lung der Parität zwischen den vereinigten Staaken und England im 3ahre 1936 in der Kreuzerklasse, indem England durch Richtersah veralteter Schiffe seine Kreuzertonnage auf 3 4 0 0 0 0 Tonnen herabsehl und Amerika von dem.in diesem Jahre beschlossenen Bauprogramm von 15 Kreuzern nur 12 baut; ferner eine Verringerung der Ausgaben für Schlachtschiffe, indem man deren Ersah verzögert. Schließlich Reduzierung der 5er- slörerklasse um etwa 200 000 Tonnen, so daß England und Amerika nur je zwischen 125 000 und 150 000 Tonnen Zerstörer im Jahre 1936 besitzen. Eine weitere Verringerung der Schlachtschifstonnage ist für die zweit- nächste Konferenz in Aussicht genommen, mit der man für 1936 rechnet. Der bevorstehende Plan bedarf natürlich, besonders da er eine A e n d e - rung des Washingtoner Abkommens zur Folge haben würde, der Zustimmung der übrigen drei Seemächte, und insofern handele es sich bei der Einigung zwischen England und Amerika zunächst nur um ein Programm, das man der Seekonferenz Vorschlägen wolle.
Völkerbund und Abrüstung.
Die finanzielle Unterstützung angegriffener Staaten.
Genf, 13. Sept. (WD.) Die Arbeiten der sechs Versammlungsausschüsse sind nun in vollem Gange. Reben den Verhandlungen über die Wirtschaftsprobleme gehört das Hauptinteresse dem Abrüstungsausschuß, dem seit heute nachmittag eine Reihe von Abänderungsanträgen zu dein Konventionsentwurf über die finanzielle Unterstützung angegriffener Staaten vorliegen. Man einigte sich darüber, daß die Möglichkeit der finanziellen Llnterslühung im Falle einer Kriegsbedrohung wegen der dagegen bestehenden und auch von deutscher Seite geltend gemachten Bedenken ausgeschaltet und dafür eine Transaktionsformel gesetzt werden muß, durch die der Rat die finanzielle Unterstützung nur dem Staa t gewähren könnte, der während feiner Vermittlertätigkeit und selbst bei ihrem Scheitern den vom Rat ausgesprochenen Empfehlungen faktisch nachkommt. Damit hätte der Rat ein stärkeres Druckmittel im Falle der Richtachtung seiner Maßnahmen in der Hand.
Ein dänischer, von Deutschland unterstützter Antrag schließt jede finanzielle Unterstützung eines Staates aus, der die Annahme der Vermittlertätigkeit des Rates oder die richterliche bzw. schiedsrichterliche Regelung des Konfliktes abgelehnt hat. Dänemark, Schweden und Deutschland treten außerdem dafür ein, dah nur solche Staaten, die der Ab üstungskonvention bei getreten sind, der finanziellen Unterstützung teilhaftig werden können. Sämtliche Abänderungsanträge wurden schließlich einem Unterausschuß überwiesen. Angesichts der zahlreichen juristischen und politischen Bedenken und Forderungen ist kaum mehr damit zu rechnen, daß der Konventionsentwurf während dieser Tagung endgültig angenommen und zur Unterzeichnung aufgelegt werden kann. Man denkt vielmehr bereits daran, die letzte De- 'arbeitung der Konvention einem neuen Studienkomitee und dem Finanzkomitee des Völkerbundes zu übergeben und während des Winters eine Staatenkonferenz zur endgültigen Annahme einzuberufen.
Die Räumungsdaien der zweiten Zone.
Berlin, 13. Sept. (Priv.-Tel- Die genauen Daten für die Räumung der zweiten Zone liegen nunmehr endgültig vor. Am 16. d. M. wird Kö - nig stein frei, am 17. Bad Schwalbach. Am 29. d. M. beginnt die Räumung von Wiesbaden, wobei das 1. Bataillon der dortigen Truppen zurückgezogen wird. Am 9. Oktober soll dann ein weiteres Bataillon von dort zurückgezogen werden, am 14. Rovember das 3. Bataillon, am 31. Rovember werden die Rach- richtentruppcn zurückgenommen und am • 7. Dezember beginnt der Rückzug der letzten Truppen, der bis zum 13. Dezember dauern wird, an welchem Tage dann die gesamte zweite Zone von der Besatzung endgültig befreit fein wird.
Oer britische Kriegsminister an die britische Meinarmee.
1 London, 13. Sept. (WB.) Der Staatssekre- tär für Kriegswesen, Shaw, hat an den Oberstkommandierenden der britischen Rheinarmee ein Schreiben gerichtet, worin er den Armeeangehörigen aller Dienstgrade t i e f st e n Dank für die Art zum Ausdruck bringt, in der sie sämtlich Englands Ruf der Ritterlichkeit, Höflichkeit und des fair Platz während der ganzen Zeit aufrechterhalten hätten, in der das Rheinland von britischen Truppen beseht war. Weiterhin bringt der Brief tiefe Genugtuung darüber zum Ausdruck, daß es den englischen Truppen vergönnt sei, vom Rhein zurückzukehren, begleitet von der Achtung des Volkes, in dessen Mitte sie so lange einquartiert gewesen seien.
Achtzehn Todesopfer eines Hauseinsturzes. E^Plosionsunftlttck in Parma.
Parma, 13. Sepl. (7D23.) Infolge einer E r - p l o fi o n stürzte ein Wohnhaus ein. Zahlreiche Personen wurden unter den Trümmern begraben. 3n dem hause befanden sich Geschäfte und Wohnungen. Die Aufräumungsarbeiten, zu denen auch Militär hinzugezogen wurde, dauerten den ganzen Rachmiltag und die Rächt hindurch an. Vis jetzt sind 18 Tote geborgen worden, doch liegen bestimmt drei bis vier Tote noch unter den Trümmern, verletzt wurden 25 Personen, einige von ihnen lebensgefährlich. Die Ursache der Explo- sionskatastrophe wurde zuerst darin gesehen, daß die Benzinbehälter einer Drogerie explodierten, aber nach dem „Messagero" hat sich diese Ansicht als fatsch h e r a u s g e st e l l t, da die Benzinbchälter intakt sind. Die Ursache der Explosion ist daher noch vollständig unbekannt. Rach
Mfriebe und internationales Kohlenabkommen.
Englands wirtschaftspolitische Offensive im Völkerbund.
Genf, 13. Sept. (WTD.) Die bisherige Besprechung zwischen der französischen und der englischen Delegation über ihre wirtschaftlichen Anträge hat unter Mitwirkung von Vertretern des Ständigen Wirtschaftskomitees des Völkerbundes und /be8 Berichterstatters Dr. Breit- scheid dazu geführt, daß für die Herbeiführung eines zweijährigen Zollfriedens und die in dieser Zeit vorzubereitende Organisierung eines allgemeinen Wirtschaftsfriedens folgendes Verfahren eingeschlagen werden soll: Zwischen Mitgliedern und Richt- Mitgliedern des Völkerbundes, die sich an diesen Arbeiten beteiligen wollen, sollen möglichst schon zu Anfang nächsten Iahres Verhandblngen ausgenommen werden, um durch den Völkerbundsrat ei ne Zusammenkunft einberufen lassen zu können, die das Ziel hätte, einen ersten Kollektivvertrag zur Verringerung der Handelshindernisse und zur Verstärkung und Erleichterung der Wirtschaftsbeziehungen aufzustellen.
Die Teilnehmerstaaten sollen sich dahin verständigen, daß sie zwei Jahre lang auf die Erhöhung ihres Schutzzolltarife s über den gegenwärtigen Stand, ferner auf die Erhebung neuer Schutzzölle oder auf die Schaffung neuer Handelshin- dernifse verzichten. Gleichzeitig sollen in diesen beiden Jahren die Regierungen, soweit irgend möglich, durch autonomes Vorgehen oder durch zweiseitige Handelsverträge diese Zollsätze herabsehen. Die Völkerbundsversammlung wird ihre Mitglieder wie auch die Richtmitgliedsstaaten auffordern, nqch vor dem 30. Rovember d. 3. Mitteilung zu machen über ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einer Prä - liminarkonferenz von Regierungs- v e r t re t e r n zum . Abschluß des vorgesehenen S-eijährigen Zollfriedens. Das Ständige Wirt- aftskomitee des Völkerbundes soll bereits in
seiner Oktobertagung einen Dorentwurf ausarbeiten, der als Verhandlunasgrundlage für diese Präliminarkoüferenz, die Anfang nächsten Jahres stattfinden soll, zu dienen hätte.
Ein entsprechender von Frankreich und England gemeinsam ausgearbeiteter Entschließungsantrag ist heute vormittag den Dölkerbunds- delegationen zugegangen. Ein weiterer Cntschlie- ßungsantrag legt die große Dringlichkeit einer sofortigen internationa-len Lösung der Kohlenfrage dar. Die Vollversammlung soll das internationale Arbeitsamt auffordern, die bisherigen Untersuchungen auf dem Gebiet der Arbeitszeit, des Arbeiterlohnes und der allgemeinen Arbeitsbedingungen im Kohlenbergbau mit größter Beschleunigung fortzusetzen. Ferner soll die Vollversammlung den Wunsch aussprechen, daß der Verwaltungsrat des internationalen Arbeitsamtes die Möglichkeit der Einberufung einer technischen Konferenz zu einem nahen Zeitpunkt prüfen solle, an der Vertreter der Regierungen, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber der hauptsächlichsten Kohle herstellenden Länder teilzunehmen hätten. Auf dieser vorbereitenden Konferenz sollen die Vorbedingungen für ein internationales Abkommen, das das Internationale Arbeitsamt auszuarbeiten hätte, erörtert werden. Der Rat soll sodann die Einberufung einer Regierungsko.nferenz in Erwägung ziehen, in der die Frage der internationalen Kohlenkrise, vor allem Dingen die Preisschwankungen und das gegenwärtige Mißverhältnis zwischen Kohlenförderung und Koylenverbrauch zur Sprache gelangen soll. Änterstaatssekretär Dalton wies darauf hin, dah in England die öffentliche Meinung den Vorschlag, einen Zollwaffenstillstand für zwei 3ahre zu schaffen, voll unterstütze. Auch Schatzkanzler Snowden lehne einen derartigen Vorschlag nicht ab.
neunstündigen Aufräumungsarbeiten wurde ein Kind noch lebend aus den Trümmern geborgen.
Oie Llniersuchung der Bombenaiieniaie.
Die Ermittlungen der Berliner Polizei.
Berlin, 13. Sept. (WB.) lieber die Untersuchung der Bombenattentate weiß eine Berliner Korrespondenz zu berichten, daß der gestern sestge- nommene Mitarbeiter des Kapitäns Ehrhardt, P l a a s , nach wie vor jede Beteiligung an den Bombenattentaten befreitet. Die ihn hauptsächlich belastende Auffindung einer Sprengkapsel Nr. 8 in seiner Wohnung erklärt er damit, daß er die Kapsel noch vom Kriege besitze. Die Sprengkapsel Nr. 8 wurde im Kriege bekanntlich bei Stielhandgranaten verwendet und ist in vielen Millionen von Eremplaren hergestellt worden. Nach dem Gutachten der Chemisch-Technischen Reichsanstalt ist allerdings eine derartige Sprengkapsel auch bei der Bombe am Neichstagsgebäude benutzt worden. Die bei ihm gefundene 8-Munition will Plaas für (einen zu einem Jagdgewehr um gearbeiteten Karabiner M o d. 98 gebraucht haben. Kapitän a. D. E hr h a r d t ist im Verlaufe des heutigen Tages in Berlin gewesen, um sich bei den zuständigen Strafverfolgungsbehörden zu informieren, ob gegen ihn etwas vorliege. Er soll den Bescheid erhalten Haden, daß dies nicht der Fall ist. Die zuständigen Stellen der politischen Polizei erklären, daß in der Wohnung Wilskes in Neu- kölln beschlagnahmten Chemikalien sich entgegen der ersten Annahme nach dem Gutachten der Sachverständigen nicht zur Herstellung von Sprengstoff eignen. Man habe bei Wilske aber verhältnismäßig beträchtliche Mengen von Chemikalien gefunden, u. a. 500 Gramm Quecksilber, so daß zuerst nicht ersichtlich gewesen sei, wie Wilske, der als Kriegsbeschädigter in sehr bescheidenen Verhältnissen lebt, zu diesen chemischen Stoffen gekommen sei, und welchen Zwecken sie dienen sollten.
Wie der „Berliner Lokalanzeiger" meldet, fanden im Berliner Polizeipräsidium am Freitagvormittag Besprechungen beim Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß und beim Regierungsdirektor Dr. W ü n d i s ch statt, an denen außer den mit den Ermittlungen in Berlin beteiligten Kriminalkommissaren auch Vertreter der Staatsanwaltschaft und der Generalstaatsanwalt teilnahmen. 3n diesen Besprechungen wurde das bisher in Berlin zusammengetragene Material überprüft. Das Ergebnis kann dahin zusammengefaßt werden, daß ein Teil der in Berlin festgenommenen Personen wieder freigelassen werden wird. Um wen es sich dabei handelt, steht zur Zeit noch nicht fest, läßt sich auch solange noch nicht übersehen, bis von Altona aus weiteres Material in Berlin eingetroffen ist. Die politische Polizei hat den Kreis der festzunehmenden Personen von Anfang an sehr weit gezogen.
Der Schwiegervater des festgenommenen Dr. Solinger, bekanntlich ein Reichsgerichtsrat, war heute morgen bei verschiedenen maßgebenden Persönlichkeiten des Polizeipräsidiums, um sich für die Freilassung seines Schwiegersohnes zu verwenden. Ob und wann diese erfolgen wird, steht noch nicht fest. Die Polizei will wissen, daß vor dem Haus, in dem Salinger wohnte, mehrfach c in Hamburger Kraftwagen hielt, aus dem Pakete in die Wohnung Solingers getragen wurden. Sie konnte Salinger bisher aber nicht nachweisen, daß er mit den Bombenanschlägen in Beziehung steht. Diesen Rachweis zu führen soll nach dem „Lokalanz." bisher auch bei den anderen Verhafteten noch nicht gelungen fein. Sie werden solange von der Polizei sestgehalten werden, bis keine Verdunkelungsgefahr mehr besteht, d. h. bis in Altona einwandfrei festgestellt wird, daß die in Berlin Verhafteten, nicht direkt mit den Bombenanschlägen zu tun hatten.
Drei Nationalsozialisten wieder freigelaffen.
Hamburg. 14. Sept. lWTB. Funkspruch.) Gestern nachmittag wurden die Rationalfozialisten Redakteur Willi Ehlers von der „Schleswig- Holsteinischen Tageszeitung". Gaugeschäftsführer der Rationalsozialistrschen Arbeiterpartei Drix und der Kaufmann Ren sch aus Itzehoe vom
Altonaer Polizeipräsidium wie der auf freien Fuß gefetzt. Der Hauptschriftleiter llhse wurde in Haft behalten, da die Sichtung der ihm gehörigen beschlagnahmten Schriftstücke noch nicht abgeschlossen ist.
Die Vauernsührer an denReichsernchrungsminister
Berlin, 13. Sept. (TU.) Die Bauernführer Fehr, Brandes, Hermes und S ch i e l e geben als Antwort auf die Entgegnung des Reichsernährungsmini ft ers, die die Eingabe vom 8. September behandelte, eine gemeinsame Erklärung ab. Sie kritisieren zunächst die ungewöhnliche Form der Erwiderung des Ministers durch die Presse sowie auch sonst die unsachliche Art der Erwiderung und bedauern, daß der Minister nicht auf die vorgeschlagenen neuen sofort wirksamen Maßnahmen zur Entlastung des Roggenmarktes eingehe. Insbesondere fehle jede Stellungnahme zur Kernfrage der Erhöhung der Fut- tergetreidezölle. Hinsichtlich des V e r m a h - lungszwanges wird darauf verwiesen, daß der Minister verpflichtet, sei, die Sätze zu ändern, wenn die Entwicklung des Getreide- oder Brotpreises cs erfordere. Dieser zwingenden Vorschrift liege keineswegs die Voraussetzung zugrunde, daß zunächst der Ausfall der Jnlandernte zu übersehen sein müsse. Der Auffassung, daß die bisherige Entwicklung des Weizenpreises eine Erhöhung der Ausmahlungs- Quote nicht rechtfertigen könne, wird nachdrücklich widersprochen. Die Ausführungen des Ministers bestärkten die Auffassung, daß das Ministerium für die Durchführung des Gesetzes über den Vermah- lungszwang nicht die erforderliche Vorsorge getroffen habe. Hinsichtlich der 40pro- zentigen Ausmahlung sei es richtia, daß das Gesetz die Quote für den einzelnen Monat nicht vorschreibe, es schließe sie aber auch nicht aus. Sinn und Zweck des Gesetzes sei, die Nachfrage der inländischen Mühlen möglichst bald nach der Ernte dauernd auf den deutschen Weizen zu lenken.
Die Forderung auf Aussetzung aller im Gesetz gegebenen Möglichkeiten wird daher wiederholt und namentlich eine ft r a f fe Durchführung der Kontrolle verlangt. Die Darstellung des Ministers, die Landwirtschaft hätte ein Kapital von 35 Millionen für Zwecke der Kartoffelwirtschaft gefordert, wird als insofern unzutreffend bezeichnet, als eine Jahresquote von 7 Millionen gefordert worden fei. Hinsichtlich der jährlichen Gesamtbeschickung des deutschen Marktes mit dänischem Vieh bestehe entgegen der amtlichen Darstellung bisher auch nicht das geringste Zugeständnis von dänischer Seite. Die Verhandlungen mit Finnland über den Butterzoll werden ungünstig beurteilt, eine Fortsetzung der Verhandlungen nur als ungerechtfertigte Verschleppung des Jn- I frafttretens der für die deutsche Milchwirtschaft fo nötigen Schutzmaßnahmen angesehen. Es wird davon Kenntnis genommen, daß der Minister bereit fei, sich für die Beseitigung der Belastung der Landwirtschaft durch die Rentknbankgrundfchuldzinsen nachdrücklich einzufetzen. Von einem Eingehen auf die politische Schlußbemerkung des Ministers wird abgesehen, da, wie in der Vergangenheit, so auch jetzt eine Verquickung der sachlichen Fragen mit politischen Erwägungen grundsätzlich abzulehnen sei..
Vom achtenDeulschenRichtertag.
Richter und Justizreform.
Köln, 13. Sept. (WTD.) Im Großen Saale des Metzgebäudes sand die große Festsitzung statt, die den Auftakt zu den ^Beratungen des Achten Deutschen Richtertages bildet. Senats- Präsident Dr. Reichert vom Reichsgericht in Leipzig betonte in seinen Degrüßungsworten, der Richterstand habe in den letzten zehn Iahren noch zu wenig Platz an der Sonne gehabt. Gegenüber der Kritik könne man Ruhe und Gelassenheit im Richterstande feststellen. In diesem Rahmen hätten sich auch die Verhandlungen des Achten Deutschen Richtertages zu bewegen. Dann ergriff Reichsjustizminister von Guärard das Wort zu einer längeren De- grüßungsansprache. Rach ihm sprach der preußische Iustizminister Dr. Schmidt. Den zahlreichen Begrüßungsrednern dankte Senatsprä- sident Dr. Reichert, wobei er einen Rückblick aus die vergangenen 50 Iahre deutschen Gerichts- verfassungsgefehes gab.
Die fachlichen ^Beratungen wurden mit einem Keferat über das Thema: „Dedarf es einer
grundlegenden Iustizreform?" eingcIeUet, zu dem Landgerichtspräsident H e r m f e n, Koblenz, u. a. ausführte: Das heutige Iustizwesen bedarf einer grundlegenden Reform in den unteren Instanzen und gerade in den Richterpersönlichkeiten. Wenn man den Richterstand und die Rechtslage vor einem allmählichen, aber sicheren Abfinken bewahren will, muß man d i e Richter st elfen vermindern. Die sog. „kleine Iustizreform", die weniger wichtige Geschäfte auf mittlere Iustizbeamte ü b c r t r u g, habe sich im wesentlichen bewährt. Wünschenswert sei eine Aufhebung der kleinsten Gerichte und unbedingt erforderlich eine anderweitige Einteilung und Abgrenzung der Gerichtsbezirke. Den künftigen Richtern werde nur die eigentliche Spruchtätigkeit vorzubehalten sein, alle übrigen Richtergeschäfte, z. B. Güteverhandlungen, könnten von Richtergehilfen bearbeitet werden.
Das Gegenreferat erstattete Reichsgerichtsrat Linz (Leipzig). Er betonte, der Hauptmißstand bestehe in der Vertrauenskrise. Die Kluft sei jedoch nicht die Schuld des Richters, sondern der Gesehgevung. Unbedingt abgelehnt werden müsse die Praxis des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik, der das Richteramt zu einer Parlamcntsjustiz durch Besetzung der Rich- terstellen nach politischen Grundsätzen herabwürdige. Es sei nicht möglich, daß die Rechchtsprechung jedesmal mit einer Regierungsänderung ebenfalls neue Grundlagen erhalte. Der Redner nahm ferner Stellung gegen die Entziehung des Passiven Wahlrechts, die eine Degradierung deS Richterstandes bedeute, und verlangte auch für die Gesetzgebung die Heranziehung des Richterstandes.
Rach längerer Aussprache über die beiden Referate nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der es heißt: Die Frage, ob eine grundlegende Iustizreform in Deutschland notwendig erscheint, muß bejaht werden. In erster Linie muß hierzu ein für die neuen Erfordernisse hinreichend vor - gebildeter Richter st and in allen Instanzen vorhanden fein. Richt minder aber ist in der Vereinhe i t l i ch u n g des Rechtsweges fortzufahren. Der Deutsche Richterbund bietet biepu seine Mitarbeit an und ist bereit, Hand in Hand mit dem Deutschen Anwaltsverein und dem Deutschen Rotarsverein zu gehen. Bei der Aufstellung von Richtlinien müssen aber auch die übrigen Berufsstände herangezogen werden.
Gegen dieGchulgelderhöhung indessen
Darmstadt, 14. Sept. (Priv.-Tel.) Die Fraktion der Deutschen Volkspartei hat int hessischen Landtage folgenden Antrag, daS Schulgeld an höheren Schulen betreffend, eingebracht: Wir beantragen: der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, die Verfügung des hessischen Kultusministers unter Rr< K. M. III 10852 vom 26. August 1929, die Schulgelderhöhungen bis über 5 0 n,'o, fordert, zurückzuziehen, da sie nicht der Auffassung des Landtags entspricht.
Berliner Börse.
Berlin, 14. Sept. <WTB. Funkspruch.) Die Tendenz zum Wochenschluß ist bei großer Zurückhaltung nicht einheitlich. Es besteht die Möglichkeit, daß die Spekulation, die wohl größere Baisseengagements hat, an der Börse zu Deckungen schreiten wird. Die niedrigen Frankfurter Abendkurse sind gut behauptet. An Kursen nennt man Siemens 377,5, I.-G.-Farben 209 bis 209,5. Am Devisenmarkt hört man London gegen Kabel 4,8466 bis 4,8467, London gegen Berlin 20,3613, Kabel gegen Berlin 4,2010, London gegen Paris 123,91.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Die flache Störung über Deutschland hat einen Witterungsumschlag verursacht, der neben Bewölkung und Nebelbildung auch stellenweise Niederschläge, jedoch nicht in großen Mengen, gebracht hat. Eine weiter zu Niederschlägen neigende Witterung ist zunächst nicht zu erwarten, denn von Südwesten der breitet sich ein Zwischenhoch aus. Es wird wieder zu aufheiterndem Wetter führen, wenn auch zunächst noch durch die Reste der Störung Bewölkung auftritt. Die Luftwärme erfährt dabei keine große Schwankung, jedoch dürften sich später zwischen Tag und Nacht wieder stärkere Temperatur gegensätze herausbilden.
Wettervoraussage fürSonntag: Stet« lenweise Frühnebel, tagsüber wolkig mit Aufheiterung, ohne wesentliche Temperaturänderung, trocken«
Wettervoraussage für Montag: Zeitweise aufheiternd, wieder stärkere Temperaturgegend sähe zwischen Tag und Nacht, durchweg trocken.


