Ausgabe 
14.6.1929
 
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Donnerstag, .1$ Juni 1929.7" abds.

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Ein Gartenfest bei König Fuad.

Berlin, 14. 3uni. (Telun.) Der abschlie­ßende Glanzpunkt des Besuches des Königs Fuad in Berlin war ein Gartenfest., das die ägyptische Gesandtschaft im Auftrage des Königs im Palais der ägyptischen Gesandtschaft im Grünewald gab. Die milde Witterung ge­stattete, einen Teil des Festes in dem wundervol­len Garten, der zu dem Hause der ägyptischen Gesandtschaft gehört, obzuhalten und insbesondere ein selbrst für Berliner Verhältnisse imposantes Feuerwerk abzubrennen. Die Gäste wurden von .dem ägyptischen Gesandten in dem Hause der Gesandtschaft, dem Palais eines Berliner Kunst­malers, empfangen und zuerst in das stimmungs­voll zu einem kleinen Theatersaal umgebaute Maler-Atelier geleitet. Dort fand eine Auf­führung der Ballett-KomödieDer Geizige" mit der Musik Joseph Haydns durch das Ballett der Berliner Staatsoper statt, das bei der zahl­reichen Versammlung starken Beifall fand, ebenso wie das auf dem See abgebrannte Feuerwerk. Der ganze Garten war elektrisch mit bunten Lampen und Laternen beleuchtet.

König Fuad selbst empfing unmittelbar nach Beginn des Festes den Reichspräsi- denten von Hindenburg mit Gesolge. Weiter sah man sämtliche in Berlin anwesenden Minister, das gesamte diplomatische Korps mit dem Doyen Nuntius P a c e l l i an der Spitze, die Rektoren der Berliner Hochschulen, zahlreiche Vertreter aus der Berliner Industrie- und Ge­schäftswelt, Vertreter der Berliner Stadtver­waltung und der Presse. Gin besonders male­risches Bild bot die mit dem König aus Aegypten gekommene ägyptische Dienerschaft, die zum Teil in blauen, zum Teil in roten goldgestickten Llni- fonnen den Gästen servierten. Das Gefolge des Königs war in großer Uniform erschienen. Mit dem Empfang hat der offizielle Teil des Be­suches des ägyptischen Herrschers sein Ende gefunden. Rach Beendigung des Staatsbesuches wird König Fuad zwölf weitere Tage in Deutschland verbringen, um wichtige Handels­und Industriezentren, Hamburg, das Ruhrgebiet, Halle, München, zu besichtigen.

Berlin, 13. Juni. (D. D. Z.) Der Reichstag beginnt mit der Beratung des Iustizetats.

Abg. Dr. Levi (Soz.) führt aus: Das wach­sende Interesse der Prozesse an der Justiz hat die gute Wirkung gehabt, die Entfremdung der Justiz vom Volksempfinden zu vermindern. Wir würden den Liebergang zum englischen Verfahren begrüßen, wo der Richter unbeschwert vom Ak­teninhalt in mündlicher Verhandlung den Tat­bestand ermittelt. Beim Zusammenwirken der Berufsrichter mit dem Laienelement muß man­ches besser werden.

Abg. Dr. Hanemann <Deutschntl.) begrün­det den von seiner Fraktion beantragten Gesetz­entwurf, der die aus dem letzten Amnestiegeseh ausgenommenen sogenanntenFememörder" auch unter die Amnestie fallen lassen will. Der begriffFememörder" ist überhaupt nicht ge­rechtfertigt. Diese Leute haben unter Einsetzung ihres Lebens zur Zeit eines Notstandes des Va­terlandes Notwehr gegen Verräter geübt. Ich leugne die innere Berechtigung einer Vertrauens­krise der Justiz. Die Organe des Rechts werden immer wieder im Film und auf der Bühne un­gerecht angegriffen. Der Aeichsjustizminister sollte Maßnahmen treffen gegen eine solche Unter­grabung des Vertrauens in die deutsche Justiz. Eine Vereinfachung des Gerichtsverfahrens wird sich ohne zu umfangreiche Gesetzgebungsarbeit er­möglichen lassen. Strafsachen sollte man nicht dem Einzelrichter überlassen. Wir werden die Angriffe auf die Unabhängigkeit der Rechtspflege und ihrer Organe mit größter Entschiedenheit zuruckweisen.

Aeichsjustizminister v. Gusrard:

Eine Fortentwicklung und Reform der Rechts­pflege ist erforderlich, weil sich neue Rechtsan­schauungen gebildet haben, denen sich die Justiz anpassen muß. Ich glaube aber nicht, daß man bon einer Vertrauenskrise in dem Umfang sprechen kann, daß die Vertrauenswürdigkeit un­serer Rechtspflege erschüttert wäre. Der Wunsch nach einer besseren Zusammenarbeit mit dem Laienelement wird auch von der Richterschaft geteilt. Ich werde als Minister immer von dem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch machen, meine Privatmeinung zu den einzelnen Rechts­fragen zu sagen. Eine Aenderung des bestehen­den Amnestiegeseh es kann ich nicht in Aussicht stellen. Der Reichstag hat erst vor ewem Jahre die jetzt von den Deutschnationalen aufgestellte Forderung mit großer Mehrheit ab­gelebt. Für den Herbst ist eine Vorlage in Vorbereitung, durch die gewisse Mängel bei der Hy pothekenaufwertung beseitigt werden sollen. Wir arbeiten daran, die ein­heitliche Vorbildung der Richter vorzu- bereiten. Das Justizministerium wird immer be­strebt sein, die Rechtsentwicklung in Einklang zu bangen mit den Erfordernissen der neuen Zeit.

Abg. Dr. Bockius (Ztr.) meint, man könne n«yt öoh einer Vertrauenskrise der Justiz, fon- bern höchstens der Rechtsprechung sprechen, die Nicht durch bösen Willen der Rchter berschuldet sei. Der Einfluß der Presse auf die Recht­sprechung gehe zu weit. Schiedsrichter- und Gutachtertätigteit der Richter sollte überhaupt verboten werden. Dringend notwendig ist Abhilfe für die schwere Rechtsnot derjenigen, die zwar frei gesprochen sind, bei denen das Ur­teil aber noch bon Verdachtsmomenten

D^ Aechtsform zugunsten dieser oft ganz unschuldigen Opfer der geltenden Bestimmungen muh noch bor der großen Iustizreform durch- gefuhrt werden. Die Behandlung der Auf. w ertungshypotheken muh in gerechter Weise geregelt werden aus dem Gesichtspunkt einer sozialen Umwertung heraus.

Abg. Wunderlich (D. Vpt.) tritt für Verreichlichung der Justiz ein. Die Amtsgerichtsbezirke sollten bergrößert werden Die Oerlandesgerichte könnten über­haupt b e r s ch w i n d e n, und der Aufbau könnte so gestaltet werden: Amtsgericht, Landgericht, Reichsgericht. Vielleicht könnten wir auch zu dem Friedensrichter zurückkehren für gewisse Dinge. Dem Richter könnte mancher Kleinkram abgenommen und dem mittleren Urkundbeamten übertragen werden. Die Bestimmungen über die Bestellung bon Rechtspflegern sollten reichsrecht- lich bereinheitlicht werden. Die Fälle der Be­triebsspionage im Interesse der ausländi-

Rechtsfragen im Reichstag Oie Parteien zur Iustizreform.

Amerikanische Opposition gegen den tzoung-plan?

Gegen die Verquickung von Schulden und Reparationen.

Paris, 14. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die Pariser Ausgabe desReuhork Herald" meldet aus Washington, daß es im Kongreß wahr­scheinlich zu einem langen und erbitterten Kampf um den Voung-Plan kommen werde, da bon republikanischer Seite eine starke Opposition zu erwarten sei. Mehrere Se­natoren haben durchblicken lassen, daß sie die Absicht hätten, den Voung-Plan anzugreifen, so­bald er dem Senat vorgelegt werde. Es sei be­kannt, daß die Regierungskreise besonderen Nach­druck darauf legten, daß die Z a h l u n g e n d e r Alliierten an Amerika und die Zah­lungen Deutschlands an die Alli­ierten zwar parallel nebeneinander herliefen aber nichtmiteinanderinVerbindung gebracht werden dürfen. Die Vereinigten Staa­ten würden darauf achten, daß die Alliierten chre Schulden an Amerika bezahlten, die Quellen dieser Zahlungen hätten aber mit der Dache selbst nichts zu tun. Die Vereinigten Staa­ten würden nicht zulasfen, daß die Ver­antwortung auf Deut schland gescho­ben würde.

Oie Einwanderung in tf.C5.9L Erfolgloser Kampf gegen die amerikanische Ursprungsklausel.

, Was hin gton, 13. Juni. (WTB. Funk- sprach.) Nach wochenlangen Verzögerungen kam heute nachmittag endlich der Antrag des Sena- torä Nhe, den Einwanderungsausschuh von der Beratung über die Aufhebung der sog. Ur- sprungSklausel zu entbinden, zur Abstimmung. Da

DieplüdoyersimAogens-prozeß

16. Suni. (TU.) Im Nogens- Ianibowski--Prozeß sprachen am Donnerstag Rechtsanwalt Dr. Brandt, der Vertreter des Nebenklägers, der das durch den Prozeß ent- rollte Bild zugleich niederdrückend und erhebend nannte. Niederdrückend sei die sittliche Verwahr­losung der Angeklagten, die nicht nur den kleinen ©toalo ermordet, sondern indirekt auch Jakubowski ums Leben gebracht hätten. Beschämend sei auch die Art und Weise, wie die dazu berufenen Organe diesen Fall früher bearbeitet hätten Die elementarsten Grundsätze der Aufklärung eines Mordes wurden außer Acht gelassen. Der da- malige Minister Hustädt habe eine ewige Blut- Kpuiö auf sich geladen. Erhebend sei andererseits auf allen Seiten gezeigte ehrliche Wunsch dre Wahrheit zu finden. Dr. Brandt gab seiner ^eberzeugung Ausdruck, daß Iakubowsski un- e«uÄIar^clt "icht gefunden worden, oenn die Spuren seien schon verwischt, die Tat

zurück und die Angellagten hüteten ängstlich ihre Geheimnisse.

«A^^obener Stimme fuhr er fort:In letzter Angeklagten, Ihnen, Frau

1!U£Uftr«Un? ^r. Fritz, zu: Den« an ,Ot? den ihr zu Tode gebracht

9 $2 endlich die Ruhe wieder. Sagt ! endlich die Wahrheit! Von Ihnen, meine Herr«, j

mehrere Anhänger des Antrags teils durch Krankheit, teils anderweitig verhindert waren, wurde er mit 6 Stimmen Mehrheit abgelehnt. Die neuen Quoten werden nunmehr am 1.1uli m Kraft treten. Dadurch werden die Iah- resquoten der Einwanderung aus Deutsch- no enJ? v°n 51 227 auf 25 957, aus Irland von 28 567 auf 17 853, aus Dänemark von 2781 auf 1181, aus Schweden von 9561 auf 3314 und aus Norwegen von 6553 auf 2377 herabgesetzt. Die britische Iahresquote wird von 34 007 auf 65721 erhöht

poincore gegen den kommunistischen Bürgermeister von Straßburg.

Paris, 14.Juni. (WTB. Funkspruch.) Der neue kammunlstische Bürgermeister Huber hatte bei der französischen Regierung in Anbetracht des 2-Mil- lionen-Defizits des Stadttheaters auch für die neue Spielzeit Steuererlaß beantragt. Ministerprä­sident P o i n c a r 6 hat dies abgelehnt und er­klärt in seinem Antwortschreiben an den kommuni- stischen Bürgermeister u. a.:Sie sind bei den Wah- len mit einem kommunistischen Programm und i n voller Ueberein st immun g mit den A u - t o n o m i st e n hervorgetreten. Führen Sie also loyal das Experiment aus, daß Sie ihren Wählern versprochen haben. Zeigen Sie ihnen, daß Sie die Regierung der Republik und Frankreich selbst garnichtbrauchen. Sie wür­den ihre Wähler täuschen, wenn Sie jetzt auf ein­mal ihre Opposition gegenüber dem französischen Staat aufgeben würden, um Vergünstigun- gen zu erhallen, die zu dem im Widerspruch stehen, was Sie bisher gesagt haben."

Richter, erwarte ich, daß Sie dem toten Jaku­bowski sein Recht geben, das er bei Lebzeiten nicht finden konnte." Im Anschluß an die ein­dringlichen Ermahnungen des Nebenklägers er­gab sich noch eine kleine Sensation insofern, als auf Ermahnung des Vorsitzenden an die Ange­klagten, jetzt endlich mit der Wahrheit heraus- zu rücken, die Angeklagte Frau Kähler- Nogens erklärte, einige Fragen an ihre beiden Söhne stellen zu wollen. Sie fragte ihren Sohn Fritz:Beruht es auf Wahrheit, daß du im Gefängnis dem Pastor Ahlers sagtest, du hast es getan?" Angeklagter Fritz Nogens:Ich habe mit dem Pastor darüber nicht gesprochen, (^h habe auch nicht gesagt, ich hätte es getan, ich habe nur, ebenso wie heute, meine Bei­hilfe zuge stände n." Nachdem Frau Kähler auf Befragen erklärt hatte, daß sie diese Aeuhe- rung von dem Pastor selbst gehört habe, wurde Pastor Ahlers auf Anregung des Oberstaats­anwalts geladen. Der Angeklagte Fritz NogenS erklärte sich Bereit, den Pastor von der Schweige­pflicht zu entbinden.

Rechtsanwalt Dr. Pieper bat um Milde fut die Angeklagte Frau Kähler-Nogens. Eine Beihilfe seitens der Angeklagten in jurifti- toem ©inne fei nicht ausreichend zu beweisen. Bei dem Meineid müsse das Gericht berück- sichtigen, daß er aus der Furcht heraus ent- standim fei. sich selbst ans Messer zu liefern. Rechtsanwalt Dr. stecht sprach für den An- geklagten Bioker, der nur in einem Punkte einen fahrlässigen Falscheid geleistet habe, aber auch ohne diesen hätte das erste Schwurgericht zweifellos bas SobeSurteil über Jakubowski ge- faUL Der Verteidiger beantragte Freisprechung und bat. falls btefe nicht erfolgen könne, um Milde, und zwar unter besonderer Berücksich­tigung der Jugend Blöcker-. Die Vernehmung jjgf. Pastors AHIerS wurde auf Freitag vertagt, ^rechnen ^ttetlÄberfünZ>un9 ist Montagmittag

fchen Wirtschaft haben sich außerordentlich ver­mehrt. Hier müssen die Strafbestimmungen ver­vollkommnet werden. Der Schutz der Ar­beitskraft muß auch auf die gesamte deutsche Wirtschaft ausgedehnt werden. Dieses Teilgebiet sollte noch vor der allgemeinen Strafrechtsreform geregelt werden. Die Aufwertungshypo- theken müssen im allgemeinen am 1. Januar fällig bleiben. Wir würden ein gut Stück Ver­trauenskrise verlieren, wenn wir ein engeres Zu­sammenarbeiten zwischen Justiz und Presse her­beiführen könnten. Jetzt fehlt es noch daran. Von der Selbstdisziplin der großen Presse mutz man erwarten, daß sie auch den Belangen der Rechts­pflege Rechnung trägt.

2lbg. Dr. Iörissen (W.-P.) fordert eine gründliche Rationalisierung der Recht­sprechung. Ein Abbau der Verwaltung ist nicht möglich, ehe der Ballast unnützer, unhaltbarer und unwirtschaftlicher Gesetze und Verordnungen verschwunden ist. Solange das Volk sich in der ^leberfülle der Gesetze nicht zurechtfindet, so­lange hat es kein Vertrauen zur Rechtspflege. Notwendig ist eine Beschleunigung der Versteigerung durch Wiedereinführung der freien Wahl der Gerichtsvollzieher. Bei den Gerichtskosten mutz aufgeräumt werden mit den bureaukratischen und vlutokratischen Vor­schriften. Die Gefängnisse und Zuchthäuser dürfen nicht zu Wettbewerbsbetrieben gegenüber dem mittelständischen Handwerk werden. Die Zwangswirtschaft muß endlich aufge­hoben werden auch im Wohnungswesen. Dann werden wir zu einer besseren Verteilung des tatsächlich vorhandenen Wohnraums kommen. Das Republikschuhgeseh wird gemihbraucht zu schikanösen Denunziationen. Wir wünschen eine Abänderung und würden höchstens mit einer Verlängerung bis 1930 einverstanden sein.

Aba. Koch-Weser (Dem.) erklärt: Es darf nicht für jeden vermeintlichen llebelstand ein neues Gesetz gemacht werden. Dringend notwendig ist eine schleunige Sammlung und Sichtung unserer Gesetze. Dazu kommen Millionen Polizeiverordnungen. Bald wird der Schrei erfüllt fein:Jedem Deut­schen seine eigene Polizeioerorb- nun g!" (Heiterkeit!) Wir brauchen die Verreich, lichung der Justiz. Dann würde auch die unerträg- liche Buntscheckigkeit des Strafvoll- zugs in Deutschland endlich aufhören. Durch den gegenwärtigen Zustand wird uns der Weg zu gro- tzen Reformen ganz verschlossen. Die Rationalisie- rung der Rechtspflege ist eine wichtige Ausgabe. Wir haben zu viele Instanzen auf allen Gebieten, und es fehlt an der klaren Abgrenzung der Instanzen. Die Auswahl der Schöffen und Ge- schworenen für die zweite Instanz muß sorgfältiger werden. Die tüchtigen Menschen aus allen Volks- schichten müssen dazu herangezogen werden. Die Oberlandesgerichte müssen endlich wieder mit fünf Richtern besetzt werden. Die Anrufung der höheren Instanz darf nicht länger als ein Glücksspiel gelten, sondern die Bevölkerung muß Vertrauen in die bessere Einsicht der höheren Instanz setzen. Die gleichmäßige Ausbildung der Juristen ist . notwendig, aber die Ausbildungszeit darf nicht ver- länger! werden. Wir überschätzen jetzt den Wert der Vorbildung und unterschätzen den Wert der Fort­bildung. Ohne Vorbildung kann man in Deutschland nur Reichstagsabgeordneter, Reichsminifter oder Reichspräsident werden. (Heiterkeit!) Die Frei- Zügigkeit der R e ch t s a n w ä l t e ist notwen- dig. In höhere Richterstellen müssen auch bewährte Rechtsanwälte und Regierungsräte berufen werden können. Die Besoldung der Richter ist ihrem hohen Amte nicht angemessen. Abg. Dr. Kahl, der in den nächsten Tagen unter der jubelnden Begeisterung des ganzen deutschen Volkes seinen 8 0. (Beburts- tag feiert, ist uns in der Intensität, Objektivität und Gerechtigkeitsliebe, mit der er die Strafrechts- «form leitet, ein leuchtendes Vorbild (Beifall). Dringlich ist vor allem eine Reform der unhaltbaren Ehefcheidungsbestimmungen herbeizu- zuführen.

Der Justizetat wird in der Ausschußfassung a n - genommen. Ein sozialdemokratischer Antrag auf Erhöhung der Mitgliederzahl bei den Senaten der Oberlandesgerichte und des Reichsgerichts wird an- genommen. Der von den Deutschnationalen einge­brachte Amnestieentwurf wird dem Rechtsausschuß überwiesen, ebenso verschiedene andere Anträge und Entschließungen.

Dolkspartei midLandwirtschast Für die Anträge der Reichsbauernfront.

Berlin, 13. Juni. (VDZ.) Die Fraktion der Deutschen Dolkspartei hat einen Beschluß gefaßt, wonach die Deutsche Dolkspartei unter Verzicht von eigenen Anträgen die Linie der dem Reichs­tag vorliegenden Anträge der Reichs- bauernfront einhalten und die Verab­schiedung mit allen Kräften fördern wird. Zum Schutz der deutschen Getreidewirtschaft und der deutschen Vieh- und Fleischproduktion sind Zollerhöhungen nicht zu um­gehen. Die Deutsche Dolkspartei ist für Auf­hebung der Schwedenzölle auf Getreide, Dieh und Fleisch. Sollte diese freundschaftliche Regelung nicht möglich sein, so ist der schwedische Handelsvertrag alsbald zu kündigen. Da diese Kündigung frühestens in sechs Monaten zum Ziele führen würde, sind noch vor derErnte alle sofort wirksamen Mittel zum Schuhe des deutschen Getreides und der Viehzucht in An­wendung zu bringen. Dabei ist insbesondere der Vorschlag einer vorzugsweisen Vermah­lung inländischenGetreides zu prüfen.

Eine Reichsforschungsstette für landwirtschaftliches Marktwesen.

Berlin, 13. Juni. (WB.) Zur planmäßigen wissenschaftlichen Erforschung der mit der Absatz- und Preisbildung landwirtschaftlicher Erzeugnisse zusammenhängenden Fragen hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft eine dem Mini­sterium unterstellte Reichsforschungsstelle für landwirtschaftliches Marktwesen errichtet. Zum Leiter der Stelle, die ihren Sitz in Berlin hat, ist Dr. Fritz Baad« ernannt worden. Die neue Stelle soll in keinerlei Konkurrenz zu den bisher auf dem Gebiete dek Marktbeobachtung täti­gen Stellen treten, wird vielmehr ihrer Zweck­bestimmung entsprechend mit ihnen in enger Fühlungnahme zu arbeiten haben, insbeson­dere mit jenen, die sich mit der täglichen Marktberichter st att^ng, d. h. einer für die praktischen Tagesbedürfnisse bestimmten Sammlung von Marktnachrichten und ihrer Weiterleitung an die beteiligten Kreise befassen. Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft wird auch diesen Stellen für die Förderung und den Ausbau ihrer Arbeiten namhafte Mittel zur Verfügung stellen.

Gießen und die Notgemeinschafl.

In einer Rebe zum Etat des ReichsministerimnS des Innern hat der Abgeordnete Dr. MoseS (Soz.) im Reichstag gefragt, warum einem Sie­bener Professor aus Mitteln der Notgemein­schaft der deutschen Wissenschaft eine Reise nach Wien zur Untersuchung der Röntgeneinwirkungen auf Ratten bewilligt wurde. Das hätte man auch in Gießen untersuchen können. Dazu bemerkt das Rektorat der Landesuniversität in einer Zuschrift, daß es sich um einen Privat­dozenten der Gießener Universität handelt. Wir wissen, daß die Röntgenstrahlen schädigend auf den Menschen einwirkcn können. Um diese Schä­digungen zu vermeiden, muß map sie kennen. Diesem Zweck dienten diese Untersuchungen, die sich mit der Einwirkung der Röntgenstrahlen auf das Blut befassen. Das konnte natürlich nicht am Menschen, sondern nur an Tieren untersucht werden. Zur Durchführung dieser Untersuchun- 6en warm Apparate erforderlich, die in Gießen nuljt oorfjan&en waren, so daß man an ein aus­wärtiges Institut gehen muhte. Ganz abgesehen von der eminent praktischen Bedeutung dieser Untersuchungen ist es natürlich von größtem Nutzen für die Gießener Universität, wenn einem Siebener Forscher die Möglichkeit gegeben wird, an einem Institut zu arbeiten, das, wie das Holzknechtsche in Wien, einen Weltruf besitzt.

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Wettervoraussage.

Erneute Warmluft bringt unter Barometerfall nach dem Kontinent vor, so daß der Einfluß hohen Druckes wieder beseitigt wirb. In Deutschland ist das Gebiet westlich ber Lein« bis nach Mitteldeutschland hin unter Zurückdrehen der Winde nach Süden be­reits von der neuen Warmluftstaffel berührt. Sie führt uns erneute Bewölkung zu, und stellenweise treten dabei Gewitter und auch Niederschläge auf. Die der Warmluft folgenden, etwas kühleren ozea­nischen Luftmassen yalten zunächst den Witterungs­charakter unbeständig.

Wettervoraussage für Samst.ag: Warmes und wolkiges Wetter mit Neigung zu Ge- witterstörungen und zeitweisen Niederschlägen/

Wettervoraussage für Sonntag: Temperaturen schwankend, wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung.

Lufttemperaturen am 13. Juni: mittags 21,3 Gxad Celsius, abends 17,4 Grad; am 14. Juni: morgens 17 Grad. Maximum 22,2 Grad, Minimum 10,9 Grab. Erdtcmperaturen in 10 cm Tiefe am 13. Juni: abends 22,1 Grad: am 14. Juni: morgens 17,2 Grad. Sonnenscheindauer VA Stunden.

Reisewetlerbiensk.

Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Gestern kühle Nacht, regnerisch: heute morgen 14 Grad Cel- ftus, Südwind, heiter. (Berchtesgaden): Gestern vorherrschend kühl, regnerisch: heute morgen 15 Grad, Windstille, heiter. (Bad Tölz): Gestern warmer Tag, regnerisch: heute morgen 14 Grad, Südwind, heiter.

Küste (Westerland a. Sylt): Gestern warmer Tag, meist heiter: heute morgen 15 Grad, West- wind, wolkig. (Swinemünde): Gestern der Iah- reszeit angemessene Temperatur, teils heiter, teils wolkig: heute morgen 19 Grab, Südwestwind, hei- ter. (Borkum): Gestern warmer Tag, meist hei­ter: heute morgen 15 Grab, Südwestwind, wolkig. . n (haften-CB oben): Gestern warmer Tag. teils heiter, teils wolkig, heute morgen 16 Grab, Ostwind, heiter. - (Freiburg): Sestern kühle Nacht, meist heiter: heute morgen 16 Grad, Wind­stille, heiter.

Rhein gebiet (Köln): Gestern warmer Tag,

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