Ausgabe 
14.9.1929
 
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lung der Parität zwischen den vereinigten Staaken und England im 3ahre 1936 in der Kreuzerklasse, indem England durch Richtersah ver­alteter Schiffe seine Kreuzertonnage auf 3 4 0 0 0 0 Tonnen herabsehl und Amerika von dem.in diesem Jahre beschlossenen Bauprogramm von 15 Kreuzern nur 12 baut; ferner eine Verringerung der Ausgaben für Schlachtschiffe, indem man deren Ersah ver­zögert. Schließlich Reduzierung der 5er- slörerklasse um etwa 200 000 Tonnen, so daß England und Amerika nur je zwischen 125 000 und 150 000 Tonnen Zerstörer im Jahre 1936 besitzen. Eine weitere Verringerung der Schlachtschifstonnage ist für die zweit- nächste Konferenz in Aussicht genommen, mit der man für 1936 rechnet. Der bevorstehende Plan bedarf natürlich, besonders da er eine A e n d e - rung des Washingtoner Abkommens zur Folge haben würde, der Zustimmung der übrigen drei Seemächte, und insofern han­dele es sich bei der Einigung zwischen England und Amerika zunächst nur um ein Programm, das man der Seekonferenz Vorschlägen wolle.

Völkerbund und Abrüstung.

Die finanzielle Unterstützung angegriffener Staaten.

Genf, 13. Sept. (WD.) Die Arbeiten der sechs Versammlungsausschüsse sind nun in vollem Gange. Reben den Verhandlungen über die Wirtschaftsprobleme gehört das Hauptinter­esse dem Abrüstungsausschuß, dem seit heute nachmittag eine Reihe von Abände­rungsanträgen zu dein Konventionsentwurf über die finanzielle Unterstützung an­gegriffener Staaten vorliegen. Man einigte sich darüber, daß die Möglichkeit der finanziellen Llnterslühung im Falle einer Kriegs­bedrohung wegen der dagegen bestehenden und auch von deutscher Seite geltend gemachten Be­denken ausgeschaltet und dafür eine Trans­aktionsformel gesetzt werden muß, durch die der Rat die finanzielle Unterstützung nur dem Staa t gewähren könnte, der während feiner Vermittlertätigkeit und selbst bei ihrem Schei­tern den vom Rat ausgesprochenen Empfehlungen faktisch nachkommt. Damit hätte der Rat ein stärkeres Druckmittel im Falle der Richtachtung seiner Maßnahmen in der Hand.

Ein dänischer, von Deutschland unterstützter Antrag schließt jede finanzielle Unterstützung eines Staates aus, der die Annahme der Ver­mittlertätigkeit des Rates oder die richterliche bzw. schiedsrichterliche Regelung des Konfliktes abgelehnt hat. Dänemark, Schweden und Deutsch­land treten außerdem dafür ein, dah nur solche Staaten, die der Ab üstungskonvention bei getreten sind, der finanziellen Unter­stützung teilhaftig werden können. Sämtliche Ab­änderungsanträge wurden schließlich einem Unterausschuß überwiesen. Angesichts der zahlreichen juristischen und politischen Be­denken und Forderungen ist kaum mehr damit zu rechnen, daß der Konventionsentwurf wäh­rend dieser Tagung endgültig angenommen und zur Unterzeichnung aufgelegt werden kann. Man denkt vielmehr bereits daran, die letzte De- 'arbeitung der Konvention einem neuen Stu­dienkomitee und dem Finanzkomitee des Völkerbundes zu übergeben und während des Winters eine Staatenkonferenz zur endgültigen Annahme einzuberufen.

Die Räumungsdaien der zweiten Zone.

Berlin, 13. Sept. (Priv.-Tel- Die genauen Daten für die Räumung der zweiten Zone liegen nunmehr endgültig vor. Am 16. d. M. wird - nig stein frei, am 17. Bad Schwalbach. Am 29. d. M. beginnt die Räumung von Wies­baden, wobei das 1. Bataillon der dortigen Truppen zurückgezogen wird. Am 9. Oktober soll dann ein weiteres Bataillon von dort zu­rückgezogen werden, am 14. Rovember das 3. Ba­taillon, am 31. Rovember werden die Rach- richtentruppcn zurückgenommen und am 7. De­zember beginnt der Rückzug der letzten Truppen, der bis zum 13. Dezember dauern wird, an welchem Tage dann die ge­samte zweite Zone von der Besatzung end­gültig befreit fein wird.

Oer britische Kriegsminister an die britische Meinarmee.

1 London, 13. Sept. (WB.) Der Staatssekre- tär für Kriegswesen, Shaw, hat an den Oberst­kommandierenden der britischen Rheinarmee ein Schreiben gerichtet, worin er den Armeeangehö­rigen aller Dienstgrade t i e f st e n Dank für die Art zum Ausdruck bringt, in der sie sämt­lich Englands Ruf der Ritterlichkeit, Höflichkeit und des fair Platz während der ganzen Zeit aufrechterhalten hätten, in der das Rheinland von britischen Truppen beseht war. Weiterhin bringt der Brief tiefe Genugtuung darüber zum Ausdruck, daß es den englischen Truppen vergönnt sei, vom Rhein zu­rückzukehren, begleitet von der Achtung des Vol­kes, in dessen Mitte sie so lange einquartiert gewesen seien.

Achtzehn Todesopfer eines Hauseinsturzes. E^Plosionsunftlttck in Parma.

Parma, 13. Sepl. (7D23.) Infolge einer E r - p l o fi o n stürzte ein Wohnhaus ein. Zahlreiche Personen wurden unter den Trümmern begraben. 3n dem hause befanden sich Geschäfte und Woh­nungen. Die Aufräumungsarbeiten, zu denen auch Militär hinzugezogen wurde, dauerten den ganzen Rachmiltag und die Rächt hindurch an. Vis jetzt sind 18 Tote geborgen worden, doch liegen be­stimmt drei bis vier Tote noch unter den Trümmern, verletzt wurden 25 Personen, einige von ihnen lebensgefährlich. Die Ursache der Explo- sionskatastrophe wurde zuerst darin gesehen, daß die Benzinbehälter einer Drogerie explodierten, aber nach demMessagero" hat sich diese Ansicht als fatsch h e r a u s g e st e l l t, da die Benzinbchälter intakt sind. Die Ursache der Explosion ist daher noch vollständig unbekannt. Rach

Mfriebe und internationales Kohlenabkommen.

Englands wirtschaftspolitische Offensive im Völkerbund.

Genf, 13. Sept. (WTD.) Die bisherige Be­sprechung zwischen der französischen und der englischen Delegation über ihre wirtschaftlichen Anträge hat unter Mitwirkung von Vertretern des Ständigen Wirtschaftskomitees des Völker­bundes und /be8 Berichterstatters Dr. Breit- scheid dazu geführt, daß für die Herbei­führung eines zweijährigen Zoll­friedens und die in dieser Zeit vorzuberei­tende Organisierung eines allgemeinen Wirt­schaftsfriedens folgendes Verfahren eingeschlagen werden soll: Zwischen Mitgliedern und Richt- Mitgliedern des Völkerbundes, die sich an diesen Arbeiten beteiligen wollen, sollen möglichst schon zu Anfang nächsten Iahres Verhandblngen aus­genommen werden, um durch den Völkerbundsrat ei ne Zusammenkunft einberufen lassen zu können, die das Ziel hätte, einen ersten Kol­lektivvertrag zur Verringerung der Han­delshindernisse und zur Verstärkung und Er­leichterung der Wirtschaftsbeziehungen aufzu­stellen.

Die Teilnehmerstaaten sollen sich dahin ver­ständigen, daß sie zwei Jahre lang auf die Erhöhung ihres Schutzzolltari­fe s über den gegenwärtigen Stand, ferner auf die Erhebung neuer Schutzzölle oder auf die Schaffung neuer Handelshin- dernifse verzichten. Gleichzeitig sollen in diesen beiden Jahren die Regierungen, soweit irgend möglich, durch autonomes Vorgehen oder durch zweiseitige Handelsverträge diese Zoll­sätze herabsehen. Die Völkerbundsversamm­lung wird ihre Mitglieder wie auch die Richt­mitgliedsstaaten auffordern, nqch vor dem 30. Rovember d. 3. Mitteilung zu machen über ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einer Prä - liminarkonferenz von Regierungs- v e r t re t e r n zum . Abschluß des vorgesehenen S-eijährigen Zollfriedens. Das Ständige Wirt- aftskomitee des Völkerbundes soll bereits in

seiner Oktobertagung einen Dorentwurf ausar­beiten, der als Verhandlunasgrundlage für diese Präliminarkoüferenz, die Anfang nächsten Jah­res stattfinden soll, zu dienen hätte.

Ein entsprechender von Frankreich und Eng­land gemeinsam ausgearbeiteter Entschließungs­antrag ist heute vormittag den Dölkerbunds- delegationen zugegangen. Ein weiterer Cntschlie- ßungsantrag legt die große Dringlichkeit einer sofortigen internationa-len Lösung der Kohlenfrage dar. Die Vollversammlung soll das internationale Arbeitsamt auffordern, die bisherigen Untersuchungen auf dem Gebiet der Arbeitszeit, des Arbeiterlohnes und der all­gemeinen Arbeitsbedingungen im Kohlenbergbau mit größter Beschleunigung fortzusetzen. Ferner soll die Vollversammlung den Wunsch aus­sprechen, daß der Verwaltungsrat des inter­nationalen Arbeitsamtes die Möglichkeit der Einberufung einer technischen Kon­ferenz zu einem nahen Zeitpunkt prüfen solle, an der Vertreter der Regierungen, der Arbeit­nehmer und Arbeitgeber der hauptsächlichsten Kohle herstellenden Länder teilzunehmen hätten. Auf dieser vorbereitenden Konferenz sollen die Vorbedingungen für ein internatio­nales Abkommen, das das Internationale Arbeitsamt auszuarbeiten hätte, erörtert wer­den. Der Rat soll sodann die Einberufung einer Regierungsko.nferenz in Erwägung ziehen, in der die Frage der internationalen Kohlenkrise, vor allem Dingen die Preis­schwankungen und das gegenwärtige Miß­verhältnis zwischen Kohlenförde­rung und Koylenverbrauch zur Sprache gelangen soll. Änterstaatssekretär Dalton wies darauf hin, dah in England die öffentliche Mei­nung den Vorschlag, einen Zollwaffenstillstand für zwei 3ahre zu schaffen, voll unterstütze. Auch Schatzkanzler Snowden lehne einen derartigen Vorschlag nicht ab.

neunstündigen Aufräumungsarbeiten wurde ein Kind noch lebend aus den Trümmern geborgen.

Oie Llniersuchung der Bombenaiieniaie.

Die Ermittlungen der Berliner Polizei.

Berlin, 13. Sept. (WB.) lieber die Unter­suchung der Bombenattentate weiß eine Berliner Korrespondenz zu berichten, daß der gestern sestge- nommene Mitarbeiter des Kapitäns Ehrhardt, P l a a s , nach wie vor jede Beteiligung an den Bombenattentaten befreitet. Die ihn hauptsäch­lich belastende Auffindung einer Sprengkapsel Nr. 8 in seiner Wohnung erklärt er damit, daß er die Kapsel noch vom Kriege besitze. Die Spreng­kapsel Nr. 8 wurde im Kriege bekanntlich bei Stiel­handgranaten verwendet und ist in vielen Mil­lionen von Eremplaren hergestellt worden. Nach dem Gutachten der Chemisch-Techni­schen Reichsanstalt ist allerdings eine derartige Sprengkapsel auch bei der Bombe am Neichstagsgebäude benutzt worden. Die bei ihm gefundene 8-Munition will Plaas für (ei­nen zu einem Jagdgewehr um gearbeite­ten Karabiner M o d. 98 gebraucht haben. Kapitän a. D. E hr h a r d t ist im Verlaufe des heu­tigen Tages in Berlin gewesen, um sich bei den zuständigen Strafverfolgungsbehörden zu infor­mieren, ob gegen ihn etwas vorliege. Er soll den Bescheid erhalten Haden, daß dies nicht der Fall ist. Die zuständigen Stellen der politischen Polizei er­klären, daß in der Wohnung Wilskes in Neu- kölln beschlagnahmten Chemikalien sich entgegen der ersten Annahme nach dem Gutachten der Sachver­ständigen nicht zur Herstellung von Sprengstoff eignen. Man habe bei Wilske aber verhältnismäßig beträchtliche Mengen von Chemikalien gefunden, u. a. 500 Gramm Quecksilber, so daß zuerst nicht er­sichtlich gewesen sei, wie Wilske, der als Kriegsbe­schädigter in sehr bescheidenen Verhältnissen lebt, zu diesen chemischen Stoffen gekommen sei, und wel­chen Zwecken sie dienen sollten.

Wie derBerliner Lokalanzeiger" meldet, fan­den im Berliner Polizeipräsidium am Freitag­vormittag Besprechungen beim Polizeivizepräsi­denten Dr. Weiß und beim Regierungsdirektor Dr. W ü n d i s ch statt, an denen außer den mit den Ermittlungen in Berlin beteiligten Kri­minalkommissaren auch Vertreter der Staats­anwaltschaft und der Generalstaatsanwalt teil­nahmen. 3n diesen Besprechungen wurde das bisher in Berlin zusammengetragene Material überprüft. Das Ergebnis kann dahin zusam­mengefaßt werden, daß ein Teil der in Berlin festgenommenen Personen wieder freige­lassen werden wird. Um wen es sich dabei handelt, steht zur Zeit noch nicht fest, läßt sich auch solange noch nicht übersehen, bis von Altona aus weiteres Material in Berlin eingetroffen ist. Die politische Polizei hat den Kreis der festzunehmenden Personen von Anfang an sehr weit gezogen.

Der Schwiegervater des festgenommenen Dr. Solinger, bekanntlich ein Reichsgerichtsrat, war heute morgen bei verschiedenen maßgebenden Persönlichkeiten des Polizeipräsidiums, um sich für die Freilassung seines Schwie­gersohnes zu verwenden. Ob und wann diese erfolgen wird, steht noch nicht fest. Die Polizei will wissen, daß vor dem Haus, in dem Salinger wohnte, mehrfach c in Hambur­ger Kraftwagen hielt, aus dem Pa­kete in die Wohnung Solingers getragen wur­den. Sie konnte Salinger bisher aber nicht nachweisen, daß er mit den Bombenanschlägen in Beziehung steht. Diesen Rachweis zu führen soll nach demLokalanz." bisher auch bei den anderen Verhafteten noch nicht gelungen fein. Sie werden solange von der Polizei sestgehalten werden, bis keine Verdunkelungsgefahr mehr besteht, d. h. bis in Altona einwandfrei fest­gestellt wird, daß die in Berlin Verhafteten, nicht direkt mit den Bombenanschlägen zu tun hatten.

Drei Nationalsozialisten wieder freigelaffen.

Hamburg. 14. Sept. lWTB. Funkspruch.) Gestern nachmittag wurden die Rationalfozialisten Redakteur Willi Ehlers von derSchleswig- Holsteinischen Tageszeitung". Gaugeschäftsführer der Rationalsozialistrschen Arbeiterpartei Drix und der Kaufmann Ren sch aus Itzehoe vom

Altonaer Polizeipräsidium wie der auf freien Fuß gefetzt. Der Hauptschriftleiter llhse wurde in Haft behalten, da die Sichtung der ihm gehörigen beschlagnahmten Schriftstücke noch nicht abgeschlossen ist.

Die Vauernsührer an denReichsernchrungsminister

Berlin, 13. Sept. (TU.) Die Bauernführer Fehr, Brandes, Hermes und S ch i e l e geben als Antwort auf die Entgegnung des Reichsernährungsmini ft ers, die die Eingabe vom 8. September behandelte, eine ge­meinsame Erklärung ab. Sie kritisieren zu­nächst die ungewöhnliche Form der Erwiderung des Ministers durch die Presse sowie auch sonst die un­sachliche Art der Erwiderung und bedauern, daß der Minister nicht auf die vorgeschlagenen neuen sofort wirksamen Maßnahmen zur Entlastung des Roggen­marktes eingehe. Insbesondere fehle jede Stellung­nahme zur Kernfrage der Erhöhung der Fut- tergetreidezölle. Hinsichtlich des V e r m a h - lungszwanges wird darauf verwiesen, daß der Minister verpflichtet, sei, die Sätze zu ändern, wenn die Entwicklung des Getreide- oder Brotpreises cs erfordere. Dieser zwingenden Vorschrift liege keines­wegs die Voraussetzung zugrunde, daß zunächst der Ausfall der Jnlandernte zu übersehen sein müsse. Der Auffassung, daß die bisherige Entwicklung des Weizenpreises eine Erhöhung der Ausmahlungs- Quote nicht rechtfertigen könne, wird nachdrücklich widersprochen. Die Ausführungen des Ministers be­stärkten die Auffassung, daß das Ministerium für die Durchführung des Gesetzes über den Vermah- lungszwang nicht die erforderliche Vor­sorge getroffen habe. Hinsichtlich der 40pro- zentigen Ausmahlung sei es richtia, daß das Gesetz die Quote für den einzelnen Monat nicht vor­schreibe, es schließe sie aber auch nicht aus. Sinn und Zweck des Gesetzes sei, die Nachfrage der in­ländischen Mühlen möglichst bald nach der Ernte dauernd auf den deutschen Weizen zu lenken.

Die Forderung auf Aussetzung aller im Gesetz gegebenen Möglichkeiten wird daher wiederholt und namentlich eine ft r a f fe Durchführung der Kontrolle verlangt. Die Darstellung des Mini­sters, die Landwirtschaft hätte ein Kapital von 35 Millionen für Zwecke der Kartoffelwirtschaft gefor­dert, wird als insofern unzutreffend bezeichnet, als eine Jahresquote von 7 Millionen gefordert wor­den fei. Hinsichtlich der jährlichen Gesamtbe­schickung des deutschen Marktes mit dänischem Vieh bestehe entgegen der amtlichen Darstellung bisher auch nicht das geringste Zuge­ständnis von dänischer Seite. Die Verhandlungen mit Finnland über den Butterzoll werden ungün­stig beurteilt, eine Fortsetzung der Verhandlungen nur als ungerechtfertigte Verschleppung des Jn- I frafttretens der für die deutsche Milchwirtschaft fo nötigen Schutzmaßnahmen angesehen. Es wird da­von Kenntnis genommen, daß der Minister bereit fei, sich für die Beseitigung der Belastung der Land­wirtschaft durch die Rentknbankgrundfchuldzinsen nachdrücklich einzufetzen. Von einem Eingehen auf die politische Schlußbemerkung des Ministers wird abgesehen, da, wie in der Vergangenheit, so auch jetzt eine Verquickung der sachlichen Fragen mit politischen Erwägungen grundsätzlich abzulehnen sei..

Vom achtenDeulschenRichtertag.

Richter und Justizreform.

Köln, 13. Sept. (WTD.) Im Großen Saale des Metzgebäudes sand die große Festsitzung statt, die den Auftakt zu den ^Beratungen des Achten Deutschen Richtertages bildet. Senats- Präsident Dr. Reichert vom Reichsgericht in Leipzig betonte in seinen Degrüßungsworten, der Richterstand habe in den letzten zehn Iahren noch zu wenig Platz an der Sonne gehabt. Gegenüber der Kritik könne man Ruhe und Gelassenheit im Richterstande feststellen. In diesem Rahmen hätten sich auch die Verhand­lungen des Achten Deutschen Richtertages zu bewegen. Dann ergriff Reichsjustizminister von Guärard das Wort zu einer längeren De- grüßungsansprache. Rach ihm sprach der preu­ßische Iustizminister Dr. Schmidt. Den zahl­reichen Begrüßungsrednern dankte Senatsprä- sident Dr. Reichert, wobei er einen Rückblick aus die vergangenen 50 Iahre deutschen Gerichts- verfassungsgefehes gab.

Die fachlichen ^Beratungen wurden mit einem Keferat über das Thema:Dedarf es einer

grundlegenden Iustizreform?" eingcIeUet, zu dem Landgerichtspräsident H e r m f e n, Kob­lenz, u. a. ausführte: Das heutige Iustizwesen bedarf einer grundlegenden Reform in den un­teren Instanzen und gerade in den Richterpersön­lichkeiten. Wenn man den Richterstand und die Rechtslage vor einem allmählichen, aber sicheren Abfinken bewahren will, muß man d i e Richter st elfen vermindern. Die sog. kleine Iustizreform", die weniger wichtige Ge­schäfte auf mittlere Iustizbeamte ü b c r t r u g, habe sich im wesentlichen bewährt. Wünschenswert sei eine Aufhebung der kleinsten Gerichte und unbedingt erforder­lich eine anderweitige Einteilung und Abgrenzung der Gerichtsbezirke. Den künftigen Richtern werde nur die eigentliche Spruchtätigkeit vorzubehalten sein, alle übrigen Richtergeschäfte, z. B. Güteverhandlungen, könn­ten von Richtergehilfen bearbeitet werden.

Das Gegenreferat erstattete Reichsgerichtsrat Linz (Leipzig). Er betonte, der Hauptmißstand bestehe in der Vertrauenskrise. Die Kluft sei jedoch nicht die Schuld des Richters, sondern der Gesehgevung. Unbedingt abgelehnt werden müsse die Praxis des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik, der das Richteramt zu einer Parlamcntsjustiz durch Besetzung der Rich- terstellen nach politischen Grundsätzen herabwürdige. Es sei nicht möglich, daß die Rechchtsprechung jedes­mal mit einer Regierungsänderung ebenfalls neue Grundlagen erhalte. Der Redner nahm ferner Stellung gegen die Entziehung des Pas­siven Wahlrechts, die eine Degradierung deS Richterstandes bedeute, und verlangte auch für die Gesetzgebung die Heranziehung des Richter­standes.

Rach längerer Aussprache über die beiden Referate nahm die Versammlung eine Ent­schließung an, in der es heißt: Die Frage, ob eine grundlegende Iustizreform in Deutschland notwendig erscheint, muß bejaht werden. In erster Linie muß hierzu ein für die neuen Erfordernisse hinreichend vor - gebildeter Richter st and in allen Instanzen vorhanden fein. Richt minder aber ist in der Vereinhe i t l i ch u n g des Rechts­weges fortzufahren. Der Deutsche Richterbund bietet biepu seine Mitarbeit an und ist bereit, Hand in Hand mit dem Deutschen Anwaltsverein und dem Deutschen Rotarsverein zu gehen. Bei der Aufstellung von Richtlinien müssen aber auch die übrigen Berufsstände herangezogen werden.

Gegen dieGchulgelderhöhung indessen

Darmstadt, 14. Sept. (Priv.-Tel.) Die Frak­tion der Deutschen Volkspartei hat int hessischen Landtage folgenden Antrag, daS Schulgeld an höheren Schulen betreffend, ein­gebracht: Wir beantragen: der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, die Ver­fügung des hessischen Kultusministers unter Rr< K. M. III 10852 vom 26. August 1929, die Schulgelderhöhungen bis über 5 0 n,'o, fordert, zurückzuziehen, da sie nicht der Auffassung des Landtags entspricht.

Berliner Börse.

Berlin, 14. Sept. <WTB. Funkspruch.) Die Tendenz zum Wochenschluß ist bei großer Zu­rückhaltung nicht einheitlich. Es besteht die Mög­lichkeit, daß die Spekulation, die wohl größere Baisseengagements hat, an der Börse zu Deckun­gen schreiten wird. Die niedrigen Frankfurter Abendkurse sind gut behauptet. An Kursen nennt man Siemens 377,5, I.-G.-Farben 209 bis 209,5. Am Devisenmarkt hört man London gegen Kabel 4,8466 bis 4,8467, London gegen Berlin 20,3613, Kabel gegen Berlin 4,2010, Lon­don gegen Paris 123,91.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die flache Störung über Deutschland hat einen Witterungsumschlag verursacht, der neben Bewöl­kung und Nebelbildung auch stellenweise Nieder­schläge, jedoch nicht in großen Mengen, gebracht hat. Eine weiter zu Niederschlägen neigende Witterung ist zunächst nicht zu erwarten, denn von Südwesten der breitet sich ein Zwischenhoch aus. Es wird wie­der zu aufheiterndem Wetter führen, wenn auch zunächst noch durch die Reste der Störung Be­wölkung auftritt. Die Luftwärme erfährt dabei keine große Schwankung, jedoch dürften sich später zwi­schen Tag und Nacht wieder stärkere Temperatur gegensätze herausbilden.

Wettervoraussage fürSonntag: Stet« lenweise Frühnebel, tagsüber wolkig mit Aufheite­rung, ohne wesentliche Temperaturänderung, trocken«

Wettervoraussage für Montag: Zeit­weise aufheiternd, wieder stärkere Temperaturgegend sähe zwischen Tag und Nacht, durchweg trocken.