Ausgabe 
13.9.1929
 
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Stuttgarter Verbandstag der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen.

Der vierte Derbandstag des Zentralverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinter­bliebener E. V. fand dieser Tage in Stuttgart statt. Nach einem harmonisch verlaufenen Be- grüstungsabend in dem mit Fahnen und Pflanzen geschmückten Kuppelsaal des Staatlichen Kunst­gebäudes sprach in der Hauptversammlung im Beisein des württembergischen Staatspräsidenten Dr. Bolz und des Ministerialrats Grieß- m e h e r vom Reichsarbeitsministerium der zweite Derbandsvorsihende Wuttke überVolk, Reich und Kriegsopfer". Der Zentralverband habe die Pflicht, vom Staate und vom Volke das Höchste für die Kriegsopfer zu verlangen, da er nicht wolle, daß der Glaube an das Recht und der Glaube an die Zuverlässigkeit der Ration unter­gehen solle. Der Staat habe indessen seine Auf­gabe den Kriegsopfern gegenüber bisher. in durchaus unzureichendem Mähe gelöst. 3n den Vordergrund trete die absolut unzureichende Versorgung der Kriegerhinterbliebenen. Weder den Witwen noch bei den Kriegereltern werde im Regelfälle der tatsächliche Lebensbedarf durch Rente und Zusahrente gedeckt. Die Rente der Kriegerhinterbliebenen mit dem Mahstabe der sozialen Bedürfnisse zu messen und sie diesen Bedürfnissen schnellstens anzupassen, das sei das Ziel, wobei gleichzeitig der Einbau der Zusah­rente in die Grundrente ins Auge zu fassen sei. Als Vorstufe für die Bewilligung einer generellen Heilbehandlung sei eine Erholungs­fürsorge für die Kriegerhinterbliebenen ins Auge zu fassen. Auch für die zur Schulentlassung kommenden Kriegerwaisen mühte besser gesorgt werden. Die an die Erziehungsbeihilfe geknüpften Hoffnungen seien nicht erfüllt worden. Kein Wort der Kritik sei scharf genug dafür, dah man im vergangenen Jahre von den vom Reichs­tage bewilligten 20 Millionen Mark für Er- ziehungsbeihilsen nur 15 Mill. Mark zur Aus­zahlung brachte: der so »ersparte" Betrag von 5 Mill. Mark müsse unbedingt zur Stärkung der diesjährigen Mittel wieder freigemacht werden. Man müsse sich daran erinnern, daß die Be­rufsausbildung der Kriegerwaisen eindringliches Gegenwartsproblem sei, das keinen weiteren Aufschub mehr vertrüge. Eine Quelle fortge­setzter Verärgerungen und ständiger Beunruhi­gungen sei das Verwaltungsverfahren im Ver­sorgungswesen. Die auf Grund des § 57 Reichs- versorgungsgeseh systematisch durchgeführten Rachuntersuchungen gäben berechtigten Grund zur Klage wegen der Art ihrer Durchführung. Das ganze Verfahren müsse beschleunigt werden und es müsse eine stärkere Berücksichtigung der Znteressen des Beschädigten bei den ärztlichen Untersuchungen gesichert werden. Die qualifi­zierte Fürsorge, auf die die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen einen moralischen Anspruch hätten, sei heute von der Dewikli- gungsmöglichkeit provinzieller, städtischer oder kommunaler Behörden abhängig und als Folge hiervon würden die krassesten Unterschiede in der

Fürsorgegewährung auftreten. Man müsse des­halb immer wieder die Forderung erheben, diese einheitliche Fürsorge für die Kriegsopfer zu sichern durch die Zurückführung der Fürsorge von den Ländern aus das Reich.

Der Ehrenvorsitzende des Zentralverbandes deut­scher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener, ilicichstagsabgeordneter D. Thiel, lehnte eine An­näherung der Leistungen der Kriegsopferoersorgung und der Invaliden- oder Angestelltenversicherung grundsätzlich ab. Die sozialen Rentenversicherungen träfen grundsätzlich die Fürsorge für im normalen Ablauf des Lebens während der letzten Jahrzehnte eintretenden Schadensfälle. Die Versorgnung der Kriegsopfer beziehe sich auf die Schadensfälle, die plötzliches rauhes Eingreifen des Kriegsschicksals in junges blühendes Leben als Ursache habe.Ein Ver­gleich der Leistungen der Unfallversicherung mit den Leistungen der Versorgung der Kriegsopfer ergäbe, daß die Unfallversicherung in ihren Rentenleistun- gen bedeutend günstiger dastehe als die Versorgung der Kriegsopfer. Das Zurückstehen der Kriegsopfer hinter den Opfern von Betriebsunfällen fei aber aus sozialpolitischen und ethischen Gründen als Dauerzustand entschieden abzulehnen. Die Schwierig­keit bestehe darin, daß das Versorgungsrecht 807 000 Kriegsbeschädigte mit 294 000 Frauen und 1 200 000 Kindern sowie 1 425 000 Witwen, Waisen und be­dürftigen Kriegerväter und -mütter zu betreuen habe, wodurch bei den gegenwärtigen Unterstützungs­sätzen einschließlich der Bezüge der Kapitulanten und der Offiziersoersoraung bereits ein Aufwand von 1671,1 Millionen Reichsmark erforderlich fei. Der Gesamtbetrag aller Anteile des Reichs an Ein­kommen-, Körperschafts- und Vermögenssteuern reiche trotz der Unzulänglichkeit der Leistungen im Reiche aber heute schon nicht einmal mehr aus, diese Ausgabeposten zu decken. Damit werde die Entwicklung des Versorgungsrechts zu einem der ernstesten Probleme der Finanzpolitik. Diese Er­kenntnis sollte die Kriegsopfer darüber belehren, daß ihnen mit Anträgen nicht gedient ist, wenn nicht dahinter der ernste Wille steht, die schwierigen Fi­nanzprobleme des Reichs, die dadurch aufgeworfen werden, verantwortlich zu lösen. Richt radikaler Phrasen, sondern ernster Anstrengungen bedürfe es, um das Ziel zu erreichen. Realpolitische Erwägun­gen berechtigen die Kriegsopfer zu fordern: daß so­fort Schluß werde mit jedwedem Abbau: unbedingte Sicherstellung, wohlwollende, nicht bureaukratische Handhabung der Ausführung der bestehenden Ge­setze und Versorgung: Bereitstellung der Ersparnisse in den einzelnen Sparten des Versorgungslebens; Einsparung im Versorgungsetat zur Abschaffung dringender Notstände im 'Versorgungsleben; Ein­sparung im Versorgnungsetat, die sich aus einem Rückgang der Zahl der Waisen und anderer Ver­sorgungsberechtigter ergeben, sind für den notwen­digen weiteren Ausbau des Gesetzes zu verwenden.

In diesem Sinne an der Verwirklichung des vom Zentralverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener gesteckten Ziele zu arbeiten, sei nationale Pflicht des ganzen deutschen Volkes.

landbundes, das sich am Mittwoch mit dem Wortlaut des Volksbegehrens beschäftigte, ein­stimmig beschlossen, dem § 4 d i e Z u - stimmung zu verweigern. Die Veröffent­lichung des Volksbegehrens in seiner jetzt vorlie­genden Gestalt erfolgte, ohne dah dieses Vo­tum des Reichslandbundes berücksichtigt wurde.

Ferner wird dem Blatt mitgeteilt, dah auch die demReichsausschuh" bisher angehörenden beiden Vertreter der christlich-nationa­len Dauern- und Landvolkpartei dem § 4 nicht zugestimmt haben.

DieDeutsche Tagesztg." erklärt, dah die Mel­dung der D. A. Z., wonach das Präsidium des Landbundes sich gegen den § 4 ausgesprochen habe, im wesentlichen zutreffe, es sei aber anzunehmen, dah alsbald Verhandlungen über eine entsprechende Aenderung des Ent­wurfs geführt werden, der ja dem Reichsinnen­ministerium noch nicht zugeleitet worden sei.

,,GrasZeppelin"wiederinAr!cdriKshasen

Das LuftschiffGraf Zeppelin", das auf seiner Fahrt über Westdeutschland am Donnerstagvor­mittag um 10 ilfjr Münster i. Wests, passiert hatte, und dann über Herford, Minden

Bückeburg um 11.44 Hhr Hannover er­reicht hatte, trat den Rückweg nach Süden über Braunschweig, Magdeburg, Cisleben, Wei­mar, Jena, Coburg, Schwäbisch-Gemünd an. Am Donnerstag nachmittag um 6.54 Hhr traf es wieder über Friedrichshafen ein und ist nach einer längeren Schleifenfahrt über der Stadt um 7.12 Hhr glatt gelandet. Die Gesamt­fahrtdauer des Luftschiffes betrug 20 Stunden. Wie Kapitän Lehmann der Hapag mitgeteilt hat, wird am 17. September 5 Hhr früh eine 24- Stundenfahrtnach Rordwestdeutsch- land und Hamburg beabsichtigt. Es kön­nen zwanzig Passagiere zu einem Passagepreis von 1200 Reichsmark daran teilnehmen.

Berliner Börse.

Berlin, 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) Im heu­tigen Vormittagsoerkehr ist wieder eine ausge­sprochene Tendenz noch nicht erkennbar. Das Ge­schäft ist sehr ruhig. Die Spekulation wartet bis zur Börse ab. Die Frankfurter Abendkurse sind im all­gemeinen gehalten. Anregende Momente liegen heute so gut wie nicht vor. Man taxiert Farben 214,50 bis 215, Siemens 384,50 bis 385 und Schuckert 225.

Aus der provinzialbauptfiabt.

G i e h e n, den 13. September 1929.

Gemeinsame Schulfeier der Schulen Gießens.

Die große Zahnfeier, die im vergangenen Zahre von sämtlichen Schulen Gießens zur Durchfüh­rung gebracht wurde, fand damals ungeteilten Beifall und steht noch heute in guter Erin­nerung. Es erschien daher sehr begreiflich, wenn an verschiedenen Stellen der Wunsch laut wurde, eine ähnliche Feier aller Schulen auch in diesem Zähre zu veranstalten. Die Schulleiter aller Schulen Gießens glaubten in der durch das Hes­sische Kultusministerium erlassenen Verfügung, nach welcher gelegentlich des Zugendtages in eindringlicher Weise die Bedeutung des 2u- gendherbergswerkes vor Augen ge­führt werden sollte, den Ausgangspunkt für die diesjährige gemeinschaftliche Feier in der Volkshalle am gestrigen Donnerstag gefunden zu haben.

Konnte man im vorigen Zähre die Zahnfeier als sehr gelungen ansprechen, so darf man von der diesjährigen Feier als von einem vollen Erfolg reden. Die Zugend überbot sich gerade­zu mit ihren frischen und schönen Darbietungen. Sie allein war Träger der Vorführungen, die in ihrer Vielgestaltigkeit einen würdigen Rah­men boten zu dem Hauptteil der Vortragsfolge, der Ansprache von Studienrat Dr. Florke (Oberrealschule) über die Bedeutung des Zugendherbergswerkes.

Das Schülerorchester der Oberreal­schule bereicherte durch seine flotten Darbie­tungen die Dortragsfolge und konnte mit Recht den stärksten Beifall der über 4000 Besucher ern­ten. Auch der gewaltige Chor der vereinig­ten Schülerchöre der höheren Lehr­anstalten gab eine schöne Probe seines Kön­nens. Die Dolksschülerinnen brachten in reizender Zusammenstellung verschiedene Volks­tänze, die allgemein gefielen. Die Studien- anstalt wartete mit einer Körperschule auf, die in ihrer Zusammensetzung den For­derungen neuzeitlichen Turnens gerecht wurde. Als zweite Darbietung dieser Anstalt brachte ein Schülerinnenchor hübsche Volkslieder und Tänze, die in Aufmachung stark denen der Volksschülerinnen ähnelte; ein zufälliges Zu­sammentreffen, das eines gewissen Reizes nicht entbehrte. Die Knabenschulen brachten ihre turnerischen Heftungen unter einem ganz besonderen Gesichtspunkte; sie wollten neben dem Können der einzelnen zeigen, in welch vielfäl­tiger Art der Barren Verwendungsmöglichkeit im heutigen Schulturnen findet. Die Pestalozzi- und Goetheschuke führten eine wirksame Körperschule an mehreren Darren vor, die in Aufbau und Darbietung sehr schön waren. Das Gymnasium bot ein exaktes Gemein­schaftsturnen an vier Darren. Ein freud- betontes Hindernisturnen am Darren durch Schüler des Realgymnasiums zeigte eine weitere Verwendungsmöglichkeit. Alsdann turnte eine Riege der Oberrealschule Kür­übungen am hohen Darren. Diese, wie auch die Heftungen der anderen Abteilungen fanden die Gunst der beifallsfreudigen Zugend.

Rach den gesanglichen und turnerischen Dar­bietungen hielt Studienrat Dr. Flörke einen Vortrag über das Wandern und das Zugendherbergswerk. Trotz der Zeiten Rot und Dedrängnis hafte das deutsche Volk noch die Kraft gefunden zum Aufbau des deutschen Zugendherbergswerkes, das einem Reh gleich das deutsche Land überziehe. Roch seien, aber die Maschen des Rehes weit, immer neue Herbergen entstünden, alte müßten umgebaut oder neueingerichtet werden. Zwar könne die Zugend nicht durch große Beiträge das Werk unterstützen, aber sie könne und müsse für dieses große Hnternehmen, das doch fast für sie allein errichtet werde, werben. Sie könne werben bei Eltern, bei Bekannten und Verwandten. Sie könne aber auch werben durch sinngemäßes Wan­dern. Sie könne werben durch planvolle, ordent­liche Benutzung der bestehenden Herbergen. Rech­ten und Pflichten des Zugendwandems bei In­anspruchnahme der Zpgendherbergen: kleine Ab­gabe, ungefähr 20 Pfennig für die Rächt. Dlei- benausweis. Bei Gruppen nur der Führer. Für das ganze Zahr 50 bzw. 25 Pfennig. So billig arbeite der Reichsverband für deutsche Zu­gendherbergen. Dah mit diesen Einnahmen das

Adreßbuch

der Stadt und des Kreises Gießen.

Oer Abschnitt V mit den Einträgen in bas

Handels- und Gewerbeverzeichnis der Stadt Gießen, liegt drei Tage, vom Freitag, dem 13. bis einschließlich Montag, dem 16. d. Mts., zu jedermanns Einsichtnahme in unserer Geschäftsstelle offen.

Oie zuständigen Geschäftsleute Gießens werden um Prüfung der Einträge auf Richtigkeit und Vollständig­keit hiermit gebeten. Für Fehler und Unrichtigkeiten kann keine Haftung übernommen werben.

Oberhessischer Adreßbuchverlag Gießen

Schulstraßc 7

Eingang von der Kaplaneigaffe aus

gewaltige Werk weder erhalten oder gar aus­gebaut werden könne, leuchte ohne weiteres ein. Deshalb mühten weite Kreise für den Gedanken des Zugendherbergswerkes geworben werden, da­mit der Verband immer mehr erstarke. Deutsche Zugend! Helft werben für den endgültigen Aus­bau des Zugendherbergswerkes! Helft mit, das Werk zu erhalten! Macht recht eifrigen Gebrauch von den Herbergen!

Lehrer Kling nahm im Anschluß an diese Ansprache die Siegerverkündigung von den Reichsjugendwettkämpfen vor. Das Deutschlandlied bildete den Schluß der schön verlaufenen Feier. Unter den Klängen eines schneidigen Marsches durch das Oberrealschul­orchester leerte sich die sehr stark besetzte Volks- Halle.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. D. H. D.: Vortrag Dr. Wischer, Berlin, 20 Uhr, Kaufmännisches Vereinshaus. Deutscher Bau­schulbund: Monatsversammlung, 20.15 Uhr, im Hotel Köhler. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Abwege" undVagabundenliebchen". Astoria- Lichtspiele:Der Scharfschühen-Dob" undZer­brochene Ehe".

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LU. Von der Landesuniversität. Dr. Nörr, ordentlicher Professor der inneren und ge­richtlichen Veterinärmedizin an unserer Universität, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität München als Nachfolger des verstorbenen Geheim­rats Professor Dr. Schmitt zum 1. April 1930 an­genommen.

' Wetterumschlag? Rach wochenlanger starker Hitze und Trockenheit brachte uns die letzte Rächt endlich eine langerhoffte Aenderung des Wetters, von der man allerdings noch nicht recht weih, ob sie auch nur für einige Tage von Bestand sein wird. Der gestern abend gegen 20 Uhr noch sternenklare Himmel bewölkte sich im weiteren Verlaufe der Rächt immer mehr, und heute früh konnte man endlich wieder ein­mal Regen feststellen. Zm Laufe der ersten Vor­mittagsstundenspriherte" es noch etwas weiter, gegen 10 Uhr hellte es sich aber schon wieder ein wenig auf. Während man sonst gerne schönes Wetter herbeiwünscht, haben- wir jetzt nur das Verlangen, dah es endlich einmal ein paar Tage anhaltend regnen möge, damit in Feld und Oartejx wenigstens noch etwas gebessert werden kann.

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