Ausgabe 
14.5.1929
 
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Kndechilfe von Siam bis zum Aordkap!

Was auf der Genfer Tagung des Komitees für Kinderschuh beschlossen worden ist.

Von Walther Gersky.

Verlassene oder verwaiste Kinder, die hilf­los in einem fremden Lande dastehen, dürfen nicht durch die Schuld des VureaukratismuS zu Schaden kommen I" Das war die Tendenz der Tagung, die das Komitee für Kinder­schuh eine Gründung des Völkerbundes soeben in Genf abgehalten hat. Der Unbc- teiligte kann sich aus den etwas trockenen Be­richten über die Tagung kein rechtes Bild von ihrer Bedeutung machen. Er wird onnehmen, öaft cs sich um theoretische Erörterungen han­delte während tatsächlich Menschenschicksale zur Entscheidung standen. Alle Jugendliche, de­ren Eltern auswanderten, um sich in einem fremden Land eine neue Existenz zu gründen, befinden sich in einer verzweifelten Lage, wenn ihre Eltern plötzlich sterben. Die Behörden ihrer neuen Heimat wenden sich dann an die Regie­rung des Landes, aus dem die Einwanderer ge­kommen sind, langwierige Erkundigungen wer­den eingezogen und umfangreiche Protokolle aus­genommen. Mancher Staat Hot nun versucht, dem anderen die Kosten für den Unterhalt oder die Rückbeförderung der Kinder aufzuhalsen. Die bedauernswerten Waisen fielen der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last und hatten das Gefühl, sehr unerwünschte Gäste zu sein. Das soll jetzt anders werden, denn fast alle dem Völkerbund angehörenden Mächte werden ein Abkommen un­terschreiben, durch das sie sich verpflichten, dem Land, das ihre minderjährigen Untertanen be­herbergt oder zurücksendet, unverzüglich die Ko­sten zu ersehen. Dadurch hofft man, den Kindern erne bange Wartezeit zu ersparen: man will dem beschämenden Zustand ein Ende machen, dost vielleicht ein Land sich weigert, die Kosten für den Rücktransport eines Kindes zu ersehen. Ebenso beabsichtigt man, durch einen ähnlichen Vertrag den jugendlichen Ausreißern zu helfen, denen es gelungen ist, ein fremdes Land zu errei­chen, die aber nun gern die geplante Weltreise beendigen möchten, um wieder ins Elternhaus zurückzukehren. Auch diesen Zugendlichen soll die Wartezeit erspart werden, die sie im frem­den Land verbringen muhten, bis sich die Be­hörden ihrer Heimat geäußert hatten.

Die Heimichaffung Minderjähri­ger ist ja nur ein kleiner Abschnitt des Auf­gabengebiets, das das Völkerbundskomitee be­arbeitet". erklärt Frau Ministerialrat Dr. Bäu­mer, die Deutschland auf der Tagung vertreten hat.Mindestens so wichtig ist die Untersuchung, die wir über die internationalen Ju­gendgerichte angestellt haben. An die Re­gierungen aller größeren Mächte wurden Frage­bogen versandt, die sich mit der Handhabung der Zugendgerichtsbarkeit befaßt. Rach unserer An­sicht kommt es bei einer Gerichtsverhandlung gegen Zugendliche weit mehr als sonst darauf an, die Motive aufzudecken, aus denen ein Kind die Verfehlung begangen hat. Medizinische Sach­verständige müssen gehört, psychologische 'Beob­achtungen berücksichtigt werden. Richt weniger wichtig ist die Frage, was mit einem Zugend­lichen nach erfolgter Bestrafung geschieht. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um den Zugendlichen, der einmal gegen das Gesetz verstoßen hat, wieder in die menschliche Ge­meinschaft aufzunehmen. Die verbüßte Strafe darf nicht als Makel an ihm haften bleiben. Auf früheren Tagungen haben wir uns agch mit dem Los der blinden und der schwachsinnigen Kinder beschäftigt und Erhebungen über die Gefahren angestellt, die der Alkoholismus für Zu­gendliche bietet. Wichtig ist auch der Schutz der unehelichen Kinder, die in man­chen Staaten tatsächlich ziemlich rechtlos sind. Zu den Aufgaben des Komitees wird es außer­dem gehören, internationale Vereinbarungen über die Altersgrenze zu erzielen, von der ab Zu­gendliche heiraten dürfen. Schwierig sind die be­vorstehenden Komiteearbeiten besonders im Orient, wo Maßnahmen für den Schutz von Frauen und Kindern nötig find. Obwohl wir nichts anordnen, sondern den Regierungen nur bestimmte soziale Maßregeln durch den Dölker- bundsrat empfehlen, haben sich doch die meisten Länder diesen Anregungen zugänglich gezeigt. Man darf die Wirkung der Erhebungen, die das Komitee anstellt, nicht unterschätzen. Wenn näm­lich die Regierung eines Landes, dessen Gesetz­gebung auf einem bestimmten sozialen Gebiet noch rückständig ist, dem Völkerbund gewisse Auf­schlüsse geben soll, pflegt sie nicht selten wenig­

stens die ärgsten Mißstände zu beseitigen, bevor der Bericht erstattet wird, denn kein Land der Welt möchte als unsozial gelten."

Zn engem Einvernehmen mit dem Völkerbund arbeitet eine andere, ältere Organisation, die Zn t e r n o t i o n o l e Vereinigung für Kinderhils e. 3m Zanuar 1920, als in vielen Ländern die Kinder zu Tausenden an Hunger und Entkräftung starben, taten sich einige tat­kräftige Leute zusammen, die in sich die Ver­pflichtung fühlten, allen Kindern, ohne Unter- schied der Staatsangehörigkeit und der Kon­fession zu helfen. Rie sollte die Kulturwelt den Ramen der kürzlich verstorbenen Engländerin Eglanthne 3 e b b vergessen, die sich mit ihrer starken Persönlichkeit für die neue Vereinigung einsetzte. Rach Ucbcrwindung großer Schwierig­keiten gelang es ihr, die internationale Vereini­gung zu gründen, und als sich später der Papst an die Spitze einer Sammlung stellte, die den notleidenden Kindern aller Bekenntnisse zugute kam, konnte die praktische Arbeit beginnen. Die Vertreterin der deutschen Organisationen hatte bei der GründungsVersammlung in Gens einen schweren Stand. Roch waren die Vorurteile gegen die Deutschen nicht geschwunden: man wollte sie Wohl als Mitglieder, keineswegs aber als gleichberechtigt anerkennen. Dem taktvollen und klugen Vorgehen von Frau Adele Schreiber ist es damals gelungen, diese Klippe zu umsteuern. Heute ist die deutsche Abteilung eine der ange­sehensten unter den 52 internationalen Sektionen, die in der ganzen Welt bestehen. Durch die An­gliederung der d eutschen Zweiastelle an die Deutsche Zentrale für freie Zugendwohlfahrt hat sie bedeutend an Autorität gewonnen. Freilich ist nicht zu bestreiten, daß der amtliche burcau» kratische Apparat die 3nitiati'oe beeinträchtigt.

Es fehlt heute der 3dealismus der Gründer, der sich in der sogenanntenGenfer Deklaration" zeigte. Die Rechte des Kindes sollten in den fünf Abschnitten dieser Erklärung festgelegt wer­den, die verlangte, daß jedem Kind die normalen körperlichen und geistigen Entwicklungsmöglich­keiten geboten werden. 3edes hungernde Kind hat ein Recht darauf, gespeist zu werden: kranke Kinder müssen gepflegt. Zurückgebliebene geför­dert, verirrte auf den rechten Weg geführt, verwaiste und verlassene ausgenommen und ver­sorgt werden. Ebenso ist das Kind vor Ausbeu­tung zu schützen. Alle diese Grundsätze mögen uns selbstverständlich erscheinen. 3n vielen Ländern bedeuteten sie aber eine neue Weltanschauung, mit der man sich auseinandersetzen mußte. Die Dekla­ration wurde in deutscher, französischer, eng­lischer, albanischer, arabischer, armenischer, bul­garischer. chinesischer, dänischer, spanischer, finni­scher. georgischer, griechischer, hebräischer, hollän­discher. ungarischer, irischer, italienischer, japani­scher, lateinischer, lettischer, norwegischer, persi­scher, polnischer, portugiesischer, rumänischer, russi­scher, serbischer, siamesischer, schwedischer, tschechi­scher und türkischer Sprache verbreitet, und die Delegationen, die ,fie annahmen, muhten die Thesen in feierlicher Weise unterzeichnen.

Bald nach der Gründung setzte die praktische Arbeit der Vereinigung ein. 3n Rußland, wo damals eine furchtbare Hungersnot herrschte, wurden viele tausend hungrige Kinder gespeist, in Polen. Lettland und auf dem Ballan be­sonders in Bulgarien hat die internationale Vereinigung ebenfalls viel Gutes getan. Auch die deutschen Kinder wurden nicht vergessen, denn in zwei 3ahren wurden 7000 hungernde Kinder in Deutschland aus den Mitteln der Vereinigung gespeist. Die Einrichtung von Patenschaften für notleidende Kinder hat sich glänzend bewährt, noch heute erhalten 200 deutsche Kinder regel­mäßig Zuwendungen ihrer ausländischen Paten. Daneben hat die Vereinigung wichtige Schritte für den Schutz der Kinder von afrikanischen Eingeborenen unternommen, ebenso hat sie ver­sucht, das Los der chinesischen Kinder zu vev- bessern. Anfangs konnte sich Deutschland nur mit bescheidenen Mitteln an dem internationalen Hilfswerk beteiligen, es konnte im 3ahrc 1920 nur Sanitätspersonal und Medikamente nach Rußland schicken, und diese Hilfeleistung war auch nur durch die Unterstützung des Roten Kreuzes möglich. Tatkräftiger ging die deutsche Sektion vor, als es galt, die vielen tausend japanischen Kinder zu unterstützen, die durch das Erdbeben ihre Eltern verloren hatten.

Weitsprung: 1. Maus, 1900, 5,92 Meter: 2. Seipp. 1900. 5.88 Meter: 3. Müller. Weil­burger F.-B, 5,42 Meter.

Kugelstoßen: 1. E. Schäfer, 1900, 12,98 (!) Meter: 2. Langlotz, 1900, 11,12 Meter: 3. Seipp, 1900, 10,08 Meter.

Diskus: 1. E. Schäfer, 1900, 35,53 Meter: 2. Seipp, 1900, 31,31 Meter: 3. Tönges, 1900, 26,85 Meter.

Dreikampf: Seipp, 1900, 149 Punkte.

Klasse III:

100 Meter: 1. Müller, Weilburger F.-V., 11,8 C.; 2. Hopfenmüller. 1900. 12,1 ©.; 3. Groß- haus, Sportv. Lollar, 12,7 S.

400 Meter: 1. Tönges, 1900, 55,1 ©.; 2. Erbe, Weilburger F.-V, 55,4 S: 3. Köhnc, 1900.

1500 Meter: 1. Wambach, Wetzlarer Sp.-V-, 4:38,6 M.: 2. Müller, V.f.B, Gießen, 4:57,4M.: 3. Kleemann, Weilburger F.-V., 6:20 M.

3000 Meter: 1. Schäfer, H. 1900, 10 M: 2. Dött, Weilburger F.-V., 10:l,8-M.: 3. Treser, V.f.B, Gießen, 10:25 M.

Hochsprung: 1. Seipp. 1900, 1,52 Meter: 2. Wolf, 1900. 1,52 Meter: 3. Dietz, Sp.-V. Col­lar. 1.52 Meter.

Kugelstoßen: 1. Schmelz, 1900, 11,1 Meter: 2. Dirkenstock, 1900, 10,35 Meter: 3. Hopfen- müller, 1900, 10,22 Meter.

Speerwerfen: 1. Guyot, 1900. 40,85 Meter: 2. Hopfenmüller, 1900, 37,81 Meter: 3. Lang- loh, 1900, 36,78 Meter.

Dreikampf: 1. Hopfenmüller. 1900, 132 Punkte: 2. Dietz, Sp.-V. Lollar, 102 Punkte: 3. 3ung, Sp.-V. Lollar, 83 Punkte.

E r st l i n g e:

100 Meter: 1. Keiner, Wetzlarer Sp.-V., 12,9 S.: 2. Siebeis. V.f.B, Gießen, 13 S.: 3. Knigge, x 1900. 13.1 S.

800 Meter: 1. Glagow. 1900. 2:22.4 M.: 2. Köhne, 1900. 2:23.6 M.; 3. Siebeis, V.f.B, Gießen, 2:26,1 M.

Dreikampf: 1. Wolf, 1900, 109 P.: 2. Knigge, 1900, 93 P.

Gpielvereinignng 1900 Gießen.

Die Blauweißen warteten bei der am Sonntag stattgehabten Rückspielbegegnung mit Germa­nia 96 Mudersbach in Mudersbach an der Sieg wieder einmal mit einer Glanzleistung auf. Ging das Vorspiel in Gießen mit 0:2 Toren ver­loren, so konnte diesmal die Ligaelf ein ehrenvolles Unentschieden (5:5) erzielen. Die Gießener impo­nierten besonders durch ihr ausgezeichnetes, berech­netes Kopfspiel, durch das sie bei dem reichlich hohen Spiel des Gastgebers immer im Vorteil waren. Aus dem Spielverlauf fei vermerkt, daß nach etwa 20 Minuten das Treffen schon 3:0 für Mudersbach stand, da sich 1900 erst allmählich auf dem schmalen ungewohnten Platz zurechtfand. Dann hatte auch Gießen, das mit leichtem Rücken­wind spielte, zahlreiche Torgelegenheiten, von denen aber nur eine durch den Linksaußen verwertet wurde. Mit 3:1 für Mudersbach wurden die Sei­ten gewechselt. Zehn Minuten nach Wiederbeginn stand das Spiel 4:3 für Gießen. So blieb es auch in einem spannenden Ringen bis 10 Minuten vor Schluß: Da kam der Gastgeber durch Verwandeln eines Handstrafstoßes und durch einen Fehlschlag eines 1900-Verteidigers zu zwei Erfolgen. Aber nochmals glich der Gießener Linksaußen kurz vor dem Schlußpfiff mit schönem Schrägschuß aus wei­ter Entfernung aus und stellte damit das End­resultat auf 5:5. 1900s Sturm zeigte mehrfach recht schöne Flachkombination und wurde darin von der vorzüglich disponierten Läuferreihe aufs beste un­terstützt. Das Schlußdreieck stand feinen Mann. Mudersbach spielte nach der Pause zeitweise recht hart. Zwei dafür verhängte Strafstöße, vom rech­ten Läufer ausgezeichnet vor das Tor gegeben, führten durch Mittelstürmer und Rechtsaußen zu zwei Treffern. Den vierten Gießener Erfolg er­zielte der Mittelstürmer, der eine Flanke des Links­außen blitzschnell einlenkte. Bei Mudersbach war der linke Flügel sehr gefährlich und auch der über­ragende Mannschaftsteil. Die Verteidiger waren unsicher.

Die zweite und dritte Mannschaft weilten, sehr stark geschwächt, in Dreihausen und verloren demgemäß auch beide in recht torreichen Treffen. Die 2. Els unterlag der 1. Mannschaft des Gastgebers 2:7 und die dritte der dortigen zwei­ten Elf 5:7.

Die Alten-Herren wagten sich in diesem Zahr ohne Training erstmals auf den grünen Rasen, und zwar in Wetzlar gegen den dor­tigen Sportverein. Zn nur zweimal 25 Minuten blieb 1900 mit 2:0 (Halbzeit 1:0) Sieger.

Die 2. Zugend spielte in schwacher Aufstel­lung gegen Leihgesterns 1. Zugend 1:5. Dasselbe Resultat machte die 1. Schülerelf, die aber statt gegen die Aßlarer Schüler gegen Aßlars 1. Zugend spielte, wodurch der körperliche Kräfteunterschied zu groß wurde.

V. f. B.

Die Liga Mannschaft verlor am Himmel­fahrttage gegenD. f. L. Frankfurt-Süd über­raschend hoch mit 1:5. Bei der Bewertung des Resultats muh man allerdings berücksichtigen, daß sie mit drei Mann Ersah spielte und dazu noch stark vom Pech verfolgt war. Von den fünf Toren kann man zwei als Eigentore bezeichnen. Das Resultat entsprach nicht ganz dem Spiel­verlauf: mit 3:1 für Frankfurt hätte cs dem Stärkeverhältnis beider Mannschaften eher ent­sprochen. Damit ist zugegeben, daß die Gäste ohne Zweifel besser waren. Zhr Spiel war außer­ordentlich forsch, ohne jede unproduktive Künstelei, und ganz auf Erfolg eingestellt. Was an der Frankfurter Mannschaft besonders imponierte, war die ausgeprägte körperliche Gewandheit jedes einzelnen Spielers. Gerade dieses Spiel ergab erneut den Beweis für die Richtigkeit der in den Berichten über die V. f. B-Liga schon oft zum Ausdruck gebrachten Ansicht, daß fast alle ihre Spieler in bezug auf körperliche Fertigkeit noch viel zu lernen haben. Der Mangel an Wendig­keit, Start- und Laufvermögen war mit die Hauptursache für die Riederlage der Plahmann- schaft, die im übrigen den Gästen nur wenig nachstand, sich aber aus den erwähnten Gründen den ohnehin physisch überlegenen Frankfurtern gegenüber nicht durchzusetzen vermochte.

Die A. H.-E l f stand nicht, wie in der Vorschau angegeben, der A. H. von Braunfels, sondern dessen ersten aktiven Mannschaft auf dortigem Platz gegenüber und verlor trotz allem Eifer mit dem immerhin noch günstig zu nennen­den Resultat von 2:6.

Das Pflichtspiel D. f. B. 2. Z u g e n d gegen Heuchelheim 1. Zugend endete mit dem knappen Ergebnis von 2:1 für Heuchelheim.

Die Ligamannschaft kam am Sonntag von derGermania" Marburg mit einem

besseren Resultat zurück, als man erwartet hatte. Das erzielte 3:3 kann als recht gutes Ergebnis bezeichnet werden, umsomehr, als V. f. B. die schlechten Platzverhältnisse mit in Kauf nehmen und auch wieder mit drei Mann Ersatz antreten mußte. Germania hat sogar Glück gehabt, daß es das Spiel nicht mit eins bis zwei Toren Unterschied verlor, da D. f. B. das weitaus bessere Spiel vorführte und auch meistens den Ton an­gab. Besonders in der ersten Halbzeit zeigte sich Gießen im Feldspiel den Einheimischen fast dauernd überlegen, fand aber bei der Auswer­tung seiner zahlreichen Torchancen in dem her­vorragenden Germanentorhüter ein kaum zu über­windendes Hindernis. Daß das Treffen bei Halb­zeit anstatt 1:1 nicht mindestens 3:1 für Gießen lautete, hatte Marburg lediglich seinem vorzüg­lichen Schlußmann zu verdanken. Rach dem Wech­sel waren die Gastgeber bedeutend besser als vorher und vermochten sogar für etwa 15 Minuten das V. f. B.-Tor zu bedrängen, während denen cs ihnen auch gelang, in Führung zu gehen V. f. B. hatte diese Schwächeperiode jedoch bald wieder überstanden und übernahm erneut das Kommando, dabei in kurzer Zeit Ausgleich und Führung erzwingend. Drei Minuten vor Schluß gelang cs den glücklich kämpfenden Germanen, Die Partie unentschieden zu gestalten.

Die Ligareserve lieferte gegen die Liga- re se rv e derGermania"-Marburg das schlechteste Spiel. Anfangs recht gut in Fahrt, lieft sie sich nachher von dem ebenfalls sehr we­nig zeigenden Gegner glatt mit 4:1 schlagen.

2luf eigenem Platz hatten die A11 e n H e r r e n die aktive Mannschaft Garbenteichs zum Gegner und fertigten diesen nach forschem und wechselvollem Kampf knapp mit 5:4 ab.

Die zweite Zugendelf errang im Pflicht­spiel über die erste Rieder-Weisels einen überraschend hohen Sieg. Troy allem Eifer mußten lich die Gäste der weit besseren Platz­mannschaft mit 7:0 beugen.

Auch die dritte Zugend bot eine an­sprechende Leistung, indem sie gegen die erste Zugend von L i ch bei größtenteils offen, kurze Zeit sogar überlegen durchgeführtem Spiel ein in Anbetracht der Spielstärkc des Gegners be­achtenswertes 2:2 erzielte.

Die erste Schülcrmannschaft blieb ohne Spiel, da die gleiche Gr. - Busecks dem Pflicht­treffen ohne vorherige Absage oder Benachrich­tigung fernblieb.

Oberrealschule Gießen.

Handballabteilung der Obcrrealfdjule I gegen 3nf.-Rcgf. 15 2:1.

Auch die Handballer konnten einen Sieg erringen. Daß kein größeres Torverhältnis für die Erste her- auskam, lag wohl daran, daß sie zum erstenmal in der neuen Aufstellung spielte. Aber jedenfalls ist die Leistung gut, da ja die 15er als eine gute Mann­schaft gelten.

Juhbaüableilung der Oberrealschulc I gegen Jrkbberg Gymnasium Oberrealschule I 4:3.

Die 1. Fußballmannschaft fuhr nach Friedberg und trug gegen die dortigen vereinigten Schulen ein Rück­spiel aus, das sie mit 4:3 Toren gewann. (Vorspiel 1:1.) Der Sieg war verdient und hätte bei größerer Schußfreudigkeit des Sturmes leicht höher ausfallen können.

Gießener T. L. - Mrburger Lawn T. L. 11:8

Der Marburger Club, der in diesem Zähre er» hebltchen Zuzug spielstarker Studenten aufzu- weiscn hat, konnte trotzdem nicht verhindern, daß Gicßcn als verdienter Sieger die Plätze verließ: in früheren Zähren gingen regelmäßig die Wettspiele gegen Marburg verloren, nur ein einziges Mal konnte Gießen gewinnen. Der diesjährige Sieg hat bewiesen, daß die erste Mannschaft des (Siebener Clubs trotz des kurzen Trainings in Form ist und mit guten Aussichten

die zahlreichen Wettspiele der Saison bestreiten kann.

Zm Einzel schlug Kirchner den Marburger W c ck e s s c r in zwei Sätzen: Roll hatte in bem Schweden Sörrcnsen wohl derkommende" Marburger Spitzenspieler einen schweren Gegner mit gutem Flugballspiel, konnte ihn jedoch in hartem, raschem Kampfe ohne Sahverlust niederringen. Dr. Fischer und Hamann ver­loren .nach Kamps ihre Spiele, Dr. Schopp er und 6 c r t b a gewannen gegen ihre starken Gegner. Bei den Damen mutzte Frl. Berg vor der Routine der bekannten Frau Wcckesfer die Waffen strecken, spickte darauf jedoch vorzüg­lich gegen Frl. Euler und siegte verdient m drei Sätzen. Frau Winkelmann, die erst­malig für Gießen spielte, erfreute durch ins­gesamt drei Siege und führte sich durch ihr kluges, placiertes Spiel gut in die Gießener Mannschaft ein. Von den acht Ddppclspielen gewann Gießen und Marburg je vier. Kirch­ner-Roll gaben nur ein Spiel ab. Dr. Schopper-Scriba gewannen einen harten Dreisahiampf, Frl. Berg-Kirchner verloren glatt gegen das ausgezeichnet spielende Ehepaar W e ck e s s e r, Roll gewann mit Frl. Stark, die mit dankbarenLobs" gut unterstützte, auch das Mix?d.

Ergebnis: Gießen siegt mit 11:8 Punkten, 24:20 Sähen, 234:174 Spielen Th.

Gießener T. <L- rennisvereinigung Slau-Weiß Kassel 7 -. 2

Die Gießener traten die Reise nach Kassel mit einem Mann Ersah an, die Mannschaft Kirch­ner, Roll, Hamann, Dr. S ch o p p c r, Dr. Dönges, Scriba konnte aber trotzdem einen klaren Sieg mit nach Hause nehmen. Der Ans- gang des Treffens überrascht insofern, als Kassel in seinem Spitzenspieler Tüscher ein neues Talent zur Verfügung hatte und sowohl das erste Herren-Einzel, wie das erste Hcrrcn-Doppcl von Kassel gewonnen wurde. Kirchner, die Spielstärke T ü s ch c r s nicht ahnend, hatte im Ru den ersten Sah 6: 1 verloren und muhte auch im zweiten Sah den Kasseler mit drei Spielen davonziehen lassen: dann spielte Kirchner weicher, konnte gleichziehen, mit 4:3 in Führung gehen, aber trotzdem den Sah und damit das Match nicht gewinnen. Auch Hellmer, der Gegner des Gießener Roll, war nicht schlecht, jedoch der Zähigkeit desGießener Pluspunktes" nicht gewachsen. Zn allen übrigen Herren-Einzel- und im zweiten und dritten Herren-Doppelspiel war Gießen eine Klasse besser als Kassel. Das Spiel des Tages war das erste Herren-Doppcl T ü s ch e r - H e 11 m e r gegen Kirchner-Roll. Zm ersten Satz sah es böse für Gießen aus. Die Kasseler hatten beide einen Bombcnaufschlag, spielten hart und smashtcn vor allen Dingen aus allen Lagen, daß es eine Lust war, 6: 1 wurde Gießen überrannt. Als im zweiten Satz Kassel nur ein klein wenig nachlietz. drehte sich sofort das Blatt. Kirchner-Roll nutzten geschickt jede Blöße des Gegners aus und sicherten sich mit 6:4 den zweiten Sah. Heiß umkämpft war jedes Spiel im dritten, entscheidenden Sah: jede Partei kämpfte mit höchster Energie um den Sieg. Mit 9:7 wurde Kassel, dank seiner ausgezeichneten Doppelspieltechnik. verdienter, jedoch glüÄicher Sieger. Langanhaltender Beifall belohnte beide Parteien für ihre prächtige Leistung. Ty.

Siegreicher Abschluß des Tennis- Länderkampfes DeutschlandSpanien

Im Tennis-Länderkampf Deutschland-Spanien in der zweiten Runde des Davis-Pokals wurden gestern die letzten beiden Einzelspiele ausgetragen. Der Spanier Maier siegte über Kleinschroth, der beim Stande 6:2, 6:3 sich zurückzog. Das Schlußspiel gewann Moldenhauer über den Spanier Tejada leicht 6:0, 6:4, 6:2. Zm Ge­samtergebnis blieb Deutschland in der zweiten Runde über Spanien mit 4:1 siegreich.

Strafkammer Gießen.

* Gießen, 10. Mai. Ein 25jähriges Mädchen, das mit einer im Nachbarhaus wohnenden Frau in Unfrieden lebt, suchte eines Morgens ihrem Aerger "dadurch Luft zu machen, daß es wider die Fenster- scheiben der Nachbarin Unrat warf. Durch das Amts­gericht Gießen war daher gegen das Mädchen auf eine Haftstrafe von drei Tagen erkannt worden. Da es sich nicht beruhigte, mußte die Sache jetzt nochmals verhandelt werden. Auch heute leugnete die Ange­klagte wieder, auf Grund der beeidigten Zeugenaus­sagen hielt sie aber das Gericht als Täterin einwand­frei für überführt und bestätigte das erstinstanzliche Urteil.

Ein Arbeiter war durch das Amtsgericht Orten­berg wegen Körperverletzung und Beleidigung zu Gefängnisstrafen und einer Geldstrafe verurteilt worden. Gegen dieses Urteil legte er wegen des Strafmaßes Berufung ein, während er in der heu­tigen Verhandlung erklärte, daß er das Urteil unein­geschränkt anfechten wollte, was aber seitens des Gerichts in Anbetracht der bestimmten schriftlichen Erklärung nicht anerkannt wurde. Da auch die Staatsanwaltschaft vorsorglich Berufung eingelegt hatte, zog er es daraufhin vor, durch seinen Vertei­diger seine Berufung zurücknehmen zu lassen, worauf auch die Staatsanwaltschaft die ihrige zurücknahm» Es blieb somit bei dem ersten Urteil, der Angeklagte muß aber die weiteren Kosten des Verfahrens, ein­schließlich der Kosten der Nebenklage, tragen.

Kunst und Wissenschaft.

Ehrenmitglieder der Bunsen-Gesellschaft.

Die Deutsche Bunsen-Gesellschast für angewandte physikalische Chemie hat den Di­rektor Dr. phil., Dr.-Ing. h. c. Professor Or. Bosch in Heidelberg, Geheimrat Professor Dr. Friy H a b e r in Berlin, Geheimrat Dr. Oskar v. Wi 1- ler in München, Geheimrat Professor Dr. M. Planck in Berlin und Geheimrat Professor Dr. G. T a m m a n n in Göttingen zu Ehrenmit­gliedern ernannt.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

Ehr. Eredncrstraße. Wenn Sie in erster Instanz freigesprochen, in zweiter Instanz dagegen verur­teilt worden sind, ist anzunehmen, daß Sie die Kosten beider Instanzen zu tragen haben, wenn das zweite Urteil nicht ausdrücklich etwas anderes besagen sollte. Verlässigen sie sich hierüber bei der Geschäftsstelle des Amtsgerichts. Mit dem rechtskräftig gewordenen Urteil müssen Sie sich abfinden.