Ausgabe 
16.10.1929
 
Einzelbild herunterladen

Aus Natur und Technik.

Petroleum und Erdgas.

Von Or. Emil CarthauS.

Mag sich das Erdöl, wie man früher annahm, aus organischen Substanzen, hauptsächlich durch Zersetzung von Lierleichen unter Luftabschluß gebildet haben, mag es, wie Prof. M o i s s a n auch auf experimentellem Wege gezeigt hat, aus Metallkarbiden, woran der Eisenkern der Erde sehr reich zu sein scheint, entstanden sein, jeden­falls liegt es in der Erdentiefe zwischen wasser- und luftdichte Tonschichten eingebettet. Mit den schwereren Kohlenwasserstoffen, aus denen sich Rohpetroleum zusammensetzt, kommen aber auch immer gasförmige vor, und diese bilden das sehr entzündliche Erdgas oder Naturgas, wie es die Amerikaner nennen. Natürlich lagert dieses Gas, wo sich genügend Raum bietet, immer über dem Erdöl. Wo das nicht der Fall ist und das Erdöl unter starkem Gebtrgsdruck steht, wird das Gas in das Petroleum hineingepreht wie Kohlensäure in Sodawasser. Naturgemäß sammelt sich das Erd- oder Oelgas besonders in den oberen Teilen der porösen ölführenden Gesteins­schichten an. und da diese wie alle älteren Ge­steinsschichten Sättel und Mulden bilden, so sammelt cs sich vornehmlich in ersteren an, wah­rend die Mulden vorwiegend Wasser in sich schließen. Deshalb sucht man auf den Oelfeldern besonders die Sättel im Schichtenprofil des Un­tergrundes anzubohren. Hier sieht man auch, weil sich in der tonigen Deckschicht durch Erd­beben oder Verschiebungen im Gebirgsbau bis­weilen Risse bilden, nicht selten kleinere Mengen von Oel und Oelgasen als Anzeichen von größe­ren Lagerstätten in der Tiefe erscheinen. Beginnt man auf einem vielversprechenden Sattel mit dem Niederbringen eines Bohrloches, so wird mit seiner Tiefe die Menge des Rohöles und Erdgases meist nur sehr langsam zunehmen, so daß Ankundige leicht glauben könnten, die Menge der in dem Sattel angesammelten flüssigen und gasförmigen Kohlenwasserstoffe sei gar nicht groß. Der erfahrene Bohrmeister aber läßt sich nicht irreführcn. Weiß er doch, daß erst, wenn der Bohrmeißel die Deckschicht völlig durchstoßen hat, dem Oel und Oelgas der Weg zur Erdoberfläche wirklich geöffnet ist. Stehen die Kohlenwasserstoffe eines so erschlossenen Erdöllagers unter hohem Druck, dann brechen sie explosionsartig aus dem Bohrloch und entzünden sich sofort, -wenn sie über Tag mit brennenden Gegenständen in Berührung kommen. Auf diese Weise sind namentlich in früherer Zeit häufig riesenhafte Erdgas- und Erdölbrände entstanden, die enorme Werte an Heiz- und Leuchtmaterial vernichteten und außerordentlich schwer zu löschen waren. Trotz aller Vorsicht entstehen aber Brände bei hef­tigen Ausbrüchen von Erdgas aus den Bohr­löchern, oft ganz von selbst. Wird doch dabei zuweilen das schwere Bohrgestänge samt dem Bohrturm hoch in die Luft geschleudert. Da aber die Dohrapparatur aus Stahl und Eisen ist, wie leicht kann da durch starke Reibung oder hef­tiges Aneinanderprallen ein Funke entstehen und so das mächtig hervorbrechende Gas und Oel zur Entzündung kommen!

So soll auch der riesenhafte Gasbrand bei dem 75 Kilometer südöstlich von Bukarest ge­legenen rumänischen Dorfe Moroni, über den kürzlich zu lesen war, ganz von selbst entstanden sein. Für die Heftigkeit des am 30. Juli plötzlich erfolgten Gasausbruches spricht schon die Tat­sache, daß sich das Bohrloch unter dem ge­waltigen Auftrieb des Oelgases sofort erweiterte und zwei Zentner schwere Steine aus ihm hoch in die Luft geblasen wurden. Das unter donnern­dem Getöse sich aus dem Bohrloch entladende Gas war so stark zusammengepretzt, daß es in­folge seiner plötzlichen Ausdehnung auf die durch den Druck verflüssigte Luft wie eine Eismaschine wirkte, die das unmittelbar am Bohrloch ange­sammelte Wasser schnell zum Gefrieren brachte. Dadurch erklärt es sich auch, daß das Oelgas erst in zwei Meter über dem Erdboden sich wieder so weit erwärmte, daß es entzündbar wurde, dann aber eine 15 0 Meter empor- lodernde Feuersäule bildete. Bis zu dem 40 Kilometer entfernt liegendes Dorf Plösti hin verwandelte sie das nächtliche Dunkel in Tages­helle, und die 1200 000 Kubikmeter Gas, welche sie stündlich verschlang, wären hinreichend ge­wesen, um Großberlin zwei Nächte hindurch tag­hell zu erleuchten.

In seiner Großartigkeit und Furchtbarkeit steht dieser Erdgasbrand einzig da: aber auch in an­deren Erdölgebieten Haven solche Brandkatastro­phen einen Sachschaden von vielen Millionen angerichtet. Wie ost sind über den Bohrlöchern der amerikanischen Oelselder riesenhafte Mengen von Erdgas in Flammen aufgegangen! In un­serem eigenen Lande machte besonders ein im Oktober 1910 wahrscheinlich durch Unvorsichtigkeit entstandener Erdgasbrand bei Neuengamme un­weit Hamburg viel von sich reden, ebenso wie in Oesterreich-Angarn zwei Jahre früher der von Kis Sarmas, welcher viele Monate hindurch Tag für Tag 90 000 Kubikmeter Oelgas ver­schlang.

Wo Crdgasbrände von so großen Ausmessun­gen auf den in Ausbeutung begriffenen Oel­feldern entstehen, sucht man ihnen aus finanziellen Gründen möglichst schnell Einhalt zu tun. Anders ist es jedoch bei den sogenanntenewigen" Feuern in Brand geratenen natürlichen Erdgasquellen, die schon seit undenklicher Zeit oder Jahrhunderte fortbrennen, aber mit kleiner, wenig Gas verzehrender Flamme. Zu diesen ge­hört vor allem das berühmteewige Feuer von Baku" auf der Halbinsel Apscheron des Kaspischen Meeres, welches heute noch wie vor tausend Jahren von den Parsen (Feueranbetern) für etwas Göttliches angesehen wird. Schon Aristoteles, Strabo und Plinius erwähnen ein nie erlöschendes und deshalb heiliges Erdfeuer in Albanien. Auch ein japanischer Bericht aus dem Jahre 615 vor Ehr. spricht bereits von einem solchen unter dem Namen derBren­nenden Wasse r". Noch weit größeren Sach- schaden als die Erdgasbrände der Oelselder ver- Ursachen die Flözbrände in den Stein- und Draunkphlenrevieren. Kaum eines ist verschont geblieben, und solche Brände sind schwerer zu löschen als die Erdgasbrände, obgleich bei dem mangelnden Luftzutritt die Kohlen in der Erden­tiefe nur langsam fortglimmen und in Koks ver­wandelt werden. Drechen die Flözbrändr in Kohlenbergwerken aus, so sucht man die brennen­den Strecken durch feuerfeste Mauern möglichst abzudichten, doch muß auch dann meistens der

ganze Grubenbetrieb wegen des massenhaften Kohlenoxyds und anderen giftigen Gasen völlig oufgegeben weLen. Den größten Amfang haben diese Kohlenbrände in den Steinkohlengebieten der Vereinigten Staaten angenommen. So sind wie man sagt, durch streikende Bergleute bei New Straitsville im Staate Ohio vor 45 Jah­ren sieben verschiedene Kohlenflöze in den Gruben in Brand gesteckt worden. Obgleich man ohne Rücksicht auf Ankosten alle Hilfsmittel angewandt hat, brennt das Feuer fort: es hat sich über mehr als 2000 Quadratkilometer ein Gebiet, welches mindestens fünfzigmal so groß ist wie das eigent­liche Stadtgebiet der Neunmillionenstadt London ausgedehnt. Milliardenwerte von Dollars hat die unterirdische Feuersbrunst bis heute vernich­tet, und ihr Ende ist noch nicht abzusehen. Einen im Staate Kentucky ausgebrochenen Brand von Steinkohlenflözen auszulöschen, gelang erst nach mehr als fünfzig Jahren unter Aufbietung riesen­

hafter Geldsummen dadurch, daß man das Bett eines Flusses auf einer weiten Strecke verlegte und sein Wasser in die brennenden Gruben hin­einleitete. Auch der deutsche Kohlenbergbau hat wiederholt mit Flözbränden zu kämpfen gehabt. Nutzen davon haben nur einige findige Gärtner im Zwickauer Kohlenrevier zu ziehen gewußt. Sie bedienten sich nämlich von 1837 bis 4865 der Wärme, welche infolge des über hundert Jahre anhaltenden Brandes der Kohlenflöze bei Planitz der Erde entströmte, zum Heizen ihrer Gewächshäuser.

Daß Stein- und Braunkohlen auf ihrer unter­irdischen Lagerstätte auch durch Selbstent­zündung in Brand geraten können, sieht man im nordbohmischen Draunkohlenrevier. Besonders an seinem Ost- und Südrand erscheinen alle die Kohle überlagernden Tonschichten, unverkennbar infolge einer teilweisen Verbrennung, gefrittet, sogar stellenweise geschmolzen.

Ringförmige Sonnenfinsternisse.

Von Professor Or. Küstermann.

Nachdruck verboten!

Am 1. November findet eine ringförmige Son- nenfinsternis statt, die als solche freilich nur auf einem sich durch den Atlantischen Ozean, Afrika und den Indischen Ozean hinziehenden Streifen in die Erscheinung tritt. Doch fällt ganz Afrika Vorderasien und der größte Teil von Europa wenigstens in das Gebiet der unvollständigen, nicht ringförmigen Verfinsterung.

Für die Zwecke der wissenschaftlichen Forschung sind ringförmige Verfinsterungen der Sonne nicht so wichtig wie vollständige, ihr Anblick aber mutz in höchstem Grade staunenerregend sein und an Seltsamkeit den einer vollständigen Sonnen-

es freilich auf die des Mondes art; denn seine Bahn um die Erde weicht von einer Kreisform stärker ab als die Bahn der Erde um die Sonne, die Folge davon ist, datz die Gröhe seiner Scheibe stärker veränderlich ist als die der Sonne. Wäh­rend der Sonnenhalbmesser höchstenfalls etwa 16 Minuten und 18 Sekunden, mindestens aber 15 Minuten und 44 Sekunden beträgt, kann der Mondhalbmesser bis auf etwa 16 Minuten und 43 Sekunden anwachsen und auf 14 Minuten und 43 Sekunden herabsinken. In jedem Monat nimmt der Mond diesen Wechsel vor, und zu allen Jahreszeiten sind deshalb bei Erdnähe des Mondes vollständige, bei Erdferne ringförmige

Sonne

Erde

jMond

Bild 1. Ist die Erde von der Sonne und der Mond von der Erde so weit entfernt, daß der Mond für einen Beobachter B genau die scheinbare Größe der Sonne hat, so entsteht eine kurz dauernde vollständige Sonnenfinsternis, wenn sich der Beobachter in der Verlängerung der Verbindungslinie des Sonnenmittelpunktes mit dem Mondmittelpunkt befindet. Rechts die Finsternis von der Erde aus gesehen.

Sonne

Bild 2. Ist der Mond weiter von der Erde entfernt, so daß er kleiner erscheint als die Sonne, so entsteht unter denselben Bedingungen eine ringförmige Sonnenfinsternis, deren Entstehung noch besonders begünstigt wird, wenn sich die Erde in Sonnennähe befindet, so daß die Sonne groß erscheint. Eine ringförmige Sonnenfinsternis kann aber auch für einen Beobachter A entstehen, wenn für den Beobachter B eine vollständige Sonnenfinsternis entsteht, nämlich dann, wenn der Beobachter A weiter vom Monde entfernt ist als der Beobachter B (Bild 1, gestrichelte Linien).

Bild 3. Ist der Mond sehr nahe an der Erde, so entsteht eine länger dauernde Sonnen­finsternis, die noch verlängert wird, wenn sich die Erde in Sonnenferne befindet.

Bilb 4. Steht der Mond nur teilweise zwischen Erde und Sonne, so entsteht eine unvoll­ständige Sonnenfinsternis. Auch bei vollständiger oder ringförmiger Finsternis tritt für den weitaus größten Teil der Erde unvollständige Verfinsterung der Sonne ein. Der Streifen vollständiger oder ringförmiger Finsternis ist stets sehr schmal. Aus den Bildern geht dies deshalb nicht hervor, weil die Himmelskörper im Verhältnis zu ihren Entfernungen ganz vergrößert werden mußten. Bei richtiger Wiedergabe der Größenver­haltnisse wäre bei bem verfügbaren Raum die Sonne nur noch eben sichtbar, wenn die Erde und natürlich erst recht der Mond für das bloße Auge unsichtbar blieben.

sinsternis womöglich noch Übertreffen. Bei jeder ringförmigen Verfinsterung gibt es ja auf der Erde einen allerdings nur sehr schmalen Gürtel, streng genommen sogar nur eine Linie, für die der Mond ganz genau vor die Mitte der Son- nenscheibe tritt, allerdings nut für einen Augen­blick, dann wandert er nach links weiter. Die Dauer der ringförmigen Verfinsterung beträgt für diese Linie diesmal drei bis vier Minuten. Schon in einer Minute wird man also die Wan­derung des Mondes - wohlgemerkt, seine Ver­schiebung gegen den Sternhimmel, nicht feinen 2luf- oder Untergang mit bloßem Auge fest­stellen können: denn sofort nachdem die Mitte der Finsternis überschritten ist, wird das schmale als Kreislinie leuchtende Band, als das uns die Sonne erscheint, links schmäler und rechts breiter- Ein merkwürdiges Schauspiel, und man möchte schon eine kleine Reise nach dem Kongostaat unternehmen, um seinen Anblick genießen zu können.

Voraussetzung für das Zustandekommen einer ringförmigen Finsternis ist natürlich, daß die Scheibe der Sonne größer erscheint als die des Mondes. Dies wird im Winter häufiger der Fall sein als im Sommer, weil uns die Sonne I un Winter näher steht und folglich auch eins grotzere Scheib? zeigt als im Sommer. Noch 1 '"ehr als auf die Stellung der Sonne kommt

Sonnenfinsternisse möglich, wenn auch die voll­ständigen im Sommer, die ringförmigen aber im Winter überwiegen werden. Dm Umstand, daß der Unterschied der scheinbaren Größe von Sonne und Mond unter allen Umständen gering ist, ist es zuzuschreiben, daß die Dauer sowohl einer vollständigen als auch einer ringförmigen Finster­nis niemals groß ist und im Höchstfall etwa acht Minuten betragen kann. Aber das wird natürlich äußerst selten eintreten, weil dazu größte Son­nennähe mit größter Mondferne z ifammentreffen muß oder umgekehrt. Finsternisse, wie die vom 9. Mai d. I., deren Dauer über fünf Minuten betrug, sind schon sehr selten.

Der Umstand, daß sich die Sonnen- und die Mondscheibe immer nur wenig an Größe unter­scheiden, hat noch eine weitere merkwürdige Folge. Mitunter können nämlich selbst die kleinen Entfernungen auf der Erde entscheidend ins Gewicht fallen; denn für die näher an Sonne und Mond liegenden Erdteile wird der verhält­nismäßig nahe Mond größer erscheinen, wäh­rend dies der weit entfernten Sonne gegenüber utchts ausmacht. Für diese Teile kann dann eine vollständige Sonnenfinsternis sein, für die toeiter entfernten Erdteile aber eine ringförmige. Dieser merkwürdige Fall wird in der Tat am 28. April nächsten Jahres eintreten.

Rund um den Gibraltartunnel.

Don (5. von Llngern-Sternberg.

In Tarifa haben die Vorarbeiten für den Tunnelbau begonnen.

Ein technisches Wunderwerk ist im Entstehen: unter die Meerenge von Gibraltar soll ein Tunnel gegraben werden, der das europäische Festland mit Afrika verbindet und der es ermöglichen würde, wenn sich auch der Tunnelbau unter dem Kanal verwirklicht, im Schnellzuge von London über Ma­rokko und die Sahara ohne umzufteigen die Ur­wälder des Kongo und Kapstadt zu erreichen. Der Phantasie ist ein weiter Spielraum gelassen, Traum- aebilde häufen sich für die nahe Zukunft, Raum und Entfernungen werden als Barrieren im Verkehr der Menschheit überwunden, und das, was gestern noch unmöglich und widersinnig erschien, ist.heute Tat­sache geworden und wird morgen überholt und durch neue Wunder erweitert. Von Unterseebooten und von interplanetarischen Raketenflügen phantasierte Jules Verne, aber ein Gelehrter hätte ge­lächelt, wollte jemand den Verfasser ernst nehmen und an die Möglichkeit der Reisen von Remo den­ken. Auch der Tunnelbau unter dem Kanal und unter der Straße von Gibraltar, die schon lange als Wunschgebilde aufgestellt wurden, wurden von Fach­gelehrten als technisch undurchführbar bezeichnet und mit den Phantasien Jules Vernes verglichen. Run soll aber der Tunnelbau unter der Meerenge doch Wirklichkeit werden.

In Tarifa haben, wie die spanischen Zeitungen berichten, die Vorarbeiten für den Tunnel begonnen. Eine Kommission ist dort eingetroffen, nimmt Mes­sungen vor, untersucht die geologischen Verhältnisse, berechnet Kostenanschläge, macht Bohrungen und will bereits in den nächsten Monaten mit Grabun­gen im großen Stile beginnen. Die Meerenge ist zwischen Gibraltar und dem gegenüberliegenden afri­kanischen Festlande etwa 30 Kilometer breit. Man kann von Europapoint in Gibraltar bei klarem Wet­ter deutlich die Häuser von Ceuta erkennen, man sieht die Schluchten und Felsen der Rifberge, die sich unwirtlich und steil aus dem Meere erheben. Aber nicht dort an der engsten Stelle soll der Tun­nel gegraben werden, die Mündung wird vielmehr nach Tarifa verlegt, wo die Bedingungen günstiger find und wo das gegenüberliegende Afrika weniger wild und ungastlich ist. Seit die Phönizier und Rö­mer ihre Legionen an die Ufer des Atlantischen Ozeans entsandten, feit die alte Maurenherrlichkeit in Fez entstand, haben alle, Eroberer und Kultur­träger, es vermieden, die Rifberge zu kreuzen, die sich etwa 300 Kilometer lang und 80 Kilometer tief längs der Mittelmeerküste dahinziehen, und die auch heute noch von fanatischen Kabylenstämmen be­wohnt werden, die jeden Europäer und Christen als Feind betrachten und zu deren Gebirgsdörfern nur unzulängliche Maultierpfade führen. So soll denn auch der Gibraltartunnel das Rifgebiet umgehen und zwischen Tanger und Tetuan am afrikanischen Ufer münden.

Heute endet in Gibraltar, ober richtiger in Alge­ciras die große Bahnlinie, die via Madrid ans Ende Europas führt. Aus der flachen Küste, steil, an der Nordseite überhängend, erhebt sich der gewal­tige Gibraltarfelsen, über dessen Gipfel, namentl h bei Ostwinden, ständig eine Dunstwolke schnn'u. Man sagt: der Felsen raucht seine Pfeife. Am Wc't- abhang klebt die Stadt Gibraltar mit einer Zivil­bevölkerung von ungefähr 35 000 Einwohnern, fcvu kommt die sehr bedeutende Garnison. Ausländ' n ist die Ansiedlung in Gibraltar untersagt, aber jeder Fremde erhält ohne alle Schwierigkeiten sei es, daß er auf den hübschen Dampfern die zw?n'"g Minuten dauernde Fahrt von Algeciras über d e Bucht unternimmt oder daß er auf dem Landwege über Waterport die Stadt betritt, ein Ticket aus­gehändigt, das ihm einen Tagaufenthalt im Fe­stungsgebiet gestattet. Will er übernachten, so muß ein Einheimischer für ihn die Bürgschaft überneh­men. Da jeder Hotelbesitzer dazu berechtigt ist, so bietet das Uebernachten keine Schwierigkeiten, nur für einen etwas längeren Aufenthalt muß eine be­sondere Genehmigung erwirkt werden. Jeden Abend mit Sonnenuntergang wird ein Kanonenschuß von der Spitze des Calpefelsens abgefeuert. Gleichzeitig zieht unter klingendem Spiel eine Patrouille durch die Hauptstraße der Stadt, voran ein Sergeant, der die unförmigen Schlüssel der Festungstore trägt. Run muß jeder Unberechtigte den Boden von Gibraltar verlassen. Der letzte Dampfer geht nach Algeciras, und die Tore von Waterport, durch die man in die spanische GrenzstadtLa Linea de la Concepcion" gelangt, werden geschlossen.

Gibraltar, das die Spanierals Dorn in ihrem Fleisch" bezeichnen, bietet mit seinen indischen und Malteserläden, mit dem bunten Gemisch der Touri­sten, deren Dampfer auf dem Wege nach dem Orient im Hafen anzulegen pflegen, ein fremdartiges und interessantes Bild. Im Hasen schaukeln sich englische Kriegsschiffe und Dampfer aus aller Herren Län­der. Auch der Verkehr nach Tanger und Ceuta flu­tet meistens über den englischen Hafen, respektio über Algeciras. Die Fahrt nach Tanger dauert drei bis dreieinhalb Stunden, ist aber das Wetter in der Meerenge stürmisch, so kann die Reise auch einen halben Tag und mehr in Anspruch nehmen, und manche Schisse sind schon von den kochenden Wogen, die turmhoch anstürmen und die Meerenge in einen brodelnden Kessel verwandeln, verschlungen worden. Das spanische KriegsschiffReina Chri­stina", das einen Abgesandten des Sultans von Marokko aus Tanger abholen sollte, versank bei einer Sturmfahrt vor etwa dreißig Jahren in den Fluten. Niemand wurde gerettet und niemand weiß, wohin die Unterströmungen im Meer die Reste des Schiffbruchs getrieben haben. Das Mittelmeer und der Ozean prallen in der Meerenge aneinander und bilden, allein schon durch den Unterschied in Ebbe und Flut, zahlreiche gefährliche Wirbel und Strö­mungen; dazu kommen die heftigen Winde, die na­mentlich im März und November orkanartig anzu­schwellen pflegen. Es gibt deshalb Tage, an denen jede Verbindung zwischen den beiden einander so nahen Kontinenten ausgesetzt werden muß, weil die Schiffe den Hafen nicht verlassen können. Sollte nun der Tunnel unter der Meerenge verwirklicht werden, so wird die Straße von Gibraltar nicht mehr als Trennungsstrich zwischen Europa und Afrika gelten dürfen. Heute bedeutet eine Fahrt von Gibraltar nach Tanger noch einen Sprung ins Märchenland. Durch den Tunnel werden sich die Verhältnisse ändern, durch den Weg unter dem Meere wird Afrika dem Geiste Europas näherge­bracht. Bei den schwierigen Unterhöhlungsarbeiten des Meerbodens, beim Anlegen der Luftschachte usw. werden Hunderttausende Brot und Verdienst finden, und die Welt wird um ein neues technisches Wun­der reicher sein.

5cnn Btil09en:.

me«olS«» 220

lohn, 2 M'

-l>f?Kelnumnter2

anl«^a (Q. Erahn'

De

Der!'", A l $ei<WrflJ tanjler bas

Ufien:

Sehr gech Ulit steig' ich die lvahrne dem Wie ur fern Reichsauss auch von den t Parteien und 6 meine mu Meinung ju planes in die gen wird, vor (et, dah ich e i gehrens wär betont, datz itf bes^onngp

Demgegenüber rnande m die einen Aniah da söniiche THeinim zugeben. 3d) hc d-h ich mir n lungnahme zu dem Zeiipm hochdedeutsame reis ist und 72 und 73 de

düng über eit letjung der De flanbegefommen herantritt. Uni wie vor ses

3d) bitte S Kenntnis zu n im Kamps un Parteien und erscheinenden 1 mit steundli bener

$ie Acichsregieri Kation für und buigten Truppen t nr M deutsche 2 d" Herrn Aei Md feinem Duns. EL1® öie Gese Wegefiten f er r um rageblalf- ei des Reich y. auch d bah der

Mehren einen j der

^ Mpunkt d Anw mit £

k«den haben.

DirV, Brn

Wl'W

Mehren jft ! irr hinei

-Herrn reg sSä Y-Hs

der T*n n-lcn d %*' ÄJY t)n ye.gen das 7

b'ÄÄ!