Herzog Nikolat von 5Zeuchtenberg, ein Stoffe des Herzogs Georg, Parfümerien einzukausen pflegte: dabei lernte er die Hausangestellte kennen, und bald darauf beschloß er, sie zu heiraten. Die Familie erhob Einspruch, aber es nützte nichts, und im November 1928 hat sich Herzog Nikolai, der als fähiger Musiker gilt, tatsächlich mit der 22jährigen Ella Müller trauen lassen. Nur kleinbürgerliche Verwandte der Frau wohnten der kirchlichen Feier bei. Als man von dem herzoglich-leuchtenbergischen Sekretariat eine Bestätigung der Meldung erhalten wollte, antwortete dieses: „Jawohl, diese Nachricht ist leider richtig, aber es ist nicht nötig, daß sie bekannt wird." Die Veröffentlichung war aber nicht zu verhindern, und so weiß heute alle Welt, daß ein früheres Dienstmädchen mit drei Kaiserhäusern verwandt ist.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
• Lang-Göns, 13. Aug. Wie überall leidet auch unser Wasserwerk an den Folgen des harten Winters und der anhaltenden Trockenheit. Da unsere Quellen empfindlich zurückgegangen sind, hat der Gemeinderat auf Grund einer Ortsbesichtigung mit dem Kulturbauamt im Quellgebiet eine T^efbohrung anlegen lassen, da oberhalb der bestehenden Quellsassun- gen noch Wasser zutage tritt. Diese Vohrung ist zur Zeit im Gang, und das erschlossene Wasser soll mit einer tiefliegenden Leitung dem bestehenden letzten Sammelschacht der Wasserleitung zugeführt werden. Es ist ferner beabsichtigt, im Walddistrikt „die Haide", m der Nähe des Pfahlgrabens, an der Stelle, wo nach dem Krieg auf Erz gemutet und dabei in einem Schacht große Wassermengen angeschnitten wurden, eine zweite Bohrung anzulegen und das Wasser auf seine Brauchbarkeit zu untersuchen. Auch dieses Wasser könnte ohne Schwierigkeit dem bestehenden Quellschacht zugeleitet werden, womit dann hoffentlich die Wassernot für unsere Gemeinde endlich beseitigt würde.
---Steinbach, 14. Aug. Hier drang ein Einbrecher in eine leerstehende Wohnung und durchwühlte Kisten und Kästen. Er fand einen Geldbetrag von 30 Mk.. lieh sich die Würste in der Speisekammer schmecken und wählte sich schließlich im Kleiderschrank einen passenden Anzug aus, den er sofort anzog. -Zwei weitere Anzüge nahm er mit. Seine alten Lumpen hängte der Gauner in den Kleider- schrank. Von dem Täter fehlt noch jede Spur.
-j- Grünberg. 13. Aug. In der jüngsten Gemeinderatssitzung unter Vorsitz vom Beigeordneten Keller waren zehn Gemeinderäte anwesend. Zu Beginn der Sitzung war Baurat Wagner vom Hochbauamt Gießen als Sachverständiger zugegen. Er legte einen neuen Bauplan für das Heegviertel vor. Dieser sieht zur Aufschließung dieses Viertels drei in Nord- und Südrichtung verlaufende Straßen vor, die von der Gießener Straße bis zur Schulstraße dieses Gelände durchschneiden: Dis- marckstrahe, Färbgrabengasse und Gartenstrahe, und außerdem noch die Offenhaltung einer Straße zwischen der Schmidtschen Weberei und der Turnhalle. Bei diesen genannten Straßen, die schon teilweise bebaut sind, sind nur in der Linienführung einzelne Aenderungen vorgesehen. Die Durchführung der Gartenstraße zur Schulstraße wird gebogen, dadurch wird das Grundstück eines Besitzers nicht zerstückelt, fonöern sein Restgelände ergibt nach Abgabe des Straßengeländes einen Bauplatz. Dadurch wird wohl dessen Einspruch gegen die vorher geplante Linienführung sich erledigen. Bei der Bismarckstraße wird das früher vorgesehene Knie durch gerade Linienführung verschwinden. Oestlich von ihr wird die Diebsturmstraße bis zum Heegweg gehen, die früher vorgesehene Weiterführung dieser Straße
Dämonen der Zeit.
ZRomon von Arthur Brausewetter.
4. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Er schritt in seiner gemessenen Haltung, die Arme auf dem Rücken gekreuzt, einige Male durch das Zimmer, blieb dann, leicht an den Schreibtisch gelehnt, stehen und fuhr fort: „Wissen Sie, was das heißt, ein Kaufmann sein? Das heißt, mit klarem Blick und festem Willen auf seinem Posten stehen -vom frühen Morgen bis zum späten Abend, heißt mit nüchternem und klugem Sinn den Zeiten ihr Geheimnis und ihre Bedeutung abzulauschen, nach ihnen seine Handlungen und Unternehmungen richten, heißt, keinen anderen Gedanken, keine anderen Interessen kennen als sein Geschäft, seine Würde und sein Ansehen wahren und befolgen, heißt, in zähem Fleihe jede nie wieder einzubringende Stunde des Tages nützen und nur den Sonntag sich zur Befriedigung seiner geistigen oder sonstigen Wünsche gönnen. *- Sie aber, Sie haben den Alltag zum Sonntag gemacht, haben jede Lust beim Schopfe gepackt, jeder Leidenschaft freie Bahn gelassen--und wundern sich, daß Ihr
Geschäft jetzt über Ihnen zusammen stürzt?"
Klaus Körber nahm seine ganze Kraft zusammen. Sah der Mann denn nicht, wie er litt? Konnte er seine Worte nicht hart und grausam genug wählen, ihn noch tiefer zu demütigen?
„Ich wollte das Geschäft nicht übernehmen," sagte er in deutlicher Auflehnung. „Ich habe es dem Vater gesagt und geschrieben, wer weiß wie oft. Ich fühlte mich als Offizier glücklich und in meinem Elemente."
„Mit dem Offizier war es damals vorbei."
„Gut. So wollte ich Landwirt werden. Ich bin ein Mensch, der nur in freier Gottesluft gedeihen kann. Für diesen Beruf bin ich geschaffen und praktische Gaben —“
»Die Sie in Ihrem Geschäfte gewiß verwerten konnten."
„Aber ich habe keine Anlage zum Rechnen. Lind das ist hier die Hauptsache."
Der Fernruf läutete. Der alte Tenerissen nahm Len Hörer.
„Gomprecht ist am Apparat. Er erwartet Sie heute noch in seiner Wohnung."
„Ich werde kommen." Lind als der Alte den Hörer fortgelegt hatte: „Lind was wird jetzt geschehen? Ich kann das Papier nicht einlösen. Die Löhne laufen weiter, steigen mit jedem Tage."
„Nehmen Sie Bankgelder auf."
„Auch die sind erschöpft."
„So bleibt nur eins: Sie gehen hin und verkaufen alles, was Sie haben. In Ihrem Hause stecken unermeßliche Schätze."
in westlicher Richtung bis zur Färbgrabengasse ist fallen gelassen worden. Außerdem soll der Fußpfad am jetzigen Finanzamt von der Schul- ftraße bis zur Diebsturmstraße zu einer schmalen Straße verbreitert werden. Ein Beschluß über den vorliegenden Entwurf wurde nicht gefaßt. Es soll daher unter nochmaliger Zuziehung des Sachverständigen in der nächsten Sitzung die Sache erledigt werden. — Zu einer lebhaften Aussprache kam es bei dem Punkte: Ortssatzung über die Anstellung eines Derufsbürger- meisters. Mit sechs gegen fünf Stimmen entschied man sich grundsätzlich für einen Berufsbürgermeister. Dafür stimmten Beigeordneter Keller und die fünf Vertreter der Mittelstands-Vereinigung: Angelberger, Haas, Römer, Schmidt und Z i n h e r , dagegen Böß, Frank (Bbd.), Schellhaas, Weber (Soz.) und Roth (Mittelstands-Vereinigung). Die Durchberatung der einzelnen Paragraphen der Orlssahung soll in einer späteren Sitzung erfolgen. — Der Gemeinderat genehmigte dann die Aufnahme einer Anleihe bei der De- zirkssparkasse in Höhe von 12 000 Mk. zur Herstellung der Bahnhofstraße, sowie der Wasserleitung in der Färbgrabengasse und der Wasserleitung und Kanalisation in der Gartenstraße. — Ebenso wurde der Erbauung eines neuen Spritzenhauses auf dem ehemaligen Burg- graben zugestimmt. Der anliegende Besitzer Hrch. Z i n h e r hat sich zum Geländetausch bereit erklärt, daß das Gebäude die passende Stellung erhält. Pläne und Voranschläge sollen vorgelegt werden, damit alsbald mit dem Dau begonnen werden kann. — Bauunternehmer Bock hat bei dem Bauplatz für das Finanzbsamtenhaus noch nicht Auflassung gemacht. Er hat jetzt gegenüber einen Bauplatz von einem Privatmann erworben, um das Haus dahin zu stellen, und bittet um, Baugenehmigung und gleichzeitige Abgabe von daneben liegendem städtischen Gelände, das er hier noch benötigt. Dieses Gelände soll ihm nur unter der Bedingung verkauft werden, wenn er auch das erstere Gelände erwirbt.
* 2 (Lu t e r , 14. Aug. Bei dem Preisschie- ßen des Kleinkaliber-Schützenvereins errangen folgende Teilnehmer Preise: Wilhelm Zimmer 1. Preis, Karl Mebus 2. Pr., mit je 36 R. Theo Schlosser 3. Pr., Karl Schmidt III. 4. Pr., Otto Reidt 5. Pr., Otto T r ö ll e r 6. Pr., mit je 35 R. Heinrich We ber 7- Pr., Heinrich Görnert 8. Pr., mit je 34 R. Otto Vopf 9. Pr., Richard Tröller 10. Pr., Aeinh. Tröller 11. Pr., K. Schmidt jun. 12. Pr., H. D ö l l, Laubach, 13. Pr., mit je 33 R. K. Schmidt II. 14. Pr.. K. Schlörb 15 Pr. Fr. Görnert, 16 Pr., mit je 32 R. A. Ka r l, Lehnheim, 17. Pr., Heinrich Reitz 18. Pr., mit je 31 R. Theo Männch en 19. Pr., Ludwig Schudt 20 Pr., mit je 30 R.
Kreis Friedberg.
2$. Bad-Rauhe im, 14. Aug. Linker sehr zahlreicher Beteiligung und großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde heute auf dem hiesigen Friedhöfe die Leiche des Diplom-Ingenieurs Hermann Hofmann beigeseht, der kurz vor Beginn des Europa-Rundflugs auf dem Pariser Flugplatz tödlich verunglückte. Pfarrer Schäfer hielt die tiefergreifende Grabrede. Ein Vertreter des deutschen Luftfahrverbandes widmete dem zu früh geschiedenen Kameraden einen warmempfundenen Nachruf. Zahlreiche Kränze wurden am Grabe niedergelegt, von deutschen und internationalen Luftfahrverbänden, auch von der deutschen Botschaft in Paris. — Hofmann ist hier 1901 als Sohn des Lehrers H. geboren. Seit 1922 war er Mitglied der Akademischen Flieger- ppe Darmstadt. Er beteiligte sich an allen ttbewerben. Auf der Wasserkuppe war er einer
der ersten, der die Prüfung C bestanden. Einen guten Namen machte sich Hofmann als Flugzeugkonstrukteur. Es sei besonders erinnert an das Segelflugzeug „Westpreuhen", auf dem Ferdinand S chu l z seinen Weltrekord errang, und
Alle feine Herrlichkeiten, die er mit unendlichem Sammelfleiß Stück für Stück lufammen» gekauft hatte„ die Möbel und Schränke, zum größten Teile Alt-Danziger Arbeit, an denen sein Herz hing, die wundervollen Gemälde und Gewebe, die Bronzen und Kunstschätze, die er voll leuchtenden Stolzes jedem Besucher seines Hauses gezeigt, — das alles sollte er in die Hände der Trödler und Schächer geben —!
„Ehe ich das tue —"
„Schießen Sie sich eine Kugel durch den Kopf," ergänzte Tenerissen mit eisiger Ruhe, „das wäre das Rechte, Sie um den letzten Rest von Achtung zu bringen!"
Klaus Körber kämpfte einen schweren Kampf.
„Hierin haben Sie recht, Herr Tenerissen."
„Das war das erste männliche Wort, das Sie heute gesprochen haben." Lind dann nach einer kurzen Pause: „Ich konnte mich gestern vor den anderen nicht so aussprechen. Heute aber sage ich Ihnen: Nicht Ihr Glück... Ihr größtes Llnglück war es, daß Sie mit dem silbernen Löffel im Munde geboren wurden. Versöhnen Sie das Schicksal, indem Sie den Kampf mit ihm aufnehmen und ein Mann werden. Leben Sie wohl, Klaus Körber."
Die schwere Eichentür hatte sich hinter ihm geschlossen. Er stand auf der sonntagsstillen Straße, fühlte die Vorfrühlingsluft, in der der winterliche Hauch zugenommen hatte, erfrischend um seine Stirn wehen und ging mit schnell ausholenden Schritten dem Hause Gomprechts zu, das nicht weit von der Tenerissenschen Villa gelegen war.
*
Gomprecht kannte seit längerer Zeit Klaus Körbers Lage. Lind sah, daß nichts mehr aufzuhalten und zu retten war. Aber sowohl sein strenger, säst pedantisch kaufmännischer Sinn der genialeren Geschäftsauffassung des anderen verständnislos gegenüberstand, liebte et ihn wegen seiner heiteren, stets auf das Große gerichteten Art und seiner vornehmen Gesinnung und blieb ihm der treue und selbstlose Freund.
„Lind der Erfolg Ihrer Besuche?" fragte er, nachdem sie zusammen Mittag gegessen und der Diener Kaffee und Zigaretten gereicht.
„Sie gaben mir beide gute Ratschläge. Aber nichts mehr."
„So stehe ich zu Ihrer Verfügung. Wenn ich meine Bank auch nicht weiter in Anspruch nehmen kann, so doch mit meinen eigenen Mitteln. Sie sind nicht gering.“
Klaus Körber reichte ihm die Hand. „Sie sind immer ein guter, anständiger Kerl gewesen. Ich weiß es und werde es Ihnen nie vergessen. 2lber zu helfen ist mir nicht mehr. Tenerissen hat mir den Weg gewiesen. Er ist hart, wie ihn eben nur ein Tenerissen weisen kann."
„Lind dieser Weg?"
an daS Gleitflugzeug G. M. G. Infolge seiner großen Sachkenntnis wurde Diplom-Ingenieur Hofmann als Mitarbeiter in den Deutschen Luftfahrverband nach Berlin berufen. Als Leiter des Iugendausschusses des Verbandes arbeitete er in vorbildlichem Eifer an der Förderung des deutschen Flugsports, der mit Hofmann eine seiner besten Hoffnungen verloren hat.
Kreis Büdingen.
# Echzell, 14. Aug. Vorgestern wurde hier Schweinemarkt abgehalten, dem auch ein Ziegenmarkt angegliedert war. Der Auftrieb an Ferkeln war seitens der Landwirte und Händler besser als bei den seitherigen Märkten. Der Handel ging deshalb langsam. Die Preise hielten sich noch etwa auf der seitherigen Höhe, es machte sich bereits die Neigung zu Preisrückgängen bemerkbar. Es kosteten sechs Wochen alte Iungtiere 30 bis 32 Mark, sieben Wochen alte 34 bis 38 Mark, acht Wochen alte 40 bis 45 Mark. Sehr gesucht waren ältere Springer und Einlegeschweine, für die entsprechend höhere Preise, je nach Alter und Qualität, bezahlt wurden. Der Ziegenmarkt brachte wesentlich niedrigere Preise als sie auf dem vorwöchigen Prämiierungsmarkt in Hungen erzielt wurden. Durchschnittlich kostete ein Iungboa 60 Mark. Es war wohl Nachfrage danach vorhanden, doch erschienen den Züchtern die Preisangebote zu gering.
h. Fauerbach bei Nidda, 15. Ang. Wie gefährlich es ist, kleine Kinder bei den Erntearbeiten mit auf das Feld zu nehmen, zeigte hier wieder ein Llnglücksfall. Der Landwirt Otto Kirchhof nahm feine drei Jahre alte Enkelin aus Hirzenhain, die bei ihm zu Besuch weilte, mit auf einen Acker, auf dem er Getreide mähte. Das am Rande des Grundstücks spielende Kind wurde unglücklicherweise von der Mähmaschine gefaßt und ihm der eine Fuß durchschnitten, so daß er nur noch an einer Sehne hing. Dr. Koch von Nidda ließ das bedauernswerte Kind nach Anlegung eines Verbandes in das Krankenhaus nach Friedberg schaffen.
Kreis Schotten.
& Schotten, 14. Aug. Der Schottener Sommermarkt ist weiterhin gut verlaufen. Der gestern stattgehabte Schweinemarkt war von Händlern und Landwirten sehr stark besucht. Lieber 550 Schweine und Ferkel waren aufgetric- ben. Die Preise der jungen Ferkel und Einleger bewegten sich zwischen 30 und 100 Mk. Der Handel ging flott vonstatten. In der Stadt steht Verkaufsbude an Bude. Das schöne Marktwetter hat eine große Zahl der Marktbesucher angezogen: auf dem Iuxplah und in den Gasthäusern herrscht reges Leben.
□ Laub ach, 13. Aug. Nachdem am vergangenen Mittwoch der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs den Wanderplan für diesen Herbst endgültig durch die Monatsversammlung festgelegt hatte, unternahm er am letzten Sonntag unter Führung von Kaufmann H. Bohn seine August- Wanderung. Der Ausflug führte in das schöne Lahntal. Von Gießen aus zog man über den „Windhof" zum Vetzberg. Das Lahntal mit den altehrwürdigen Burgruinen und dem Dünsberg im Hintergrund bot landschaftliche Reize mannigfacher Art. Vom Vetzberg wanderte man zum Gleiberg. Justizsekretär Becker gab einen Lieberblick über die wechselvolle Geschichte der Burg und führte durch die einzelnen Bauteile der Ruine. Sodann beflieg man den Bergfried, der eine schöne Fernsicht bot. Hochbefriedigt wanderte man nach Gießen zurück. Der Abendzug führte in die Heimat zurück. — Die Zahl der diesjährigen Konfirmanden beträgt nur 11.
□ Laubach, 14. Aug. Das Haupt- Preisfchießen des hiesigen Schühenvereins, das am letzten Sonntag begann und bis Montagabend dauerte, war von auswärtigen Vereinen gut besucht. DaS Ergebnis war: Festscheibe: 1. Preis Ober-Justizsekretär Elbe,
Klaus Körber würgte an dem Wort. „Ich werde alles verkaufen... das alte Patrizierhaus der Eltern... die ganze kostbare Einrichtung. Der Erttag wird groß genug fein, das fällige Papier einzulösen, meinen Verpflichtungen nachzukommen und so viel für mich übrig zu behalten, mir den Weg zu einem neuen Geben zu bahnen."
«Das heißt, ganz von vorn anfangen.“
„Wenn Sie es so nennen wollen."
„Zum Teufel auch... das ist ein hartes Los!" stieß Gomprecht, halb in Mitleid, halb in Ingrimm hervor. „Ein Mensch wie Sie... verwöhnt und verhätschelt vom Schicksal —“
„Es war das größte Llnglück, das einen Men- fd)en treffen konnte, wenigstens einen wie mich, hat mich eben der alte Tenerissen belehrt.. . Dies vermeintliche Glück, um das mich alle beneideten! Lind dazu kam das andere... ja, lassen Sie nur... es ist mir gestern abend und heute morgen zum erstenmal klar geworden, dafür aber um so gründlicher. Ich habe verdammt schlecht mit dem mir anvertrauten Pfund gewuchert. Oder vielmehr... ich habe gar nicht mit ihm gewuchert, was noch schlimmer ist. Nun heißt es, die Zähne zusammenbeißen und die Folgen tragen. Das ist nun einmal nicht anders im Lehen."
Gomprecht erwiderte nichts. Eine ganze Weile saßen die beiden schweigend in ihren Sesseln, verfolgten den leise aufkräuselnden Dust der Zigaretten und nahmen von den Likören, die vor ihnen standen.
„Lind wohin?" fragte dann Gomprecht.
„Es kommt nur ein Ort für mich in Frage. Sie wissen, daß ich vor dem Kriege in Danzig in Garnison stand. Es waren die schönsten Iahre meines Lebens. Ein selten gutes kameradschaftliches Verhältnis verband mich nicht nur mit den Offizieren meines Regiments, sondern auch mit denen der 37er und 128er.“
„Aber das sind vergangene Iahre. Danzig ist heute Freistaat."
„Lim so besser. So ist es eine neue Welt, in die ich untertauche, und ich brauche nicht über den Ozean zu gehen, wie es sonst dem verlorenen Sohn zukam."
„Lind Ihre Kameraden sind jetzt, wer weiß wohin, zerstreut."
„Richt alle. Ein ganzer Teil ist dort geblieben oder wieder zurückgekehrt, sich, nachdem sie den bunten Rock ausgezogen, ein bürgerliches Dasein zu gründen. Vor allem finde ich meinen früheren Oberst Reichenbach dort. Ein etwas sonderlicher, aber kerndeutscher Mann. Er hatte das Glück, daß ihn sein Bruder, der Inhaber einer größeren Holzexportfirma, als Gesellschafter in fein Geschäft nahm, das ihm nach dessen kürzlich erfolgten Tod ganz zugefallen ist. Wenn er es so gut führt, wie früher fein Regiment, obwohl
Laubach: Meisterscheibe (175 Meter freihändig): Ehrenpreis Kaufmann Hill, Alsfeld: 100 Meter aufgelegt: Ehrenpreis Dr. Roßbach, Laubach: Tagesscheibe am Sonntag: Rechner Bourr 6 , Laubach: Tagesscheibe am Montag: Bürgermeister Högh, Laubach. — Die Getreideernte ist infolge der trockenen Tage sehr gefördert worden: Ende dieser Woche wird voraussichtlich Korn und Gerste unter Dach sein. Die Hitze hat teilweise bewirkt, daß beim Schneiden die Körner ausfallen. Sehr gut stehen die Hackfrüchte. Die Frühkartoffeln werden teilweise schon geerntet und sind ertragreich, besonders die „Odenwälder Blaue". — Der Beginn der Arbeiten an der Badeanstalt am Obersee hat sich verzögert, da die Verhandlungen wegen des. Geländeerwerbs noch nicht beendet sind.
= Dodenhausen, 14. Aug. Der 19jährige Sohn des Bürgermeisters Kaiser aus dem benachbarten Feldkrücken wurde dieser Tage von einem Radfahrer angefahren. Der Verunglückte mußte sofort ins Krankenhaus Schotten eingeliefert werden: er schwebt in Lebensgefahr.
Kreis Lauterbach. -
£k Lauterbach, 14. Aug. Durch das fahrlässige und schuldhafte Verhalten eines Fuhrmannes ereignete sich dieser Tage auf der Straße nach Wernges ein Zusammenstoß zwischen einem Motorradfahrer und einem Fuhrwerk. Der Fuhrmann, der sein Fahrzeug nicht beleuchtet hatte, soll geschlafen haben. Dadurch kamen die Pferde auf der etwas abschüssigen Straße ins Laufen. Wie ein Augenzeuge berichtet, war das Fuhrwerk bald auf der linken, bald auf der rechten Straßenseite. Als nun der Motorradfahrer nach mehrmaligem Signalgeben das Fuhrwerk überholen wollte, wurde er von den Pferden auf die linke Straßenseite gedrückt und rannte gegen einen Telegraphenmast. Infolge des hefttgen Anpralles flog der Benzintank auseinander und das herum spritzende Benzin wurde von der Rad- lampe, die exlosivartig in Stücke gegangen war, entzündet. Im Ru stand der ohnedies bewußtlose Fahrer in Flammen. Ein Glück war es, daß dem Soziusfährer nichts weiter passierte, der hierdurch in der Lage war, die Flammen zu ersticken: der rücksichtslose Fuhrwerkslenker, statt zu halten, schlug auf die Pferde ein, um sich aus dem Staube zu machen. Der Motorradfahrer trug schwere innere und äußere Verletzungen davon und wurde in bewußtlosem Zustande ins Lauterbacher Krankenhaus verbracht. Gestern ist nun der junge, hoffnungsvolle Mann seinen schweren Verletzungen erlegen.
Otarfenburg.
WSR. Darmstadt, 14. Aug. Das für 1929 vorgesehene städtische Bauprogramm kann nicht durchgesührt werden. Die Stadtverwaltung hat große Mühe, die im Dau befindlichen 280 Wohnungen fertigzustellen. Es bedarf dazu eines Betrages von 2,25 Millionen Mark, von denen noch eine Million aufzubringen ist. Zur Behebung der Wohnungsnot will daher die Stadt in den allernächsten Tagen mit Wohnungsbaugenossenschaften in Verbindung treten. — Durch den hessischen Innenminister wurde die Zustimmung für die Stadt Darmstadt erteilt, daß das zweieinhalb Prozent der Friedensmiete übersteigende Wassergeld auf die Mieter umgelegt werden kann. Diese Regelung gilt für das Rechnungsjahr 1929/30 unter Berücksichtigung der finanziellen Rotlage der Stadt.
0er Darmstädter Oberbürgermeister endgültig gewählt.
WSR. Darmstadt, 14. Aug. Rachdem der Provinzialausschuh die Einsprüche der Deutsch- nationalen und der Deutschen Volkspartei gegen die Oberbürgermeisterwahl abgewiesen hat und weitere Einsprüche nicht erfolgt find,
ich für kaufmännische Dinge eigentlich nie bei ihm eine bessere Ader entdeckt habe, als bei mir selber — “
„An ihn wollen Sie sich wenden?" »
„Ich habe es bereits getan. Er hat mir eine Stelle in seinem Geschäft zugesagt."
Tage, von Arbeit und von Leid erfüllt, folgten jetzt für Klaus Körber. Der langsame Abbau feines Geschäftes, den der alte Steinwender dann zu Ende führen sollte, die Auflösung seines Hauses, vor allem die Trennung von den Schätzen, die es barg, verursachten ihm von Traurigkeit und Groll erfüllte Stunden. Manche alte Bronze, manches in schmiegsames Leder gebundene Buch, das ihm in stiller Stunde viel gegeben, manches Bild, in dem er jeden Tag etwas Reues entdeckte, liebkoste er mit feuchten Augen, streichelte es mit zärtlicher Hand, bevor er es in die gierig sich auf tuenden Taschen der Manichäer tat.
Dabei vollführte er alles, von Gomprecht auf das Beste unterstützt, in der größten Verborgenheit. Rur die Eingeweihten wußten, was in dem alten Handelshaufe Körber & Sohn vor sich ging, die anderen mutmaßten, munkelten nur.
Rach wie vor sah man den jungen Inhaber, wenn die Terlinden fang, in - feiner Loge im Theater, manchen Dlumenfttauh lieh er ihr reichen, und sie ahnte fo wenig wie die anderen, daß es seine Abschiedsgrühe waren.
Dann war auch das vorbei. Der letzte Tag war gekommen. Er wollte ihn, nachdem er seine Koffer gepackt, still bei sich verleben — dann besann er sich eines andern und sagte sich beim Oberpräsidialrat Businitz zum Tee an.
ZSm letztenmal sah er Liddis lachende Kinderaugen in ahnungsloser Glückseligkeit ihm entgegenleuchten, tränt er den sehnsuchtsvollen Blick dieser Augen, labte er sich an dem lustigen Geplauder dieses knospenden Mundes, der dann wieder ganz ernst aussehen konnte, einer verschlossenen Blume gleich, tixU das ganze entzückende Antlitz.
Ein zärtlicher Druck der kleinen weichen Hand beim Abschiednehmen draußen in dem dämmernden Flur, in den sie ihn unter irgendeinem nichtigen Vorwand begleitet hatte — vorbei auch das, vorbei für immer. —--
Feiernde Stille träumte da draußen zwischen den Häusern und Villen des abgelegenen Stadtteils, deckte die schattenden Fittiche über die schnurgerade Straße, auf die lange, verschlafene Fensterreihen hinunterstarrten. Hoch und klar wölbte sich der Rachthirnrnel, ungezählte Stern« flimmerten, grüßten von ihm herab... andere Welten, wie man sagt, mit anderen Wesen, anderen Leiden und Sehnsüchten vielleicht.
(Fortsetzung folgt.)


