seine hohe Kunst im a-capella-®6fang offenbarte: .Liebesklage", althessisches Volkslied (1844 Groh- Bieberau), bearbeitet von dem Darmstädter Komponisten Karl Grim, und „Sie drei Röse- lein" zeigten aufs neue, welche Wirkung von der schlichten Innigkeit des Volksliedes ausgeht. „Der Triumph des deutschen Lieds", von L. Gellert. ein Chor, der ein Blasorchester den Männerstimmen zuaesellt, war zugleich ein Triumph für den Gau Darmstadt und seinen Gauchormci- ster E h o l d. Von gewaltiger Wirkung war der Schluhchor: Das niederländische Dankaebet. In der dritten Strophe drang der Helle Sopran von 600 Knaben in die Wucht der 1400 Männerstimmen, und der Gebetsruf, „Herr mach uns frei", hervorgestohen in einem Lande, das fremde Besatzung trägt, gestaltete den Ausgang des ersten Festtages zu einer machtvollen Kundgebung, die niemand vergißt und die an Höhepunkte des Wiener Sängerfestes gemahnt. Dirigenten, Sänger und Orchester wurden am Schluß durch tosenden Beifall geehrt, Arnold Mendelssohn war Gegenstand nicht endenwollender, herzlicher Begrüßungen.
Der zweite Festtag.
Immer lebhafter wurde es schon am Vormittag des Samstags in den Straßen der Feststadt. In den Hauptstraßen findet man kaum ein Haus, das nicht im festlichen Schmuck prangt.
Der Samstagvormittag war ernster Arbeit gewidmet. Vormittags um 11 Ufjr fand eine
Festsitzung des Bundesvorstandes
statt, in der eine Anzahl sehr bedeutungsvoller Referate erstattet wurden. Staatsrat Balser (Darmstadt) referierte über den Anschluß von gemischten Chören an den Hessischen Sängerbund und teilte dazu mit, daß eine Anzahl von Vereinen mit gemischten Choren aus Darmstadt, Mainz, Dingen, Worms, Gießen usw. sich zum Anschluß bereiterklärt haben. Dia Bearbeitung der geschäftsordnungsmäßigen Unterlagen für den Anschluß wird die Aufgabe der nächsten Wochen sein. Musikdirektor Rohbaud, der Leiter der Mainzer Musikhochschule, referierte über die Ausbildung von Chordirigenten und teilte mit, daß die Mainzer Musikhochschule Ausbildungsklassen für Chordirigenten in ihren Lehrplan ausgenommen habe. Der Dundesvor- sitzende konnte hierzu mitteilen, daß auch die Darmstädter Städtische Akademie derartige Klassen einführen will. Kapellmeister Naumann (Alzey) referierte über Aufgaben der modernen Musik. Musiklehrer Samper (Darmstadt) berichtete über die Frage „Wollen wir Knabenchöre bilden?" Der Referent trat warm für die Ausbildung von Knabenchören auf künstlerischer Grundlage ein, die schon in der Schule beginnen müßte, und stellte eine Reihe von Leitsätzen auf, die für die Zukunft der Schulausbildung zugrunde gelegt werden sollen.
Nach der Bundesvorstandssihung fand ein offizieller
Preffeempfang
statt, zu dem außer den Vertretern der Darmstädter Presse zahlreiche Vertreter auswärtiger Blätter und Kunstkritiker erschienen waren.
Nachmittags begab sich der Gau Darmstadt- Stadt mit den Fahnen zum Hauptbahnhof zum
Empfang
der auswärtigen Sangesbrüder
Nun rollte Sonderzug auf Sonderzug an. Die jeweils Ankommenden wurden von dem Vorsitzenden des Empfangsausschusses, Professor Dr. K ö s e r, mit herzlichen Worten begrüßt. Ganz besonders herzlich war der Empfang der Sänger aus dem besetzten Gebiet. Nach 6 Uhr abends setzte sich der stattliche, fast unübersehbare Zug der Fahnen der Dundesvereine vom Hauptbahnhof aus zum Zug durch die Stadt in Bewegung. Der Zug bot ein farbenprächtiges Bild.
Wohl über 600 Fahnen wurden mitgeführt. Die zahlreichen Zuschauer begrüßten den Zug mit lauten Heilrufen.
Don 19 Uhr an fanden auf öffentlichen Platzen der Stadt die
Gaukonzerte
statt. Auf dem Schloßhof war das Gaukonzert des Gaues Bergstraße unter Leitung des Musikdirektors Michael Döbert (Bensheim), die Ansprache hielt der Gauvorsitzende Lehrer Beltz (Seeheim). Auf dem Riegerplatz konzertierte der Gau Neckartal (Leitung Gauchormeister Peter Heberer (Hirschhorn), Redner Gauvvrsitzender Mer scher (Neckarsteinach). Der Gau Oppenheim gab sein Konzert auf dem Schulhof der Dessunger Mädchenschule (Geltung Simon Zimmermann (Dodenheim), Redner Lehrer Weber (Oppenheim). Der Gau W e t t e r a u konzertierte auf dem Kapellplatz (Leitung Gauchormeister Lehrer Hachenberger (Dorheim), Redner Lehrer Schenk (Melbach). Weiter fand das Konzert des Gaues L a h n im Herrngarten statt, Leitung Musikdirektor K a st e n (G i e ß e n), Redner Gauvorsitzender Emil Koch (Gießen). Bei allen Konzerten wurden vaterländische und Heimatlieder mit künstlerischer Vollendung zu Gehör gebracht. Leitgedanke der Ansprachen war die stärkende und aufrichtende Kraft des deutschen Liedes in schwerer vaterländischer Notzeit.
Während des Nachmittags fanden die im Festprogramm vorgesehenen
Konzerte
statt. Den Reigen dieser bedeutsamen künstleri- ' schen Veranstaltungen eröffnete das Sonderkonzert des „Liederkranz" Michelstadt i. O. im Konkordiasaal. Im Rummelbräusaal konzertierten „Heiterkeit" Gi eßen und „Sängerbund" Neckarsteinach, im Städtischen Saalbau der Chor der Städtischen Musikhochschule Mainz und die Dereinsgruppe Etzold. Im kleinen Haus des Landestheaters brachte die Madrigalvereinigung ältere VolR- und Kunstlieder der Gegenwart zu Gehör. Ferner konezrtierte dort der Lehrergesangverein Mainz-Wiesbaden und« der OrthscA Männerchor Darmstadt. In der Otto-Derndt-Halle gaben Sonderkonzerte „Frohsinn" Neu-Isenburg, der Bauersche Gesangverein Gießen und der Unionklub Wetzlar. In der Turnhalle am Woogsplah hielten ihre Sonderkonzerte „Liedertafel" Weisenau und „Liederkranz" Darmstadt. Im Mathildenhöhsaal veranstalteten Sonderkonzerte die Dereinsgruppe Adam und „Sängerlust" Dieburg.
Im Sonderkonzert des „Liederkranz". Michelstadt, gedachte der Bundesvorsitzende, Ministerialrat Dr. S i e g e r t, in warmen Worten des um die Sache des deutschen Liedes im Odenwald hoch verdienten verstorbenen Lehrers Heinrich Keidel.
Unter gewaltigem Andrang fand in der neunten - Abendstunde in der Festhalle
das erste Gäukonzert
statt. Zuerst brachte der Mümling- und Gersprenzgau unter Leitung des Gauobermeisters Rektor Göbel, Beerfelden, und Gauchormeisters Grim, Darmstadt, eine Reihe von machtvollen Chören zum Vortrag. Hierauf folgten das Konzert des Gaues Worms unter Leitung des Gauchormeisters Lehrer Wagner, Worms, und des Gaues Mainz-Stadt und des Gaues Mainz-Land unter der Führung von Gauchormeister Kapellmeister Alfred Stauffer, Mainz. Hieran schloß sich die
Liebesgabe des Bundesbanners
durch den Gau Mainz an den Gau Darmstadt unter herzlichen Worten des Gauvorsitzenden Alfred Fuchs, Mainz. Vorher hatte Schulrat H a s s i n g e r eine Ansprache gehalten. Dem Mainzer Gauvorsitzenden erwiderte der Vorsitzende des Gaues Darmstadt, Herr Roth,
mit einer Ansprache. Mit einem gemeinsamen Chor aller in der Festhalle anwesenden Sänger schloß diese Massenkundgebung des deutschen Männergefangs.
Ein gemütliches Beisammensein auf dem Festplatz schloß sich an.
0er (Sonntag.
Das Zweite Hessische Sängerbundesfest brachte am Sonntag den Höhepunkt der Veranstaltungen. Der „Tag der Treue" begann am frühen Vormittag mit einer Kundgebung des Bundes auf dem Paradeplah, ausgeführt von dem Gau Dieburg, woran sich die F e st g o 11 e s d i e n st e für die katholischen und evangelischen Sänger in der St. Ludwig-Kirche und der Paulskirche an» schlossen. Der überfüllte Orangeriegarten sah dann die
große vaterländische Kundgebung
bei der mehr als 20 000 Sänger des Hessischen Sängerbundes ein Bekenntnis zu Volk und Vaterland ablegten. Unter dem Stabe des Dundes- chormeisters erschollen herrliche Preislieder der Massen zu Deutschlands Ehre und Einheit. Die Spitzen der städtischen und staatlichen Behörden waren wieder erschienen. Ministerialrat Dr. ©iegert und Schulrat Hassinger hatten die Festansprachen übernommen. Ihre Worte, die besonders an die aus dem besetzten Gebiet gekommenen Sangesbrüder gerichtet waren, wurden mit stärkstem Beifall ausgenommen. Am Nachmittag rollte der große, mit künstlerischem Geschmack gestaltete
Jestzug
durch die Straßen der Stadt, der über 40 zum Teil ausgezeichnete Festwagen mit sich führte, von Flugzeugen in niedriger Höhe umkreist. Zum Andenken an die gefallenen Helden des Weltkrieges trat auf Fliegerbomben Halt und Schweigen ein, während die zahlreichen Musikkapellen das Lied vom treuen Kameraden intonierten. Dann setzte der Zug sich weiter durch die mit Fahnen, Girlanden und Blumenschmuck überaus reich geschmückten Straßen, überall mit herzlichem Beifall empfangen, zum Festplah in Bewegung, der auf dem alten Exerzierplatz eingerichtet war. Dort folgte dann in der überfüllten Festhalle das zweite Gaukonzert, ausgeführt von den Gauen Main, Spessart und Bingen. Dann ging im Rahmen der Gaukonzerte unter Mitwirkung des Turnvereins Offenbach, der „Harmonia" Mainz-Kostheim und des Hessischen Landestheaterorchesters
die Uraufführung des „Steigers^,
eines gewaltigen Werkes für Männer- und Frauenchöre und großes Orchester, das lebhaften Beifall fand, in Szene.
Auf dem Festplatz hatte sich inzwischen ein lebhaftes und lustiges Treiben entwickelt, während bereits Dutzende von Sonderzügen mit dem Abtransport der vielen Tausende der zum Teil weit entfernt beheimateten Sänger abzurollen begannen.
Die Sanitätskolonne muhte während des Tages in mehr als hundert Fällen eingreifen, doch handelte es sich meistens nur um Ohnmachtsanfälle infolge der großen Hitze, oder um kleinere Verletzungen.
Daten für Dienstag. 16. Juli.
Sonnenaufgang 4.11 Uhr, Sonnenuntergang 20.10 Uhr. — Mondaufgang 15.51 Uhr, Monduntergang 0 Uhr.
622: Hedschra (Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina), Beginn der mohammedanischen Zeitrechnung-, — 1872: der norwegische Polarforscher Roald Amundsen in Borje geboren; — 1890: der Dichter Gottfried Keller in Zürich gestorben.
Konzert derGesangschule Myer.
Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß die Gießener Gesangschulen für Sologesang von Zeit zu Zeit mit ihren Leistungen in kleinen Konzerten an die Oeffentlichkeit treten. Zweck solcher Veranstaltungen ist, einmal den Schülern Gelegenheit zu geben, vor einem größeren Kreis zu musizieren, um so die Be- fangenheit ablegen zu lernen. Andererseits möchten die Lehrenden den Eltern, Angehörigen und Kunstinteressenten Rechenschaft geben über die übernommenen Pflichten. So wichtig die gesangspädagogische Tätigkeit in rein tonbildnerischer Hinsicht für die Erreichung eines gesunden, tragfähigen Tones mit richtigem Ansatz, einwandfreier Atemtechnik, wohl- tuender Färbung und Ausgleichung der Register ist, von ebenso großer Bedeutung für die Gesangsbe- slissenen ist es, daß sie mit dem Lied selbst, und zwar sowohl mit den klassischen, als auch modernen Liedarten vertraut gemacht werden. Richt zuletzt aber dienen solche Musikveranstaltungen im intimen Kreise dazu, eine, in unserer raschlebenden Zeit leider zurückgedrängte Sitte, das häusliche Musizieren im Familien- und Freundeskreise, wieder neu zu beleben. Die mannigfachen Röte unserer Zeit auf geistig-ethisch-künstlerischem Gebiet schreien ja geradezu danach, der deutschen Seele^wieder das zu geben, was ihr ureigenstes Erbteil ist: die Reinheit und Tiefe des Gemütes.
Eine Gesangschule, welche diese Aufgaben um« fassend löst, ist wohl das Ideal. Es ist erfreulich, feststellen zu können, daß die Qkranftatterirt dieses Konzerts, Frau Dr. Meyer, sich der übernommenen Verantwortung in dieser dreifachen Hinsicht wohl bewußt ist und gezeigt hat, daß chr Linterricht sowohl in tonbildnerischer Methodik, als auch in korrepetilorischer Hinsicht auf der Höhe ist. Vorweg fei gesagt, daß nichts geboten wurde, was nicht eine der Ausbildungsdauer entsprechende Reife hinsichtlich der Tongebung, Rhythmus, Dynamik und Erfassung der Absicht des Tondichters verriet. Legen wir zunächst den Maßstab einer angehenden Künstlerreife an, so müssen wir Namen nennen^ wie Frau Irene von Reckow und Frau Wölke. Bei beiden Damen kann man bereits von Konzertreise sprechen. Biegsamkeit, Modulationsfähigkeit und Steigerungsfähigkeit der Stimme sindi erreicht durch vorzügliche Ausnützung der Atem-i technik. Vereint sind diese rein technischen Er« folge mit tiefem seelischen Erfassen des Lied- inhalles. — Frl. Toni Otto singt angenehm natürlich, frei von aller Künstelei. Tonfülle und -abrundung werden durch weiteres Studium auf dem eingeschlagenen Wege sicherlich erreicht werden. — Frl. Hllde Wohlfahrt wird bei ihre« mühelosen, metallischen Tonentfaltung durch De- fleißigung einer artikulierten Aussprache die Dor- tragswirkung noch erhöhen. — Frl. Ly Höhn versügt über ein gut geschultes weiches Organ und hat einen recht schönen Grad des Könnens erreicht. — Frl. Martha Neuling besitzt gute gesangliche Veranlagung und ist in der Obhut) .ihrer Lehrerin auf dem besten Wege, das Tremolo zu verringern. — Auch der jugendlichen Anfängerin, Frl. Hanni Welter, wird cs gelingen, den Erfolgen ihrer Mitschülerinnen, näher zu kommen, wenn sie auf die Anweisungen ihrer Lehrerin sich einzugehen bemüht.
War so in vokaler Hinsicht alles getan, was der Gesangspädagogin zum Lobe gereicht, so wirkte die instrumentale Vertretung in Frau Elfriede Fischers Liedbegleitung die gesamte Veranstaltung wesenllich hebend. Wie so oft sprach auch hier wieder ihr vollendetes Können zu uns, gepaart mit so vornehm bescheidener Art und Weise — ganz Dienerin der Kunst.
Den dankbaren Gästen gelang es, Frau Dr. Meyer selbst zum krönenden Abschluß ihrer Der- anftattung zu bewegen durch den Vortrag von „Liebesbotschaft" von Schubert und „Von ewiger Liebe" von Brahms. Die Interpretation geschah so, wie eine tüchtige Lehrerin es ihren Pflegebefohlenen
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Roman von Edgar Wallace.
27. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Mein armes Kind," schauderte er. „Das ist ja furchtbar."
Seine eigene Erleichterung war so groß gewesen und so plötzlich gekommen, daß er sich direkt krank fühlte. Aber nichts war dem jungen Mädchen anzumerken, die mit jedem Augenblick ruhiger und aufgeweckter wurde. Eie hatte ihren Regenmantel übergezogen, und an der Ecke der Edgware Road hatten sie angehalten, weil sich das junge Mädchen eine neue Bluse kaufen wollte. Sie bestand darauf, erst nach dem Präsidium zu fahren, um dort ihre Erklärung zu Protokoll zu geben.
„Dearborn tut mir leid," sagte Larry „Er ist wirklich eine ergreifende Figur. Bei Menschen, die wie er ihr ganzes Leben barmherzigen Werken gewidmet haben, muß man eben kleine schwache Anstrengungen für dramatische Effekte entschuldigen. Haben Sie bemerkt, wie eifrig er Ihnen die Hand schüttelte? '
Sie sah ihn scharf an.
„Ja, das habe ich sehr gut bemerkt," sagte sie mit eigenartiger Betonung.
„Nanu, Diana," fragte er, „was wollen Sie damit sagen?"
„Ach nichts," antwortete sie leichthin. „Ich meine nur, daß er meine Hand ergriffen und sie herzlich geschüttelt hat, das ist alles."
„Da ist doch nichts dabei," lächelte Larry.
„Da ist sehr viel dabei," entgegnete sie. „Biel mehr, als Sie sich selbst klar machen."
Er lehnte sich in dem Taxi zurück und lachte leise.
„Jetzt fangen Sie auch schon an, rätselhaft zu werden," uno er drückte zärtlich ihren Arm.
Sie eilte voraus nach Zimmer 47, und als er kurze Zeit später diskret an die Tür klopfte, hatte sie schon ihre zerrissene Bluse mit der neuen vertauscht.
„Was ich übrigens vergessen habe, Sie zu fragen — wo haben Sie denn eigentlich die mörderisch« Waffe auf getrieben, die Sie in der Hand hiellen, als Sie die Treppe herabkamen?"
„3n der Tasche des blinden Jake! ES war fürchterlich, ihn berühren zu müssen, aber ich wollte doch irgendein« Waffe haben."
„Zweifellos haben Sie jetzt schon einen großen Tell des ganzen Falles aufgedsckt," begann er. „Wir wissen jetzt, daß der blinde 3ale und der Mann namens Lew —"
„Haben Sie ihn denn im Heim gelassen?" Gr lächelte etwas bitter.
„In dieser ganzen Sache habe ich schon zu viele Fehler begangen, um auch noch diesen hin
zufügen zu können. Nein, ich hab« ihn in ein anderes Heim bringen lassen, wo er verpflegt wird. Lew und Jake waren die beiden Menschen, die mit Stuart zu tun hatten, entweder vor oder nach seiner Ermordung", fuhr er fort. „Die Bande hatte wahrscheinlich Lew in ihrer Gewalt, und er hatte entweder den Wunsch, sich aus ihren Händen zu befreien oder sich an ihnen wegen irgendeiner Verräterei zu rächen. Aus diesem Grunde schrieb er die Botschaft, die wir auf gefunden hatten, auf ein Stück braunes Papier und natürlich in Braille-Schrift. Das bringt nun unsere Nachforschungen auf einen einzigen Wann zurück, denn es gibt selbstverständlich Mittel, um Lew verständlich zu machen, daß er nun sicher und in unseren Händen ist."
„Tlnd an der wichtigsten von allen unseren Entdeckungen sind Sie vorbeigegangen", sagte sie langsam.
Larry stand lachend auf und lief — eine seiner Lieblingsangewohnheiten — im Zimmer auf und ab.
„Sie sind ein außergewöhnliches Mädel", sagte er. „Kaum bilde ich mir ein, den Fall etwas aufgeklärt zu haben, als Sie schon wieder irgend etwas Neues Vorbringen, etwas Neues und Wichtigeres in der Form von Spuren und Entdeckungen, und meistenteils", fügte er nachdenklich hinzu, „etwas, das alle meine mühsam aufgebauten Theorien umwirft."
„Das glaube ich aber jetzt nicht", sagte sie. „Ich meine nur die Frau .oben'."
„Was für eine Frau .oben"?" fragte er erstaunt.
„Erinnern Sie sich denn nicht, wie ich Ihnen erzählte, daß Jake mit dem Daumen nach der Zimmerdecke wies und sagte, wenn ich ein Gesicht hätte wie sie —" Sie hielt inne.
„Seien Sie nicht böse", sagte er sanft. „Ich bin wirklich ein Scheusal, und noch dazu ein gedankenloses Scheusal. Aber es hat sich heute so viel ereignet, daß ich kaum noch an den Fall Stuart gedacht habe. Tlnd daß erinnert mich, daß ich telephonieren muß."
Er verlangte eine Nummer, die sie als die des Trafalgar-Hospitals kannte.
„Ditte, das Bureau der Oberschwester", sagte er und, während sie sich noch wunderte, was dies bedeuten sollte: „Sind Sie es, Direktrice? Ja, ich bin es, Larry Holt. Wie geht es Ihnen? — Sagen Sie, haben Ihre Auhenschwestem viel zu tun? — Ich meine, ob einige von Ihnen frei find. — So, das trifft sich ja sehr gut. — Ich möchte Sie bitten, mir eine nette, mütterlich« Schwester nach meiner Wohnung in Regent's Gate Gardens I zu schicken. — Sie wissen doch, wo ich wohne?
— Ob ich krank bin? — Nein, ganz und gar nicht, aber es wohnt jemand bei mir, der nicht ganz auf dem Posten ist — jawohl» eine Dame."
Er hängte den Hörer an und sah die erstaunten Blicke des jungen Mädchens.
„Haben Sie denn eine Dame bei sich wohnen?" fragte sie erstaunt.
„Nein, noch nicht, aber sehr bald", war die Antwort. „Sie gehen nur noch nach ihrer Wohnung in der Charing Croß Road, um sich alle Sachen Husammenzusuchen, die Sie notig haben. Tlnd Dann kommen Sie nach meiner Wohnung, wo Sie bis auf weiteres unter der Obhut einer sehr netten Schwester bleiben werden, und außerdem würden Sie mir einen großen Gefallen tun, wenn Sie vorgeben würden, durch das Wetter etwas leidend zu fein — wissen Sie, der Leute wegen."
„Aber das kann ich nicht, das ist ganz ausgeschlossen, sagte pe mit blutrotem Gesicht. „Ich könnte niemals —“
„Doch, Sie könnten sehr gut,“ sagte er, „und Sie werden es jetzt genau so machen, wie ich Ihnen gesagt habe. Wenn mich t, bin ich eben gezwungen, mich jede Nacht vor Ihre Wohnungstür zu sehen, und hole mir natürlich den Tod bei der Kälte!"
Endlich stimmte sie zu. Dann gingen sie beide zusammen essen, und nachher führte er sie in das Macready-Theater, wo sie sich das Stück Dear- borns ansahen. Am Ende des zweiten Aktes verließen sie völlig verblüfft das Theater.
„Wie ist es nur möglich, daß irgend jemand einen solch schrecklichen Unsinn auf die Bühne bringen kann?" fragte das junge Mädchen auf dem Wege nach feiner Wohnung.
„Es ist mehr als unbegreiflich,“ sagte Larry und lachte dann auf einmal vor sich hin.
„Sie scheinen heute sehr leicht zum Lachen aufgelegt zu fein?“
„Ich bin sehr froh heute,“ verbesserte er sie. „lind gerade mußte ich daran denken, was Sunnh wohl zu der Schwester gesagt hat, als sie ankam."
„Was wird er ihr nur gesagt haben?" lachte Diana.
„Ja, das ist nicht so einfach." Larry zog die Worte lang. „Wenn die Schwester darauf besteht, daß eine kranke Dame in der Wohnung ist, wird er wohl sagen: .Jawohl, Schwester', und wird sich die größte Mühe geben, eine aufzutreiben!"
Es war schon nach elf, als sie nach seiner Wohnung kamen. Die Fahrstühle waren nur bis halb elf im Dienst, und so muhten sie die Treppen hinaufgehen.
„Achten Sie auf die Stufen," sagte Larry. „Die Treppenbeleuchtung ist unter aller Würde."
Er ging voraus, und sie sah ihn plötzlich auf dem zweiten Treppenabsatz stehenbleiben.
„Allmächtiger! Wer ist denn das?"
Halb zusammengebrochen und regungslos lag ein Mann gegen feine Tür gelehnt. Larry beugte sich über ihn hinweg, klingelte, und gleich daraus öffnete Sunnh die £ü*
In dem Lichtschein, der von der Diele heraus- fiel, sah Larry das Gesicht des Mannes. Sein Atem ging schwer und röchelnd; Gesicht und Kops waren mit Blut bedeckt.
„Sunnh, ist die Krankenschwester gekommen?" „Jawohl, Sir," sagte Sunnh und blickte auf den Verwundeten.
„Dann wird sie uns sehr nützlich sein."
„Aber wer ist denn das?" fragte Diana und lugte an ihm vorbei.
„Flimmer Fred," sagte Larry leise, „und nähe« dem Tode als irgendwer."
26.
Sie trugen den Verwundeten in das Wohnzimmer und legten ihn auf einen Diwan. In bet oberen Etage wohnte ein Doktor, der glücklicherweise noch nicht zu Bett gegangen und in wenigen Augenblicken unten war.
.„Sehr schwer verwundet," war fein Befund. „Zwei tiefe Messerstiche, und die Kopfwunde sieht aus, als ob der Schädel gebrochen wäre."
„Der Mann muh vor meiner WohnungStür angegriffen worden sein," sagte Larry. „In seinem Zustand konnte er doch nicht bis hierher gekommen fein."
„Unmöglich," bestätigte der Arzt. „Vielleicht hätte er noch zwei ober bret Darb laufen können, aber meiner Meinung nach ist er bort angefallen, wo Sie ihn gefunben haben: vor Ihrer Tür. Kennen Sie ben Mann?"
„ö ja,“ war Larrys Antwort. „Gr ist eine alte Bekanntschaft von mir. Schwebt er in Lebensgefahr?"
„In sehr grober,“ antwortete bet Doktor ernst. „Der Schäbelbruch ist das Schlimmste. Ich würde ihn sofort in ein Hospital bringen lassen, wo er genau untersucht und, wenn notig, sofort operiert werden kann."
Der Krankenwagen war gekommen und wieder weggefahren, und die einzige Erinnerung an Flimmer Freds Besuch waren einige dunkle Flecken vor der Tür, als Larry erst langsam anfing, Ordnung in feinen Gedankengang zu bringen.
Die Schwester erfüllte in jeder Weise seine telephonisch gegebenen Ansprüche. Sie war wohlbeleibt, gemütlich und sehr mütterlich, und in den elften freien Minuten machte Larry sie mit den Gründen bekannt, die ihre Anwesenheit in seiner Wohnung verlangten.
„Es war nach den schrecklichen Erlebnissen, die Miß Ward heute durchmachen muhte, selbstverständlich ausgeschlossen, sie in ihre Wohnung in der Charing Croß Road zurückkehren zu lassen," und Schwester James, ganz und gar nicht unzufrieden, einen so leichten .Fall' zu et« hallen, stimmte ihm von ganzem Herzen bei.
(Fortsetzung folgt)
' Die Ziffer. D Großhandel ist mit 137,- unverändert Ziffer für A "^gegeben, um 1,2 d. f), Ziffer für inl R auf 131 frrtifltDaren
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