Ausgabe 
16.12.1929
 
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Mukhenn. Rehling ist erneut verhaftet worden. Der Beihilfe verdächtig ist der Bruder des Stein- bruchbesitzers Robert Weyand, der vom Unter­suchungsrichter wieder freigelassen wurde, weil die Derdachtsgründe zum Erlaß eines Haftbefehls nicht ausreichten.

Aus dem Hessischen Landtag.

Zu der Darstellung des Landtogsabgeordneten D r. Werner (parteilos) in Nr. 291 desG. A." vom 12. Dezember schreibt uns der Landtagsabge­ordnete Schreiber (Dem.): Der Abgeordnete Werner (Butzbach) hat in Nr. 291 Ihres geschätzten Blattes «ine Ergänzung zum Ländtagsbericht vom 10. Dezember 1929 veröffentlicht, in dem es u. a. heißt:

Abg. Dr. Werner (parteilos) hot nicht daran An­stoß genommen, daß die Demokraten in Sachen Evangelische Landeskirche" einen Katholiken vor- schickten, sondern daran, daß dieser Redner (Abg. Schreiber) die evangelische Geistlichkeit kritisierte und glaubte, ifcr gute politische Lehren erteilen zu müssen."

Demgegenüber stelle ich fest, daß die vorstehende Behauptung des Herrn Abg. Werner über den In­halt meiner Rede den Tatsachen nicht entspricht. Ich l)abe weder die evangelische Geistlichkeitkritisiert" nochihr gute politische Lehren erteilt". Damit miß­glückt auch der Versuch des Herrn Abg. Werner, sei­nen unsachlichen, persönlichen Angriff nachträglich zu rechtfertigen.

Aus aller Wett.

Das Urteil gegen die Szotnoker Giftmischerinnen.

Der Szolnoker Gerichtshof fällte das Urteil in dem £ro}ef$ gegen die vier Giftmischerinnen. Die An­geklagte Jrau Lipka wurde zum Tode, die übri­gen drei Angeklagten zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt.

Die Verhaftung in (Eger.

Düsseldorf, 15. Dez. (WB.) Zu der Nachricht, daß ein Chauffeur Mayer in Eger unter dem Ver­dacht fe st genommen sei, mit den in Düsseldorf verübten Niördtaten in Verbindung zu stehen, wird von der Kriminalpolizei mitgeteilt: Die hiesigen polizeilichen Ermittelungen haben ergeben, daß Mayer vor Jahren in Düsseldorf an­sässig war, aber ausgewiesen worden ist. Durch Briefe, die er seiner Mutter geschrieben hat, konnte festgestellt werden, daß Mayer zur Zeit der Mvrdekaum in Düsseldorfgewesen sein kann. Zuletzt erschien er vor mehreren Mo­naten bei seinen hier wohnenden Angehörigen und hat einige Nächte bei seinem Bruder und bei sei­nem Freunde geschlafen. Er begab sich dann zu feinen Verwandten nach (Eger, wo er mehrere Briefe geschrieben hat. Hier ist nichts bekannt, daß Mayer wegen schwerer Verbrechen vorbestraft ist, seine Eltern erfreuen sich eines guten Rufes. Auf seinen Wanderungen habe sich Mayer lediglich geringfügige Strafen wegen Landstreicherei und un bedeutender kleiner Diebstähle zugezogen. Außerdem wurde festgestellt, daß Mayer, der die Reise nach Eger von Düsseldorf aus mit einem Fahrrad zurück­gelegt hat, die Tschechoslowakei zu einem Zeitpunkt erreicht hat, der es a u s s ch l i e ß t, daß er für die letzte Bluttat des Düsseldorfer Mörders, das an Ger- trug Albermann am 8. November verübte Kapital­verbrechen, in Frage kommt. Die Mutter Mayers ist infolge der Beschuldigungen, die in so bestimmter Form gegen ihren Sohn in aller Öffentlichkeit er­hoben wurden, ganz zusammengebrochen.

Neue Landverluste auf Sylt.

Wie von amtlicher Seite zu den Sturmschäden auf der Insel Sylt noch mitgeteilt wird, sind a n der Steilküste bei Wenningstedt er­hebliche Landverluste eingetreten. Vor der Wen- mngstedter Vadeanlage wurde der Landverlust auf 12 Meter beziffert und zwar an derselben Stelle, wo in den letzten beiden Jahren bereits 60 Meter verlorengegangen sind. Die Llbbrin- gung der drei gestrandeten Motorleichter mit ihrer umfangreichen Maschinenanlage, die einen Werk von je 160 000 Mark darstellt, wird sich schwierig gestalten und hängt nach den Erfah­rungen völlig vom Weiter ab.

Durch Starkstrom gelötet.

3n der Heimstättensiedlung in Dresden- Reick wollten zwei junge Männer eine Hoch­antenne ziehen. Dabei kam der Antennendraht mit einer 220-Volt-Starkstrornleitung in Berührung. Die beiden jungen Männer wur­den durch den elektrischen Schlag auf der Stelle getötet.

Mittelholzer zu einem neuen Afrikaflug aufgestiegen.

Oluf dem Flugplatz Dübendorf ist Sonntag­früh um 7.42 LIHr der bekannte schweizerische Afrikaflieger Walter Mittelholzer mit dem breünotorigen FokkerSwitzerland 3 zu einem neuen Qlfrifaflug gestartet, den er im Auftrage des Wiener Barons Rothschild als Iagdex - pedition ausführt.

Haftbefehl gegen den mexikanischen Lrpräsidcnt Calles.

Der frühere Präsident Calles erfuhr, als er mit derBremen" von feiner Europareise nach Neuyork zurückkehrte, daß die Behörden von Laredo im nordamerikanischen Staate Texas wegen Teil­nahme an der Ermordung zweier Of­fiziere der mexikanischen Armee einen Haftbefehl gegen ihn erlassen haben. Danach soll Calles bei seiner Durchfahrt durch die auf dein Wege nach Mexiko liegende Stadt Laredo verhaftet wer­den. Der' Haftbefehl bezieht sich auf den Tod des General Blanko und des Obersten Martinez deren Leichen mjt Handfesseln im Jahre 1922 in dem die Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten bildenden Rio Grande in der Nähe von Laredo gefunden wurden. Aus Washington wird hierzu gemeldet, daß Calles sich i m B e s i tz e i n e s Diplomatenpasses befindet, der jede Möglich­keit der Verhaftung auf amerikanischem Boden a u s- schlie ße.

Der Storch im Straßenbahnwagen.

Ein nicht alltäglicher Vorfall hat sich in einem Berliner Straßenbahnwagen zugetragen. Wäh- 'rend der Fahrt durch die Schönhauser Allee wurde plötzlich eine Insassin, eine 24- jährige junge Frau, von einem Mädchen entbunden. Der ungewöhnliche Vorgang rief natürlich unter den übrigen Fahrgästen lebhafte Bewegung hervor. Kind und Mutter wurden von einem Schupobecunten mittels Droschke in das Virchow-Krankenhaus gebracht.

Aus der Pwvinzialhauptstadi.

Dießen, den 16. Dezember 1929.

Prälat i. R. Walz f.

Prälat i. R. Geheimerat Dr. Karl Walz ist in der Rächt zum Samstag in Darmstadl im 8 3. Lebensjahr einem Herzschlag erlegen. Damit ist eine in Hessen weithin bekannte evangelische Persönlichkeit von hervor­ragenden Eigenschaften und nachhaltiger Wirk­samkeit aus dem Leben geschieden. Reben der hessischen Landeskirche, deren Oberkonsistorialrat, Superintendent und Prälat er gewesen ist, wer­den weite Kreise des Hessenlandes das Hin­scheiden dieses klugen und liebenswürdigen Man­nes betrauern.

Dr. Karl Walz war am 17. März 1847 in L i ch geboren. Er war 1870 Pfarrassistent in L i ch und Ei eßen, 1871 Dirigent der Höheren Bürgerschule zu Groß-Gerau, seit 1873 Hof- kaplan in Schonberg, bann Religionslehrer am Gymnasium zu Darmstadt, seit 1. November 1879 Pfarrer in Bad-Nauheim, seit 1. Juli 1892 Oberkonsistorialrat und Superin e rdenk von Rheinhessen, wo er, der geistvolle und fein­sinnige Mensch, seine besondere Fürsorge der Pflege der evangelischen Interessen in Mainz und in der Mainzer Diaspora zuwandte. Später wurde ihm die Würde eines Prälaten der hessi­schen evangelischen Landeslirche Anerkannt, die , er bis zu feinem lieber tritt in den Ruhest au.u im Jahre 1907 beibehielt. Seinen Ruhestand verlebte er in Darmstadt. Aus seiner literari­schen Tätigkeit ist zu erwähnen, daß er durch die Herausgabe eines Katechismus für die evan­gelisch-unierten Gemeinden in Hessen und eines Handbuches dazu den in diesem Jahr wieder aufgenommenen brennenden Fragen der Kate- chismus-Vereinheiilichung große Dienste geleistet hat. Eine Reihe von größeren und kleineren Aufsätzen theologischen und geschichtlichen Inhalts sind aus seiner Feder in verschiedenen Zeitschrif­ten und Blättern erschienen. Besonders aber wurde er bekannt, seitdem er 1907 die Welt­umschau desHessischen Evangelischen Sonntags­blattes' übernahm, die er bis zuletzt Woche für Woche durchgeführt hat. Er nerftanb es, das Wesen der großen weltgeschichtlichen Ereignisse klar zu erfassen und unter den Blickpunkt des Christentums zu rücken. Seine Umschau ist na­mentlich in der Desehungszeit, wo keine anderen Zeitungen in das besetzte Gebiet kommen durf­ten, vielen im besetzten Gebiet ein starker Halt gewesen. Als Prälat hat er die Evangelische Landeskirche lange Jahre in kluger und geschickter Weise in der Ersten Kammer vertreten. Auch seine Reden in der Landessynode haben immer überzeugend gechirkc. Während seiner Dad-Rau- heirner Täkigteit ist er zusammen mit Dr. Abe Begründer des Kinderhospitals gewesen. Dem Charakter des Verstorbenen entspricht es, wenn auf seinen besonderen Wunsch die heute in Darmstadt erfolgte Beerdigung in aller Ein­fachheit stattfand. Das Wirken des nach eurem arbeitsreichen Leben Heimgegangenen wird über das Grab hinaus unvergessen bleiben.

Laten für Dienstag. 17. Dezember.

Sonnenaufgang 8 Uhr, Sonnenuntergang 15.52 Uhr. Mondausganq 16.30 Uhr, Monduntergang 9.31 Uhr.

1493: der Naturforscher Philippus Paracelsus von Hohenheim in Maria-Einsiedeln geboren (gestorben 1541).

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Gieße­ner Konzertverein: Weihnachtskonzert, 19.30 Uhr, in der Stadtkirche. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die Jacht der sieben Sünden" undGrand Hotel". Astoria-Lichtspiele:Vorsicht! Zwangsjacke!" und Ein schwerer Fall".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben.: Morgen findet die erste Wiederholung des LustspielsDer Veilchen- srefser" statt, das vom Publikum mit starkem Beifall ausgenommen wurde. Das Stück wird kostümlich in seine Zeit zurückgespielt. Einer der größten Erfolge der Operettengastspiele Frankfurt a. M. in dieser Spielzeit warDie lustige Witwe", Operette von Franz Lehar, die von Direktor Baars vollkommen mojem in o^enc gesetzt wurde. Der k-azzrhythmus spricht sehr stark an.Die luftige Witwe" in dieser aparten Aufmachung geht das letzte Mal am Mittwoch, 18. Dezember, in Szene. Beginn 19.30 Uhr. Für Gießen war die Aufführung von Werfels Die Troerinnen" (nach Euripides) ein Ereignis. Richt nur die hiesigen Blätter, sondern auch aus­wärtige Zeitungen äußerten sich begeistert über die Gießener Inszenierung. Die von Intendant Dr. Prasch in Szene gesetzte Aufführung findet am Freitag, 20. Dezember, zum letzten Mal statt. Der Sonntag, 22. Dezember, bringt wieder zwei Vorstellungen: Rachmittags 15 Ahr:Das tapfere Schneiderlein", abends 19 Ahr:Scribbys Suppen sind die besten!", von Julius Berstl. Die Weihnachtspremiere wird Ortners dramatische Legende 'Tobias Wunderlich" sein. Operetten­premiere am 2. Feiertag:Die keusche Susanne".

Hessische Bauern an der Wolga und der Bolschewismus", lieber dieses Thema spricht auf Einladung der theologischen Fach­schaft Gießen am morgigen Dienstagabend im Gro­ßen Hörsaal der Universität Pfarrer Wagner von Bensheim. Der Vortrag wird durch Lichtbilder be­reichert. Man beachte die heutige Anzeige.

L. A. Von dar Landes-Universität. Dr. med. Friedrich Bernhard, der sich für das Fach der Chirurgie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, wird Dienstag, 17. De­zember, 17 Ahr, in der kleinen Aula seine öffent­liche Probevorlesung halten über das Thema: Die aktuellen Probleme in der Chirurgie der akuten Pankreaserkrankungen".

3* Der'Silberne Sonntag. Statt Schnee und Eis, die nun einmal zur Romantik der Weih­nachtszeit gehören, brachte uns auch der gestrige Sil berne Sonntag ein Wetter, mit dcm man herzlich wenig zufrieden war. Ununterbrochen bis in den Abend hinein strömte der Regen hernieder und machte den Aufenthalt in den Straßen alles andere, nur nicht angenehm. Trotzdem war der Fremden­zustrom aus der Umgegend nach Gießen und die Wanderung der Einheimischen nach den Geschäfts­straßen recht rege. Die Reichsbahn hatte Hochbetrieb, ebenso wurden die Kraftomnibuslinien sehr stark in Anspruch genommen. Aus der Bahn brachten die mit Höchstbelastungsstärke gefahrenen Mittagszüge aus allen Richtungen Menschenmassen an, deren Ein­marsch in die Stadt die obere Bahnhofstraße riesig anfüllte. Der Besucherstrom verteilte sich bann in die verschiedensten Geschäftsstraßen, wo sich alsbald in den meisten Geschäften ein reger Verkehr entwickelte.

Wenn auch da« Kaufgeschäft am gestrigen Sonntag nicht im entferntesten an den Silbernen Sonntag des vorigen Jahres heranreichte, da im Vorjahre be­kanntlich die große Lichtwoche stattfand und diese mit dem Silbernen Sonntag als Abschluß ihren Höhepunkt erreichte, so war der Geschäftsgang dies- mal doch annähernd so lebhaft, wie am Silbernen Sonntag des Jahres 1927. Im Gegensatz zum Llup- fernen Sonntag, an dem sich die meisten Besucher nur aufs Schauen verlegten, wurde gestern vor allem Sefauft, so daß sich der Silberne Sonntag gegenüber em Vorsonntag vorteilhaft im Sinne unserer Ge­schäftswelt auszeichnete. Man sah denn auch eine Unmenge Leute mit Paketen beladen durch die Straßen wandern, wobei namentlich in den Abend­stunden der starke Marsch nach dem Bahnhof auf­fiel. Etwa von 17 Uhr ob hatten die Abendzüge der Reichsbahn wieder Großbetrieb. Der gesamte Ver­kehr, bei dem im Bahnhofsgebäude die Erweiterung der Wartehalle sehr vorteilhaft war, wickelte sich glatt und reibungslos und ohne Unfall ab.

** D i e Post inErwartung desWeih - nachts-Paketverkehrs. Am den gestei­gerten Anforderungen des Weihnachts-Paket- Verkehrs gerecht zu werden, hat die Post, gestützt auf die Erfahrungen der früheren Jahre, um­fassende Vorkehrungen getroffen, die eine schnelle und pünktliche Zuführung der Sendungen in die Hand des Empfängers erwarten lassen. Die Annahmeschalter werden dem Bedürfnis ent­sprechend vermehrt, neben den bestehenden Post- verbindungen sind zahlreiche außergewöhnliche Beförderungsgelegenheiten auf der Bahn und auf Landwegen vorgesehen. Soweit die Pakete vom Empfänger nicht abgeholk werden, erfolgt ihre Zustellung unter Vermehrung der Be­triebsmittel und der Zustellkräfte ohne besondere Kosten mit der gewohnten Pünktlichkeit. Wer seine Pakete rechtzeitig bei der Post aufliefert, kann sicher sein, daß sie zu der gewünschten Zeit den Empfänger erreichen. Wer verhindert ist, seine Pakete persönlich bei der Post aufzu- liefcm, oder sich den Weg zum Postamt sparen will, gebe sie dem Paketzusteller mit. Das kann überall geschehen, wo die Paketzustellung mit Fuhrwerk ausgeführt wird. Die Gebühr für die Mitnahme beträgt 20 Pfennig für ein Paket.

' D i e Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei, Ortsgruppe Gießen, hielt am Donnerstagabend imPost- keller" eine gutbesuchte öffentliche Versammlung ab. Nach kurzer Einleitung des Versammlungs­leiters sprach Reichstagsabgeordneter Dipl.-Jng. Feder über das Thema:Die deutsche Wirt­schaftskrise unter dem Schatten des Voungplans". Der Redner beschäftigte sich zunächst mit dem Fi­nanzsanierungsprogramm der Reichsregierung und besprach die geplanten Steuersenkungen und die vorgesehenen Steuererhöhungen. Er kam dann auf die Verhältnisse in der Zeit vor dem Kriege zu sprechen, wies auf unsere damalige starke Wehrmacht und die günstige wirtschaftliche Ent­wicklung hin und zeigte die vor dem Kriege herr­schende außenpolitische Spannung. Redner er­wähnte dann den Ausgang des Krieges, der eine Versklavung der deutschen Arbeit gebracht habe. Er beschäftigte sich hierauf eingehend mit dem Dawesplan und seiner Auswirkung, behan­delte in diesem Zusammenhang das Reichsbank- geseh, wobei er den geringen Einfluß des Deut­schen Reiches auf die Reichsbank und die Kredit­einschränkungen dieser Bank bemängelte. Er kam dann auf die Verpfändung und die derzeitige Verwaltung der Reichsbahn zu sprechen, beschäf­tigte sich weiter mit der Anleihepolitik des Rei­ches, der Länder und der Kommunen, und der Aufnahme von Krediten der deutschen Landwirt­schaft, Industrie, Handel und Gewerbe. Er be­sprach eingehend den Reichsetat vor dem Kriege gegenüber der Jetztzeit, um dann zu den ein­zelnen Bestimmungen des Voungplans beson­ders Stellung zu nehmen. Er versuchte dabei nachzuweisen, daß der QSoungblan gegenüber dem Datcnsplan keine Verbesserung, sondern eine Ver­schlechterung bedeute, wozu insbesondere die Be­seitigung der Transferschuhklausel gehöre. Der Redner bespricht sodann die Frage:Was ge­schieht, wenn wir nicht bezahlen können?" Er behandelte dabei die Finanznot des Reiches, die Auswirkungen der Reparationszahlungen. so­wie der ungeheuren Zinsenlast und übte Kritik an den Maßnahmen der Regierung. Weiter kam er auf die Schaffung einer Weltbank zu sprechen und erwähnte in diesem Zusammenhang die fi­nanzielle und wirtschaftliche Abhängigkeit Deutsch­lands vom Ausland, um sich zum Schluß noch mit dem Memorandum des Reichsbankpräsidenten Schacht zu befassen. An das Referat schloß sich eine Aussprache.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

' Wieseck, 16. Dez. Ain gestrigen dritten Ad­vent jährte sich zum 2 5. RM l e der Tag. an dem unser seit November 1918 hier amtierender Orts­geistlicher. Pfarrer Sattler, in der Kirche zu Rüsselsheim ordiniert wurde. Die evangelische Gemeinde wollte sich den Tag nicht entgehen lassen, ohne dem Jubilar ein Zeichen ihrer An­hänglichkeit und Dankbarkeit zu erweisen. Der von ihm seinerzeit gegründete Frauenchor unter Leitung seines Dirigenten Philipp Groß begrüßte ihn im Gottesdienst mit dem Psalm- wortHerr deine Güte reicht so weit der Himmel ist und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehn". Der von allem überraschte Pfarrer pre­digte auf Grund von Losung und Lehrtext des Tages (3er. 2,13 und Joh. 4,14) über das ThemaAdventsfreude Freude an Licht und Leben", und zeigte den Helden des Advents als den Einzigbleibenden im Wechsel der Zeiten. Nach Beendigung des Gottesdienstes traten der Kirchenvorstand und Herren der Ge­meindevertretung angesichts der Gemeinde an den Altar. Mit herzlichen Worten würdigte das aussührende weltliche Mitglied des Kirchen- Vorstandes. Dr. W. Kling, die Arbeit des Pfarrers und überreichte ihm eine in Eiche ge­rahmte Ehrenurkunde. Der Frauenverein über­brachte seine Wünsche durch Frau Anna S chä - f e r und erfreute seinen Vorsitzenden durch einen schonen Blumenkorb und eine wertvolle Arbeit aus der Keßlerschen Kunsttöpferei. Sichtlich be­wegt dankte der Gefeierte mit herzlichen Worten in der Hoffnung auf weitere gedeihliche Zu­sammenarbeit in Kirche und Gemeinde.

Bg. Grohen-Duseck, 15. Dez. Heute wurde unter großer Teilnahme der älteste Bürger unseres Dorfes begraben. Konrad Bona- rius Hl. hatte ein Alter von etwas mehr als 91 Jahren erreicht. Er ist nie in seinem Leben krank gewesen, obwohl er einen Tag nach seiner Geburt, doch wohl aus Sorge um das Leben des Neugeborenen, getauft wurde. Dis in seine l letzten Stunden war er im Besitze seiner Geistes­

kräfte und hak vor eMgen Wochen noch km tieft Feld- und Hausarbeiten tätigen Anteil ge» nommen.

Kreis Friedberg.

4 Bad-Nauheim. 14. Dez. Die gestrige Stadtratssihung beschloß u. a.: Die Hundesteuer für 1930 wird in denselben Sätzen wie 1929 erhoben (für den ersten Hund 12 Mk., für den zweiten 24 Mk., für den dritten 36 Mk., für den vierten und jeden weiteren Hund ein Zuschlag von je 8 Mk.). Der Vertrag mit den Holzhauern sieht einen Stundenlohn von 1.03 Mk. für Holzarbeiten im Wirtschaftsjahr 1930 vor; in dem Lohn ist die Vergütung für Werkzeug enthalten; Weihnachtsfeiertage und Neujahrstag werden mitbezahlt. Für die Instandsetzung des Sitzungssaales im Stadthause, der vergrößert wird, werden 13 000 Mk. bewilligt (einschließlich Inventar). Den Saal des ehemaligen Gasthau­ses zumRitter" hat die Stadt Herrichten lassen; er soll Vereinen usw. zur Verfügung ge­stellt werden: nach längerer Aussprache über die Benuhungsbedlngungen wird ein Vorschlag des Bürgermeisters gutgeheißen, wonach Jugendver­bände für den Abend (einschließlich Heizung und Beleuchtung) 1 Mk., gemeinnützige Vereine zwei Mark zu entrichten haben. Für Verstärkung der Speisekabel des städtischen Stromnetzes werden 70000 Mk. bewilligt. Die Vorlage berücksichtigt gleichzeitig die zukünftige teilweise llmftellung von Gleichstrom auf Stark­strom. Der schon begonnene Bau des Kerck - h o f f - I n st i t u t s , der außerhalb des Orts- bauplans liegt, wird nachträglich noch vom Stadt- rat genehmigt. Der von Stadtratsmitglied I. Schäfer (Komm.) gestellte Antrag auf Er­höhung und Erweiterung der Winterbei- Hilfe an Arbeitslose, Wohlfahrts- und Krisen- unterstühte, Sozialrentner usw. wurde gegen die Stimme des Kommunisten und der Sozialdemo­kraten abgelehnt, da bei Nichtbeachtung der Richtlinien der staatliche und der Kreiszuschuh in Wegfall kämen. Die Mehrheit des StadtratS ermächtigte die Verwaltung, den in Frage kom­menden älnterstützungsempfängem eine Winter­beihilfe unter Zugrundelegung der staatlichen Richtlinien auszuzahlen. In der nichtöffent­lichen Sitzung wurde ein Betrag für äln« terstühungen an städtische Arbeiter zur Verfü­gung gestellt. Ferner wurde die Gründung eines B a u f o n d s für den Krankenhausneu­bau beschlossen. Der Erlös aus dem Ver­kauf eines städtischen Hauses an die Reichs- versorgungskuranstalt in Hohe von 75 000 Mk. bildet den Grundstock dieses wichtigen Fonds. üebernommen wurde vom Stadtrat die Hälfte des Fehlbetrags aus dem im Jahre 1928 veranstalteten Reit- und Fahrturnier.

Kreis Büdingen.

Ortenberg, 15. Dez. Zufolge Gemeinde­ratsbeschlusses ist die Wahl des Bürger­meisters der Stadt Ortenberg auf den 29. tfd. Mts. bestimmt worden. Als Kandidaten tre­ten auf der bisherige Bürgermeister Friedrich Pfeiffer III. und der Kaufmann Otto d e Oroote; dem Vernehmen nach ist ferner mit einer Kandidatur des Arbeiters Michel, der von der Sozialdemokratie präsentiert wird, zu rechnen. Qdler Voraussicht nach ist eine Stichwahl zwischen Pfeiffer und de Groote wahrscheinlich.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Wetterlage geht einer Tlmgestaltung ent­gegen. Mit der Bewegung der nördlichen Zh- klonentätigkeit und deni Abzug der letzten Störungen nach dem Baltikum hin. bringt mari­time Polarluft südwärts nach Europa. Sie hat dabei den Hochluftdruck zur nördlichen Ausbrei­tung gebracht, so daß der Kem über den Bri­tischen Inseln lagert. Infolgedessen werden wir durch den Einfluß hohen Drucks eine Periode besseren Wetters zu erwarten haben, wenn auch zunächst durch den Kaltluftzustrom die Bildung von Nebel und Wolken, so wie ganz verein­zelten leichten Schn.eschauern gegeben ist. Die Bewölkung wird jedoch später abnehmen und Aufheiterung eintreten. Die Temperaturen gehen weiter zurück und Nachtfrost tritt auf.

Wettervoraussage für Dienstag: Stel­lenweise Nebelbildung, sonst wolkig mit Aufheite­rung, kälter, Temperaturen nachts um Null, trocken.

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