 16.15 Uhr erschien das Luftschiff über Saillans, 14 Kilometer südöstlich von Valence. Das Luftschiff manövrierte sehr schwer. Ls bäumte sich auf und drehte sich, ohne dah es dem winde widerstehen konnte, der das
Luftschiff nach Süden und Südosten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von schätzungsweise 30 Kilometer ab trieb. Man nahm an, daß seine Motoren stilleständen. Dr. Eckener hat dann an den Befehlshaber des Luftflotkenstühpunktes Lyon einen Funkspruch gerichtet mit der Bitte, die Garnison von Valence zu alarmieren, damit das Luftschiff dort eine Notlandung versuchen könne. Das Luftfahrtministerium in Paris hat nach Verständigung mit dem Ministerium des Innern und des Krieges, an alle Behörden der Umgegend Anweisung gegeben, dem Luftschiff alle nur denkbare Hilfe zu leislen. So wurden sämtliche Luftschiftableilungen der Garnison von Lyon alarmiert und technisches Personal für die Landung zur Verfügung gestellt. Der „Gras Zeppelin" bat um die sofortige Landungsgenehmigung, .da das Luftschiff sehr ernste Beschädigungen aufweise, die es in Gefahr bringen, während einer halben Stunde versuchte es vergeblich, seinen weg fortzusehen. Nachdem es ungefähr fünf Kilometer
zurückgetrieben war, schlug es Kurs nach Süden ein. Die alarmierten Truppen folgten dem Luftschiff auf Transportautos. Der Präfekt hatte in dem ganzen, ihm unterstellten Verwaltungsgebiet angeordnet, die Starkstromleitungen abzuslellen. Auf Rat des Pariser Luftfahrtministeriums nahm der „Graf Zeppelin" gegen 18.20 Uhr Kurs auf den Luftschiffhafen Euers-P ier refeu bei Toulon, wo es ihm glückte, gegen 20 Uhr ohne jeden Zwischenfall zu landen. Die Passagiere wurden sofort ausgeschifft. Sie befinden sich sämtlich bei guter Gesundheit. Der Zeppelin wurde alsdann in die LuftschiffHalle geschafft, die für ihn vorbereitet worden war. Nachdem durch Telegramme und Telephonanrufe die Marinepräfektur und die Unterpräfektur von der Ankunft des Zeppelins tu Kenntnis gefetzt worden waren, begaben sich der Unterpräfekt M a t i o a t und der Kapitän 3 u g e, Chef des Stabes der 5. Marinesektion, sofort zum Marineflughafen, um Dr. Eckener und seine Begleiter zu empfangen.
Die Landung.
Toulon, 17. Mai. (TU.) „Graf Zeppelin" ist in der Flugzeughalle von Cuers Pierre Feu wohlgeborgen, die früher zur Unterbringung des auf Reparotionskonto an Frankreich gelieferten Zeppelinfchiffes „Dixmuiden" gedient hatte. Schon viele Stunden vorher hatte sich in Toulon die Rach richt wie ein Lauffeuer verbreitet, daß das französische Luftfahrtministerium dem „Graf Zeppelin" den Rat gegeben hatte, eine Landung bei Toulon zu versuchen. Alles, was sich irgendwie in Bewegung sehen konnte, verlieh die Stadt und begab sich zum Flughafen hinaus.
Bei dem klaren Abendhimmel konnte man den Zeppelin schon von weitem in langsamer Fahrt herankommen sehen. Die Militärverwaltung hatte eine ausreichende Anzahl von Soldaten zur Verfügung gestellt und auf dem Flugplatz aufgestellt, die genau unterrichtet waren, wie sie sich bei der schwierigen Landung zu verhalten hatten. Rach der glücklichen Landung drängten sich die Schaulustigen an das Luftschiff heran und konnten von den Absper- rungsmannschaften nur mit Mühe zurückgehalten werden. Dr. Eckener zeigte sich beim Verlassen der Führergondel sehr gerührt über den Empfang, der ihm auf französischem Boden bereitet wurde und über das Entgegenkom- m e n, das ihm von allen französischen Stellen, vom Luftfahrtministerium angefangen, bewiesen wurde. Die Teilnehmer an der Sturmfahrt des „Graf Zeppelin" machten aus ihrer Befriedigung keinen Hehl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Diele waren infolge der Gemütsbewegung und durch die Anstrengungen der abenteuerlichen Fahrt stark mitgenommen, manche von der Seekrankheit befallen. Es wurde für alle noch in später Abendstunde ein Racht- lager bereitgeftellt. Das offizielle Kommunique beglückwünscht das Personal der französischen Luftflotte zu der Geschicklichkeit, die es bei dieser Gelegenheit bewiesen habe. Dr. Eckener hat gleich nach der Landung den Korvettenkapitän Ha - mont, den Leiter des Flughafens, ebenfalls zu dem prachtvollen Manöverieren seiner Leute beglückwünscht.
Der Empfang mEuers-pierreseu.
Paris, 18. Mai. (W.T.B.-Funlspr.) Heber die näheren Umstände bei der Landung berichtet eine Havasdepesche aus Cuers-Pierrefeu: Da ruhiges Wetter herrschte, konnten die unten ausgestellten Mannschaften das Haltleinen haschen und das Luftschiff vertanen. D r. Eckener stieg als erster aus. Er drückte dem französischen Kommandanten H a in o n t sehr herzlich die Hand und sprach einige deutsche Worte, in denen er sich entschuldigte, sich nicht in französischer Sprache ausdrücken zu können. Er dankte den Truppen und hob mehrfach die Wirk
samkeit der von ihnen geleisteten Hilfe hervor. Er gab auch feiner Befriedigung Ausdruck über den herzlichen, ihm zuteil gewordenemE m pfang. Diese Ansprachen wurden von einem Mitreisenden ins Französische übertragen. Sämtliche Passagiere erklärten, daß sie während der Reise nicht gelitten hätten. Die Amerikanerin zeigte sich außerordentlich begeistert und erklärte, daß sie niemals auch nur einen Augenblick in Gefahr gewesen sei.
Dr. Eckener
lobt die Landungsmanöver.
Warum die Amcrikafahrt abgebrochen wurde,
Paris, 18. Mai. (W.T.B.-Funkspruch.) Dem Vertreter der Agentur Havas erklärte Dr. Eckener, der in einem Hotel in Toulon abgeftiegen ist, folgendes: Riemals habe ich eine so schwierige Fahrt gehabt. Ich bin außerorden t- lich befriedigt von der tadellosen Landung. Die Anordnungen, die ich in deutscher Sprache gab, wurden unten auf der Erde französisch überseht und mit einer geradezu bewundernswürdigen Präzision ausgeführt. Sie wissen, daß die Landung eines Zeppelins immer ein außerordentlich schwieriges Manöver ist. Ich höre nunmehr, daß das Personal, das uns zu Hilfe gekommen ist, in keiner Weise geschult war. Deshalb bin ich besonders begeistert über die Durchführung der Landung. Sie beweist die technischen Fähigkeiten der Flugplatzleute, der ich besondere Hochachtung zolle. Sagen Sie auch, daß ich der französischen Marine sehr dankbar bin, daß sie uns zu Hilfe kam.
Der Vertreter der Agence Havas fragte alsdann nach den H r f ad) en des Abbruchs der Reise. Dr. Eckener, der außerordentlich ermüdet zu sein schien, habe nur ausweichend geantwortet. Einer der Mechaniker jedoch habe ihm, dem Havasvertreter, später erklärt: Als der erste Motor über Spanien aus - setzte, ließ man die übrigen vier Motoren schneller laufen. Bald jedoch stellten sich auch bei einer anderen Maschine Anzeichen der Lieberbeanspruchung ein. In diesem Augenblick wurde beschlossen, umzukehren. Rur ein ein- 3 i g e r Motor ist intakt geblieben. Heute nachmittag hat uns der sehr heftige Sturm abgetrieben. Ich muh ausdrücklich erklären, daß wir niemals in ernster Gefahr waren. Wie Havas aus Toulon berichtet, erwartet Dr. Eckeneö E r s a h st ü ck e, die er in Friedrichshafen ange- sordert hat. Er sei der Ansicht, daß der Zeppelin etwa acht Tage in der Halle von Pierrefeu verbleiben müsse.
die Heilige Schrift als die Schilderung unseres eigenen Lebens erlebt haben, dann ist sie uns Besitz geworden, Offenbarung, so daß wir jauchzen und mit Jubel in Einheit mit der paradiesischen Schöpfung Gottes als seine Kinder, begeistert und begeisternd die Gabe des Geistes empfangen. Selbst Sendboten, selbst glühend, gelost von der Starre der Welt, selbst Flamme, überwinden wir den Tod und unseres Sehnen Sehnsucht wandelt sich in jene* rein und stark leuchtende Glut, die wir „Enthusiasmus" nennen. Enthusiasmus aber ist nichts anderes als das griechische Wort für „Jn-Gott-scin"!
Solch flammende Begeisterung, solcher Enthusiasmus für das geistige Sein in uns, wann hätte er uns mehr not getan als heute?! Wenn wir in das Grünen der Wälder wandern, wenn wir uns einschmiegen in den warmen Wiesen- gründ, wenn unsere Augen aufstreben zum Fluge der Tauben, wenn wir der Sonne Glanz schauen, wenn wir in uns das tiefe Erlebnis ewigen Wunders spüren, wenn in solch beglückter Stunde
alles von uns fällt, was Last heißt, was irdisch ist, wenn unser Geist sich befreit dem Göttlichen nähert und wir die Hand ausstrecken, ihn zu empfangen — wer empfindet da nicht die große Einheit von allem, was ist? Wer spürt da nicht jede Stunde aufs neue dieses Reu werden in sich selbst, wer spürt da nicht die Wandlung seiner Augen, ja den ganzen Wandel seines Seins wie ein Durchglühen, wie ein Verbrennen?
„Besser, er wäre nicht geboren!“ sagt Christus von denen, die es nicht verspüren. Den Geist kann man nicht anerziehen, der Geist ist eine Gabe unseres Vaters im Himmel, aber er hat ihn in uns alle gelegt und es ist unsere Schuld, wenn wir es lachend mit tappenden Füßen zertreten, stolz auf unsere Klugheit, stolz auf unsere Taten, stolz auf unser Wissen. Bismarck sagte einmal: „Man kann so llug sein wie die Klugen in der Welt und geht doch jederzeit in die nächste Minute, wie ein Kind ins Dunkle." Rein, nicht Klugheit ist es, nicht Weisheit — aufgetan sein wie eine flammende Blüte, Schale fein, aus
gestreckte Hand aus der Arche des Lebens, das Zweiglein der Hoffnung zu erhalten, Flamme sein, möge auch aller Welt Staub sie zu ersticken drohen! Begeistert sein im Geist, das ist Pfingsten!
Das ist das Bündnis, das Gott mit seinen Geschöpfen geschlossen hat, den Blumen und den Bäumen, mit den Tieren und mit uns, so wir uns nur immer wieder wie sie vertrauend in seine Vaterhand schmiegen.
Darum laßt uns einen Pfingstbund schließen, einen Bund der Freude und des Dekennermutes. damit zwei oder drei unter uns sind, uns und unserem Volke, zwei oder drei, diefer oder jene®, du und ich, damit unsere Lande nicht zerstört werden wie einst nach der Verheißung Sodom und Gomorrha und nach dem anderen liebenden Worte Christi: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Ramen, da bin ich mitten unter ihnen!"
Solch flammenden Pfingstbund laßt «ns schließen!


