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nmg, btt neue rumänische Regierung möge tn Bes­sarabien nach vorheriger vollständiger Räumung des Landeeteils durch die rumänischen Truppen eine vollkommen freie und unbeeinflußte Volksab- st i m m u n g veranstalten, die über die Frage der Zugehörigkeit des Londes bestimmen soll. Das erwähnte Memorandum zählt sodann die bcs° farabischen Mißstände in allen Einzelheiten auf, er­wähnt besonders die immer schrecklicher werdende Hungersnot und die ungeheure Anzahl der politi­schen Gefangenen, die noch immer nicht trog ollen Zusicherungen amnestiert worden seien. Da die na- tionalzaranistische Partei in der Zeit ihrer oppositio­nellen Tätigkeit die Unholtbarkeit der bessarabischen Zustände anerkannt habe, wird nunmehr der Ministerpräsident aufgesordert, das so oft verkün­dete Programm zu verwirklichen.

Diese Adresse hat in Bukarest große Bestürzung hervorgerusen. Denn die Autonomiebestrebungen Bessarabiens werden immer deutlicher, wobei man natürlich das unbestimmte Gefühl nicht zu über­winden vermag, daß an der ganzen Aktion Ruß­land stark beteiligt ist. Man soll daher den Zeichen und Dingen, die sich jetzt im südofteuropäisck)en Wetterwinkel abspielen, größere Beachtung schen- ken, zumal sich in letzter Zeit auch in der Dobrudscha größere Ruhestörungen ereigneten, die man gewaltsam zu verschweigen sucht. Die Ur- Heber dieser Krawalle waren die in der Dobrudscha kürzlich ansässig gemachten, aus Makedonien ge­flüchteten, sogenannten Mazedo-Rumanen. Diese haben es hauptsächlich auf die eingesessenen bul­garische Bevölkerung abgesehen, gegen die sie gewalttätig vorgehen. Die Bukarester Zeitung Lupta", welche die Unruhen kurz und etwas be­schönigend erwähnt, meint dazu, man müsse den neuen Kolonisten beibringen, daß sie in Rumänien nicht willkürlich schalten und walten können wie es ihnen beliebt. Jetzt Hot die Bukarester Negierung eine ganze Anzahl unsähiger Beamten und Gen­darmen abgesetzt, die an den Unruhen beteiligt waren und, wie sie öffentlich bekanntgibt,einsichts­volle Männer" hingeschickt, welche die Ruhe und Ordnung wieder Herstellen sollen.

DerAdeoerul" hingegen lenkt die Aufmerksam­keit der Regierung auf die ständig wachsende Aus» wanderungsbewegung in der Dobrudscha, wo die mohommedanischeBevölkerung, von gewissen Agenten veranlaßt, zu vielen Tausen- den, oft dörferweise, Haus und Hof verlassen, um in Anatolien eine neue Heimat zu finden. Biele Auswanderer gelangen aus diese Weise ins fürch- ierlichste Elend, zumal sie den Agenten allein für die Beschaffung eines Passes das letzte Geld geben müssen. Bisher sind nicht weniger als 80 000 Mo­hammedaner auf derartige Weise aus der Dobrudscha ausgewandert. An ihre Stelle rücken die Bulgaren, die den Fortgehenden Grund und Boden abtaufen. Die Folge natürlich ist das Anwachsen der bulga­rischen Bevölkerung in der Dobrudscha, die heute bereits sechzig vom Hundert ausmacht. Hunger in Bessarabien, Not und Elend in der Dobrudscha, Auswanderer hier, Auswanderer dort eine jahr- hundertaltc Krisis wird wieder einmal akut!

StaatsmmisterKarl vonGrolman

Am 14. Februar 1929 sind hundert Jahre seit dem Lode des hessischen Staatsministers Karl von Grolman verflossen. Gießen, wo ( er am 23. Juni 1775 als Sohn bes Geh. Ae- ' gierungsrates Adolf Ludwig Grolman geboren war. war mit Ausnahme einer einjährigen Stu­dienzeit in Erlangen von September 1794 bis September 1795 bis zu seiner Lieber iedlung nach Darmstadt der unveränderte Schauplatz seines Lebens: er besuchte hier das Gymnasium und die älniversi.ät, wurde daselbst Ende 1795 nach seiner Promotion Privatdozent, im März 1798 außerordentlicher und im Juli 1830 ordentlicher Professor der Rechte. Reben seinem Freunde Anselm Feuerbach war er der erste StrafrechtS- lehrer seiner Zeit, ebenso wie er eine der Zier­den der Ludoviciana war. Im Dezember 1315 'wurde er Llniversitätskanzler. Seine Berufung in die Kommission zur Ausarbeitung eines neuen bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1816 hatte das Ende seiner akademischen Wirkiamk.it zur Folge. Im Jahre 1819 wurde er als Geheimrat in das Staatsministerium berufen, und im März 1820 wurde er Staatsminister. Die von dem Groß- Herzog Ludewig I. erlassene hessische Derfassun^s- urkunde vom 17. Dezember 1823 ist von ihm

Allerlei Weltgedanken.

Don Professor Dr. Paul Kirchberger.

Die Erde, der Wohnsitz des Menschen, ist im Bergleich zu dem unseren Fernrohren zugäng­lichen Teil der Welt viel, viel kleiner als das kleinste i°Pünktchen im Verhältnis zur Erde. Aehnlich verhält sich der Zeitraum, den die Menschheit mit Bewußtsein durchlebt hat, also im Höchstfälle ein paar Jahrtausende, zu der Zeit, mit der unsere Forschung rechnen muh. wenn sie vom Werden und Vergehen der Welt spricht. Aber trotzdem schweifen die Gedanken des Menschen hinaus in die kaum erschließbare äl-nendlichkeit, und je kühner die Fragen sind, um so mehr reizen sie zum Rachdenken: aber ohne Zuhilfenahme der Einbildungskraft, freilich der wissenschaftlich geschulten, werden wir kaum zu irgendwelchen Ergebnissen gelangen.

Es gibt wohl keine Frage, die unser Rach­denken mehr reizt, als das Entstehen und Ver­gehen, das Leben und Sterben unserer Sonne, von der wir und unsere ganze Erde in so augen­scheinlicher Weise abhängen, und das der sonnen­ähnlichen Fixsterne. Freilich haben sich die Stern­kundigen hierüber eine sich mehr und mehr be­festigende Anschauung gebildet. Sie behaupten, daß alle Sterne und so auch unsere Sonne ihre Laufbahn alsroter Riesenstern", das heißt als ein nur mäßig heißer, an der Oberfläche etwa 8000 Grad warmer, ungeheuer ausgedehnter Gas­ball begonnen habe, dessen Temperatur bei der Zusammenz'ehung zunächst immer weit r angcRie­gen sei, bis sie etwa 25 033, ja 30 070 Grad 6c- Irug, um dann bei immer weiter fortschreitender Zusammenziehung immer weiter zu sinken und so den ersten Zweig der Entwicklung sozusagen rück­wärts zu durchlaufen. So wird ein Stern, der ehemals einroter Riese" war, nunmehr ein roter Zwerg, und verschwindet so aus unserem Gesichtskreis. Es sind sehr wichtige Gründe, die für diese von den Sternkundigen wohl allgemein angenommene Lehre sprechen, vor allem die Tat­sache, daß es unter den roten Sternen wohl Riesen" undZwerge", aber keine ilebergäng: gibt, während diese bei den Sternen mittlerer Entwicklungsstufe, also bei den heißeren, und deshalb gelb oder weiß leuchtenden Sternen vorkommen. Auch hat man bei genauerer ilnter- suchung des von den roten Riesen und Zwergen

gegen gezeichnet. Im Grunde feines Wesens war Grolman Gelehrter, und diesen Charakter ver­leugnete er auch nicht als Minister. Wir werden in einer der nächsten Rummern der ,Heimat im Bild" auf fein Leben und Wirken zurückkornmen.

Prof. Dr. Karl Esselborn.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 14. Februar 1929.

Das Abiturium.

Die höheren Schulen stehen im Zeichen des Abituriums, und auch an unseren Schulen bilden sie gegenwärtig das unerschöpfliche Thema des Tages. Doll ehrfürchtiger Scheu blicken die un­teren Klassen auf die Oberprimaner, von denen man weiß, daß sie in diesen Tagen, streng von­einander geschieden, in ihrem Klassenzimmer sitzen und die Prüfungsarbeiten unfertigen. Man versucht in den Pausen, einen Blick durch das Schlüsselloch zu werfen und möchte in dem Ge­sicht des einen oder andern, der einmal für kurze Zeit die Klasse verläßt, mit hochrotem Kopf und wie geistesabwesend die Treppe hinauf- und hin­untereilt. lesen. Schon sieht man ftaj in Gedanken selbst soweit, und ein heimliches Gruseln läuft einem über den Rücken.

Ja, es ist eine große Sache mit dem Abitu­rium i Aber es ist unrecht, in ihm etwas Schreck­liches, Aufregendes und älncrhörtes sehen zu wollen. Ist es doch nichts anders, als der ganz natürliche Abschluß der Schulzeit! Der Junge har seine 9 Jahre in der Schule zugebracht, und nun soll er in der abschließenden Reifeprüfung zeigen, was er in dieser Zeit gelernt hat und wie weit er reif ist. eine ihm gestellte Aufgabe selbständig zu lösen. So ist das Abiturium eine Krönung der Arbeit des Jugendlichen, ein Fest, mit dem man Abschied nimmt von der Vergangenheit, und das die Bahn öffnet für die Zukunft. Wer im Laufe seiner Schulzeit treu und fleißig arbeitete, der wird mit gutem Gewissen und innerer Ruhe der Prüfung entgegensehen. Jugendfrisch wird er sich dieses Hindernisses freuen, um es spielend zu überwinden. Die Prü­fung wird ihm zur Gelegenheit, seine Kräfte zu zeigen.

Kaum glaublich, daß man trotzdem gelegentlich von Schülerselbstmorden liest, von jungen Leuten, die an dem wichtigsten Punkte ihres seitherigen Lebens kneifen. Es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, daß mancher Jugendliche von heute leicht bereit ist, sein Leben wegzuwerfen, eine Auf­fassung hat, die im troffen Gegen ah zur sozialen Einstellung der Gegenwart steht. Wir schulden unser Leben der Allgemeinheit, und es steht uns nicht zur freien Verfügung. Kants Forderung von der unbedingten Pflichterfüllung mutz das A und O unserer ßebendan" 'auung werden. Der Jugendliche mutz nicht nur I j e a l e haben, et muh auch greifbare Ziele sich setzen. Das erste in seinem Leben ist, die Schule als Hauptsache anzusehen, sie gut zu durchlaufen und das in der Reifeprüfung äußerlich zu zeigen. Und bann ein neues Ziel! Unb so schreite er fort von Ziel zu Ziel durchs ganze Leben hin! Aber auf jedes richte er jedesmal seine ganze Kraft und sein ganzes Selbst­vertrauen.

Zum Licht empor mit klarem Blicks Ein Vorwärts stets, nie ein Zurück! Ein frohes Hassen, kühnes Streben. Und schnelles Handeln auch daneben. Dann hat das Dasein Zweck und Ziel: Wer Großes will, erreicht auch viel.

H. K.

Dorsicht bei dem Erwerb von Gelände für Bauzwecke.

Von der Stadtverwaltung wird uns mrtgeteilt, daß es nicht se.ten vorkomme, daß B a u l u st i g e Gelände erwerben, ohne sich vorher dar­über genau unterrichtet zu haben, ob das Gelände überhaupt, oder in der beabsichtigten Weise be­baut werden kann. In der Regel erfahren die neuen Grundstücksbesitzer erst dann von be­stehenden einschränkenden baupolizeilichen Be­stimmungen. trenn sie ihr Bauvorhaben durch­führen wollen und ein Daugesuch bei der Bau- po.izei einreichen. 2n den meisten Fällen sind schon Vorkehrungen für den Baubeginn getroffen

I unb Aufwendungen gemacht, die bann besonders schwer empfunden weiden, wenn wegen entgegen» stehender Bestimmungen die Bauabsicht nicht in der vorgesehenen Weise durchgeführt werden kann. Man ist bann sehr leicht geneigt, von Schwierigkeiten zu sprechen und die etge.-.e Schuld auf diese aigen städtischen Amtsstellen zu schieben, die pflichtgemäß eine gesetzlich vorgeschriebene Abänderung des vorgesatzten Planes verlangen, ober gar einen ablehnenden Bescheid erteilen. Dabei wird nicht bedacht, datz die für Hessen geltende Allgemeine Bauordnung n-ebst Aus­führungsverordnung den Städten und Daupolizei- behörden Pflichten auferlegt, die beachtet werden müssen. Im städtebaulichen Interesse müssen Bebauungspläne ausgestellt und barHwlizeiliche Bestimmungen erlassen werden. Diese bienen dazu, die Bebauung der einzelnen Daugebiete nach einheitlichen Gesichtspunkten zu regeln, unter ganz besonderer Beachtung des Verkehrs und der gesundheitlichen Vorbedingungen. Die Wichtigkeit bieer Rotwendigkeiten läßt es nicht zu, daß beliebige Ausnahmen gemacht werden. Es wird deshalb jedem Daulusttgen im eigenen Interesse dringend empfohlen, vor dem Kauf von Gelände sich bei der dem städtischen Hoch- bauamt, Asterweg 9, angegliederten Daubera- tungsstelle zu erkundigen, ob und in welcher Weise eine Bebauung des in Aussicht genomme­nen Grundstücks rnög.ich ist. Die Dauberatungs- stelle gibt in allen Fällen der Bauberatung kostenlos Auskunft.

Antennen über den provinzia straßen.

Amtlich wird uns mitgeteilt: Die Benutzung des Luftraumes oberhalb der Pro­vinz i a l st r a ß e n ist von der Genehmigung der Provinzialbirektion als der über b.e Straßen und damit auch über den Luftraum oberhalb dersel e.i ve.fügungsberechliglen Eigentümerin ab­hängig. Soweit für die Antennen Stütz- punkte an zur Provinzial st raße ge­hörigen Bäumen an'earacht werden sollen, erhebt die Provinz nach Beschluß des Pro- vinzialauLschusses eine Benutzungsgebühr für die genehmigte Anlage, die für das erste Jahr 3 Mk., dann jährlich 1 Mk. beträgt. Soweit die Anlage lediglich den Luftraum oberhalb der Provinzial st raße durch­queren soll, ist die Provinzi.ldireskion ebenfalls genötigt, die Benutzung des Luftraumes für die Antenne in jedem Einzelfalle von ihrer Genehmi­gung abhängig zu machen, weil die Möglichkeit besteht, datz durch die Leitung über die Provin­zialstraße (z. D. infolge Reißens der Drähte und Beschädigung von Wegebenutzern und dgl.) Schä­den entstehen, für die die Provinz in Anspruch genommen wird, und weil die Provinz gegenüber solchen Ersatzansprüchen die Gewähr haben mutz, daß sie insoweit von dem Eigentümer der An­tennen schadlos gehalten wird. Uebernimmt der Antragsteller die Verpflichtung, für Schäden, die aus der Anlage der Provinz oder dritten Per­sonen entstehen, der Provinz gegenüber aufzu- fommen, so wird die Genehmigung im Regelfälle ohne jeden Anstand erteilt werden. Die bloße Durchquerung bcS Luftraumes durch die Antenne ist nach Beschluß des Provinzialausschusses ge­bührenfrei. Sämtliche Gesuche um Benutzung der Provinzialstraßen zur Errichtung von Antennen sind bei der Provinzialdirektion Oberhessen, Ab­teilung Tiefbau, Linzureichen.

Schutz den Kartoffülvorräten.

Während bet anbauernben Kälte sinkt ber Frost von Tag zu Tag tiefer in ben Boben, durchbringt Außenwänbe und Zunbamente und läßt bie Temperaturen in Kellern, welche seither als frostsicher galten, unter ben Gefrierpunkt sinken. Das erste und wichtigste, was badurch gcschäbigt wirb, sind bie Vorräte an Speisekar- toffeln. Als Gegenmittel bedeckt man sie in ber Regel mit Decken, Tüchern, alten Getreibesäcken, im Rotfalle auch mit entbehrlichem Bettzeug, aber bieser Schutz ist für längere Zeit nicht wirk­sam. Man wirb beshalb nicht versäumen, alle Kellerfen st er burch Säcke bicht zu versehen, welch« mit Heu, Hobelspänen, Holz­wolle oder sonst einem schlechtem Wärmeleiter gefüllt sind. Alsdann wirb man alle kälteaus- strahlenben, mit Reif bedeckten Wänbe burch Be­nageln mit alten, leeren Säcken. Tüchern Pappe ober großen Pappbogen unschädlich machen. Hier­auf wirb in einem Notofen, ber selbstverständ-

ftammenben Lichtes trotz ber gleichen Temperatur Unterschiebe entdeckt, bie biefe Anschauung durch­aus bestätigen. So ist nicht anzunehmen, daß die Sternkundigen dieses in seiner Art groß­artige Bild vom Werden und Vergehen der Wel­ten sobald verlassen werden.

Aber natürlich sind noch längst nicht alle Fra­gen erledigt, und vielleicht sind es gerade bie wichtigsten unb belangreichsten, bie noch übrig sind. Woher kommen bieroten Riesen", was wird aus ben ..roten Zwergen" ? Woher stammt bie Energie ber Sterne, bie sie jahrmillionen- ober jahrmilliardenlang ununterbrochen Strah­len in ben Weltenraum senden läßt, zuerst bet stets stetgenber Temperatur, nachher bei ganz langsamer, in vielen, vielen Jahrtausenben völlig unmerklicher Abkühlung? Wie haben wir uns überhaupt ben Energieauktausch zwischen Welten­raum unb Fixsternen zu denken? Geht er immer nur in einer Richtung von ben Sternen in ben Weltenraum hinaus, ober gelangt er auch aus bicsem in die Sterne zurück? Besteht ein Zu­sammenhang zwischen bem Werben unb Vergehen ber großen Welten und ber ganz kleinen, die wir Atome nennen?

Alle biefe Fragen werden wohl nur durch Zu­sammenarbeit der Sternkundigen unb ber Phy­siker gefördert werden können, unb so war es autzerorbentlich bankenswert, baß kürzlich einer unserer bebeutenbsten Phtzflk:r unb insbesondere Atomtheoretiker, nämlich Otto Hahn vom Kaiser-Wilhelm-Jnstitut in Berlin-Dahlem, in seinem Festvortrag vor ber Preußischen Akademie der Wissenschaften seine Gedanken hierüber ge­äußert hat.

Hahn geht von der Tatsache aus, daß wir Atome beschießen können, wobei ein Teil von ihnen absvlittern kann, ja, unter Umständen eine Zertrümmerung des Innersten des Atoms, des Atomkerns, eintritt. Er fragt, ob nicht auch der umgekehrte Vorgang, ein Aufbau der Atome ein­treten könne. Diese Aufgabe hat zwar bisher allen unseren Bemühungen getrotzt, auf Erben unb mit ben bescheidenen Mitteln bet physikali­schen Verbuch Kunst lassen sich Atome nicht auf­bauen - man braucht beshalb nicht anzunehmen, daß es überhaupt unmöglich ist. Hahn nimmt an, bah auf ben Sternen fremde Atomtrümmer bis in ben Atomkern vorbringen und in ihm sozusagen steckenbleiben können: wir hätten dann einen sich von selbst vollziehenden Atomaufbau

an Stelle des sonst beobachteten Atomzerfalls. In den so entstehenden hochwertigen Atomen hätten die Sterne eine reiche Energiequelle, die den Ausfall auf lange Zeit hinaus deckt.

Aehnlich steht es nach Hahn mit der Strah­lung: daß Strahlen von den Sternen in den Weltenraum hinausgelangen, sehen wir. Wir brauchen darum nicht anzunehmen, daß ber um­gekehrte Weg unmöglich ist: vielleicht bringt auch auS bem Weltenraum Strahlung in bie Sterne ein, unb feit einigen Jahren haben wir sehr bestimmten (Srunb zu ber Annahme, baß ber ganze Weltenraum von Strahlen burch- flutet ist. Eine ganze Reihe von Forschern, vor allem ber beutsche Phy i'.er Kolhörster, haben nachgewiesen, bah es eine außerordentlich kurz­wellige Strahlung gibt, bie um so stärker wird, zu je größeren Höhen wir aufsteigen, unb bie man als kosmische Strahlung bezeichnen kann. Je kurzwelliger bie Strahlung ist, um so höher­wertig ist ihre Energie im Sinne ber Atom- Physik. Denn Ausstrahlung ist in gewissem Sinne von einer Entwertung, Ausnahme von Strahlen von einer Aufwertung ber Atom­energie begleitet. Die Kolhörstersche Strahlung ist bie bei weitem kurzwelligste, bie wir kennen. Ihre Wellenlänge läßt sich nur durch das große Durchdringung.vermögen der Strafen, das bas ber Dcrtoanbtcn Röntgenstrah'en weit hin'er sich läßt, einigermaßen abschähen. Stellen wir uns vor, daß bie Atome auf ben Fixsternen biefe Strahlen verschlucken, fo könnte man bies als eine gewaltige Ausladung ber in ben Sternen aufgehäustcn Energie auf Kosten ber im Welten­raum verteilten ansehen. Die Energie, bie Sterne in ben Raum hinaus ausstrahlen, kehrt in ewi­gem Kreislauf zu ihnen zurück, lieber bie Her­kunft ber kurzwelligen Raumstrahlung hat vor einiger Zeit A. v. A n t h r o p o f f, Professor ber Physik an ber llnlver.ität Bonn, bie Ver­mutung geäußert, baß sie ber Vereinigung eines Elektrons, ber negativ elektrischen llrcinhcit, mit einem Proton, wie man neuerdings oft sagt, das heißt ber positiv elektrischen Einheit, zu bauten sei. Bel einer solchen llrpaarung muß allerbings eine große Menge von Energie frei werden, und das wäre eben die der Kol- hörsterschen Strahlen. Professor v. Anthryposf hat aus seiner Annahme noch eine große Zahl anderer bekannter Tatsachen in Zusammenhang gebracht. Allerdings ist sehr zweifelhaft, ob eine

lich Verbindung mit dem Schornstein hoben muJ» stänbig ein schwaches Feuer unterhalten, nach­dem zuvor alte leicht brennbaren Stoffe aus bet Umgebung bes Ofens entfernt worben sind. Wo ber Eingang zum Keller im Freien liegt, werde« noch besondere Maßregeln gegen bas Einfrieren notwendig sein. Am besten ist in solchen Fällen immer eine größere Menge Stroh als Material. Daß in jeden Keller ein Thermometer gehört, ist selbstverstänblich.

Kartoffeln, welche bereits etwas Frost bekom­men haben, bringt man nicht unvermittelt in einen warmen Raum, sondern läßt sie ganz all­mählich auftaucn. Kleinere Mengen schüttet man im Keller selbst in recht kaltes Wasser und ent­fernt bas sich habet bilbenbe Eis. Dann läßt man sie abtroefnen. Solch:, bie nach bem Aus- tauen weich geworden sind, gelten als verloren.

Bei ben großen Verlusten an Kartoffeln burch bie außergewöhnliche Kälte, besonders auch in ber Landwirtschaft, ist leicht mit Kartoffelknapp­heit zu rechnen. Die Erhaltung aller Vorräte, auch ber kleinen unb kleinsten, liegt deshalb int Interesse ber QUIgemeinßciL

Verband

Oberhessischer Geflüqelzuchivereine.

Am Sonntag fand im Eisenbahnhoiel Hopfeld in Gießen b.e diesjährige Hauptverf ainm- lung des Verbandes Oberhessischer Geflügelzuchtvereine statt. Der Vor­sitzende. I. Kolter, Dad-Rauheim, leitete die Verhandlungen. Er bankte in seiner Begrüßungs­ansprache aJen, besonders Herrn Philipp, a s Vert.e er der Landwirtschastslammer, Heren V e i t h, als Vorsitzender des Landesverbandes Hessischer Geflügelzüchter. Herrn Dr. Wetzel, a.8 Vert e.er des U .ivers.tätL-Licr uchtinsti.utS Gießen für ihr Erscheinen. Zwei bewährte Vete­ranen deeGeflügel ucht.dieHerren Schwan, ©la­ßen, und Brom, Darmstadt, die im abgelaufenen Vereins ahr ihren 73. Geburtstag in voller Rü­stigkeit feiern tonnten, beglückwünschte der Vor­sitzende in herzlichen Worten. Den Leitern bet Verbandsschcu Obe hessischer Gef.ügelzuchtverrine. die a.s Jub.läumsschau des Kreisgeflügelzucht­vereins Alfeld in der Festhalle daselbst vour 9. bis 11. Rovernder 1923 stattfand, wurde vom Vorsitzenden der Dank des Verbandes auSge- spochen. Lobend hervorgehoben wurde die rasch; Zurücksendung der Ausstellungstiere, die alle Sonntagnacht verpackt unb Montag wieder in ben Händen ihrer Besitzer waren, und die rasche unb glatte Auszahlung ber Preisgelder. Auf jedes achte Tier kam ein Ehrenpreis. Allem Stiftern von Ehrenpreisen wurde geda.ckt. besonders der Hessischen Landwirtschastsiammer für ihre tat­kräftige Unterstützung hier und bei der Landes- ausfte.lung in Offenbach.

Die nächste Landesausstellung findet vom 15. bis 17. Rovember 1929 in WormS statt. Die Verbandsscha u erhält Schot- ten vom 6. bis 8. Dezember 1929. die als Jubel­schau des dortigen Vereins geplant ist. Die l.Dezirlsschau erhält Butzbach, die 2. Selters ober Dauernheim. Allen Züch­tern wirb vollständige Anlegung der Bundesringe an bie Jungt ere empfohlen, welche dann auf Ausstellungen versichert find.

Der D. D. G. stiftet auch für Lokalschauen Dundesehrenpreise. Der Vorsitzende re­dete auch der Jugendpropaganda das Wort unb hat in Bad-Rauhe im schone Erfolge einer Ju­gendgruppe zu verzeichnen. Die Lugend ist durch Stt tung von Druteiern, Zuchttieren. Lektüre und weitgehendste Anerkennung auf Ausstellungen für diesen in jeder Hinsicht nutzbringenden Sport für ein jugendliches Gemüt zu begeistern. Sem älniversitäts-Tierzuchtinstitut Gießen dankte der Derbandsvorsitzende. baß es sich der Mühe unter­zogen hat, ein Wettlegen auf dem Hardthof zu veranstatten und so ber AufgabeErhöhung der Leistung burch Auswahl ber Rassen" zu dienen.

Für bie Verwertung der Frischeier beantragte Herr Jäger eine Organisation. Reu ausgenommen wurden die Geslügelzuchtvere.:« Hat.enrob, Wisselsheim, Rieder-Ohmen. Schwal­heim und Holzhau'en. D.e Prüfung der Rech­nung ergab einen äleberschuß von 95.29 Mk.: bet Södlersonds wuchs dadurch auf 431.74 Mk. Dem Verbands.echner. Reinhardt, Schlitz, wurde der Dank ber Versammlung ausgesprochen. Auf Antrag von Schlitz wird Oberhefsen demnächst in

solche Eheschließung zwischen Elektron unb Pro­ton burch eine Art Ehescheidung wieder ausge­hoben werden könnte und so wäre daS, was vielen als bas Wichtigste erscheinen wirb, näm­lich bie Gewähr für ben ewigen Bestand bet Welt, für ben sich ständig wiederholenden Kreis­lauf durch diesen Gedanken Anthropoffs in Frage gestellt.

Mir fällt bie alte Sage vom Mönch von Heisterberg ein. ber über Raum und Zeit nach- bachte und darüber sein ganzes Leben oer.äumte. Das will ich nicht, unb ber Leser wirb es auch nicht wollen, unb darum sei es für heute genug, ----------- j

Welche Kälte erträgt der Mensch?

Zu bem in Rr. 33 desGieß. Anz." vvnr 12. Februar erschienenen kleinen ArtikelOBeUM Kälte erträgt ein Mensch?" erhalten wir die folgende, auf persönlicher Erfahrung beruhende Ergänzung aus unserem Leserkreise:

Im starken Winter 1916/17 war ich in ntfftfcfjer Gefangenschaft in Kansk (Gouvernement Irkutsk). Im Januar 1917 stieg bie Kälte von 33 Grad etwa 10 Tage hintereinander auf 43 Grad unb erhöhte sich dann an mehreren Tagen aus über 50 Grad Celsius. Das Quecksilber unseres im La­ger befindlichen Thermometers, welcher bis zu 53 Grad anzeigte, war ganz.ich in bet Kugel verschwunden. 2n ber Stadt selbst wurde 63 Grad Celsius gemessen. Ein Kommando ter Kriegsgefangenen mußte an diesem Tage die Brotrationen aus der Stadt holen. Hierzu wur..e ich auch kommandiert. Das Kommando hatte einen Weg von etwa breiviertel Stunden zu­rückzulegen. Der Marsch hin unb her erfolgte im Laufschritt, benn bie Kälte war berariig stark, baß es an ben Ohren fror, trotzdem ich zwei ge­strickte Kopsschoner und eine dicke Schneehaube aufhatte, so baß nur bie Augen hervorschauten. Verschiedene Leute, die weniger gut geschützt waren, singen laut an zu schreien vor Kälte und Schmerzen. Jedoch kamen wir alle glücklich zu­rück. Die mitgebrachten Brote waren steinhart gefroren. Der Hunger war jedoch so stark, baß die Brote sosoW mit einer Säg: in einzelne Por­tionen zerschnitten wurden, da baS Messer nickt durch bad Brot ging. Das gefrorene Brot wurde langsam aufgetaut und feucht unb kalt, tote eS war, verschlungen. Magen- und Darmkrankhcite» waren natürlich die Folge davon. H.G.