Ausgabe 
14.10.1929
 
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tc Kn panierten. Man habe aber erkannt, daß, wer niit dem Marxismus paktiere, daran zu Grunde gehe, und so hätten sich die Deutschnationalen wie­der herausgerissen aus einer gefährlichen Lahn. Lolksbegehren sei der Anfang zur Entschei- düng, ob der Marxismus oder die nationale Volks­gemeinschaft in Deutschland die Herrschaft haben sollten.

Aer Reichsausschuß an Severing.

Was veranlaßte Haussuchungen und Beschlagnahmen?

Berlin, 12. Oft. (WB.) Der Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren hat an den Reichsmini­ster des Innern ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt.

Aus Ihrem Schreiben haben wir entnommen, daß Sie einen Auftrag zur Abhaltung von Haussuchungen und insbesondere zum Beschlagneh­men von Werbematerial für das Volksbegehren nicht erteilt haben. Es bleibt danach aufzuklä­ren, aus welcher Veranlassung di« Kri­minalbeamten, die die Haussuchungen und Beschlagnahmungen des Materials für das Volks­begehren Vornahmen, ausdrücklich erklär­ten, daß sieim Auftrage des Reichsin - nenminifters Severing" handeln. Darüber hinaus ist durch eine große Anzahl von Zeuaen fest- gestellt, daß diese Kriminalbeamten schriftliche Anweisungen oorzeigten, daß sie ausdrück­lich beauftragt waren, die Anweisungen des Reichsausschusses für das Volks­begehren zu beschlagnahmen. Wir bit­ten daher nochmals um Feststelluna der Schuldigen und Mitteilung, was man gegen sie veranlaßte.'

Weiter heißt es in dem Schrfiven:Wir stellen nochmals fest, daß der Major a. D. Hei der, bei dem die Haussuchung und Beschlagnahme vorgenom- men worden ist, tatsächlich nicht Mitglied des Stahlhelms ist.

Volkspartei und Stahlhelmverbot

Ltaatssekretär Schmid zum Verbot des rheinisch-westfälischen Stahlhelms. Düsseldorf, 12. Oft. (Privatmeldung.) Bei einer Zusammenkunft der Düsseldorfer Vertreter der Deutschen Dolkspartei erklärte Reichstagsab­geordneter Staatssekretär Schmid vom Reichs- ministerium für die besetzten Gebiete, er werde sich nach Unterrichtung an Ort und Stelle in den nächsten Tagen persönlich zum Reichsinnenmini­ster Severing begeben, um ihn über d i e st im - mungsmähige Auswirkung des Ver­bots des rheinisch-westfälischen Stahlhelms auch auf solche Bevölkerungskreise auf» zuklären, die der neuen radikalen Richtung der Stahlhelmbewegung an sich ablehnend ge­genüberstehen. Die Angelegenheit müsse schleu­nigst nachgeprüft werden, schon damit im Auslände sich nicht der Eindruck festsetze, als ob ein materieller Verstoß gegen das Sta­tut der entmilitarisierten Zone vorgekommen sei. Schmid fügte hinzu, daß seines Wissens d a s G e- f am t f a Dine 11 und dessen vollsparteiliches Mitglied mit der Derbotsfrage bisher nicht befaßt worden seien. Cs müsse verhütet wer­den, daß die Abwehrfront der Ver­nünftigen gegen das Volksbegehren durch Maßnahmen geschwächt werde, die auch in weiten volksparieilichen Kreisen a u f schwerste Bedenken stießen,

Oie Gaarverhandlungen verschoben.

Das deutsche Programm.

Berlin, 13. Oft. (Privatmeldung.) Bon unterrichteter Seite erfahren wir, daß Frank­reich vorgeschlagen hat, die Verhandlungen über die Regelung der Saarfrage, die ursprünglich für Mittwoch, 16. Oktober, vorgesehen waren, auf den2 8. Oktoberzuverschieben, da die Vorbereitungen der französischen Verhand- lgngskommission noch nicht genügend fortgeschritten sind, um die Verhandlun­gen ohne Verzögerung und Unterbrechung füh­ren zu können. So unerwünscht die Verschiebung der Verhandlungen für Deutschland ist, so glaubt man in unterrichteten Kreisen doch, daß der fran­zösische Wunsch nicht auf Verschleppungsabsichten zurückzuführen ist, sondern tatsächlich die um-

Gießener Gtadttheater.

Leon Jefscl:Schwarzwaldmädel

..Schwarzwaldmädel", großer Erfolg vor schlecht gerechnet einem Jahrzehnt (es kann auch schon langer her fein) hat, ohne Jazz, ohne Girls, ohne Revue-Aufmachuna, seine Lebendigkeit und Zugkraft aufs neue erwiesen.

Die musikalischen Glanzstücke, Rheinländer und Wa.zer aus dem Mittelakt, sind seinerzeit Schla­ger von einer fast volksliedhaften Popularität gewesen, wie sie kaum von einer einzigen mo­dernen Operette erreicht worden sind. Und es erwe:st sich, daß alle Aufmachung, alle Ausstat­tung, alle Tanzarrangements nicht entfernt so dauerhaft populär werden können, wie eine blü­hende. mitreißende Musikalität, die früher Der ausschlaggebende Erfolgträger einer Ope­rettenschöpfung fein muhte.

Das Libretto von R e i d h a r d t seht sich über- aus per spekulativen Mischung einer Volks» stuckhaften, srngspielmäßigen Handlung, einem oft Jterbei1 mdft sehr primitiven Humor und einer handfesten Sentimentalität zusammen, die genau wie Im Kino ihre Wirkung nie verfehlt.

Die ganze Stilrichtung entspricht der von der neuen Direktion bevorzugten Operettengattung. Baars Regie hätte für unser Gefühl die Sprech» szenen zugunsten der Partitur und einer gesun» den Konzentration der ganzen Aufführung ein wenig beschranken dürfen, hatte aber Im übri­gen Tempo, flüssige Ensembles und sehr hübsche Dekorationen.

. Dw musikalische Leitung (Kapellmeister Ma? K l i e r) hatte mit der überraschend unveralteten einfallsreichen Partitur leichte und dankbare Ar- beit. Die Stakkatierung der ersten Walzertakt« (Erklingen zum Tanze die Geigen . .") dürfte u. E. ein wenig moderiert toerben.

, 3n der Besetzung waren wiederum tüchtige und bewährte Kräfte am Werk. Meta Lieber - mann vom Frankfurter Opernhaus hinterließ

fangreichen und schwierigen Vorbereitungen, die französischerseits für die Verhandlungen getroffen werden, noch nicht abgeschlossen sind. Wenn Deutschland auch ein außerordentlich großes Interesse an der Erledigung der Saarfrage hat und bestrebt sein wird, die Verhandlungen möglichst rasch zu beenden, um die Konflikts­möglichkeiten, die sich aus der gegenwärtigen Regelung der Saarfrage ergeben, auszufchalten. so hat es jedoch nicht den normalen Verlauf der Dinge zu scheuen.

Auch in Frankreich ist man allgemein davon überzeugt, daß die Abstimmung derSaar- bevölkerung im Jahre 1935 eine über­wältigende Mehrheit für d i e Rück- kehrzu Deutschland ergeben wird.. Frank­reich hat kaum ein großes Interesse daran, sich dieser Riederlage vor aller Welt auszu­sehen. Die französischerseits aufgeftcHten Behaup­tungen, daß es der Bevölkerung des Saar­gebietes zur Zeit an nichts fehle, sind zum mindesten stark übertrieben. Durch

die Regelung auf Grund des Versailler Vertra­ges sind die Saarbewohner in eine unwürdige Lage gedrängt worden, die sie als schwere Bedrückung empfinden. Deutschland muh bei den Verhandlungen versuchen, durch eine güt­liche Vereinbarung die Saarfrage unter Aus­schaltung der DestimmungendesDer- s a i l l e r Vertrages aus der Welt zu schaf­fen. Die deutschen Wünsche gehen nicht nur auf restlose Rückkehr desSaargebietes, sie erstrecken sich auch auf eine erschöpfende Re­gelung der das Saargebiet betreffenden han­delspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Diese Beziehungen gilt es so zu regeln, daß das Saargebiet aus der französischen Zollgrenze her­ausgenommen wird und in das deutsche Zollgebiet zurückkehrt. In unterrichteten Kreisen sieht man den kommenden Verhandlungen mit Frankreich schon deshalb nicht hoffnungslos ent­gegen, weil die wirtschaftlichen Interessen Deutsch­lands mit denen Frankreichs parallel laufen.

Sie Hollandreise desGras Zeppelin".

Friedrichshafen, 12. Okt. (WB.) Nachdem sich die Witterungsoerhältniss« im Bodensee-Gebiet zusehends gebessert haben und der tagelang« West­sturm sich gelegt hat, ist das LuftschiffGras Zep­pelin" heute gegen Mitternacht überraschend zur Fahrt nach Holland aufgestiegen. Unter den Passagieren, die sich schon frühzeitig in der Halle eingefunden hatten, herrschte eine aus- aezeichnete Stimmung. Die Führung des Schiffes hatte Dr. Eckener. An der Reise beteiligten sich 30 Passagiere, darunter zahlreiche Holländer, meh­rere Damen und auch zwei Kinder. Um 23.21 Uhr erfolgte der Ausstieg. Es herrschte geradezu ideales Startwetter. Die nächtliche Fahrt ging über Stuttgart, Karlsruhe, und dann ftc 1t wie ge­plant über Landau Köln Nymwcgen über Gießen Soest Emden Delfzijl. Von dort bewegte sich das LuftschiffGraf Zeppelin" in rascher Fahrt östlich der Zuider See nach Süden über Groningen, Meppel, Zwolle, Deventer nach Appeldoorn, wo es über dem königlichen Palast H e t ß o o eine Schleife beschrieb. Um 10.45 llhr holländischer Zeit war Rotterdam erreicht. Ueber Delft, Haag, Leyden und Haarlem wurde um 11.30 Uhr holländischer Zeit Amster­dam erreicht. Während weiter im Norden wolkiges und graues Wetter den Schaulustigen bisweilen die Freude getrübt hatte, lachte hier strahlend blauer Himmel. Sechs holländische Flugzeuge gaben dem Graf Zeppelin" auf seiner Gastfayrt über holländi­schem Boden das Geleit. Von Nymweaen führte die Fahrt wieder heimwärts nach Deutschland in Richtung Cleve, M.-G l a d b a ch , Neuß bis Köln, wo in langsamer Fahrt eine große Schleife über der jubelnden Stadt beschrieben wurde und von dort etwa gegen 14.35 Uhr ging es den Rhein entlang über Sonn, Andernach bisKoblenz. Dann wurde die Rheinpfalz überflogen; um 16.20 Uhr wurde das Luftschiff in niedrigem Fluge über Neustadt beobachtet. Um 18.30 Uhr nach Ein­treten völliger Dunkelheit ist das Luftschiff nach einer kurzen Schleifenfahrt über dem Bodensee glatt gelandet.

Stürmische Begeisterung in Holland.

Amsterdam, 13. Oft. (TU.) Wolkenloser klarer Herbsthimmel strahlte über Holland, als Graf Zeppelin" die holländische Grenze er­reichte. Halb bekleidet stürzten die Menschen ins Freie, um den Luftriesen zu begrüßen. Heber dem Schloß Het Loo, dem Aufenthaltsort der Königlichen Familie flog das Luftschiff sehr niedrig, so daß man die Gondeln deutlich er­kennen konnte. In der Umgebung des Schlosses hatte sich eine unübersehbare Menge eingefun­den. Die Bewohner des Schlosses, darunter Prinz­gemahl Heinrich der Riederlande und dessen Bruder, Herzog Adolf Friedrich von Mecklen­burg, folgten dem Flug mit großem Interesse. Ob die Königin und die Kronprinzessin den Zeppelin gesehen haben, ist nicht bekannt. Hier im Süden des Landes war die Beobachtung des Luftschiffes leider durch dicke Rebelbänke stark gehindert. Trotzdem war das Interesse überall sehr groß. Die Menschen strömten aus den Kir­chen, um das Luftschiff begrüßen zu können. Auch im Haag waren die Straßen und Dächer schwarz voll Menschen, die den Zeppelin begeistert begrüßten. Rach einer Schleife über dem Schloß, das zur Begrüßung geflaggt hatte, ging es nach Scheveningen und von dort über Leiden und Haarlem nach Amsterdam, wo Post abgeworfen wurde. Sechs Flugzeuge begleiteten es. Auf dem Amsterdamer Sugplah herrschte starker Publikumsandrang. Die Automobile standen auf der Straße so dicht, daß das Postauto für die Fahrt vom Flughafen zur Stadt, die gewöhnlich nur eine halbe Stunde dauert, zwei Stunden benötigte. Die Funkverbindung war während des Fluges über Holland ebenso wie die radiotele- graphische Verbindung ausgezeichnet. Die Teil­nahme der holländischen Bevölkerung war über» wälttgend groß.

Brückenweihe in Köln.

Köln, 13.Okt. (WB.) Die neue Rheinbrücke K o l n - M ü l h e i m , die größte Hängebrücke des Kontinents, ist heute vom Reichsverkehrsminister S t e g e r w a l d in Anwesenheit vom Reichsminister v. Gusrard, Minister Dr. Hirtsief er, von Vertretern der Reichswehr und der Reichsmarine sowie der Spitzen der örtlichen Behörden feierlich dem Verkehr übergeben worden. Schon in den frühen Morgenstunden hatte eine wahre Völker­wanderung zur Brücke eingesetzt. Als die Stunde der Einweihung herannahte, zogen sich über die ganze Länge der Brücke lange Spaliere, Abordnungen der Schulen und Vereine mit unzähligen Fahnen sowie die Studentenkorporationen in vollem Wichs; am klaren Herbsthimmel kreuzte je ein Flugzeug der Deutschen Lufthansa und des Kölner Vereins für Luftfahrt. Das Geräusch ihrer Motoren mischte sich mit dem Heulen der Sirenen der zahllosen Schiffe, denen die Feier eine dreistündige Fahrtpause aufer-

in der großen Partie der Malwine einen vor­züglichen Eindruck; sah blendend aus in einer beigefarbenen Seidenspihentoilette mit passendem Hut (hoffentlich stimmtsl) und war gesanglich in großer Form.

Die beiden fahrenden Musikanten, Emmerich Muller-Marten und Hans Schneider, führten sich mit dem sehr hübsch instrumentierten Wanderduett (Wir sind auf der Walz', vom Rhein bis zur Pfalz") liebenswürdig ein und Blerr lustigen Rollen stimmlich und dar­stellerisch bis zuletzt auf anständigem Niveau.

Die drastischen Chargen, Hans Schnitzer (Wirt zumBlauen Ochsen") und Franz Me° m°^-^Schmußheim), erzielten durchschlagende Publikumserfolge.

Gut, obwohl von den Sentiments seiner Figur einigermaßen belastet. Willy Hartmann als Domkapellmeister; Maritta Prach (Bärbel«) sehr munter im Spiel, wirkte stimmlich, zumal in den hohen Lagen, recht forciert. Mia Goltz Grete Schanz Maria Pa lick rundeten das Ensemble vorteilhaft ab.

Das Haus war diesmal stark besucht, das Publikum dankbar und beifallsfreudig. Es gab mehrere Wiederholungen; nach dem Mittelakt mußten sich Regisseur und Kapellmeister mit den Hauptdarstellern zeigen. Dr. Th.

Das Alfred Bock-Buch.

Soeben ist, gerade rechtzeitig zum 70. Geburts­tage des Dichters, bei Elwert in Marbura ein von Will Scheller, Kassel, herausgegebenes Alfred Bock»Buch') erschienen. Der gut ausgestattete, schöne Samineiband erweist sich nicht nur als eine vorzügliche Einführung in das Werk Alfred Bocks für alle, denen es noch nicht vertrauI ist, sondern zugleich auch als ein Extrakt

V b ® ® d ® u ch. Herausgegeben von IJ vS*«280 Seiten ö". Kart 2,25. Ganz, leinen 8 Mk R G Glwertsche Verlagsbuchhand­lung (® Braun), Marburg 1929 (514).

legt hatte. Nachdem zunächst vom Erbauer der Brücke, Oberbaurat Woltmann, die Uebergabe der Brücke an die Stadt erfolgt war, führte Reichs- oerkehrsminister Stegerwald in seiner Weiherede u a. aus:

Namens der Reichsregierung beglückwünsche ich Köln zu diesem neuen Verkehrsfortschritt. Wir sehen vor uns die weitest gespannte Brücke Deutschlands, die in einer einzigen Oeffnung von mehr als 300 Meter Weite den Rhein über­quert. Ich darf wohl ohne Uebertreibung sagen, daß dieser Brücke im Range der Rheinbrücken der erste Platz gebührt. Gestern ist in Süffelöorf eben­falls eine neue Brücke dem Verkehr übergeben worden. Drei weitere Rheinbrücken wer­den demnächst südlich von Mainz in Angriff genommen. Diese Tatsachen bezeugen, daß das übrige Deutschland dem Rhein nach wie vor sein großes Interesse zuwendet.

seines Schaffens, als handliches Vadernecum für Freunde und Kenner, für die große und stetig wachsende Gemeinde. Es enthält zunächst die klar und verständnisvoll geschriebenen Einlei­tungsworte des Herausgebers, dann eine freund­schaftliche Schilderung des Dichters in seinem Heim von Frau Dr. Else Hoppe, und hieran anschließend kommt Bock selber zu Worte mit einer geschickt zusammengestellten, sehr charakteri­stischen Auswahl aus seinem Werk. Man findet da neben autobiographischen Aufzeichnungen, L,agebuchblättern, Wanderskizzen und Gedichten etliche der besten Novellen (denNapoleon" z.D.) und in der Hauptsache größere, zusammenhän­gende Abschnitte aus den wichtigsten Romanen, von derPflastermeisterin" bis zu denHau­sierern", welche noch nicht vollendet find. Wir freuen uns, heute, am 70. Geburtstage des Dich­ters, mit wannen Empfehlungen auf ein Buch Hinweisen zu können, das in knapper Form einen Ueberblick über das Werk seines Lebens ver­mittelt.

Oie verschleierte Gräfin.

Eine romantische Geschichte, die ein historisches Geheimnis enthüllen will, wird in einem soeben in London erscheinenden BuchDas Dunkelgraf- Geheimnis", erzählt, das von O. D. Maeckel und Frau Aubreh le Blond verfaßt ist. Im Jahre 1803. so heißt es in dem Buch,traf in der kleinen deutschen Stadt Ingelfingen m Württemberg ein Herr von aristokratischem Aeu- ßern und vornehmer Haltung mit einer jungen Dame ein, deren Gesicht nur ein oder zweimal gesehen wurde, denn ihre Züge waren stets von einem dichten Schleier bedeckt, wenn sie in der Oeffentlichkeit erschien". Dieser Herr, ein Graf, bewachte die junge Dame mit einem Diener 20 Sabre hindurch. Wenn die verschleierte Gräfin an schönen Tagen im Garten spazieren ging dann mußt« der Diener zuerst heraustreten und hluter die Tur stellen, damit er die Dame nicht sehe. Der Gras paßte, eine Pistole in der Hand, am Fenster stehend genau auf, während öie Dame in dem von hohen Mauern umgebe- nen Garten herumging. Fuhr sie aus. dann führte er sie selbst zu dem schönen Wagen und öffnete ihr mit einer liefen Verbeugung die Tür; er

Aus Anlaß deS Todes deS Reichsaußen­ministers Dr. Stresemann ist dem deutschen Volke plastisch vor Augen geführt worden, welchen Weg es in.den letzten sechs Jahren seit dem Abbruch des passiven Widerstandes an der Ruhr, feit Deutsch­lands tiefster Erniedrigung und seit der Mark­stabilisierung zurückgelegt hat. Das deutsche Volk hat in den letzten sechs Jahren nicht geschlafen, es hat in den Jahren 1924 bis 1926 seine De- flationskrife überstanden, es hat sein Wirtschafts­leben wieder im Innern geordnet und es durch Handelsverträge rechtlich in die Weltwirtschaft neu eingeglieöert, sein Steuerwesen wieder leid­lich ausgeoaut. Ganz große Aufgaben, die denen 1924/26 mindestens gleichkommen, stehen uns in den nächsten Monaten bevor. Wir stehen, ganz gleich, wie die außenpolitischen Verhandlungen verlaufen mögen, vor einer Neuordnung unserer Wirtschafts - und Steuer­politik, vor einer Vereinfachung und Verbilligung unserer öffentlich-rechtlichen Verwaltung, alles Aufgaben, die zu größe­ren innerpolllischen Auseinandersetzungen führen dürften. Dennoch darf ihnen aber unter keinen Umständen ausgewichen werden. Sie müssen im Interesse der deutschen Zukunft durchgekämpft werden. Möge diese neue Brücke, die jetzt ihrem Bestimmungszweck übergeben wird, ein Symbol dafür fein, daß wir auch in der Zukunft mehr als je entschlossen sind, allen Schwierigkeiten zu begegnen. Wie durch die Arbeit aller Kölner die alte Brücke durch eine neue, bessere, ersetzt worden ist, so müssen alle Volksgenossen von der bedrückten Gegenwart eine Brücke schlagen zu einer besseren deutschen Zukunft.

Oberbürgermeister Dr. Adenauer dankte dann allen, die an dem Werk teilhaben und gedachte auch der sechs Arbeiter, die während des Baues trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ihren Tod gefunden haben, um dann fortzufahren: Wenn wir heute am Rhein ein Fest feiern, in das s ch o n d i e M o r - genröte des Befreiungstages hinein- spielt, dann wollen wir auch des Mannes gedenken, der noch zu dieser Feier erscheinen wollte, und schon vor einer Woche zu Grabe getragen wurde, nach­dem er den Körper verzehrt hatte in der Arbeit für die Freiheit des Rheins.

Nachdem dann, altem Brauch folgend, die letzten Nieten eingeschlagen waren, zerschnitt Reichsmini- ster Stegerwald das Band, das die Fahrbahn der Brücke gesperrt hielt. Gleichzeitig ging auf der Brücke eine Fahne in den Reichsfalben hoch. Der Gesang des Deutschlandliedes, in das alle Anwesen­den einstimmten, schloß die erhebende Feier. An­läßlich der Brückeneinweihung hat Oberbürgermei­ster Dr. Adenauer im Namen der Kölner Bürger­schaft an den Herrn Reichspräsidenten ein Begrüßungstelegramm gerichtet. Die größteSängebriickeSuropas. Ter Rhein in einer Oeffnung überspannt.

32 Millionen Kosten.

Köln, 12. Oft (TU.) Die neue Brücke, die daS linksrheinische Köln mit Mülheim verbindet, konnte nach einer Bauzeit von zwei Jahren vier Monaten dem Verkehr übergeben werden. Die Kühnheit der Technik zeigt deutlich die Konstruktion. 3 n einer Spannung wird der Rhein übersprungen. 315 Meter Spannweite machen diese Drücke zur größten Hänge­brücke in Europa. Sie ist mit der in den gleichen Tagen in Düsseldorf fertiggeftelltcix Brücke die 32. feste deutsche RheindÄcke und Köln- vierte Drücke. Allerdings hat sie die Stadt Köln nicht weniger als 32 Millionen Mark gekostet. 14,7 Millionen kostet die reine Brücke, 2,2 Millionen Mark die beiden Rampen und 15 Millionen Mark wurden auSgegeben, um daS Gelände der Drückenrampen in den Defih der Stadt zu bringen und um 315 Wohnungen für die Bewohner von 75 Häusern zu schaffen. Diese 75 Häuser muhten niedergerissen werden, um die Einmündung der Drücke nach Mülheim herzustellen. Angesichts dieser Ausgaben scheint die Begründung für die Notwendigkeit einer Brücke nicht leicht. Die Begründung überzeugt aber, wenn man hört, daß durchschnittlich an jedem Tage im August d. 3. 6300 Autos die Hohenzollern- und 5780 AutvS die Hängebrücke Passiert haben. Dazu kommen auf 5er Hohen- zollernbrücke noch 4820 Motor- und andere Rä­der, auf der Hängebrücke sind es sogar 8300.

Die neue Brücke ist die erste Brücke, die den Rhein in einer Oeffnung überspannt. Ne-

behandelte sie stets wie eine Höherstehend«, ja wie eine Frau aus königlichem Geblüt, umgab sie mit allem erdenklichen Luxus, hielt aber jede Berührung mit der Außenwelt sorgfältig fern. Nach dem Tode der verschleierten Frau lebte er noch einige Zeit, ohne aber je das Geheimnis zu verraten. Die Verfasser suchen nun in dem Buch nachzuweisen, daß die verschleierte Gräfin die Tochter Ludwigs XVI. war und daß die Dame, die als Herzogin von Angouleme eine Rolle in der Geschichte gespielt hat, eine unter­geschobene Person war, die auf dem Wege nach Wien im Jahre 1795 an Stelle der wirklichen Prinzessin trat. So hätte also die Schwester des Schattenkönigs' ebenfalls ein Schattendasein ge­führt, doch klingt der Grund, daß diese Ver­tauschung wegen der krankhaften Scheu der Prin­zessin erfolgt sei, wenig glaubhaft.

Oeffeniliches Aergernis.

.Sie sind beschuldigt," sagt der Richter,beim Decken des Daches im Hause Nümburger Straße Nr. 13 unerhörte Ausdrücke gebraucht zu haben, so daß Passanten gegen Sie Anzeige wegen Er­regung öffentlichen Aergernisses erstattet haben."

Das ist nicht wahr", schüttelt Dachdecker Planke den Kopf.

Dann erzählen Sie," fährt der Richter fort, wie die Sache vor sich gegangen ist."

Jawohl" sagt Planke,die Sache war so: Mein Kollege Dölicke war schon auf dem Dach. > stand auf der untersten Sprosse der Leiter und tc'-i e gerade hinauf steigen, da ließ Bölicke einen Dachziegel auf meinen Kopf fallen, daß es nur so ^röhnte."

Und da haben Sie Dölicke etwas zugerufen, was"

.Nein," sagt Planke,da habe ich ihm gar rechts zugerufen. Denn kaum hatte ich den Ziegel auf dem Kopf, da kam ein Eimer warmer Teer hinterher, und mein Gesicht, mein Haar, mein Anzug war schwarz, und verbrannt habe ich mich auch."

Aha," sagt der Richter,und da haben Sie gerufen

<x9<a?°tr." Planke,da habe ich gerufen;

al lob, Herr Dölicke, nehmen Sie sich doch ein klein bißchen mehr in Acht!'" 2t