Ausgabe 
17.12.1929
 
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25 Mk. liegt, er soll auf 5 Mk. ermäßigt werden, wenn der Preis über 27 Mk. steigt. Der Futtergerstenzoll soll bis zum 31. De­zember d. 3. mindestens 5 Mk. betragen, später 2 Ml. Lei Mitverfüttcrung von Roggen solle jedoch schon in diesem Jahre nur 2 Mk. Zoll entrichtet werden. Diese letzte Bestimmung wünscht der Reich-rat zu streichen. Der Mindest - zoll für Hafer soll 5, 7 und 9 Mk. betragen, die entsprechenden Preisgrenzen 22 und 24 Mr.

Entsprechend den Getreidezöllen sind auch die Mehlzölle neu gestaltet. Bei der beweglichen Regelung der Getreidezölle glaubt die Regierung, die Ginfuhrscheine nicht ohne weiteres den stets wechselnden Zollsätzen anpassen zu können. Sie schlägt deshalb vor, daß der Wert der Ein­fuhrscheine für Roggen, Weizen und Hafer wie bisher beibehalten wird, bis der Zoll auf 5 Mark für Roggen und Hafer und 5,50 Mark für Weizen sinkt. Der Reichsrat dagegen wünscht den tatsächlichen zu Grunde zu legen, bei Roggen und Hafer jedoch 6, bei Weizen und Gerste 6,50 Mark, solange die Zollsätze für Roggen und Hafer 7 oder 9 Mark und bei Weizen 7,50 Mark oder 9,50 Mark betrogen. Als M a l z z o l l schlägt die Regierung das Eineindrittelfache des Gerstenzolles zuzüglich einer Schutzsponne von 6 Mark vor. Die vom Reichsrat beschlossene Schuhspanne von 8 Mark hält die Regierung für zu hoch.

Auch verschiedene 3ndustriezölle werden durch die Zollnovelle neu geregelt, eine Er­höhung ist namentlich für Schuhe vorgesehen, neu eingeführt wird ein A l u m i n i u m z o l l. Die vom Reichsrat beschlossene Erhöhung der Kammgarnzölle, der Daumwollgarnzölle und der Zölle für Baumwollgewebe hat die Regierung dagegen nicht in ihrer Vorlage ausgenommen.

Reichsfmanzmrnister Dr. Hilferding begründet die Vorlage: Die Reichsregierung konnte bei der Verlängerung des Zollgesehes dieWünscheverschledener3ndustrie- zweige nicht berücksichtigen. Es wäre gefährlich, wenn von Deutschland eine neue Welle des Protektionismus ausgehen würde, ge­rade in einer Zeit, in der überall auf einen Ab­bau der Zollmauern hingewirkt wird. Der eng­lische Vorschlag für einen Zollfrie- L e n hat gerade für die deutsche Wirtschaft die höchste Bedeutung. Wir hoffen, daß es in einer solchen Atmosphäre gelingen werde, den Kampf gegen den Protektionismus auf internationaler Basis zu führen. Heute, im Zeitalter der indu­striellen Konzentration und Organisation haben die Zölle eine ganz andere Bedeutung als früher. Sie dienen nicht mehr dem Schutze der schwachen Industrien, sondern sie erleichtern den starken Industrien die internationale Kartellbildung. Die Rot läge der Landwirtschaft wird all­gemein anerkannt. Mit Zöllen allein ist diese Rotlage nicht zu beheben. Wenn durch Zoll­erhöhungen der Preis gesteigert wird, so muß andererseits der Konsument gegen zu starke Preissteigerungen geschützt werden. Diesem Zwecke dient das Sh st em des Gleitzolles. Da­mit wird auch den Produzenten gedient, die ein Interesse an stabilen Preisen haben. Die Krise im Getreidebau muß in der Hauptsache durch organisatorische Maßnahmen auf dem Getreide­markt überwunden werden. Hohe Einfuhrscheine sind nicht das geeignete Hilfsmittel. Cs liegt dicht im Interesse der deutschen Wirtschaft, deut­schen Roggen unter den Produktionskosten ins Ausland zu werfen. Beim Roggen ist Polen das einzige Konkurrenzland Deutschlands. Ge­lingt es, mit Polen zu einem älebereinkommen zu gelangen, so könnte vieles besser werden.

Abg. Hoernle (Komm.) erklärt, die Genser WeltwirtschaftSkonferenz habe nicht den min­desten praktischen Erfolg gehabt. In Wirklich­keit habe ein internationales Wettrüsten im Zoll- wesen eingesetzt. Deutschland habe den Ehrgeiz, dabei an der Spitze zu marschieren. Der vor­liegende Entwurf sei ein neuer Beweis dafür.

Da weitere Wortmeldungen nicht Vorlieben, geht die Vorlage an den Handelspoli­tischen Ausschuß, die Zusatzabkommen zu den Handelsverträgen werden dem Auswärtigen Ausschuß überwiesen.

Dienstag: Das Ministerpensionsgeseh.

Kimbrisches Märchen.

Von Robert Seih.

In dem Walde Dragaholm wohnte einst der gute Zwerg Alfur. Dessen ganze Freude waren achtun».vierzig Fliegenpilze, und er hegte und pflegte sie. Eines Tages mußte er zu seinem Schrecken feststellen, daß der fünfunddreißigste Fliegenpilz über Rächt verschwunden war. Dar­über war er sehr traurig, sah auf seinem Daum- stumm und überlegte hin und her, wo dieser fünfunddreißigste Fliegenpilz geblieben sein konnte.

Da kam der Rabe Hathumot des Weges und stellte sich sehr bekümmert über die traurige Rach- richt des Zwerges. Innerlich aber freute er sich, Denn er konnte die Fliegenpilze nicht leiden, weil sie sich einen bunten Hut aufgesetzt hatten, und er liebte nur das, was schwarz war wie sein Gefieder. Sein Schnabel aber redete anders als sein Herz dachte, und Hathumot sagte, daß den Dieb eine böse Strafe treffen müßte. Der gut» mutige Zwerg jedoch hatte gegen niemanden Verdacht, aber der Rabe räusperte sich bedeu­tungsvoll, als könnte er dem Armen einen Finger­zeig geben.Ich würde dir gern den Missetäter nennen, aber ich fürchte, daß die Sache übel auslaufen könnte." Run drang der Zwerg mit beweglichen Worten in Hathumot und schwor, daß er den Räuber nur gütlich verwarnen wollte, Dmnit der für die Zukunft von seinem schänd- tichen^Tun lassen würde. Da nannte der Rabe Das Wildschwein Baddo, denn er hatte einen großen Aerger auf das Wildschwein, weil es ihm die besten Trüffeln vor der Rase wegfraß.

Das Wildschwein Baddo war aber ganz un­schuldig, und daher wurde es grob, als der Zwerg mit seiner Anklage kam, und sie zankten sich. Der gute Zwerg Alfur ging also trübselig nach Hause und der Rabe zuckte die Flügel.

Am nächsten Tage aber geriet das Wildschwein Baddo nachträglich über den fälschen Verdacht so in Zorn, daß es hinlief und alle Fliegenpilze cntzweitrampelte.

Da schwand alle Güte aus AlfurS Gesicht und er gab sich das Versprechen, daß er nicht eher ruhen würde, als bis er den Tod seiner Fliegenpilze gerächt hätte. Gr bat den Raben |

Das Abkommen Wer die chemischen Eisenbahnen.

Llebereinkunst zwischen Aotschafierkonferenz und Reichsregierung.

Berlin, 16. Dez. (WTB.) Die Reichsregie­rung hat mit der Botschasterkonferenz in Paris durch Rotenwechsel zwischen der deutschen Bot­schaft in Paris und dem Präsidenten der Bot- schasterkonferenz ein Abtommen über die rheini­schen Eisenbahnen getroffen. Bei den Verein- Larungen handelt es sich um zwei Fragenkom­plexe:

l. Art. 43 des Vertrages von Versailles schreibt vor, daß Deutschland links des Rheines und bis 50 Kilometer rechts des Rheines die Beibehal­tung aller materiellen Vorbereitungen für eine Mobilmachung untersagt ist. Hieraus folg:rte die Bolschafterkonserenz auch die Befugnis, einen be st im menden Einfluß auf alle Eisenbahnanlagen in der demilita­risierten Zone auszuüben. Bereits in einer Rote vom Jahre 1922 war gefordert, daß eine Anzahl von Eisenbahnanlagen zer- stört, andere im Dau b fEndliche nicht wei­tergebaut werden sollten. Die Fragen sind bis zu den Verhandlungen mit der Botschafter- konfcrenz im Juli dieses Jahres offen ge­blieben. In den jetzt veröffentlichten Roten ist nunmehr folgendes Ergebnis festgelegt worden:

1. Verlangt wurde u. a. der Abbau einer Reihe von Gleisen auf zweigleisigen Strecke i. Zugestan­den ist der Abbau eines Gleises auf Teilstrecken. Die gesamten übrigen Strecken bleiben zweiglei­sig. Auf den künftig eingleisigen älnterabschnitlen wird der dort bestehende geringe Verkehr, selbst im Falle erheblicher Steigerung, ohne jede Schwierigkeit bewältigt werden. Ver­langt wurde ferner die Beseitigung aller Dcr- binoungs- und Anschlußkurven an die Rhein- brücken bei Remagen und Rüdesheim. Zugestan- den wurde nur die Beseitigung einer für den öffentlichen Verkehr bedeutimgs o.en direkten Ver­bindung der Rheinbrücke bei Remagen mit der Ahrtalbahn. Alle übrigen Kurven bleiben erhal­ten. Schließlich wurde die Zerstörung von 78 ehemaligen Militärrampen ver­langt. Hier ist der Abbau von drei Rampen und die Verkürzung von 11 Rampen zugesagt worden. Die drei für militärische Zwecke ange­legten Rampen waren ohnehin wirtschaftlich nicht ausnuhbar: die elf Rampen behalten auch nach der Verkürzung noch eine Ausdehnung, die für

die Befriedigung der Bedürfnisse des öffentlichen Verkehrs durchaus genügt.

2. Die Botschaftertonferenz hatte ferner auf Grund ihrer Auslegung des Art. 43 die Unterlassung des Weiterbaues u. a. folgender Strecken verlangt: Zwei- gleisige Strecke Hamborn Geldern; drittes und viertes Gleis der Strecke Düren Köln; drittes und viertes Gleis der Strecke Trier Koblenz; ferner die Unterlassung des Baues wei­terer Eisenbahnbrücken über den Rhein. Durch die Vereinbarungen ist zugestanden, daß die Strecken DürenKöln und TrierKoblenz während der nächsten zwölf Jahre nicht oiergleisig ausgebaut werden. Ferner ist zugestanden die Unterlassung des Baues weiterer Eisenbahnschienen­stränge über den Rhein für die nächsten zwölf Jahre mck ausdrücklicher Ausnahme der tünftigen Anlage eines zweiten Gleises bei Maxau und einer zwei­gleisigen Linie bei K ö l n. Die bewilligten Einschrän­kungen bewirten keinerlei Beeinträchtigungen des bestehenden und für die nächsten zwölf Jahre zu erwartenden Verkehrs. Wenn die Botschafterkonfe- rcnz sich ihre Rechte aus Art. 43 des Vertrages von Versailles vorbehält, bedeutet dies nicht, daß die Reichsregierung verpflichtet ist, vor Errichtung irgendeiner Bahnanlage in der demilitarisierten Zone die Genehmigung der Botschafter- konferenz einzuholen. Deutschland ist vielmehr in der demilitarisierten Zone genau so wie im übrigen Reichsgebiet berechtigt, Eisenbahnbauten zu wirtschaftlichen Zwecken oorzunehmen. Wenn die Botschafterkonferenz je beabsichtigen sollte, gegen einen bestimmten Bau auf Grund von Art. 43 Einspruch zu erheben, würde es ihr obliegen, nach- a u tu e i f e n, daß die betreffende Anlage nicht wirt­schaftlichen Zwecken dient, sondern eine Mobil- machungsvorbereitung darstellt.

II. Rach dem Rheinlandabiommen (Ordonnanz 282) sind alle Bahn bauten im besetzten Gebiet vor Inangriffnahme der Besatzungsbchö'rde (Inter­alliierte Feldeisenbahnkommission) zu unterbreiten, die d i e Genehmigung verweigert, wenn sie eine Gefährdung der Sicherheit der Besatzungs­truppen als vorliegend erachtet. Durch die Verhand­lungen im Juli-August d. I. ist erreicht worden, daß die Bauten, denen die Besatzungsbehörden bisher Widerstand entgegengesetzt hatten, nunmehr aus» geführt werden können. Hierzu gehören auch die drei Rheinbrücken.

sehen sich aber die entscheidenden Führer bei Zentrums für Liese Steuer, deren nähere Ein­zelheiten erst im Rahmen der großen Finanz­debatte geklärt werden sollen, ein, wodurch zwi­schen den beiden Parteien, die seit etwa zwei Jahren in einer engeren Arbeitsgemeinschaft stehen, und auch weltanschaulich sich nahe ver­wandt sind, eine ungewöhnliche Spannung entstanden ist.

Der Volksentscheid.

Die Zahl der Abstimmungsstellen.

Berlin, 16. Dez. (WB.) Der Reichs, ausschuh für das deutsche Volks­begehren hat sich bei dem Reichsminister des Innern beschwert, daß in einzelnen Ländern die Absicht bestehe, bei dem bevorstehenden Volks­entscheid eine geringere Zahl von Ab- st imm ungs stelle n einzurich.ten als dies beim Volksentscheid über die Fürstenenteignung der FaU war. Der Reichsausschuß beruft sich in seinem Beschwerdcschreiben auf die Reichsver­fassung und auf den § 38 der Reichsstimmord­nung.

Der Reichsinnenmini st er hat das De- schwerdeschreiben des Reichsausschusses sofort be­antwortet und darauf hingewiesen, daß der § 38 der Reichsstimmordnung am 5. Dezember d. I. durch Reichsratsbeschluß dahin abgeändert wurde, daß in Gemeinden mit voraussichtlich auhergewöhnlich geringer Beteiligung der Stimmberechtigten die Stimmbezirke auch mit einer größeren Einwohnerzahl als 2500 ge­bildet werden können. In dem Antwortschreiben des Reichsinnenministers heißt es u. a.: Die Einwohnerzahl eines Stimmbezirkes dürfe nicht so gering sein, daß sich die Abstimmung der einzelnen Stimmberechtigten ermitteln lasse. Von einzelnen Landesregierungen und großen Stadtverwaltungen fei darauf hingewiesen wor­ben, daß bei Einhaltung der Regelvorschrift von nicht mehr als 2500 Personen für den einzelnen Stimmbezirk das Abstimmungsgeheim- nis nicht gewährleistet werden könne, weil die Stimmbeteiligung in vielen Gemeinden voraussichtlich sehr gering sein wird. Diesen Ein­wendungen habe der Reichsminister des Innern stattgegeben und daher mit Zustimmung des Reichsrates die vom Reichsausschuh angefoch­tene Verordnung herausgegeben.

Neuer Milliardenkredit

45 Millionen Znlandkredit für Berlin.

Erhöhung der Wcrkstarife.

Berlin, 16. Dez. (WTB.) Da mit einer Ge­nehmigung des amerikanischen 15-Mil­lion en-Dollar-Kredites durch die Be­ratungsstelle infolge des entschiedenen WiderspruchesdesReichsbankpräsi- denten nicht mehr $ u rechnen ist, hat der Berliner Magistrat inzwischen Verhandlungen mit anderen in Betracht kommenden Stellen sowie mit den Reichs- und Staatsbehörden über die Aufnahme eines anderweitigen Kredites geführt. Die Verhandlungen hatten das Ergebnis, daß der Stadt dieMittel fürden notwendi­gen Bedarf im Dezember zur Verfügung gestellt werden. Dieser kurzfristige Kredit ist nach dem Verlangen der Aufsichtsbehörde baldigst zu tilgen. Zu diesem Zweck legt die Stadt einen Fonds an, in den sie allmonatlich 5 Mil­lionen Mark aus erhöhten Abgaben der städtischen Werke und Betriebe ein» schiebt. Der V e r k e h r s t a r i f wird von 20 auf 25 Pfennig, der Elektrizitätstarif von 16 auf 20 Pfennig, der Wassertarif von 15 auf 20 Pfennig, der Gastarif von 16 auf 18 Pfennig erhöht.

Der Kredit für Berlin wird der Stadt von dem unter Führung der Seehandlung stehenden Preußenkonsortium gegeben, mit dem die Verhandlungen begonnen haben. Die Reichs­bank nimmt nur eine Hilssstellung ein, indem sie unter Umständen zum Rediskont bereit ist. Wie hoch die Gelder sein werden, die Berlin erhält,

Hathumot um Rat, und der war gern bei der Hand, ihm einen Kriegsplan zu entwerfen.Du muht dir einen Speer schneiden und die Spitze in den Saft deiner zerstampften Fliegenpilze tauchen. Damit wird es dir ein Leichtes fein, dich von den ©etoalitäligleiten des Wildschweines ju befreien. Und er nannte dem Zwerg auch noch Ort und Stunde, wo er den Gegner am besten treffen könnte.

Der Zwerg Alfur tat, wie ihm der Rabe Hathumot hieß und tötete das Wildschwein Baddo.

Der Zwerg aber bekam Gewissensbisse wegen seiner Tat, und das Leben machte ihm keine Freude mehr. Da sagte der Rabe Hathumot zu ihm:In Thuriland steht ein heiliger Baum. 3n dessen Zweigen wohnt die Vergessenheit. Wenn du dahin wanderst und dir ein Blatt von dem Baume brichst, könnte dir wohl Erlösung werden. Aber der Weg ist hart und gefahrvoll, und ich weiß nicht, ob du solcherlei Mühsal er­tragen könntest."

Da beschloß der gute Zwerg Alfur nach Thuri- land zu wandern, und er bat den Raben Hathu- mot, solange auf seine Wohnung achtzugeben, damit nicht Räuber darüber kämen. Der Rabe versprach das gern, denn er besaß nur ein toin- bigeS Rest und er hatte es schon lange auf Mfurs Haus abgesehen:Ich will sogar noch ein Uebriges tun und mich an deinen Herd setzen, uamit ich deine Habe besser bewachen kann, denn ich habe ein großes Mitleid mit dir Der Zwerg war darüber gerührt und nahm unter vielen Dankesworten Abschied von dem Raben Hathu­mot.

Er wanderte Jahre und Jahre, bis er zu dem heuigen Baum in Thuriland kam. Von den Mühen des Weges war er alt und grau ge­worden. Als er nun unter dem mächtigen Baume stand, sah er zu seinem Schrecken, daß er viel 3u klein war, um sich ein Blatt von den Zweigen zu pflücken. Da setzte er sich unter den Baum unö beklagte sein Los. Diele Jahre sah er dort und wartete darauf, daß der Baum ihm ein Blättchen herabwerfen würde. Aber keine Hoff- nung war vergebens. 3n dieser Zeit dachte der Zwerg Qrtfur viel über das Leben nach, und e5 erschien ihm nichtig und eitel.Ich will nach Hause wandern, sagte er endlich,denn ich habe des Raben Gefälligkeit schon viel zu lange in

steht noch nicht fest. Berlins Verbindlich­keiten am 31. Dezember betragen etwa 60 Millionen Mark, also gerade so viel, wie der Amerikakredit hätte betragen sollen. Hiervon finb jedoch 40 Millionen kurzfristige Fällig­keiten, über deren Prolongation jetzt verhandelt werden soll. Werden sie verlängert, so vermindert sich der neue Kredit um denselben Betrag. Auch über die Zinshöhe ist noch keine Abmachung ge­troffen. In Frage kommt ein Betrag von etwa 45 Millionen Mark, also rund 15 Millionen weniger, als die Stadt Berlin erhalten hätte, wenn die Beratungsstelle dem Amerikakredit zu­gestimmt hätte.

5lm disBayerischeVolkspartei.

Widerstand gegen die Biersteuercrhöhung.

München, 16. Dez. (WB.) Zur Abstimmung über die Vertrauensformel im Reichstag äußert sich die Baherische Volkspartei-Kor­respondenz dahin: Die Stimmenthaltung der Bayerischen Dolkspartei im Reichstag ist die sichtbare Einleitung eines Loslö­sung s p r o z e s s e s von der Regierung und der Regierungskoalition. Wenn es in der bisherigen Regierungskoalition Par­teien gibt, die Wert auf Zusammenarbeit mit ber Bayerischen Dolkspartei legen und im Inter­esse der deutschen Politik nicht für förderlich halten, wenn in Bayern eine verzweifelte Stim­mung einreißt, dann ist jetzt die letzte Gelegene 6eit gekommen, der Deichsfinanzpolitik ein für Bayern erfreuliches Gesicht zu geben.

Die Biersteuererhöhung, die rund 180 Mil­lionen einbringen soll, hat bei der Bayerischen Volispartei eine Ablehnung erfahren. Dagegen

Anspruch genommen." älnd er machte sich auf den Heimweg.

2lls er nach Hause kam, saß der Rabe Hathu­mot vor des Zwerges Haus. Er hatte sich aus­geplustert in der Sonne unö sah dick und behaglich aus, denn die Vorräte des guten Alfur waren ihm wohlbekommen.

Er sah den Zwerg dreist und herausfordernd an und fragte nach seinem Begehr.Kennst du mich nicht mehr?" enttoortete dieser,ich bin hoch der Zwerg Alfur. Ich war l ei dem heiligen Daum in Thuriland, und unter leinen Zweigen kam mir die Erkenntnis von der Richtigkeit alles irdischen Seins." Der Rabe Hathumot aber tat, als wäre ihm Alfur fremd und sagte:Der Zwerg, von dem du sprichst, hatte einen schönen blonden Bart und ein frisches rotes Gesicht. Hier ober sehe ich einen dürren Greis vor mir. Du kannst unmöglich der Zwerg Alfur fein.

Da war der Zwerg zuerst betrübt und Dann wurde er zornig, denn er erkannte die Tücke des Raben.Du bist also auch ein Lügner," kreischte Hathumot und setzte sich breit vor den Eingang des Hauses.Hast du mir nicht soeben von deiner großen Erkenntnis unter dem heiligen Daum in Thuriland vorgeschwatzt unö gerätst so schnell in Zorn, um einen ehrbaren Raben mit List von seinem Eigentum zu jagen. Sollte es dir Graukopf nicht besser anstehen, Deine Worte in die Tat umzusehen und in Frieden und Freund­schaft des Weges zu ziehen?"

Da beugte sich der Zwerg Alfur vor dieser Zurechtweisung, entschuldigte sich und trottete davon.

Unö er wandte sich von der Welt ab und lebte als Einsiedler zwischen Bilsenkraut.

Philipp Wolfrum, zum 75. Geburtstag.

Am 17. Dezember hätten wir Philipp W o l f r u m , dem bedeutenden Kirchenmusiker und Musikhistoriker, zum 75. Geburtstage alles Gute und Schöne gewünscht. Der Tod nahm ihm Buch und Griffel und ließ uns sein uni­versales Werk zurück. Drdentt man den raschen Aufstieg des jungen Musillehrers zum Orga­nisten und akademischen Musikdirektor in Hei­delberg, der da noch mit 37 Jahren in Leipzig mit einer kirchenmusikalifchen Arbeit promo­vierte und sieben Jahre später zum Professor für Musikwissenschaft in Heidewerg ernannt

für Frankreichs Rüstung.

Die Verteidigung der Grenze.

P a r^s, 16. Dez. (WTB.) Die Regierung hat in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, der Kredite^ in Höhe von 290 Millionen Francs für die Verteidigung der französischen Grenze und von 400 Millionen Francs für die Verteidigung durch die Luftwaffe fordert, die der Kriegsminister in Den Haushaltsjahren 1930 bis 1934 zu benutzen ermächtigt werden soll. In der Begründung wird erklärt, um das Land vor einem eventuellen Einfall zu schützen, sei es uncrläs ! ch, Verteidigungs­anlagen zu errichten und für Waffen unö Muni- tion zu sorgen, damit ziffernmäßig beschränkte Truppen das Dorrücken einer feind­lichen Truppe aufhalten können. Die Regierung beantragt daher, daß zuzüglich der bereits bewilligten Kredite ein weiterer Kredit in Höhe von einer Milliarde Francs aus dem allgemeinen Budget für 1929 für Heeresausgaben bewilligt wird, und zwar für Artillerie 250 Millionen, für Pioniertruppen 750 Millionen.

Aus aller Wett.

Großer Fabrikbrand in Bingen.

Bingen, 17. De;. (WTB. Funkspruch.) heule früh gegen 3 Uhr brach in der 6 a r l G r a f f f ch e n Tabakwarenfabrik Feuer aus. 3n kurzer Zeit stand ter ganze Gebäudekomplex, der sich über I eine Straßenfront von 200 Bietern erstreckt, in Flammen. Als die Ortsfeuerwehr eintraf, war eine Rettung dec brennenden Gebäude schon unmöglich,

I wurde, so dürfen wir ihn zu den bedeutenden Persönlichkeiten rechnen. Das Dachsche Ethos ließ

I er durch seine Aufführungen klingen. Reben Orgelwerken, die im Schatten feines Freundes Max Reger verschwanden, kennen wir Chorwerke, Lieder, Kammermusik und Orchesterstücke. Be­deutend sind seine schriftstellerischen Arbeiten. Luther und die Musik,Luther unö Dach" prä­gen seinen kirchenmusikalischen Sinn. Sein Ein­treten für Die musica sacra, ihren tieferen Wert und ihre Ausgestaltung, wirkt noch heute nach.

K.V.

Uraufführung in Frankfurt.

3m Frankfurtsr Schauspielhaus wurde am vergangenen Samstag Alexei Tol- st o i sKomödie der Verjüngung" in Der Uraufführung herausgebracht. Das Stück schildert in etwas abenteuerlicher Weise bald tragisch, bald komisch Die Che einer alternden grau, die durch eine Derjüngungsmcthode der Jugend zurückgegeben wird, und die dann in einer Filmszene ihre Erfahrungen unter eigener Mitwirkung und der Mitwirkung derselben Per­sonen, die in ihrem Leben wirklich eine Roll» gespielt haben, kurbeln laßt. Regie und Dar­stellung standen auf gutem Riveau, und machten dem Pub ikum den bizarren Einfall des Autors fchmau.^aft, so daß Der Beifall stark war. Das Stück ist in seinem ersten Teil voll von Satire über Die ZustänDe in der Sowjetunion.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Albrecht Götze in Heidelberg hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der semitischen Philologie an der Universität Mar­burg als Nachfolger von Professor B. Lands­berger angenommen. Der durch das Ableben des Professors R. Lorenz an der Universität Frank­furt a. M. erledigte Lehrstuhl der physikalischen Chemie ist dem nichtbeamteten a. o. Professor Dr. Karl Friedrich Bonhoesfer in Berlin ange­boten worden. Der Daudirektor Der Stadt Köln, Adolf A b e l, ist als Nachfolger des Geheimen Bau­rats Professor Dr.-Ing. h. c. Theodor Fischer vom 1. Mai 1930 an zum ordentlichen Professor für Bau­kunst an Der Technischen Hochschule in München ernannt worDen. Abel ist Der Schöpfer Der neuen Kölner Ausstellungsbauten-