Ausgabe 
15.7.1929
 
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Montag. 15. Juli 1929

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Nr. (65 Zweites Blatt

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Zweites hessisches Sängerbundesfest

Darmstadt steht im Zeichen des deutschen stadt, um die zweite große Tayuna ihres Bundes iedes. Fahnen des Reichs, des Landes, der festlich zu begehen. Herzlich ist Der Willkomm-

Wundern. Ich halte es für feine Liebertreibung, wenn Gilt) de Alvarez heute als anmutigste Der- treterin des weihen Sports bezeichnet wird. Die unvergleichliche S u z a n n e bleibt natürlich ein Ideal, aber das Spiel von Lily de Alvarez ist für das Auge des Künstlers kapm weniger reiz­voll.

Ein sehr kluger Spieler ist Borotra, dessen hoher Schmetterball besonders schön wirkt. Bo­rotra weih diesen an sich von Kraft und Stärke zeugendensmash noch mit einer besonderen An­mut in Bewegung und Haltung auszuführen, die mich fesselte und die ich in meinen Zeichnun­gen von Borotra festzuhalten gesucht habe.

Auch das Spiel von Lacoste wird man mit künstlerischer Befriedigung betrachten. Zunächst sieht es nicht so aus, wie man es sich von einem Weltmeister vorstellt keine Fülle wechselnder Schläge, keine sensationellen Schmetter- und Flug- bälle, die die Begeisterung der Menge erregen könnten! Wer andererseits bildet er eine lebende Illustration dafür, daß Kunst in vollendeter Tech­nik liegen kann; denn Lacoste hat sein Spiel so durchgebildet, dah jeder Schlag in sich mehr oder weniger ein kleines Kunstwerk darstellt. Die Genauigkeit und unfehlbare Sicherheit seiner Bälle ist bewundernswert. Er scheint aus dem Tennisplatz nicht besonders aus sich heraus zu gehen, er ist ruhig und unauffällig, aber er kommt dabei vorwärts, und wenn man ihn eine Weile beobachtet hat, sieht man, wie ihm die Punkte und Sähe zufliegen, ohne dah er sich anzustrengen scheint. Das ist wahre Kunst, und gerade dieser Zug interessierte mich an seinem Spiel, als ich meine erste Skizze von ihm ent­warf. Als Deobachtungsobjekt für den Künstler und als Beherrscher der echten Tennistechnik steht Lacoste vielleicht unerreichbar da. Ich machte auf dem Tennisplcch mehrere flüchtig hingewor­fene Skizzen von ihm, die ich dann zu Hause vervollständigte und ergänzte, wobei ich immer meine persönlichen Eindrücke von seinem Spiel und seiner Technik lebendig zu erhalten suchte.

In C o ch e t haben wir einen weiteren wunder­vollen, nach meiner Meinung genialen Spieler. Er ist äußerst gewandt, verfügt über erstaunlich viele verschiedenartige Schläge und macht beim Spiel den Eindruck unerschöpflicher Energie. Da­bei ist er verhältnismäßig jung, was ihm in den Augen des Malers wohl noch erhöhte An- zichungskraft verleiht.

Dann werde ich auch wohl mehr Gelegenheit haben, mich in der Kunst ebenso wie im Tennis zu bewähren; der Ruhm des Tennis-Champions ist ja leider recht kurzlebig.

grufi der Bevölkerung, und ebenso herzlich sind die ünsche, Die die Regierung desBolks» staales Ihrer Volks bewegung und Ihrem Volksfest cnlgegenbringt. Sangessache ist B o l k s s a ch e, Singfreude ist Bolksfreude. Denn das Lied, so sehr es dem Einzelnen auch Ausdruck der Freude, des Schmerzes, der Sehn­sucht ist, zwingt die Menschen zur Ge­mein s ch a f t und wird ein Ausdruck für die

anderen Rationen, der wirtschaftlichen Lebens­möglichkeit und der nationalen Ehre. Ein großes Wert der Versöhnung liegt vor Ihnen, möge Ihnen Vollbringen befchieden sein, das wünscht Ihnen, der Welt und uns gez. Külz.

Gefühle dieser Gemeinschaft. Mannigfaltig sind die Formen solchen gemeinschaftlichen Singens. Dort aber, wo die Gemeinschaft gelockert ist, verstummt gar leicht auch der gemeinsame Gesang.

Wenn das deutsche haus liederleer würde, so wären ihm damit große Gemütswerte entschwun­den, und wenn die dörfliche Gemeinschaft das Band des Liedes nicht mehr hätte, wie es viel­leicht einst in der Spinnstube gewoben wurde, so würde das eine Verödung des Zusammen­lebens bedeuten.

Manches scheint Schicksal zu werden. Es wachsen die Massen, deren Arbeit so sehr auf das Tech­nische, das Rationelle eingestellt ist, dah sie die Stimmen des Gemüts zu übertönen droht. Da entstehen den Sängervereinigungen aller Richtungen die großen Aufgab en, an denen auch der dem Volksganzen verpflichtete Staat nicht vorübergehen kann und darf. Lied, Wort und Werkzeug müssen gleich­berechtigte Diener unseres Gei st es sein.

Das Wollen des Sängers gilt aber der Ge­samtheit des Volkes. Cs ist ein stärkendes Be­wußtsein in unserer Zeit, daß Volk und Ration die Bindung im gemeinsamen Lied trotz aller sonstigen Trennung nicht verloren haben. Wahr­haft staatsmännisch war die Tat unseres ver­ewigten ersten Reichspräsidenten, der dasLied der Deutschen" der gesamten Ration zu eigen gab, ein Zeichen unzerstör­baren Zusammenhaltes unseres Volkes. Die Hymne der Ration ist erwachsen aus lan­gem, schmerzlichem Cinigungskampfe. Eine Hymne der Völker aber als Ausdruck der Ver­bundenheit aller Kulturnationen, die hin- übertönt über alle Grenzen und Fernen, und die in allen Zungen der Welt gern und freudig er­klingt, harrt noch der Erstehung.

Roch klingen in die Feste unserer hessischen Hei­mat hinein die Manöverschüsse der frem­

Liedes. Fahnen des Wichs, des Landes, der Hauptstadt überall, Grün der Tannen von Haus zu Haus. Das Monument, das Wa -'ichen Der Stadt, hat ein Festkleid erhalten. Tausende von Lichtern künden zur Rächt, dah Darmstadt

Oie größten Schiffe.

Der neue Lloyd-DampferBreme n, der sich gegenwärtig zur ersten Reise über den Ozean rüstet, ist das erste in Deutschland gebaute Schiff nach dem Kriege, das mehr als 33 000 Tonnen hat. DieBremen" und ihr Schwesterschiff Europa", dessen gleichzeitige Fertigstellung durch den Brand verhindert wurde, weisen je 46 000 Tonnen auf. Damit stellt sich Deutsch­land im Bau großer Schiffe wieder mit an die Spitze der Völker, denn nur in England sind bisher Schiffe gebaut worden, die derBremen" an Gröhe gleichkommen. Auf britischen Werften sind bisher nur zwei Schiffe entstanden, die über 45 000 Tonnen haben, nämlich dieO l h m p i c" und dieAquitania", während Deutschland fünf solcher Schiffe geschaffen hat: drei über 50 000 Tonnen, nämlich2 mperato r",D i s- marck" undVaterland", die beim Friedens- schluh abgetreten werden muhten und nicht mehr unter deutscher Flagge fahren, und jetztBre­men" undEuropa". Rach einer Liste der größ­ten Schiffe, die Prof. Hennig in der Leipziger Illustrierten Zeitung" aufstellt, ist das gröhte Schiff der Welt unsere frühereD a t e r l a n d". die die AmerikanerLeviathan" genannt haben und durch Aufbauten von 54 828 auf 59 997 Tonnen vergrößerten. An zweiter Stelle steht der deutscheBismarck", von den EngländernM a j e st i c" genannt, mit 56 551 Tonnen; dann kommt derI m p e r a t o r", von den EngländernB e r e n g a r i a" getauft, mit 52 226 Tonnen. Daran schließt sich die englische Olympic" mit 46 439 Tonnen; es folgen Breme n undEurop a" mit 46 000 Tonnen, die englischeAquitania" mit 45 547 Tonnen, dann zwei französische SchiffeIle d e F r a n c e mit 43 000 undPari s" mit 36 558 Tonnen, dann der früher DeutscheColumbus", jetzt der englischeHomeric", mit 34 356 Tonnen, das italienische MotorschiffA u g u st u s" mit 33 000 Tonnen, der neue deutscheColumbus" mit 32354 Tonnen und die englischeMaure< t a n i a mit 30 704 Tonnen.

rung, die sie nun plant, läßt sich auch durch die Furcht vor dem Abflauen der Hochkonjunktur, sowie vor dem verzweifelten Wettbewerb der Schuldnerländer nicht erklären. An und für sich ist der Außenhandel der Union mengen- und wertmäßig nicht so hoch, als der Großbritanniens. Für Die Vereinigten Staaten ist nicht der Außenhandel die Hauptsache, sondern der innere Markt. Wenn im Außenhandel 37 oder 38 Milliarden Mark umgeseht werden, so reicht das nicht entfernt an den Umsatz im Jn- lande heran. Diesen gewaltigen Markt will sich die Industrie der Union um jeden Preis er­halten, was nur möglich ist, wenn jeder Wett­bewerb ausgeschlossen bleibt. Dieser Wettbewerb wird um so mehr gefürchtet, als die Schuldnerländer einen großen Teil ihrer Zinsen in Waren bezahlen müssen, die ihren Weg zwangsläufig in Die Union finden. Wie die neuen 3oliciyb.>ungcn beschaffen sind, zeigt die Rutzan- wendung für Deutschland. Die Union hat 1928 für 2,1 Milliarden Mark nach Deutschland ausgeführt, aber nur für 760 Millionen Mark deutsche Waren empfangen. Die deutsche Aus­fuhr nach der Union würde auf ein ganz ge­ringes Maß zusammenschrumpfen, wenn tatsäch­lich der neue Zolltarif Gesetz werden sollte. Es wäre keine Ausfuhr von Vaumwollgeweben, von chemischen und pharmazeutischen E zeugnißen nach

der Union mehr möglich. Offenbar haben bie Vereinigten Staaten keine allzu große Sorge um das Schicksal ihrer eigenen Ausfuhr. Sie rechnen damit, daß sie ja wesentlich nur unentbehrlich« Rohstoffe aussühren, die, wie Kupfer und Baum­wolle, aus anderen Ländern sich nicht befchaffen lassen. Soweit aber die Abwehrmaßnahmen Eu­ropas und anderer Erdteile sich gegen die Ein­fuhr von Fertigwaren und Halbzeug aus der Union richfen, will sie sich Ersatz auf andren Märkten suchen, wie im fernen Osten und Süd­amerika. Die Rechnung kann stimmen, fie lann aber auch grundfalsch fein. Jedenfalls hat die deutsche Regierung in Washington Einspruch erhob.n, wie das zuvor schon 3 8 andere Regierungen getan haben.Deutsch­land kann immerhin die Einfuhr gewisser Lebens­und Genußmittel mit hohen Zöllen belegen, eben­so die Einfuhr von Fertigwaren und insbesondere von Kraftfahrzeugen. Wenn auch der Präsident Hoover den Kongreß gewarnt hat, so steht dem doch gegenüber, daß sowohl Republikaner wie Demofeaten Amerikas buchstäblich von einem Taumel erfaßt find, an dem alle Vemunftgründe abprallen. Dah Die großen Autokonzerne, vor allem Packard und General-Motors, gegen Zoll­erhöhungen sind, ist mehr eine Geschäftsmache in die eigene Tasche, als eine Warnung vor der Ueberspannung des Bogens.

Tennis und Kunst.

Grazie und Schönheit auf dem Tennisplatz. Von Helen Mills, Weltmeisterin im Tennis.

Das Tennisspiel kann ein Menschenleben nicht ausfüllen. Andere Interessen müssen ergänzend hmzutreten - bei mir erfüllt bie Zeichenkunst diese Aufgabe; mit Skizzen und Portrats suche ich vor allem die Anmut und Beweglichkeit aufs Papier zu bannen, die das Tennis zum gefab» Men, ästhetisch wertvollsten Sport macht.

Seit meiner frühesten Kindheit bin ich eine große Verehrerin der Malerei. Wie viele andere Kinder zeichnete ich überall, wo ich nur Papier und Bleistift fand; ich besitze noch heute eine Reihe Skizzenbücher voller recht primitiver Zerch- nungen, Die ich im Alter von fünf Jahren hineinkritzelte. Tennis wurde erst spater meine große Leidenschaft. Als Zwölf-, Dreizehniahnge vernachlässigte ich meine Kunststudien stark und widmete den größten Teil meiner Zeit Dem Tennistraining. Mit etwas gutem Willen kann man es vielleicht als Kunststudium bezeichnen, daß ich mehrere Jahre lang Zeichenkurse m Kalifornien besuchte; in Wirklichkeit habe ich aber außer diesen gelegentlichen Stunden nie ernsthaften und sorgfältigen Zeichenunterricht ge­nossen, wie er für gute Malerei unerläßlich ist.

Ich halte das Tennis für eine der schönsten Sportarten und daher für besonders geeignet zur künstlerischen Darstellung. Anmut, Schnellig­keit, eine gewisse Heiterkeit des Spiels und Die abgerundeten Bewegungen der Spieler wirken höchst befriedigend für Das Schönheitsempfinden des Künstlers. Die Anhänger des Cricket, des Fußball ober des Hockeyspiels werden mich na­türlich für befangen erklären. Vielleicht ist es so, aber schließlich hat jedermann unD erst recht jede Frau eine eigene Ansicht vöst Kunst, von Schönheit und Grazie; und ich glaube, auch objektive Zuschauer werden mit mir gleicher Mei­nung sein. .

Die Beobachtung einiger bekannter Spieler beim Tennis ist an sich eine wertvolle Schulung des Kunstsinns. Ich habe zum Beispiel Lily de Alvarez, die spanische Senorita, unendlich ost ihren typischen, wundervollen Half-Volley- Schlag ausführen sehen, als Zuschauerin und als chre Gegnerin, und mußte jedesmal die vollen­dete Schönheit und Grazie ihrer Bewegungen be*

Gäste willkommen heißt.

Das Fest hob am Freitag an mit einem Kon­zert des Gaues Darrn st a d t in der Fest­halle, das sich zu einer

würdigen Huldigung für Arnold Mendelssohn

gestaltete. In die gespannte Erwartung von 5000 Festgästen warf Kapellmeister Fr. R e h b o ck, der Dirigent des Mozartvereins, mit dem 2an- destheater-Orchester Die unvergängliche Schönheit des Meistersinger-Vorspiels, mit überlegener Gestaltungskraft die Partitur auswertend. Unter derselben Führung trug der Mozartverein Darmstadt zwei Chöre aus A. MendelssohnsPandora", den Hämmerchortanz und Kriege rchor, vom Landestheatcr-Orchester bealeitet, stimmge­waltig und chorisch einwandfrei, mit hinreißendem Schwünge vor. Rach dem gewaltigen Beifall hielt Der Vorsitzende des Hessischen Sängerbun­des, Ministerialrat Dr. S i e g e r t, eine An­sprache, in der er das Zweite hessische Sänger­bundessest in Darmstadt für eröffnet erklärte und dem Wunsche Ausdruck gab, daß diese Sängertage allen Teilnehmern zu einem starken Erlebnis werden möchten. Anschließend erschien der Männerchor des Gaues Darm­stadt auf dem Plan und huldigte, vom Gau- chormeister Etzold geführt, dem Meister mit seinem Festgesang, der unter Mitwirkung des Landestheater-Orchesters zu einem gewaltigen Eindruck gesteigert wurde. Rach den jubelnden Klängen des Fe st mar sch es von R. Strauß begrüßte der Bundesvorsihende, Ministerialrat Dr. S i e g e r t. den Staatspräsidenten, die an­deren Minister, den Landtags-Präsidenten, Den Oberbürgermeister Der Feststadt, die Vertreter der Landwirtschaft, des Handwerks, des Handels und der Industrie, der Presse, des Arbeiter- Sängerbundes und der benachbarten Sänger­kreise. Hierauf hielt

Staatspräsident Or. Adelung

folgende Ansprache:

Zu Tausenden kommen die tätigen Glieder des Hessischen Sängerbundes nach Darm-

Zollkrieg gegen Alle.

Der Zolltarif der Vereinigten Staaten, der seit 1922 in Geltung ist, ist an sich schon ein Hochschutzzolltarif ersten Ranges. Run haben die Zollausschüsse der beiden Häuser des amerikanischen Kongresses den Tarif so gründlich umgestaltet, d. h. die Sähe so be­trächtlich erhöht, daß auf Grund dieses Tarifes keine Handelsvertragspolitik mehr mög­lich ist, sondern nur noch der Zollkrieg der ilnion gegen alle. Es kommt weiter hinzu, daß die Zölle Im wesentlichen aus Wert­zöllen bestehen, wobei als Wertmaßstab ent­weder der Auslandwert, oder der Ausfuhrwert zugrundegelegt wird. Wenn weder das eine noch das andere genügt, so gilt der Wert in den Ver­einigten Staaten, eine Bestimmung, die jeden Wettbewerb nach den kräftigen Zollerhöhungen des neuen Entwurfs ganz unmöglich macht. Ge­wiß hat die Union von jeher zu den Hochschuh- zolländern gehört, aber die Lieber steige-

Labvurregierung und koloniale Schuldlüge. Ein offener Brief an den britischen

Lchatzkanzlcr.

In der ZeitschriftWirtschaft und Kolonien" des Bundes für koloniale Erneuerung schreibt Der -öor» sitzende desselben, der frühere Reichsminister Dr. Külz an den britischen Schatzkanzler Snomden einen Brief zur Kolonialsrage der das größte In­teresse finden dürste. Der Brief hat folgenden Wort-

Herr Schatzkanzler! Während der Zeit, in der ich der deutschen Reichsregierung angehort habe, äußerten Sie sich im Juni 1926 öffentlich in einer überaus bemerkenswerten Weise über Deutsch­land und seine Kolonien. Als RelchsmlNi- jter, als ehemaliger Kolonialdeutscher und als auf­richtiger Friedensfreund waren mir Ihre Ausfüh­rungen ein Heller Lichtblick in der sonst noch so stark verdüsterten internationalen Atmosphäre.

Dars ich Sie heute, wo Sie Ihrerseits Mit­glied der britischen Regierung sind, an Ihre Ausführungen von damals erinnern, in der Gewißheit, daß der Minister von heute zu den Worten des Gentleman von damals stehen und sich bemühen wird, ihnen in der Politik des Britischen Reiches zum Erfolg zu verhelfen. Ihr Gerechtigkeitssinn veranlaßte Sie damals zu folgendem Eingeständnis:Der Teil des Versailler Friedensvertrages, der Deutschland seiner Kolonien beraubte, bildet nicht nur einen offenen Bruch der von den Verbündeten während des Krieges gegebenen Versprechungen, sondern er ist auch ein offen zugegebener Ver­such das wirtschaftliche Hochkommen DeutschlanDs zum Vorteil seiner Handelsrivalen künstlich zu unterdrücken." Rach Ihrer Auslassung wurde, um die Fortnahme der deutschen Kolo­nien zu entschuldigen,eine kostspielige, un­wahre Weltpropaganda durchgeiuhrt. um in aller Welt den Eindruck zu erwecken, daß Deutschland keinerlei kolonisatorische Fähigkeiten besitze."

Sie selbst bezeichneten damals diese Behaup­tung als völlig aus der Luft gegriffen und erkannten Deutschland mindestens eben­dieselben Fähigkeiten als Koloni- s a t i o n s m a ch t zu wie Großbritannien. Rach Ihrer damals geäußerten Auffassung ist esdi­rekt undenkbar, daß friedliche Beziehungen in Der Welt bestehen bleiben können, falls Groß­britannien, Frankreich, Belgien, Portugal und Italien große Kolonialgebiete besitzen, während man einer Ration wie der deutschen alle Ex- panfionsmöglichkeiten verschließt."Großbritan­nien ist keineswegs daran interessiert, dem Anspruch Deutschlands nach Kolonialmandaten Widerspruch zu leisten." Aus dieser Erkenntnis zogen Sie die sehr richtige Folgerung,daß einige der jetzt ausgeübten Mandate trans­feriert werden müssen". Sie verwarfen da­malsden rachsüchtigen Geist, in dem der Frie­den von Versailles geschlossen wurde" und forderten im Hinblick auf die Friedensbotschaft des Präsidenten Wilson, alles daran zu sehen, um Der deutschen Ration das Bewußtsein zu geben, daß der Frieden seine wirtschaft­liche Existenzmöglichkeit sichere".

Diesen schönen Geist der Versöhnung und der Gerechtigkeit, der aus Ihren Worten fvricht, kann die britische Regierung heute zur Tatw e r- d e n lassen. Kein einziger Deutscher wird sich jemals mit dem ungeheuren Unrecht abfinDen, das auch nach Ihrer Auffassung dem deutschen Volke auf kolonialem Gebiete widerfahren ist. DieTimes" irrten, wenn sie vor einiger Zeit ausführten, daß Der koloniale Gedanke in 5>eutfä)- lanb nur noch in vereinzelten Kreisen lebendig sei. Im Gegenteil: das koloniale Unrecht wird von allen Deutschen in gleicher Weise auf das schwerste empfunden werden, solange es nicht wieder gutgemacht ist. Dieses kolo­niale Streben des deutschen Volkes hat feine militaristische oder imperialistische Tendenz, son­dern ist ein selbstverständliches Erfordernis der Gleichberechtigung Deutschlands mit den

den Besahungsarmee. Wir ersehnen Töne des Friedens und der Freiheit, die die Völker erheben und verbinden.

Unsere Arbeit wird von der Hoffnung getragen, daß diese Disharmonien im Völker­leben bald verschwinden, daß in Frei, heil, der keine wie auch immer benannte Fesseln auferlegt werden, das deutsche Lied allüberall im deutschen Lande ertönen kann.

Rur so werden Die Voraussetzungen geschaffen, die die Mannigfaltigkeit der Völker einst zusammenllingen läßt im Chore der Einheit aller Menschen, in einen Hym­nus an die Freude, wie er machtvoll-prophetisch in Schiller-Decthovens Weihegesang erklingt.

Einheit in der Mannigfaltigkeit! Wie die Idee der menschlichen Verpflichtung nicht leben und nicht sich verwirklichen kann ohne das Selbstbestimmungsrecht der Völker, so schließt auch der gesunde nationale Gedanke eine gewisse Mannigfaltigkeit in sich. Für einen, dem größeren Rationalen eingeordne­ten heimatlichen Gedanken sind auch Sie als Sänger im Hefsengau gewichtige Träger. Ihre jetzige Veranstaltung ist Der Ehrung eines der Träger unseres hessischen Büchner- p reifes bestimmt, der Ehrung für Professor Mendelssohn, eines Meisters der Töne, der sich um das deutsche Lied unvergängliche Verdienste erworben hat. Die Kräfte, die der Ration aus ihren Landschaften zuströ- men, müssen ihr zum Segen der Gesamtheit er­halten bleiben. Wie im Konzert der Völker, so gehören auch im Chor der Ration die Einzel­stimmen an den richtigen Platz gestellt. Das ist die Ordnung, die allein die Harmonie verbürgt. Bis in die kleinsten Gemeinschaften hinab, ohne deren gesunde Form die übergeordnete Gesamt­heit nicht lebenskräftig bleibt, muß dieses Har­moniegesetz angewandt werden. Wenn die Har­monien der großen Verbände gestört werden. Dann wird Verantwortungsbewußtsein von unten her den Weg zur Gesundung finden. Gesunde Glieder müssen den gesunden Körper sichern. Das ist der Wunsch der hessischen Re­gierung für Ihre Sängervereinigung und für das Fest, das Sie nun beginnen! Ein herz­liches Glückauf!

Hierauf folgte Oberbürgermeister Mueller- Darmstadt mit dem Willtommengruß der Stadt Darmstadt. Sodann erklang der Vortrag von zwei Volksliedern, worin der Gau Darmstadt

Bei einer Auszählung der interessantesten Per­sönlichkeiten des weißen Sports möchte ich Betty R u t h a l l nicht vergessen, die zusammen mit Eileen Bene tt eine Zukunftshoffnung des eng­lischen Tennissports ist. Wenige wissen, wie jung Miß Ruthall noch ist; sie hat in diesem Iahr erst ihren achtzehnten Geburtstag gefeiert und hat schon etwas für ihre Tennis-Unsterblichkeit getan. Ihre Erfahrung im Turnierspiel ist reich und um­fassend ein unschätzbarer Vorteil der zukünf­tigen Wimbledon-Siegerin. Sie ist kräftig gebaut und wird körperlich der Anstrengung des erbitter­ten Kampfes durchaus gewachsen sein; dabei ist es auch eine Freude, ihre Beweglichkeit, ihre leichten Bewegungen, die Schnelligkeit ihrer Füße und Blicke zu beobachten.

Das sind nur einige Gestalten des heutigen Ten­nissports. Roch zahlreiche andere wie Brug- non, Mrs. Godf ree, Miß Ryan, Mrs. M a l l o r h habe ich unter die künstlerische Lupe genommen und versucht, die hervorstehendsten Merkmale ihres Spieles abzukonterfeien. Ich habe Dabei gefühlt, wie sich das Tennis dem maleri­schen Empfinden erschließt und wie wundervoll Darstellungen der Grazie und Schönheit des Tennisspiels wirken können.

Ich werde mich auch weiterhin im Malen üben, denn nach meinen Erfahrungen gleichen sich Ten­nis und Zeichnen prachtvoll gegenseitig aus; beide Künste ergänzen sich in vielen Beziehungen, schon dadurch, daß die eine im Freien ausgeübt wird in meinem Wohnsitz, in Kalifornien, kann man das ganze Iahr hindurch, im Sommer und im Winter, unter den günstigsten Bedingun­gen im Freien spielen. Aber das Tennis läßt Lücken im Innern des Menschen; andere Inter­essen müssen sie ausfüllen, und das tut mein biß­chen Skizzieren und Malen. Ich muß gestehen, obgleich es ein schönes Gefühl ist, zu den besten Tennisspielern der Welt zu gehören, möchte ich doch viel lieber eine große Künstlerin al s eine große Tennismeisterin sein. Bisher habe ich mich auch künstlerisch hauptsächlich mit Dingen beschäftigt, die dem Ten­nis naheliegen. Ich hoffe jedoch, mich allmählich auch anderen Objekten widmen zu können, obgleich ich bis jetzt noch nicht viel Hebung in der Oel- malerei habe. Vielleicht gehe ich nach meiner Heirat wieder auf die Universität, da ich die Hörsäle verlassen habe, ohne zu einem Abschluß gekommen zu sein.