Ausgabe 
15.4.1929
 
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feit fuhren. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache in der Reichstagsabgeord­neter Professor Bernhard für eine Ergänzung des politischen Parlaments durch eine wirt­schaftliche Kammer eintrat und diese von verschiedenen Jugendbewegungen erhobene For­derung als eine Wc fruchtbarsten und lebendigsten bezeichnete.

Der Fall Strelitz und die Reichsreform.

Eine bedenkliche Entwicklung.

Berlin. 14. April (Priv.-Tcl.) 2n dem klei­nen deutschen Lande Mecklenburg-Strelitz ist gegenwärtig eine Krisis im Gange, die in ihrer Bedeutung weit über die üblichen Re­gierungskrisen in deutschen Ländern herausreicyt, die durch die unklaren Mehrheitsverhaltniffe in den Landesparlamenteri hervorgerufen werden. In Mecklenburg-Strelitz sind seit den letzten Wahlen die Zustände um so verworrener, als dort persönliche (Stimmungen und Ver- stimmunoen eine noch ausschlaggebendere Rolle spielen als anderswo. So ist es gekommen, daß eine Zeit lang der vollsparteiliche Vertreter im Strelitzer Parlament sich politisch mit den Sozial­demokraten verband, während die Demokraten mit den Deutschnationalen zusammengingen. Reuerdings aber haben Demokraten und Hand- werlcr sich doch ben Sozialdemolraten genähert, man konnte sich aber über die Person des zu ernenrtenben Staatsrats mit den Sozialdemo­kraten nicht einigen. Während nämlich die Demo­kraten den T e l e g r a p h e n - I n s p e k t o r Gundlach zu dieser Würde verhelfen wollten, verlangten die Handwerker, daß der Schnei­dermeister Frömke an diesen Platz ruac. Da sich nun die beiden Gruppen über den Per­sonenstreit Gundlach-Frömke nicht einigen konnten, brach in Mecklenburg-Strelitz eine Krise aus, indem nämlich dem einzigen Staatsminister, dem Sozialdemokraten F r e i h e r r n v. R e i b - n i h sein Haushalt abgelcynt wurde.

Die Sozialdemolraten gehen nun aufs Ganze und wollen in einer neuen Abstimmung Herrn von Reibnitz die vorläufige Weiterführung seines Amtes verbieten. Das hätte zur tfolge einen Zustand der Regierungslosigkeit und damit ein Eingreifen des Reiches. Schon Jeu Tagen befindet sich vom Reichsinnenministerium Ministerialrat H ü n h f ch e l. der Leiter der Vcr- sassungsableilung im Reichsinnenministerium in Reu-Strelitz, um die Entwicklung dieser welt­bewegenden Krise zu beobachten, und dabei im besonderen den verantwortlichen politischen Kreisen den kritischen Charakter ihrer . innerpolitischen . Situation tlarzumachen. Sollte die Einigung am < Montag nicht zustande kommen, so würde die ' Reichsregierung auf Grund der Deichsverfassung eine kommissarische Verwaltung ein- sehen müssen. In Strelitz muß man sich habet klar sein, daß das Reich im Falle der Unmpge tichkeit der Lösung dieser Krise gezwungen wäre, auch die Mecklenburg-Strelitz zustehenden Lan­derüberweisungen zu sperren, da doch bei dem jetzigen regierungslosen Zustande keine verantwortliche Person vorhanden ist, die die äleberweifungen in Empfang nehmen kann. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß die Sozialdemokratie des Deiches und Preußens mit der von Mecklenburg-Strelitz hier einträchtig zu dem Ziel zusammenarbeiter, den Anschluß von Mecklenburg-Strelitz an Preußen zu erreichen. Man wurde damit die Entwicklung fortsehen, die jetzt durch den Anschluß von Waldeck begonnen hat und die zu der Bildung des groß- preußischen Reichs in Rorddeutschland fuhren soll. Für die Gesamtentwicklung Deutschlands und für jede gesunde Reichsreform wäre eine solche Ausdehnung Preußens verhängnisvoll. Auf der Ländevkonserenz war man sich darüber einig, daß der Weg zu einer organischen Reichs- resorm niemals über ein Groß-Preu- V en führen dürfe, weil dadurch die Gefahr einer neuen Mainlinie entstehe. Aber was nützen die schönsten gemeinsamen Entschließungen, wenn die politische Praxis so ganz anders aussieht. Es liegt auf der Hand, daß die gegenwärtigen Zu­stände sich nicht mehr lange halten lassen, weil aus diesen oder jenen Gründen, meist aus finan­ziellen Schwierigkeiten auch noch in anderen klei­neren und mittleren Ländern Krisen ausbrechen werden, die durch ein'ähnliches Zusammenwirken der sozialdemokratischen Regierungen wie im Falle Strelitz leicht eine verhängnisvolle Lösung finden könnten. Auch aus diesem Grunde wirb man eine schleunige Förderung einer gesunden und organischen Reichsresorm mit allen Kräften anstreben müssen.

Ergebnislose Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau.

Essen, 13. April. (WB.) In den Verhandlungen zwischen dem Zcchenverband und den Bergarbciter- verbänden forderten die Gewerkschaften eine allge­meine Lohnerhöhung von einer Mark j e S ch i ch t, was vom Zcchenverband a b g e l e h n t wurde. Dieser schlug wegen des engen Zusammen­hanges zwischen Lohn-, Arbeitszeit- und Manteltarif, die von ihm zum 30. Juni gekündigt sind, eine Hinausschiebung auch der Lohnrege­lung bis zu diesem Termin vor. Gleichzeitig er­klärte der Zechenverband, daß er mit Rücksicht auf die Lage des Ruhrbergbaues eine Verlänge­rn n g d e r Schichtzeit unter Tage um eine halbe Stunde, also wie in der Vorkriegs­zeit, oder eine Lohnherabsetzung von 5 v. H. verlangen müsse. Da d>e Gewertschasten dies a b l e h n t e n , wurden di Verhandlungen abge­brochen. Sie werden voraussichtlich am 22. April vor dem Schlichter fortgesetzt werden.

Die BsinebsraLswahlen auf den Kieler Wersten.

Kiel, 13. April. (WTB.) Auf den großen Kieler Werften, der Germania-Werft und den Deutschen Werten, sanden die Betriebsratswahlen statt, die im Hinblick auf die starken gewerk­schaftlichen Gegensätze innerhalb der Arbeiter­schaft als Stimmungsbarometer zu bewerten sind. Die Kommunisten, die bei zahlreichen Wah­len der letzten Zeit Gewinne verzeichnen konn­ten, haben auch bei den heutigen Betriebsrats­wahlen Stimmen und Sitze erringen können. So erhielten sie bei den Wahlen zum Betriebsrat auf der Germani a-Werft vier Sitze, wäh­rend sie bisher hier überhaupt nicht vertreten waren. Die freien Gewerk- Lch<tfttzn erhielten 12 Sitze (bisher 17). die

christlichen Gewerkschaften konnten ihren bisherigen Sitz behaupten. Die vater­ländischen Arbeitervereine gingen leer aus. Bei den Deutschen Werken gelang es den Kommunisten nicht, ein Mandat zu erlangen. Die freien Gewerkschaften er­hielten hier 17 Sitze gegenüber 19 int vorjährigen Betriebsrat. Die christlichen Gewerk­schaften konnten die Zahl ihrer Mandate um einen Sitz auf drei erhöhen. Die vaterländi­schen Arbeitervereine gingen auch hier leer aus.

Wie das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands mitteilt, ist die Meldung, daß der kommunistische Reichstagsabgeordnete Pieck seines Amtes als Bezirksvorsihender der K. P. D. von Berlin-Brandenburg enthoben worden sei, unzutreffend.

Ein Londoner polizeistandal.

PolizciücamLL izt Verbindung mit bolschewistischen Agenten.

London, 14. April. (1BB.) Sunday Dispalsch meldet: Eine Untersuchung, mit der sich Scotland Jard (das Londoner Polizeipräsidium) augenbylickiich besaßt, hängt mit den Bemühungen der Kommunisten in England und der Tätig­keit der bolschewistischen Agenten zur Erkundung britischer Truppenbewegungen zusam­men. Es ist klar zutage getreten, daß Geheim­nisse über Truppenbewegungen den bolschewistischen Agenten mit der erstaunlichsten Schnelligkeit mif- geteilt wurden. Rach einer geheimen Konferenz zwischen Beamten des Kriegsminrsteriums und Scotland Pard wurde eine Zahl von jungen, ver­hältnismäßig unerfahrenen Mitgliedern der Ge­heimpolizei außerhalb angewiesen, die Bewe­gungen ihrer Kollegen, denen sie nicht bekannt waren, heimlich zu beaussichtigen und darüber zu berichten. Diese Beobachtungen wurden mehr als zwei Wochen cmgcsteltt und führten zur Suspendierung von zwei Beamten der besonderen Abteilung Scotland Hards, von denen berichtet wurde, daß sie, direkten Befehlen zuwider, häufig mit verdächtigen auswär­tigen Agenten und Kommunisten z u - s a m m e n k ä. m e n. Es verlautet gerüchtweise, daß mehr als ein Beamter von Seoilcmd Hcrrd ein na­turalisierter Ausländer sei, und daß andere Beamte, die britische Untertanen sind, starke Auslandbeziehungen durch Hei­rat haben. Dies wird in manchen Kreisen als nicht wünschenswert erachtet. Eine gründliche Unter­suchung der Lage wird gefordert.

Oer HastenilaffunHStsmü'ag des Auis- nomistenführers Ör. Roes abgeiehni.

Paris, 14. April. (WTB.) Der Antrag des in Besan^on in Untersuchungshaft befindlichen Elsässers Dr. Roos auf provisorische Frei­lassung, der auch durch einen entsprechenden An­trag beim Justizministerium unterstützt worden war, ist vom Gericht in Besancon mit der Be­gründung abgelehnt werden, daß G r und 8 u Fluchtverdach t vvrliege. Bekanntlich hat sich Dr. Roos den französischen Behörden frei­willig gestellt, um eine Revision des im Kolmarer Autonomistenprozeß gegen ihn er­gangenen Kontumaz-Urteils zu er'a.igen.

Aus aller Welt.

Zehn Iahre Deutscher Schutzbund.

Der Deutsche Schutzbund wurde zur Verein­heitlichung und Zufammenfaffung der grenz- und auslanddeutschen Schutzarbeit ini Mai 1919 ins Leben gerufen. Elf Verbände gründeten ihn. Als erste Aufgabe wurde ihm die Durchführung der Volksabstimmungen, in West- und Ost­preußen. Oberschlesien und Kärnten übertragen. Heute sind 120 Verbände im Schuhbundkartell vereinigt. Die alljährlick>en Pfingsttagun­gen bedeuten als einzige Veranstaltungen des Schutzbundes in der Oeffentlichkeit, Etappen der wachsenden Volksdeutschen Bewegung. Die Ju­biläumstagung dieses Jahres findet in der Woche vor Pfingsten auf Einladung von Stadt und Land in Salzburg statt. Sie sieht im Zeichen der verantwortungsvollen Rückschau auf zehn Jahre Dienst am Grenz- und Auslanddeutschtum.

Heidelberger Rekord-Fremdenverkehr.

Der Besuch von Fremden in Heidelberg hat im Jahre 1928 einen Rekordstand erreicht. Zum ersten Male wurde die Ziffer 2 0 0 0 0 0 überschritten, denn es übernachteten in Heidelberg 202 464 Fremde gegen 188 473 im Jahre 1927. Die Vereinigten Staaten stehen an der Spitze der Besucher mit 16 500; in weitem Ab­stand folgen England (nur 4838), Holland, die Schweiz, Oesterreich, Dänemark und die Tschechoslowakei. Den großen Besuch von Ameri­kanern erklärt eine Aeuherung des Direktors Der Reichszentrale für den deutschen Reiseverkehr, Geheimrat Kraus, der feststellte, Heidelberg sei für den Amerikaner das Schlagwort unter der gesamten deutschen Fremdenwerbung. Inter­essant ist auch, daß bei 80 000 Heidelberger Ein­wohnern auf deren 1000 2530 Fremde entfallen. Die Gssamtbefucherzahl berechnet man mit etwa 1,5 Millionen!

Die Reichsforschungsgesellschosl für Bau und Wohnung.

Vom 15. bis 17. April tagt in Berlin die Reichsforfchungsgesellschast für wirtschaftliches Dau- und Woh­nungswesen. An der Tagung werden 46 Fachvcrbände der deutschen Bauwirtschaft teil- nefjmen, und in fünf Hauptgruppen sollen 50 Fachreferate über die bisherigen Forschungen und Studienarbeiten und über die neuen und neu zu schaffenden Wohnungen gehalten werden. Dieser Tagung kommt für die ganze deutsche Dauwirt- schaft eine überragende Bedeutung zu, da auf ihr erstmalig die bisherigen Ergebnisse der Ar­beiten der Reichsforschungsgesellschaft auch der breiteren Oeffentlichkeit unterbreitet werden dürf­ten. Die Reichsforschungsgesellschaft, die erst auf ein kurzes Bestehen zurückblicken kann, vereinigt alle Jntercssensragen des Bauwesens und alle Fragen der Baupolitik in sich. Bis zu ihrer Grün­dung, die noch nicht allzuweit zurückliegt, be­schäftigte sich lediglich die private Dauwirtschaft mit den aKgemeinen Rational» sierungsfragen. Die Mannigfaltigkeit der privaten wirtschaftlichen . Interessen hat jedoch eine Normte-

rung unv Typisierung, die der ganzen Bauwirtschaft zugutekommt, unterbunden, so daß sich das Reich ins Mittel legte, die For­schungsgesellschaft ins Leben rief und ihr alle Zweige der Bauwirtschaft systematisch angliederte. Der Aufbau des Instituts ist gegenwärtig noch nicht ganz durchgeführt. Trotzdem ist aber schon ein be­trächtliches Stück Arbeit geleistet worden, über die die kommende Tagung Rechenschaft ablegen soll. Es sind mit Unterstützung und Förderung dieser Reichsanstalt z. B. in Dessau, Frankfurt a. M., Mün­chen, Stuttgart, mehrere Versuchssiedlun­gen errichtet worden, die nach den bisherigen Ra­tionalisierungsergebnissen der Forschungsgesellschaft aufgestellt worden sind. Die Erfahrungen, die mit diesen Versuchssiedlungen gemacht worden sind, las­sen die Hoffnung auf eine weitere günstige, die Bautätigkeit befruchtende Arbeit der Forschungsan­stalt zu. Wenn es bereits gelungen ist, bei den neuen Siedlungen eine erhebliche Senkung der Baukosten und damit die Verbilligung der Mieten für die Volkswohnung durchzufüh­ren, wenn fernerhin dis Qualität der Woh­nungen den Anforderungen der modernen Be­dürfnisse entsprechen, so hat die Reichsforschungs- anstalt die Aufgaben und Ziele, die sie sich gesteckt l)at, zum Nutzen der deutschen Bauwirtschaft erfüllt.

(Entgiftung des Leuchtgases.

Bei den Berliner städtischen Gaswerken sind seit Jahresfrist chemische Versuche im Gange, die den Zweck verfolgen, daS Leuchtgas nach Möglichkeit zu entgiften und auf diese Weife die zahlreichen Unfälle unmöglich zu machen, die durch Llnvorfichtigkeit usw. sich ereignen. Lieber die technischen und chemischen Einzelheiten wird vorläufig strengstes Stillschweigen ge­wahrt, weil die Entgiftungsmethodcn, sofern sie sich in der Praxis bewähren sollten, paten­tiert werden sollen.

Der Aeczlekonflikl im Lichlerfelder Kreiskrankenhaus.

Zur Beilegung des Konfliktes im Lichterfelder Kreiskrankenhaus fanden zwischen dem Dezernenten der Aerztekammcr und dem Vorsitzenden des Ar­beitsausschusses Verhandlungen über die Beilegung des Konfliktes im Lichlerfelder Kreiskrankenhaus statt, die darauf hinzielten, eine friedliche Verstän­digung zwischen dem Kreisausschuß und dem so plötzlich seines Amtes enthobenen Professor Raut en b e r g^ zu schaffen. Nach mehrstündigen Bemühungen des Vertreters der Aerztekammcr wurden die Verhandlungen abgebrochen, da die Vertreter des Kreises sich nicht dazu verstehen konnten, den Beschluß über die Entlassung Professor Rautenbergs zurückzunchmen. Wie eine Berliner Korrespondenz erfährt, wird die Angelegenheit d i e ordentlichen Gerichte beschäftigen. Professor Rautenberg klagt gegen den Kreis mit der Begrün­dung, daß die pi tzlicho Kündigung aus den be­kannten Gründen unzulässig sei. Im Gegensatz zu der Auffassung des Kreisausschusses vertritt Prof. Rautenberg auch die Auffassung, daß seine Anstel­lung durch den Kreis auf Lebenszeit er­folgt sei.

DerSekretär der Kaiserin" gefleht seine Schwindeleien.

Der auf Ersuchen der Staatsanwaltschaften Köln und Honnef verhaftete 29jährige Erich Har t u n g, der als angeblicher Sohn der Gattin des früheren Soifers in ganz Deutschland nach dem Muster Do­melos zahllose Schwindeleien und Be­trügereien verübt hatte, hat jetzt zugegeben, daß er in vielen Fällen mit plumpen Mitteln Unter­stützungen und finanzielle Zuwendungen erschwindelt hat. Er erklärte seine Betrügereien mit seiner voll­ständigen Mittellosigkeit, die dadurch entstanden sei, daß seine Gönnerin infolge von Intrigen ihn plötzlich habe fallen lassen. Seitens der Polizei werden diese Angaben jetzt bis ins einzelne nochgeprüft. Man will vor allen Dingen die Akten hcranzichen, die v o m H a u s m i n ist erium des früheren Kaisers über Hartung angelegt sind und aus denen auch die Höhe der Zuwendungen heroorgeht, die Hartung er-, halten hat.

3n einem Bergwerk 1400 Arbeitern die Kleider verbrannt.

In Wiebelskirchen (Saargebiet) entstand in der Badeanstalt des Anna-Schachtes ein Groß- feuer, das der Feuerwehr zwei Stunden lang zu tun gab. Die Flammen hätten leicht auf das mit Benzin, Fett und Ocl gefüllte Probemagozin übcrgreisen können. In der Badeanstalt sind die Arbeitsanzüge der etwa tausend Mann zäh­lenden Früh- und Mittagsschicht sowie die Stra­ßenkleidung der etwa 400 Mann starken Nacht- schicht verbrannt. Der Gesamtschaden dürfte recht erheblich sein, zumal den Arbeitern der Nachtschicht mit den Kleidern auch ihre Aus­weise, Fahrkarten und mitgeführten Geldbeträge verbrannt sind.

Schweres Brandunglück in einem dänischen Hafen.

Nachts gegen 2 Llhr entstand im Mannschafts­raum des 4000 Tonnen großen, im Hafen Hör- sens vor Anker liegenden schwedischen Dampfers ..Etna" Feuer. Von den 14 Mann der Besatzung gelang es nur 11, die steile Treppe hinaufzu- t omni en. Die übrigen drei wurden von den Feuerwehrleuten, als cs diesen nach etwa zwei­stündigem Kampfe mit den Flammen gelang, des Feuers Herr zu werden, im Mannfchaftsraum als stark verkohlte Leichen gefunden. Sämtliche Verbrannten sind Schweden. Ein Hei­zer hat schwere Brandwunden erlitten und liegt im Städtischen Krankenhaus in bedenklichem Zu­stande darnieder.

Razzia nach Wilddieben.

Das Lkebcrhandnehmen großangelegter, regel­recht organisierter Wilddiebereien im Arns­berger Revier (Westfalen) veranlaßte die zuständigen Behörden, den Jagdschutz in Münster zu beauftragen, eine umfassende Aktion zur Be­seitigung dieser unerträglich gewordenen Zustände durchzuführen. 65Beamte der Land jäge- rei führten gleichzeitig Haussuchungen durch. Lieber 100 der Wilddieberei verdächtige Personen wurden fest genommen und mit Lastwagen dem Polizeirevier in Plettenberg und Förde bei Grewenbrück zugeführt. Beschlagnahmt wurde ein ganzes Arsenal von Jnfanteriegewehr- ren, Karabinern, Armeepistolen,Schlingen, Teller­eisen und Sprengstoffen. Jin Verlaus der Ver­nehmungen legten 50 Personen ein volles Ge­ständnis ab.

Ein transsibirischer Luxuszug KantonStolpe.

Die Agentur Jndo Pacific meldet aus Peking, die Ostchinesische Eifenbahngesellschaft werde ver­suchsweise am 3. Mai in Kanton einen trans­sibirischen Luxuszug ablassen mit dem direkten Endziel Stvlpe ander polnischenGrenze. Dieser Zug, der ausschließlich für Westeuropa- reisende bestimmt sei, fei mit allen modern nen Komfort versehen und werde Speise­wagen, Salonwagen mit Plattform, einen Rauch­

wagen, einen Schlafwagen mit Bedienung, einen Wagen für Tanz und Spiel und einen Wagen mit Frisierräumen enthalten. Er werde in Char- b i n und Moskau anhalten, um die Besich­tigung dieser Städte zu ermöglichen.

Bon einem steinernen Löwenkops erschlagen.

In Halber st adt löste sich von einem alten Sandsteinbau am Holzmarkt ein 350 Jahre alter steinerner Löwenkopf und traf zwei Männer. Einem Bierkutscher wurde der Schädel zweimal ge­brochen. In hoffnungslosem Zustande brachte man den Verletzten ins Krankenhaus. Der Begleiter er­litt ebenfalls schwere Verletzungen.

Eine Draisine von einem Schnellzug überrannt.

Der Schnellzug Mailand Rom überrannte in der Nähe von Castelfranco eine Draisine, auf der sich sechs Arbeiter befanden. Vier Arbeiter wurden get öte t, einer verletzt, während der sechste unverletzt blieb.

Kunst und Wissenschaft.

Willem Mengelberg verläßt Amsterdam?

In der Versammlung des Konzerthauses von Amsterdam reichte Dr. Willem Mengelberg, der Dirigent des Amsterdamer Orchesters, seinen Rücktritt zum 1.September ein. Die Ursache dieses Entschlusses, der einen außerordentlich schwe­ren Verlust für das Amsterdamer Musikleben be deuten würde, ist finanzieller Art. Mengelberg, der einen großen Teil des Jahres in Amerika ver­bringt, muß für die Gage seiner amerikanischen Konzerte auch in Holland Steuern be­zahlen. Diese doppelte Besteuerung, die er jahre­lang leistete, veranlaßte ihn, Holland zu verlassen und kein fest es Engagement in Holland als Dirigent einzugehen. Wie perlautet, soll die Leitung des Konzerthaufcs versuchen, die Regierung zu einer Ausnahmemaßnahme zu veranlassen, um diesen für dos Amsterdamer Musikleben unersetz­lichen Verlust zu verhindern. Willem Mengelberg, einer der gefeiertsten Dirigenten der Welt, hat viele Jahre neben dem Amsterdamer Konzertgehouse auch die Konzerte des Frankfurter Museums betreut.

Lärmszenen in der Berliner Volksbühne.

In der Volksbühne am Bülow-Platz kam es am Sonntag bei der von der Liga für Menschenrechte veranstalteten Aufführung des DramasJosef" von Eleonore Kalkowska, in dem gegen die Todesstrafe protestiert wird, zu Skandalszenen. Am Schluß der Vorstellung beklagte sich die Verfasserin, daß die Regie das Stück zu stark gekürzt habe. Das Publikum nahm lebhaft für und wider die Verfasserin Stellung. Einzelne forderten, daß die gestrichenen Szenen n a ch g e s p i e l t werden sollten, andere verlangten Schluß der Vor­stellung. Der Verleger Wreede sagte zu, daß bei der nächsten Ausführung das Stück ohne Streichungen gespielt werden soll.

Der Roman eines Kriegsgefangenen.

Georg von derVring hat soeben einen neuen RomanCamp L ä f a y e t t e" vollendet, der im Laufe des Sommers im Verlag Carl Schünemann, Bremen, erscheint. Der Roman, der das Schicksal eines deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich ge­staltet, ist auf Grund eigener Erlebnisse und Beob­achtungen des Dichters geschaffen worden, der selbst 1918 in amerikanische Kriegsgefangenschaft fiel. Die Handlung spielt zum Schluß in Deutschland zur Zeit der Revolution. Der Verlag Schünemann hat gleichzeitig die früheren Werke oon ber Örings über­nommen:Soldat Sichren" undAdrian Dehls".

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Wettervoraussage.

Unter dem Einfluß kontinentaler Luskmasfen hat stärkere Bewölkungsabnahme eingesetzt, so daß wäh­rend der klaren Nacht in unserem Gebiet die Tem­peraturen vielfach um Null lagen. Das nördliche Hochdruckgebiet hat sich mit seinem Kern über Skan­dinavien ausgebreitet. Gleichzeitig dringt das west­lich von Irland gelegene Tief nach Frankreich vor. Temperaturanstieg und Niederschläge treten iM nördlichen Teile auf. Da sein Einfluß wahrschein­lich bis in unser Gebiet »erbringen bürste, so sinb unter zeitweise stärkerer Bewölkung bei ansteigen­den Temperaturen im Laufe des morgigen Tages einzelne Niederschläge nicht ausgeschlossen.

Wettervoraussage für Dienstag: Teils neblig-wolkiges Weiler mit Neigung zu Nieder­schlägen, nach kühler Nacht wieder Anstieg der Tem­peraturen.

Wettervoraussage für Mittwoch: Unter wechselnder Bewölkung und schwankenden Temperaturen strichweise Niederschläge wahr­scheinlich.

Lufttemperaturen am 14. April: mittags 8,2 Grab Celsius, abends 2,7 Grab; am 15. April: morgens 0,7 Grab. Maximum 10,1 Grab, Minimum 0,6 Grob. Erbtemperoturen in 10 an Tiefe am 14. April: abends 9,1 Grab; am 13. April: morgens 3,8 Grab Celsius.

Die Wetterlage.