Ausgabe 
17.1.1929
 
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ftd> Ansichten von dörflichen Siedlungen und Städten (Lrnowo, Philippo-el, S-fia) und Aus­führungen über die Wirtschaft und den Verkehr Bulgariens (Tabak, Sier, Wein. Seesalz. Düffel, Schiffsmühlen, Getreideausfuhr und Einfuhrland- lvirtschaUlicher Maschiiren in den Donauhäsen). Das Schlußwort wies auf die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien hin und forderte deren weiteren Ausbau. H. L

Briefserrdungen an Behörden.

Man schreibt uns: Es wurde schon öfters dar­aus hingewiesen, daß Sendungen an B Hörden (auch an die Redaktion! D. Red.) niemals an ein Mitglied der betreffenden Dienststelle persönlich zu richten sind. Geschieht dieses doch, so erreicht der Absender in d.r Regel das Gegenteil von dem. was er erstrebt. Abgesehen davon, daß es für den Empfänger eines solch n Schreibens eine unangen hme Sache ist. dienst­liche Schreiben in der Privattasche mit sich umhrr- -ulragen, kommen derarti-e Schreib.n stets spä­ter an die betreffende Behörde, als wenn sie unmittelbar cn sie gerichtet worden war n. Auch ist die Gefahr des Verlustes nicht ausg schlossen. Der persönliche Adressat kann beispi lswn e auch gerade verreist oder krank od:r auf einem aus­wärtigen Dienst eschäste sein. Ec kann vielleicht den Brief in seine Tasche st den und vergessen. Das ist menschlich und jedenfalls nicht ausge­schlossen. Dann gibt es später nur älnannehm- lichkellen. Also man richte Schreiben dienstlicher Ratur Privatschreiben in dienst- lrchen Angelegenheiten sollten grundsätz­lich niemals an einen Beamten g 'richtet werden an die betreffende Dienststelle s e l b st. beispielsweise an das Landratsamt in T, an das Kreisamt in V. an das Amtsgericht in T. an das Landgericht in B. niemals aber an einen Cinzelbeamten der betreffenden Dienststelle.

Don der KnegSgraberfürsorge.

Ein Jahr rastloser Arbett an seinem Werke, die deutschen Kriegersriedhöfe in allen Teilen der Erde schlicht aber würdig ausz. g stil­len hat dem Volksbund Deursche Kriegsgräberfürsorge befriedigende Er­folge gebracht. Reben dem Ausbau von deut­schen Ehrenstätten in den östlichen Ländern, in Belgien, England und aus dem Balkan, hat er in Frankreich die Ausaestaltungsarbeiten auf 49 deutschen Kriegerfriedhöfen begonnen und zum Teil schon beendet. Damit ist fast die Hälfte der Gräber aller in französischer Erde ruhen­den deutschen Gefallenen erfaßt. Selbstverständ­lich bieten die gewaltigen Sammelfriedhöfe mit bis zu 35 000 Lwten noch nicht den von uns allen gewünschten Anblick, doch zeigt das bis­her Geleistete schon jetzt deutlich, wie ein solcher Friedhof in einigen 3ahren ausfieht. und daß er, unserer teuren Totön würdig, vor aller Welt Zeugnis davon ablegt, daß Deutschland seine gefallenen Söhne nicht ver­gessen hat. Alle Arbeiten wurden in .eng­stem Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt durchgeführt. Darüber hinaus hat der Dolks- bund tausend und aber tausend Angehörigen Auskünfte über die ihnen teuren Grabstätten in fremden Landen erteilt und im Auftrage zahl­reicher Hinterbliebener an den allgemeinen Totengedenktagen. besonders dem Boltstrauer- tag. und an bestimmten Tagen Kränze auf den Gräbern niederlegen lassen. Wenn auch die Zahl derjenigen, die sich um die ferne letzte Ruhe­stätte eines Familienmitgliedes kümmern, im ver­gangenen 3ahr wieder erheblich gewachsen ist, so ist sie doch immer noch gering im Vergleich zu dem gewaltigen Opfer an Menschenleben, das Deutschland im Weltkri g: b achte. D e Wucht und Würde der Feiern am Volkstrauertage 1928 im Deutschen Reiche, im stammverwandten Oester­reich und im Auslände haben bewiesen, daß der dem Andenken unserer Gefallenen aus dem Welt­kriege gewidmete Gedenktag zu einer schönen Sitte des deutschen Volkes geworden ist. 3n feinem Streben, diesem geistigen deutschen Ehren­mal für die Opfer des Krieges den gesetzlichen Schutz zu verschaffen, wird der Dolksbund nicht erlahmen. 3n erfreulichem Umfange ist die Zahl der Leser der BundeszeitschriftKriegsgräber­fürsorge" gewachsen. Die mit Bildern geschmückte Zeitschrift berichtet fortlaufend über die Ar­beiten des Volksbundes, sie ist das Bindeglied zwischen der deutschen Heimat und dem kost­baren deutschen Gut, das fremder Erde anver- traut ist.

Trommeln im Gchneesturm.

Don Sigismund von Nadecki.

Cs ist die große Straße von Smolensk nach Moskau. Es ist dieser entsetzlich heiße 3uli 1812. Zwei ungeheure Heeresraupen kriechen langsam auf ihr vorwärts. Sie kriechen schon wochenlang hintereinander her: in einem einzigen ersticken­den Staube, der vom Himmel nichts sehen läßt als den braunroten Sonnenball, welcher ewig wie eine glühende Kanonenkugel heranfliegt. Hnb in der Rächt steht ein silberner Komet am Himmel.

Die größere Raupe will die kleinere einholen. Die kleinere will der größeren entkommen. 3m staubigen Zwischenraum zwischen ihnen blitzt der Scharlachdolman des Königs von Reapel auf: er schlägt sich mit den Kosaken herum. Die Fran­zosen haben nur einen Schrei auf den Lippen, Den Schrei eines Verdurstenden:Moskwa, Mo kwcu" älnd die Kos.'k n antworten dämonisch- frech, wie es nur Kosaken können:Parish, Paris h!" was, wie man erkennen wird, Paris, Paris!" heißt. 3n diesen beiden Schreien ist der ganze Völkerkamps von 1812 enthalten.

Ein einziger Mensch in Rußland we tz, daß der Feldzug für die Franzosen bereits verloren ist. Strategisch verloren, und zwar schon in den ersten zehn Tagen: seitdem können die Russen Wohl noch geschlagen, aber nicht mehr besiegt werden. Dieser eine Mensch heißt Barclay de Tolly, und er wird wegen seines fremden Ramens von den Russen gehaßt, iUnd noch ein anderer Mensch weiß es. doch er will es nicht wahrhaben: Rapo- leon.

Barclay wird abgesetzt. Er begräbt seinen großen Gedanken hinter der kahlen Stirn. Und es kommt zur Schlacht von Borodino.

Don der Kanone in Borodino hat die Erde unter Mo: kau gezittert" so erzählt noch heute Der russische Bauer. Er ist der erschöpfendste Bericht, den es von dieser Schlacht geben kann, älnd noch einen anderen Bericht gibt es, der das Grauenhafte ahnen läßt, was sich dort ^ge­tragen hat, ich habe ihn in den Aufzeichnungen eine' schwäbischen FeldaiItts gefunden. Er spricht zuerst von dem, was auch sonst sämtliche Augen­zeugen, wie auf Verabredung, hervorh.b.n: von

** Keine Gasvergiftung. Von ter Di­rektion des städtischen Gas- und Wasserwerks wird uns mitgetciü: 3n 3hrer gestrigen Zeitung teilten Sie unter der ÜberschriftVergiftung bei einem Brande? ' mit, daß mit aösolulec Sicher­heit >wch nicht festgestellt sei. ob es sich bei dem erlrantten Willi Eichenauer, Wall- torstratzc 48, (SLicfsohn des Herrn Fuhrmann Sauer), um eine Rauch- oder Gasvergiftung handele. Wir haben heute frü') die Gasanlage im Hause Walltorstraße untersuchen lassen und festgestellt, daß die Anlage in allen Teilen intakt und vollkommen dicht ist. Herr Sauer war bei der Untersuchung zugegen und erklärte, daß vor, während und nach dem Brande an der Gasleitung nichts geändert oder repariert worden und die Gasanlage während des Brandes in Betrieb gewesen sei. Gasgeruch fei während des Brandes von niemand wahrgenommen. Es kann daher in diesem Falle von einer Gasvergiftung keine Rede sein. Der Erkrankte hat sich nach dem Brande mit der Instandsetzung der Kohlenöfen, Reinigung der Ofenrohre usw. beschäftigt,' es liegt somit die Vermutung nahe, daß hier eine Oxydgas- vcrgiftung vorliegt.

" Die li Reichskurzschriftgesell- fchaftGabelsberger" und Damen­abteilung e. V. hielt dieser Tage ihre ordent­liche ®encralDcrfani.nhir.g ab. 21u3 dem Ver­waltung i bericht über daä 3ahr 1923 ist zu er­sehen, daß der Verein innerhalb be3 3ahres gute Fortschritte und glänzende Leistu g:n erzielt hat. Es wurden drei Anfänger-, drei Fortbil- dungs-, drei Redeschrist- und zwei Praktiker­lehrgänge, sowie sechZ Dickatturse zur Durch­führung gebracht mit einer Gesamttcilnehmer- zahl von 450 Personen. An Wett.chreiben fanden statt: ein Vereiirtwettschreiben, zwei Bezirks- wctlschreiben, ein Verband wett chreiben, ein Stenvtypistenwcttschrciben und ein 3u6Uäum:- wcttschreiben des Vereins Büdingen. An sämt­lichen Wettkämpfen beteiligten sich Mitglieder des Vereins: es konnten folgende Preise er­rungen werden: a) Schnellschreiben (80 bi3 240 Silben): 47 1. und Ehrenpreise, 93 1. Preise, 33 2. Preise, 10 3. Preise: b) Schön- und Richtig- schreiben: 6 1. und Ehrenpreise, 2 1. Preise, 12 2. Preise, 11 3. Prei e, c) Stenotypistenwett­schreiben: 2 1. und Ehrenpreise, 1 2. Preis: ins­gesamt 220 Preise. Hierzu kommen noch die Erfolge dcr Mannschafts- und Staffelkämpfe im Bezirk. Die errungenen Preise konnten um 57 gegenüber dem Vorjahre erhöht werden. Die Handelskammerprüfung legten 5 Mitg i der mit Erfolg ab. Auch der Mitgliederbestana hat eine erfreuliche Zunahme von 59 erfahren. Bei der Dorstandswah! wurden die a'ten Dorsta. dsmit- glieder einstimmig wiedcrgewählt.

** Wilhelm Reeb f. Man berichtet uns aus Mainz: Am 8. 3anuar erlag der 06er- studienrat i. R. Professor Dr. Wilhelm Aeeb in Mainz im 63. Lebensjahr einem Schlaganfall. Damit ist ein Leben erloschen, das von einem unermüdlichen und ein lußreichen Wirken erfüllt war. Dom Abschluß seines älniversi.ätsstudiums im 3ahre 1833 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1927 wirkte er als Lehrer und Erzieher am Gymnasium, in den letzten 3obren am Real­gymnasium in Mainz. Sein Unterricht wurde durch jeine ausgedehnte wissenschaftliche Tätig­keit ergänzt und befruchtet. Die Wissenschaft und die höhere Schule verdanken seinem nie erlahmen­den Forscherdrang eine Reihe anerkannter Werke. Er war Mitherausgeber eines lateinischen Wör­terbuches uni) wurde durch eine Ausgabe der Germania des Tacitus besonders bekannt. Die wissenschaftliche Durchforschung und Deutung die­ses Quellenwerkes war ihm Lebensaufgabe, der er bis in feine letzten Tage mit aufopferndem Eifer oblag. So riß ihn der Tod mitten aus der Arbeit an einem mit Spannung erwarteten Kom­mentar zur Germania. 3n feiner Wahl zum Vorsitzenden im Vorstand des Römisch-Germani­schen Zentralmuseums fanden feine wissenschaft­lichen Verdienste eine sichtbare Anerkennung. 3n seltener Arbeitskraft konnte Reeb mit der an­gestrengtesten Tätigkeit als Lehrer und Wissen­schaftler noch eine lebhafte Tätigkeit für das höhere Schulwesen Hessens und für den Philo­logenstand vereinen. 15 3ahre lang gehörte er dem Vorstand des Hessischen Philologenvereins an: in den für die hessische höhere Schule beson­ders schwierigen Jahren 1921/26 leitete er ziel- bewußt als Vorsitzender den Verein. 3n dank­barer Würdigung feiner Verdienste um die höhere Schule und den Philologenstand ernannte ihn die Hauptversammlung des Hessischen Philologen-

dem ununterbrochen knallenden Kanonendonner, der zu einem einzigen Gebrüll anschwoll, wie man es bis dahin nie gehört hatte, und zweitens von der drückenden Majestät des Todes, die hier stumm und schrecklich schien wie nie zuvor. Er war sozusagen persönlich anwesend.

Und nun lagerte die grande armee auf dem Leichenfelde, uno es kam der Morgen.Da fing, in einem Knäuel von Kadavern, ein tot daliegen- der russischer Soldat plötzlich an, sich zu be­wegen. Sei es, daß die ersten Sonnenstrahlen ihn belebten, oder daß irgendeine Erschütterung ihm das Bewußtsein wiedergab, genug, er hob mitten unter den Leichen den Kops, rieb sich die Augen, stand langsam auf und sah sich verwundert um. Er - sah sich in der Mitte der grande armee stehen!... Run machte er zögernd einen Schritt, zwei, drei, weitere und mar­schierte endlich aufrecht, langsam und militärisch in der Richtung der abgezogenen Russen davon. Keiner von Den vielen tausend Soldaten, die ihn müde anblickten, dachte nur daran, ihn zu hindern." Ein russischer Soldat ist also glatt durch die grande armee hindnrchmarschiert. sozu­sagen nach Haufe gegangen! Und das eben ist der Sinn von Borodino: man war furchtbar müde. Man konnte nicht mehr kämpfen, weil man es nicht mehr wollte. Kämpfen hatte auf einmal feinen Sinn mehr. Diese Armee hatte im An- rennen einen so betäubenden Schlag vor die Stirn bekommen, daß sich ihre Wucht gerade noch bis Moskau totlaufen konnte aber dann war es zu Ende. Von dort aus konnte man sich zwar mit unerhörtem Elan einen Weg bahnen, aber eben nur nachPari.h, Parisb!"Stall- mutig" nennt man das bei den Pferden.

Bekanntlich haben die FranzosenMoskwa" nicht vorgefunden. Moskwa war nicht da es standen bloß leere Häuser. Und nun scheint eS, als ob die Elementarmächte, die schon längst in dieser Kampagne alles Einzelmenschliche zur Winzigkeit herabdrückten, als ob sie jetzt zu einer tobenden Orgie von Sturm und Feuer­brand zusammenfchlügen! Wir sehen das noch heute durch ein 3ahrhundert herüberscheinen: eine (Riefenflamme züngelt gegen den Racht- himmel, und feurig überläuft sie den Schnee da draußen, der schon stumm bereit steht für alles, was sich retten will. Die Straßen sind

Vereins im 3ahre 1926 einstimmig zum Ehren­mitglied des Vereins. Sv betrauern Schule und Wissenschaft, Amtsgenosfen und ehemalige Schü­ler den Tod dieses vorbildlichen Mannes.

Oberheffen.

Landkreis Giesten.

is. Steinbach, 15. Jan. Aehnliche Beobach­tungen, wie sie in Rr. 8 desGieß. Anz." in dem ArtikelRaben und Krähen" befdjrie­ften werden, kann man im Nachsommer und Herbst auch an dem Hinteren der drei T.iche, dem sog. großen Teiche, zwischen hier und Lich, machen. Abends nach Sonnenuntergang kommen aus allen Himmelsrichtungen größere Schwärme von Sta­ren und lassen sich zu gemeinschaftlichem Rächt- quartier im Schilf nieder. Stundenlang hört man das Zwitschern. Morgens bei Sonnenaufgang erhebt sich wie auf Kommando der nach vielen Tausenden zählende Schwarm gleich einer schwar­zen Wolke, umkreist den Se:, um sich dann in kleinere Gruppen aufzulösen. die, wie abends, wieder nach allen Richtungen abzieh n. Diesen Vorgang kann man täglich beobachten, bis der Winter dem Spiel ein Ende macht. 5>:r Größe des Schwarmes nach zu urteilen, müsfen die Stare aus sehr werter Entfernung sich hier v rsamm-eln. 3nteressant ist, daß man im Frühling immer nur wenige dieser Vögel si.ht, obwohl sie sich im Sommer gut vermehren. Vielt.ächt können Beobachter hierüber Aufschluß geben.

T L i ch. 15. Ian. Der Kriegerverein L i ch der KriegerkameradschaftHassia" hatte am Sonntag die K a p e l l e d e s l.Datl.l5.3nf.- D e g t ö. zu Gaste. Das Konzert, von dieser Kapelle veranstaltet, übte wie alljährlich eine große Anziehungskraft auf die Mitglieder des Vereins aus. die vollzählig erschienen waren. Aber auch viele Kameraden aus d.n benachbarten Kriegervereir.en waren zugegen, so daß die sehr geräumige Turnhalle recht gut besetzt war. Die Kapelle unter der persönlich n Leitung von Ober- Musikmeister W. Löeer erösf e : mi dem Mr rsch Alte Kameraden' die reichliche Vortragsfol^e. Sämtliche Musikstücke wurden mit großem Bei­fall ausgenommen und nötiften die Kaf.elle des öfteren zu Beigaben. Besond.ren Dank erntete die Kapelle mit dem Vortrag des großen Ton- gemäldesEin Morgen in Sanssouei" von O. Kollert. Die Solisten, älnteroffizier Meyer und Grenadier Glöckner, die in dem Konzertstück Rachtigcul und Drossel" ihre Pikkoloflöten spiel­ten, zeigten sich als Künstler auf ihren In­strumenten. Auch der von Obermufikmeister L ö - der komponierteRheinwellen-Walzer" fand adfeitigen Beifall. Den dritten Teil des Pro­grammes leitete ein Marsch für Heroldtrompeten und Kesselpauken von Henrion ein. Dm Höhe­punkt des Konzertes bildeten dieHistorischen Märsche", ein großes chronologisches Potpourri für Militärmusik mit Fanfarentrvmpeten, Spiel- mannspseifen und SpielmannStrommeln, neu be­arbeitet von Oskar Hallenberger. Stadtrcchner Ludwig Häuser, der erste Vorsitzende des Kriegervereins, widmete dem. Kapellmeister und der Kapelle herzliche Worte des Dankes für die vortrefflichen Darbietungen. Hoffentlich ist der finanzielle Erfolg des Konzertes nicht ausgeblie­ben, denn es war als Wohltätigkellskonzert zum Besten bedürftiger Kameradm gedacht. Abends fand der beliebte Kriegerball statt, bei dem alt und jung sich noch einige Stunden erfreuten.

Kreis Friedberg.

2l Bad -R auhe im , 16. Jan. Wie vor einiger Zeit schon mitgeteilt werden konnte, be­absichtigt die Bad- und Kurdirektion eine verstärkte Propaganda in Berlin zu entfalten, das seither nur eine verhältnis­mäßig kleine Zahl von Kurgästen und sonstigen Besuchern stellte. Es wurde daher in diesem Monat in der Deichshauptstadt eine Aus­kunft s - und Werbestelle für unser hessi­sches Staatsbad eröffnet, und zwar in der Kankstratze nächst dem Stadt- und llnlergrunb» bahnhof Zoologischer Garten. Se Auskunftsstelle wird ergänzt durch zwei weitere Stützpunkte Unter den Linden", von denen sich der eine im Reisebureau der Ostseebäder befindet. Der Pressechef der Bad- und Kurverwaltung. Dr. Ricklinger, wellt zur Zeit zwecks Einrichtung der Auskunftsstelle in Berlin. Die geplante Ver­kehrswerbung für unser Bad in Berlin, die übrigens auch die Bestrebungen des Der- kehrsbundes Oberhessen und des Hessi­schen Verlehrsverbandes (deren Werbeschriften

zahnlose, schwarz-vermorschte Kiefer, in denen noch ein paar Häuser wackeln. Was nachbleibt, ist Asche und ganze Berge von zerplatztem Glas, während in den Gossen irrisierende Bächlein abfließen: ein Gemisch von Blei, Kupfer, Silber und Gold. Wehe dem, der es in der Hitze des Plünderns für Schmutzwasser hielt und seinen Fuß nicht in acht nahm! An den verbliebenen Palästen werden die großen LetternLiberte, tgalite, Fraternit^" angebracht. Rapoleon schreibt seine nächtlichen Befehle ohne Kerze: die Stadt da hält ihm das Licht, Ilnö es fällt einem das Wortheimgeleuchtet" ein.

3m Russischen gibt eS heute einen Ausdruck Schantrapä." das bedeutet Pack, Lumpengesin­del. 3ch kann zufällig sagen, wie dieses Wort entstanden ist. Die grande armee eröffnete näm­lich damals in Moskau ein französisches Thea­ter. Aus dem herumstreifenden russischen Ge­sindel griff man ftch Statisten heraus. Die wur­den auf ihre Stimmen geprüft und eingeteilt in Chorsänger und stumme Statisten. So ein Kerl mußte was vorkrähen, und dann entschied die Kommission:chanteta (er singt) ab nach links, undchantera pas" (er singt nicht) ab nach rechts. So standen die beiden Haufen ein­ander gegenüber. Ratiirlich haben die Chantera die Chanterapas grenzenlos veracht:!, ilnö in diesem Augenblick ward ein neues russisches Schimpfwort geboren: Schantrapä. Mittler­weile ist allerhand passiert: die grande arm^e, Rapoleon, die Zaren, sie sind längst den Weg alles 3rdischen gegangen, kein Hahn kräht mehr danach, und was ist am Leben geblieben? Ein Schimpfwort Schantrapa!

ilnö nun der Schluß: eine endlose Schnee- wüste und zwei erfrierenöe Heeresraupen, die über diesen Schnee zurück auf SmolenZk zu krie­chen. Die größere folgt der anderen, die ihr zu entkommen sucht. Ein elementarer Wille hält beide lebendig: Trommeln im Schneesturm! Links und rechts vom Wege sind Krähen, Leichen, aufgcflogcne Pulverwcgrn, eingeschneite Ka­nonen. So ein paar eingeschneite Kanonen, die ohne Bedeckung am W:ge l.g:n. wurden einmal von einem russischen General geschnappt. Er ist hocherfreut und kommt wegen dieser Heldentat sofort um einen Orden ein. Doch die Sache spricht sich herum, und er wird belächelt! Da

könnten dort auch zur Verlegung kommen), toirfr sam unterstützen wird, ist leöhaft zu begrüßen. Auch andere Bade- und Kurorte (vor allem Kissingen) und Vertehrsverbände setzen alles daran, um das Reisepublikum der Reichhaupt­stadt für sich zu gewinnen. Eine Gefahr für den Autoverkehr auf der Strecke Gießen Frankfurt birgt, wie in letzter Zeit einige nächtliche ilnglüdäfälte bewiesen haben, die Blockstelle Ober-Mörlen am lieber- gang dieser Verkehrsstraße über die Main- Wefer-Tahn in sich. Wie bestimmt verlautet, ist die Eisenbahnverwaltung bemüht, die Gefahrenquelle durch zweckmäßige Derkehrssiche- rungen zu befestigen. Sie prüft zur Zeit die Verhältnisse und wird voraussichtlich durch Ein­führung einer stark und weithin wirkenden Be­leuchtung den s.esährlichen Kreuzungspunkt aus der Ferne kenntlich machen. Dazu wäre aller­dings die Anlage einer elektrischen Hochspan­nungsleitung von Rieler-Mörlen aus notwendig.

Kreis Büdingen.

_L Ridda, 16. 3an. Dis E v a"ng e l i s ch e Volksgemeinschaft b grnn ihre Winter- arbcit in unterer Stadt, too sie beträchtliche An­hänger hat, mit einer öffrnt ichen Versammlung in der ^Krone". Pfarrer Schreiber-Mainz sprach über die Aufgaben einer evangelischen Partei gegenüber dem schassenden Doll. Die Aus­sprache nach dem Vortrag zeigte, wie die Ge­danken der Evangelischen Doll gemeinschaft im Voll immer mehr Boden gewinnen. Reue Mit­glieder wurden ausgenommen.

Kreis Schotten.

r! Laubach. 16. 3an. 3n der jüngsten Sit­zung des Gemeinderats wurde zunächst die Frage erörtert, oa in diesem 3ahre wieder ein Prämien markt aftzuhalten fei. Rach ein­gehender Besprechung wurde beschlossen, diesen Martt wieder zu veranstallen und damit eine Verlosung zu verbinden. Als Termin des Marktes wurde der dritte Tag des sog. Ausschußfestes bestimmt, der zwecke Diens­tag vor Johanni. Die Bewohner der an der L i ch e r Straße gelesenen Gemeindehäuser hatten eine Eingabe um Ermäßigung der Miete eingereicht. Der Gemeiirderat entschied sich, bei seinem Beschlüsse der Erhöhung der Miete zu bleiben. Eine Eingabe der Wagner um die Abgabe von R u tz h o l z wurde ge­nehmigt. Weller wurde der Gewährung einer Winterbeihilfe an Bedürftige zuge­stimmt. Verschiedene Mitglieder der Gemeindr- rats wurden mll der Aufstellung einer Liste der betreffenden Personen betraut. Die Hasenjagd, die gestern zu Ende ging, war im ganzen nicht schlecht. Auch die Rehjagd konnte im aügemeinen befried! 'en. Schlecht war dagegen die Hühnerjagd. Die Raben und Krähen haben zu sehr überhand genommen. Sehr gemindert hat sich der Bestand der Füchse. Hiervon werden zuaiele vergiftet. Die Dächse haben auch sehr abgenommen. An der Wetter, in der sog.Au", wurden in letzter Zeit ver­schiedene Wildenten zur Strecke gebracht. Eine Kette von ge;en 30 Stück dieser geschätzten Wasservögel wechselt regelmäßig zwischen der Wetter und der Eschersbach bei Münster. Wie wir meldeten, wurde zum erftenmal am 8.3a- nuar in der hiesigen Römheldschen Fabrik am Bahnhof mit gutem Erfolg gegossen. Seit­dem ist wiederholt gegossen worden, und der Guß ist jedesmal wohlgelungen. Während die Eisen­gießerei und Formerei schon in der neuen Fabrik ist. befindet sich die Schlosserei und Dreherei auf derFriedrichshütte" im Hor­lofftal.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkell der Schriftleitung.)

st. h. Junae Leute unterstehen bis zum vollendeten 21. Leftensjayre der Autorität des Laters bzw. des Vormundes. Erst mit dem vollendeten 21. Lebens­jahr tritt die Volljährigkeit ein. Rein juristisch ge­sehen haben Sie sich also an den Willen Ihres Vaters zu halten. Aber davon abgesehen gehört es sich auch für einen jungen Menschen, daß er nicht gegen Öen väterlichen Willen handelt. Das ist ein selbstverständliches Gebot der Ehrerbietung des Äin» des gegenüber seinen Eltern._______________________

Sprechstunden der Redaktion

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschloffen.

trifft et mit dem klugen General Rajewski zu­sammen. Er kennt dessen beißenden Witz, er will dem zuvorkommen und stürzt daher auf Rajewski zu, um ihn kordial zu umarmen. Doch Rajewski weicht eisig zurück und sagt:Mein General, Sie scheinen mich für eine Kanone ohne Bedeckung zu halten..

Fliegende Fische.

Die Verwendungsmöglichkellen des Flug­zeuges wachsen immer mehr. Zwar hat kürz­lich eine Diskussion in der Wissenschaftlichen Ge­sellschaft für Luftfahrt ergeben, daß zur Zeit ein Lustdroschtenvertehr praktisch noch nccht einführ­bar ist. Aber derLuftpaketdienst" kommt für besonders wertvolle und geeignete Objekte immer mehr in Gebrauch. Wie gemeldet wird, hat man jetzt in Amerika natürlich in Amerika, wo denn sonst? das Flugzeug in de i Dienst des Fischtransportes gestellt. Bereits Dui Appa­rate sind mit besonderen Gefrieranlagen a>as- gerüstet worden, und die Fische fliegen nun schnell von der Küste bis in das "3nnere des weiten Kontinents. Für den Transport mit Blumen hat man schon mehrfach Versuche ge­macht, wie z. B. zwischen Holland und Deutscy- land. 3eht ist in 3talien eine Gesellschaft ge­gründet worden, die mittels Flugzeug Blumen von der Riviera nach Deutschland bringen toill und damit den Holländern Konkurrenz zu machen versucht. Der Transport im Flugzeug lohnt sich natürlich nur für sehr hochwertige und schnell verderbliche Ware. 3m allgemei­nen dürfte sich ein solcher Trampverkehr nicht lohnen, da die Eisenbahn, wenigstens in Deutsch­land, sich gerade für den Transport solcher Ware immer mehr umgestellt hat und in der Zu­sammenarbeit mit der Luft-Hansa schon alle ge­gebenen Möglichkeiten ausfilllt. Man Darf nicht vergessen, daß die Luft-Hansa im letzten 3ahr etwa eine Gütermenge in ilmfang der Trag­fähigkeit von 2000 Eisenbahnwaggons trans­portierte. Solche Sonderli i;n kommen also nur im Verkehr mit dem Ausland und in Amerika, wir vor allem auch in Australien, wo sie eine große Rolle spielen, in Frage.