Ausgabe 
16.12.1929
 
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Wunschzettel.

Von Ernst Lrffauer.

01(6 ich ein Knabe war, durfte ich zum Geburis- tag und zu Weihnachten einenWunschzettel" schreiben' mit aufgeklebtem Zierat popierner Blüten und Danken geschmückt:sah gar hold und jugendlich aus ü Die WorteGeburtstag" undWeihnachten" strahlten in einem starken, bunten Lichtschein, dos WortWunschzettel" dämmerte in einem sanften, einem Borweihnachts­glanz.

Damals wünschte ich mir denDreißigjährigen Krieg", dargestellt in zinnernen Soldaten: bläu­lich gepanzerte Kaiserliche Hellebardiere und hell­gelbes schwedisches Fußvolk: Gustav Adolf, in flachem Belief gebildet, ritt über den toten Trommler hinweg und wurde eben von einer Kugel getroffen. ich spielte damit und ahnte nicht, was Schlacht und Tod ist. Sväter wünschte ich mir die Erzählungen aus der deutschen Ge- schichte von Otto Spanier und Oscar Höcker. Der große König und sein Rekrut" undDas Ahnenschloß": ich las sie, wie ich mit den Sol­daten spielte, nicht ahnend, was notvoll große Geschichte ist. Dann stand aus dem Wunschzettel die Sammlung deutscher Gedichte von Theodor Echtermeher, die Gedichte von Storm, von Karl Busse, zahlreiche Reelams, lauter Dramen: Pot­pourris aus Opern, Wagner. Berdi. Das Rütz- liche. Handschuhe, Kragen, Krawatten, wurden nicht gewürdigt, aus dem Wunschzettel zu er­scheinen. und wenn es auf dem Tische der Gaben lag. ward es nicht beachtet. Der zinnerne Kampf deutscher Kolonialtruppen gegen die Schwarzen, mit kleinen aufstellbaren Zelten aus Leinwand und massiven Palmenbäumen, die leicht umfielen, weil Stamm und Krone zu schwer waren im Ver­hältnis zu dein schmalen tragenden Untersah; Hauffs Werke und Andersens Märchen das waren Geschenke: Manschettentnöpfe oder gar Strümpfe, dos galt nicht.

Heute wäre ich nicht abgeneigt, dos Nützliche auf einem weihnachtlichen Tischleindeckdich zu er­blicken, und die Bücher, nun das Metier bringt es mit sich, daß die Verleger die Wünsche erfüllen oder ihnen gar zuvorkommen Frei­lich. man empfängt auch etliches, was man nicht wünscht; aber manches Buch erfüllt mich mitten im Alltag des Jahres mit weihnachtlicher Freude 3a sogar Bücher, die aus einer Bibliothek ent­liehen werden, um einer Arbeit zu dienen !ön° nen das Haus mit einer festlichen Lust erfüllen wir feiern dannBibliotheksgeburtstag" oder Rezensionsweihnachten". Die Bücher also sind nicht mehr dem weihnachtlichen Tisch Vorbehalten

Oie Abstimmung.

Die volksparteiliche Opposition.

Berlin, 14. Dez. (DdZ.) Bei der Abstim­mung im Reichstag haben f ü r das Vertrauens­votum gestimmt gesch lasse n die drei Regie­rungsparteien der Sozialdemokraten, les Zentrums und der Demokraten sowie von der Deutschen Volkspartei 24 Mitglieder: dagegen hoben gestimmt ge­schlossen die Parteien der Deutschnalionolen, der Kommunisten, der Wirtschcn.s-ariei. der Deutsch- nationalen Arbeitsgemeinschaft, der Christlichen Bauernpartei, der Rolionalsozialisten und von der Deutschen Dollspartei 14 Mitglieder, von den vier Deutsch-Hannoveranern drei Mitglieder, fer­ner die beiden Mitglieder der Dolksrechtpartei Best und Lobe, und die keiner Partei angehören­den Abgeordneten Bruhn und Frölich (Leipzig). Die Gegenstimmen aus der Deutschen Dolkspartei wurden abgegeben von den Ab­geordneten Becker (EssenX Gramm, Dauch, v. Gilsa, Havemann, Hinymann, Hueck, Dr. Hugo, 3onson, Köngeter, Dr. Pfeffer, Schmid (Düssel­dorf), Dr. Schnee und Winnefeld. Die 22 Stim­men der Enthaltung wurden abgegeben von der Bayerischen Bolkspartei mit 12 Stimmen, von drei Mitgliedern der Deutschen Dolkspartei (Albrecht, Cremer und Leutheußer), sechs Mit­gliedern der Deutschen Bauernpartei und dem Deutsch-Hannoveraner Abgeordneten Dr. Alpers. Don der Deutschen Dclispartei entschuldigt fehlten die Abgeordne en Dr. Scholz. Beythien und Günther. Don der Kommunistischen Partei sind zurück noch ausgeschlossen die Abgeord­neten Koenen, Jadasch, Papke und Deutling.

Urteil her Presse.

Nach dem Vertrauensvotum.

Berlin, 15. Dez. (TU.) Die Berliner Blät­ter nehmen zu dem Abschluß der Regierungskrise durch Annahme der Vertrauensformel eingehend Stellung. Dabei wird von einem Teil der Blätter den Vorgängen in der volkspartei- lichen Reichstagsfraktion besondere Be­achtung geschenkt. DerVorwärts" schreibt, der schwerindustrielle Flügel in der Volkspartei habe gesiegt, er wolle die Krise, und zwar spä­testens nach der Haager Konferenz. Für alle anderen Regierungsparteien sei also Zeit, sich zu überlegen, wie sie sich zu dem Krisenwillen der Deutschen Volkspartei stellen wollten. S p ä - testens nach der Haager Konferenz werde über die Zusammensetzung der Reichs­regierung und ihren künftigen Kurs neu z u entscheiden fein. Komme es über kurz oder lang zur Krise, dann gebe es für die Sozial­demokratische Partei nur zweierlei: Entweder sie kehre stärker in die Regierung zurück oder gar nicht. DasBerliner Tageblatt" sagt, daß die Bayerische Volkspartei sich der dimme enthalten habe, sei vorgesehen gewesen, und man nehme den Bayern eine Extratour dieser Art nicht übel. Ernster sei es. daß eine große Anzahl volksparteilicher Abgeordneter gegen ihre eigenen Minister gestimmt habe.^- DieD. A. Z." schreibt, daß der Reichstag einer Regierung, unter der das Deutsche Reich an den Rand des Ban­kers tts gekommen sei, das Vertrauen aus- gespröchen habe, sei ein furchtbarer Beweis dafür, daß das Parlament mit den lebendigen Kräften des Volles und mit dem wirk­lichen Willen des Volkes so gut wie feine Fühlung m e ha: habe. Rur das sei ein klarer Lichtblick, daß von der Deutschen Vollspartei 14 Abgeordnete diesen Hohn auf das parlamen­tarische System nicht mitgemacht hätten.

DieBörsenzeitung" beschräE sich auf Iden Hinweis, daß in der Zentralvor- st a n d s s i tz u n g der D. V. P. der Wind gegen das Kabinett Müller-Hilferding, gegen die Fi­nanzreform und gegen die Derttauensformel für' das Reichskabinett noch erheblich schärfer geweht habe als in der Reichstagsfraktion. - DieGermania" hält es für zweckmäßig,

Kommunalwahleu in Ostoberschlesien.

Kattowih, 16. Dez. (TU. Funkspruch.) 3n Ostoberschlefien wurden am 3. Advents-Sonntag mehrere Stadtverordnetenversamm­lungen neu gewählt. Unter anderem sanden Stadtverordnetenwahlen statt in der Wojwob- schaftshauptstadt Kattowitz, in Bielih und meh­reren Landstädten, wie Lublinih, Pleß, Soh-rau und Loslau. 3n Kattowitz fetzte der Wahl- karnpf bei trübem regnerischem Wetter be­reits in der Rächt zum oonntag zwischen den einzelnen Plakatkleberkolonnen ein, wobei eine Kolonne der deutschen Wahlgemeinschaft am früheren Dlücherplatz von einer Kolonne der Regierungspartei, die mit Revolvern be­waffnet war, überfallen wurde. Ein deutscher Plakatkleber wurde in Gegenwart eines Polizei­beamten so schwer verletzt, daß er blutüber­strömt zusammenbrach und ins Lazarett geschafft werden mußte. 3n den Wahllokalen herrschte tagsüber starker Andrang, da die Wahlbeteili­gung infolge des Wahlzwanges min­destens 94 Prozent beträgt.

Gegen 4 Uhr morgens lag das vorläufige amt­liche -Wahlergebnis für Groß-Kattowitz üor: Unter Berücksichtigung der Listenverbindun­gen entfallen auf die Deutsche W a h l ge­rn e i n s ch a f t 22 Mandate, auf die Rationale Arbeiterpartei und Korfantypartei zusammen 18 Mandate, auf die Sanacjapartei 13 Mandate, auf die Liste der deutschen und polnischen Sozialisten 5 Mandate, auf die Liste der Juden 2 Mandate. Dieses Ergebnis bedeutet, daß die Sanacjapartei in Kattowitz in der kommenden Stadtverordneten­versammlung trotz der Aufstellung verschiedener Listen nicht den erwarteten Erfolg gehabt hat. Die Deutsche Wahlgemeinschast und die Korfanty­partei, die zu der Sanacjapartei in Opposition

stehen, haben das Uebergewicht mit 27 Mandaten. Bei den letzten Kommunalwahlen entfielen auf die deutsche Liste 34 Mandate, in die jedoch auch die deutschen Sozialisten mit einbegriffen sind, so daß sich ein Verlust von 9 Mandaten ergibt. Der Verlust der deutschen Wahlgemeinschast gegenüber 1926 beträgt aber genau gerechnet nur 7 Mandate, da die Deutsche Wahlgemein- schaft ohne die deutschen Sozialdemokraten 1926 29 Mandate hatte.

Pleß: Deutsche Wahlgemeinschaft 1379 (1926 1525), auf die polnischen Listen 1583 (1201). Die Mandatszahlen verteilen sich wie folgt: Deutsche 12 (14) und Polen 12 (10).

Lublinitz: deutsche Listen 763 (806) Stim­men, polnische Listen 1617 (1165). Mandate: Deutsche Wahlgemeinschast 6 (7), auf die polni­schen Listen 12 (11) Mandate.

Bielih: Sanierungspartei (polnische Regie­rungspartei) 6 Mandate (1926: 5 Mandate), die deutschen und polnischen Sozialisten 10 (8), die Deutsche Wahlgemeinschaft 14 (17), die Ost­juden 6 (6) Mandate.

Tesch en: Sanierungspartei 14 Mandate, pol­nische und deutsche Sozialisten 3 Mandate, Ostjuden 2. Deutsche Wahlgemeinschaft 10 (bis­her 14), polnische Juden 2, Deutsche Schnitter­partei 2, Korfantypartei 3 Mandate.

Bei einer kritischen Betrachtung des Gesamt­ergebnisses der ostoberschlesifchen Kommunalwah­len muh man berücksichtigen, daß d i e Zahl der Wahlberechtigten gegenüber 1926 eine starke Vergrößerung erfahren hat, die sich aus rein polnischen Kreisen zusammen- seht, während wiederum auf der anderen Seite eine starke Abwanderung Deutsch- gesinnter nach auswärts zu verzeichnen ist.

daraus hinzuweisen, daß der Abstimmungserfolg der Regierung weniger in der finanzpolitischen Vergangenheit des Kabinetts begründet liege, in der eine allzugroße Passivität und ein allzu geduldiges Mwarten gegenüber der wachsenden Finanznot des Reiches schwere Versäumnisse verschuldet habe, der Sinn des Vertrauensvotums liege vielmehr darin, daß die Regierungsmehrheit nach den offenen Darlegungen des Reichskanzlers für die drücken­den Ausgaben der Gegenwart und die finanz­politischen Arbeiten der Zukunft eine aktive und entschiedene Führung der Reichs­regierung erwarte. DerBörsen-Cou-- r i e r kommt zu dem Schluß, daß die bürger­lichen Parteien nicht dulden werden, daß das Finanzministerium abermals in Lethar­gie verfalle. Sie würden von der Sozial­demokratie die Erfüllung der Pflichten der Loyalität unmittelbar einfordern, ohne die keine Koalition weiterleben könne. Alle Kräfte müßten jetzt auf die Haager Verhandlungen konzentriert werden. Rach dem Haag beginne eine neue Phase. DieDeutsche Tageszeitung" sagt, die dreitägigen Reichstagsdebatten hätten die Klärung der Lage, die die Reichsregierung in ihrer Entgegnung auf das Memorandum Dr. Schachts angekündigt habe, in Wirklichkeit nicht gebracht. Finanz- und koalitionspolitisch handele es sich vielmehr zunächst nur um eine Art 311 * timo» Reg ierung. - DerSa g sagt, das Kabinett Müller habe sich mit schwacher Mehrheit für die Ausgabe gerettet, Deutschland auf der zweiten Haager Konferenz mit dem Voungplan zu beglücken, der schon in Wirklichkeit die Staatskrise des Deutschen Reiches herbei­geführt habe.

Baden und die Tabaksteuer.

Karlsruhe, 14. Dcz. (WB.) Auf Grund einer im Ministerium des Innern stattgehabten Bespre­chung mit Vertretern der Tabakindustrie wurde die badische Gesandtschaft in Berlin telegraphisch beauf­tragt, nachdrücklichst dafür einzutreten, daß bei einer Neuregelung der Tabaksteuer die heutige.Spanne

für den steuerbegünstigten Feinschni11, echten Feinschnitt (Pfeifentabak) und Zigaret­ten beibehalten wird. Eine entsprechende Steuerbegünstigung wurde auch für Zigarrentabake als unerläßlich erklärt, da es sich um eine Lebens­frage des badischen Tabakbaues handelt.

Oie Auseinandersetzung

in der O. X B. p. in Hamburg.

Hamburg, 14. Dez. (WB.) Der Landes­verband der Deutschnationalen Volkspartei Ham­burg veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt, daß die vor einigen Tagen veröffentlichte Ent­schließung des Angestelltenansschuf- s e s der Deutschnationalen Volkspartei von drei Vorstandsmitgliedern des Ausschusses gefaßt worden sei, ohne den Angestelltenausschuß überhaupt zu hören.Die Angestellten im Landesverband Ham­burg der Deutschnationalen Volkspartei", so heißt es in der Mitteilung weiter,denken n i ch t d a r a n, sich in politischen Fragen hinter Herrn Lambach zu stellen, dessen disziplinlose und grundsatzlose Hal­tung sie schon seit langem verurteilt haben. Sie stehen fest hinter der klaren, gradlinigen Haltung des Par­teiführers." Der V o r s i tz e n d e des Angestellten­ausschusses der Deutschnationalen Volkspartei, Lan­desverband Hamburg, Heinz Stange, hat feinen Austritt aus der Deutschnationalen Volkspartei und damit auch aus dem Vorstand des Landesver­bandes Hamburg erklärt.

Einigung der Ehristlichsozialen.

Frankfurt a. M., 15. Dez. (WTB.) Die am 15. Dezember in Frankfurt o. M. versammelten Vertreter der ChristlichfozialenReichs- bereinigung und des Reichsverbandes des Christlichen Volksdienstes haben nach offener und vertrauensvoller Aussprache die ein­mütige Ueberzeugung gewonnen, daß ein m ö g- l i ch st rascher Zusammenschluß dieser beiden Gruppen notwendig und möglich ist. Zur Vorbereitung der entscheidenden Beschlüsse der Dertrcterkagungen dieser beiden Gruppen, die am 27. Dezember in Berlin stattfinden, wurde ein

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Roten kauft man sich, wenn man selten von einem inneren Erlebnis unaufhaltsam ge­zwungen wird, und das Rützliche empfinde ich auch heute im tiefsten Herzensgründe als nicht geburtstäglich und nicht weihnachtlich.

Was also schreibe ich heute auf meinen Wunsch­zettel? Bücher, die es nicht gibt: ich selbst habe sie ersonnen, aber ich kann sie nicht schreiben, teils aus Mangel an Zeit, beim ich schreibe andere, oder aus Mangel an Kenntnissen.

3ch wünsche mir also:

Erstens: eine Geschichte des menschlichen Glückes. Vor Jahren, in Zeiten öffentlicher und persön­licher Kümmernis, tarn mir der Wunsch, daß je­mand darstelle, welche Erlebnisse und Ereignisse, welche Beziehungen und Verbindungen die Men­schen im Laufe der Jahrtausende beglückt haben: die Liebe, die Ehe, die Familie. Freundschaft und Kameradschaft: Arbeit des einzelnen, gemein­same Arbeit: Gefühl der Verbundenheit in Stam­mes- und Schicksalsgemeinschaft, in Gau und Heimat, in Städten und Ländern: das Erlebnis der Ratur: das Erlebnis der Gottheit. Und das Glück des Menschen, dem gegeben ist, sich aus­zuzeichnen. die rettende, die befreiende Tat: das Erlebnis des Staatsmannes, des Erfinders, des Entdeckers, des Gelehrten, des Philosophen, des Künstlers, des schöpferischen Menschen von jeder Art und Gestalt: das Glück des Beginnens und das Glück des Endens. Das Glück jener Menschen, die eines frühen und jener, die eines leichten Todes sterben: das Glück des Todes nach einem in Wahrheit vollendeten Leben. All dies, wie es sich durch die Jahrtausende in den wechselnden Zeiten, in den vielfältigen Zonen gemäß der Artung der Völker und den Tnpen der Menschen gewandelt, wie es sich abgebilbet hat in Sitten und Bräuchen, in Kulten und Festen, in bauten und Bildwerken, in Musiken und Dichtungen, in Gesetzen. Lehren. Verkündigungen. Und so müßte es dargestellt, so erzählt und gestaltet fein, das Glück aus den Sätzen und Buchseiten leuch­tete und ein Mensch, der darin blätterte, Trost gewänne in aller Rotzeit seines Volkes ober seines eigenen Leben, da er erführe, von dem immerwährenden Glück, bas über bie Menschheit geschienen hat, als Gegenkraft des immerwähren­den Leides, das über der Menschheit gedunkelt hat.

Zweitens: Ein Bilderatlas zur Geschichte der Religion und der Religionen. Ein Kreis des Lebens, der in jenem Werk nur ein Kapitel be­schriebe. und nur in seinen freudigen und glück­lichen Auswirkungen spiegelt sich hier in der Folge der Bilder: bie Figuren und Statuen, in denen sich die Menschen aller Zeiten und Länder die Gottheit vorgestellt und dargestellt haben:

die Sinnbilder, die Riten, in denen diese ihre Verehrung formten, bie Bauten, in benen sie anbeteten unb bienten; die Trachten, Tempel und Synagogen: Moscheen unb Münster; Gebets­teppiche und Gebetsmühlen; der fiebenarmige Leuchter unb ber Kelch; Götter- und Heiligen­bilder; Athena und Istra: Zeus unb Janus, Buddha unb Christus, die mexikanische Mutter mit dem Kind und die europäische, die italie­nische, die deutsche, die russische: eine sicht­bare Geschichte der menschlichen Seele in ihrem Verhältnis zum Unendlichen. Die unabsehbare Vielfalt würde ausgebreitet, und die Fülle der Gemeinsamkeit würde erkannt.

Zum Dritten:Die Wasserspeier". Abermals ein Bildwerk hohen Formats; viele Tafeln im Umfange ganzer Seiten unb eingestreut viele Einzelheiten, Teile, Ausschnitte.Wasserspeier": ursprünglich nur Röhren unb Rinnen an ben gotischen Domen, aus benen bas Regen und Schneewasser absloß, aber von dem Reichtum miticlalterlicher Phantasie gewandelt unb ge­lt-' zu geflügelten Drachen unb gefieberten <\i die in wagrechter Wucht aus Dächern u::.> .oanden stürzen unb schnellen, Fabelwesen, Märchentiere, in Stein gedichtet, sichtbar ge­wordene Domsagen und Gemäuerträume, ge­formter Rachtalb des Baumeisters; später, in re­formatorischer Zeit, auch Spottlieder auf Rönne unb Mönch Unb in ber geleitenben Prosa mür­ber die schönsten Sagen von allen Domen und Munstern erzählt, die noch nirgends gesammelt wurden. Ein tiefschauender Blick würde aus manchem Spuk- unb Zaubergebilde die verhüllte Wesenheit ber oft namenlos verschollenen großen Gotile,- beuten. Die Wasserspeier finb das Satyrsviei an ber Steintragödie ber Dombauten.

Viertens. Eine Geschichte ber alten Reit- und Fahrpost. Ein heiteres Buch, fröhlich gebunden in postkutschengelb, mit postillionblauen Lettern ber Ausdruck Es erzählte, wie die Aegypter, die Perser, bie Römer ihr Postwefen ordneten, ein Weniges von dem Postwesen unserer Zeit­rechnung in den europäischen Ländern und des längeren unb breiteren von der Thurn und Taxisschen Post des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Ration. Darin stünden Geschichten unb Schwänke von Postillionen unb Posthaltern, Post- häusern und Postgästen, Postillionlieder und, in Roten gesetzt, Signale; Kinderreime von der Post und Gedichte kunsthafter Poeten. Und wiederum Bilder: Posthäuser, reich gezierte und schlichte Chaisen und Beiwagen; Uniformen und Zaum- zeuge; Posthalterwappen und -siegel, Fahr­scheine und Marken. Ein großes Stück Dölker- wesen, ein breitgespanntes Bild aus dem Be­reich deutscher Volksgeschichte.

Ausschuß eingesetzt. 3n diesen Ausschuß ent­sendet der Christliche Volksdienst die Herren Bausch, M. d. L., Kling, M. d. L. und Sitzendörfer, sämtlich aus Stuttgart, sowie Theophil Mann (Frankfurt a. M.), die Christ­lichsoziale Reichsvereinigung Professor Pfarrer Dei th (Franlfurt). Hülse r (Spandau), M. d. R. K lisch (Breslau), M. d. L. und Dudeh (Duisburg).

Oie Haager Konferenz.

Tas Juristenkomtlec hat seine Arbeiten beendet.

Brüssel. 14. Dez. (WB.) Die Arbeiten des Juristenkomitees zur Vorbereitung des Haa­ger Schlußabkommens sind zu Ende geführt worden. Das Komitee hat die Skizze eines Rahmenvertra ges hergestellt, der ben Voungplan und bie Kommissionsberichte als An­lagen enthält. Die Juristen sind einstimmig der Ansicht, daß bie technischen Voraus­setzungen für die Einberufung der zweiten Haager Konferenz nunmehr gegeben sind. Man erwartet hier, daß Ministerpräsident 3a - spar bie Konferenz für ben 3. Januar nach dem Haag einberufen wirb. Der ,,Daily Telegraph" schreibt: In biplomatischen Kreisen herrscht jetzt der Eindruck, daß die zweite Haager Konferenz, wie geplant, am 3. Januar zusammentreten unb imstande sein werde, ihre Aufgabe, abgesehen vielleicht von ber Frage der nichtdeutschen Reparationen, in verhältnismäßig kurzer Zeit zu erledigen. In ber Frage der Sachlieferungen bestehe noch eine beträchtliche Meinungsverschiedenheit zwi- < scheu Großbritannien und einigen Gläubiger­mächten. Was aber die Internationale Dank betrifft, so scheinen die Meinungsverschie­denheiten zwischen Großbritannien, Frankreich und Deutschland nur noch ganz unbeträchtlich $u fein.

England und der Krieg.

Ein Wort hätte den Kriegsausbruch verhindern können

London, 16. Dez. (WTB. Funhspruch.) General Sir John Hamilton sagte in einer Rede bei der Enthüllung eines Denkmals für die Gefallenen: Die englischen Staats­männer hätten den Krieg mit einem Wort verhindern können; aber f.e waren durch bie feit acht Jahren geführten und vor Parlament und Volk unb sogar vor einigen Ka- » binettSmitgliebem geheimgehaltenen m i - litärischen unb maritimen Bespre­chungen in verhängnisvoller Weise behin­dert und gebunden. Diese Besprechungen wurden von einer kleinen Gruppe Personen da­zu beirutzt, um der Regierung die Hande zu binden unb sie daran zu verhindern, im letzten Augenblick zu erklären:Wer zuerst mobil macht, muß daraus gefaßt sein, mit uns zu tun zu bekommen!" Im letzten Augenblick versuchte unser Staatssekretär des Aeuhern diesen Trumps aus­zuspielen, aber es gelang ihm nicht, weil die alliierten Mächte wußten, daß wir durch die militärischen Besprechungen ehrenhalber verpflichtet waren, an ihrer Seite zu kämpfen.

Die Sprengstoffaiieniaie in Norddeutschland.

Berlin, 14. Dez. (WB.) In ber Vorunter­suchung ber Sprengstoffattentate ist es den Unter- suchungsbehörden gelungen, aufzuklärcn, woher ber Sprengstoff stammt. Es ist festgestellt worben, baß er aus dem Steinbruch bes Mülheimer Steinbruchbesitzers Karl W c y a n b entwendet wor­den ist, unb zwar durch Einbruch in die Pulverkammer. Des Diebstahls bringenb ver­dächtig finb die 'Angeschuldigten Hans Nickels aus Heide unb der Juwelier Fritz Rehling aus

Weiter wünschte ich mir eine ganze Folge von Anekbotenbüchern. Wie eine einzige Bewegung * zuweilen das Innere eines Menschen auftut. so unter Umständen eine Anekdote. Anekdoten sind oft gesammelt worden: von Musikern, Dichtem, Malern, Parlamentariern, Mimen. Aber noch niemand hat die vielen trefflichen Geschichten ge­sammelt. die aus dem Leben von Hochschullehrern berichtet werden. Richt törichte Witze über Zer­streutheit, deren tiefe produktive Ursache der Philister nicht erkennt, sondern Begebnisse, und nicht ben trovato, sondern vero: Anekdoten von Kuno Fischer, dem Heidelberger Philosophen, Michael Dernays, dem Münchener Literarhisto­riker, von Virchow, dem Mediziner, und Momm­sen, dem Historiker in Berlin. Von Güte unb Bosheit, Energie unb Lässigkeit. Demut unb Eitel­keit; aus dem Kolleg, dem Seminar, dem Examen, wie sic zu Dutzenden umlaufen. Und das Buch hieße. ..Fröhliche Katheder". Und so sollte man überhaupt Akademikeranekdoten zusammentragen. Von Richtern. Staatsanwälten, Advokaten; von Pfarrern, von Chirurgen. Frauendoktoren. Land- ärzten. von Zoologen und Physikern, von Forst­leuten; von Ingenieuren; lustige Juristerei; hei­tere Theologie; vergnügte Medizin und so weiter. Da gäbe es Geschichten von Justizrat Staub, bem Kommentator des Deutschen Handelsgesetzbuches; von dem rheinischen Domkapitular Schnüttgen; von;alten Heyne", der vor hundert Jahren in Berlin ein bexühmter Arzt war. Salomonische Urteile, kluge Vergleichungen, kuriose Predigten und seltsame Beichten; ergötzliche Kuren und derbe Heilungen; all dergleichen stünde hier bei­sammen. und das Ganze hieße:Die lachenden Fakultäten". Und so wünsche ich mir auch Anek­doten von Bankiers und Börsianern, Fabrikanten und -Kaufleuten, von Baulustigen, Bauunter- t nehmern und Baumeistern; von Verbrechern, Dirnen und Bettlern. Ein Band aber sammelte Geschichten von den Leuten der seltenen und ab­seitigen Berufe: von weißen Männern, die als einzelne unter Schwarzen leben; von reisenden Forschern, von Kaufleuten unb Missionaren; von Astronomen, die ihr Geben lang auf einem Berg­gipfel in ihrer Sternwarte. Hausen; von Wärtern der Leuchttürme auf abgeschiedenen Inseln; von Tauchern und Bergleuten. Mutterwitz unb Schick­sal. scharfer und sanfter Humor, pathetische Sa­tire alles zusammen ein Speculum generis humani, ein Spiegel des menschlichen Geschlechts in Zügen unb Szenen, Worten und Gebärden. Ein Lehrbuch der Erfahrung, kurzum: eine Art Menschen-Brehm.

Und so wünsche ich mir noch mancherlei, Hei­teres und Ernstes, Schweres und Leichtes: übers Jahr schreibe ich einen neuen Wunschzettel.

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