Ausgabe 
17.5.1929
 
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Nr. M Erstes Blatt

179. Jahrgang

Zreitag, \I. Mal (929

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Die Macht der Technik.

Die Hundertjahrfeier der Technischen Hoch­schule in Stuttgart hat dem Reichsinnenminister Veranlassung gegeben, in seiner Festansprache auf die Notwendigkeit einer richtigen Einord­nung des technischen Schaffens in das Ganze der menschlichen Kultur hinzuweisen. Seine Dar­legungen gipfelten in dem Bekenntnis, dah sich heute menschliches Empfinden schaudernd gegen den Gedanken wehre, dah die gewaltige Macht der Technik noch einmal zu so grausigen Dingen wie im Kriege berufen werde.

Mit diesen Worten hat der Reichsinnenminister das Kernproblem der modernen Technik berührt, ein Problem, dos in seinen gewaltigen Aus­wirkungen gar nicht bedeutsam genug eingeschäht werden kann. Die Technik, von Menschenhänden zu gigantischen Ausmaßen entwickelt, kann nur zu einem positiven Dienst an der Welt heran­gezogen werden, wenn der Mensch, der sie schuf, auch sie mit seinem tiefsten menschlichen Sinn erfaßt. Heber allen technischen Gesetzen, über aller technischen Erfindung und industrieller Aus­wertung, über aller Rationalisierung des tech­nischen Arbeitsprozesses muh der Adel der Menschenwürde stchen, wie Severing sagte, jener Menschenwürde, die sich die technischen Zwecke in vornehmer Größe unterzuordnen weiß.

Leider ist in der letzten Zeit, in der die Tech­nik mit kühnen Schritten voranging, viel zu wenig darüber nachgrdacht worden, welche Auswirkungen und Rückwirkungen sich aus der ungeheuren Macht der Technik auf das Ethos des Menschentums ergeben können. Diejenigen, die an der Fortentwicklung der Tech­nik. die nicht aufzuhalten ist und auch nicht auf- aehalten werden darf, mitarbeiten, haben des- yalb zu gleicher Zeit auch eine eminent ethische Aufgabe zu erfüllen. Die Luft wird nicht nur erobert um des Fliegens willen, die Elemente werden nicht nur gebannt um der bloßen Kraft­ausspeicherung willen, die Maschinen werden nicht nur geschaffen, um der Bewegung willen, alles wird nur entwickelt und erzeugt, um die Ent­wicklung der Menschheit selber zu fördern.

Die Technische Hochschule in Stuttgart, die Heute auf ein hundertjähriges Bestehen zurück- Llicken kann, dürfte das beste Symptom für diese gigantische Entwicklung der letzten Jahrzehnte lein. Ausgehend von kleinen Anfängen, in der Los Experiment noch überwog, hat sich heute Lie technische Schulung zu einer gewaltigen tech­nischen Arbeit entwickelt, die für die Kultur, lür die Politik, für das Dasein überhaupt ein ausschlaggebender Faktor ist. Das neue 2ahr- Hundert steht im Zeichen der technischen Wissen- JHaften, und wir wissen noch nicht, in welcher Ichrm es ausklingen wird. Soviel läßt sich aber Ichon heute sagen, daß die Technik nur dann au einer lebendigen Kraft des Jahrhunderts wer- Sen kann, wenn sie dabei nicht den Menschen Je Iber zermalmt. Hier liegt ein Problem, das tur heute in seiner letzten Tiefe noch gar nicht erfassen können, dessen Lösung aber beizeiten «ngestrebt werden muh, damit nicht die Entwick­lung ein Fiasko erleidet, dessen Beseitigung nur unter größten Schwierigkeiten möglich sein würde. Wird man sich dieses Gedankens anlählich der Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule in Stuttgart klar, dann wird man dieser Jubelfeier euch die rechte Würdigung, die sie verdient und «uf die wir stolz sein können, zuteil werden lassen.

Die Gistgaskatastrophe von Cleveland.

London, 16. Mai. (XU.) Die Zahl der Todes­opfer des Lxplosions- und Brandunglücks im krcm- kenhaus von Lleveland ist nunmehr auf 125 gestie­gen. 25 Personen sind außerdem so schwer ver­letzt, dah an ihrem Aufkommen ge- zweifelt werden muh. Die Untersuchung der ^Katastrophe wird dreifacher Art sein. Der Gou­verneur von Ohio, Cooper, kündigt an, dah alle Daattichen Körperschaften angewiesen sind, eine Un- I.rsuchung einzuleiten. Unabhängig hiervon wird ton den Grasschaftsbehörden unter Leitung Les zuständigen Bezirksarztes eine zweite Unter- |lidjung eingeleitet werden. Die Stabt Cleve- 8a n b hat ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet, Sie unter ber Leitung des Oberbürgermeisters ar- teitet. Man hofft, auf diesen drei geplanten Wegen jedenfalls zu einem einwandfreien Ergebnis der Ur- ßiche zu kommen. Die Explosion ist aller Wahrschein­lichkeit nach durch die bei der Verbren­nung von Röntgenfilmen freigewor­denen Gase hervorgerufen worden. Bei Aus­bruch des Brandes wurden sofort alle feuer- f c ff e n Tore geschlossen, so dah die Explosion im Anschluß an die Verbrennung der Filme auch auher- »rdentlich starke Druckwirkung hatte. Das rntroidjene Gas ist eine Mischung von Jod- und vromdämpfen, in der Wirkung dem Phosgen sehr ähnlich.

Der städtische Arzt, der die Opfer untersucht hatte, feilte mit, dah auf Grund der Blutproben als Todesursache (Einatmung von Blausäure oder Bromgas feftgeffeöt worden sei. Rach den letzten Ermittelungen entstand die Explosion durch Sclbstendzündung von dem Zelluloid der Ronl- gmplatten in dem vorratsraum des unterirdischen Geschosses infolge von lleberheizung des vor- rulsraumes durch undichte Dampfrohre.

Sie deutschen Vorbehalte auf der Reparationskonferenz.

Paris, IS. Mai. (WB.) havas veröffentlicht über die heute nachmittag abgehaltene Sitzung der Delegierten derGläubigermächte einen Bericht, in dem es heiht: Die Delegierten haben gemeinsam die von Dr. Schacht in den Bericht Stampe eingefugten Vorbehalte zu prüfen be­gonnen. Der englische Delegierte setzte das Ergeb­nis feiner Verhandlungen mit Dr. Schacht ausein­ander und erläuterte die genaue Tragweite der deutschen Vorbehalte. (Er machte Angaben darüber, in welchem Mähe feiner Ansicht nach diese Vorbe­halte abänderungsbedürftig erscheinen, damit die Reparationskonseren; Aussicht habe, zu einer Verständigung zu gelangen. Alsdann begann eine (Erörterung über die ersten deutschen Vorbe­halte, die sich auf folgende Punkte beziehen:

1. Möglichkeit eines zweijährigen Moratoriums für den geschützten Teil der beutfdjcn Schuld, und zwar sowohl hinsichtlich der Transferierung als auch der Aufbringung. Dieser Punkt müsse ge­meinsam mit Dr. Schacht geprüft werden.

2. Sicherheitsklausel, die es Deutschland erlauben soll, sich an den verwaltungsrat der Bank für internationale Zahlungen zu wenden, falls Deutschland sich wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten gegenübersieht, die beträchtlich seine Zahlungsfähigkeit ändern.

Z. Aufhebung der Finanz- und Wirt­schaftskontrolle des Dawes-Planes. Die Diskussion werde zweifellos mit den deutschen Dele­gierten ausgenommen werden, um festzustellen, in welchem Mähe die durch die L i s e n b a h n Obli­gationen geschaffene Garantie aufgehoben werden solle.

Morgen vormittag wird jede Delegation für s i ch die übrigen deutschen Vorbehalte studie­ren, die dann allgemein im Laufe einer am Nach­mittag stattfindenden Sitzung aller Delegierten der Gläubigerländer geprüft werden sollen. Man hofft, so heiht es in ber Havas-Auslassung weiter, morgen mit dem Stublum der Vorbehalte Dr. Schachts zum I Abschluß zu kommen. Die Sachverständigen wür­den bann erkennen, welche Vorbehalte angenommen werden könnten, welche abgeändert werden müssen und welche gegebenenfalls nicht angenommen wer­den könnten. Wenn ernstliche Möglichkeiten einer Verständigung über die deutschen Vorbehalte gege­ben seien, würden die Sachverständigen ihre Arbei­ten fortsehen, und zwar, indem sie die Zahlen des allgemeinen Berichts erörtern und den eventuellen Gewinn der Bank für in­ternationale Zahlungen in Rechnung stellen. (Erft wenn dieses Stadium der Verhandlun­gen erreicht fein werde, werden die Delegierten sich mit der Verteilung der deutschen Annuität und des Gewinns der Bank für internationale Zahlun­gen an die verschiedenen Gläubiger beschäftigen können.

Oie Stellung der Gläubiger.

Paris, 17. Mai. (WTD. Funkspruch.) Die Morgenpresfe berichtet in der gleichen Weife wie die Agentur Havas es gestern mittag getan hat, daß in der gestrigen Sitzung der Dele­gierten der Gläubigerstaaten die drei ersten deut­schen Vorbehalte erörtert worden seien, nämlich erstens die Frage des Zahlungsmora­toriums, zweitens die Frage der Schuh- k l a u s e l, die im Falle neuer Ereignisse eine Revision des neuen Zahlungsplanes gestatten würde, drittens die Aufhebung der Fi­nanz- und Wirtschaftskontrolle (hin­sichtlich des Postens des Generalagenten für die Reparationszahlungen, der für Reparationszah­lungen vorbehaltenen Steuereinnahmen, der in deutschen Organisationen vertretenen Ausländer und so weiter).

Zu 1. willMalin" als Antwort ber Gläubiger angeben können: von sämtlichen durch ben Krieg betroffenen Ländern ist Deutschlaub basjenige, besten Gebiet unbestreitbar am wenigsten burch Reparationen belastet ist (ungefähr 25 o. h.). Das Steuerptoblem ist für Deutschlanb nicht ge­geben. Schlußfolgerung: Aussetzung bes Transfers, vielleicht; aber Aussetzung ber in Deutschlanb erfolgenben Zahlungen kommt nicht in Frage.

Zu 2. lautet bie Antwort ber Alliierten nach bem Malin": Deutschlanb befinbet sich in bet gleichen Lage wie wir. Es kann Vorkehrungen treffen, Hal aber nichts zu bestimmen. Auf jeben Fall barf b l e Initiative in biefer Frage nicht von ihm kommen, hier hat Amerika bas Wort. Dies wirb burchEcho be Paris" dahin präzisiert: Solange bie Vereinigten Staaten nicht eine Revision ihrer Gläubigeransprüche zulassen, können w i r eine solche an unseren Ansprüchen nicht ins Auge fassen.

Zu 3. lautet bie Antwort roieberum nach bem Malin": (Ein vollkommenes verschwinben ber Psänber kommt gewiß nicht in Frage, jeboch finb Milderungen möglich, wenn Deutschland beispielsweise auf seine Eisenbahnen Anleihen auf- nehmen will, kann man bie strenge Priorität un­serer Hypothek milbern. Rach bemEcho be Paris"

bagegen würbe bie Reparationskonferenz, fobalb sie ein neues System empfiehlt, sich biefer beulschen Forberung nicht entziehen können.

Gestern ist, wenn man demPetit Parisien" Glauben schenken will, unter den Delegierten der Gläubigerstaaten auch die Frage der Vertei­lung der von Owen Poung vorgeschlagenen Annuitäten angeschnitten worden. SowohlPetit Parisien" wie einige andere Blätter deuten als mögliche Lösung an, daß man zum Vertei­lungsschlüssel von Spa zurückkom­men werde, und daß man die Länder, die bei dieser Verteilung zu kurz kommen würden, durch eine Verwendung der Gewinne der

Friedrichshafen, 17.Mai. (DTB. Funk­spruch.) Nachdem bas LuftschiffGraf Zeppelin" am Donnerstagoormitfag auf feinem zweiten Ame­rikaslug gegen 10 Ahr Lyon postiert halte, um 11.40 Ahr über Rimes, um 14.30 Uhr über Barcelona, um 17 Ahr über Saragossa gesichtet war, hat Dr. Eckener sich um 18.35 Uhr, 420 Meilen nordöstlich von Gibraltar entschlossen, die Fahrt abzu­brechen und nach Friedrichshafen zurückzukehren, da in der Maschinenanlage größere Störungen auf­getreten sind, die die Uebersahrt nach Amerika ge­genwärtig nicht ratsam erscheinen lassen. 3n einem an die Associated preß gerichteten Funkspruch heißt es, dah das Luftschiff am Donnerstag um 11 Uhr abends Barcelona zum zweiten Male passiert hat und mit drei Motoren und 80 Kilo­meter Geschwindigkeit in einer höhe von 500 Metern in Richtung Marseille fliegt, um 8 Uhr wurde die französische Küste bei der Rhvnemündung passiert. Es weht ein harter Mistral (Rordwind), Fahrtgeschwindigkeit etwa 30 Kilometer.

Oer Maschinenschaden.

BollcZuversicht an Bord. - NuhigeRücksahrt

London, 17. Mai (WTB. Funkspruch.) Der Sonderkorrespondent des Daily Telegraph an Bord desGraf Zeppelin" sandte gestern folgenden Funk­spruch an sein Blatt:

7.20Uhr abends über Car tagena (Spanien), wir befinden uns bereits auf der Heim­fahrt. Dr. Eckeners Beschluß zurückzukehren, ist in jeder Hinsicht lobenswert. Es muh ihn freilich große Ueberwindung gekostet haben, eine solchen Beschluß zu fassen nach einer Fahrt, bie so auherorbentlich rasch unb günstig war. Die Ursache istMaschinen­de f e k t. Etwa 420 Meilen vor Erreichung Gibral­tars wurde ein Bruch in der Kurbelwelle eines ber Sfeuerborbmotoren entbeckt. Die Passa­giere hörten bie Rachricht von biefer unwillkom-

Berlin, 16. Mai. (Prioatmeldung.) Reichs- finanzminister Dr. hilferding hatte Vertreter ber Presse zu einem Empfang geladen, um bie näheren Einzelheiten der steuerfreien Reichsanleihe, bie heute nachmittag ihre Zustimmung vom Reichsrat erhal­ten hat, darzulegen. Diese Anleihe wird zu einem Ausgabekurs von 99 Prozent mit 7 p r o= zentiger Derzinsung ausgegeben, und zwar in Stücken von 100, 500, 1000, 5000, 10 000 und 20 000 Mark. Die Zinsscheine sind zahlbar am 2. Ja­nuar und 1. Juli jeden Jahres. Als erste Tranche sollen 300 Millionen aufgelegt werden, und sollten diese überzeichnet werden, dann würde ben Zeichnern bie volle Zuteilung angeboten werden, allerdings nur bis zur Grenze von 500 Millionen. Die Anleihe ist für fünf Jahre un­kündbar, und dann können in den folgenden zehn Jahren alljährlich 10 Prozent zur Auslösung kom­men, wobei die Rückzahlung pari erfolgt. Die Steuerbefreiung ist lediglich bei der Erb­schaftssteuer auf die Zeichner beschränkt, sonst gilt sie auch für die zweite Hand.

Reichsfinanzminister Dr. hilferding gab sodann noch einmal einen Ueberblicf über die Entwick­lung der Finanzlage, die schließlich zur Auslegung dieser steuerfreien Reichsanleihe geführt hat. Er betonte, daß bereits unmittelbar nach fei­nem Amtsantritt am 4. Juli 1929 ein Kaffendefizit von 1075 Millionen bestanden hätte, und zwar ver­ursacht durch die 475 Millionen, die das Extra- ordinarium seinerzeit als Vorschuß vom Ordinarium erhalten hatte, ferner durch das 100-Millionen-Darlehen bei der Preußenkasse, 200 sonstiger Darlehen und die 300 Millionen des Betriebsmittelbedarfs der Reichskasse. Dieses Defi­zit hat sich insofern bis jetzt geändert, als die Ver- schuldung des Extraordinariums an das Ordinarium inzwischen aus'6 00 Millionen ge st Legen ist und neuerdings die Darlehen an die Ar- beitslosenoersicherung dazugekommen sind, die bis Ende Juni insgesamt 400 Millionen be­tragen werden, wobei das Reich im Mai 25 Mil­

internationalen Zahlungsbank schad-, los halten könnte. Zu diesem Zweck werde die Frage erörtert, ob Deutschland sich nicht mit stärkerem Kapital, als bisher vorgesehen, an der Reparationsbank beteiligen könne. Lieber die Frage des Fortgangs der Dcrhand-, lungen verlautet nichts Bestimmtes, jedoch barf, angenommen werden, daß, wenn die Gläubiger­staaten sich untereinander auf ein Verhandlungs- Programm geeinigt haben, vielleicht morgen, Samstag, eine Vollsitzung unter Beteiligung der deutschen Delegation stattfinden wird. Als­dann wird wohl eine kurze Pause in den Verhandlungen eintreten.

menen Entdeckung mit großer Fassung an. Das Luftschiff fährt weiterhin ebenso ruhig unb ft e t i g w i e zuvor. Ls besteht wirklich kein Grunb zur Enttäuschung. Sobalb ber Fehler aus- gcbessert ist, kann bie Reise wieder begonnen wer­ben. Es ist ein Pech, das allen Transportmitteln zustoßen kann. Alle Passagiere sehen einem neuen Start entgegen.

Ungünstige Witterung.

Hamburg, 17. Mai. (SU.) Das Seeflugrefe­rat der Deutschen Deewarte in Hamburg gibt den nachfolgenden Bericht heraus: Für die Rückfahrt des Luftschiffes M®raf Zeppelin" ist die Wetter­lage nicht so günstig wie sie sich bei der Ausfahrt gestaltet hatte, lieber dem Rordmeer liegt ein ausgedehntes Hochdruckgebiet, das südlich bis nach Frankreich reicht, während über dem Ligurischen Meer und dem Genua-Meer ein stationäres Tief­druckgebiet liegt. Dadurch find die Bedingungen gegeben, daß über dem Golf von Lyon und der unteren Rhone ein kräftiger M i st r a l bläht, gegen den das Luftschiff anfah­ren muß. Auch im Rhone-Gebiet herrschen nörd­liche Winde, jedoch von geringerer Stärke. Dort und in der Oberrhein-Ebene wird das Luftschiff strichweise Wolken und leichte Regen an­treffen.

Oie erste Lustfracht desGrafZeppeiin"

Zum erstenmal in der Geschichte der Welt­wirtschaft hat©raf Zeppelin" für seine Amerika­reise auch Frachtgut angenommen: neben einem Gemälde von Rubens und einem leben­den Gorilla ist auch ein Dechstein-Ausstattungs- flügel, der von John Wanamaker, Reuyork, eiligst benötigt wurde, verladen worden. Es ist ein Be­weis für die Stabilität und Leistungsfähigkeit des Luftschiffes, daß selbst Frachtstücke von etwa 300 Kilogramm Gewicht verladen werden und schon wenige Tage später im Hause des Käufers auf der anderen Seite des Ozeans sein können.

lionen unb im Juni unb Juli noch 10 unb 12 Mil­lionen zur Verfügung stellen muß. Dr. Hilferding glaubt jeboch, baß bann keine neuen Anfor­derungen mehr von der Arbeitslosenversiche­rung an das Reich gestellt zu werden brauchen, wobei er aber betonte, daß es Ausgabe ber Reichsregierung sei, baß in Zukunft derartige Reubelastungen des Etats nicht mehr eintreten dürfen.

Da in Anbeiracbt der Erschwerung des Geld­marktes die Unteroringung von kurzfristigen An­leihen immer schwieriger geworben sei und auch jene Institute, die, wie bie Preußenkasse, die Post, die Seehanblung unb die Reichsbahn, bisher die benötigten Summen zur Verfügung stellten, eben- alls nur unter Schwierigkeiten eingreifen können, ei dieser neue Weg einer steuerfreien Anleihe be- chritten worden, zumal ber andere Weg des Der- kaufs der Reichsbahnvorzugsaktien zur Bereitstellung ausreichender Mittel nicht g e niigen würbe. Die steuerfreie Anleihe sei in Deutschland ein Novum, währenb sie in Frankreich unb Belgien als Finanzierungsmittel bekannt sei. Man habe zu dem Anreiz der Steuerfreiheit schrei- ten müssen, um auf diese Weise den Erfolg der An­leihe zu sichern. Der Reichssinanzminister vertritt jedoch den Standpunkt, daß jetzt die Situa­tion geklärt sei, aber alles daran gesetzt wer­den müße, sowohl aus wirtschaftlichen Gründen wie auch aus reparationspolitischen Erwägungen heraus, den Erfolg der Anleihe zu sichern. Er glaubt nicht, daß durch die Anleihe Rückwirkungen große- ren Umfanges auf die Wirtschaft eintreten müssen, wobei er auch mit Entschiedenheit betonte, daß es falsch sei, von einer katastrophalen Finanzlage Deutschlands zu sprechen. Denn wenn die Anleihe den Erfolg hat, den sie haben muß, dann fei auf alle Fälle ein bestimmter Teil der finanziellen Schwierigkeiten ein für allemal beseitigt. Der Minister betonte schließlich daß ein M brauch ber Zeichnungslisten von fei­ten ber Finanzämter niemals eintreten könne, weil diese Listen in den Händen- der

Eckener brichi den Amerikaflug ab.

Graf Zeppelin" auf der Rückfahrt nach Friedrichshafen. Motordefekt kurz vor Erreichung Gibraltars.

Die steuerfreie Reichsanleihe.