Ausgabe 
17.1.1929
 
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da« P arlamenl unk' die von ihm abhängige Regierung unumschränkte Macht haben müsse. Man brauche nicht zu Stahlhelm-Mitteln zu greifen, um das Verantwortungsbewußtsein des Parlaments zu stärken. Es genüge schon, wenn gegen die schrankenlosen Agi­tationsanträge ein Damm durch dos Vetorecht der Regierung geschaffen werd«.

Oie Kleinrentnerfürsorge.

Stellungnahme der Reichsregierung.

Berlin, 16. Ian. (WB.) In der heutigen Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages gab ein Vertreter der Reichsregie­rung folgende Erklärung ab: »Die Reichsregic- rung wird sich dafür einsetzen, daß die Dor­fristen und Reichsgrundsähe für Kleinrentnerfür­sorge überall so durchgeführt werden, wie es das soziale Bedürfnis der von der Geldentwertung betroffenen Personen verlangt. Für die Be­teiligung des Reiches an der Klein­rentnerfürsorge wird die Reichsregierung den Betrag von 3 5 Millionen Mark in den Entwurf des Haushaltsplanes 1929 einstellen: diese Beihilfe hat in der Hauptsache den Zweck, den Fürsorgeverbänden die Anwen­dung der Grundsätze zu erleichtern. Die Reichsregierung wird ferner erwägen, ob der Einbau neuer Sicherungen in die Vor- fristen und Reichsgrundsätze zugunsten der Klcin- und Sozialrentner erforderlich und möglich ist. Die Entscheidung über eine reich sgesehliche Regelung, die einen allgemeinen Rechts­anspruch begründet, ist der Reichsregierung so lange nicht möglich, als die Haushaltsverhand­lungen und Beratungen über die Deckuirgs- v o r l a g e n der Reichsregierung nicht verabschie­det sind und die gegenwärtige schlechte finanzielle Lage anhält. Auch die frühe­ren Regierungen haben bei besserer und klarerer Finanzlage nicht geglaubt, ein dahingehendes Gesetz vorlegen zu können. Die Reichsregierung wird allerdings einen Rechtsanspruch, der sich lediglich auf früheren Kapitalbesih gründet, schon aus Gründen der sozialen Gerech­tigkeit nicht anerkennen können.

Abg. Frau T e u s ch (Z.) brachte einen Abände­rungsantrag zu dem deutschnationalen Entwurf ein, nach welchem Rentner im Sinne des Gesetzes ist, wer am 31. Dezember 1917 ein Kapitalvermögen von mindestens 5000 Mark besäst oder ein regel­mäßiges Renteneinkommen von 250 Mark bezog, ferner, wer für die Ausbildung der Existenzbegrün­dung seiner Kinder mindestens 5000 Mark aufg^- wandt hat, falls infolge Tod oder Verarmung der Kinder eine Unterhaltspflicht nicht gegeben ist.

Abg. Frau Matz (D. Vp.) will neben dem Nach­weis eines Zinseinkommens von 500 Mark auch den Nachweis eines früheren Kapitalvermögens von 10 000 Mark zulassen.

Ministerialdirektor G r i e s e r bat zum Schluß nochmals, von dem Begriff des privilegierten Ka- vitalrentners abzukommen und den allgemei­nen Rentnerbegriff nach der Fürsorgepflicht­verordnung zu nehmen.

Der Gesetzgebungsausschuß des Hessischen Landtages.

WHP. Darmstadt. 16. Ian. Der Gesetz- gebungsausschuh des Hessischen Landtages setzte heute seine Beratungen mit der Behandlung eines Antrages der Aufwertungspartei, die Re­gierung möge ein Gesetz über die Ablösung der Markanleihen der hessischen Ge­meinden und Gemeindeverbände vor­legen, fort. Da der Antrag nur drei Unter­schriften trug, die Geschäftsordnung aber fünf vorschreibt, setzten die Abgeordneten Dr. R i e - poth und Keller (D. Dp.) ihre Ramen unter den Antrag, jedoch nur, um seine Beratung im Ausschuh zu ermöglichen. In der Beratung wur­den dann von sämtlichen Parteien die Bedenken geltend gemacht, die gegen den dem Antrag bei­gegebenen Gesetzentwurf Dr. Best sprechen, wenn auch zum Teil die angeführte Begründung gut- geheißen wurde. Bei der Abstimmung wurde jedoch der Antrag gegen die Antragsteller ab- gelehnt. Der Ausschuß ging dann in der Beratung des Zigeunergesetzes weiter. Es entstand zunächst eine Debatte über den Begriff Zigeuner", gegen den sich besonders der Abg. Sturmfels (Soz.) wandte, der diese Bezeichnung aus dem Gesetz ausgemerzt sehen wollte. Von der Regierung wurde jedoch erklärt, daß diese Bezeichnung auch in andere Reichsgesehe aus­genommen worden sei. Der Ausschuß nahm dann auch den Artikel 1 des Gesetzes in der Fassung der Regierungsvorlage an. Der Ausschuß wird morgen die Beratung des Zigeunergesetzes fort­sehen und wenn möglich in die Beratung des Gemeindebeamtengesehes eintreten.

Aus aller Wett.

Schweres Dampferunglück an der chinesischen Küste.

Der DampferHsinwah" ist zwischen Schang­hai und Honglong auf einen Felsen ge­laufen und gesunken. 20 Passagiere konn­ten in einem Rettungsboot die Küste erreichen, sechs weitere Personen, darunter der zweite Offi­zier des Schiffes, wurden von einer Fischer­dschunke ausgenommen. Mit dem Dampfer, unter dessen Passagieren sich etwa 30 Frauen und zahl­reiche Kinder, jedoch keine Europäer befanden, sind wahrscheinlich über 3 5 0 Personen un­tergegangen. Unter den 26 Geretteten befin­den sich vier Passagiere. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß einige Ueberlebende sich an die Küste der benachbarten Inseln retten konnten. Die Rachforschungen werden durch das stürmische Meer erschwert. Ein Passagier habe ausgesagt, dah der Dampfer nach der Ausfahrt aus Swa- tau mit schwerer See zu kämpfen hatte. Es habe nur ein Rettungsboot ausgesetzt werden kön­nen. Der Dampfer sei sofort gesunken.

Der Dampfer ..Majestic" schwer beschädigt in Reuyork eingelaufen.

Der Ozeandampfer »Majestic" ist am Mittwoch schwer beschädigt in den Reuyorker Hafen ein­gelaufen. Am Montag ist im schweren Sturm eine riesige Sturzsee über das Schiff hinweggegangen, die das gesamte Dorschifs, die Räume der 3. Klasse und die Mannschaftsräume unter Wasser setzte. Ein Toter und meh­rere Verwundete sind zu beklagen. Im Augenblick der Katastrophe waren die Gesell­schaftsräume der 3. Klasse mit Frauen und Kin­dern gefüllt. Die von oben eindringenden Wasser­massen drückten Türen zu. Es entstand eine P a - n i k, die erst behoben wurde, als man die Türen mit Aexten aufgeschlagen hatte. In den Mannschaftsräumen stand das Wasser im Augen­blick sechs Fuh hoch. Das Licht erlosch und die i

Nachtrags- und Personaletat.

Der Kinanzminister zur OeckungSfrage.

Der Haushaltsausschuß des Reichstages fetzte die Beratung des Nachtragsetats für 1928 fort mit einer allgemeinen Aussprache. Sie wurde eingeleitet von dem

Reichsfinanzminister Or. Hilferding, der erklärte, der Personaletat für 1929 um­fasse 50 Millionen. Für 1928 sei diese Summe ge­ringer. weil die höheren Aufwendungen für Besol­dungen frühestens am 1. Oktober 1928 in Kraft tre­ten und bei den neuen Stellen erst am 1. April 1929 besetzt werden. Der wirkliche Betrag für 1928 fei 42 Millionen. Von den 50 Millionen für 1929 seien 36 Millionen zwangsläufig. Von dem Rest dienten 2,75 Millionen der Durchführung der Re i ch s t a g s re f o l u t i o n e n. 5,5 Millio­nen entfallen auf die Stellenvermehrungen bei den Nachgeordneten Behörden und 3 Millionen bei den obersten Reichsbehörden zur Bewältigung der zahlreichen Aufgaben. Der Nachtrag für 1928- ist gedeckt. Das Steueraufkommen in den Monaten April bis November 1928 habe insgesamt 6811,7 Millionen ergeben. Hiervon entfallen auf den Länderanteil 2639,6 und auf den Reichsanteil 4272,1 Millionen. Die Entwicklung des Steuerauf­kommens bat durchaus den Erwartungen entsprochen. Keinesfalls wird das Fahr 1928 mit einem Ueberschuß abfchließen.

Zur Finanzlage 1929 führte der Minister wei­ter aus, dah er in der Deckungsfrage noch keine bestimmten Angaben machen könne, da das Kabi­nett noch nicht endgültig Stellung genommen habe. Rach meinen Vorschlägen wird der Etat jedoch vollkommen ausgeglichen sein. Zu­sammen mit der Erhöhung der Reparationslast um 312 Millionen Mark beläuft sich das Defi­zit für 1 929 auf ungefähr 600 Millionen Mark. Rach den Anforderungen der Ressorts würde sich das Defizit auf rund 850 Millionen Mark belaufen. Ich habe mich bemüht, diese An­forderungen stark herabzumindern. Der Betrag, der durch neuen Steuerbedarf zu decken ist, wird sich auf rund 350 Mil­lionen Mark belaufen. Der Etat wird bei den starken Einschränkungen, die ich vorgenommen habe, in sich stabil fein. Ich hoste, dah es noch möglich fein wird, den Etat rechtzeitig vor dem 1. April zu verabschieden.

Abg. Graf Westarp (Dn.) äußerte erheb­liche Bedenken gegen die Aufwandsentschädi­gung einzelner höherer Stellen. In einer Rotzeit sei übergroße Repräsentation nicht am Platze.

Abg. Dr. Hertz (Soz.) betonte, daß 1928 mit einem Lieberschuh wie in den früheren Etats­jahren nicht zu rechnen wäre. Daher müsse der Reichstag sich st a r ke R e se r v e bei der Durch­führung der Ministerialverfassung, der Erhöhung

Oie Parteien fordern Einsparungen.

der Ministerialzulagen auserlegen. Man müsse also die Beratung dieser Dinge zurück stellen. Weiter wünschte der Redner eine Slellenver- mehrung beim Reichsentschädigungsamt.

2lbg. Dr. Cremer (D. Vp.) war dec Ansicht, daß gerade die Zentralressorts eine Herab­setzung des Personal st andes durch­führen mühten. Im Buchprüfungsdienst müh­ten im wesentlichen nur Beamte beschäftigt wer­den. Cs würde von der Gesamtheit der Beamten nicht verstanden werden, wenn gerade nur für die Ministerialinstanzen bessere Beförderungsmög­lichkeiten geschaffen werden. Aehnliches gelte noch mehr hinsichtlich der Ministerialzulagen. Was die Repräsentationsverpflichtungen be­treffe, so fei der Redner kein Freund ihres Aus­baues. In diesem Zusammenhang glossierte der Redner die Repräsentationslosten, die das Reich gelegentlich der Anwesenhut des ehemaligen Kö­nigs von Afghanistan ausgegeben hatte. Man müsse ganz entschieden gegen feöen Reprä­sentationsfimmel auftreten.

Abg. Dr. Reinhold (D.) wär der Ansicht, die Deckungsfrage des Etats 1929 könne durch kleinliche Abstriche nicht erledigt werden. Man muh schon den Weg groher genereller Abstriche gehen. Dabei muh man damit rech­nen, dah dos Steueraufkommen sich gegenüber 1928 vermindern wird und dah der Zoll für Getreide herabgesetzt werden soll. Bei all diesen Erwägungen darf also der Reich tag nicht bewilligungsfreudig sein. An Repräsenta­tionen geschehe tn Deutschland viel z u viel. Er wolle nur Hinweisen auf die Energie­vergeudung der führenden deutschen Männer durch die Repräsentationspflichten.

Abg. Er sing (Z.) erklärte, seine Freunde hätten gerade in den früheren Iahren vor der Vermehrung der Ausgaben und der Aufzeh­rung der Kassenmittel gewarnt, aher Leute von der anderen Seite hätten diese Warner als Sparsamkeitsfanatiker abgetan, und nun fei das Defizit und neue Steuern d a. Ohne Herabminderung der Verwal­tung s k o st e n sei nichts mehr zu erreichen. Seine Freunde wurden dos Rötige bewilligen, über der Sparkommissar müsse die Rotwen­digkeit ernst prüfen, sonst sei er über­flüssig. Reichs- und Länderregierungen mühten zusammen einheitliche Grundsätze für Besoldungen und Beamtengrupven fest'ehen. Wie ihm gesagt werde, hätten 80 Prozent aller Er­werb'tätigen weniger als 3000 Mark Einkommen. Vielleicht könnte die Regierung einmal fest-- stellen, wieviele Beamte unter 3000 Mark Ein­kommen haben. Die Begründung für die Er­höhung der Ministerialzulagen sei für ihn noch nicht stichhaltig.

DerGchneesturm überOeuffchland

Schwerer Schneesturm im Schwarzwald.

Freiburg, 17. Ian. (WB.) Dienstagnach- mittag und die ganze Rächt hindurch tobte auf dem Schwarzwald und in den Tälern ein w ü - lende r Rordwe st sturm, dessen Stärke auf dem Feldbergobservatorium mit 14 Sekunden­metern gemessen wurde. Bei groher Kälte bis zu 11 Grad unter Rull fiel fortgesetzt Schnee. Durch den Sturm sind umfangreiche Störungen im Telephonverkehr eingetreten. Auch haben Schneeverwehungen eine Störung des Ver­kehrs auf den Straßen verursacht. Auch die Rocht zum Donnerstag brachte dem Schwarzwold und der Rheinebene einen sehr heftigen, eisigen S Ü d w e ft sturm mit Schnee. Das Thermometer ist in den Höhenlagen bis auf minus 20 Grad und in den Tälern bis auf minus 11 Grad gesunken. Die Schneeverwehungen sind infolge des Sturmes außerordentlich umfang­reich. Die Züge der Höllentolbahn und der Schwarzwaldbahn OffenburgDonaueschingen er­leiden erhebliche Verspätungen. Auf der Höllentalbahn muhten für die Frühzüge stellenweise die Geleise erst f r e i g e m a ch t wer­den. Der Verkehr auf den Höhenstraßen ruht vollständig, der Postkraftverkehr ist größtenteils eingestellt. Der Schneesturm hält auch in den Morgenstunden des Donnerstag mit unver­minderter Heftigkeit an.

Schneeverwehungen in Thüringen.

Erfurt, 16. Ian. (WTB.) Ein starker gestern nachmittag einsetzender Schneesturm, der tn den einzelnen Teilen Thüringens bis in die Rächt» und Morgenstunden andauerte, hat überall er­neute Schneeverwehungen zur Folge gehabt. So steckt die Landstrahe von Erfurt nach Gotha wieder tief im Schnee. Der regel­mäßige Kraftpostverkehr mußte stellenweise un­terbrochen und ein Rotverkehr eingerich­tet werden. Auf den Reichsbahnstrecken in Thü­ringen blieben mehrfach Züge stecken, u. a. ein Personenzug von Weimar noch Erfurt, der erst nach längerem Aufenthalt seine Fahrt fortsetzen konnte. Auf den großen Staatsstraßen müssen Personen- und Lastkraftwagen von Arbeiter­kolonnen aus den Schneemassen her­ausgegraben werden. Auf der Staatsstraße WeimarBerka liegt der Schnee stellenweise zwei Meter hoch. Die Schneepflüge arbeiten in angespannter Tätigkeit. Auch in der Greizer Gegend sind die Verkehrsstockungen sehr erheb­lich. Aus den Wäldern auf den Thüringer Ber­gen wird allgemein großer Schneebruch ge­meldet.

Verkehrsstörungen in Pommern und Mecklenburg.

Stralsund, 16. Ion. (WB.) Infolge des Schneesturmes, der seit gestern aus nordwestlicher Richtung weht, sind starke Schneeverwehungen

eingetreten. Fast alle vorpommerschen Kleinbo hnen liegen still. Bei der Stoatsbahn Saben die Schweden-Züge zwei- bis dreistündige Verspätungen. Auch im Fernsprechverkehr sind starkeStörungen aufgetreten. Der Schiffsverkehr von Stralsund nach Rügen ruht vollständig. Dos gestern und heute anhaltende Schneetreiben hat auch in Mecklenburg zahlreiche Zugverspätungen und sonstige Verkehrsstörungen hervorgerufen. Die O-Züge WarnemündeBerlin und Warnemünde Hamburg hatten größere Verspätungen, weil die deutsch-dänische Fähre infolge Schneestur­mes mit 35 Minuten Verspätung im Wamemün- der Hafen eintraf. Heute früh kam die dänische Fähre infolge des Schneesturmes mit 30 Minuten Verspätung in Warnemünde an. Rach den gestri­gen starken Schneefällen brachte der heutige Schneesturm im ganzen Lande Schneemengen, wie man sie seit Iahren nicht erlebt hat. Die Verkehrsstockungen nehmen im­mer größeren Umfang an. In Schwerin mußte heute jeglicher Straßenbahnverkehr eingestellt werden. Der Schneesturm dauert mit unverminderter Heftigkeit an.

Schwerer Sturm auf Rügen.

Tie Insel von jedem Verkehr abgeschnitten.

Saßnitz, 16. Jan. (WB.) Nachdem der feit gestern über Rügen wehende, von schweren Schnee­böen begleitete orkanartige Sturm aus Südwest sich heute morgen gelegt hatte, sprang gegen Mittag der Wind noch Norden um. Der Sturm setzte mit großer Gewalt wieder ein und trieb große Schneemassen daher. Die Insel Rügen ist augenblicklich von jedem verkehr abge- schnitten. Alle Straßen sind unpassierbar. Der nachmittags gegen 2.30 Ahr hier fällige Per­sonenzug, in dem sich etwa hundert die Realschule in Bergen besuchende Kinder befinden, geriet ungefähr zehn Kilometer vor Saßnitz im Schnee s e st. Der gegen 4 Ahr hier fällige Schwedenzug ist auf dem Trajektschiff zwischen Stralsund und Rügen im Eise fferfengeblieben. «Er war bis acht Ahr abends noch nicht eingelroffen, und es liegt noch keine Nachricht vor, ob und wann er eintrifft

Schweden.

Stockholm, 16. Ion. (Tel.) Der furchtbare Schneesturm, der über Stockholm und den größten Teil Schwedens hinwegtvbt, hat viele Un­glück s f ä l l e im Gefolge gehabt. Zur Zeit hält die Stärke des Sturmes nvch unvermindert an. Die Stadt W e st e r v i k ist von den Schneemassen fast zugedeckt. Der Schnee reicht bis zum 2. Stockwerk hinaus. Der Eisenbahnverkehr kann in ganz Schweden nur unter den größten Schwierigkeiten auch nur teilweise auf- rechterha lten werden. Dampfer, die in Stock­holm eintrafen, glichen riesigen Eisbergen. Der DampferElla" aus Trelleborg strandete vor den Aaland-Inseln.

Mannschaften mußten in den dunklen Räumen solange schwimmen, bis auch hier die Türen auf- geschlagen wurden. Ein Teil der Ladung wurde schwer beschädigt, die Post vollständig durchnäßt. 289 Passagiere der 3. Klasse mußten in anderen Räumen untergebracht werden. 2llS her Dampfer

eintraf, war die Mannschaft immer noch damit beschäftigt, das Wasser tonnenweise aus dem Innern des Dampfes auszupumpen. Die Majestic", die jetzt der LondonerWhite Star Line" gehört, ist der frühere deutsche Riesen­dampferFürst Bismarck".

Katastrophe eines holländischen Rettungsbootes.

Wie aus Hoek van Holland gemeldet wird, traf von dem südöstlich von Hoek van Holland gestrande­ten lettischen DampferB a l k a" die sunkentele- graphische Nachricht ein, daß das Motorret° tungsbootPrinz der Niederlande", das, auf die Hilferufe derBalta" ausgelaufen war, in der Nähe des Dampfers umgeschlagen sei, daß es aber derBalta" infolge des hohen'Wellen- ganges unmöglich sei, ein Boot zur Hilfeleistung auszusetzen. Daraufhin wurde von Stollendamm ein Rettungsboot abgelassen, das später berichtete, daß man das verunglückte Rettungsboot mit dem Kiel nach oben treibend gesehen habe, und daß von der Besatzung jede Spur fehle, lieber das Schicksal derBalta" laßt sich zur Zeit nichts Genaues sagen. Zwei Schleppdampfer ver­suchen, trotz der heftigen Brandung den Dampfer von der Seeseite aus zu erreichen.

Schlägerei zwischen Hamburger Zimmerleuten in Dresden.

In Dresden wurden etwa fünfzehn zugereiste An­gehörige der BereinigungF r e i e B o g t l ä n d e r", die im Boltshause eine Unterstützung abgeholt hat­ten, auf der Straße von etwa vierzig bis fünfzig Angehörigen der BereinigungRot-Schlipse und Schwarz-Schlipse^ mit Aexten und an deren Werkzeugen angegriffen, wobei zwei Vogtländer Stichwunden im Genick und Rucken davontrugen. DieFreien Vogtländer" flüchteten vor der Uebermacht über die Marienbrücke nach dem rechten Elbufer und wurden von den Angrei- fern oerfolgt. Die Fortsetzung der Schlägerei in der Neustadt tonnte jedoch durch inzwischen her­beigerufene P o l i z e i b e a m t e verhindert werden. Die Angreifer konnten bisher nicht f e ft ge­nommen werden.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das Ostseedruckfallgebiet füllt sich weiter auf. Sein« Kaltluftmassen an der Rückseite führten im Laufe des gestrigen Tages und in den Abend­stunden zu Frostverschärfung. Iedoch wurde wäh­rend dec Rächt durch den Vorstoß milder Lust­massen von Westen her Temperaturanstieg und vorübergehender Schneefall verursacht. Gießen gestern abend 10 Grad Celsius, heute morgen 6 Grad Celsius. Da noch weitere leichtere Störungsbildungen nicht ausgeschlossen sind, ist bei zeitweisem wolkigen Wetter noch mit stellen- weisem Schneetreiben zu rechnen. Der Frost hält weiter an.'

Wettervoraussage für Freitag: Teils wolliges, teils aufheiterndes Wetter, Frost, noch vereinzelte Schneefälle.

W itt e r un g s a us s ich t en für Sams­tag: Wenig Aenderung der Wetterlage wahr­scheinlich.

Lufttemperaturen am 16. Januar: mittags6,2 Grad Celsius, abends9,9 Grad Celsius; am 17. Januar: morgens 6,3 Grad Celsius. Maximum 4,9 Grad Celsius, Minimum11,2 Grad Cel­sius. Crdtemperaturen tn 10 Zentimeter Tiefe am 16. Januar: abends1,9 Grad Celsius: am 17. Ja­nuar: morgens2,8 Grad Celsius. Sonnen- scheindauer 6 Stunden.

Wintersporlnachrichten der Hess. Wetterdienststelle.

Vogelsberg (Hoherodskops): Schneetreiben, Temperatur minus 12 Grad Celsius, Neuschnee 15 Zentimeter, Gesamtschneehöhe 30 Zentimeter, Pulverschnee, Sportmöglichteit gut.

Odenwald (Tromm): Schneefall, 30 Centi­me ter Pulverschnee, minus 10 Grad Celsius, .Sport­möglichteit für Ski und Rodel sehr gut. Neukirchen: Sckneefall, 30 Zentimeter Pulverschnee, minus, 7 Grad Celsius, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.

Taunus: Kleiner Feldberg: Leichter Schnee-s fall, 12 Grad Celsius, 29 Zentimeter Schnee, 3 ( bis 5 Zentimeter Reuschnce, Pulverschnee, Sport­möglichkeit für Ski und Rodel gut.

Sauerland: Winterberg: Heiter, 18 Grad Celsius, 40 Zentimeter Schnee. 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, Pulverschnee. Ski und Ro­del gut.

Schwarzwald: Feldberg: Leichter Schnee­fall. 15 Grad Celsius, 125 Zentimeter Schnee, 11 bis 15 Zentimeter Reuschnee, Pulverschi^e, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut. Ruhe­stein: Leichter Schneefall,12 Grad Celsius, 83 Zentimeter Schnee. 11 bis 15 Zentimeter Reu­schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut.

Alpen (Garmisch-Partenkirchen): Heiter, 7- 17 Grad Celsius, 35 Zentimeter Schnee, 6 tnS 10 Zentimeter Reuschnee. Pulverschnee, Sport­möglichkeit für Ski und Rodel sehr gut. Berch­tesgaden: Wolkig, 12 Grad Celsius. 26 Zenti­meter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee. Pulverschnee, Sportmöglichteit für Ski und Rodel gut.