Ausgabe 
16.5.1929
 
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Nr. UZ Erster Blatt

179. Jahrgang

Donnerstag, 16. Mal 1929

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Schalle.

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GietzenerAnzeiger

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Graf Zeppelin" zur zweiten Amerikafahrt gestartet.

Friedrichshafen, 16. Mai. (W. T. B.-Kunkspruch.) Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat heute früh um 5.58 Uhr zur festgesetzten Startzeit mit 40 Mann Besatzung und 18 Passagieren an Bord, seine Fahrt nach den Vereinigten Staaten von Amerika angetreten. Rach einer Schleife über dem Heimathafen hat das Schiff das Stadtgebiet mit Kurs auf Konstanz- Basel in langsamer Fahrt verlassen. ?

Der Statt in Friedrichshafen.

Friedrichshafen. 16.Mai. (0123. Funk­spruch.) Sieben Manate nach seiner ersten Amerika­fahrt ist es nun foroeif, datz derGraf Zeppelin" seine zweite Fahrt nach dem Kantinent jen­seits des Atlantik antrilt. diesmal mit zahlreichen zahlenden Passagieren und wertvoller Ladung an Lord.

Jn der Stadl und auf dem Werftgelände wird es schon kurz nach Tagesanbruch lebendig, besonders in den Quartieren der Passagiere und der Zeitungsleute geht es aufgeregt zu. Die Straften und Wege sind aufgeweicht, da es die ganz Rächt hindurch geregnet hat. Auch jetzt ist der Himmel mit tiefhängenden, regenschweren Dal- ken überzogen, vor dem von den polizeibeamlen streng gehüteten Lingangstor der Werft und um den Platz herum drängen sich zahlreiche Neu­gierige und verfolgen gespannt die Abfertigung der reihenweise eintressenden Kraftwagen mit Fahr­gästen und sonstigen Bevorzugten, die Zutritt haben. Gegen 5.30 2lhc kommt allmählich Leben in die grofte Halle. Die Passagiere finden sich mit dem kleinen Handgepäck ein. Während der dunkel- häutige Gorilla mit einem Handwagen zum Schiff transportiert wird, summen au Bord schon einzelne Motoren im Probelauf. Als einer der ersten geht Commander Clarke an Bord. Dann folgen in kurzen Abständen die übrigen Fahrgäste.

Das Schiff ist offensichtlich vollkommen klar zum Start, denn schon kurze Zeit, nachdem die Vassagiere und die Besatzung gröfttcnteils an Bord sind, werden die Sandsäcke abgenommen und die Docke unter dem Schisssrumps entfernt. Das schwer­beladene Schiff konnte von wenigen Mann am Boden gehalten werden. Um 5.45 Uhr öffnen sich langsam die schweren Tore der Halle. Ein kühler Luftzug hebt die Flanken des Schiffes. Die e i n - jigeDamean Bord, die schlanke Amerikanerin, deren Name nicht bekannt ist, stellt sich noch in letzter Minute den hin und her haftenden Photo­graphen zur Verfügung. Dann geht auch sie in das Schiss. Die Stimmung ist ausgezeichnet, die Passa­giere unterhalten sich lebhaft mit den Umstehenden. Besonders Kapitän Witkins, der alte Pilot, macht ein fröhliches Gesicht. Dann erscheint Dr. Eckener, gibt die letzten Befehle an die Mann­schaft und verfchwindet in der Gondel.

Um 5.49 Uhr ist alles an Bord und sofort wird das Schiss durch das Desttor im flotten Tempo mit dem Heck in die taunassen Wiesen hinausge­bracht. Die Spannung ist auf den Höhepunkt ge­stiegen, als das Schiss ganz in» Freie gezogen wird mit der Spitze nach Süden quer zur Halle gedreht und über einen Graben hinweggebracht wird, be­gleitet von den Zurückbleibenden. Die Passagiere stehen mit vergnügten Mienen an den Fenstern. Scherzworte fliegen hin und zurück. Die letzten Pho­tos werden angefertigt. Dr. Eckener verfolgt auf­merksam den Transport des Schisses, und wenige Minuten später gibt er das Kommando zum A u f ff e i g e n. Die Motoren werden angeworfen, die Haltemannschaften ffoften den schweren Schiffs­rumpf in die höhe und langsam löst sich der Zeppe- lin von der heimatlichen Erde. Ein letztes Grü- ft en und winken seht ein, herunter und hinauf, das aber nicht von langer Dauer ist, denn sobald die fünf Motoren in Gang kommen, zieht das Schiff in mäftiger höhe rasch nach Südosten davon. Kurze Zeit später ist derGras Zeppelin" nach einer Schieise über der Stadt in westlicher Richtung flie­gend, hinter Wolkenfchleiern verschwunden.

Blinde Passagiere.

Friedrichshafen, 15. Mai. (WTD.) Heute morgen wurden auf der Werft des Luft­schiffbaues wiederum drei junge Leute entdeckt, die sich als blindePasfagiere an der Amerikafahrt desGraf Zeppelin" be­teiligen wollten. Zwei von ihnen hatten am Tage vorher das Luftschiff besichtigt und s i ch abendsin die Halle einschlieften las­sen, während der dritte während der Nacht über den Zaun geklettert war. Einer der Festgenommenen, ein junger Holländer na­mens G. T. Kuhser. der vor einigen Tagen aus Amsterdam nach Friedrichshafen gekommen war, trug einen Monteuranzug und wollte sich beim Abflug in dieser Kleidung an Bord des Luftschiffes schmuggeln. Die beiden anderen sind junge Deutsche, der 20jährige Autoschlosser Richard Karge aus Bremen und ein 26 Jahre alter Gerbereiarbeiter aus Murhardt in Würt­temberg. Die drei ungebetenen Gäste wurden i n Haft genommen, da der Luftschiffbau nun­mehr,' wie bereits angekündigt, gegenüber blinden Passagieren von seinem Recht zur Stellung

eines Strafantrages Gebrauch machen wird. Heute nachmittag wurde ein weiterer blinder Passagier, ein 17jähriger Hilfsarbeiter aus Freiburg, in der Halle entdeckt, als er eben im Begriffe war, von oben durch das Gas - schachtventil in das Luftschiff hinabzusteigen. Der junge Mann hatte sich mit einer voll­ständigen Wildwestausrüstung, meh­reren Messern, einer Reitpeitsche, Lasso und Signalpfeife versehen. Er wurde fe ft genom­men , da auch gegen ihn Strafantrag gestellt werden wird.

Oer Weg zur Selbstverständlichkeit.

Zum drittenmal tritt ein deutsches Lenk- luftschiff von Friedrichshafen aus die Fahrt über den Ozean an. Das erstemal, als L. Z. III, das spätere Los Angeles das Wagnis unternahm, waren nur feine Erbauer und andere Fachleute an Bord; beim zweiten Male hatten sich für Hin- und Rückflug schon eine Reihe Passagiere ein- gesunden, die chr Unternehmen aber immerhin als großes Wagnis empfanden; beim dritten Male schiffen sich die Passagiere mit ungefähr den gleichen Empfindungen ein, mit denen man früher eine Seereise in einem der guten deut­schen Dampfer des Lloyd oder der Hapag an­trat. Und wenn eine Weile später die große Weltumsegelung desGras Zeppelin" in Szene gesetzt wird, wobei es gilt, zum erstenmal über Sibirien und Japan hinweg den gegenüber dem Atlantischen noch erheblich breiteren und we­niger befahrenen Stillen Ozean zu kreuzen, so wird das ebenfalls nur noch eine Frage des Geldbeutels und der Zeit, aber selbst im Bewußt­sein der Teilnehmer nicht chres persönlichen Mu­tes sein.

Was hier von diesem einen Verkehrsmittel der Zukunft nein, der Gegenwart! gesagt ist, galt vor einigen Jghren vom Flugzeug für den binnenländischen Verkehr, galt wenig früher vom Automobil und vom Motorrad, die sich heute in Millionen Exemplaren die Verkehrswege der ganzen Welt erobert haben. Es ist die Erzie­hung zur Selbstverständlichkeit, die jedem praktisch brauchbaren technischen Fortschritt innewohnt, sobald er sich durch einige Pioniere das Daseinsrecht hat erkämpfen lassen. Auch von technischen Fortschritten, die nicht auf dem Ver­kehrsgebiet liegen, gilt das gleiche. Der hübsche Scherz, den wir dieser Tage in einer Rundfunk­zeitung fanden, ist dafür durchaus bezeichnend. Roch vor wenigen Jahren, in und selbst nach dem Kriege eine Art Geheimwissenschaft der Fach­leute, ist das Radiowesen heute jedem Kinde vertraut und bis zu den primitiven Volkern vor­gedrungen. Deshalb ist es keineswegs so sehr un­wahrscheinlich, daß der Reisende in Jnnerafrika, der in einem Dorfe von Dinka-Negern sich von seinem kleinen Rundfunkapparat eine allgemeine Verblüffung der Bevölkerung verspricht, als er vergeblich die Stimme ferner Stationen aufzu­fangen versucht, von dem Häuptling darauf auf­merksam gemacht wird, er habe feinen Stromkreis­lauf falsch geschaltet und für diese Apparatgröße empfehle sich eher eine Hochantenne als ein Rahmen...

Freilich ergibt sich aus solchen Erkenntnissen auch ein Rückschluß weniger erfreulichen Cha­rakters. Denn wenn die Errungenschaften, die heute im Vordergrund des öffentlichen Interesses stehen: Verkehrswesen, Radio, Kino usw. jedem Kinde und jedem Eingeborenen primitiver Ge­biete ebenso leicht und ebenso vollkommen zu­gängig sind, wie dem Fachwissenschaftler, und wenn dasnil admirari für alles und jedes gilt, was wir als Kulturgüter anzusehen ge­neigt sind, so ergibt sich daraus die Verfla­chung dieser Kultur. Und damit zugleich der Verlust der seelischen Güter, die früher mit dem Begriff Kultur verbunden waren, weil ihr Besitz geistig erarbeitet und see­lisch genossen werden mußte. Die Neigung zu solcher Arbeit, zu solcher Vertiefung, muß aber notwendig in dem Maße abnehmen, in dem die E r s a h g ü t e r der Kultur gleichsam automatisch in den Besitz, in die Kenntnis, in den Derwertungsbereich jedes einzelnen gelan­gen. Wozu braucht man ein musikalisches In­strument mühsam zu erlernen, wenn man gute Musit durch das Drehen an einem Knopfe oder durch einen Fingerdruck jederzeit ins Haus ge­liefert bekommt? Wozu braucht man sich seelisch und geistig auf eine Reise zu trainieren, sich körperlich auf Märsche vorzubereiten, wenn man im bequemen Auto, Flugzeug usw. diese und noch viel größere Entfernungen ohne eigene An­strengung spielend zurücklegt? Und wozu braucht man Länder und Völker zu studieren, wenn man sie mit Ueberspringung aller Zwischengebiete in wenigen Tagen im Luftschiff erreichen und wieder verlassen kann? Die Entwicklung zur Selbst­verständlichkeit, so unaufhaltsam sie uns scheint, hat Schattenseiten, die eine Einkehr for­dern, wenn wir die ungeheuren Werte der

selb st erarbeiteten Kultur für den einzel­nen und für die Völker nicht gefährdet sehen wollen.

Reisen und Wandern."

Die Eröffnung der Achten Jahrcsschau Deutscher Arbeit in Dresden.

Dresden, 15. Mai. (WTB.- Die Achte Jahresschau deutscher ArbeitReisen und Wan­dern" wurde mit einem großen Festakt in Gegen­wart einer ansehnlichen Festversammlung eröffnet. Ministerpräsident Heldt begrüßte die zahl­reichen Ehrengäste aus allen Ländern, insbeson­dere die Vertreter des Reiches.

Reichsminister des Innern Severing wies dann auf die seelische und die körperliche Bedeutung insbesondere des Wanderns hin. Das Wandern, so führte der Minister u. a. aus, verleiht ein Gefühl der Ungebunden­heit, es reißt uns heraus aus dem Qualm der Häusermeere, aus dem Rauch der Fabriken und gibt uns in Feld und Wald der Natur wieder, es löst uns von den vielfachen Bindun­gen des Berufslebens und läßt uns auf kurze Stunden die Lasten und Sorgen des Alltags vergessen. Darin liegt zugleich ausgesprochen die Lebenswichtigleit und Bedeutung von Reisen und Wandern für die lebende Generation. Maß und Tempo der Arbeit verlangen heute

Cleveland (Ohio), 15. Mai. (WB.) In einer hiefigen Klinik ereignete sich eine furchtbare Explo­sion. Die Klinik geriet in Brand. Aus den Labo­ratorien der Klinik strömte Giftgas aus, daß sich in der Umgebung der Klinik verbreitete Eine Anzahl von Fußgängern, die das giftige Gas ein- almeten, brach bewußtlos zusammen. Alle verfüg­baren Aerzte und Rettungsmannschaften wurden alarmiert und in der Nähe befindliche Autos und Lastwagen zur Hilfeleistung herangezogen. Die Zahl der Toten bei dem Krankenhausbrand ist auf 93 gestiegen. Man rechnet damit, daft noch mehr Leichen unter den Trümmern liegen. Bor dem Trümmerhaufen, den das Gebäude bildet, spielen sich unbeschreibliche Szenen ab. Zu Hunderten suchen die Angehörigen der verunglückten Auskunft über das Schicksal der Krankenhaus­insassen zu erholten, viele Kranke muhten wäh­rend des Brandes vom Dach des Hauses heruntergeholt werden, wohin sie das Pflege­personal zunächst gebracht hatte, viele Verwundete lagen stundenlang auf dem Strahenpstaster, ehe man ihnen Hilfe angedeihen lassen konnte. Anter den Toten befinden sich viele Opfer der Giftgase.

Nach zwei schweren Explosionen schossen aus den Fenstern des zweiten Stockwerkes sofort die Flam­men heraus und die in diesem Stockwerk unter- gebcachten Patienten waren hilflos dem w ü - tenden Element preisgegeben. Das Hospital, in dem sich zur Zeit der Explosionen über hundert Patienten befanden, füllte sich im Anschluß an die Explosion mit Giftgasen. Die Feuer­wehrleute aus der ganzen Stadt, die schnell herbei­geeilt waren, sowie eine Reihe anderer Helfer dran­gen todesmutig mit Gasmasken vor und zogen die Patienten aus den Fenstern heraus. Andere Ge­fährdete wurden von den Aerzten und Pflegern auf das Dach des Hospitals getra­gen. Die meisten Geretteten hatten bei ihrer Ret­tung das Bewußtsein bereits verloren und waren verletzt. Ihre den Giftgasen ausgesetzten Gesichter und Hände waren gelb gefärbt. Bei dem Rettungswerk tat sich besonders der gerade vorüber­fahrende Laskautoführer Jack Sutherland her­vor, der einem Feuerwehrmann die Gasmaske ent­riß, in das brennende Gebäude hineinstürzte und zwanzig Personen rettete, ehe er selbst bewußtlos zusammenbrach. Die Feuerwehr hat jetzt ermittelt, daft die Explosionen im Erdgeschoß er­folgten, wo F i l m st r e i s e n aufbewahrt wurden, die zur Aufnahme von Röntgenphotos dienten. Die Polizeimannschasl, die als erste an der Unglücksstätte eintraf, stieß beim Eindringen in das Gebäude auf einen Haufen von 25 Leichen. Line innere Tür war durch eine Leiche versperrt, so daß andere Patienten, die bereit» zu schwach waren,

äußerste Kraftanstrengung, rastlose Hingabe an den Betuf, da macht sich ebenso ge­bieterisch die Forderung nach einem körper­lichen und seelischen Ausgleich nach Entspannung geltend, die um so vollkommener sein wird, je mehr es gelingt, mit der Arbeitsruhe zugleich einen Wechsel der Umgebung zu erhalten, eine innere Berührung mit den Kräf­ten der Natur zu verbinden. Für unser Boll aber werden die Vorteile des Wanderns nur dann wirksam werden, wenn es gelingt, die Vor­aussetzungen zum Reisen und Wandern auch für die breite Masse zu schaffen. Eine Serien» pause im Jahr und eine erträgliche Ar­beitszeit sind die ersten Voraussetzungen für die Befreiung vom Zwange des Berufslebens. Das weitere Bestreben muß darauf gerichtet sein, das Reisen und Wandern nach Möglichkeit zu verbilligen. Der Minister verwies auf die vorbildliche Tätigkeit des deutschen Jugend­herbergsverbandes auf diesem Gebiet und richtete einen Appell an alle öffentlichen Körper­schaften wie an die Verkehrsgesellschaften, den Wander- und Sportvereinigungen und den Ferienausflüglem Reisen und Wandern zu er­leichtern. Ausgaben für die Volksgesundheit, so schloß der Minister, sind Anleihen, die sich m i t leistungsfähigen und l e i st u n g s w i l l i- gen Menschen verzinsen, und darum auch ein kräftiger Hebel zur Aufwärtsbewegung un­seres Volkes.

sich nicht mehr retten konnten. Der Schrecken wurde noch durch das Jammern und Stöhnen der in den Betten liegenden Patienten vermehrt. Wie die Feuerwehrleute und die Polizei- mannschasten so zeigten auch die Aerzte und das Pflegepersonal ein heldenmütiges ver­halten bei dem Rettungswerk. Die Intensität der Flamme wurde noch durch die Explosion mehrerer Sauetttoffbehälter verstärkt. Nach den Explosionen entwickelten sich dichte Wolken oon Bro- midgas, die bei den Opfern Blutungen der Augen, der Nase und des Wundes hervorriefen. Alle in der Stadt aufzutreibenden Sauerftoff- behälter wurden den Krankenhäusern, in die die an Gasvergiftung erkrankten Opfer der Kata­strophe eingeliefert worden waren, zur Verfügung gestellt. Die Todesopfer sind zumeist Patienten, aber auch einige Aerzte und Krankenwärter befin­den sich unter den Toten. Die meisten von ihnen sind den erlittenen Brandwunden erlegen, zahlreiche sind vermutlich auch Opfer des Gift­gases geworden. Die Feuerwehrleute trugen Dutzend« oon Personen aus dem brennenden Hause heraus, ohne zu wissen, ob sie tot oder lebendig sind. Die Schreckensrufe und das Jammergefchrci der Opfer erfüllten die Luft. Alle Geborgenen wur­den unverzüglich in die benachbarten Krankenhäu­ser gebracht. Wan befürchtet, daß viele oon ihnen noch den erlittenen Verletzungen und den Einwir­kungen des giftigen Gases zum Opfer fallen wer­den. Trotz fieberhafter Tätigkeit der Aerzte ist die Sauerstoffzuführung bei den vergifteten oft zu fpät gekommen. Eine Augenzeugin, die sich im Warte­zimmer des Krankenhauses befand, gab folgende Schilderung der Katastrophe: Ich befand mich im Wartezimmer, als ich aus einem Neben­raum Rauchwolken eindringen sah. So­fort flammten die roten Signallichter des Krankenhauses auf, Aerzte und Wärter fuhren die Patienten in Krankenftühlen aus ihren Zimmern, viele, die dem Ausgange zueilten, wurden infolge des Einatmens des Bromidgases ohnmächttg und brachen zusammen.

Fast hundert Todesopfer.

Cleveland (Ohio), 16.Wai. (WTB. Funk- spruch.) Nach den letzten bekanntgewordenen An­gaben ist die Zahl der Todesopfer der Krankenhaus- explofionskatastrophe nunmehr auf 99 gestie­gen. Bei 40 lebend Geborgenen, die in andere Krankenhäuser gebracht worden sind, besteht wenig Aussicht, sie am Leben ; u erhalten. Die Todesfälle sind zum größten Teil durch die sich eut- wickelnden Giftgase verursacht worden. Bis jetzt ist nur beivier oder fünf Leichen der Tod durch Verbrennung festgestellt worden.

Furchtbare <Wosions- mb Sistgaskalastrophe in einem amerikanischen Krankenhans.