Ausgabe 
15.3.1929
 
Einzelbild herunterladen

mehr eine Bildungsstätte ausschließlich für eine gewisse Oberschicht, wie das früher der Fall war. Der Redner wünscht für die auswärtigen Abon­nenten Fahrpreisermäßigung bei der Reichsbahn und stimmt dem Kapitel zu. Die Abstim­mung zu dem Kapitel wird zurückgestellt. danurwenigeAbgeordneteimHause sind. Die Sitzung wird auf Freitagvormittag vertagt.

Trohki will nach Oeutschlan- kommen.

Ein Interview mit dem Führer der russischen Radikalen.

Berlin. 15. März. (Prio.-Tel.) DieB. Z. a. M." veröffentlicht ein Interview, das Trotzki ihrem Kor­respondenten heute in Konstantinopel gegeben hat. Danach erklärte Trotzki u. a.. die einzige Regierung, an die er seine Bitte um Äusent haltsrecht gerichtet habe, sei die deutsche Regierung. Am liebsten wäre er in Rußland geblieben; da ihm aber die Moskauer Regierung zum Verlassen Ruß­lands gezwungen habe, möchte er nun a m liebsteninDeutschland leben, und zwar aus zwei Gründen: zunächst rocgeh feiner Gesund­heit. Schon im Jahre 1926 habe er sich in Berlin von drei bekannten Professoren behandeln und einer Mandeloperation unterziehen lassen. Diese Aerzte kennen seinen Organismus genau, und da er zwar nicht todkrank, aber doch recht leidend fei, insbeson­dere von einem alten Darmleiden gequält werde, möchte er sich von denselben Aerzten be­handeln lassen, die ihn bereits im Jahre 1926 behandelten. Der zweite Grund dafür, daß er gern in Deutschland leben möchte, sei, daß Deutschland ihm die besten Möglichkeiten für seine literarischen Arbeiten bieten würde. Er wolle zunächst eine Selbstbiogravhie schrei­ben und dann ein Werk über die Erforschung der russischen Revolution im Lichte desMarxismuszu Ende führen. Er rechne mit Bestimmtheit darauf, daß Deutschland seiner Bitte nachkomme, da er doch ausdrücklich versichert habe, er werde nicht öffentlich hervor t r e t e n und sich in keiner Weise in die deutsche Politik ein­mischen Er beabsichtige, wenn sein Gesuch geneh­migt werde, in einem deutschen Badeorte zu wohnen und dort feine literarischen Arbeiten zu vollenden Obwohl er in der Türkei gewissen Be­schränkungen unterworfen fei, habe er vergessen, daß er in Wirklichkeit ein Gefangener sei. lieber Mangel an Gastfreundschaft von feiten der türkischen Behörden könne er sich nicht beklagen. Zum Schluß wies Trotzki darauf hin, daß er (Ein» reifeanträfle weder in Frankreich noch in der Tschechoslowakei gestellt habe. Trotzkis Sohn betonte, sein Vater beabsichtige nicht, aus den Artikeln, die er gegenwärtig für die Weltpresse schreibe. Gewinne zu ziehen. Die Erträgnisse aus oieser Tätigkeit würden ausschließlich zur Be­kämpfung der Stalingruppe verwendet werden.

Trotzkis Asylgesuch.

Nochmals ein Schritt Löbes beim Reichskanzler.

'Berlin, 15. März. (Priv.-Tel.) Im Zusammen­hang mit der Nachricht, daß sich jetzt nochmals der Reichstagspräsident L ö b e an den Reichskanzler gewandt hat. doch das Asylgesuch des russischen Oppositionsführers Trotzki durch das Reichskabinett zu genehmigen, erfahren wir, daß die Reichs­regierung schon in den nächsten Tagen noch e i n » mal zu der ganzen Frage Stellung nehmen wird. Inzwischen werden auch noch verschiedene Bespre­chungen mit dem hiesigen russischen Bot­schafter gepflogen, um wenigstens eine gewisse Stützung des privaten Antrages Trotzkis durch die russische Regierung zu erhalten. Nach wie vor be­steht jedoch gerade auch in der Reichsregierung eine Mehrheit, die sich gegen die Einreisebewilligung Trotzkis ausspricht. Es läßt sich jedoch noch nicht überblicken, zu welchem Ergebnis das Kabinett end­gültig kommen wird. Man darf nur hoffen, daß diese Frage mit der nötigen Gründlichkeit von den zuständigen Stellen geprüft wird, damit nicht Zwi­schenfalle. die später auftreten können, zu miß- liebigen Auseinanderfetzungen führen, wodurch die deutsch-russischen Beziehungen ihrerseits nicht gerade gefördert würden.

Ein Kammersieg poincarss. Die Frage der religiösen Kongregationen wird beraten.

Paris, 14. März. (WB.) 3n der Kammer wurde die Besprechung der Nachtrag, kreditvor- läge für 1928 fortgesetzt. Der kommunistische Ab­geordnete Cachin forderte die Räumung Sy­riens und des Rheinlands, sowie eine bessere Ernährung der Truppen. Der sozialrepublika- nische Abgeordnete Drunet geißelte die 6tei- S der Lebenshaltungskosten seit der Sta- ung und forderte entsprechende Maß­nahmen.

Hierauf forderte Poincars für heute nach­mittag die Beratung der Vorlage über die Wie­derzulassung der Kongregationen. Er wies aus zahlreiche Zuschriften hin, die das Rachlasseil deL französischen Einflusses im Aus­lande und besonders in den lateinamerikanischen Ländern dem Umstande zuschrieben, daß die Kon­gregationen nicht mehr die Möglichkeit hätten, die notwendigen Kräfte zu rekrutieren. Der Vor­sitzende des Finanzausschusses, Abgeordneter Ma Ivy (Radikal), bekämpfe diesen Antrag un­ter Hinweis darauf, daß dadurch die Beratung die Rachtragskreditvorlage unterbrochen und so­mit deren Verabschiedung vor Monatsende un­möglich gemacht werde.

3n der lebhaften Debatte über den Regie­rungsantrag, die sich erklärt aus dem prinzipiel­len Widerstand der Sozialisten und Radikalen gegen die Widerzulassung der religiösen Ordens- gcsellschaften und Kongregationen erklärte Außenminister B r i a n d , daß die Verabschie­dung der Vorlage im Interesse der französischen Außenpolitik dringend geboten sei. Die Abstim­mung ergab 323 Stimmen für den An­trag der Regierung, gegen den 254 Ab­geordnete stimmten. Die Kongregationsvorlage wurde also heute nachmittag von der Kammer in Angriff genommen. Der radikale Abgeordnete Iacquier stellte $u Beginn der Aussprache die Vorfrage, was eine nochmalige Abft.mmung Über die Frage der sofortigen Besprechung des Gesetzes notwendig machte. Er erklärte: Man verlangt von uns heute, den religiösen Kongre- gativnen wieder die Bestimmungen deS gemeinen Rechts zuteil werden zu lassen. Morgen wird man

Um die Freiheit der Meere.

Das britische Flotienbauprogramm.

Angeblich kein Rüstungswettbcwerb mit Amerika.

London, 14. März. (WB.) Im Unterhaus brachte der Erste Lord der Admiralität Bridge- man die Flottenvoranschläge ein. die, rote er er- klärte, im Vergleich zu den letztjährigen eine Der- Minderung um 1435 000 Pfund aufroeifen. Er be­merkte, daß der Flottenetat vor dem Kriege 24,5 v. 5). des Gesamtbudgets ausgemacht habe, während er jetzt nur noch 6,9 v. H. betrage. Im kommenden Finanzjahr würden drei neue Kreuzer auf Stapel gelegt werden. Bridgeman fuhr dann fort: Man spricht manchmal von unserem Flottenbaupro- gramm, als ob es ein großes Zusatzprogramm statt eines Erfatzprogramms fei. Vor dem Kriege hatten wir 114 Kreuzer, jetzt haben wir 52, und wenn sie weiter im Maße von drei Kreuzern jährlich ersetzt werden, so werden wir im Jahre 1940 nur noch 50 haben, die weniger als 20 Jahre alt sind.

Für die Abrüstung habe Eng.and mehr alS irgendein anderes Land getan, und noch vor der Washingtoner Konferenz mehr Tonnage ge­strichen. als ihm jetzt verbleibe. Bridgeman er­innerte an die britischen Vorschläge für die Ver­minderung der Flottenrüstungen und betonte, Premierminister Baldwin habe bereits erklärt, daß Großbritannien sich auf kein Wett­rüsten mit Amerika einlassen werde. Die Einführung der sechs^ölligen Bestückung statt der achtzölligen zeige vollkommen klar, daß England nicht versuche, die Vereinigten Staaten zu über­trumpfen. 1927 und 1928 habe England drei Kreuzer aus seinem Programm fallenge­lassen, in der Erwartung, daß die Vereinigten Staaten wünschten, die britischen Vorschläge in Erwägung zu ziehen. Die zwei Mächte seien beide friedliebend, sowohl im eigenen Interesse wie auch auf Grund ihrer Traditionen. Daher sei es vollkommen unsinnig, sich einzubilden, es bestehe irgendeine Gefahr, daß sie einander be­kämpfen werden. Der Friede der Welt werde nicht durch die Tatsache gefährdet, daß eine oder zwei oder mehr friedliebende Ra­tionen starke Flotten besitzen. Eine Ver­minderung der Flotten sei äußerst wünschenswert im Interesse der Ersparnisse und noch mehr im Interesse der Menschheit. Wenn es möglich wäre, die Verwendung von Unterseebooten oder die Verwendung von Giftgasen oder Luft­angriffen einzuschränken, so wurde dies ein riesiger Fortschritt sein. Wenn eine Verminde­

rung ohne Risiko durchgeführt werden könne, so sei sie, darin seien sich alle einig, wünschens- wert. Wir sind bereit, so schloß Bridgeman, Vorschläge, die Abänderung bereits gemachter Vorschläge oder neue, vielleicht noch nicht be­kannte Vorschläge in Erwägung zu ziehen.

Das Mitglied der Arbeiterpartei Ammon trat für ein internationales Abkom­men über die Freiheit der Meere ein. Der Liberale Sir Godfrey Collins erftärte, Bridgeman scheine die Bedeutung des Kellogg-Paktes nicht voll erkannt zu haben, denn er setze diesen Pakt nicht in öle Tat u m. Seiner Meinung nach bestehe keine Rot- wendigkcit für die in den Flottenvorschlägen ent­haltenen Ausgaben.

Frankreichs Marinevermehrung.

Der deutsche Panzerkreuzer A bedroht Frankreichs Sicherheit.

Paris, 14.Mär,. (1DIB.) Der Senat hat heute mit 272 gegen 28 Stimmen den Gesetzentwurf angenommen, der die Kiellegung der Im zwei­ten Teil des Flottenbauprogramms enthaltenen Ein­heiten vorfieht. Ls handelt sich um einen Kreuzer, sechs Torpedobootszerstörer, sieben Unterseeboote und zwei Avisos. Der Berichterstatter, Senator £ e m e r g, bezeichnete den Bau dieser Einheiten als eine notwendige Maßnahme dec Ver­teidigung und wies in diesem Zusammenhang auf die bevorstehende Indien st st ellung des neuen deutschen Panzerkreuzers und auf die Verabschiedung des italienischen jlottenbau- ptogramme» hin. Der deutsche Panzerkreuzer, dem noch weitere gleiche Einheiten folgen würden, fei so bestückt, daß er sämtliche französischen und englischen Kreuzer in Schach hal­ten könne. Der Bau dieser Schiffseinheiten scheine vom Geist von £ oc a r n o und vom Geist des Kelloggpakte« nicht beseelt zu sein. Deutschland könne auf Grund des Versailler Ver­trages nicht mehr als sechs Schiffe de» neuen Modells bauen. Anders aber verhalte es sich mit Italien. Da Frankreich im Falle eines Krie- ges sich nach mehreren Fronten verteidigen müßte, würde Italien im Miltelmeer das heft in der Hand halten, und da» sei für Frankreich unannehmbar. Der Vorsitzende des Marineausschusses, Senator de fietguejec, gab der Befürchtung Ausdruck, daß man vor einem neuen Rüffungeroettberoerb stehe.

Die Räumung der zweiten Rheinlandzone.

Herr Chamberlain ist im Unterhaus dar­über interpelliert worden, wie es mit der Räu­mung der zweiten Zone ist und hat zutreffend die Auskunft erteilt, daß die Räumung am 10. 3a- nuar 1930, also in dreiviertel Iahren, fällig ist, daß deshalb besondere Verhandlun­gen über den Zeitpunkt nicht nötig seien. Es war mehr als überflüssig, geradezu kleinlich, wenn Herr Chamberlain bei dieser Gelegenheit es für nötig hielt, daran zu erinnern, daß Deutsch­land seine Verpflichtungen erfüllen muh, damit die Räumung erfolgt. Wir haben, weiß Gott, über den Rahmen des Mög­lichen hinaus erfüllt, einer besonderen Ermahnung, die gerade aus Chamberlains Munde hochnäsig wirkt, bedarf es dazu nicht. Wan könnte aus der Antwort vielleicht die Schluß­folgerung ziehen, daß Chamberlain an den gün­stigen Ausgang der Reparationsverhandlungen oder an Wirkungen des Abschlusses dieser Ver­handlungen auf die Zurückziehung der Tesatzungs- truppen nicht glaubt. Das scheint uns aber vorläufig noch übertriebenes Mißtrauen, der ewig trockene Chamberlain hat rein bureau- mäßig geantwortet und jede Perspektive in die Zukunft absichtlich vermieden. Vorläufig halten wir jedenfalls daran fest und haben dazu ja auch eine Zusage von Frankreich, daß, wenn die Reparationsverhandlungen zum Erfolg führen, dann auch der Augenbllck gekommen ist, wo d i e ganze Besatzung vom deutschen Boden ver­schwinden muß, denn wir brauchen nationale und wirtschaftliche Ellenbogenfreiheit wenigstens in unseren eigenen Grenzen, um die letzten Kräfte freizumachen. Sonst ist auf die Dauer an die

Befriedigung unserer Gläubiger überhaupt nicht zu denken.

Freilich, nach den bisherigen Erfahrungen müffen wir darauf rechnen, daß Herr Driand im letzten Augenblick noch einen neuen Wider st and einschaltet und darauf aufmerksam macht, daß ja in Gens zwei Kommissionen eingesetzt sind, von denen erst die eine arbeitet, während di- andere, die über das Sicherheitsproblem orakeln soll, vorläufig nur in den Akten existiert. Es dürfte uns also nicht wundern, wenn er frei­mütig oder unter dem Druck PoincarLs dann doch noch die Zurückziehung der Truppen davon ab- hängig macht, daß auch die französischen Forderun­gen nach einer dauernden Kontrolle der deutschen Grenze befriedigt werden. Aber auch das würde ihm nicht darüber hinweghelfen, daß die Besatzungszeit für die zweite Zone zu Be­ginn des nächsten Jahres abgelaufen ist und daß spätestens am 10. Januar wieder für Tausende deutscher Einwohner der Augenblick der endgültigen Befreiung winkt. Woraus sich ergibt, daß für Frank­reich der Wert der Besatzung mit jedem Tag an Kaufkraft verliert, zumal seitdem das gesamte besetzte Gebiet einstimmig bekundet hat, daß es lieber noch geduldig ausharren will, als seine Be­freiung mit dem Preis unerhörter Bedingungen zu erkaufen. Diese Erinnerung ist gerade heute nicht unzeitgemäß, wo in Paris um die endgültige Ge­staltung der deutschen Reparationsverpflichtungen gewürfelt wird. Nationalpolitisch wie finanziell würde Deutschland einen günftiaen Ausgang in Paris willkommen heißen, um jeden Preis darauf angewiesen aber sind wir nicht.

von uns fordern, die Neutralität der Schulen zu revidieren. Innenminister T a r d i e u wi'.erfprach dem Verlangen des Abg. Iacquier und erklärte, man müsse nun endlich zur sachlichen Behandlung gelangen und die Fragen deS Verfahrens bei­seite lassen. Er stellte gegen die Vorfrage die Vertrauensfrage. Die Kammer lehnte darauf die Vorfrage des Abg. Iacquier mit 321 gegen 249 Stimmen ab.

Die Todesfälle unter den ftanzösifchen Vesatznngsirnppen.

Peinliche Nnkersuchungsergebnisse.

Paris. 13. März. (WTD. Funkspruch.) Ioumal" glaubt zu wissen, Kriegsminister P a i n l e v ö habe vor dem Heeresausschuh der Kammer bei der gestrigen Beratung über die Ergebnisse der Untersuchung der hohen Zahl der Todesfälle unter Öen französischen Besatzunas­truppen zugegeben, Öah öle Tatsache ihn peinlich berührt habe, daß an dem selben Abend, an dem einige Soldaten gestorben waren, i m Offiz ierskasino getanzt worden sei. Das sei zum mindesten ein Mangel an Takt ge­wesen. Er habe die Ansicht vertreten, daß ge­wisse Märsche und Hebungen bei 25 Grad unter Rull hätten eingestellt oder abgekürzt werden müssen, und daß es unblllig gewesen sei, bei solcher Kälte einen Soldaten zwei Tage lang im Gefängnis zu belassen.

»Populaire" veröffentlicht heute eine Statistik, die die Todesfälle in Öen einzelnen Garnisonen des Rheinlandes bis zum 5. Marz aufführt und zu einer Gesamtsumme von 348 gelangt.Pe­tit Varisien' glaubt zu wissen, daß der Kriegs- minnter nicht nur, wie bisher angekündigt, Maß­regeln gegen einen General und einige höhere Offiziere ergreifen werde, sondern gegen einen DivißionSkommandsur und einen

Befehlshaber eine« Armeekorps und gegen einen oder mehrere Obersten.

e

Rach einer Blättermeldung aus Trier ist trotz der anhaltenden wärmeren Witterung die Ge­walt der in den Kasernen von Trier umgehenden Grippe-Seuche noch nicht gebrochen. Don gut unterrichteter Seite werden bis - um 13.März weitere 19 Todesfälle gemeldet. Ein Teil der Kasernen bleibt weiterhin gesperrt.

Oer deutsch-südafrikanische Handelsvertrag.

VerfassungskrisiS in Kapstadt.

Berlin, 15. März. (Priv.-Tel.) In der Süd­afrikanischen Union ist ein Verfassungskonflikt ausgebrochen, von dessen Lösung unter Umstän- öen das Schicksal des deutsch-afrikanischen Han­delsvertrages abhängt. Die Kapstädter Regierung hat sich vor einiger Zeit auf den Standpunkt gestellt, daß Verträge nur dem Unterhaus xur Ratifizierung vorzulegen seien, nicht aber dem Senat. Sie hat auch den deutsch- südafrikanischen Handelsvertrag nur dieser Körperschaft zugehen lassen, die ihm auch ihre Zustimmung erteilte. Der Senat, der ebenso wie die Opposition im Parlament mit diesem Verfahren nicht einverstanden ist, hat sich jetzt eingeschaltet, und einen oppositionellen Antrag angenommen, der den Vertrag ab­lehnt. Um daS Soiommen endgültig in Kraft zu setzen, ist jedoch die Zustimmung der Krone, also die Unterschrift des General^Nou- vemeurs, erforderlich, der aber feinen Ramen so lange nicht unter den Vertrag setzen wird, bis der Derfassurmsstrelt in irgendeiner Form gelöst worden Ist. Wir müssen unS also darauf gefaßt machen, daß noch sehr viel Zeit in« Land gehen wird. biS der Konflikt in Südafrika beigelegt ist.

Das bedeutet also, daß unser Exporthandel so rasch nicht in den Genuß der Vorteile kommen wird, die ihm der Handelsvertrag zusichert. Aber gerade diese Begünstigungen sind es, die den Vertrag in den Mittelpunkt des inner- politischen südafrikanischen Streites gerückt haben, wird. doch durch die Vereinbarungen zwischen Berlin und Kapstadt eine Dresche in das englische Zollsystem gelegt, wonach bisher alle zollpolillschen Vergünstigungen ausschließlich dem englischen Mutterland zugute kamen.

Aus aller Wett.

Die 500 ooo.Mark.prämle der Preußischen Klassen- lotter le.

Bei der letzten Zi hung i.er P eu IschenKlassen- lotterie fiel die Prämie von 500 000 Mart (mit einem Gewinn von 1000 Mark) auf die Rümmer 297 785. Das Los wird in Abteilung L in Acl r in Berlin-West, in Abteilung II in Achteln x Derlin-Rordost gespielt. Wie daS .Tempo" e- richtet, befindet sich unter den Gewinnern der großen Prämie ein 47 Iahre alter blinder Straßenhändler, der bisher fein Leben aus dem Verkauf von Dlindenerzeugnis en arm­selig fristete. Auch alle anderen Teillose der Steglitzer Abteilung der Glücksnummer waren i m Besitz kleiner Leute. Die Gewinner sind ein Kraftdroschkenführer, eine Dureauangestellte, ein Photograph, der zwei Achtellofe hatte, ein kleiner Beamter in Steglitz, der zur Zelt Im Krankenhaus liegt, eine arme Aufwartefrau in Lichtenberg und eine Frau in Ratibor.

Benzinexplosion Im Kanalschacht.

Durch eine heftige Explosion ist in Alten­kirchen (Westerwald) der innere Stadtteil stark erschüttert worden, so daß sich der Bevöl­kerung eine große Aufregung bemächtigte. Don einer Tankstelle war Benzin in den Kanal gepumpt worden, da man offenbar glaubte, es mit eingedrungenem Wasser au tun zu haben. Dieses Benzin war in Brand ge­raten und auf einer Strecke von etwa 500 Meter Im Kanalschacht explodiert. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. Die zentner­schweren Deckel der Kanalschachte flogen meter­hoch in die Lust, um im nächsten Augenblick auf der Straße zu zerschmettern. Wie durch ein Wunder sind Menschenleben nicht zu beklagen.

Riesiger Waldbrand bei £ocarno.

In Öen Bergwaldungen nördlich Locarno und oberhalbOrselina entstand am Mlttwochnach- mittag ein großer Brand, der am Donnerstagabend noch fortroütete. Die ganze Bevölkerung ist zur Be­kämpfung des Feuers aufgeboten. Das Dorf Or- felina selbst ist gefährdet.

Lin Geburtstagsgeschenk der Stadt Berlin für Professor Einstein.

Die Stadt Berlin hat dem berühmten Physiker und Robelpreisträger Professor Einstein zu seinem 50. Geburtstag ein Glückwunschschreiben überreichen lassen uno ihm zugleich Mitteilung davon gemacht, daß der Magistrat beschlossen hat, Professor Einstein in Reu-Fladow in dem zur Zeit von Herrn von Zechau bewohnten Eln- f amilienhaus ein Wohnrecht auf Lebens­dauer einzuräumen.

Geständnis

des Mörders des fr-.»zösischen Zugführer».

Der 21 Iahre alte Gewerbeschülcr Steffen«, der unter dem Verdacht verhaftet worden war, den Zugführer des Schnellzuges ParisRancy ermordet zu haben, hat Die Tat eingeftanöen. Er hatte sich aller Barmittel entblößt gesehen und wollte sich neue Geldmittel beschaffen. Steffens ist in Hagenau im Elsaß geboren.

Oie Wetterlage.

berdc :«

*

6

Donnerstaq. d.14. Marz 1929. raDds

evonrtmei o erm. o r«® orettit» vomig. e otecm

Kbitte a »rewOTin ifteei ROr*uei^§)u*e«i»t^ idr e*»tr» O51 ««5<oti sudtooweM q nc/enteo iwdvcsl

«it -feiw reegtn mn «tn wiaoe. v>e oodtn SUUontn jtei»eMtn Ze* en ge>cn die Tempoitur an. Du Limen erromdto Oft» ert afciclci» ui Mtruenet» uea«rer«n»we KfUre«-

Wettervoraussage.

Das britische Hochdruckgebiet hat sich in seinem Kerngebiet wieder etwas verstärkt und zeigt heute morgen Barometerstände von annähernd 775 Milli­meter. Kräftiger Luftdruckanstieg in Skandinavien deutet darauf hin, daß sich das Hoch ostwärts ver­lagern wird. Deutschland wird somit von nördlichen, aus dem Hoch ausströmenden, Winden überflutet, die den meist nebelig-roolkiaen fjimmel noch immer fortbesteben lasten. Niederschläge treten vorerst noch nicht auf.

Wettervoraussage für Samstag- Noch meist neblig-wolkiges Wetter mit zeitweiser Aufheiterung, bei wenig veränderten Temperaturen trocken.

Wettervoraussage für Sonntag: Fortdauer des herrschenden Wetters.

Lufttemperaturen am 14. März: mittags 4,6 Grad Celsius, abends 0,1 Grad; am 15. März: morgens 0 Grad. Maximum 6 Grad, Minimum2 Grad. Erdtemperaturen am 14. März: abends 0 Grad; am 15. März: morgens0,2 ®rab Celsius.-on« 1 nenscheindauer 3H Stunden.