Ausgabe 
15.6.1929
 
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Mischen Truppen teilnehmen; u. a. ist auch die Auf­stellung eines besonderen Manöoerkorps in Stärke von 25 000 Mann geplant, sowie die Be­teiligung von technischen Truppen aller Art.

Oie Arbeitslosenversicherung.

Die Bolkspartei

lehnt jede Beitragserhöhung ab.

Berlin, 14.Juni. (VDZ.) Die Verhandlungen der Regierungsparteien über das SoforlProgramm der Arbeitslosenversicherung sind am Freitognach- miltag erfolglos abgebrochen worden, weil eine Verständigung über die Beitragserhöhung nicht erzielt werden konnte. Die Deutsche volksparlel lehnt nach wie vor jede Beitrags­erhöhung entschieden a b, während We Sozial­demokraten ihrerseits die Erhöhung unbedingt fordern. Die Haltung der Demokraten hat sich augenscheinlich geändert, fo daß auch diese Par­tei ebenfalls nicht geschlossen für eine Beitragserhöhung zu haben ist.

Rach demVorwärts" dürfte nun auch das Schick­sal des Sofort-Programms besiegelt sein; denn die Sozialdemokratie sei nicht geneigt, ein Ge­setz zur Beseitigung der Mißstände in der Arbeits­losenversicherung zu verabschieden, ohne datz dec schwerste Mißstand, nämlich die Finanzschwie­rigkeit der Reichsanstalt, gleichzeiKg behoben werde. DieGermania" sagt, der Initiative der Reichsregierung werde jetzt die Ausgabe zufallen, den Parteien Vorschläge zur Durchführung eines Sosort-Programms zu machen. Die Gegensätze, die sich innerhalb der Regierungsparteien zeigten, wür­den allerdings auch im Kabinett auflauchen. Man dürfe jedoch annehmen, datz sich hier der gebieterische Zwang zu einer Verständigung über die ersten und dringlichsten Maßnahmen günstiger auswirken werde, als es bei einigen Fraktionen der Fall ge­wesen sei. Der jüngst ergangene Rotruf der Reichs- anslalt, den der Reichsrat mit grötztem Rachdruck unterstützte, zeige, datz diese Ausgabe keinen weiteren Verzug mehr duldet. DieD. A. Z." schreibt, bei der Abstimmung über das Sofort-Programm im Reichstage werde es sich zeigen, ob die Sozialdemo­kratie angesichts des einmütigen Widerstandes der mahgebenden bürgerlichen Parteien weiterhin auf ihrem sachlich und politisch unhaltbaren Zustand be­harren könne. DieBörfenzeitung sagt, die skan­dalösen Zustände in der Arbeitslosenversicherung und ihre Nutznießer hatten zumindest für ein weite­res Vierteljahr Garantie gegen jede unliebsame Störung, das sei ein neuer Beweis für die Unhalt- barkeit jedes Regierungsexperiments mit der Sozial­demokratie.

Der Jakubowski-Aogensprozeß.

Am Montag Nrteilsverkündigung.

Neustrelitz, 14.3uni. (WTD.) Oberstaats­anwalt Dr. Weber erklärt in einer längeren Replik, Blöcker und Kreutzfeld schieden als Täter oder Mittäter aus. Vielleicht habe Kreuhseld den Jakubowski a n g e st i f t e t, aber auch das sei nur eine Mutmaßung. Nach wie vor bleibe Jakubowski Mittelpunkt des Unternehmens. Daß die Alimentenfrage ausscheidet, könne er nicht anerkennen. Wie man es drehen und deuteln möge, immer seien für ihn die Kinder ein wesentliches Hindernis bei der beabsichtigten Wiederverheiratung gewesen. Auch An­zeichen einer rohen Gemütsart lägen immerhin vor, und auch darüber könne nicht hinweg täusch en, daß sich Jakubowski als verschlagener Mensch mit­unter sogar als ein Mensch von nieder­trächtigem Charakter gezeigt habe. Der Oberstaatsanwalt zählt dann nochmals eingehend die für eine Anstiftung Jakubowstis positiv spre­chenden Fälle auf, deren Zahl bei ihm weit grö­ßer sei als bei Kreuhfeld. Er kommt zu der An­sicht, daß Jakubowski, August und Fritz Nogens sich am Tatort befunden hätten. Das stehe für ihn mit hinreichender Sicherheit fest. Der eigentliche Täter sei nach seiner Ansicht August gewesen, dem als Aus­wärtigen diese Nolle zugewiesen worden sei. Jakubowski habe ähnlich wie Fritz den Aufpasser gespielt. Für eine Affekthandlung lägen bei kei­nem der Angeklagten und auch nicht bei Jaku­bowski irgendwelche Anhaltspunkte vor. Der Oberstaatsanwalt hielt hierauf seine Strafanträge voll aufrecht.

Nach kurzen Erwiderungen der Verteidiger und dem lebhaften Ausruf des Angeklagten August Nogens:Wenn ich als Mörder bestraft werde, hat mich der Oberstaatsanwalt auf dem Ge­wissen", wird die Verhandlung geschlossen und die Llrteilsverkündigung auf Mon­tag m i t t a g festgesetzt.

Oer Gtinnes-Prozeß.

Berlin, 14. Juni. (WB.) Die Vernehmung des Angeklagten Stinnes wird vorläufig abge­schlossen. Der Angeklagte schildert eine Zusam­menkunft mit dem Neichskommissar Heinz- mann, den er bei dem Untersuchungsrichter anläßlich einer Vernehmung vor seiner Verhaf­tung getroffen habe. Heinzmann, so betonte der Angeklagte, wollte mich unter vier Augen spre­chen und erklärte mir, es liege das er­drückendste Material gegen mich vor. Cs liege im Interesse meiner Familie und mei­ner Firma, wenn ich nicht leugnete. Wenn ich aber nicht alles zugeben würde, dann würde man seitens der Behörde in der Firma Stinnes alles von unter st zu ober st kehren. Man würde also alles das, was ich in den Jah­ren 1926 und 1927 aufgebaut und von dein Lebenswerk meines Vaters gerettet hatte, durch die Llntersuchungsführung zerstören. Heinzmann sagte mir weiter, auch die Regierung habe den Wunsch, die Angelegenheit möglichst ge­räuschlos aus der Welt zu bringen, da sie eine Schädigung des deutschen Kredites im Auslande mit sich bringen könnte. Aus der Absicht heraus, alles zu tun, um Schädigungen für Familie und Firma abzuwenden, habe er dann vor dem Untersuchungsrichter die falsche Aussage gemacht, daß ihm im Verlauf des Anleihegeschäfts Bedenken gegen dessen Kor. rektheit gekommen seien.

Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er die falsche Aussage mit vollem Bewußtsein gemacht habe, erklärte der Angeklagte:Jawohl, vollkommen bewußt. Zu meinem Verteidiger

DerDerkehrsetat vordem Reichstag

Berlin, 14. Juni. (V.D.Z.) Auf der Tages­ordnung steht die zweite Beratung des Der- kehrsetats. Der Ausschuß verlangt in Entschlie­ßungen die Unterbringung von Kindertranspor­ten in v-Zugswagen, eine Llebersicht über die Auftragsvergebungen der Reichsbahn und die Einstellung aller Zahlungen an den Nürburg- Ring.

Reichsverlehrsminlfler Dr. Slegerwald: Heute nachmittag werden Bespsrechungen mit dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht über die Pari­ser Konferenz stattfinden. Erst nach ihrem Abschluß werden wir genau übersehen können, wie sich die Verhältnisse bei der Reichsbahn gestal­ten werden. Das öffentliche Verkehrswesen Deutsch­lands ist ein Spiegelbild des Leerlaufes, den wir in unserem allgemeinen Wirtschaftsleben finden. Gegenwärtig arbeiten neben - und teilweise gegeneinander Reichsbahn, Reichspost, Wasser­straßen, Kraftwagenvcrkehr, Luftverkehr, Schnell­bahnen, Gaswerke, elektrische Ueberlandzentralen. Das vollzieht sich in den verschiedensten Betriebs­formen: Reichsbetriebe, Staatsbetriebe^ Kommunal­betriebe, gemischtwirtschaftliche und Privatbetriebe. So kann es auf die Dauer nicht weitergehen. Wir müssen hinarbeiten auf die größere Einheitlichkeit, mindestens auf ein besseres Zusammenwirken der verschiedenen Zweige des Verkehrswesens. Die Reichsbahn war in den letzten Jahren in wenig Ser Lage. Die auf ihr ruhenden schweren en hinderten den wünschenswerten techni­schen Ausbau und auch die notwendigen Maßnah­men zur Weiterförderung der Betriebssicherheit. Einer Tariferhöhung steht die Reichsregie­rung in der gegenwärtigen Stunde ablehnend gegenüber. (Beifall.) Es muß abgewartet werden, was im einzelnen aus dem Tarif herausgeholt wird. Für den Fall, daß die Pariser Vorschläge Wirklich­keit werden, wird der Ausgleichsbetrag von fünf­hundert Millionen Reichsmark für die Reichsbahn frei werden. Die weitere Entwicklung hängt ob von der Möglichkeit, Anleihen zu bekommen. Solche Anleihen würden in erster Linie dazu dienen, die in Angriff genommenen Betriebsbauten zu voll­enden. An den Bau neuer Bahnen aus eigenen Mitteln konnte bisher nicht herangetreten werden. Bei dem weiteren Ausbau der elektrischen Vollbah­nen werden wir vor allem die volle Ausnutzung der bayerischen Wasserkräfte versuchen. Der Ausbau un­serer Wasserstraßen wird erschwert durch den Geld­mangel. In erster Linie müssen die begonnenen Bauten vollendet werden und die Regulierung der Oder. Hierbei darf nicht ein Wirtschaftsgebiet auf Kosten der anderen bevorzugt werden. In anderen Staaten wird die Fortentwickelung des Luftverkehrs aus dem Heeresetat finanziert. Das ist uns verboten. Wir sind zu Reichszuschüssen genötigt, weil niemand aus Privatmitteln so kostspieliae Experimente machen wird. Im Kraftverkehrswesen hat sich eine gewaltige Steigerung entwickelt. Heute entfällt auf jeden sechzigsten Deutschen ein Kraftwagen. Ich habe den Ländern eine Vorlage zum Ausbau des Stra­ßennetzes und zur Anpassung an diese Entwicklung eingereicht.

Abg. Hünlich (Soz.) betont, dem Reichs­verkehrsminister fehle der entscheidende Einfluß auf das größte Verkehrsunternehmen, die Reichs­bahn. Eine Tariferhöhung bei der Reichsbahn lehne die Sozialdemokratie entschieden ab. In der Luftfahrt bestehe noch ein heilloses Durch­einander der Kompetenzen. Eine gewisse Reichs­hilfe für die Fortentwicklung des Luftverkehrs sei selbstverständlich, aber sie müsse sich in dem Rahmen halten, der dem Reich durch seine Fi­nanzlage gezogen ist.

Abg. Groß (Zentr.) führt aus, die Pariser Beschlüsse würden das Reichsverkehrsministerium vor wichtige und schwierige Aufgaben stellen. Am besten wäre es, wenn die Reichsbahn dem Verkehrsminister wieder unter­teilt würde. Im Luftverkehr werde es zunächst nicht ohne Reichshilfe gehen. Der Verkehr müsse sich aber auf wenige große Linien beschränken und es müsse der Unfug aufhören, daß jede kleine Stadt sich einen kostspieligen Flugplatz zulegt.

Abg. Dr. Q u a a h (Sn.) meint, die Hoffnun­gen der Eisenbahner auf eine für sie günstige Wirkung der Internationalisierung der Reichs­bahn seien vollständig enttäuscht worden. Ebenso unberechtigt seien die Hoffnungen, die die Eisen­bahner jetzt an das Ergebnis der Pariser Ver­handlungen knüpfen. Zunächst mutz die Eisenbahn ihren Apparat wieder so herstellen, wie er vorher war. Das wird aber außerordentlich schwierig sein, denn die Substanz der Reichsbahn hat hauptsächlich infolge des Druckes von außen einen Verlust von 2,1 bis 2,5 Milliarden erlitten. Die Entente hinterläßt uns ein finanziell rui­niertes Unternehmen, wenn auch die Lei­tung und Führung dank deutscher Tüchtigkeit ausgezeichnet ist. Der Plan einer Tariferhöhung muß uns mit Schrecken erfüllen, denn es ist nicht wahr, datz unsere Tarife billiger sind als die des Auslandes.

Abg. Dr. H u g o (D. V.) bedauert, daß die Reichs­bahn den Bedürfnissen der Wirtschaft so wenig Rech­nung tragen kann. 70 v.H. der Reichsbahneinnahmen werden durch Ausgaben in Anspruch genommen, die nicht vom Willen der Reichsbahn abhängig sind, sondern politisch beeinflußt sind: Reparationen, Pen­sionen und Personalausgaben. Bei Reubelastungen der Reichsbahn muß man sehr vorsichtig sein, namentlich bei den Lohnfestsetzungen.

Abg. M o l l a t h (Wp.) fordert die volle Unter­stellung der Reichsbahn unter das Reichsverkehrs. Ministerium nach der in Paris beschlossenen Aende- rung der Reparationsbedingungen. Die Wirtschaft könne weitere Tariferhöhungen nicht vertragen. Die Bahnhöfe dürften nicht länger zu Warenhäusern gemacht werden, die den Beschränkungen der Ver­kaufszeit nicht unterliegen. Wenn der Luftverkehr schon vom Reich subventioniert wird, dann muß auch das Reich größeren Einfluß auf die Linien haben. Es ist nicht zu rechtfertigen, daß das Reich 80 v. H. der Kosten dafür zahlt, daß ein reicher Mann ein paar Stunden früher als mit der Eisenbahn im Seebad eintrifft. Die Kraftwagensteuer muß restlos für den Wegebau verwandt werden. Kein Pfennig davon darf solchen Pleiteexperimenten wie dem Nür- burg-Ring zugeführt werden.

Abg. Dr. Wieland (Dem.) fragt den Minister, wie die Lohnerhöhung der Reichsbahnarbeiter gedeckt werden soll. Seine Fraktion könne weder einer Tariferhöhung noch einer Deckung aus Steuer­mitteln zustimmen. Die Notlage der Wirtschaft for­dere vielmehr eine Senkung der Tarife. Der Redner fordert eine sparsamere Wirtschaft bei der Lufthansa.

Abg. Julier (Chr.-Natl. Dp.) fordert bessere Wartehallen auf den mittleren und kleinen Bahn­stationen. Die Beibehaltung der Niveauübergänge habe schon viele Menschenleben gekostet.

Damit schließt die Aussprache. Die Abstim­mungen werden auf Montag vertagt.

Der von den Regierungsparteien eingebrachte Gesetzentwurf über eine Aenderung der l e x Brüning, wonach das 1300 Millionen übersteigende Auskommen aus der Einkommen­steuer für soziale Zwecke verwendet werden soll, geht an den Steuerausschuh.

Rechtsanwalt Hoek sagte ich gleich nach meiner Vernehmung: Herr Hoek, ich habe eben eine falsche Aussage gemacht." (Rechtsanwalt Hoek nickt zustimmend.) Auf die weitere Frage des Vorsitzenden, was ihn dazu bewogen fja&e, diese Aussage zurückzu nehmen, erklärte der Angeklagte, dies seien die Vorstellungen seiner Anwälte gewesen, die ihm vorgeworfen hätten, einem Dauernfang zum Opfer gefallen zu sein. Ueberdies habe er sein Ziel, Familie und Firma vor Weiterungen zu bewahren, nicht erreicht.

Ermäßigung -er Vergnügungssteuer für -ie Berliner Kinoiheaier.

Berlin, 14. Juni. (WB.) Die städtische Fi­nanz- und Steuerdeputation beschloß, bei der Vergnügungssteuer derNo tlage derKino- theater durch eine individuelle Be­handlung der einzelnen Theater Rechnung zu tragen. Die Steuer soll ab 1. Mai bis 15. Sep­tember bei einem nachgewiesenen Besucher- cf gang von 10 bis 20 Prozent um ein Drittel, bei einem Rückgang von mehr als 20 Prozent um die Hälfte herabgesetzt werden. Die herabgesetzten Beträge werden zu­nächst gestundet. Sie Frage, ob eine ähn­liche Regelung auch für die T h e a t e r notwendig ist, soll noch im Unterausschuß geprüft werden.

Oeuische kämpfen in Marokko

Berlin, 15. Juni. (Priv.-Tel.) Frankreich hat in Marokko durch einige aufrührerische Stämme eine schwere Schlappe erlitten; aus den Derlustziffern, die in der französischen Presse veröffentlicht werden, kann man entneh­men, daß sehr ernste Gefechte stattgesun­den haben. Es muß für Frankreich offenbar sehr viel auf dem Spiel gestanden haben, denn sonst hätte es sich nicht veranlaßt gesehen, verschie­dene Bombengeschwader und mehrere Tankba- taillone in Bewegung zu setzen, außerdem aber auch tausende von Legionären in Eilmär­schen in das Kampfgebiet zu entsenden. Es kann uns ziemlich gleichgültig sein, was sich in Ma­rokko abspielt. Ein Hinweis darauf ist aber doch notwendig, daß auch diesmal wieder d i e Hauptlasten des Wüstenkrieges Deutsche zu tragen haben, die aus Abenteurerlust in die Legion eingetreten sind, oder die durch fran­zösische Agenten aus dem besetzten Gebiet am Rhein nach Frankreich verschleppt wurden und die Uniform des Legionärs anziehen mußten. Daß auch die Erzählungen geflüchteter Legio­näre über ihre Leiden während des Krieges ge­gen Abdel Krim auf viele junge Deutsche über­haupt keinen Eindruck gemacht haben, geht am beften aus den Beobachtungen der deutschen Polizeibehörden im Rheinland hervor, die immer wieder Personen abfangen, die von Wer­

bern über bie Grenze geb rächt werden sollten, um in die Legion eingereiht zu werden. Leider haben wir 1871 versäumt, in Paris einen Verzicht auf die Anwerbung von Deutschen durchzudvücken, heute müssen wir uns mit papiemen Protesten begnügen, die natürlich jedesmal von den Franzosen unberücksichtigt zu den Akten gelegt werden.

Oie oberschlesischen Minderheitenfragen.

Madrid, 14. Juni. (WTB.) Der Völkerbunds­rat hatte in feiner vorletzten Sitzung noch einmal eine umfangreiche Tagesordnung zu behandeln, darunter sämtliche auf der gegenwärtigen Tages- ordnung stehenden oberschlesischen Min­derheitenfragen. Den wichtigsten Punkt bil­dete der deutsche Antrag auf Erörterung der L i - quidation von etwa 50 000 Hektar deutschen Grundbesitzes in Polen. Es handelt sich dabei um etwa 1000 Fälle, in denen deutschen Eigentümern im Widers pru ch zu der unter den Auspizien des Völkerbundes im August 1924 abgeschlossenen Wiener Konvention, die Verleihung der polnischen Staatsangehörigkeit verweigert und mit der Verweigerung die Li­quidierung ihres Grundbesitzes begründet wird. Nach eingehender Begründung des deutschen Standpunktes durch Dr, Stresemann und nach einer ziemlich gereizten Entgegnung des polnischen Außenministers, der dabei auch den Zwischenfall von Oppeln und andere mit der Angelegenheit nicht zusammenhängende Dinge in die Debatte zog, wurde die weitere Beratung auf die Schluß­sitzung vertagt.

Die Sowjetunion dementiert.

Der angebliche Einfall in die Mongolei.

Moskau, 14. Juni. (WB.) Die Telegraphen­agentur der Sowjetunion teilt mit: Sie aus Peking verbreiteten Meldungen über einen an- geblichen Einfall von Sowjettruppen in die Mon­golei als Gegenmaßnahme gegen die Durch­suchung eines Sowjetkonsulats in China sowie über angebliche Absperrungen chinesischer Kon- sulcckr in der Sowjetunion durch Truppen sind reine Erfindung, die jeglicher Grundlage entbehren. Wie informierte Kreise betonen, wird diese Erfindung aus gewissen Quellen zu pro­vokatorischen Zwecken verbreitet und ist die Auswirkung einer Verleum­dungskampagne gegen die Sowjetunion, die in der letzten Zeil im ^Fernen Osten von inter».

effierten antisowjetistischen Kreisen energisch

| trieben wird. Auch Reuter meldet, daß man in Schanghai und Peking an einen Einfall sowjet- russischer Truppen in der Mongolei und Man­dschurei nicht glaube. Aus chinesischer Quelle seien in Peking keine Nachrichten über einen solchen Einfall eingetroffen, noch seien amtliche oder sonstige Berichte ähnlichen Inhalts nach Tokio gelangt.

Oie Wahlen in Südafrika.

Berlin, 15. Juni. In der Südafrikanischen Union haben vor einigen Tagen Parlaments­wahlen stattaefunden. Ihre Ergebnisse liegen jetzt vor. Danach hat die Nationale'Partei unter der Führung des Generals H e r h o g einen überwältigen Sieg davongetragen, während die sogenannte Südafrikanische Partei des Generals S m u t s unterlegen ist. 2n London wird man über diesen Wahlausfall nicht sonder­lich erfreut sein, weil die Nationalisten von jeher für eine größere Selbständig­keit der Südafrikanischen Union im Rahmen des Britischen Reiches eingetreten sind und nun erst recht daraus hinarbeiten werden, sich immer mehr von der englischen Bevormun­dung zu befreien. General Hertzog gehört übri­gens zu jenen südafrikanischen Kreisern die 1914 mit uns sympatisierten, während sein Wider­sacher Smuts zwar im Durenkrieg gegen die Engländer kämpfte, dann aber aus der Nieder­lage der Duren in der Weise die Konsequenzen flog, daß er durch Zusammenarbeit mit Den Engländern versuchte, alle Vorteile für die Süd­afrikaner zu erreichen, die sich unter den neuen Verhältnissen anstreben ließen.

Kunst und Wissenschaft.

Max Devrienl f.

Wien, 14. Juni. (WD.) Der Schauspieler am Durgtheater, Max Devrient, ist im Alter von 71 Jcchven in Chur in der Schweiz gestorben.

Max Devrient entstammte einer berühmten deutschen Schauspielerfamilie. Schon ein Groß­onkel Ludwig, dem Freundeskreise E. T. A. Hoff­manns und anderer Stammgäste der Weinstube Cutter und Wegener in Berlin angehörig, war einer der hervorragendsten Repräsentanten der deutschen Bühne seiner Zeit. Drei seiner Neffen wirkten auf der deutschen Bühne. Karl D., der Vater von Max D., war Hofschaufpieler in Han­nover. Ein zweiter Neffe Ludwig D.'s spielte in Dresden, und der dritte, Eduard, starb als be­rühmter Darsteller und Direktor in Karlsruhe. Auch dessen Sohn Otto war an mehreren Bühnen tätig.

Max Devrient, der Sohn des Hannoverschen Hofschauspielers Karl D. debütierte mit 20 Jah­ren am Dresdener Hoftheater; 1881 kam er an das Ringtheater nach Wien. Der Brand desselben im gleichen Jahre brachte üjn am 1. Januar 1882 ans Durgtheater; 1902 wurde er lebenslängliches Mitglied dieser Dühne, 1910 Regisseur, 1920 Oberreg isfeur.

Devrient repräsentierte als einer der alten Garde den vornehmen und klassischen Stil des Burgtheaters. Kein König konnte königlicher wir­ken, kein Minister mit mehr Würde auftreten, als D. in seinen Rollen. Diese Würde und vor­nehme Tradition des Durgtheaters hat D. auch sonst immer zu wahren gewußt. Nie hat er sich herbeigelassen, zu filmen, in seichten und Scn- sattonsdarbietungen anderer Bühnen oder gar in Kabaretts aufzutreten, wie das besonders in der Inflationszeit häufig geübt wurde.

Oie Wetterlage.

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reichtet Ost massige» Südsüdwest q stürmischer nordwesl oie Pfene fliegen mit dem winde. Die seiden Stationen stehenden /al­len geoen die Temperatur an. Pie Linien veromdeo Orte mit gleichen^ ul MeeresniVeau umatrtxhntttn Luftdruck.

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Wettervoraussage.

Nachdem in den gestrigen Abendstunden unter Barometerfall in unserem Bezirk vielfach Gewitter­störungen auftraten, setzt jetzt im Bereich ozeanischer Luftmassen wieder Druckanstieg ein. Unter dem Ein­fluß hohen Druckes herrscht zunächst wieder meist heiteres Wetter, und Niederschläge treten kaum auf. Die Besserung ist ebenfalls wieder nur vorüber­gehend, denn über Irland dringt erneut Warmluft vor, und Niederschläge treten dort auf. Der Witte­rungscharakter bleibt ferner den Schwankungen wie seicher unterworfen.

Wettervoraussage für Sonntag: Vielfach heiter, später wechselnd wolkig, warm, meist trocken.

Wettervoraussage für Montag: Wolkig mit erneuter Aufheiterung, leichte Ab­kühlung wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 15. Juni: mittags 23,3 Grad Celsius, abends 15,3 Grad; am 16. Juni: morgens 16,5 Grad. Maximum 26 Grad, Minimum 11,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Juni: abends 26,2 Grad Celsius; am 16. Juni: morgens 17,4 Grad. Niederschlag 3,6 mm., Sonnepfcheindauer 10 Stunden» v