Ausgabe 
16.9.1929
 
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öächttg stand sein kleiner Bub vor ihm und sah und hörte zu, wie Vater die Peitsche sausend Lurch die Luft fahren und laut knallen lieh. Das war doch noch MusikiIch auchl" begehrte er natürlich bald, und dann hing er irgendwie und «winzig unten an der Peitsche, die VaterS Hand irgendwo oben führte, And es knallte peng patt himmlisch I

Don meinem Schreibtisch aus kann ich gerade in die Mansarde gegenüber sehen. Auch dort hat man wie ich seine gärtnernjche Heimkultur in Vasen. Hinter den bunten vternen sitzt die Hauskapelle, zieht mit Gefühl und Technik die Harmonika, und singt dazu schön und getragen vom gestorbenen Soldaten, dessen Leiden zu schwer waren. Rönne, Klosterpforte, alte Mutter die Worte flattern durch die Dahlien er­greifend zu mir herüber. Dann wird der Haus- garten beiseite geschoben und die Kapelle nebst Frau schaut behaglich aus dem Fenster.

.Unten hockt der kleineFritze" auf der Bord­schwelle. Auf dem Blondhaar thront eine bunt­gestrickte Wollmühe, die mir wunderbar vor­kommt. Aber wer kennt alle Modeneuheiten. Doch das Wunderbare löst sich ins Erklärliche, denn eine Frauenstimme ruft aus dem Parterre­fenster:Fritz, kumm eruff mit der Kaffiekavp", mer wolle Kassie trinke/ AndFritze" hupft mit seinem Kopfschmuck hinein, damit der ge­deckte Tisch komplett werde.

Irgendwo übt jemand bei offenem Fenster das freimütige ZugeständnisGern hab ich die Fpau'n geküßt". Daß er das noch nicht kann! Das konnte im vorigen Iahre doch schon jeder Schüler aus dem ff.

Ich schließe mein Fenster. Der junge Mann übt zu gründlich. Aber dadurch wird er's ja lernen. Bis zum Abend des Sonntags. And darauf wird's ihm Wohl ankommen. E. v. M.

Ltmversitäisglückwunsch an Dr. Eckener.

Die Hessische Landesuniversität Gießen hat an Dr. Eckener, der, mit dem HapagdampferReuhork" aus Amerika kom­mend, voraussichtlich heute abend in Hamburg ein­trifft, folgendes Glückwunschtelegramm übermittelt:

Herrn Dr. Eckener

Hamburg Hapag.

Dem Lenker des LuftschiffesGraf Zeppe- lin', Herrn Dr. Eckener, sendet bei seiner Rück­kehr auf deutschen Boden nach dem großarti­gen, von aller Welt bewunderten Fluge um die Erde, die Alma mater Ludoviciana in Gie­ßen herzliche Glückwünsche. Hoffentlich sehen wir das stolze Luftschiff bald auch einmal bei Tage über Gießen.

Dr. Drüggemann.

Rektor der Hessischen Landesuniversität.

Daten für Dienstag, 17. September.

Sonnenaufgang 5.37 Uhr, Sonnenuntergang 18.12 Uhr. Mondaufgang 18.10 Uhr, Mondunter­gang 3.19 Uhr.

1917: der Landschaftsmaler Toni v. Stadler in München gestorben.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. F. G. F.: 6. Hauptübung, Antreten 20.15 Ahr. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Der König von Soho" undMaharadscha von Domelgnien". Astoria-Lichtspiele:Die Frau, die nicht Rein sagen kann" undDer Turfkönig".

** Aufgehobene Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club (QI. v. D.) Gießen: Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke RiddaRixfeld, Ab­zweig Feldkrücke nR e b g e s h a i n, ist wieder aufgehoben.

* Geologisch-Heimatkundlicher Kur« f u 5. In den Tagen vom 16. bis 19. September fin­det im Geologischen Institut der Landesunioersität ein geologisch-heimatkundlicher Kursus statt, der vom hessischen Ministerium für Kultus- und Bildungs­wesen für die amtliche heimatkundliche Arbeitsge­meinschaft veranstaltet und von Unioerfitätsprofessor Dr. Harrassowitz in Gemeinschaft mit Studien­rat Dr. Flörke geleitet wird. Die Veranstaltung ist als Einführungskursus für Führer der geologi­schen Fachgruppe der heimatkundlichen Arbeitsge­meinschaft gedacht. Die Referate von Professor Dr. Harrassowitz und Studienrat Dr. F l ö r k e tragen dem Heimatgedanken besonders Rechnung und' sollen anregen zur geologischen Heimaterkun­dung und Heimatforscyung. Gesteinskundliche Uebun- gen und Anleitungen zu geologischen Beobachtungen im Gelände werden der praktischen Vorbildung die­nen. Exkursionen, von denen eine nach dem hohen Vogelsberg, die andere nach Bad-Rauheim führt, werden die in den Vorlesungen und Hebungen ge­wonnenen Erkenntnisse in der heimatlichen Land­schaft veranschaulichen. Etwa 30 Lehrpersonen aus Oberhessen nehmen an dem Kursus teil.

** Hessische Turnergrüße an den deutschen Turnerführer in Ame­rika. Der erste Sieger beim vorjährigen Deut­schen Turnfest in Köln, Turner Karl Reuter von Gießen, hat gelegentlich seines mit dem zweiten Gauvertreter, Schneider, Butzbach, durch^efubrten Besuches bei den deutschen Tur­nern trt Amerika tem ersten Sprecher des Rord- amerikanischen Turnerbundes, dem auch in un­serer Stadt bekannten und geschätzten Herrn George Seibel, folgende Grußadresse des Turnvereins von 1846 Gießen überreicht:Herrn George Seibel, erster Sprecher des Rordamerikanischen Turnerbundes. Dem hochverdienten Förderer der deutschen Turn­sache in Qlmerika sendet der Turnverein von 1846 Gießen durch sein Mitglied Karl Reuter, erster Zwölfkampfsieger beim 14. Deutschen Turn­fest in Köln 1928, die herzlichsten Gut-Heil- Grühe. Der Vorstand des Turnvereins von 1846 Gießen." Die beiden Amerikafahrer, Schnei­der, Butzbach, und Reuter, Gießen, werden voraussichtlich übermorgen mit derBremen" in Bremen eintreffen.

** Opel-Sonderschau. Die hiesige Qkr» tretung der Opel-Werke, die Autofirma P. I ä g e r, veranstaltet bis einschließlich heute abend in der Volkshalle eine Opel-Sondcrschau, bei der die verschiedensten Typen von Autos und Motorrädern einer breiten Oeffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich gemacht werden. Die interessante Schau wurde am Samstagnachmittag in Gegenwart geladener Gäste eröffnet. Man bemerkt in dieser Ausstellung eine große Anzahl schöner Personenkraftwagen, vom kleinsten bis zum größten Typ und von der einfachsten bis zur luxuriösesten Ausstattung, ferner Motor­räder der verschiedensten Bauart, Lieferwagen mannigfacher Art und Personenwagen, die durch Auswechseln des Chassis mit Leichtigkeit auch zu Geschäftszwecken umgestaltet werden können. Sämtliche Kraftfahrzeuge bieten in ihrer vor­trefflichen Bauart und bei der übersichtlichen Gruppierung dem Besucher ein eindrucksvolles Bild von der Leistungsfähigkeit unseres deut­schen Krafts cchrzeugbaues. In geschmackvoller Weise find die ausgestellten Fahrzeuge von Pal­men und Blattpflanzengrün aus dem Gärtncrei- betriebe der Firma Hubing umrahmt. Gute Anterhaltungsmusik der Kapelle Topp erhöhte für die Ausstellungsbesucher den Reiz dieser Veranstaltung. Am gestrigen Sonntag, insbeson­dere am Rachmittag, war die Ausstellung außer­ordentlich stark besucht. Allenthalben fand die bisher in unserer Stadt einzigartige Veranstal­tung die günstigste Beurteilung der Besucher.

** Zusammen ft vßzwischen Autound Motorrad. Gestern mittag gegen ein Ahr stieß an der Ecke Kaiserallee und Landmann- straße ein Auto mit einem Motorradfahrer zu­

sammen, der vom Motorrad flog, erfreulicher­weise aber nicht schwer verletzt wurde. Sa­nitätsrat Dr. Schliephake, der zufällig vor­beifuhr, leistete die erste Hilfe, sodann brachte die Sanitätskolonne den Verletzten in die Chirurgische Klinik, von wo er aber bald wieder entlassen werden konnte. Das Motorrad wurde stark beschädigt.

** Die Herbstblumen- und Obstaus- st e l l u n g des hiesigen Obst- und Gartenbauvereins, die wegen andauernder Dürre verlegt werden mußte, findet nunmehr am nächsten Samstag und Sonntag in der Turnhalle am Oswaldsgarten statt. Sie soll neben schönem Obst dem blumenliebenden Teil des Publikums das Beste und Neueste auf dem Gebiete der Herbstblumen bringen. Näheres wird im An­zeigenteil noch bekanntgegeben.

* Der Verband ehemaliger 116er Gießen hält feine., diesjährigen Verbandstag am 2. und 3. November auf Einladung der Alsfelder Ortsgruppe des Verbandes in Alsfeld ab.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

* Klein-Linden, 16. Sept. Heute feiert in seltener Rüstigkeit die Witwe Margarete Pauly, geborene Riebel, ihren 75. Ge­burtstag. Ihre Kinder sind zum Teil von weit herbeigeeilt, um ihr persönlich zu gratu­lieren und den Tag mit ihr im Elternhause zu verleben.

V Mainzlar, 14. Sept. Gestern sand hier die erste diesjährige Obstversteigerung statt. Zur Versteigerung kamen vorerst nur Zwet- schenbäume, die einen guten Behang zeigen. Die Preise waren nicht sehr hoch. Es kosteten je nach Behang und Glück des betreffenden Steigerers der Baum 36 Mk., bei welchem Preis sich der Zentner auf ungefähr 68 Mk. stellt. Die Kartoffelernte ist nunmehr auch bei uns in vollem Gange. Obwohl die Knollen trotz der Trockenheit entsprechend gut entwickelt sind, läßt der Behang zu wünschen übrig, so daß der Ertrag gegenüber Jahren mit normalen Riederschlags­mengen eiten zum Teil erheblichen Ausfall auf­weist. Einigermaßen Erträge llefern die weniger empfindlichen Sorten. Da man mit den Ver­käufen bis nach beendeter Ernte zurückhält, läßt sich über die Preisfrage noch nichts Bestimmtes sagen.

# Hungen, 14. Sept. In dieser Woche konnte der Zweitälteste Einwohner, Salomon Kahn, sei­nen 8 7. Geburtstag begehen. Der Greis er­freut sich noch einer verhältnismäßig guten körper­lichen und geistigen Rüstigkeit. Infolge der an­haltenden Trockenheit und der damit verbundenen Futterknappheit wurde das Jungvieh auf der Viehweide Tiergarten früher als sonst ab­getrieben. Nachdem bereits zu Ende des Vormonats die zweijährigen Fohlen abgeholt wurden, ist in diesen Tagen auch der Abtrieb der Rinder voll­zogen worden. Der Gesundheitszustand der Tiere war sehr gut, auch hatte das Vieh eine gute Ge­wichtszunahme zu verzeichnen. Einzelne Tiere hat­ten bis zu zwei Zentner zugenommen. Die einjäh­rigen Fohlen verbleiben noch auf der Weide und erhalten Heu als Beifutter. Im ganzen war die 210 Morgen große Weide mit 112 Rindern und 40 Fohlen belegt.

# Aus der nördlichen Wetterau, 14. Sept. Nach dem man vergeblich auf einen durch­weichenden Landregen gewartet, hat man nun mit der Ernte der Spätkartoffeln begonnen. Der Ertrag muß als gut bezeichnet werden; in guten feuchten Lagen kann er sogar als sehr gut betrachtet werden. Dabei zeichnen sich die Knol­len durch gleichmäßige Dicke aus und kommen wie gewaschen aus dem Boden. Faule und kleine Kartoffeln kommen nur vereinzelt vor und beson­ders an solchen Büschen, die von der Schwarzbeinig­keit, Pythophtera und Kräuselkrankheit befallen sind. Der Ertrag schwankt zwischen 80 bis 120 Zentner je Normalmorgen. Neben den verschiedenen Jn-

buftrieforten haben sich neuere Züchtungen, rote Gelkaragis, Rotkaragis und Edeltraud vorzügllch bewährt und gerade die langanhallende Trockenhell verhältnismäßig gut überstanden. Der Handel mit Spätkartoffeln hat noch nicht eingesetzt.

Kreis Büdingen.

# Echzell, 14. Sept. Der diesjährige Schweinemarkt hatte einen Auftrieb von 243 Stück zu verzeichnen, es waren dies gegen den leg­ten Markt fall 1Ö0 Stück mehr. Die Preise waren leicht rückläufig, es verblieb Ueberftanb. Sechs Wochen alte Jungtiere kosteten 30 bis 35 Mark, 7 Wochen alte 33 bis 36 Mark, 8 Wochen alte 38 bis 45 Mark. Regere Nachfrage herrschte nach älte­ren Springern und Einlegeschweinen, die je nach Alter und Stärke bis zu 70 Mark je Stück kosteten.

Kreis Alsfeld.

y W aulb ach, 15. Sept. Heute nacht gegen 12 Ahr brannte die Hof reite des Land­wirts und Waldarbeiters Becker (rieten dem Pumpwerk unserer Wasserleitung) nieder. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch unbe­kannt. Gin Glück war es, daß Windstille herrschte, da der Brand in den eng beisammen liegenden Gebäckden reiche Rahrung gesunden hätte.

Abgelehnte Hastenilaffung.

WSR. Franksurt a. M., 14.Sept. Direktor Dr. Kirsch bäum von der Frankfurter All­gemeinen hatte die Haftprüfung beantragt. Das Gericht verhandelte am Donnerstag ununter­brochen von 9 bis 18 Ahr unter Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen über den Haft- prüfungSantrag. Der Beschluß wurde heute vor­mittag verkündet. Danach wird der Haft­befehl aufrecht erhalten, da in zahl­reichen Fällen dringender Verdacht strafbarer Handlungen besteht und das Gericht auch die Frage nach Fluchtverdacht und Verdunkelungs­gefahr bejaht hat.

WSR. Frankfurt a. M., 14. Sept. Von der Frankfurter Allgemeinen Verfiche- rungs-A. -G. wird jetzt eine Qlufstellung der Bürgschaftsverpflichtungen bekannt- gegeben, deren Gesamtsumme sich auf 127 200 000 Mark beläuft. Rechnet man die Hyvotheken- garantien usw. in Höhe von 41600 000 Mk. hinzu, so ergibt sich eine Endsumme von 168 800 000 Mk. Die Durchprüfung derBürg- schaftsverpslichtungen, namentlich im Hinbblick auf die Bonität der Erstschuldner und Sicherheiten, ist noch nicht beendet. Es befinden sich darunter eine Reihe von Geschäften, die Ausfälle nicht befürchten lassen. Die Höhe der Inanspruch­nahme kann deshalb noch nicht endgültig ab­geschätzt werden, so daß eine Abänderung der Reserve nach oben oder unten Vorbehalten blei­ben muß.

Berliner Börse.

Berlin, 16. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der erste Frühoerkehr der neuen Woche lag zurückhaltend und ohne Anregung. Kurse wurden noch nicht ge­nannt, der Grundton war ober nicht unfreundlich. Am Devisenmarkt hörte man London gegen Paris 123,89, London gegen Mailand 92,69, London gegen Spanien 32,85, London gegen Kabel 4,8463, London gegen Berlin 20,36 zu 20,3613, Kabel gegen Berlin 4,2010.

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