Ausgabe 
13.9.1929
 
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Nr. 215 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Zreitag, 15. September 1929

Eriche int täglich,archer Sonntags und Feiertags.

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Die Illustrierte Gießener Familienblätter

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Sietzen« Anzeiger

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Fortgang der Ltntersuchung gegen die Bombenleger.

Neue Verhaftungen in Holstein.

Altona, 12. Sept. (WB.) Wie von zuständi­ger Stelle verlautet, sind gestern in Ham­burg außer den bereits Genannten auf Grund weiterer Ermittlungen der Gaugeschäftsführer der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Emil Drix aus Itzehoe und der Kaufmann Adolf Rensch verhaftet worden. Ob die Ver­hafteten in einem Zusammenhang mit den Sprengstoffanschlägen stehen, bedarf noch der Klärung. Das Gerücht von der Verhaftung des preußischen Landtagsabgeordneten Lohse bestätigt sich nicht. Die Verhaftung des Ge­meindevorstehers W i ck in Rönne erfolgte, weil Wick stark verdächtig sein soll, die Haupttäter begünstigt zu haben. Bei der Haussuchung soll wichtiges Deweismaterial gefunden worden fein. Man glaubt,, daß weitere Verhaftungen erfolgen werden.

3n Ilmenau in Thüringen ist die Mutter des dringend der Tat verdächtigen, aber in das Ausland geflüchteten Herbert Volk, Frau Dobel, von Polizeibeamten vernommen worden, da sie in engster Verbindung mit ihrem Sohne steht und den Schriftwechsel ihres Sohnes mit seinen Anhängern vermittelt hat. Frau Do­bel ist vorläufig fest genommen worden. Fer­ner wird berichtet, daß der Sohn des geflüch­teten Volk zu der Gruppe gehört, die vor zwei wahren die Synagoge in Lüneburg geschändet hat. Der Sohn dieses Volk soll auch zu dem Sprengkommando gehört haben. Auf dem Schwar­zen Derge bei Harburg wurden, in einer Kiste vergraben, 60 Schuß Infanteriemunition gefun­den. Man weiß nod) nicht, wie diese Munition dorthin gekommen ist. Eine Untersuchung ist ein­geleitet.

Das erste Geständnis.

Weschke an dem ersten Sprcngstoffattentat beteiligt.

B c r l La, 13. Sept (Priv^Tel^-Jm -Äoitfe -es gestrigen Spätnachmittags hat lautLokalan;." im Altonaer Polizeipräsidium der Syndikus Guido Weschke ein Geständnis abgelegt. Rach seiner Aussage hat er d a s Spreng ft offatfen- t a t in w e i d e n f l e t h am 28. November 1928, das erste in der Reihe der Attentate mit ver­übt. Seine Mittäter zu nennen war er bisher noch nicht zu bewegen. Eine weitere bemerkenswerte Aussage hat Nickels gemacht, bei dem bekanntlich die Höllenmaschine gefunden wurde. Lr erklärte, daß er für die in Itzehoe erscheinende ZeitungDas Landvolk" Aktien vertrieben habe. Er habe dabei das Recht, Gelder einzukassieren und sie bis zur höhe der Deckung seines Gehalles einzube- hallen. Man kennt auch eine Reihe von Land­wirten, bei denen er in dieser Angelegenheit vorge- sprochen hat, und diese bestätigten bereits Nickels Tätigkeit für die ZeitungDas Landvolk".

Drei Verhaftungen in Mülheim (Ruhr).

Essen, 12. Sept. (WB.) Im Zusammenhang mit der polizeilichen Untersuchung der Sprengstosf- attentate in Schleswig-Holstein, Lüneburg und Ber­lin sind am Mittwoch nachmittag in Mülheim an der Ruhr drei Personen auf Ersuchen der zur Zeit in Altona weilenden Berliner Kriminal­polizisten festgenommen worden. Es handelt sich dabei um den Juwelier Fritz Rehling, den Kaufmann Hans Rudorfs und den Konditor An­ton Groß, sämtlich aus Mülheim. Die drei Ver­hafteten hatten einer deutsch-völkischen Tagung in Rostock beigewohnt und hatten von dort aus a n denP o l i z e i h a u p t m a n n" Nickels Kar - ten grüße gesandt, die in die Hände der Polizei gefallen waren. Von Rostock aus hatten die drei jetzt Festgenommenen Nickels dann auch in Hamburg besucht. Alle drei Personen wurden der Landeskriminalstellc in Essen zugeführt; sie bestreiten, mit den Bombenattentaten irgend etwas zu tun zu haben.

Oie Höllenmaschine.

Hamburg, 13. Sept. (WB.) Am 11. September wurde, wie bereits gemeldet, in der Wohnung des Hamburger Kaufmanns Alfred P ü n j e r eine Höl­lenmaschine gefunden, die er von Nickels e r - halten hat. Die Untersuchung hat nun ergeben, daß die Anordnung des Zeitzünders unter Verwen­dung von drei Taschenlampenbatterien und einem Uhrwerk die gleiche war, wie im Falle Lüne­burg und Schleswig. Die Höllenmaschine ent­hielt 733,5 Gramm Sprengstoff.

N. G. D. A. p.

und Lanövolkbewegung.

Eine Erklärung der Nationalsozialistischen Partei.

München, 12. Sept. (WV.) Die Leitung der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei veröffentlicht imVölkischen Beobachter" eine Er­klärung, in der es u. a. heißt:Berliner Blätter versuchen anläßlich der Verhaftung der angeb- liehen Dvmbenwerfer die nationalsoziali­stische Bewegung mi t der Lan dv olk­

bewegung zusammenzulegen. Die Par­teileitung der R. S. D. A. P. stellt demgegenüber fest: Von den Verhafteten ist kein einziger Mitglied der R. S. D. A. P. Die Rational- sozialistische Deutsche Arbeiterpartei hat mit der Landvolkbewegung so wenig zu tun, wie mit irgendeiner anderen politischen Bewegung oder Partei. Den Angehörigen der R. S. D. A. P. ist es verboten, Mitglied der Landvolk­bewegung oder einer anderen Organisation mit befehlsmäßiger Unterstellung zu sein. Partei­angehörige, von denen bekannt wurde, daß sie auch nur Beziehungen zur Landvolkbewe­gung unterhalten haben, wurden sofort aus der R. S. D. A. P. ausgeschlossen. Die Partei­leitung sieht in der Landvolkbewegung ein Un­ternehmen, dessen Hintermänner ebensowenig er­kenntlich sind wie deren Ziele.

Auf der Suche nach Waffenlagern?

Altona, 13. Sept. (WTB.) Rach der Aus­sage eines der Verhafteten und im hiesigen Po­lizeipräsidium Vernommenen soll sich im Kreise Winsen ein größeres Waffenlager be­finden. Daraufhin ist in den heutigen Abend­stunden sofort ein größeres Polizeiaufgebot dort­hin entsandt worden. Angeblich sollen dort be­reits 30 Gewehre und zwei Maschinengewehre beschlagnahmt worden fein. Eine amtliche Be­

stätigung der Meldung war noch nicht zu er­langen. Es haben sich auch Verdachtsmomente dafür ergeben, daß sich in Altona ein W a f f e n l a ge r befindet. Die Kriminalpolizei hat sofort Maßnahmen zur Aushebung des Lagers ergriffen.

Das Waffenlager im Kreise Winsen.

Hamburg, 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) Wie der Polizeibericht meldet, wurde bei einer Durch­suchung in der letzten Nacht auf dem Anwesen des Vaters des in der Sprengftoffangelegenfjeit fest­genommenen Landmanns Amandus V i ck in Rönne (kreis Winsen), auf dem Hausboden folgende Waffen und Munitionsvorräte gefun­den: 2 Maschinengewehre, 28 Gewehre, 35 Stil­handgranaten, 5 Kasten Maschinengewehrmunition, 2 Kasten Gewehrmunition, außerdem Ersatzteile, Werkzeuge, Oet- und Wasserkasten. Das versteck die­ser Gegenstände war ein 3 Meter tief aus- gemauerter Schacht. Der Fußboden war an der betreffenden Stelle des Hausbodens heraus- gefchnitten und in die entstandene Lucke wieder hineingelegt worden. Eine große Futterkiste, die Über diesem Ausschnitt stand, verdeckte die Stelle. Auch Amandus vick jun. wurde fe st genommen.

plaas stellt sich -er Polizei.

Ein Brief Ehrhardts

Berlin, 12. cpt. Bei der am Mittwoch im Zu­sammenhang mit der Aktion gegen die.Bombenatten- täter durchgeführten Haussuchung im Berliner Ehr­hardt-Bureau in der Steglitzer Straße wurde be­kanntlich der Leiter des Bureaus, Plaas, nicht angetroffen. Aus bisher unbekannten Gründen chatle .seine Sekretäria .Sonja e-s.^ei 'hrer Vernehmung im Polizeipräsidium nicht angegeben, daß Plaas sich am Vortage zu Kapitän Ehr­hardt nach dessen Gut Wuthenow bei Neuruppin begeben hatte, und zwar, wie es heißt, um dort an der Hühnerjagd teilzunehmen. Die Meldung, daß die Berliner Polizei Plans suche, traf erst am Donners­tag früh auf Gut Wuthenow ein, woraufhin Plaas im Einvernehmen mit Kapitän Ehrhardt sofort nach Berlin zurückkehrte und sich am Donnerstagnach­mittag nach vorheriger telefonischer Anmeldung freiwillig der Abteilung I A zur Ver­fügung ft eilte, wo man ihn sofort einem Ver­hör unterzog. Dem Regierungsdirektor W ü n d i s ch als dem Chef der Abteilung IA übergab Plaas folgendes Schreiben des Kapitäns Ehrhardt:

An das Polizeipräfidium Berlin, Abteilung la.

Auf Grund der Pressenachrichten, die mich und meinen politischen Anhangerkreis in Verbindung mit den Bombenatteniaten bringen, habe ich meine politischen Vertrauensleute zu einer Tagung berufen. Ich mache dem Polizeipräsi­dium diese Mitteilung, um von vornherein irgend­welchen Kombinationen oder Gerüchten die Unter­lage zu entziehen. Ich gehe dabei von der Voraus­setzung aus, daß es Aufgabe der Polizei ist, die Oeffentlichkeit zu beruhigen. Zu meinem Erstaunen habe ich gesehen, daß das Polizeipräsidium es bis­her nicht für erforderlich gehalten Hal, der Presse irgendeine Richtigstellung, die meine Person oder die Tätigkeit in meinem Bureau betrifft, zuzustel­len. Ich habe festgeftellt, daß nach der Liste der ver­hafteten, die mir durch die Presse vorliegt, außer T e ch o w und dem in Berlin wohnenden Ernst v. Salomon niemand zu meiner aus dem Jahre 1921 und 1922 bekannten Organisation (Neu- deutscher Bund) oder zu dem später gegründeten Wicking-Bund gehört hat. Daß sowohl Techow wie Ernst v. Salomon an der jetzt schwebenden Sache völlig unbeteiligt sind, sieht für mich fest und wird sich wohl auch in Kürze erweisen. 3m übrigen gehören die beiden Herren schon feit längerer Zeit nicht mehr zu meinem politischen Anhängerkreis. Das dürfte der Polizei ja bekannt fein. Daß eine OrganisationO. E." nie bestanden hat, sondern nur in der Phantasie der Presse vorhanden war, dürfte doch ebenfalls bekannt fein, andernfalls verweise ich auf das Urteil des Skaatsgerichtshofes. Ich stelle jedoch keineswegs das Vorhandensein einer Organisation und eines Bundes vorn Jahre 1920 beginnend bis zur Auflösung des Wikingbundes unter meiner Führung in Abrede. Es steht für mich ferner fest, daß die Haussuchung in mei­nem Bureau keinerlei die Bombenattentate be­treffendes Material zutage gefördert hat. Die Presse wird jedoch in dem Glauben gehalten, daß schwerbe­lastendes Material gefunden worden sei.

Ich stehe Ihren Beamten z u jeder Aus­kunft hier in meinem Haufe zur Ver­fügung. Ich habe Herrn Plaas, meinen Mit­arbeiter, aus meinem Bureau in Berlin, der sich seit Mittwoch bei mir in Wutenow befindet, Anweisung gegeben, sich beim Polizeipräsidium zu melden, da nach Pressemeldungen nach ihm gefahndet wird.

ge;. Ehrhardt, Korvettenkapitän a. D."

an die Abteilung IA.

Die weiteren Vernehmungen der in Berlin im Zusammenhang mit den Bombenattentaten verhafteten Personen hatten bis zum Donners­tagabend keine neuen Momente ergeben, ins­besondere keine Geständnisse gezeitigt. Vielmehr blieben alle Fe st genommenen dabei, daß sie mit diesen Sprengstpffanschlägen in keinerlei Zu­sammenhang gestanden hätten. Diese Darstel­lung wurde auch von Ehrhardts Mitarbeiter Plaas bei seinem Verhör gegeben. Plaas wurde gleichwohl inHaftgenommen, weil in seiner Wohnung eine Sprengkapselund scharfe Munition gefunden worden waren.

Was den Kreis um Dr. S a l i n g e r betrifft, so sind weitere Ramen von Besuchern seiner Diskussionsabende bekanntgeworden, die seine Be­hauptung zu unterstützen scheinen, daß er lediglich den Ehrgeiz besessen habe, sich einen politischen Salon zu schaffen. Gewerkschaftssekretäre sollen ebenso wie Redakteure von Blättern der Mittel- Parteien an diesen politischen Aussprachen teil­genommen haben, ja, es heißt sogar, daß ein hoher Beamter des Berliner Polizeipräsidiums auf eine Einladung sein Erscheinen zugesagt hatte, im letzten Augenblick aber verhindert war, der Einladung zu Dr. Salinger Folge zu leisten.

Wieder entlassen.

Berlin, 12. Sept. (WTB.) Die Vernehmung der gestern in einem Cafe in der Leipziger Straße sestgenommenen drei Personen ergab, daß sie zwar in enger Verbindung mit den in Schleswig-Holstein und in Berlin festgenom­menen Personen stehen, daß aber der Ver­dacht einer Beteiligung an den Bom­benattentaten s i ch nicht bestätigt hat. Karl Heinz von Winterfeldt, Horst von Salomon und der Flugzeugführer Will! Eichler werden deshalb im Laufe des heutigen Tages wiederentlassenwerden.

0er Nachtragsetat.

Hohe Anforderungen der Neichsressorts.

Berlin, 13. Sept. (SU. Funkspruch.) Die Reichsressorts haben dem Reichsfinanz­ministerium ihre Forderungen für den tomni enden Rachtragsetat vorgelegt. Wie der Demokratische Zeitungsdienst berichtet, sind diese Forderungen nicht gering. Be­sonders von feiten des Reichsarbeitsmi­ni st e r i u m s sind sehr erhebliche Mit­tel angefordert worden. Im Reichsfinanzministe­rium werden gegenwärtig die einzelnen An­forderungen der Ministerien geprüft. Dabei steht man auf dem Standpunkt, daß nur zwangs­läufige und unvermeidliche Aus­gaben im Rachtragsetat vom Reichstag an­gefordert werden sollen. Auch die Wünsche auf Schaffung neuer Beamten st eilen sollen unberücksichtigt bleiben. Die Ge­samtsumme, die im Rachtragsetat gefordert wird, ist noch nicht festgesetzt. Sie dürfte aber un­gefähr den Erleichterungen ent- sprechen, die der Voungplan für das la'ufende Fahr gewährt.

Auf Grund der internationalen Verhandlungen werden im Rachtragsetat Anforderungen enthal­ten |ein, zu denen sich Deutschland verpflichtet hat. Das gilt im besonderen für die Summen, die an Belgien aus Anlaß des Mark- Abkommens gezahlt werden müssen. Das gilt weiterhin für die Defahungstosten und Bcsahungsschäden sowie für die Kosten der Kommissionen des Dawesplanes. Schließ­lich bestehen zwischen den Reichsressorts noch Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf die

Gelder für die K r i s e n f ü r s o r g e. Hier stan­den an Reichsmitteln 25 Millionen zur Ver­fügung. Tatsächlich sind aber 9 8 Millionen auf Grund der gesetzlichen Verpflichtungen ausgegeben worden, so daß über diese Gel­der noch eine Klärung erfolgen muh.

Kompromiß zur Reform der Arbeitslosenversicherung? Tas Ergebnis der gemeinsamen Kabinetts­beratungen des Reichs und Preußens.

Berlin, 12. Sept. (V.D.Z.) 3m Anschluß an die Beratungen des Reichskabinetts über die Ar­beitslosenversicherungsreform fand eine gemein­same Sitzung des Reichs-unddes preu­ßischen Kabinetts unter Hinzuziehung der Staatssekretäre und der Sadjreferenien statt, um die schwierige Angelegenheit weiter zu fördern. 3n unterrichteten Kreisen verlautet, daß die gemein­samen Bestrebungen auf ein Kompromiß gerichtet waren. Ausgangspunkt war der demokratische An­trag, der den Abbau der Saifonarbeitcr- f ü r f o r g e betrifft. Weiter wurde der bayerische Antrag, also der ursprüngliche Zentrumsanirag Riesener, mitverarbeitet, der aus Gründen der Pa­rität neben der Saisonarbeiterkürzung auch eine mäßige generelle Kürzung der ande­ren Anter st ühungslei st ungen vorsieht. Diese Kürzung wird nur so bemessen sein, daß das Defizit, das nach der Saifonarbeiterregelung und der gleichfalls zu berichtigenden Beitragserhöhung im Sinne der Vorlage des Reichsarbeitsministers noch besteht, gedeckt werden kann. Man meint, daß der Reichsarbeitsmini st er, der ge­genüber den Gewerkschaften in gewissem Sinne f e ff g e ( e g t fei, eine Regelung ganz ohne Bei­tragserhöhung nicht übernehmen könne.

Die Besprechungen wurden gegen Abend beendet. Neue Beratungen sind nicht mehr nötig, da man ; u einer Einigung gekommen ist. Es sol­len morgen noch Besprechungen mit den ande­ren Cänberregierungen folgen.

Wie derLökalanzeiger" aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, ist in der gemeinsamen Sitzung auch ein Beschluß gefaßt worden, die S a i .fan­ge ro e r b e und damit insbesondere das Bauge­werbe und die Bauftoffwirtschaft mit einer 14- projentigen Beitragserhöhung ; u dem jetzigen Beitrag von 3 v. h. z u be­lasten, während die übrigen Wirischaftsgrup- pen eine Iprojentige Erhöhung des Bei­trages fragen sollen. Dieser Beschluß soll nach den 3nformafionen des Blattes mit Stimmenthal­tung der sozialdemokratischen Kabi- neffsmifglieber und unter ausdrücklichem Widerspruch der v o l k sp a r f ei l i ch en M i n i ff e r zustande gekommen fein.

Umbildung des italienischen Kabinetts.

Mussolini entlastet sich.

Rom, 12. Sept. (Agenzia Stefani.) Die im Folgenden genannten Unter st aatssekre- täre sind zu M i n i st e r n in den betreffenden Ressorts ernannt worden: Unterstaatssekretär Grandi zum Minister des Auswärtigen, d e Bono zum Kolonialminister, Gazzera zum Kriegsminister, S i r i a n n i zum Marinemini­ster, Balbo zum Luftfahrtminister und Bot - t a i zum Korporationsminister. Der Unter« staatssekretär im Ministerium des Innern Bianchi wurde zum Minister für öffentliche Arbeiten ernannt. Das Ministerium für öffent­lichen Unterricht erhält die Bezeichnung: Mi­nisterium für nationale Erziehung. Minister ist Balbino Giuliano. Dem Unter» staatssekretär Ricci liegen die Geschäfte des Ressorts für körperliche Heranbil­dung der Jugend ob. Das Wirtschafts­ministerium wird in ein Ministerium für Land- und Forstwirtschaft verwandelt. Als Minister wurde A e e r b o berufen. Alle Geschäfte, die die allgemeine Aufbau- und Sanie­rungsarbeit betreffen, werden einem Unter» staatssekretariat im Ministerium für Land- und Forstwirtschaft unterstellt.

Die Reuerungen, die der König auf Vor­schlag Mussolinis innerhalb der Regierung vorgenommen hat, erregten allgemeines Auf­sehen, da nur der engste Mifarbeiterkreis Musso­linis von dem Plan vorher unterrichtet gewe­sen fein dürfte.

Die Regelung bringt eine En11astung Mussolinis mit sich, der jetzt nur noch Mi­nisterpräsident und Innenminister bleibt. Rich- tungsmätzig bleibt im italienischen Kabinett alles beim alten. Cs handelt sich hauptsächlich um die Heranziehung junger Kräfte aus dem faschistischen Lager. Die große Bedeutung, die der Jugenderziehung im faschistischen Italien bei­gemessen wird, geht aus der Errichtung eines älnterstaatssekretariats für Leibesübungen und Jugenderziehung im Ministerium für Volkser­ziehung hervor. Der mit der Leitung dieses