Llnterstaatssekretariats betraute Abgeordnete, Ricci, ist einer der volkstümlichsten und nächsten Mitarbeiter Mussolinis und war bisher Präsident der Ballila des faschistischen Iugend- bundes.
Oie Geeabrüstung.
Die britisch-amerikanischen Verhandlungen über die Kreuzerfrage.
R e u h o r k. 19. Sept. (Reuter.) Die letzten britischen Dorschläge zur Regelung der Kreuzerfrage, die der amerikanischen Regierung gemacht worden sind, sollen dahin gehen, daß Grotzbritan- n i en über 50 Kreuzer mit insgesamt 340000To. versügen soll, wobei sich unter diesen Schiffen 15 Kreuzer von je 10 000 To. befinden würden. Den bereinigten Staaten würde das Recht eingeräumt, über 18 Kreuzer zu je 10 000 To. zu verfügen und den Llnterschied der Flottenstärken durch den Dau kleinerer Kreuzer auszugleichen. Der Washingtoner Vertreter des Reuterschen Bureaus erfährt von zuverlässiger Seite, daß der britische Vorschlag, die Gesamttonnage der britischen Kreuzerflotte auf 340 000 To. zu bemessen, nicht vollkommen abgelehnt worden sei, es sei aber ein Kompromißvorschlag gemacht worden. Es handele sich um die Frage, wie man den Llnterschied zwischen diesen 340 000 To. und den 305 000 To., auf welche Präsident Hoover das amerikanische Kreuzevprogramm beschränken möchte, ausgleichen könne. Man glaube, daß diese Schwierigkeit sich dadurch überwinden lasse, daß die Vereinigten Staaten eine größere Anzahl 10 000-To. - Kreuzer erhalte und daß die gesamte amerikanische Kreuzerflotte durch ^leberlegenheit der Geschütze ihre Llnterlegenheit an Tonnengehalt ausgleicht. Keine deutschen Theateraufführungen
in Kattowitz.
B e u t h e n , 12. Sept. (WB.) Wie wir erfahren, sind die bereits seit langem schwebenden Verhandlungen zwischen der deutschen Theatergemeinde in Kattowitz und dem Verband polnischer Theaterfreunde über die Genehmigung deutscher Theateraufführungen in Kattowitz heute endgültig gescheitert. Das Scheitern der Verhandlungen ist darauf zurückzuführen, daß sich die Direktion des polnischen Staatstheaters geweigert hat, für die deutsche Theatergemeinde den notwendigen Verwaltungsraum zur Verfügung zu stellen, den diese seit 1922 ununterbrochen im Kattowitzer Stadttheater innehatte. Die Entscheidung liegt nunmehr beim Präsidenten der Gemischten Kommission, C a l o n d e r.
Deutscher Anwalttag in Hamburg.
Der in Hamburg abgehaltene 24. Deutsche Anwalttag gedachte in einem Festakt in der Musikhalle des 50jährigen Bestehens der Reichsjustizverwaltung. Außer den Teilnehmern an der Tagung waren zahlreiche Ehrengäste erschienen, u. a. der Reichsjustiz- m i n i st e r, der preußische Iustizminister, Vertreter der Landesjustizbehörden, Mitglieder des Reichstags, Vertreter der Hamburger Regierung usw. Der Präsident des Deutschen Anwaltsvereins, Justizrat Dr. Martin Drucker, Leipzig, hieß die Gäste willkommen. Reichsjustiz- minisler v. G u 6 r a r d brachte die Grüße der Reichsregierung, der Reichsjustizverwaltung und der Landesjustizbehörden. Für den Hamburger Senat sprach Senator Dr. Röldeke, für die Universität Hamburg Prof. Dr. Laun, ferner u. a. Dr. E ck st e i n, das einzige deutsche Mitglied des Prager Stadtrats. Auf die lange Reihe der Begrüßungsansprachen erwiderte Geheimer Justizrat Dr. Heilberg, Breslau. Hierauf folgte die Festrede von Professor Dr. Walter Fischer, Hamburg, der das Thema: „50 Jahre deutsche Justiz" behandelte. Rach- mittags sprach im früheren Zirkus Dusch der bekannte Berliner Anwalt Dr. Alsberg über „Die Philosophie der Verteidigung." Das bisherige Programm der Tagung brachte am Dienstag einen Senatsempfang im Rathaus und am Mittwoch eine Sitzung der Abgeordnetenversammlung, die sich zu einer eindringlichen Kundgebung für die Fachanwaltschaft gestaltete.
Keine Mumnng vor Annahme des Noung-plans.
Wie Briand das Haager Räumungsabkommen in Paris auslegt.
Paris. 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) gestrigen Ministerrat. der unter Vorsitz Doumergues in Rambouillet tagte, soll Briand, wie der „Lr- celsior" erfahren haben will, in der Frage der Rheinlandräumung die Versicherung wiederholt haben, daß entsprechend dem Geiste und den Buchstaben des im Haag unterzeichneten Protokolls, der für das Ende der Besetzung dec dritten Zone des Rheinlandes festgesetzte Termin bis 30. Juni 1930 rein militärische Bedeutung habe und die vorherige (Erfüllung der drei folgenden Bedingungen erfordere, von denen die Räumung des Rheinlandes abhängig bleibe: 1. Annahme der Gesetze, durch die Rechtsverhältnisse der Reichsbank, der verpsändeien Einnahmen und der Reichsbank mit dem Zoung- plan in Einklang gebracht werden, durch den Reichstag. 2. Schaffung, Organisierung und tatsächliches Arbeiten der internationalen Zahlungsbank. 3. Ausgabe einer ersten erheblichen Tranche deutscher Obligationen durch die jnternationale Bank, deren Wert und Tilgung durch den ungeschützten Teil der deutschen Annuitäten garantiert werden muß.
Frankreich und England.
Macdonald über den neuen Kurs.
Paris, 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der Chefredakteur des „Petit Parisien" hatte mit dem Premierminister Macdonald am Tage seiner Abreise aus Genf eine Unterredung über die Einstellung Englands zu Frankreich. Auf den Hinweis, daß man in Frankreich auf Grund verschiedener Wahlkundgebungen und Parlamentsreden, sowie vor allem auf Grund der Vorkommnisse zu Beginn der Haager Konferenz den Eindruck habe, die Arbeiterpartei sei dank einer
gegen Frankreich gerichteten Einstellung zur Macht gelangt, erklärte Macdonald: „Vein, niemals gegen Frankreich! Unsere Politik gegenüber Frankreich ist eine Politik wirklicher enger Zusammenarbeit. Die von Ihnen erwähnten Kundgebungen entsprachen der in England auch in konservativen Kreisen weit verbreiteten Anschauung, daß die Politik des Britischen Reiches gegenüber Frankreich eine Unterordnung dar st eile und dah sie einer unabhängigen Stellung Englands Platz machen müsse. Die Ueberzeugung, die britische Politik befinde sich im Schlepptau Frankreichs, war so stark, dah die Reaktion hiergegen äußerst bedenklich hätte werden können. Eine Aenderung der Methode und der praktischen Stellungnahme war erforderlich, um Großbritannien mit dem Bewußtsein zu erfüllen, daß seine Zusammenarbeit mit Frankreich freiwillig sei." Durch seinen Ausspruch: „Keine Alliancen, keine Entente mehr, das ist eine überholte Einstellung", habe er kategorisch feststellen wollen, daß die Haltung der jetzigen Regierung von derjenigen der früheren verschieden sei. Die Vorkriegsalliance sei gegen andere gerichtet gewesen. Run sei es aber ein politischer Grundsatz der Arbeiterpartei, dah die Freundschaft von Volk zu Volk keine Spitze gegen irgendein anderes haben darf, entsprechend dem Geist der Rachkriegszeit. Daher müsse auch die Ausdrucksweise den neuen Zeiten und den neuen Ideen angepaßt werden. Das sei der Sinn seiner Worte „überholte Einstellung". Diese Worte rrch- tfeten sich gegen ein überholtes Wort. Er dachte dabei nicht im geringsten an einen Bruch der Freundschaft mit Frankreich. Die Zusammenarbeit mit Frankreich wird keinem Bruch ausgesetzt sein, weil die dieser Zusammenarbeit zugrunde liegenden politischen Ziele die gleichen sind.
Das Volksbegehren gegen Kriegsschuldlüge und 8oung-plan.
Oie Begründung des Volksbegehrens.
Berlin, 12. Sept. (TU.) Der Reichsausschuh für das deutsche Volksbegehren gibt zu dein Gesetzentwurf eine Begründung, die gleichzeitig mit dem Entwurf dem Reichsministerium des Innern eingereicht werden wird. Die Begründung zu den einzelnen Paragraphen hat folgenden Wortlaut:
Begründung zu § 1: Der Gesetzentwurf verlangt den Widerruf des Kriegsschuldanerkenntnisses und enthält Bestimmungen, die durch den sogenannten Voung- plan als letzte Auswirkung des Anerkenntnisses der deutschen Kriegsschuld notwendig geworden sind. Der § 1 soll auf deutscher Seite die Voraussetzung für ein erfolgreiches Vorgehen in dieser Richtung schaffen, während in § 2, Abs. 1 der Reichsregierung die Verpflichtung auferlegt wird, auf die förmliche Beseitigung der Kriegsschuldlüge aus dem geltenden internationalen Recht hinzuwirken. Durch § 1 soll also zunächst die deutsche Aqf- fassung dieser Frage festgclegt und den auswärtigen Mächten in feierlicher Form mitgeteilt werden. Es ist zweckmäßig, dies von vornherein klarzustellen, da fich sonst nach früheren Erfahrungen an diesen Punkt gegenstandslose Erörterungen anschliehen können.
Begründung zu § 2: Der vorliegende Gesetzentwurf, insbesondere auch seine § 2 und 3 stellen keine Aenderung der geltenden Verfassung, noch auch die Außerkraftsetzung einer geltenden Gesetzesbestimmung dar. Der Gesetzentwurf enthält keine Eingriffe in das Haushaltsgesctz und ist kein Abgabengesetz. Er knüpft bewußt an das Gesetz über die Londoner
Konferenz vom 30. August 1924, und zwar an dessen § 3a an und erweitert die darin der Reichsregierung gestellten Aufgaben, ohne Außerkraftsetzung der Bestimmungen dieses § 3a. Das Gesetz vom 30. August hat seinerzeit die Zustimmung des Reichstages gefunden und ist von dem damaligen Reichspräsidenten verkündet worden, sinter besetzten Gebieten wird auch das Saargebiet mit einbegriffen.
Begründung zu § 3: Die Bestimmung des § 3, Abs. 1, ist in ihrer Wirkung davon abhängig, ob und in welchem Sinne in den bezüglichen Verträgen auf Artikel 231 des Versailler Vertrages Bezug genommen wird. Der Abs. 2 des 8 3 hat lediglich die Bedeutung einer bei- spielsmätzigen Auslegungsvorschrift. Die Absicht der Antragsteller geht dahin, daß über den vorliegenden Gesetzentwurf der Volksentscheid stattfindet, bevor die Ergebnisse der Pariser Sachverstänbigentagung der Beschlußfassung des Reichstages unterliegen. Sollte die Reichsregierung umgekehrt verfahren, so daß ein Reichsgeseh über den Pariser Tributplan sowie darauf bezügliche internationale Verträge in Kraft treten, bevor der Volksentscheid stattgefunden hat und verkündet ist, so würde dies die Vereitlung eines wirksamen Volksentscheides über den Tributplan bedeuten, denn die Auslegungsvorschrift des § 3, Abs. 2, und die Straf- Vorschrift des § 4. würde, da beide erst mit der Verkündung des Volksentscheides in Kraft treten und rückwirkende Kraft besitzen, alsdann für diesen Einzelfall unbeschadet ihrer Bedeutung für etwaige künftige Fälle durch bas Vorgehen der Reichsregierung ihrer praktischen Betz-eutung beraubt werden.
Begründung zu § 4: Auch diese Bestimmung hebt in keiner Richtung bestehendes Recht auf, sondern sichert lediglich den Zweck des Ge
setzes, indem sie die Richtbesokgung der Dorfchrfffi des § 3, Abs. 1, unter Strafe stellt und an* ordnet, daß dieser Fall der - gleichen Strafe unterliegen soll wie der Tatbestand des § 92 Rr. 3 St.G.D.
Zur § 5 ist nichts zu bemerken.
Oie Zulassung
-es Volksbegehrens.
Bedenken gegen § 4.
Berlin, 13. Sept. (Priv.-Tel.) Wie dle D. A. Z. erfährt, wird Reichsinnenminister 6 e * bering das von dem Hugenbergschen Reichsausschutz eingereichte „Volksbegehren gegen die Versklavung Deutschlands für zulässig erklären. Erst nach der offiziellen Einreichung des Volksbegehrens, die in etwa zehn Tagen erfolgen soll, wird die Frage entschieden werden, ob das Volksbegehren verfassungsändernd ist oder nicht. Die Prüfung tzes Volksbegehrens wird sich namentlich auf § 4 des Gesetzentwurfes erstrecken, der die Grundlage dafür schaffen will, dah Mitglieder desReichs- kabinetts vor den Staatsgerichtshof gestellt werden können, wenn sie künftig Tributvert rage unterzeichnen. Laut D. A. Z. hat das Präsidium des Reichs-
Oie Wetterlage.
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Donnerstaa; d. 12.5ept. 19297" abds
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O wolkenlos. 0 neuer. o nalb oedeact.» wolkig. H oedeckt •Iteglt^ ¥ Sehnet a Graupeln, b Nebel K Gewitier.(§ywindsiilie.O^ sehr «unter Ost jS massiger Südsüdwest. 15 stürmischer Nordwesk oie Pfeile fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen stenenden Zaf» len geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen^ •uf Meeresniveau umoertchneten Luftdruck
Wettervoraussage.
Der Ausläufer der Jslandstörung hat beim Aufgleiten feiner Warmluft neben stärkerer Bewölkung auch zu Niederschlägen geführt. Dabei haben sich die starken Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht bereits ausgeglichen. Sein Einfluß wird durch den Zustrom etwas kühlerer Luftmassen zunächst noch zu Bewölkung führen, w?nn auch die Wolkendecke wieder aufreißt und Aufheiterung eintritt. Ferner wird dabei die Neigung zu gewitterartigen Niederschlägen vorerst bestehen.
Wettervoraussage für Samstag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, leichte Abkühlung. zunächst noch Reigung zu Riederschlägen gewitterhafter Art.
Wettervoraussage für Sonntag: Wolkig mit Aufheiterung, für die Jahreszeit warm, meist trocken.
Lufttemperaturen am 12. September: mittags 25,8 Grad Celsius, abends 17,4 Grad: am 13. September: morgens 16 Grad. Maximum 26,3 Grad, Minimum 15,2 Grad.
Die Perlenkette.
Von Frank F. Braun.
Jens Jensen stand vor dem Juwelengeschäft von Schüller & Bock und sah sich die Fensterauslage an. Es geschah ohne bestimmte Absicht. Vielleicht wartete er aber doch auf den Zufall, denn er betrachtete dabei aufmerksam die Vorübergehenden.
Als dieser Amerikaner mit dem großkarierten» Anzug und der jungen Frau am Arm vor dem Laden stehen blieb, sah Jens Jensen nicht hin. Er verstand aber genug Englisch; auch wenn die hübsche Frau nicht mit ausgestrecktem Finger auf die Perlenkette in der Mitte der Auslage gedeutet hätte, würde er gewußt haben, daß es um diese Kette ging.
„Bitte, Harry", sagte sie, „kaufe mir die Perlen. Du hast es mir versprochen; ich will dann auch weiter kein Andenken an Europa."
Der grohkarierte Amerikaner nickte. „Ja, Liebling", sagte er. „Du sollst sie haben. Aber ich trage nicht — wieviel? — 12 500 Mark bei mir in der Tasä>e. Ich werde im Hotel Geld nehmen und dann die Kette holen."
Das junge Paar entfernte sich. Jens Jensen stand nachdenklich. Er schaute die Perlenkette an. 12 500.— wies das Preisschild; ein schönes Stück Geld. Dann sah er dem Paar nach... Und plötzlich fiel die Idee in ihn hinein, daß er beinahe erschrak. Er erblaßte vor Freude ober vor Erregung. Augenblicks lief er den beiden Verliebten aus Amerika nach. Sie blieben immer vor ihm. Ahnungslos erleichterten sie ihm die Verfolgung. Der Uniformierte vor dem Hotel Europa riß ihnen die Tür auf. Sie traten ein und verschwanden im Hintergrund der Halle. Jens Jensen tippte an seinen Hut. „War das Herr Livingston?" fragte er den Türhüter. Der hob den Kopf, sah den gutgekleideten Herrn und gab bereit« willigst Auskunft: „Der Herr, den Sie nannten, wohnt nicht bei uns. Dies eben war Herr und Frau Parker aus St. Louis."
„Ah, sieh an, der Harry Parker aus St. Louis", sagte Jens Jensen und entfernte sich gemächlich.
Aber schon an der Ecke wechselte er das Tempo und sauste im Eilschritt den Weg zurück und betrat den Laden von Schüller & Bock. Er verlangte Herrn Schüller; der kam und Jens Jensen nahm ihn beiseite. „Herr Schüller", sagte er, „ich bin dec Sekre
tär des Herrn Harry Parker aus St. Louis; nebenbei bin ich auch noch sein Arzt. Ich bin gekommen Sie zu warnen. Es ist da leider" — und er zog die Achseln ein wenig an und hüstelte — „eine gewisse Peinlichkeit, ehem — der junge Herr Parker leidet an Kleptomanie."
„Ich kenne den Herrn Parker nicht!"
„Gewiß nicht; es laufen viele amerikanische Millionäre in Europa herum; aber Sie werden ihn kennen lernen; er wird kommen und eine Perlenkette kaufen wollen. Wahrscheinlich jene im Fenster zu 12 500 Mark, die er von der Straße aus gesehen hat. Dann geben Sie gut Obacht, daß nichts von Ihren Sachen verschwindet. Fühlt der Herr Parker sich beobachtet, beherrscht er sich übrigens meist."
„Wird der Herr Parker die Sachen, die er eventuell kauft, bezahlen?"
„Selbstverständlich. Sie können sich übrigens im Hotel Europa erkundigen."
Der Juwelier wehrte ab. „Wenn bar bezahlt wird", sagte er.
Jens Jensen nickte. „Nun kommt die eigentliche Schwierigkeit", sprach er. „Ich bin gekommen Sie zu ersuchen dem Herrn Parker nicht die echte Kette auszuhändigen. Herr Parker hat für die Perlen gar keine Verwendung. Er wird es, wie letzthin in Paris machen, wo er eine noch wertvollere Kette erstand, und die Perlen einzeln auf der Straße an Kinder verteilte."
„Ja, aber dann halten Sie doch diesen kranken Mann von dem Kauf zurück!"
„Das läßt sich nicht machen", sagte Jensen betrübt. „Die Parkers sind so reich, der Vater wünscht, daß dem Sohn alle Begehren erfüllt werden. Nur, Sie verstehen, wo es sich einrichten läßt, wie in diesem Falle, kann man ja unnütze Verluste vermeiden. Verkaufen Sie dem Herrn Parker eine erstklassige Imitation zum Preise einer echten Kette. Lassen Sie sich die vollen 12 500 Mark zahlen, bann wirb er nichts merken. Es ist ja zudem belanglos, ob er echte oder falsche Perlen auf die Straße wirft."
„Wir haben ganz vorzügliche Imitationen; allerdings ist so eine Kette auch nicht unter einigen hundert Mark zu haben, Herr Doktor..."
„Das tut nichts", sagte Jens Jensen, „Sie sollen zu Ihrem Verdienst kommen; eine Gefälligkeit ist die andere wert." Er ging zur Tür. „Ich komme dann tnra nach dem Besuch des Herrn Parker und bitte
Sie das Geld für mich gegen Quittung bereitzuhalten. Die Imitation, die Sie Herrn Parker liefern, zahlen wir selbstverständlich." In der Tür wandte er sich abermals um. „Noch eins, Herr Schüller, vielleicht tauschen Sie die Kette im Fenster gleich um. ich meine, Sie legen die Imitation hin und zeichnen Sie mit 12 500 Mark aus; es ist ja höchstens für eine halbe Stunde. Ich werde dafür sorgen, daß der bedauernswerte Parker sich gleich zu Ihnen begibt."
Jens Jensen kam nicht halb bis zum Hotel Europa, da begegnete ihm schon Harry Parker. Er folgte dem Amerikaner nicht. Wozu, es war ja alles in Ordnung. Er trat in die nächste Bar und ließ sich einen Cock-kail geben. Durch das Fenster beobachtete er die Straße. Es dauerte nicht lange und Herr Parker kam zurück. Er hielt ein Päckchen in der Hand und schien vergnügt. Jens Jensen zahlte und entfernte sich. Sein Herz klopfte kaum stärker. Er war solche Situationen gewohnt geworden. „Nun, Herr Schüller?"
„Alles in Ordnung, Herr Doktor, die Differenz macht 12 275 Mark. Wollen Sie mir den Erhalt für alle Fälle bestätigen."
Jens Jensen schrieb einen schönen Namen. „Eine teure Nachahmung", meinte er, „225 Mark für eine Kette aus falschen Perlen..." . u
„Sie sagten, es solle eine gute Imitation sein...
Jens Jensen nahm das Geld. „Gewiß," räumte er ein, „schließlich ist der Mann imstande, die Perlen auch einmal seiner Frau zu schenken, die braucht dann ja nie zu erfahren, daß es sich um Nachahmungen handelt."
Der Juwelier lachte. Er meinte, em wenig vertraulich werden zu dürfen. „Wissen Sie', sagte er, , in den Kreisen kommt sowieso niemand auf den Gedanken, daß eine solche Frau falsche Perlen trägt."
Nichtig", sagte Jens Jensen, „genau das dachte ich' auch", und er grüßte freundlich und zog die Tür zu.
Hochschulnachrichten.
Der Ordinarius Dr. Wolfgang Schadewalbt von der Universität Königsberg ist zum ordent- lichen Professor für klassische Philologie in Freiburg i. D. als Nachfolger von Rudolf Pfeiffer ernannt worden.
Steinrück.
Von Alexander Aaba.
Das war im Iahre des TInheils 1923 — die Inflation auf dem Höhepunkt, Deutschland durchzogen und umsäumt von Rullenreihen.
Steinrück, Held des Münchener Rationaltheaters, sah in der „Drennessel" zu Schwabing, einsam mit dem Maler Pauder, und sie tranfen Frankenwein.
Rach der sechsten Flasche hatten sie einander nichts mehr zu sagen. Schlug Pauder vor: „Weißt du was? Spielen wir Ccartö."
„Wie macht man das?"
„O, es ist ganz einfach." — Uni) Pauder erklärte es. , r,_
Sie spielten. — Als hätte Fortuna selbst als hätten Gott Merkur und der Teufel dem Reo- phyten Steinrück beigestanden: er gewann; gewann Schlag auf Schlag, Strähne aus Strähne — gewann in einem Spiel, das er eben erst, vor einer Stunde, erlernt hatte.
Leyte sammelten sich — Droschkenkutscher, Maler, Chauffeure, Dichter, Schuster, Gelehrte, Portiers — all die abendlichen Gäste der..Brennnessel" sammelten sich zu Trauben und Klumpen staunend, fiebernd um den Tisch, wo Steinrück und Pauder spielten — um Millionen — Milliarden — endlich um Summen, die man nicht mehr denken und sprechen kann. Längst waren Pauders Geldnoten erschöpft — er schrieb Bons aus. Aus Steinrücks Stirn brach der Schweiß; Pauders Augen traten aus den Höhlen.
„Ich kaufe mir ein Haus," murmelte Steinrück. „Ich werde ein Auto haben — ich reise nach Italien."
---Dann schloß man die Partie. Steinrück saß mit hundert Zettelchen vor sich. Pauder ihm gegenüber, zernichtet, armgeplündert.
„Freund," sagte Pauder, „was ich da an dich verloren habe, werde ich nie, nie ab tragen fonnen — und wenn ich mein ganzes Leben arbeite."
---Lange Pause.
„Ordnen wir es also auf der Stelle, lieber Steinrück: wenn du einverstanden bist, bezahle ich die sechs Flaschen, die wir getarnten haben, und wir sind quitt.“
.Gut," fagte Steinrück nach einer neuen, langen Pause.


