Ausgabe 
17.1.1929
 
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Nr. 14 Erstes Blatt

Vonnerstag, 17. Januar 1929

179. Jahrgang

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Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorfchrist 20% mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An» zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

Minister Brauns zur Lage Gcgeri den unumschränkten Parlamentarismus.

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Der schlesische Sejm fordert sofortige AusVeisung der deutschen Ingenieure Ein dahintautender Antrag der Regierungspartei angenommen.

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Poung in den Sachverständlgenausschutz zu be­rufen. Der Botschafter werde, sobald Washing­ton zugestimmt hat, nach Beuyork fahren, um Morgan und Boung persönlich ein» zuladen. Morgan beabsichtigt, Owen Boung als K o nf e ren z v or s i h end en vorzuschlagen, um so dem Wunsche der euro­päischen Mächte entgegenzukommen. Es heißt, daß die Washingtoner Regierung diesen Wunsch kaum ablehnen werde.

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denjenigen, der hier sein Derantwortungsbewuht- sein in einem recht merkwürdigen Lichte zeigte ist doch die Denkschrift nur einem ganz engen Kreise von Personen zugänglich gemacht wor­den --, ausfindig zu machen. Die Denkschrift be­sagt ja nichts Neues. Sie deckt sich beinahe wörtlich mit jener R e v e , die der Reichswehr­minister anläßlich des sozialdemokratischen An­trages auf Einstellung des Panzerkrcuzerbaus im Reichstag hielt. Die einzelnen Gründe, die General Groener dabei für die Erhaltung unserer Marine anführt, sind nach keiner Rich­tung hin neu. Sa, man kann beinahe sagen, daß sie jedes Kind im Schlafe hersagen kann. Ob die Gründe in militärischer Hinsicht über­zeugen können, muß dahingestellt bleiben, auf jeden Fall wird der englische Marineminister lächeln, wenn ec sie liest, da er nur zu gut weiß, daß nur ein englisches Llnterseebvot genügt, um die paar deutschen Panzerkreuzer sang- und klanglos in die Luft zu sprengen.

Auf jeden Fall aber können die Worte Groe- ners auch heute nur in jeder Beziehung unter­strichen werden, sind doch seine Gedanken ge­tragen von dem 'Bewußtsein, wie es die Mehrheit des deutschen Volkes hat. daß das friedliche deutsche Volk zumindest alles tun muß, um seine Existenz verteidigen zu können, und seine Neutralität zu erhallen. Diese Worte bedeuten nach keiner Richtung hin eine Abwei­chung von der deutschen Friedens- und Verstän­digungspolitik. 3a, im Grunde genommen sind sie vorzüglich geeignet, den aufrichtigen Leser dieser Worte, wenn er wirklich den Mut hat, sich zu seiner Aufrichtigkeit zu bekennen, von der un­erschütterlichen Friedensabsicht Deutsch­lands zu überzeugen. Die nächsten Tage werden das oben zitierte ausländische Pressegeschrei brin­gen. Dann wird es sicher wieder ruhig um diese Frage werden. Eins aber sollte der Verrat der Denkschrift zu lehren geben, daß wir in Zukunft lieber alles laut sagen, um den anderen keine Veranlassung zu einer Hetzkampagne zu geben.

Freiburg i.D., 16. San. (WB.) Sn einer Zentrumsversammlung bezeichnete es der frühere Reichsarbeitsminister Dr. ~______5

als zweifelhaft, ob gerade jetzt der gün­stigste Zeitpunkt für die Aufrollung der R e- pa r a t i o n s f r a g e sei. Die durch den aus­ländischen Kapitalzufluh in Gang gebrachte deutsche Wirtschaft werde erst in der kom­menden Zeit beweisen müssen, ob sie von sich aus der Schwierigkeiten Herr werden könne. Lleberhaupt sei jeder Optimismus in der Frage der Reparationen unange­bracht. Sn der Snnenpolitik sei die Ver­fassungsreform die wichtigste. Das Zen­trum sei nicht nur Bürger, sondern auch Bürge des Dolksstaates, das bedeute aber nicht, dah

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Eine geheime Denkschrift Eroeners in England veröffentlicht.

Ein vertrauliches Memorandum des Reichswehrministers über die Notwendigkeit des Panzerkreuzerbaus erscheint in einer britischen Zeitschrift.

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Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

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Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Bezugspreis für2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112.

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kattowih, 16. Ian. (IIL) Nach dem Zusam­menstoß zw.schcn Stresemann und Zaleski aus der letzten Völkerbundstagung in Lugano wird von der polnischen Presse und den polnischen Verbänden eine wüste Hetze gegen die deutschen 3 n - genieure in der O st oberschlesischen Schwerindustrie getrieben. 3n der Mittwoch- sihung des Schlesischen Sejms ist von der Regie­rungspartei ein Dringlichkeitsantrag ein­gebracht worden, der den Wojwoden auffordert, Feststellungen zu treffen, wieviel deutsche Kräfte in der ostoberschlesischen Industrie noch vorhanden sind. Weiter verlangt der Antrag so­fortige Ausweisung aller Ingenieure und Direktoren deutscher Staatsangehörigkeit. Vor allem sei der Nachweis zu erbringen, daß Polen keines­wegs von deutschen Fachkräften ab­hängig ist. Namens des Deutschen Klubs wandte sich Ehesredakteur Dr. Pont gegen diesen Antrag und betonte, daß die oberschlesische Bevölkerung keine nationalen Phrasen, sondern Arbeit und Brot wolle. Aber Arbeit und Brot würden in Oberschlesien nur dann vorhanden sein, wenn der Friede herrsche. In namentlicher Abstim- mung wurde der Antrag mit 16 gegen 13 Stimmen bei 19 Enthaltungen angenommen.

Echo der Zaleskr-Nede.

Berlin. 16. San. (Sil.) Sn politischen Krei- fen Bertens ist nicht unbemerkt geblieben, baß Zaleski in seiner Rede, die er gestern im Aus­wärtigen Ausschuß des Sejm gehalten hat, einen milderen Son anschlug, als in seiner letzten Vede über dieBegebungen mit Deutschland. Trotzdem kann man nicht umhin, auf einige Punkte hinzuweisen, die der Richtigstellung bedürfen. Da­bei handelt es sich vor allem um die Behauptung, Deutschland betreibe eine Revision spropa- ganda. Es wird darauf hingewiesen, daß an­gesichts dec unerträglichen Grenzverhältnisse die Frage einer Grenzregulierung zu einem späteren Zeitpunkt, natürlich auf Grund des Ver­sailler Vertrages, im Auge behalten wer­den müsse, daß aber von einer Revisionspropa- ganda durchaus nicht die Rede sein könne. Auch die Behauptungen Zaleskis in dec Minder­heitenfrage bedürfen der Richtigstellung. Za­leski hat behauptet, daß ebensoviele Polen in Deutschland lebten, wie Deutsche in Polen. Tatsache ist, daß in Polen 1 200 000 Deutsche leben, während sich in Deutschland ein sch l. der Wanderarbeiter nur 600000 Polen aufhalten. Was die Erklärungen Zale-

Owen Young Vorsitzender des Sachverftändigenkomitees? Keine Nücktrillsabsichien Parker Gilberts.

Deuyork, 16. San. (Sil.) Parker Gilbert erklärte zu den Gerüchten über seine angeb­lichen Rücktrittsabsichten:Das ist das erste- mal, daß ich davon höre. Sch glaube, diese Erklärung genügt! Trotzdem wird hier erneut davon gesprochen, daß Parker Gilbert in das Bankhaus Morgan eintreten werde, falls die Sachverständigen eine Lösung der Reparationsfrage finden sollten. Man weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der Posten des Reparationsagenten zu einem rei­nen Derwaltungsposten werden würde, falls _ es gelingen sollte, die Reparationsfrage endgültig zu lösen. Sn Washington erwartet man am Dienstag den Besuch des engli­schen Botschafters im Staatsdepartement zur Unterbreitung der Vorschläge, Morgan und

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General-Anzeiger für Gberheffen

Druck und Verlag: vriihl'sche Universitäts-Buch- und Vtekndruckerel R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

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Ungeklärte Lage in Kabul.

Wird der neue König des Aufstandes Herr werden?

Kairo, 16. San. (Sei.) Wie aus Kabul be­richtet wird, verlangen die Aufständischen von dem neuen König, daß Amanu llah vor ein Kriegsgericht gestellt wird. Batscha-S- Sakau verlangt seine Beförderung zum General sowie die gerichtliche Verfolgung aller Mitarbeiter der Refonn Amanullahs. Das Flug­zeug. mit dem Amanullah nach Kandahar flie­gen wollte, soll im letzten Augenblick von den Aufstcnrdischen geraubt worden fein. Englische Nachrichten besagen, daß Amanullah sich zu­sammen mit seinem Bruder im Schlosse auf* hält und daß Königin Suraja sich bei ihm be­findet. Die türkifche Mission, die kürzlich in Afghanistan eintraf, wird sich wieder nach ihrer Heimat zurückbegeben.

Englische Meldungen bestätigen, daß die Ab­dankung Amanullahs die Aufstände in Afgha­nistan nicht beendet hat. Amanullah habe in der letzten Zeit zahlreiche Warnungen erhalten, daß fein Leben in Gefahr fei. Obwohl ein be­herrschter Mann, habe er persönlich eine Ent­scheidung getroffen, die Afghanistan in weiteres Unglück stürzen fönne. Englische Kreise in Sndien feien der Auffassung, daß sich auch der britische Gesandte in großer GefaHr befinde, nachdem der Einfluß Amanullahs beseitigt sei. Ser neue Herrscher sei anscheinend nicht die starke Persönlichkeit wie sein Bruder. Sn Sndien fei bereits die Rede davon, daß während der nächsten zwei Sahre keinem Europäer das 'Betreten Afghani st ans erlaubt werde. Der Vertreter der afghanischen Regierung in Karatschi, ein persönlicher Freund des neuen Königs, habe erklärt, die Thronbesteigung Snayat- ullahs stelle wahrscheinlich den Versuch dar. die Aufständischen zur Niederlegung der Waffen zu veranlassen.

Nach den bis znm Spätabend des Mittwoch ein- aegangenen Mitteilungen aus Afghanistan ist die Lage in Kabul nach wie vor sehr unklar. Für die Sicherheit der europäischen diplomatischen Ver­tretungen in Kabul besteht vorläufig keine Besorg- nis, doch wird betont, daß für alle Fälle von den englischen Behörden in Indien die Lage sehr aufmerksam verfolgt wird. Zwischen den maßgebenden Stellen in Indien und der Londoner Regierung ist ein ständiger Meinungsaustausch im Gange, offenbar, um etwa notwendig werdende wichtige Entscheidungen ohne Verzögerung treffen zu können. Sowohl die afghanische Gesandtschaft wie das britische Außenministerium sind vorläufig noch in direkter Verbindung mit Kabul. Die afghanische Gesandtschaft erklärt, daß die Ab­schaffung der Verfassung oder die Auflösung des Parlaments wenig wahrscheinlich seien. In Neu- Delhi sind Berichte eingegangen, wonach die Rebellen Iagdalak etwa in der Mitte zwischen Iallalabad und Kabul angegriffen und eingenom­men haben sollen.

Die Telegraphen-Agentur der Sowjetunion ver­öffentlicht Nachrichten aus Kabul, wonach um bie Stadt scharfe Kämpfe im Gange seien. Die Aufständischen sollen erklärt haben, den Zu­sagen des Königs Amanullah und dessen Bruder nicht zu trauen. Sie verlangen, bie englische Gesandschaft in Kabul solle bie Garantie dafür übernehmen, daß Amanullah und sein Bru­der bie Reformen a u f h e b e n. Die Funkoer» binbung zwischen Kabul und Taschkent ist bisher noch nicht wieberhergestellt. Auch bie Flugzeugver» binbung kann infolge hohen Schnees nicht aufrecht­erhalten werben.

skis zu den deutsch-polnischen Handelsvertrags- Verhandlungen angeht, so hat Polen bis aus den heutigen Tag noch nicht in genauer Form seine Forderungen dacgelegt, obwohl es immer das Gegenteil behauptet.

polnische Minderheilenpoliiik.

Illustration zur Zaleski-Rede.

Berlin, 16. San. (SH.) DieDeutsche All­gemeine Zeitung" beschäftigt sich mit den zahl­reichen Uebergriffen der polnischen Verwaltung gegenüber der deutschen Minderheit in Polen und erwähnt dabei u. a. folgenden neuesten Fall: Was die Polen bei ihrer Liquidierungs­wut gerade an den zahlreichen Heimen der deutschen Frauenvereine. an den Kran­kenhäusern und ähnlichen Einrichtungen gesün­digt hätten, sei der Welt meist unbekannt. Bis­her verschont geblieben sei das evangelische Diakonissen Haus in Thorn, ein Muster an Sauberkeit und Ordnung. Wörtlich schreibt die Zeitung:Sn seinen 'Betten werden zu 90 v.H. polnische Kranke von acht deut­schen evangelischen Schwestern des Königsberger Diakonissenhauses musterhaft verpflegt, von denen sieben die polnische Staatsangehörigkeit besitzen. Nachdem bereits im Herbst eine reichsdeutsche 'Schwester zur Abwanderung gedrängt wurde, soll jetzt auch die letzte reichs­deutsche Pflegerin, die Schwester Amalie Block, ihre Arbeit verlassen.''

Bosnier unb Wfwr ch, duesmattt mar Äfi^ heute iiriZusMiM Arminen Gefragter, ber & »eranbert. Lagergeld 4 bis | 5 bis 8^ o.fj., NaniuvM iertaf zeigte lein einheitlich« Wonbers stark gedrückten

2 v.h. erholen, bo bk eile Deckungen vomhin.

3 -G.-Farben und am Dorn eidenwerten (äpm "den. Die Kurse waren hi« ungen ausgesetzt.

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M 2m MhlmarÜ r tut für April- und Mai euw Zntensst. 64 W 2350; Logzen 23; Svmn- e 2425 bis 2450; inL^ (gelb) für SW-, uM süddeutsches Lpez^

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London, 16. Ian. (WTB.) In der Januar­nummer der ZeitschriftReview o f Re­views" veröffentlichtNauticus" die Ueber- setzuna einer angeblichen Denkschrift des Reichswehr mini st ers Gr. oener, durch die er die deutschen Parteifiihrer davon zu überzeugen gesucht habe, daß der Panzerkreuzers ge­baut werden müßte. In der Einleitung sagt Nauticus":Die Denkschrift wirft ein Helles Licht auf die deutsche Seepolitik. Sie enthüllt auch die Ansichten des Reichswehrministeriums über die jetzige internationale Lage und ist daher eines der mtereffanteften Dokumente der Nachkriegsjahre. Offenbar sollte bie Erklärung General Groeners die beutschen politischen Führer für bie Bewilligung bes Voranschlags des Panzerkreuzers günstig stim­men. Gewichtige Einwendungen könnten gegen feine Argumente erhoben werden, ich halte es aber für bas Beste, von jeber Bemerkung ober Kritik abzusehen unb bie Denkschrift, bie bisher geheim- gehalten würbe, für sich selbst sprechen zu lassen".

Die Uebersetzung beginnt:Vertraulich. Der Reichswehrminister. Be.lin, November 1928. Das Panzerschiff." In dem Text wird u. a. ausgeführt, völlige Verteidig ungslosigkeit eines Landes bedeute geradezu eine Einladung an Mächte, die deutsches Gebiet begehren.Würden nicht die Polen geradezu nach Ostpreußen I) i n e i n g e l o d t werden, wenn sie nicht mehr fürchten müßten, ihren Weg durch Verteidigungs- Mittel gesperrt zu finden? Wenn unsere Grenzen wirklich sicher sind, dann ist dies der Fall, weil der Staat seine Kräfte, und vor allem bie Verteidi- gungsftreitfräfte, in die Hand genommen und sie entwickelt hat. Er schuf ein Risiko für A n - greifen, bas wirksam sein wirb, wenn unb so lange der Staat seine Waffen scharf hält. Die be­waffneten Streitkräfte haben einen Einfall auf deutsches Gebiet zu verhindern unb die Grenzen zu schützen, bis entweder der Völkerbund oder eine Großmacht zugunsten Deutschlands interveniert."

Die DenF^-ri,. erinnert an die Bei Vergrei­fung von Fiume durch Stallen, von Wilna durch Polen und von Memcl durch Litauen und sagt: Sn jedem dieser Fälle war der Zweck des Cin» lalls, eine vollendete Tatsache zu schaffen, und feine Wirkung war, bdfo Die Besitzergreifung des Gebietes zu einer gesicherten Sn« Besitznahme wurde. Das Verhalten Polens ist ein weiterer Beweis dafür, daß dieser Fall tatsächlich eintreten (ann. Polnischer Hunger nach deutschem Gebiet in Ostpreußen oder Ober- ichlesien und polnische polick!che Betätigung sind leine Geheimnisse." Weiter wird unter anderem die militärische Ausbildung polnischer ziviler Vereine im Grenzgebiet erwähnt und gesagt: Die Zeichen deuten an, daß sowohl wirtschaft­lich als auch durch Bearbeitung der Einwohner die Polen ein Sprungbrett für einen Einfall schaffen."

Dann wird als Aufgabe der Verteibigungsstreit- Iräfte der Schutz der Neutralität im Falle eines Konfliktes zwischen fremden Mächten erwähnt. Ls wird hingewiesen auf bie Gegensätze zwischen der Tschechoslowakei unb Italien, Italien unb Jugo­slawien, Polen unb Litauen mit Rußland im Hintergrund, England und Rußland sowie England unb Frankreich einerseits unb Amerika andererseits. ,Es ist bloß eine Frage der Zeit, daß diese Gegen- ätze ausgefochten werden." Hierauf wird bie Ver - : e i b i g u n g Ostpreußens gegen einen polni­schen Einbruch ausgeführt, in einem solchen Falle würde eine Versorgung Ostpreußens mit Mannschaf­ten und Munition nur auf betn Seewege möglich fein. Die deutsche Kriegsflotte werde hierzu wr in der Lage sein, wenn sie in der Ostsee gegen­über Polen bas Uebergewicht habe. Gegenwärtig besitze sie es, werde es aber in Zukunft vielleicht acht mehr besitzen, wenn sie mit einer polnischen, duich französische Schiffe verstärkten Flotte zu rechnen haben werde. Am Schlüsse wird noch unter möerem gesagt, der Bau der Schiffe sei auch not­wendig für bie Ausbildung und Erhal - iung des Kampfgeistes der deutschen Flotte unb sei aus wirtschaftlichen G r ü n- d e n erforderlich, weil bie Instandhaltung der völlig veralteten Linienschiffe immer teurer werde.

Indiskretion oder Diebstahl?

Berlin, 16. Ian. (TU.) Die von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist die in derReview of Ileviews" veröffentliche vertrauliche Denksä)rift des 2eichswehrministers außer den Kabinetts- Mitgliedern auch auf besonderen Dunsch eini­gen Länderregierungen sowie einigen Leichstagsabgeordneten, die an der Aussprache über die Panzerkreuzerfrage beson - 1>e rs beteiligt waren, zugestellt worden. Die Untersuchung, a u f w e l ch c w e i s e die Denkschrift ober eine Abschrift dieser Denkschrift von irgend- eInem Inhaber dieser Denkschrift in englische Hände geraten ist, dauert noch an. Im Gegen- I°h zu einet Blättermeldung handelt es sich nicht um eine Denkschrift der Reichsregierung, sondern des Reichswehr Ministers. Im übrigen oer- biene hinzugefügt zu werden, daß in der englischen

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Veröffentlichung, die sich ziemlich wörtlich mit der deutschen Denkschrift deckt, irgend etwas sen­sationelles, das über das bekannte und in den Aussprachen des Reeichstages Gesagte hinausgeht, nicht enthalten ist.

Verpuffte Gensation.

Don unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 17. San. Wickham Steeb, der Herausgeber der englischen ZeitschriftReview of Reviews", der so gern der König der Repor­ter sein möchte, und auf eine bisher noch nicht aufgeklärte Weise, die ihm vielleicht manches Pfund Sterling gekostet hat, wenn nicht andere politische Machinationen im Spiele gewesen sind, die vertrauliche Denkschrift des Reichswehrmini- sters über den Panzerkreuzer A zu veröffentlichen- in der Lage war, wird sicherlich wenig Freude mit seiner Publikation erleben können. Mag sein, daß er auch noch manches Pfund Sterling zur Finarczierung des nunmehr zu er­wartenden Echos in der Presse verwandt hat, wobei man schon int voraus fast wörtlich die einzelnen Kommentare zitieren könnte, die wie­der etwas von Deutschlands geheimen Rüstungen, von der deutschen älnehr- lichkeit und dergleichen wissen wollen, um immer wieder ihre alten reichlich abgegriffenen Phrasen geistlos ins Feld zu führen. Vielleicht wird er auch noch andere derartigeSensa­tionen" in Reserve haben, ist man es doch bei ihm gewöhnt, daß er in solchen Fällen zumeist mit einem Mitrailleusen- Feuer aufwartet, das gewissen Auslandskreisen eine angenehme An­regung zur Hetzkampagne stumpfsinnigster Art gegen Deutschland bietet. Das spielt int gegen­wärtigen Augenblick eigentlich keine große Rolle.

Die Veröffentlichung selbst kann aller Wahr- sckteiulichkeit nach nur durch eine geradezu bei­spiellose Sndiskretion ermöglicht worden sein, doch wird es wohl kaum jemals gelingen,