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Nr. 62 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Donnerstag. 14. März 1929
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Die Illustrierte Gießener Familienblätte, Heimat im Bild Die Scholle
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Gietzemr Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Polstik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Äurl Hillmann, sämtlich m Gießen.
^Befreiung und Freude ...
am Bahnhof schwere
werden
verladen, sammeln sich würdige
Mittlerweile Schrankkofser
Herren um ein noch würdigeres Oberhaupt, schütteln mit betonter Ewigkeit oder auch mit der weit ausholenden Geste des Dolksmanns etwelche Handschuhe gelber Couleur und tun sich in dieser Stunde des Abschiedes von der nun wieder zärtlich werdenden Stadt der Iungmädchenpensionate so wichtig, wie cs sich wohl Vertretern der „gro= ßen Politik" geziemt. Der Volkerbunds- rat hat seine Sitzungen abgeschlossen. und seine Teilnehmer von allen Enden der Welt reisen nun mit dem Schwarm ihrer ‘Begleiter ab. Das geht immer so schichtweise vor sich, und ein boshaftes Gemüt könnte wohl auf den Vergleich kommen, dah es daran erinnere, wie die Arbeiter noch vor kurzem mit großen Schippen und gutem Schwung den schmutzig gewordenen Schnee in einem großen und fast eleganten Bogen in den See schaufelten. Aber boshafte Gemüter gibt e- beim Völkerbundsrat nicht. Man muh das wenigstens voraussehen, denn wenn auch gerade bei den letzten Themen, die im hohen Saal zur Beratung standen, bei der Behandlung der Minderheitenfrage, und ganz besonders bei der Aussprache über den Fall 11 l i ö, für die Deutschen zum mindesten allerlei Anlaß zur Boshaftigkeit und sogar zum Zorne gewesen wäre, so gingen doch die Unterhaltungen so sanft, so ruhig, so gemessen dahin, daß einer, der keine dieser europäischen Sprachen verstand, wohl hätte glauben können, er fei in einem Refektorium der ehrwürdigen Schwestern von sacre coeur
Immer wieder bei diesen internationalen Tagungen ist es schlechthin ein Grund zur Bewunderung, wie es der „Regie" gelingt, Schärsen ab- zufchleifen, Gesechte abzubrechen und Gegensätze, wenn sie noch so tief sind, nicht zur Explosion kommen zu lassen. Hier ist das Kompromiß wirklich zum Kunstwerk erhoben! Eine bessere Charakterisierung für das Ergebnis der Minderheitsdebatte, wie sie von der „Reuen Züricher Zeitung", die mir gerade hier auf der Terrasse zur Hand liegt, gezeichnet wird, kann wohl kaum gegeben werden. „Die Lust der Großmächte", so heißt es da, „am Minderheitenschutz etwas zu ändern, ist außerordentlich gering, darüber muß man sich klar sein . . . Aber es handelt sich ja gar nicht um eine Erfindung neuer Rechte oder um eine Erweiterung alter Verträge, sondern lediglich darum, den Verfall der geltenden Rechtsbestimmungen zu verhindern und den Völkerbund zu mahnen, daß er nicht zu einem Werkzeug ähnlicher Tendenzen werde, wie sie Mello-Franko mit seiner Assimilationstheorie vor einigen Jahren widerspruchslos vor dem Rat vertreten konnte." Selbst wenn man dem neutralen Beobachter — wie man gestehen muh mit einiger Beklemmung — beipflichtet, daß „hierüber wenigstens" die Beratung „bereits eine erfreuliche Abklärung in gutem Sinne gebracht" habe, so muß man doch um so stärker betonen, daß im Fall Ullh das Exempel darauf keineswegs gemacht worden ist, sondern daß man diese in das Geschick der deutschen Minderheiten in Polen so lebenswichtig eingreifende Angelegen- heil in einer Weise behandelt hat, gegenüber der selbst im hohen Ratssaal nicht Boshaftigkeit, sondern Zorn am Platz gewesen wäre.
Man begreift auch in Kreisen, die der offiziellen deutschen Delegation und ihren Führern nahestehen, nicht recht, wie und auf welche Weise es gelungen ist, Dr. Stresemann von Temperamentsäußerungen. wie sie noch in Lugano in die etwas stickige Luft mit einem Blitz hinemfuhren, zurückzuhalten. Der deutsche Außenminister macht durchaus keinen abgekämpften Eindruck, undes ist demnach doch eher Zügelung als Matti g k e i t gewesen, dah er sich damit begnügte, die Ertlärungen Zaleskis als ungenügend zu bezeich- nen und sich bei dem Vorschlag Matsch^, der za im großen und ganzen den polnischen Wünschen entsprach, der Stimme zu enthalten. Lange genug hat man ja auch von Volkerbundsseite auf ben deutschen Außenminister einzuwirken vcriucht. uno man hat denn auch den für die Tradition dieser Sitzungen und in diesem Falle besonders für die Polen so schönen Erfolg erzielt, daß es nicht zu einem ,Mihklang" gekom - men ist. Wie weit gewisse Hoffnungen, die eigentlich Voraussetzungen sein sollten, sich erfüllen werden, dah illifc wenigstens auf eine provisorische Haftentlassung rechnen darf, muß abgekartet bleiben. Man hat nur schon allzu oft vergebens abgewartet.
Das deutsche Austreten in diesem Falle hatte keine überzeugende Kraft. Man ging unter Zügel und man fragte sich erstaunt, welche Kandare eigentlich so spürbar sei. Die ‘Befürchtung, daß von Seiten der Polen im Lauf der Debatte die Forderung aufaetreten wäre, daß sie auch die deutschen Gerichte für alle Zeiten dahin fest-
Abschied von Gens.
Von unserem s-Ic.-Sonderberichterstatter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Gens, Mitte März 1929.
Frühlingswinde wehen über dem großen See und weiße Rebelschwaden ziehen mit tragischer Gebärde ins Gebirge hinaus, um sich dort hinter Eiswällen zu sammeln. Es wird nicht mehr- lange dauern, dann hat die Stadt Rousseaus ihre schönsten Tage mit silbernem Mädchenlachen, frohen Scherzworten aus jungem Männermunde, mit weißen Segeln auf der blauen Flut und mit abendlichen Liebesmelodien unter jung- grünendem Gezweig. Es liegt schon etwas wie eine Lenzvision in der Lust, voll Zärtlichkeit,
Die polnische Denkschrift über Danzig.
Minister Strasburger über Wege und Z eie der polnischen polistl gegenüber Danzig-
Danzig, 13. März. (IU.) Der polnische btplo- matische Vertreter in Danzig, Minister Strasburger, hatte einen Vertreter der „Danziger Zeitung" zu sich gebeten und ihm längere Erklärungen über die von der Telegraphen-Vnion veröffentlichte polnische geheime Denkschrift abgegeben. Strasburger glaubt, die amtliche Erklärung abgeben zu können, dah die Denkschrift weder von ihm, noch von einem feiner jetzigen oder früheren Mitarbeiter, noch auch sonst von einem Beamten des polnischen Ministeriums des Aeuheren stamme. Er gibt aber zu, dah verschiedene Grundgedanken in der Denkschrift den Grundlinien der polnischen Politik Danzig gegenüber entsprechen. Auch verschiedene Ideen der Denkschrift von mehr „untergeordneter Bedeutung" entsprächen dieser Politik, wie z. B. Uebertragung von Konsulats-Ehrenämtern an prominente Führer der Danziger Mirtschast oder Entziehung des postaustrags in Polen für Zeitungen, die gegen die Unantastbarkeit des polnischen Staates gerichtete Artikel veröffentlichen. Andere Gedanken der Denkschrift wiederum, deren Veröffentlichung der polnischen Politik besonders peinlich zu sein scheinen, wie ;. B. das ins Auge gefaßte Tauschgeschäft: Einführung der polnischen Währung gegen Räumung der Westernplatte, den Ersah deutscher Kredite in Danzig durch Geldgewährung seitens der polnischen Banken und ähnliche wirtschaftliche Mittel, streitet Strasburger ab. Lr wiederholt dann die bereits von der polnischen lele- graphen-Agentur ausgesprochenen Verdächtigungen über den Zweck der Veröffentlichung und schlieht: „Echt oder gefälscht, ist die Denkschrift ein neuer Beweis dafür, dah die polnische Regierung bestrebt ist, in Danzig eine Politik zu führen, die auf Achtung der Danziger Rechte und der Danziger Kultur und auf Förderung der Danziger wirtschaft beruht, und dah diese Tatsache von den ärgsten Feinden der polnischen Danziger Verständigungspolitik nunmehr ausdrücklich a n e r f a n n ; worden ist." — Man kann nicht umhin, in den, wenn auch polemischen Erklärungen des polnischen diplomatischen Vertreters in Danzig ein sachliches Eingeständnis dafür zu erblicken, dah die polnische Politik in genauer Befolgung der in der polnischen Denkschrift niedergelegten Richtlinien die wirtschaftliche — und auf diesem Wege auch die politische Eroberung Danzigs bezweckt.
polnische Wirtschaft.
Berlin, 14. März. (Priv.-Tel.) Pilsudski hatte vor einigen Wochen schwere Anklagen gegen frühere Kriegsminister erhoben, denen er vor-
wars, daß sie Staatsgelder für persönliche Zwecke verausgabt hätten. Inzwischen ist nun sein Finanzmini st er zurückgetreten, weil er dem Sejm Rechenschaft über die Ausgaben des Staates ablegen wollte, von Pilsudski aber daran gehindert wurde. Der Rücktritt erregte sensationelles Aussehen, man witterte wieder allerlei dunkle Affären, die verheimlicht werden sollten, die aber doch jetzt herausgekommen sind. Es hat sich herausgestellt, daß diesmal einer der Getreuen Pilsudskis, der Ministerpräsident Bartels, den ihm zur Verfügung stehenden Fonds nicht nur für Wahl- zwecke restlos aufgebraucht, sondern darüber hinaus noch viele Millionen Zloty für Wahlbeeinflussungsversuche zugunsten des Pilsudski-Dlockes aus gegeben hat. Aber nicht genug damit, das Kabinett Bartels hat noch weiter den Etat um viele hundert Millionen Zloty überschritten, waS Pilsudski vertuschen wollte. Jetzt haben seine Gegner wieder guten Grund, gegen ihn zu Felde zu ziehen, hat sich doch herausgestellt, dah auch unter Pilsudskis Herrschaft mit ben Geldmitteln des Staates recht leichtfertig umgesprungen wird und sie ebenso wie unter früheren Regierungen in den Wahldienst einzelner Parteien gestellt werden.
Nie Schlagfertigkeit der polnischen Armee.
Scharfe Kritik General Le RondS.
Berlin, 14. März. Unter dieser Überschrift teilt die Berliner kommunistische „Rote Fahne" mit: Wir sind in der Lage, die Oeffentlichkeit über ein militärisches Geheimdokument zu unterrichten. Es handelt sich um einen Bericht des französischen Generals Le R ond über die polnische Armee, der sich zum Teil auf seine eigenen Beobachtungen stützt, zum Teil aus Informationen jener französischen OkfitziSflr, dir d N pob'lsHen Manövern im Jahre 192t beiwohnte'!. General Le Rond übt an der Schlagfertigkeit der polnischen Armee scharfe Kritik. Er führt in dem Abschnitt „Allgemeines" unter anderem aus: Die polnische Armee in ihrer gegenwärtigen Verfassung ist nicht fähig, in einem Krieg gegen Truppen von der Kraft der russischen oder der deutschen Reichswehr ihren Mann zu stellen, obwohl letztere zahlenmäßig durchaus unterlegen ist. Jede offensive Bewegung, die die polnische Armee auf russischem Gebiet unternehmen wird, könnte mit einer Katastrophe enden.
legen würden, Verhaftete polnischen Stammes freizulassen, ist doch wohl nicht stichhaltig. Denn zwischen Verhaftung und Verhaftung ist doch schließlich noch und gegebenenfalls ein himmelweiter Unterschied. Wäre ein Vorstoß aller Minderheiten noch in letzter Minute auf dem Völkerbundsrat unternommen worden, und hätte sich Deutschland dann an die Spitze stellen können, so wäre wohl auch der Eindruck des Falles Ulitz etwas verwischt worden. Da aber dieser Vorstoß nicht kam, so bleibt nichts als eine Schlappe, die auch nicht durch das allzu deutliche Lavieren der deutschen Delegation ut der Frage der Saarkredite ausgeglichen worden ist. Es ist verständlich, daß unter diesen Umständen die deutsche Delegation nicht gerade mit Sang und Klang von Genf abreift. Sie verschwindet ziemlich unbemerkt, und Dr. Stresemann flüchtete in die schon wärmeren Gefilde der Riviera. Gern denkt er bestimmt nicht an diese Ratstagung zurück, die doch, alles in allem gesehen, auch ihm mehr Enttäuschungen, Enttäuschungen sowohl sachlicher Ratur, als auch in persönlicher Beziehung, denn Befriedigungen brachte. — Der Dölkerbundsrat ist abgereist. Der See steckt wieder fein strahlendes Mädchenlächeln auf.
England alsMndaiarOftasrikas
Mandatsdebatte im Oberhaus.
London, 13. März. (WTD.) 3m Oberhaus brachte Lord L u g a r d den Bericht der Hilton- Voung-Kommission zur Sprache, der für eine engere Verbindung zwischen den bri- tischenDebieten in Ost - und Zentralafrika eintritt. Lord Lugard gab der Ansicht Ausdruck, daß die einzig dauernde Lösung des Problems in Ostafrika die Schaffung einer abgesonderten weißen Riederlassung sei, die schließlich autonom werden könne, während die übrigen Gebiete getrennt nach dem Vorbild des südafrikanischen Protektorats verwaltet werden könnten. 3m Ausland, so fuhr der Redner fort, sei der Verdacht laut geworden, dah in diesen Vorschlägen der heimliche Wunsch verborgen sein könnte, Mandatsgebiete zu annektieren. Wenn diese Frage von der Mandatskommission erörtert werden würde, deren Mitglied er sei, so würden alle ihre Mitglieder sich bemühen, ohne nationale Voreingenommenheit an sie heranzutreten. Die Permanenz des Mandats sei jedenfalls nicht in Frage gestellt
und im Vertrag von Versailles fest- gelegt.
Das Mitglied der Arbeiterpartei, Lord Olivier, betonte, dah die Zeit gekommen sei für eine sorgfältige neue Darlegung der Grundsätze, die bei der Verwaltung des britischen Mandats als Treuhänder befolgt werden sollten. Klare Definitionen seien erforderlich. Soviel er wisse, beabsichtige die Regierung, eine Kommission nach Afrika zu senden, um die Fragen mit der Bevölkerung an Ort und Stelle zu erörtern und ihre Ansichten zu hören. Die Arbeiterpartei könne jedoch unmöglich durch irgendwelche Abmachungen gebunden werden, die von einer solchen Kommission getroffen würden.
Der konservative Lord Eranwern bemerkte, in Tanganhika seien die offiziellen Kreise gegen den Bericht. Die britischen Ansiedler begrüßten ihn, aber die deutsche Bevölkerung befürchte, dah, wenn dieser Bericht je angenommen würde, ihre wenn auch noch so geringen Aussichten, je wieder eine gesonderte Gemeinschaft unter dec deutschen Regierung zu werden, schwinden toürben. — Der Liberale, Lord Duckmaster, erklärte, die drei Gebiete boten ganz verschiedenartige Derwaltungsprobleme. Aber ihre künftige Entwickelung könne sich kaum unabhängig voneinander vollziehen.
Für die Regierung gab Lord Plymouth eine Erklärung ab, in Der es u. a. heiht: Der Bericht enthalte eine ganze Reihe von konstruktiven Anregungen, die insbesondere die Frage eines engeren Zusammenschlusses der drei Gebiete Kenya, Tanganyika und Uganda berührten. Die Regierung habe keine Absicht, irgendeine endgültige Aktion auf die Empfehlungen des Berichts hin zu unternehmen, bevor man Gelegenheit gehabt habe, die Fragen in England ausreichend zu erörtern und die Ansichten der Leute festzustellen, die am nächsten beteiligt seien, nämlich die verschiedenen Gemeinschaf- te n in O ft a f r i ta. Die Regierung prüfe zur Zeit eingehend die Frage, wie die Gemeinschaften in Ostafrika am besten zu Rate gezogen werden konnten. Es sei klar, dah das Ergebnis Derartiger Beratungen nicht innerhalb der Lebensdauer des augenblicklichen Parlaments bekannt werden könne, und er glaube, dah es unter diesen Umstänoen der Regierung verfrüht erscheinen würde, einen gemeinsamen Sonder- ausschuh zu schaffen, wie dies in der Aussprache angeregt worden fei.
Ein echter belgischer Mobil- machungsplan gefunden.
Bei der Sekretärin eines flämischen Aktivistenführers.
Berlin, 14. März. Der „Vorwärts" meldet aus Brüssel: Der Dokumentenfälscher Frank-Heine wurde am Mittwoch von der Staatsanwaltschaft nochmals vernommen. Außerdem wurden ein General und ein Oberst der belgischen Armee verhört. Die Kriminalpolizei schrill kurz nach dem Verhör zu einer Haussuchung in der Wohnung der Sekretärin des flämischen Journalisten Hermans. Sie beschlagnahmte verschiedene Dokumente, darunter einen Mobi l i sierungsplan des belgischen Heeres, der, wie mitgeteilt wird, aus dem dritten Bureau des Generalstabes stammt. Wie und durch wessen Mithilfe dieses geheime Dokument in den Besitz Hermans gelangt ist, bleibt zunächst rätselhaft. Nach einer anderen Blättermeldung sollen die Dokumente, wie von der belgischen Polizei mit- geteill werde, durch Diebstahl aus dem Kriegsmini st erium entfernt und in den Besitz Hermans gekommen sein.
Wie dem „Journal" aus Brüsiel gemeldet wird, sollen tatsächlich bei einer Haussuchung bei einer Sekretärin einer aktivistischen Vereinigung mit Namen Peters in j)enft op den Berg Dokumente, die sich auf die Mobilisation des Eisenbahnmaterials und der Eisenbahner im Kriegsfälle beziehen, entdeckt worden fein. Es handelt sich um offizielle Dokumente, die aus dem Kriegsministerium gestohlen worden [eien, um Pläne mit Kartenskizzen und Angaben über die Materialdepots. Frl. Peters habe bei der Vernehmung erklärt, diese Dokumente seien ihr von dem Journalisten Hermans a n - ue r traut worden.
Oie Reparationskonferenz.
Die Arbeit der Unterausschüsse.
Paris, 13. März. (WTB.) 3n der heutigen DettsiAlng der Reparationskonferenz, an der der aus Berlin zurückgekehrte Reichsbank- präsidcnt Dr. Schacht teilnahm und die eine halbe Stunde dauerte, wurde zunächst ein kurzer schristlicher Bericht des Unterausschusses für Sachlieferungen vorgelegt. Die beiden anderen Unterausschüsse haben ihre Berichte noch nicht fertiggestellt. Lord Revel st o k e hat über die Arbeiten des von ihm geleiteten Unterausschusses, der sich mit Der Frage der Kapitalbeschaffung für die Zentralbank, mit den Beziehungen des 3n- stituts, mit den Rotenbanken und mit der Kreditorganisation beschäftigt, referiert. Sir 3osiah S t a m p ist gewissermaßen Generalberichterstatter für den ganzen Fragenkomplex und hat als solcher die Aufgabe, die Berichte der einzelnen Unterausschüsse zusammenzufassen.
Es wurde in Konlerenzkreisen zu der heutigen Sitzung erflätt, daß die Befürchtungen, dah innerhalb der Zentralbank irgendein Land eine führende Stellung einnehmen könne, grundlos feien. Was die Bemerkungen amerikanischer Blätter betreffe, als ob innerhalb bei Revelftoke-Komitees Meinungsverschiedenheiten über Die Kapitalbeschaffung beständen, so träfen diese nicht zu. Alle Delegierten seien vielmehr der Auffassung, daß die Bank ein sehr großes Kapital besitzen müsse. Für die Beschaffung seien verschiedene Möglichkeiten gegeben, z. B. die Ausgabe von Aktien, aber auch dadurch, daß einzelne Länder oder Privatbankiers Anteile übernehmen. Auch konnten Telle der deutschen Annuität hierfür abgezweigt werden, wobei es sich im Vergleich zu Den anderen Teilen allerdings nut um geringe Beträge handeln könnte.
Schachts Berliner Reife.
Keine neuen Instruktionen.
Berlin, 14. März. (Priv.-Tel.) Den Despre chungen, die Reichsbankpräsident Dr. Schacht gestern in Berlin hatte, kommt, wie die „B. Z. a.M." barlegt, mehr als rein informatorische Bedeutung zu, doch wäre es nach Meinung des Blattes falsch, wenn man sich in Paris der Hoffnung hin» gäbe, daß Berlin zur Akzeptierung der von den Franzosen angemeldeten Forderungen auch nur entfernt bereit wäre. Die Reichsregierung habe von Anfang an den Standpunkt eingenommen, daß in die Substanz der deutschen Wirtschaft nicht eingegriffen werden dürfe und jede Endregelung der Reparationsfrage ihre naturgemäße Grenze an der deutschen Leistungr - fähigkeit finden müsse. „Instruktionen" habe Dr. Schacht jetzt ebensowenig erhalten wie ehedem, zumal da gerade von deutscher Seite ' stets großer Wert auf die Unabhängigteit der Sachverständigen gelegt worden sei. Wohl aber hatte die Fühlungnahme Schachts den Zweck, noch einmal die praktische Seite der Pariser Konferenz zu erörtern.
Etat und Parteien.
Pressestimmen zum Beginn der Etatsberatungen im Reichstag.
Berlin, 13. März. (TU.) Zu den Etatsberatungen im Reichstag, die am Donnerstag beginnen, schreibt der „Vorwärts" u. a.: Mit der Etats- fraae stehe bi e Regierungsfrage im engsten Zusammenhang. Eine Mehrheit sei notwendig. Selbst wenn die zur Zeit im Kabinett vertretenen


