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Weltpolitischer Utopismus.

Von unserer Berliner Redaktion.

Der englische Dichter H. G. Wells, der das Weltfriedensproblem in den Mittelpunkt eines Vortrages stellte, den er im Plenarsaal des Reichstages auf Einladung des Komitees für internat.onale Aussprache hielt, hat aller realen Gegebenheiten zum Trotz dennoch den Mut, an einem Idealismus festzuhalten, der, ausgehend von der platonischen Staatsidee, den Weltbundesstaat U t o p i a" zum Ziele hat. Nun ist es zwar nicht ganz zeitgerecht, gerade im Augenblick entscheidend­ster Verhandlungen die praktischen Gegebenheiten und deren Bedürfnisse einfach zu negieren, um einem Weltidealismus zu huldigen, der nach mensch­lichem Ermessen heute und nach lange lange Zeit keine Verwirklichung finden kann. Es soll deshalb auch hier nicht der Versuch unternommen werden, diese dichterische Prophetie, denn um eine solche handelt es sich, als Generalperspektioe der praktischen Politik hinzustellen. Gerade Deutschland hat ja leider und meistens in den wichtigsten Augen­blicken daran gekrankt, daß sein Idealismus den Blick für die praktischen Notwendigkeiten trübte. Etwas anderes bildet aber den Anlaß, diese dichte­rische Intuition einer Betrachtung zu unterziehen.

Was nämlich an ihr praktischer Gegenwarts­wert ist, das ist der Wille, aus dem Dilemma der übersteigerten Rationalstaaten zu einer un­ter einer Idee stehenden einheitlichen Zu­sammenfassung zu kommen. Die diesbezüg­lichen Erwägungen im Gebiete der Wirt­schaft, die ihren beredten Ausdruck in der 2dee der europäischen Z o l l u n i on ge­funden haben, stehen ganz in der Linie dieser Gedanken. Unö gerade weil die Differenziert­heit, die manchmal fast zur Lächerlichkeit wird, im praktischen politischen Leben immer mehr ad absurdum führt, zwingt die Gegenwart mit Notwendigkeit dazu, eine organischere Sy- stembildung in der politischen Welt zu entwickeln. Damit braucht man keineswegs zu einem leeren und phrasenhaften Illusionis­mus zu kommen, denn schon die Idee des Völ­kerbundes wäre, wenn sie wirklich in ehr­licher Weise realisiert worden wäre, ein vorzüg­liches Instrument, um der zurzeit wenigstens noch gar nicht faßbaren Entwicklung der Welt eine bestimmte logische und organische Perspek­tive zu bieten.

Ressentiment, das auf schlechter Erfahrung be­ruht, Vorurteile und Skepsis lassen aber die Be­geisterung für diese Idee mit Recht nicht weiter aufkommen, ja es gibt sogar genugsam Gründe, die das Lächeln über all diese Unternehmungen rechtfertigen, Unb wenn Dernard Shaw, der dichterische Ironiker Englands aus seiner Aver­sion gegen den Völkerbund kein Hehl macht, so ist dies nur symptomatisch dafür, wie sehr die Skepsis in diese Dinge fortentwickelt ist. Wells sagt deshalb ganz richtig, daß nur ein Kul­turkampf größten Stiles zur Verwirk­lichung seiner Idee führen könnte. Dieser Kultur­kampf ist aber schon notwendig, wenn der Völker­bund wirklich zu einem Bund der Völker werden will. And so kann man schon in dieser praktisch so belasteten Zeit mit der Forderung fommen, daß etwas Idealismus am Platze ist, wenn eine gesunde Fortentwicklung der Welt erreicht werden soll. Die Theoretiker, die die Praxis skeptischer ansehen, als die Praktiker selbst, sollten dabei aber viel stärker auf der Praxis aufbauen, als es bisher geschieht. Die Verranntheit der Zeit, die beinahe ohne jede Perspektive ist, bedarf ideeller Belebung, aber nur in einem Maße, das ihr zuträglich ist.

Giaai und Wirtschaft.

Die Aufgabe des Reichswirtschaftsrats in der wirtschaftspolitischen Gesetzgebung.

Berlin, 16. April. (Priv.-Tel.) Das Reichs­kabinett, das sich heute vor allem mit dem zahlenmäßigen Umfang des Reichswirtschafts­rats beschäftigte, ist, nachdem das Gesetz über den endgültigen Reichswirtschaftsrat dem Reichs­tag vorliegt, zunächst nicht mehr in der Lage, wesentliche Aenderungen an den Funktionen die­ses Gutachterorganes zu erreichen. Trotzdem wollen gerade in letzter Zeit und jetzt erneut im Zusammenhang mit der Vollversammlung des deutschen Industrie- und Handelstages gewichtige Kreise der Wirtschaft den Reichswirtschaftsrat entscheidend um gestalten. Besonderes Inter­esse verdient ein kürzlich veröffentlichter Vorschlag des Syndikus der Berliner Industrie- und Han­delskammer auf eine neuartige Verbindung zwi­schen Reichswirtschaftsrat und Parlament. Da­nach sollen wirtschaftspolitische Gesetze i n e r ft e r und zweiter Lesung vom Reichswirt­schaftsrat beraten und erledigt wer­den, während die entscheidende dritte Lesung nach wie vor dem Reichstag ü b e r l a s s e n bliebe. Der Grundgedanke ist, De­tailfragen der Wirtschaftspolitik, die ohne ent­scheidende politische Bedeutung sind, auf diese Weise dem ohnedies überlasteten Reichstag ab­zunehmen, und sie dem Organ der Wirtschaft dem Reichswirtschaftsrat, zu überlassen. So ein­fach der Vorschlag auf den ersten Blick wirkt der eine ausgewogene Grundlage für die Erledi­gung wirtschaftspolitischer Fragen finden will so erscheint es doch zweifelhaft, ob nicht starke parlamentarische Kreise darin eine gewisse Ent­rechtung des Reichstages sehen werden. Aber m der Diskussion um das Verhältnis zwischen Staat uno Wirtschaft, die erst in ihrem Beginn

wird dieser Vorschlag zweifellos noch eine Rolle spielen.

Eine Kundgebung derEhnstlich-NaiionalenBauernpartei.

Berlin, 17. April. (Priv.-Tel.) Auf der Ta­gung des Vorstandes und der Abgeordneten der Christlich-Rationalen Bauern- und Landvolks­partei in Eisenach wurde einstimmig eine Kundgebung beschlossen, die jede weitere T r i b u t l e i st u n g a b l e h n t. Die christlich, nationalen Dauern bekämpfen das heutige parla­mentarische System, das das Landvolk zu Staats­bürgern letzter Ordnung herunterdrücke. Deshalb stehen |te in bewußter Opposition zu der der­zeitigen Reichsregierung. Sie sehen in dem Ge­meinschaftsprogramm der landwirtschaftlichen Führer das Mindeste von dem, was die Landwirtschaft zu fordern hat, jedoch vermissen sie in dem Programm eine klare Stellungnahme gu den Sozialgesehen, deren Lasten und Auswirkungen für die Landwirtschaft untrag- b a r seien. Die christlich-nationalen Bauern be­grüßen das Gemeinschaftsprogramm, sie betonen 'edoch, daß damit das sehnliche Verlangen nach

Der preußische Landtag lehnt die Gewerbesteuer^

Die Besteuerung der freien Berufe. - Schwierigkeiten der Weimarer Koalition.

Berlin, 17. April. (Priv.-Tel.) Die preu­ßische Regierung steht wieder einmal vor einem Scherbenhaufen. Der Landtag hat am Dienstag über die Gewerbe- und Berufs st euer, die vom Staatsrat mit einem Einspruch zu- rückgekommen war, abgestimmt und nur eine Mehrheit von 232 gegen 167 Stimmen auf die Beine gebracht. Rach der Verfassung muhte aber die Vorlage, um Gültigkeit zu haben, mit einer Zweidrittelmehrheit angenommen wer­den. Diese Zahl ist nicht erreicht, also gilt das Gesetz als a b g e l e h n t. Was praktisch bedeutet, daß Preußen nun auch eine gültige Gewerbesteuer nicht hat. Die ganze Steuergesetzgebung ist also ins Stocken geraten.

Drei Steuern mußten von der Gesetzgebungs- Maschine vor dem 1. April verabschiedet werden. Bei der Hauszinssteuer und der Grundvermögens­steuer gab die Weimarer Koalition den hoff­nungslosen Kampf auf. Sie versuchte gar nicht erst, eine Mehrheit gegen die Obstruktion der Opposition im Landtag zu bekommen, sondern verschob die Entscheidung in den Ständigen Ausschuß, der eigentlich nur in Fällen staatlichen Rotstandes derartige Maßregeln treffen darf. Mit dem Ergebnis, daß dieses Vorgehen vor dem Staatsgerichtshof angefochten wird und einstweilen beide Steuern in der Luft hängen. Bei der Gewerbe­steuer hoffte die Regierung, trotz des Einspruchs des Staatsrates, sich im Landtag durchsetzen zu können, weil bei der ersten Abstimmung eine Zweidrittelmehrheit erreicht war. Sie hat sich darin getäuscht und zerbricht sich im Augenblick den Kopf darüber, wie sie über die Schwierig­keiten Hinwegkommen will.

Der kritische Punkt in der Gewerbesteuer war die Heranziehung der freien Be­rufe, also der Aerzte, der Rechtsanwälte usw., die bei einem Einkommen von über 6000 Mark Gewerbesteuer zahlen sollten, obwohl der Charak­ter ihres Berufes sich für eine solche Steuer nicht eignet. Die Anregung dazu aber ging von der Wirtschaftspartei aus, die durch die Erweiterung die ganze Gewerbesteuer ad absurdum führen will und darin auch bei den Sozialdemokraten sowie bei einzelnen Teilen der bürgerlichen Mit­telparteien Unterstützung fand. So ergab sich die merkwürdige Paarung, dah Wirtschaftspartei, Sozialdemokraten und Deutsche Dolkspartei ge­schlossen für das Gesetz stimmten, geschlossen da­gegen die Deutschnationalen, Kommunisten und Völkische Freiheitspartei, während alle anderen Partien auseinanderfielen. Aber die Minderheit genügte, um die Zweidrittelmehrheit zu ver­hindern, die preußische Regierung hat das Spiel verloren, sie hat durch ihre Taktik

nicht nur in den eigenen Haushalt, sondern auch in den Haushalt der Gemeinden, der ja zum großen Teil auf der Gewerbesteuer aufge­baut ist, eine schwere Unruhe hineingetragen.

Die Regierungsparteien denken sich den Fall sehr einfach, daß sie jetzt in Form eines Ini­tiativantrags die Gewerbesteuer ohne die Be­steuerung der freien Berufe wieder einbringen und mit Hilfe der Opposition auch durchsetzen. Sie übersehen aber dabei, daß nach Artikel 62 der Verfassung Gesetzesvorlagen, die der Landtag a b g e l e h n t hat, in demselben Sihungsabschnitt nicht wieder eingebracht werden können. Diese Bestimmung läßt sich nicht einfach aus- rabieren, jedenfalls nur dann, wenn niemand von dem Recht des Einspruchs Gebrauch macht. Darauf läßt sich aber in diesem Falle kaum rech­nen, mindestens wird dann auch die Gültigkeit der Gewerbesteuer vor dem Staatsgerichtsho angefochten. Das ganze Steuersystem Preußens hängt also in der Luft, und das alles nur, weil, wie wir immer gezeigt haben, die Weimarer Koalition zu schwach ist, um allein zu regie­ren, aber zu stolz, als daß sie das eingestehen möchte.

Die preußischen Gtaaistheaier Die Städte Berlin, Wiesbaden und Kassel sollen zuschietzen.

Berlin, 16. April. (V. D. Z.) Ein Antrag des Zentrumsabgeordneten Dr. Schwerins im Preußischen Landtag sieht vor, daß vom 1. April 1930 an d i e StädteDerlin, Wie sbaden und Kassel 30 Prozent des Defizits der staatlichen Theater tragen. Ein weiterer Artikel schlägt einen Theaternus- s ch u ß vor, in dem zwei Vertreter der staatlichen Unterrichtsverwaltung, ein Vertreter der Finanz- Verwaltung und je zwei Vertreter der Stadt gemeinden Berlin, Wiesbaden und Kassel sitzen. Vorsitzender des Ausschusses ist der Kultusminister oder fein Stellvertreter. Die Kompetenzen des Theaterausschusses sollen sich unter anderem auf die Aufstellung des Haushaltsplanes der Stadttheater, den Spielplan und die Besetzung der Stelle des Intendanten beziehen. In allen diesen Fragen soll den Stadtgemeinden das Recht der Mitwir­kung zustehen, in gewissen Fallen auch das des Einspruches. Die durch die Beiträge der Stadt­gemeinden für den Staat erzielten Erspar­nisse sollen alljährlich der preußischen Landesbühne zugute kommen. Von der sozialdemokratischen Fraktion wird ein ähnlicher Antrag eingebracht werden.

einer wahren Dauernfront noch nicht erfüllt ist. Sie sehen eine Rettung der Landwirtschaft und damit des deutschen Volkes nur durch die Sammlung des gesamten Landvolkes selbständig und unabhängig von den politischen Parteien auf christlich-nationaler Grundlage.

Die Zukunft

der deutschen Luftfahrt.

Der Vorschlag der Luftfahrtindustrie.

Berlin, 16. April. Wie wir erfahren, soll be­reits morgen der vom Reichsverband der deutschen Luftfahrtindustrie in Anbetracht der Kürzungen am Luftfahrt e tat ausgearbeitete Vorschlag zur Ausgleichung dieser Streichungen der Mittel veröffentlicht werden. Dieser Vorschlag wird sich nach unseren Informationen im wesentlichen mit der Verbesserung der Absatzmöglich- leiten im Auslande befassen. Er sieht in dieser Hinsicht eine Reihe von Möglichkeiten vor, o u. a. einen Ausbau der Propaganda. Ver­anstaltung von zu subventionierenden Wettbewerben u. dgl., die nach der Ansicht der Luftfahrtindustrie geeignet sein sollen, den Absatz zu fördern. Weiter ist in dem Vorschlag der Gedanke enthalten, A u s - uhrprämien einzuführen, die allerdings, da man noch nicht klar sehen kann, wie sie im einzel­nen gedacht find, sehr leicht zu einem Dumping ühren können. Ein weiterer Punkt des Vor- chlages befaßt sich mit der Aenderung der bestehen­den Luftverkehrsorganisationen nach der Richtung hin, daß man durch einen verstärkten Aus­bau des Frachtverkehrs den Konsum im Inlande fördern könnte, was allerdings in gewisser Hinsicht die Monopolstellung der Luft- Hansa berühren würde. Da in diesen Tagen auch ein Vorschlag von fetten der Deutschen Luft-Hansa zu erwarten ist, werden die zuständigen Stellen, )ie bereits Ende der Woche die Luftfahrtfragen im Zusammenhang mit den Etatsstreichungen behan­deln wollen, ja eingehend über die Ansichten der interessierten Kreise orientiert sein. Es ist aus jeden Fall zu begrüßen, daß diese Kreise von sich aus zu Vorschlägen gelangt sind, wenn man allerdings auch bedauern muß, daß sie sich noch nicht zu einem einheitlichen Vorschlag zusammengefunden haben. Immerhin besteht die Möglichkeit, diese Vor­schläge mit den Plänen der zuständigen Stellen auf einen Nenner zu bringen, so daß die Gefahr einer Krise in der deutschen Luftfahrt wohl als beseitigt angesehen werden kann.

Regiei-ungskrLsis in Thüringen.

Weimar, 16. April. (WB.) Die Verhand­lungen der thüringischen Regierungsarteien über den Staatshaushalt und die geplante Rotuinlage haben nicht zur Einigung geführt. Die Wirtschaftspartei schlug vor, den Etat durch Streichungen an den Ausgaben zu verbessern, lehnte aber die vor- aeschlagene Mehrbelastung der Wirtschaft und des Mittelstandes durch Erhöhung der Real­steuern einschließlich der Mietzinssteuer als zu hoch und unerträglich ab. Der Finanzminister erklärte darauf, daß er zurücktreten müsse, wenn die Erhöhung der Mietzinssteuer nicht zu- aestanden werde. Im Anschluß daran erklärte die Gesamtregierung ihren Rücktritt. Das Landtagspräsidium beschloß, die Wirtschastspar- ret zu beauftragen, einen Unterhändler für die ^eublldung einer Regierung zu stellen: außerdem soll der Aeltestenrat am 19. April zu- r^m^ntrct^n' u.m nach der Antwort der Wirt- schaftspartei die Tagesordnung der nächsten Landtagssihung dahin zu ändern, daß entweder die Reubildung der Regierung oder die Auf­lösung des Landtages beraten wird. I

Aus dem Gesetzgebungs-Ausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 16. April. Der Zweite (Ge- fehgebungs-)AuSschuh. des Hessischen Landtages behandelte zunächst einen Antrag der Abgeord­neten Dr. Werner (fraktionslos), Dr. Böhm (Du.) und Dr. Best (DRP.) auf Beseitigung der Auswüchse der Immunität der Abge­ordneten. Rach eingehender Aussprache kam der Ausschuß dahin überein, in Zukunft Anträge auf Aufhebung der Immunität von Abgeordne­ten in schärferem Maßstab zu prüfen. Ein halbes Dutzend Eingaben wurde gemäß der Reaierungsantwort als erledigt erklärt. Bei der Gelegenheit einigte sich der Ausschuß dahin, künf­tig ein abgeändertes Verfahren zur Erledigung der immer mehr anwachsenden Eingaben anzu­wenden. Angenommen wurde ein demokratischer Antrag auf Ergänzung des Reichsgesetzes über ansteckende Krankheiten, der praktisch wünscht, daß eine Reihe von Bestimmungen über Anzeigepflicht usw., die bisher durch die Kreis­ämter erlassen worden sind, in Zukunft auf ge­setzlicher Basis erlassen werden. Am Diens­tag kommender Woche wird der Ausschuß einen Anirag Dr. Werner (fraktionslos) wegen Rechtsschutzes des Strafgefangenen Fritz Michel aus Hahn behandeln, der den Ausschuß und das Plenum des Landtages bereits wiederholt beschäftigt hat.

Hoovers

Agrar- und Zollprogramm.

Eine Botschaft

des Präsidenten an den Kongreß.

Washington, 16. April. (WB.) In einer in beiden Häusern des Kongresses verlesenen Botschaft erklärt Präsident Hoover, er habe die Sondertagung des Kongresses einberufen, um sein Wahlversprechen in der Frage der Unter- stühung für die Farmer und der begrenz­ten Zollrevision einzulösen. Zur Behebung der Rotlage der Landbevölkerung empfiehlt Hoo­ver die Schaffung einesFederal Farm Board", dem die Aufgabe obliegen soll, die Lage der einzelnen Landwirlschaftszweige zu studieren und dem ferner ausreichende Geldmittel zur Ver­fügung stehen, um den Farmern bei der Grün­dung und dem Ausbau von Verkaufsge­nossenschaften, lei der Schaffung von Spei­chern und bei der Deleihung gelagerter landwirtschaftlicherErzeugnisse Un­terstützung zu gewähren. Ferner befürwortet Hoo­ver eine gewisse Zollerhöhung auf in­ländische Farmerzeugnisse, sofern ihre Produktionskosten hier teurer als im Auslande sind.

3m übrigen solle der Zolltarif nut bezüg­lich der Industrien geändert werden, die in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen sind und in denen dadurch Arbeitslosigkeit eingetreten ist. Die variablen Bestimmungen des allgemeinen Teiles des^ Zolltarifgesehes hätten sich bewährt, dagegen müsse eine neue Methode für die Wert­berechnung gefunden werden, da die Versuche, die ausländischen Preise bei ausländischen Fabri­kanten sestzustellen, nicht sehr erfolgreich gewesen seien Die Volkszählung 1930, die Reueintei­lung der Bezirke für die Wahlen zum Revräsen- tantenhaus und der A u f s ck u b (Suspension) der Ursprungsklausel des Einwande- rungsgesehes empfehle er, als im öffent­lichen Interesse liegend, in dieser Sondertagung zu erledigen.

Aus aller Welt.

Schutzbundfahrt nach Oesterreich.

Die diesjährige zehnte Pfingsttagung des Deut» scheu Schutzbundes in Salzburg wird von einet mehrtägigen Studienfahrt durch deutschösterreichi­sches Land eingeleitet. Diese beginnt am Sonn­abend, den 11. Mai, in Friedrichshafen mit einer Besichtigung der Zeppelinwerft. Am folgenden Tage: Fahrt mit der Arlbergbahn nach Innsbruck und von dort mit der neuen Rord- kettenbahn auf das Hafelekor, 13. Mai: Fahrt nach Salzburg. Hier wird die eigent­liche Tagung mit der Begrüßung durch die öster­reichischen Behörden und Verbände, DorstandS- sihung und Mitgliederversammlung feierlich er­öffnet. Den FestvortragVon der Schuharbeit zur volksdeutschen Arbeit" hält Dr. Friedrich König aus Gießen. Aus dem umfangreichen Arbeitsprogramm der Tagung, das sich in Fach- sihungen eines grenzdeutschen, eines siedlungs­politischen und eines kulturpolitischen Ausschus­ses gliedert, seien noch folgende Redner und Vor­träge genannt: Professor Dr. Karl Haus­hofer, München:Die Bedeutung der süd­lichen Grenzzone für die volksdeutsche Arbeit": Dr. Johannes Schmidt-Wodder, Abge­ordneter im dänischen Reichstag:Rordschleswig. Schleswig-Holstein und das skandinavische Pro-

Voehm:Ost- und West­deutsche Grenzaufgaben": Geheimrat Dr. HanS P o n f i ck :Der heutige Stand der Siedlungs­politik im Deich": Hauptmann a. D. M aier- Kaibitsch, Klagenfurt:Siedlungen in Kärn­ten": Professor Dr. Schönbauer. Wien:Das Siedlungsproblem im Burgenland". Ferner wer­den die katholischen und evangelischen Aufgaben in der deutschen Dolkstumsarbeit und die Fra­gen der Rechtserneuerung in Oftmitteleuropa ein­gehend behandelt. Die Tagung endet am 15. Mai mit einem Schlußvortrag des Vorsitzenden Dr. von Loesch über die zukünftige Arbeit des Schutzbundes. Festliche Veranstaltungen umrah­men die Fachsihungen.

Die deutschen Maberfeeausroanberer.

Ueber die deutsche überseeische Auswanderung über deutsche und fremde Häfen für das Ka­lenderjahr 1928 liegen jetzt die vorläufigen amt­lichen Ergebnisse vor, noch denen 5 7 293 Per­sonen ihre Heimat verlassen haben. Gegenüber den Vorjahren bedeutet diese Ziffer einen Rückgang. Im Jahr der höchsten Aus­wanderung 1926 verließen 65 280 Personen Deutschland mit überseeischem Reiseziel, so daß also die Auswanderung bis Ende Dezember 1928 um 8000 Auswanderer zurückgegangen ist. In dem Rückgang scheint sich neben einer gewissen Besserung der, wirtschaftlichen Lage vor allem die inzwischen in verschiedenen Zielländern ver­schärften Einwanderungsbestimmungen auszuwir­ken.

Frankreich wehrt sich gegen die Pocken.

London, 16. April. (WTB.) Die französische Regierung hat sich durch Pockenfälle in England, die durch einen aus Indien kommenden Dampfer eingeschleppt wurden, veranlaßt gesehen, besondere Maßnahmen gegen die Weiterverschleppung der Krankheit nach Frankreich zu treffen. Von morgen ab müssen alle aus England eintreffenden Schifts- passagiere den französischen Gefundheitsbehörden ihren Damen und ihre Adresse Mitteilen und ein Zeugnis beibringen, daß sie innerhalb der vorangegangenen zwei Monate er­folgreichgeimpft bzw. wieder geimpft worden sind. Bei Nichterfüllung dieser Bedin­gung wird dem Betreffenden die Landung in Frankreich verweigert. Diese Be­stimmungen gelten sowohl für die Mannschaften der Schiffe, als auch für alle Reifenden, gleich­viel, ob sie sich zur Durchreise oder zum Aufent­halt nach Frankreich begeben.

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Wettervoraussage.

Das skandinavische Hoch hat sich südwärts aus- gebreitet, und der Kern mit Barometerständen von 775 Millimeter liegt über dem nordöstlichen Deutsch­land. In ganz Deutschland herrscht infolgedessen heiteres und trockenes Frühjahrswetter. Der Herr, chende Witterungscharakter besteht zunächst fort. Nachts gehen immer noch die Temperaturen in Ge­rierpunktnähe zurück, neigen aber tagsüber infolge der ungehinderten Sonnenstrahlung kräftig an.

Wettervoraussage für Donnerstag: Heiteres und trockenes Wetter, nachts kühl, tagsüber ortschreitende Erwärmung.

Lufttemperaturen am 16. April: mittags 11,2 Grad Celsius, abends 5,4 Grad: am 17. April: morgens 2,4 Grad. Maximum 11,9 Grad, Minimum1,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. April: abends 10,4 Grad: am 17. April: morgens 3,9 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 4% Stunden.