Oer Reichstag stimmt Hilferdings Anleiheplänen zu.
Berlin. 15. Mai. (DDZ.) Auf der Tagesordnung steht die zweite und dritte Beratung der 500-Milllonen-Anleihe. Der Ausschutz hat die Vorlage nur dadurch ergänzt, daß er eine Sicherung des Verbleibens des Stimmrechts für die Vorzugsaktien der Reichsbahn beim Reich verlangt.
Abg. Or. Bang (On.)
bezeichnet die Vorlage als den Verzweiflungsakt eines zum Pumpgenie gewordenen politischen Systems. Es handele sich um die A n g st a n - leihe einer ratlos gewordenen Finanzwirtschaft. Der Finanzminister habe in unverantwortlicher Weise den Ern st der Lage verschwiegen. Die Bedingungen dieser Anleihe sind des Deutschen Reiches unwürdig.
Es brauchte nur noch ein Ausschreier zu rufen: »Immer hereinspaziert, hier ist zu sehen eine sozialistisch-kapitalistische Mißgeburt, hervorgegangen aus der Kameradschaftsehe Hilferding- Goldscbmidt!" (Sehr gutl rechts.) Hier verteilt ein sozialdemokratischer Minister Liebesgaben an die reichsten Leute. Die Sozialdemokratie ist jetzt salonfähig geworden bei Morgan. Den Schaden wird die deutsche Wirtschaft tragen. ES handelt sich um eine Dauerkrise. die hervorgerufen ist durch Ihre Reparationspolitik und marxistische Innenpolitik. Wir rufen Ihnen zu: Geben Sie uns W i r t s ch a f t s- f re ih e i ti Sie versilbern eine Existenzgrundlage des deutschen Volkes nach der anderen. Dr. Stresemann hatte auch gerufen: Los vom marxistischen System der Volksverelendung.
Abg. Or. Cremer (D.A.).
Mit dem Abg. Dr. Bang kann man sich nicht auseinandersetzen, denn er hat nur zusammenhanglos Dinge aneinandergereiht, die keine Argumente sind. (Unruhe rechts.) Er wird erst angeben müssen, wann und in welchem Zusammenhang Dr. Stresemgnn die von ihm zitierten Worte gesprochen hat. Wir wollen der Wirtschaft helfen. Die Wirtschaft wird durch nichts mehr gefährdet, als durch die fortgesetzten phantastischen Redereien über bevor stehende Katastrophen. (Sehr gutl Ruf«: Hugenberg und Bang.) Gegen die vorliegende Anleihe lassen sich viele gewichtige Bedenken Vorbringen. Wir haben sie erst zurückgestellt, als im Ausschuß die älnmög- lichkeit dargelegt wurde, einen anderen Weg zu beschreiten. Wir stimmen der Anleihe zu unter der Voraussetzung, dah ihr eine organische Finanzreform folgt auf der Grundlage einer Einsparung laufender Auslagen und einer Entlastung der Wirtschaft.
Reichsfinanzminister Or. Hilferding spricht die Hoffnung aus, dah die Rede des Abg. Dang nicht noch unerfreuliche Folgen für den Kredit des Deiches haben möge. Der Vertreter des Zentrums, der Abg. Brüning, und er, der Minister, hätten den Appell an die Parteien gerichtet, sie möchten, nachdem die Ausschuhverhandlungen keinen anderen Weg gezeigt hätten, die Debatte im Plenum so führen, dah keine Schädigung des Reiches eintritt. Ich hatte gehofft, so erklärt der Minister, dah dieser Appell auch bei den Deutschnationalen Verständnis finden würde, zumal die Haltung ihrer Vertreter im Ausschuß ganz anders gewesen ist. Die Ausführungen des Abg. Dang waren unverantwortlich. Als die Regierung ihr Amt antrat, war ein Kassenbedarf von 1075 Millionen vorhanden. Die gleichen Vorwürfe müßten also meine Amtsvorgänger treffen. Die wesentliche Verschlechterung, die später eintrat, ist, wie alle wissen, auf den außerordentlich strengen Frost und die damit verbundene Erwerbslosigkeit zurückzuführen. (Gelächter rechts.) Ist es richtig oder nicht?, so ruft der Minister erregt den Deutschnationalen zu, dah die Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung auf Grund einer gesetzlichen Verpflichtung geleistet werden muhten, die Siemitgeschaffen haben? (Hört, hört!) Verlangen Sie, daß die Reichsregierung dieses während ihrer Regierung zustande- gekommene Gesetz brechen und die Zahlungen einstellen sollte? Sie haben nicht das geringste Recht unS irgendwelche Vorwürfe zu machen. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) Ich frage Sie weiter, wo sind während Ihrer Re- gierungszeit irgendwie Ausgaben des Reiches gesenkt oder eingeschränkt worden? Warum haben Sie die Reparationszahlungen nicht eingestellt, als Sie in der Regierung sahen? Warum haben Sie dafür gesorgt, daß die Zweidrittel-Mehrheit Jüt die Dawes-Gesetze zustandekam? Die haben die Zahlungen nicht eingestellt, weil Sie sich nicht getraut haben, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Eine Verleumdung ist es auch, wenn Dr. Dang angedeutet hat, wir hätten die Stellung unserer Pariser Unterhändler verschlechtert. Tatsächlich ist der Etat so eingebracht, datz er balanciert, ganz gleichgültig, wie die Pariser Verhandlungen ausgehen. Unsere Sachverständigen haben volle Handlungsfreiheit. Es ist eine Verleumdung, baß wir auf Paris spekulieren. (Zustimmung.)
Abg. Or. Bredt (W.p.) erinnert daran, dah die Wirtschaftspartei schon seit zweieinhalb Jahren darauf hingewiesen haoe, daß die Ausgabenpolitik der Regierung und des Reichstages zu einem Defizit führen müsse, wie es jetzt da sei. Don den leitenden Herren des Finanzministeriums sei immer erklärt worden, daß eine Steigerung der Einnahmen zu erwarten fei. Unsere Unterhändler in Paris hätten eine ganz andere Position gehabt, wenn der Reichsetat nicht e i n viel zu günstiges Bild unserer Finan- zen vorgetäuscht hätte. Wir können heute unmöglich durch Annahme der Anleihe die Verant- wortuna für das übernehmen, was wir seit Jahren bekämpft haben. Für den Parlamentarismus ist diese Vorlage eine Katastrophe. Wir wollen für die Zukunft einer Wiederholung solcher Dinge Vorbeugen durch den Antrag, daß Anträge auf Mehrausgaben nur Im Zusammenhang mit dem entsprechenden D e ck u n g s a n t r a g elnge- bracht werden dürfen.
Abg. Or. Brüning (3-) wendet sich zunächst gegen den deutfchnationalen Redner Dr. Bong. Wenn in diesem Augenblick eine Katastrophenrede aehalten wird, die nur den Zweck haben kann, das Prestige der neuen Anleihe schon vor ihrer Auflegung her abzumindern, jo ist das eia
Mangel an Derantwortungsbewuhtsein, wie wir ihn In diesem Hause selten erlebt haben. Bedenklich ist der Wechsel in den führenden deutfchnationalen Finanzpolitikern. Vor drei Jahren ein verantwortungsbewußter, sachlich aufs äußerste beschlagener Mann wie Herr von Schlieben, heute eine unsachliche, mit dem Thema überhaupt nicht zusammenhängende Rede, wie di« des Herrn Bang. Ich weiß nicht, wie die Deutschnationalen es mit ihrem Verantwortungsbewußtsein vereinbaren wol- len, daß eine solche Katastrophenrede gehalten wird in einem Augenblick, wo gerade im Interesse der Reparationsverhandlungen wir aus der akuten Finanzkrise herauskommen ' müssen. Die vorliegende Anleihe ist gewiß in mancher Deziehung bedenklich. Wir haben aber keine andere Wahl. Die Wirtschaftspartei hat auch keinen besseren Weg zeigen können. Es ist einfach, schematisch einen lOprc^entigen Abstrich vom Etat zu beantragen. Wer wirklich Ersparnisse erzielen will, der muh in gewissenhafter Arbeit die einzelnen Etatpositionen überprüfen, wie wir es gemacht haben. Die Wirtschaftspartei hat in dieser Beziehung noch nichts geleistet.
Abg. Or. Leicht (Bayr.VP.) stimmt dem sozialdemokratischen Redner darin zu, dah die Anleihe von keinem begrüßt werd«. Sie führe zu steuerlichen und sozialen älngerechtig- keiten. Es ist auch zu befürchten, daß sie die Finanzkatastrophe nur vom Reiche auf die Länder abwälzt. Wir können der Anleihe nur unter der Voraussetzung zustimmen, dah sie eine einmalige Ausnahme bleibt, dah sie den An- fang bildet einer Reihe von Maßnahmen, um die Wiederkehr ähnlicher Zustände zu verhindern. Vor allem aber verlangen wir eine Beschränkung der Ausgaben nach dem Matz unserer finanziellen Leistungsfähigkeit. Der Brauch muß abkommen, dah jeder neue Finanzminister beim Amtsantritt seine Popularität durch Steuersenkungen fördert.
Abg. Or. Wendhausen (Chr. Aai. BP.)
Diese Vorlage beseitigt die Finanznot nicht. Wir haben die allerstärksten Bedenken gegen diese Anleihe. Man hätte eine andere Finanzpolitik treiben müssen. Dieser Anleihe werden wir unter keinen Umständen zustim- men.
Abg. Or. Reinhold (Oem.)
Wir werden der Vorlage zustimmen trotz schwerster Bedenken gegen ihre Modalitäten. Eine Rede von solcher Verantwortungslosigkeit wie die des deutschnationalen Abgeordneten Dr. Bang haben wir noch nicht hier gehört. Daß gerade in diesem Moment, wo man von außerhalb und innerhalb des Reiches eine gewisse Panikstimmung in unser Volk hineintragen möchte, dieser Panikstimmung Vorschub geleistet wird durch solche Reden, ist klar. Es kann nichts Llnnationaleres geben als diese Art, bei jeder Gelegenheit vom Bankerott zu sprechen und dadurch neue Unruhe ins Volk zu tragen. (Sehr gut! links.) Wir stimmen der Anleihe nur zu mit der festen Absicht, von der seit den Wehten Monaten eingeschlagenen Sparsam- keitspolitik nicht abzugehen. Wir halten an der Arbeitslosenversicherung fest, verlangen aber die Abstellung der bei ihr noch vorhandenen Mißstände.
In der hierauf folgenden dritten Beratung betont Abg. Hergt (Dntl.), et hab« gestern int Ausschuß ein umfassendes Finanzprogramm gefordert. Der Minister habe aber nur schöne Worte machen können, denn seine Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei hindere ihn offenbar, eine verständige Finanzpolitik durchzufüyren. — Die von den Kommunisten beantragte Streichung der Anleiheermächtigung wird abaelehnt mit 218 gegen 161 Stimmen, bei zehn Enthaltungen. Ohne weitere Aussprache wird zur namentlichen Schluhab st immung über die 500-Millionen-Anleihe geschritten. Sie ergibt die Annahme der Vorlage mit 197 gegen 173 Stimmen, bei elf Enthaltungen. Für die Vorlage haben die fünf Regierungsparteien gestimmt, alle übrigen Parteien und Gruppen dagegen. Der Stimme enthalten haben sich von der Deutschen Vvlkspartei die Abgeordneten Schneider (Dresden), Hinhmann, Findeisen, Dr. Kühlenkampf, Dr. Zopf und Drüninghaus; von ter Bayrischen Volkspartei die Abgeordneten Lang, Herbert, ©trauer und Albert; von der Deutsch-Hannoverschen Partei der Abgeordnete Alpers. Von den Regierungsparteien stimmte der Abgeordnete Dr. Pfleger (Bahr. Vp.) gegen das Gesetz. —
Der Bericht Der pariser Sachverständigen.
Paris, 16. Mai. (WTD. Funksptuch.) Die Morgenpresse ist in der Lage, über den gestern den Delegierten der Reparationskonfetenz überreichten Berichtsentwurf Einzelheiten mitzuteilen. Der Entwurf soll nach der Pariser Ausgabe eines amerikanischen Blattes sechzig Seiten umfassen und, wie französische Blätter mitteilen, den Bericht in sich schlißen, der bereits von den Amerikanern und ©Iäu6igerdelegierten ohne Beteiligung der Deutschen auSgearbei- tet, jetzt aber von Dr. Schacht abgeändert und mit Zusätzen versehen wurde. „Matin" berichtet: Der Kernpunkt der Berichte sind die Vorbehalte. Die Schutzklauseln be- zichen sich nicht nur auf den Transfer, sondern auch auf die Zahlungen, die sürzwei Jahr« suspendiert werden könnten, aber lediglich für den bedingt bleibenden Teil der Annuitäten, der für di« Zahlung der interalliierten Schulden in Frage käme. Für eine Rachprüfung der Zahlungsfähigkeit des Schuldners wird das beratende Komitee der geplanten internationalen Dank zuständig fein. Der Bericht schlägt vor, sobald das neue System funktioniert, oie Kontrolle des Dawesplans aufzuheben, sieht jedoch die Möglichkeit vor, daß die Reichseifenbahn eine unabhängige Gesellschaft bleibt, in der die Gläubigerstaaten vertreten sind. Der Gewinn der internationalen Dan? werde in direkter Weise verteilt werden. Der Bericht schließt ab mit Erwägungen allgemeiner Art über den Wert der Regelung des Repara- tionsptoblems und gibt der Hoffnung Ausdruck, dah durch eine angemessene Behandlung der deutschen Staatsangehörigen bas Reich ausreichende Hilfsquellen sind«, um seinen Verpflichtungen nachzukommen.
Was diese Vervflichtungen betrifft, so ist dem Be- richt ein seyr wichtiges Schreiben Dr. Schachts an Owen Poung beigegeben, in dem, wie „Matin" weiter berichtet, Dr. Schacht im Namen Deutschlands die von Owen Poung am 6. Mai vor- geschlagenen Zahlen, also eine Jahreszahlung von durchschnittlich 2050 Millionen Goldmark während 37 Jahren und eine gleichwertige Annuität für die. Zahlung der interalliierten Schulden für weitere 21 Jahre annimmt. Er setzt in dem Schreiben auseinander, daß er der Negierung anempfehlen könne, ohne eine Bedingung und ohne Einschränkung während 37 Jahren von dem Betrag der Annuitäten folgende Summen zu transferieren: 500 Millionen Mark jährlich plus Dienst für die Dawes-Anleihe plus rückständige amerikanische Be- satzungskosten, was ungefähr 630 Millionen Mark jährlich auszumachen scheine. Diese Summe könnte für d i e Kommerzialisierung dienen. Letzten Endes kommt für die übrigen Gläubiger nur eine Summe in Frage, die ungefähr ausreicht, um fünfzig Milliarden französischer Franken zu mobilisieren, vorausgesetzt, daß man dies zum Satz von 5 v. H. plus 1 v. H. Amortisierung tun könne. Es scheint also, daß die Pauschalsumme, die Dr. Schacht billigt, die Gläubiger nicht befriedigen wird.
Zur Lösung ter Schwierigkeiten wird man Vorschlägen, auf den Verteilungsschlüssel von Spa zurückzugreifen, was für Frank reich eine mittlere Annuität von etwas mehr als einer Milliarde Franks statt der borgefebenen 1100 Millionen Franks bedeuten würde. Belgien würde dabei verlieren und auch Italien, letzteres in stärkerem Maß«. S ü d s l a w i e n dagegen würde dabei gewinnen. Die allgemeine Ansicht aber, so schließt ter »Matin", ist, daß die Zahlen des alliierten Memorandums vom 12. April sowohl hinsichtlich ter Gesamtannuität von 2223 Millionen als auch, was die Verteilung anlangt, aufrecht erhalten werten müßte. Mm diese Zahlen wird ter letzte Kampf entbrennen.
Die ^Beurteilung de- Berichts durch die Presse ist im übrigen nicht allzu pessimistisch. „Petit Journal" erklärt, die Diskussion übet die Höhe ter Annuitäten könnte er ft wieder ausgenommen
werden, wenn die Konferenz sich vorher über die Bedingungen Dr. Schachts geeinigt habe. Jedenfalls aber würden die alliierten Sachverständigen, die gestern noch bis spat in die Rächt hinein den Bericht geprüft hätten, heute nachmittag zu einem Meinungsaustausch Aufammentreten. Man nehme nicht an, daß eine Vollsitzung nicht vor morgen oder übermorgen abgehalten werden könnte. — „Petit Parisien" meint, daß durch die Meber- reichung des Memorandums ein sehr beträchtlicher und zweifellos entscheidender Schritt zur endgültigen Verständigung hin gemacht worden sei.
Prügelei in -er Bezirksversammlung Berlin-Mitte.
Berlin, 16. Mai. Die Dezirksversammlung Berlin-Mitte, die Mittwochabend abgehalten wurde, zeitigte schwere Tumulte. Die Aussprache über die Mai-Mnruhen wurde von ter Tribüne mit ohrenbetäubendem Lärm, den der Vorsitzende vergeblich einzudämmen suchte, begleitet. 3m Sitzungssaal wurde di« Debatte zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten immer erregter. Schließlich griffen sich die Mitglieder ter beiten Fraktionen tätlich an: es entspann sich ein Handgemenge, bei dem ein kommunistischer Bezirksverordneter zu Boden geworfen wurde. In diesem Augenblick begann auf der Tribüne zwischen den Anhängern ter Sozialtemokratischen und ter Kommumstischen Partei eine schwere Schlägerei, so daß das Mebersall- kommando alarmiert wurde. Bei feinem Eintreffen trat endlich Ruhe ein.
Defreinngsfeier in Sofia.
S o f i a, 15. Mai. (TU.) Die Stadt Sofia beging am Mittwoch den 50. Jahrestag der Befreiung. Vormittags fand ein Festgottesdienst vor der großen Kathedrale statt, dem König B o r i s, die gesamte Regierung, die Vertreter des diplomatischen Korps und der orthodoxe Klerus beiwohnte. Der König schritt die Front der Garnison von Sofia, der Sport- verbände und der Schulen ab. Hierauf fand ein Vorbeimarsch statt, der drei Stunden dauerte. In dem großen Menschengedränge waren zahlreiche Fälle von Ohnmächten und Verletzungen zu verzeichnen. Der König hat durch einen Erlaß 16 Todesurteile in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Am Abend wird ein F a ck e l z u g durch die festlich ge- schmückte Stadt stattfinden. Der Reichspräsident hat anläßlich des Unabhängigkeitstages ein Telegramm an den König der Bulgaren gesandt.
Aus aller Wett.
Zu Tode geprügelt
Der Leidensweg der ä'/ejährigen Anneliese Schmiedel, der erst mit deren Tode sein Ende gefunden hat, bildete den Gegenstand einer Verhandlung vor dem Berliner Schwurgericht III gegen die Eltern des unter den Mißhandlungen gestorbenen Kindes, den Polizeioberwachtmeister Walter Schmiedel und dessen Ehefrau Anna. Der Mutter wird zur Last gelegt, daß sie das Kind in der l i« b l o s e st e n W e i s e behandelt, vernachlässigt und in der Zeit vom Rovember 1927 bis zur Einlieferung in das Krankenhaus im Mai 1928 mit einem Holzscheit und dem schweren Koppelrie men des Mannes dauernd geprügelt hat. Der Vater des Kindes soll auch mit dem Koppelriemen mehrmals das Kind geschlagen haben, und vor allem wird ihm zur Last gelegt, daß er die Grausamkeiten der Mutter geduldet habe. Dr. meb. Vollmer, Ehariottenburg, machte nähere Angaben über den geradezu furchtbaren Zustand, in oem das Kind rnS Krankenhaus eingeliefert worden war. Die äußeren Verletzungen waren sehr schwer. Der Rücken war in einem Zustande, daß das Kind nur unter furcht
baren Schmerzen gelagert werten konnte. Der ganze Oberkörper und beide Schenku waren mit blauroten Striemen und Beulen bedeckt. An den Schläfen und dem Hinterkopf waren Eiterbildungen, die Mißhandlungen rührten von verschiedenen Zeitpunkten her. Die untere Rasenscheide war weggerissen, ter Zeigefinger der linken Hand war eingerissen, so daß die Sehnen bloßlagen. DaS Kind war ganz apathisch, sehr schlecht ernährt und gab wenig Antworten. Rur auf die Frage, ob es nach Hause wolle, antwortete «Sr „Rein, hier bleiben." Die Frage ist, ob die Mutter für ihre Grausamkeiten am eigenen Kinde voll verantwortlich ist. Die 28 Jahre alte Angeklagte befand sich zur Zelt der Vorkommnisse im Zustande hochgradiger Schwangerschaft. Der medizinische Sachverständige hat sich im Sinne des § 51 ausgesprochen. Zur Verhandlung sind neben 20 Augen- und Ohrenzeugea der Mißhandlungen tes Kindes sieben Sachverständige geladen.
Drei junge Leute in einer Iauchegrube erstickt.
In Aldekerk bei Krefeld waren drei junge Leut« im Aller von 17 bis 20 Jahren mit dem Entleeren einer Jauchegrube beschäftigt. Als die Pumpe versagte, stieg einer von ihnen i n die Grube, um nachzusehen. Da er nicht zurück- kehrte, folgte ihm fein jüngerer Bruder. Auch er gab fein Lebenszeichen mehr von sich, so daß der dritte ebenfalls hinabstieg. Auch dieser kehrte nicht mehr zurück. Die alarmierte Feuerwehr konnte die drei Verunglückten nur als Leichen bergen. Sie hatten ihren Tod durch E r st i ck e n gefunden.
Schweres Hochofenunglück in Spanien.
Rachts explodierte auf der Insel Drio bet Santander (Biscaya) ein 30 Meter hoher Turm, in dem ter Druck für die heiß« Lust erzeugt wird, die durch Röhren ins Inner« ter Hochöfen geführt wird. Der Turm stürzte auf die Da* racken, in denen sich 18 Arbeiter aufhiÄ- ten. Als diese die Explosion hörten, versuchten sie aus den Baracken zu fliehen, was jedoch nur zehn Arbeitern gelang, während di« acht übrigen unter den Trümm ern begraben wurden. Da auf die Explosion ein Brand folgte, erlitten drei der Verschütteten den Feuertod, die fünf anderen trugen sehr schwer« Brandwunden davon.
Schweres Belriebsunglück.
In ter Zuckerfabrik Bernstadt In Schlesien ereignete sich gestern ein schwerer Unfall. Reun Leute waren mit Arbeiten am Transportband beschäftigt, als beim Stromzuführungskabel die Isolierung riß. DaS eiserne Gerüst der Transportanlage wurde unter Strom gesetzt. Drei Leute wurden sofort getötet, sechs schwer verletzt.
Tlcuer Segelflugrekord Kronfelds.
Der Wiener Segelflieger Robert Kronfeld, der die Höhenzüge des Teutoburger Waldes zu Rekordversuchen im Langstreckenflug auserseben hat, stieg kurz nach 10.30 Uhr bei Riesenbeck auf. Durch einen günstigen Südwestwind schnell vorwärts getrieben, war er bald den Blicken der zahlreichen Zuschauer entschwunden. Gegen 2.30 Uhr wurde er in der Nähe von Bielefeld gesichtet und landete nach fünfstündigem Flug in der Gegend von Detmold. Er dürfte damit eine Strecke von über 100 Kilometer zurückgeleat und dadurch den bisher von Nehring (Darmstadt) gehaltenen Langstreckenflugrekord von 72 Kilometer überboten haben. Auch der für einen Segelflug von über 100 Kilometer Länge ausgesetzte Preis von 5000 Mark dürfte ihm durch diese Leistung zufallen.
Fünf Todesopfer einer Lrdölexplosion.
In Cornish (Neuhampshire) fanden fünf Personen, die in einer aus einem Raum bestehenden Hütte lebten, infolge Explosion eines Vorrates van K c • rosin den Tod. Ein Knabe, der den Verunglückten Hilfe zu leisten versuchte, erlitt schwere Brandwunden.
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Wettervoraussage.
Mit dem Auffüllen ter Nordseestörung hat Barometeranstieg eingesetzt. Don Wellen her breitet sich hoher Luftdruck aus, ter zunächst maßgebend sein wird für die Wetterlage. Die Bewölkung geht zurück, so daß vielfach aufheiterndes Wetter herrscht, dabei wird nachts die Wärmeausstrahlung zur Abkühlung führen.
Wettervoraussage für Freitag: Wolkig mit Aufheiterung, nachts kühl, trocken.
Witterungsaussichten für SamstaA Zunächst noch wenig Aenderung der Wetterlage.
Lufttemperaturen am 15. Mai: mittags 17,3 Grad Celsius, abends 13,2 Grad; am 16. Mcn: morgens 10,4 Grad. Maximum 18,1 Grad, Minimum 5,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Mai: abends 20,1 Grad; am 16. Mai: morgens 13,2 Grad. — Sonnenscheindauer 9% Stund-.


