Ausgabe 
17.5.1929
 
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Banken lägen und vollkommen geheimgehallen würden. Die Führung bei der Anleihe habe die Reichsbank.

Volkspartei und Anleihegeseh.

Berlin. 17. Mai. (VDZ.) Wie aus den Ab­stimmungslisten jetzt hervorgeht, haben in der Mitt­wochsitzung des Reichstags auch zehn Mitglie­der der Deutschen Volkspartei gegen das An­leihegesetz gestimmt. Es sind die folgenden Abgeordneten Dr. Becker-Hessen, Cramm, Dauch, v. Gilsa, Janson, Hueck, Dr. Leutheusser, Köngeter, Schmid und Dr. Pfeffer. Sechs Ab­geordnete der Deutschen Volkspartei haben sich, wie bereits gemeldet, der Abstimmung ent­halten.

Reichsiagspfingstferien.

Um die Immunität der Abgeordneten.

Berlin, 16. Mai. (WTB.) Die letzteReichs- tagssitzung vor den Pfingstferien hatte Lärm- und Sturmszenen zu verzeichnen. Ohne Aus­sprache waren die Luftfahrtabkommen mit Holland und Norwegen angenom­men worden. Dann aber wurde es lebhaft, als der Bericht des Geschäftsordnungsausschusses über die Anträge auf Genehmigung zur Straf­verfolgung von Abgeordneten zur Be­ratung kam. Während früher solche Anträge durchweg abgelehnt wurden, hat sich schon seit längerer -Zeit im Geschäftsordnungsausschuh der Brauch durchgesetzt, die Strafverfolgung freizu­geben gegen Abgeordnete, die als verant­wortliche Redakteure einer Zeitung oder Zeitschrift in Deleidigungsprozesfe verwickelt sind. Die Strafverfolgung sollte freihegebcn werden gegen den nationalsozialisti­schen Abgeordneten Strasser und den kom­munistischen Abgeordneten Florin wegen Be­leidigung durch die Presse. Ein weiterer Fall betraf den kommunistischen Abgeordneten B e r h, der bei den Demonstrationen auf der Publi­kumstribüne des Reichstags Kriminalbeamte be­leidigt haben soll. Von den Rationalsozialisten und den Kommunisten wurde heftig dagegen pro­testiert. Die Debatte wurde so erregt, dah einige Abgeordnete aus dem Saale verwiesen werden muhten. Die Strafverfolgung wurde geneh­migt. Die Vorlage zur O st Preußenhilfe wurde dann in zweiter und dritter Beratung gegen die Kommunisten angenommen. Angenom­men wurde auch in zweiter und dritter Lesung die Vorlage, mit der die S ch i ch a u w e r k e saniert und in Form einer Aktiengesellschaft mit Reichsmitteln fortgeführt werden sollen. Das Haus vertagte sich dann auf den 3. 3um.

Das preußische Konkordat fix und fertig.

Der Vertragsabschluß mit dem Vatikan am Donnerstag schon paraphiert.

Köln, 16. Mai. (TU.) Wie das rheinische Zentrumsorgan, dieKölnische Volkszeitung", er­fährt. stehen die Verhandlungen über das Kon­kordat jetzt unmittelbar vor ihrem Ab­schluß. Sowohl der Pap st wie das preußische Staatsministerium haben ihre Z u st i m - -mung zu dem Vertragsentwurf gegeben, der wahrscheinlich von dem preußischen Ministerpräsi­denten Otto Braun und dem päpstlichen Nun­tius P a c e l l i noch im Laufe des Donners­tag paraphiert werden wird. Dann geht die Vorlage zunächst an den Staatsrat, der sich gutachtlich zu äußern hat. Der Landtag will sich erst nach den Sommerferien mit dem Konkordatsentwurf beschäftigen, doch kann wohl damit gerechnet werden, daß das Konkordat noch im Laufe des Jahres in Kraft tritt.

Nach derGermania" verlautet, daß das preu­ßische Staatsministerium, nachdem der Landtag seine Verhandlungen vor Pfingsten gestern zum Abschluß gebracht hat, heute zu einer Sitzung zusammentritt. Auf der Tagesord­nung stehe der Vertragsabschluß mit dem Vatikan, über dessen Grundzüge eine beiderseitige Vereinbarung erfolgt sein soll.

Oer jüngste Reichsbetrieb.

Die Schichauwerft in Elbing wird saniert.

Berlin, 17. Mai. (V.D.Z.) Der Reichstag hat jetzt endlich den Gesetzentwurf über die Sa­nierung der Schichau-Werft verabschiedet, nach­dem diese seit Jahren auf wirksame Hilfe wartet. Die Werft, ein Unternehmen, das eine gute und alte Tradition besitzt, ist in ihre Zwangslage fast ausschließlich durch die besonderen Ver­hältnisse der Nachkriegszeit gekommen und somit zu den Kriegsopfern zu rechnen. In die Sanierung der Schichau-Werft spielen auch politische Fragen hinein, so daß man die Sub­ventionierung in diesem Falle nicht allein von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus betrachten darf. Wahrscheinlich ist dieser Umstand auch da­für maßgebend, daß nach unseren Informationen die Schichauwerft, die sich künftig nahezu ganz im Besitze des Reiches und Preußens befinden wird, nicht in den Viag-Kom­plex eingruppiert wird. Die Viag (Ver­einigte 2ndustrieunternehmungen-A.-G.) verwal­tet bekanntlich sämtliche wirtschaftlichen Beteili­gungen des Reiches. Ihr Aufbau würde durch Einreihung von Schichau nicht gerade glücklich ergänzt werden, so daß man das Elbinger Unter­nehmen voraussichtlich außerhalb des Konzerns lassen wird, ähnlich wie die Deutsche Werft in Kiel. Möglicherweise werden diese beiden Be­triebe aneinander angeschlvssen. Roch in dieser Woche finden in Berlin Verhandlungen hierüber statt, die nach Pfingsten fortgesetzt werden. So­weit wir unterrichtet sind, wird das Reich und Preußen gemeinsam einen Aufsichtsrat bilden.

Aerztekonfliki in Berlin.

Berlin. 17. Mai. (Priv.-Tel.) Zwischen dem Magi st rat der Stadt Berlin und der organisierten A e r z t e s ch a f t ist cs zu einem schweren Konflikt gekommen, der seinen Grund darin hat, daß die Stadt Berlin immer mehr dazu übergeht, die Heilpflege zu kommunali­sieren. Verschiedene Wohlfahrtsämter haben ^ Anweisung erteilt, daß die Geschlechtskranken künftig nicht mehr den frei praktizierenden Fach­ärzten, sondern den kommunalen Behandlungs­stellen überwiesen werden. Die Aerzteschaft hat in ihrer Gesamtorganisation sich daraufhin mit den Berliner Aerzten solidarisch erklärt und für ihre Mitglieder alle neuen oder neu zu besehen­den Kommunalfürsorgestellen gesperrt. Hier­durch ist ein sehr ernster Konflikt entstanden, in dem die Aerzteschaft nicht nur ihr» eigenen be-

Hundert Jahre Stuttgarter Technische Hochschule. Reichskanzler Müller spricht über aktuelle Probleme der Reichspolitik.

Stuttgart, 16.Mai. (WB.) Aus Anlaß der Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule fand heute eine offizielle Feier im Landestheater statt, bei der nach einer Begrüßungsansprache des Rek­tors Professor Schmoll von Eisenwerth der Rector designatus Professor Dr. Grammel zu einer Festrede über die Gegensätze zwischen Kullur und Technik das Wort ergriff, wobei er die Pflicht betonte, diesen unheilvollen Zustand zum Verschwinden zu bringen. Er bekannte sich zu dem Glauben, daß die Technik die Vorfrucht zu einer besseren Zeit ist, daß sie dereinst ganz die die­nende Freundin Höch st er Kultur wer­den und daß sie zuletzt nur noch eine Grenze kennen werde: die Würde des Menschen. Kultusminister Dr. Bazille überbrachte eine Jubiläums- g a b e des Landtags und der Regierung im Be­trage von 150 000 Mark, die in erster Linie für die Errichtung eines Sportplatzes für die Hochschule verwendet werden sollen. In der begleitenden An­sprache betonte er, daß die Hochschule außer der Pflege der Wissenschaft und Kunst die nationale Aufgabe habe, die studierende Jugend zu Vor­kämpfern gegen das schmachvolle Unrecht zu machen, das Deutschland mit der Kriegsschuldlüge angetan worden sei. Erst wenn dieser Drachen, der vor dem Tempel des Friedens liege, erschlagen sei, könne die Menschheit auf die Zeit hoffen, in der die Künste und Wissenschaften und alle anderen Seanungen des Friedens sich frei entfallen können.

Reichsinnenminister S e v e r i n g hob die Not- Wendigkeit hervor, daß die Technische Hochschule der Allgemeinheit und der studentischen Generation noch mehr als bisher das Bewußtsein vermittelt, daß über allem technischen Gesetz, über aller technischen Erfindung und industriellen Auswertung, über aller Nationalisierung des technischen Arbeitsprozesses der Adel der Menschenwürde aller der­jenigen steht, die in den technischen Arbeitsgang ein­gegliedert sind. Technischer Fortschritt werde kul­tureller Rückschritt, wenn er mit Verlusten an menschlichem Seelengut erkauft wird. Möge das Beginnen des zweiten Jahrhunderts den ruhm­vollen Anteil der Technischen Hochschule Stuttgart an der Entwicklung technischer Wissenschaft und tech­nischen Werkes mehren zum Wohle Deutschlands und der Menschheit. Oberbürgermeister Dr. Lau- tenschlager rief der Hochschule unter lieber- reichung einer Jubiläums spende von 100000 Mark ein herzliches Glückauf zu. Nach dem Festakt im Landestheater folgten die Ehrengäste einer Einladung des Staatspräsidenten Dr. Bolz und des Senates der Technischen Hoch- schule zu einem Festessen in den Räumen des Neuen Schlosses, bei dem

Reichskanzler Müller zunächst die herzlichen Grüße und Glückwünsche der Reichsregicrung sowie, in dessen besonderem Auftrage, die des Reichspräsidenten übermittelte. Der Kanzler verwies dann auf die jetzt in Paris stattfindenden Verhandlun­

gen über das Reparationsproblem. Wir stehen, so fuhr der Kanzler fort, vor dem Ende dieser Verhandlungen. Ich will deshalb nicht auf Einzelheiten eingehen. Wir haben aber ein Recht zu fragen, ist es zehn Jahre nach dem Abschluß des Weltkrieges nicht endlich an der Zeit, für die Reparations- fraae eine Lösung zu vereinbaren, die von allem Kriegsgeist entgiftet ist? Ich brauche fernerhin nur an die staatsrechtlichen Fragen zu erinnern, die gegenwärtig Gegen­stand ernster Erörterung im Reichstag bilden. Die ernste Lage unserer Reichsfinanzen erfordert im Interesse des Reiches, der Länder und der Gemeinden schleunigst finanzielle Maß­nahmen, vor allem zur Besserung der Kassen­lage des Reiches. Nur so sind Gefahren zu bannen, die sonst dem deutschen Wirtschaftsleben und damit dem gesamten deutschen Volk drohen.

Ein weiteres Problem, das zur Entscheidung allmählich heranreift, ist die sogenannte Reichs­reform. Ich will hoffen, daß die eingelei­teten umfangreichen Vorarbeiten der Länderkon­ferenz möglichst bald zu einem Reich und Län­der befriedigenden Abschluß gelangen, damit die insbesondere von der deutschen Wirtschaft gewünschten politischen Entscheidungen auf die­sem Gebiete in nicht zu ferner Zeit getroffen werden können. Wir wollen im Interesse unse­res Volkes hoffen, daß es uns gelingt, alle diese Fragen zu lösen. In dieser schweren Zeit kommt es wieder einmal auf die Zusammenarbeit des gesamten deutschen Volkes an. Wer heute einen Blick zurückwirft auf die letzten zehn Jahre, durch die wir, wenn auch unter schwerstem leib­lichen und seelischen Druck hindurchgekommen sind, der darf den starken Glauben haben, daß das deutsche Volk nicht untergehen kann. Wir aber wollen es erreichen, daß das deutsche Volk in der großen Völkerfamilie als wirklich gleich­berechtigtes Glied wieder leben kann. Aus Anlaß der Hundertjahrfeier sind 2 4 Ehrenbürger ernannt worden, darunter Reichspräsident v. Hindenburg, der Staatspräsident von Württemberg Bolz, der württembergische Kultusminister Dr. Bazille, Dr. Robert Bosch, der langjährige verdiente Vorsitzende der Vereinigung von Freunden der Technischen Hochschule und Marchese Silvio della Dalle di Casanova, der verständ­nisvolle Förderer der deutschen Kultur und Künstler. Unter den Ehrenbürgern befinden sich auch Professor Dr. Nernst, Professor Dr. Al­bert Schweitzer, Professor Dr. Sommer­feld und Staatssekretär Dr. S t i e l e r. Die Würde eines Dr.- Jng. ehrenhalber wurde u. a. verliehen an Professor Thomson. Ko­penhagen. Professor Ivar Tengbom. Staats­sekretär Friedrich Gutbrod. Professor Dr. Aiggli, Zürich, Reichsbahndirektor Wech- mann und Professor Thomann, Graz.

ruflichen Interessen, sondern auch die Inter­essen der Allgemeinheit gegen die Sozialisie- runtzsbestrebungen des Berliner Magistrats ver­teidigten.

Nie Ostpreußenhttfe.

Der Damm an der deutschen Ostmark.

Berlin, 17. Mai. (Priv.-Tel.) Der Reichs­tag hat in seiner letzten Sitzung vor Pfingsten noch die sogenannte Ostpreuhenhilfe endgültig verabschiedet. Reichsernährungsminister D i e t - r i ch -Baden führte dabei aus. daß zwar die Not­lage in allen Grenzgebieten groß sei, daß aber in Ostpreußen zunächst etwas geschehen müsse, da die Dinge dort keinen Aufschub mehr ver­trügen. Außerdem spielt die Finanzlage des Reiches bei diesen Erwägungen eine entscheidende Rolle, und es soll sofort auch etwas für die an­deren Grenzgebiete getan werden, sobald die finanziellen Möglichkeiten dazu bestehen. Die Lastenminderung für Ostpreußen, die durch die jetzt angenommene Gesetzesvorlage vorgesehen ist, beträgt etwa 40 Prozent. Mit Recht wandte sich der Minister gegen den Gedanken, jetzt plötzlich den Grundbesitz in Ostpreußen zu zerschlagen. Wenn man die ostpreußische Wirt­schaft überhaupt erhalten will, dann muß man auch den lebensfähigen Großgrundbesitz stützen. Ebenso notwendig aber ist eine Hilfsaktion für den Mittel st and, dessen Gedeih und Verderb besonders im Osten mit dem Blühen der Landwirtschaft eng zusammenhängt. Neben den rein wirtschaftlichen spielen auch national- politische Momente bei der Vorlage eine entscheidende Rolle. Der Minister hat mit großer Deutlichkeit betont, daß es Ostpreußen national­politisch g e g e n d ie andrängende Polen­flut zu schützen gelte. Besonders erfreulich ist es. daß es bei der Verabschiedung des Ost- preußengesetzes im Hause mit Ausnahme der immer Nein sagenden Kommunisten keineMei- nungsverschiedenheit mehr gab. Das Bild der Geschlossenheit des Parlamentes konnte auch nicht dadurch beeinträchtigt werden, daß ein Nationalsozialist, wenn auch verspätet, die Be- schlußfähigteit des Hauses zu bezweifeln suchte.

Die Bevölkerung Ostpreußens mag aus dieser Tatsache ersehen, daß man ihre Notlage allmäh­lich im ganzen Deutschen Reich begriffen hat und dah der Reichstag trotz seiner sonstigen par­teipolitischen Zerrissenheit in diesem Falle zu einer einheitlichen und schnellen Arbeit gekommen ist. Das übrige Deutschland hat den Wunsch, dah sich diese Ostpreuhenhilfe rasch und nach­haltig auswirken werde, damit es gelingt, den um ihre nationalpolitische Zukunft schwer ringen­den Ostpreußen ihre Heimat zu erhalten.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 16. Mai. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags verabschiedete zunächst eine Regierungsvorlage über den Dau von Bergarbeiterwohnungen in Wöl­fersheim. Gleichzeitig wurde von der Re­gierung mitgeteilt, daß sie zur Kohlenförde­rung verschiedene Maßnahmen bereits ergriffen habe, die von dem Ausschuß zur Kenntnis ge­nommen wurden. Es handelt sich um di» Er­

werbung einer Wohnbaracke zur Unterbringung von sechs Arbeiterfamilien oder 50 ledigen Berg­arbeitern, der Teilung von drei vorhandenen Bergarbeiterwohnungen, so daß in Zukunft je zwei Familien in einer der vorhandenen Woh­nungen Unterkunft finden können. Eine weitere Wohnbaracke wird vergrößert und außerdem wurden zwei Kohlentransportbänder angeschafft. Gegen drei Stimmen abgelehnt wurde ein volks­parteilicher Antrag auf Aufhebung der Stempelgebühren für Bäckerläden für die Offenhaltung an den Tagen vor Feier­tagen. Mit 8 zu 4 Stimmen wurde eine Re­gierungsvorlage über den Einbau einer Sammel­heizung in das Ludwig-Georg-Ghmnasium in Darmstadt genehmigt. Ein Antrag Lux (Soz.), der verlangt, daß die Stadt Darmstadt einen Zuschuß von 10 000 Mk. geben soll, wurde ab­gelehnt. Gleichzeitig gab der Ausschuß der Auf­fassung Ausdruck, in Zukunft nach einheitlichen Gesichtspunkten bei der Behandlung der höheren Schulen vorzugehen. Eine Eingabe der hessischen Bauernschaft, Sih Lauterbach, wegen des Er­lasses von Stempel - und Notariats­gebühren von Hypotheken wird durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Die Regierung ist außerstande, hier etwas zu tun. weil die Beurkundungen vor Notaren er­folgt sind. Zum Schluß wurde noch gegen drei Stimmen ein Bauernbundantrag abge­lehnt, der eine Herabsetzung derHunde- steuer verlangte. Die beantragte Steuerherab­setzung würde einen Cinnahmeausfall von 400 000 Mark zur Folge haben.

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Wie nunmehr feststeht, wird das Plenum des Hessischen Landtages am Mittwoch, dem 5.2 unl, zu einer Sommersihung zusammen­treten. Nach dem vorliegenden Stande der Ar­beiten wird damit gerechnet, daß der Landtag in einer Woche seine Beratungen beenden kann. Für den 7. Juni ist eine Besichtigungsfahrt nach Worms und Oppenheim vorgesehen.

Die Vesreiunßsseier in Sofia.

Sofia, 16. Mai. (TU.) Die Desreiungsfeier in Sofia erreichte am Mittwoch durch die 11 e b e r- bringung der Fackel mit dem heili­gen Feuer von Preslaw an den König ihren Höhepunkt. Die Fackel wurde durch Läufer. Motorradfahrer und Reiter in den Sofioter Schloßhof gebracht, wo der König eine Ansprache an die Vertreter der bulgarischen Jugend hielt und sie als Träger bulgarischen Geistes und bul- aarischer Ideale begrüßte. Das heilige Feuer aus der alten Zarenstadt Preslaw sei ein Symbol des unaufhaltsamen Dranges des Volkes zu Freiheit, Größe und Fortschritt. Der König schloß seine Ansprache mit dem Rufe:Es lebe Bulgarien und das bulgarische Volk". Sodann entzündeten die Minister und die Vertreter der Geistlichkeit an der Fackel des Königs ihre eigenen Fackeln. Die Preslawer Fackel wurde in die Schloßkapelle gebracht. Es folgte nun ein Fackelzug durch die Stadt und die Verteilung des heiligen Feuers auf sämtliche Sofioter Kirchen. Der ©efanLeinbtucZ der Festlichkeiten war infolge der ungeheueren Beteiligung deS Volkes gewaltig. Am Marsch durch daS königliche Schloß nahmen etwa 120 000 Menschen, die Hälfte der Einwohnerschaft Sofias, teil.

Aus aller Welt.

Admiral von Truppel 75 Jahre alt.

Admiral Oskar von Truppel feiert am 17. Mai seinen 75. Geburtstag. Er gehörte von 1871 bis 1911 der Marine an, wurde 1897 Befehlshaber und 1901 Gouverneur des deutschen Schutzgebietes Kiautschau in China. Unter ihm nahm das Pachtgebiet wirtschaftlich und kulturell einen großen Aufschwung. 1905 wurde er zum Kontre-, 1908 zum Vizeadmiral befördert. 1911 wurde er Admiral und am 21. August dcssalben Jahres zur Disposition gestellt. Gleichzeitig verlieh ihm der König von Preußen den erblichen Adel.

Banditen mit Maschinengewehren.

Nach Meldungen aus Bukarest sind die zwi­schen Kischinew und Hanzesti verkehrenden A u t o b u s s e gestern nacheinander ' von starken Räuberbanden angegriffen, aufgehalten und vollständig ausgeplündert worden. Dabei wurde ein Passagier getötet. Auch die Wagen und Motoren wurden vollständig zer­trümmert. Die von Bauern verstärkte Gen­darmerie konnte die Räuberbande nach langem Umherstreifen heute beim Morgengrauen an einem Waldrande stellen, doch zeigte sich beim Angriff, daß die Banditen militärisch or­ganisiert und mit Maschinengeweh­ren ausgerüstet waren. Als die Gendarme­rie und die Bauern die Stellung der Banditen zu stürmen versuchten, wurde der Gendarmerie­kommandant schwer verwundet, ein Gendarm und zwei Bauern getötet. Die Banditen konn­ten sich dann unter dem Schutz des Maschinen­gewehrfeuers ohne Verluste zurückziehen.

Schwere Masernepidemie in der Oberpfalz.

In verschiedenen Städten und Ortschaften des Regierungsbezirks Oberpfalz ist eine schwere Ma­sernepidemie ausgebrochen. In Fischbach sind be­reits acht Kinder, darunter auch schulpslich- tige, an der Seuche g e ft o r b e n. Zahlreiche andere liegen schwer krank darnieder.

Schwere Kesselexplosion.

Bei der Prüfung explodierte im Betriebe der Firma Wegelin & Hübner, QI.-®., in Halle der Ressel eines Oelpalmsruchtsterilisierungsapparates, der im Werk II für das Ausland gebaut wird. Unter ungeheurem Knall wurde der 20 Zentner schwere Deckel hochgeschleudert und riß ein großes Loch in die Wand des Gebäudes. Unter den Trümmern des Apparates wurden sechs Schwerverletzte geborgen. Am schlimmsten zugerichtet ist der 50jährige Ober- monteur der Derlin-Anhaltischen Maschinenfabrik Galinsky aus Berlin. Die Unglücksstätte wurde abgesperrt, da Gefahr besteht, daß wei­tere Einstürze folgen.

Große Feuersbrünste in Polen.

Das in den Ostmarken gelegene Städtchen Jwie ist vollkommen abgebrannt. 250 Häuser wurden ein Raub der Flammen, über 500 Fa­milien sind obdachlos. Der Schaden beträgt über drei Millionen Zloty. Ein unachtsam fortge­worfenes brennendes Zündholz hat den Brand verursacht. 2m westlichen Kongrehpolen ist in dem Städtchen Sloczew ein Schadenfeuer ausgebrochen, dem acht zweistöckige Häuser zum Opfer fielen. 2n der Stadt herrschte > während des Brandes eine furchtbare P a n i^k. Die Löscharbeiten wurden durch die in den Straßen umherirrenden Menschen wesentlich erschwert. Zahlreiche Personen erlitten Brandwunden.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der hohe Luftdruck im Westen hat sich mit dem über dem Nordmeer lagernden zu einem ausgedehn­ten Hochdruckgebiet vereinigt. An seiner Vorderseite gelangen kühle Luftmassen südwärts bis nach Deutschland, so daß die Temperaturen einen wei­teren Rückgang erfahren haben. Kaltluftzustrom brachte außerdem Bewölkung und strichweise Nieder­schläge mit sich. Da wir mehr an die Südseite des Hochs zu liegen kommen und somit die Luftzufuhr mehr aus Nordosten bzw. Osten stattfindet, so bleibt das Wetter immer noch kühl. Zu Niederschlägen wird cs in unserem Bezirk nicht kommen. Es dürfte vielmehr im Laufe des morgigen Tages stärkere Aufheiterung als bisher eintreten.

Wettervoraussage fürSamstag: Küh- les, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, vor­wiegend trocken.

Wettervoraussage für Sonntagl Wieder langsame Erwärmung, wolkig, zeitweise aufheiternd, meist trocken.

Lufttemperaturen am 16. Mai: mittags 16,7 Grad Celsius, abends 7,8 Grad: am 17. Mai: mor­gens 9,6 Grad. Maximum 16,7 Grad, Minimum 5,6 Grad. Erdtemperaturen In 10 cm Tiefe aqi 16. April: abends 19,4 Grad: am 17. April: mott gen* 1Grad. Sonnenscheindauer 6 «Stunt**