Ausgabe 
16.9.1929
 
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Q3on Berlin Wirtz Eckener noch Frietzrichshafen mit dem Luftschiff reisen. Die Fahrt des .Graf Zeppelin" am Dienstag geht elbabwärts nach Helgoland und Westerland auf Sylt. Auf der Rückfahrt wird das Luftschiff nochmals Ham­burg berühren und über Lübeck, Mecklenburg und Berlin die Heimreise nach Friedrichshafen fvrtsetzen.

Schweres Bergwerksunglück an der Grenze des Saargebietes.

Sonntag früh um 4 Llhr ereignete sich auf Schacht 2 der C h a r l e s - G r u b e der lothringi­

schen Bergwerks-Gesellschaft Sarre et Mo­se l l e (de Wendel) in Kleinrosseln an der saarländisch-lothringischen Grenze eine Explosion. 3n der Grube befand sich eine Belegschaft von mehr als 4 0 0 Mann, die jedoch nach kurzer Zeit in voller Disziplin durch einen Stollen in die Rebengrube geführt und zutage be­fördert werden konnte. Vier Bergleute sind der Explosion zum Opfer gefallen: sie konnten nur als Leichen geborgen werden. Vier weitere Bergleute wurden schwer verletzt ins Lazarett geschafft. Der Sachschaden ist er­heblich.

Englische Truppen räumen das Rheinland.

Die ersten Truppentransporte in London eingetroffen.

London. 16. Sept. (IBB.) Der Amtliche Bri­tische Funkdienst meldet: Samstag begann mit dem Abtransport zweier Regimenter aus Wiesbaden die Räumung der britischen Rheinarmee, während der elf Jahre, die die Truppen am Rhein standen, haben sie sich u n t a d e l h a f t geführt. Dieser Tatsache gedenkt General Sir W. T h w a i - t e l in seinem Abschiedsbefehl. Alle Mitglieder der Besahungsarmee haben sich, so sagte er. für sich selbst und die britische Armee in den Augen derer, mit denen sie in Berührung gekommen sind, wegen ihres soldatenhaften Berhaltens und ihres Ber- ftändniffes und ihrer Höflichkeit gegenüber dem Bolte, in dessen Lande sie sich aushielten, Ansehen und Achtung verschafft. Der erste Schub her aus dem Rheinlande zurückkehrenden englischen Truppen wurde Sonntag abend bei seiner Ankunft in London von einer grasten Menschen­menge begrüstt. Ein Soldat erklärte:wir verlebten in Deutschland eine schöne Zeit und brin­gen erfreuliche Erinnerungen zurück an die drei Jahre, die wir dort standen." Ein anderer sagte:wir waren gar nicht so erpicht auf die Rück­kehr; denn wir mögen die Deutschen gern leiden, und die Deutschen hatten uns gern."

*

Daily Telegraph" schreibt in einem Leitartikel über die beginnende Rheinlandräumung durch öje britischen Truppen, mit der sich die gesamte eng­lische Presse eingehend befaßt: Wenn die eng­lischen Truppen keinen schlechten Ein­druck hinterlassen, so ist dies der beste Beweis für ihr gutes Benehmen. Trotzdem wird d i e Befriedigung der Deutschen über die Beendigung dieser Besetzung kaum größer sein, als die der britischen Ration, die die Besetzung niemals als etwas anderes als eine unan­genehme Rotwen d i g k e i t angesehen hat.

Jetzt beginnen alle Auseinandersetzungen über die juristische Bedeutung des Satzes über die Erfüllung der Vertragsverpflichtungen Deutsch­lands und ihres Einflusses auf den endgültigen Zeitpunkt der Räumung zu den vergessenen Kon­troversen zu gehören, und es ist sicher, daß unter keinerlei Erwägungen, die sich aus die­sem Vertrag ergeben könnten, wieder irgend­ein anderes britisches Regiment an den Rhein marschieren wird. Rachdem die Besetzung einmal beendet ist, wird sie nicht wieder erneuert werden. Die Besetzung war die militärische Garantie für die Sicherheit Frankreichs und für die Zahlung der Repara­tionen. Die Sicherheit für Frankreich wurde durch das Locarno-Abkommen geschaf - f e n und durch den Pakt von Paris befestigt. Das Reparationsproblem wurde soeben im Haag geregelt. Allmählich wird der Krieg liquidiert.

Auch die Belgier beginnen die Räumung.

Die ersten Abtransports aus Jülich.

Jülich, 15. Sept. (WB.) Am 16. September verlassen zwei Bataillone des 8. bel­gischen Linieninfanterieregiments die Stadt Jülich. Es bleiben noch ein Bataillon und eine Gendarmerieabteilung bis zum 28. Ok­tober zurück. Bei einer Einwohnerzahl von 10 000 hatte Jülich mit einer Besatzungsziffer bis zu 4000 Mann bi e verhältnismäßig größte Des ahungszif fer des besetz­ten Gebietes überhaupt. Durchschnittlich hat die Besatzung 11 Prozent des Wohnraumes der Stadt beansprucht. Die offizielle Freigabe der Stadt erfolgt am 30. Rovember zusammen mit der Freigabe der ganzen von den Belgiern besetzten zweiten Zone.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage

Hoher Luftdruck mit einem Kerngebiet über den Britischen Inseln erstreckt sich in östlicher Richtung bis nach Polen, das im Bereich des anderen Hoch­druckkernes liegt. Die Südseite des Hochs nimmt Deutschland mit in seinen Bereich. Infolgedessen wird zunächst mehr aufheiterndes Wetter eintreten, und die Temperaturen werden mehr der Ein- und Aus­strahlung unterliegen.

Wettervoraussage für Dienstag: Etwas kühleres W-stter, wolkig mit Aufheiterung, trocken.

Wettervoraussage für Mittwoch: Meist heiteres Wetter, zwischen Tag und Nacht stär­kere Temperaturgegensätze, trocken.

Lufttemperaturen am 15. September: mittags 22,6 Grad Celsius, abends 17,8 Grad: am 16. September: morgens 16,4 Grad. Maximum 22,7 Grad, Minimum 15,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. September: abends 21,2 Grad; am 16. Septem­ber: morgens 17,1 Grad Celsius.

Aus her provinzialhauptstahi.

Gießen, den 16. September 1928.

Sonntag aus dem Fenster.

Es lag eigentlich kein Grund vor, den Sonntag nicht draußen in der Ratur oder sonst bei Freunden zu verleben. Höchstens eine allgemeine Müdigkeit. Oder es waren die Blumen.

All die Dahlien, Georginen, Astern und Relken, die in großen Sträußen mein Zimmer schmücken, Sterne in allen Farben, sommerbunt und leuch- tenö. Lind letzte Rosen, die, etwas müde und zart wie alle Spätgeborenen, in schlanken Kristall­vasen über den Bildern auf meinem Schreibtisch stehen--es ist wirklich zu hübsch zu Hause,

um gern hinaus zu gehen.

Lind man erlebt so viele Sonntage anderer aus dem Fenster. Zuerst waren es zwei Wanderer. Rucksackbepackt, braungebrannt, mit staubigen Wanderschuhen, standen sie auf unserem Hof: der Braune spielte die Geige, der Blonde zupfte Begleitung auf der Klampfe. Dann fangen sie mit jungfrohen Stimmen ein Wandervogellied, und dann hob der Braune noch einmal die Geige unters Kinn und spielte langsam, mit Doppel­griffen und allem Gefühl, das entzückte Hörer von gerade diesem Lied erwarten:Das Meer erglänzte weit hinaus". Ein Regen von Münzen fiel herunter.Danke", sagten beide und ver­beugten sich, daß die blonden und braunen Haare über die sonnverbrannten Gesichter fielen, und dann zogen sie weiter. Roch ein paar Höfe, und bann war ihnen Mi^agbrot und Racht- quartier für heute wieder gesichert, und sie konn­ten sich weiter locken lassen von allen Straßen zu Wäldern und Weiten.

Lieber das lange Rechteck der Höfe musterten sich die Rachbarn. Eine junge Frau stellte den Topf mit der süßen Sonntagsspeise zum Ab­kuhlen auf das äußere Fensterbrett, ein junger Mann hängte wieder den Spiegel an das nun­mehr geschlossene Fenster und rasierte sich un­befangen weiter. Lind zum schwarzwollenen Strickzeug, das auf einem Gartenstuhl unter einer bekümmerten Akazie lag, setzte sich eine alte Frau neben das spielende Enkelkind. Aus einer Hinter­tür trat ein junger Mann in leuchtend weihen Hemdsärmeln, mit einer langen Peitsche. An-

Probodoso und BroschüreRatschläge eines Arztes" durch:

DEUTSCHE A.-G. FÜR NESTLEERZEUGNISSE. BERLIN W 57

7602D

den:

Gestern nacht gegen 12 Uhr entschlief nach langem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester und Tante

Frau Anna Remmel geb. Robert

im Alter von 48 Jahren.

Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Remmel nebst allen Angehörigen.

Gießen, Liederbach, den 14. September 1929.

Die Beerdigung findet Dienstagnachmittag 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. 059J2

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Vergebung von Wafferleitungsarbeiien.

Für die Gemeinde Londorf, Kreis Gie­ßen, sollen unter Zugrundelegung der Reichsverdingungsordnung nachfolgende Arbeiten und Lieferungen vergeben wer-

Bekanntmachung

Mittwoch, 18. September 1929, nach­mittags von 2% bis 3 Uhr, findet in der Turnhalle der Goetheschule in der West­anlage ein letzter öffentlicher Impftermin für das laufende Jahr statt, woselbst alle in 1928 und früher geborenen Kinder, für die der Nachweis der Schutzimpfung bis­her nicht erbracht worden ist, zur Vor­stellung kommen können. Der Zeitpunkt der Jmpfnachschau wird im Impftermin durch den Amtsarzt bekanntgegeben.

Kinder aus Häusern, in denen übertrag­bare Krankheiten herrschen, müssen dem Impftermin fernbleiben. Die Kinder müssen mit reingewaschenem Körper und reinen Kleidern zur Impfung gebracht werden. 7568C

Gießen, den 13. September 1929.

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Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm.

Arbeitsvergebung.

Aus Grund der Reichsverdingungsord­nung werden die für den Ausbau der Thco-Koch-Straße zu Grünberg erforder- üchen Arbeiten und Lieferungen im öffent­lichen Wettbewerb ausgeschrieben:

1. Kanalarbeiten (50 cbm Erdaushub, 22 m Steinzeugröhren, 5 Zementsinkkasten, 1 Schachtdeckel). 2. Ehaussierungsarbeiten (510 qm Grundbau). 3. Pflasterarbeiten (240 qm RinnenpflasterX 4. Liefern und Bersehen der Bordsteine (400 m Bord­steine). 5. Lieferungen (135 cbm Grund­bausteine, 50 cbm Basaltkleinschlag, 25 cbm Grubensand, 50 cbm Kohlenschlacke).

Angebotsvordrucke werden auf unserem Amte, Strephanstr. 18 (Zimmer 8) abge­geben. Bedingungen sind dort einzusehen.

Die Angebote sind verschlossen, mit ent­sprechender Aufschrift versehen, poftfrei, bis zum Dienstag, den 24. d. M., vormit- ta's 10 Ahr, bei uns einzureichen. Zum (Eröffnungstermin haben die Bieter Zu­tritt. 7600V

Zuschlagsfrist: 14 Tage.

Gießen, den 13. September 1929.

Hessisches Hochbauamt Gießen: Berth.

Arbeitsvergebung.

Für die Feldbereinigungsgesellschaft Annerod soll auf dem Rathaus zu Annerod die Herstellung von Drainagen, insgesamt 22 000 lfd. Meter, veranschlagt zu rund 6000 RM., in einzelnen Losen vergeben werden. 7601D

Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischer Bürgermeisterei Annerod offen, wohin die Angebote verschlossen, mit ent­sprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum (Eröffnungstermin am Freitag, dem 20. September 1929, vormittags 9% Uhr, einzureichen sind. Zuschlagsfrist: 3 Wochen.

Gießen, den 12. September 1929. Hessisches Kulturbauamt.

2 D.. Mangold, Regierungsbaurat.

Erweiterung der Wasserleitung um etwa 250 lfd. Meter.

Pläne und Bedingungen liegen bei uns offen, Angebotsvordrucke können von uns bezogen werden. (Eröffnung der Angebote Samstag, den 28. September 1929, vor­mittags 10 Uhr, auf unserem Amt, Frank­furter Straße 29. Zuschlagsfrist: 14 Tage, freie Auswahl unter den Bietern bleibt Vorbehalten.

Gießen, den 14. September 1929.

Hessische- Kulturbauamt.

I. V.: Mangold, Regierungsbaurat.

Dienstag, 17. Seat., natom. 2 Hör oerfteigere iffl im £örotn. neuenroeg 28 önljitr, jmongsioeife gegen Bonaljiung: zwei Kleiderschränke ein komplettes Speisezimmer, drei Ladentheken, einen Ladenschrank, eine Schreibladenkasse, ein Warenregal, vier Schreibmaschinen, acht Büfetts, zwei Sofas, ein Vertiko, sechs Divans, zwei Schränkchen, eine Rechenmaschine, vier Kredenzen, ein Klavier, drei Sprechapparate mit acht Platten, drei Paar Wilka-Winker, eine elektrische Kochplatte, drei Kaffeetische, zwei Küchenschränke, eine Friseur-Laden- einrichtung, fünf Schreibtische, eine Bohrmaschine, zwei Nähmaschinen, eine Waschkommode, einen Warenschrank, vier Standuhren drei Ausziehtische, sechs Stühle, drei Teppiche, zwei Bücher­schränke, drei Chaiselongues, einen Lie­ferwagen, eine Registrierkasse, zwei Tische, einen Glaskasten, eine Gehrungs­schneidmaschine, zwei Fleischermaschinen, einen Abfalleimer, einen Schrank, eine Flugarderobe, einen Acker mit Kar­toffeln, einen Dbftaartcn mit Obst, eine komplette Fräsmaschine, einen Amboß, vier Schweine. 7594V

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Dammstraße 241 Telephon 4039.

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