Ausgabe 
13.8.1929
 
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führungen. Der französische Handelsminister Loucheur verschob seine Rede bis zur nächsten Sitzung, die auf Mittwoch um 10 Uf>r zur Fort­setzung der Generaldebatte vornehmlich über die Sachlieferungsfrage anberaumt ist. Die Sitzung verlief in durchaus fachlicher Weife.

Reichsminister Curtius

betonte, dah ein sofortiger Abbau der Sachliefe­rungsvorschläge der Experten nicht möglich sei. Er sprach die bestimmte Erwartung aus, daß keine Zumutungen über das Opfer hinaus an Deutschland gestellt werden, das schon der Voungplan fordere, und zwar weder in bezug auf Sachlieferungen noch auf andere Dinge. Er forderte die loyale Anerken­nung der englischen Argumente und ebenfalls der Argumente Deutschlands. Die besonderen In­dustrien, die in England notleidend seien, befän­den sich in Deutschland in der gleichen Lage; dazu komme in Deutschland die Land- wirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit be­stehe in beiden Ländern, und die gewaltige -Zahl von drei Millionen Arbeitslosen sei in Deutschland erst seit kurzem erheblich abgebaut, Aber", so führte der Minister aus,wir wollen hier nicht Klagelieder an einem O p f e r a l t a c anstimmen, sondern p r a k - lische Arbeit am Verhandlungstisch leisten."

Es könnten keinerlei Zweifel über die Frage nach den Darlegungen des deutschen Sachver­ständigen in Paris bestehen. Die gemeinsame Rot der europäischen Mächte, die durch Krieg, Inflation usw. hervorgerufen worden sei, for­dere eine Lösung der Reparationssrage im ge­meinsamen Interesse. Die Sachlieferungen seien vorläufig noch ein unentbehrliches Element. Wenn man die ersten neun Monate des letzten Reparationsjahres auf das Jahr ver­teilt, so ergibt sich ein Betrag der Sachlieserun­gen von 1150 Millionen Mark für das letzte Dawesjahr. Rach den Feststellungen Grahams ergeben die vorgesehenen 750 Millionen des ersten Jahres nach dem Voung-Plan abzüglich des Recovery-Aktes nur 540 Millionen, also weniger als die Hälfte.

Der plötzliche Abfall des Sachlieferungsvolumens ruft ohnehin schon große Schwierigkeiten für die deutsche Wirtschaft hervor. Um so notwen­diger ist es, an den zugebilligten Ziffern fest­zuhalten,

das schließt nicht aus, dah auf besondere Einzel- wünsche Englands Rücksicht genommen werden kann. Graham habe auf die Beziehungen zwischen Sachlieferungen und einem etwaigen Morato­rium verwiesen, wie durch Ziffer 4 Anlage 4 des Voung-Planes vorgesehen und darin eine Gefahr der Volumenvergrößerung der Sachliefe­rungen erblickt. Diese Ausführungen des Planes werden zweckmäßig in einem Linierausschuh unter Zuziehung einiger der Pariser Sachverständigen untersucht, ebenso die Bestimmungen über den Recoverh Act und die Schlußbestimmungen des Versailler Vertrages über die Kohlen- lieferungen.

Anschliehend an die Darlegungen des Reichs- Wirt sch astsministers erklärte der italienische Dele­gierte Pirelli, vom italienischen Standpunkt aus würden die Bedenken Englands in hezug auf die Sachlieferungen nicht geteilt.

Durch die Reparakionskohlenlieferungen sei Eng­land jedenfalls in der Ausfuhr nach Italien nicht geschädigt worden. Italien sei das einzige Land, das trotz des Ausbaues seiner Wasser- . tröffe eine Steigerung des kohlen- verbrauchs um etwa 30 v.h. seit dem Kriege herbeigeführt habe, die durch die Sachliefe­rungen gedeckt sei. Lin Rückgang des englischen Anteils an der italienischen kohlenoersorgung beruhe atg der Konkurrenz anderer Länder, z. D. Polens.

Eine Verminderung der Sachlieferungen sei im übrigen im Voungplan vorwiegend« durch die energische Einwirkung der englischen Sachver­ständigen erzielt worden, ätzten Endes seien die Reparationen in Gütern zu leisten und das bedeute, dah die Wirtschaft der Cmpfangsländer dadurch benachteiligt werde. Er verstehe es des­halb durchaus, dah das britische Schatzamt auf Herabsetzung der deutschen Leistungen überhaupt gedrungen habe. Zum Schluh erklärte Pirelli, von Beginn der Pariser Verhandlungen an sei es die gemeinsame Lleberzeugung aller gewesen, dah aus ökonomischen Gründen Deutschland a n allen Verminderungen entsprechend beteiligt werden müsse, wenn eine solche in bezug auf die interalliierten Schulden gewährt werde.

Die Arbeitslosenversicherung.

Wistells Reise nach dem Haag.

Haag, 12. Aug. (WTD.) Die Reichsminister S e v e r i n g und W i s s e l l trafen heute um 10.25 Llhr mit dem fahrplanmähigen Zuge in Begleitung des Abgeordneten Hertz im Haag ein, sind jedoch schon heute abend wieder aus dem Haag a b g e r e i st , nachdem sie die Frage der Arbeitslosenversicherung mit den hier anwesenden Kabinettsmitgliedern durchge­sprochen haben. Die Besprechung ergab die An­sicht. dah die Beratungen des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages gefördert werden müssen, und dah ihm eine Kabinettsvor­lage unterbreitet werden muh. Llm dieses Ma­terial vorzubereiten, ist eine Besprechung der fünf Froktionsführer der Koalitionsparteien vor­gesehen. Sonst wird das Kabinett zusammentre­ten und eine Vorlage ausarbeiten. Damit das alles in Ruhe geschehen kann, wird der Vor­sitzende des Sozialpolitischen Ausschusses, der Vizepräsident des Reichstages. Esser, gebeten, Die vorgesehene Sitzung des Ausschusses vom 19. auf den 22. d. M. zu vertagen.

Anhaftende Besserung im Befinden des Reichskanzlers.

Berlin, 12. Aug. (Prioatmeldung.) Wie wir von unterrichteter Seite hören, hält die Besserung im Befinden des Reichskanzlers an. Reichskanzler Müller konnte gestern zum ersten Mal seit Wo­chen einige Stunden außer Bett verbringen. Es ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit damit zu rech­nen, daß er Anfang der nächsten Woche die Klinik verlassen darf. Reichsprä­sident v. Hindenburg hat kurz vor seiner Abreise nach Dietramszell in einem Schreiben an den Reichskanzler nochmals herzliche Wünsche auf baldige Genesung ausgesprochen. Auch Reichswehr Minister Groener Hal ein ähnlich lautendes Schreiben an den Reichskanzler gesandt.

Graf Zeppelin" kehrt heim!

Ein Augenzeugenbericht von der Landung. Oie begeisterte Menge. Ein Blick ins Innere des Lustriesen. - Vor dem Antritt der Weltfahrt.

Von unserem 81.-Redattionsmitglied.

Friedrichshafen, 11. Aug.

Es waren trübe Aussichten für die Zeppelin­landung, als es am Freitag früh anfing, an­dauernd zu regnen und der Himmel ein so trübes Gesicht machte, dah alles am Bodensee grau in grau gehüllt war. Trotzdem war man. wie ich auf telephonischem Anruf beim Luftschiffbau Zeppelin erfuhr, sicher, dah der Zeppelin am Samstagnachmittag oder -abend eintreffen würde. Man sagte mir, dah das Luftschiff gute Fahrt mache.

Samstag früh. Seit 5 Llhr regnet es Bind­faden, und die Wolken hängen so dicht und tief, dah man nur mit einem Zeppelin-Empfang in strömendem Regen zu rechnen wagt. Aber das beeinträchtigt die frohgespannte Erwartung nur wenig, nicht nur bei mir und meinen Reise­begleitern, sondern auch wie der große Frem­denstrom in Friedrjchshafen beweist bei den Tausenden, die sich dieses grandiose Schauspiel nicht entgehenlassen wollen. Den Vormittag ver­bringe ich in Gesellschaft eines Gelehrten, der dem Lehrkörper unserer Gießener Universität angehört, seit 1921 aber als Leiter der Drachen­station Friedrichshafen vorsteht: des Meteorolo­gen Prof. P e p p l e r, der gleich wie ich nicht auf ein Ende dieses miserablen Regens zu hoffen tragt. Lind doch kommt es anders! Auf meine telephonische Anfrage beim Luftschiffbau höre ich, daß der Zeppelin um 8.40 Llhr etwa 100 Kilometer nordwestlich Besan?on stand, dah er weiter gute Fahrt mache und bereits gegen 1 Llhr mittags erwartet werde. Anschläge in ver­schiedenen Strahen teilen diese Botschaft auch der gewaltigen Menschenmenge in den Strahen Friedrichshafens mit. Gegen 1/211 Llhr hört der Regen endlich auf, das dichte Gewölk lichtet sich, und die Stimmung bei den Menschen­massen wird immer froher und gespannter. Vor der Zeppelinwerst, die ich mit meinen Be­gleitern gegen 1.12 Llhr besuche, flauen sich bereits große Besucherscharen, und am Portier- Haus vor dem grohen Eingangstore stehen die Schaulustigen in langen Schlangen, um eine Ein­trittskarte zu erhalten. Meine Karten liegen schon bereit, so dah der Zutritt zur Werft keinen Schwierigkeiten begegnet, aber die andern alle erleben zum großen Teil eine Enttäuschung, denn nicht alle können Karten erhalten, obwohl die Zeppelinverwaltung in großzügiger Weise ganze Pakete von Karten zu freiem Eintritt zur Ver­fügung gestellt hatte.

Gegen 1272 ähr, gerade als ich mit meinen Begleitern in einem Hotel am See beim Essen sitze, hören wir ein tiefes und starkes Brum­men draußen vom See her, und schon ertönt der laute Ruf durch alle Straßen:

(Srist d§!

Zu Tausenden läuft alles zur Werft, die Stra­ßen sind schwarz von Menschen! Aber noch macht der Zeppelin eine Rundfahrt um den See, um auch dort seine begeisterten Verehrer zu be­grüßen. Gegen 12,45 Llhr bin ich mit meinen Be­gleitern nach ziemlichem Dauerlauf auf dem Landeplotz im Werftgelände. Da kommt draußen vom ©ev her auch schon Der Riesenleib des Graf Zeppelin" in Sicht/ Ein Wasserflugzeug gibt ihm das Ehrengeleite und umkreist ihn in weitem Bogen. In ruhiger Fahrt mit ge­drosselten Motoren nähert sich das Luftschiff seinem Heimathafen, dicht über ihm brummen plötz­lich drei Motoren laut auf: das Landungs­manöver beginnt. Viele Tausende von Men­schen flehen auf den Hängen des Geländes rings

herum, einige Tausend beleben den Rand des Landeplatzes und die weite Fläche vor der Halle. Aus etwa 50 Meter Höhe saust plötzlich vorn und hinten vom Luftschiff Wasserballast herab, die Zeppelinbelegschaft rennt über den Platz und nimmt Aufstellung zur Hilfeleistung, aus den Kabinenfenstem winken die Passagiere, denen die Menge ebenfalls begeistert zuwinkt. Plötzlich fallen aus etwa 30 Meter Höhe die Haltetaue herab, die Mannschaft packt zu Hunderten zu und holt nun den Luftriesen, dessen Motore mittler­weile ihren ehernen Gesang eingestellt haben, mit kräftigen Fäusten herab. Kapitän von Schiller, mit einem großen Megaphon be­waffnet, leitet die Landung, die punkt 13 Llhr glatt und reibungslos beendet ist. Begeisterung erfüllt die Menge und weckt bei der Luftschiff- besahung und den Passagieren ein frohes Echo. Für wenige Augenblicke wird Dr. Eckener im Steuerrnannsraurn der Kabine sichtbar, neben ihm Flemming, später auch Knud Eckener, der Sohn des obersten Führers. Diele rufen nach Eckener, der sich jedoch allen Ovationen entzieht, indem er sich in das Innere des Luftschiffes be­gibt. Dann wird der Luftriese von einigen hun­dert Mann der Werksbelegschaft und freiwilligen Helfern zur Halle gezogen, begleitet von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge, der die sehr liberal absperrende Polizei keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Beim Einmarsch in die Halle ertönen

begeisterte Hurrarufe auf Eckener und seine Mannschaft,

bann drängt alles mit in diesen riesengroßen Raum, der dem Zeppelin sicheres Obdach gibt. Lim 13,25 Llhr ist er darin wohlverwahrt. Run begeben sich die Zollbeamten in das Innere des Luftschiffes, um ihren Amtsobliegenheiten nach­zukommen, die aber sehr entgegenkommend ge­handhabt wurden, denn schon nach 10 Minuten war alles beendet. Jetzt verlassen die Passagiere die Kabine, von einem Kurbelmann mit Eifer empfangen. Die Besatzung schaut befriedigt aus den Fenstern der Schiffsführungsräume. Alles ruft jetzt nach Dr. Eckener, der sich aber durch den Laufgang in eine der hinteren Motorengon­deln begeben und von dort aus unbemerkt von der großen, um die Kabine sich stauenden Menge die Luftschiffhalle verlassen hat. Rur wenigen darunter auch mir ist es auf Grund besondrer Ausweiskarten vergönnt, noch

das Innere des Luftschiffes

gründlich in Augenschein zu nehmen und dadurch den erhabenen Eindruck von der Landung des Zeppelin noch zu vertiefen und zu einer Erinne­rung für alle Zeiten zu gestalten. Llm 14 Llhr wird die Halle allmählich leer, an verschiedenen Motoren sind bereits die Propeller abgeschraubt, die Lleberholung -Les Luftriesen und die Vor­bereitung zur W e l t f a h r t hat unmittelbar nadj der Landung bereits begonnen. Trotzdem strömen noch ständig Tausende von Menschen zu den Eingängen der Luftschiffhalle, um von hier aus wenigstens einen Blick auf dieses grandiose Wunderwerk deutschen Geistes und deutscher Tech­nik werfen zu können. Llm ein gewaltiges Erlebnis von dauerndem Werte sicher dem schönsten Ereignis meiner Llrlaubsscchrtl reicher, ver­lasse ich gegen 14 1/4 Llhr Öie Werft, dabei un­serem Zeppelin und seinem Führer Eckener von ganzem Herzen Glück wünschend zu allen weiteren Fahrten, die der Mehrung des deutschen Ansehens in der Welt dienen werden!

DerGraf Zeppelin" vor dem Giari zur Wettfahrt.

Friedrichshafen, 12. Aug. (WTB.) Das LuftschiffGraf Zeppelin" wird, wie jetzt end­gültig feststeht. am Donners tag, 15. Aug., frühmorgens zur Fahrt nach Tokio auf­steigen. Die Stunde der Abfahrt ist noch nicht bekannt. Die Lleberholungsarbeiten, so u. a. an der Hülle und den Motoren des Luftschiffes, sind bis zu dem genannten Tage abgeschlossen. In den Straßen der Stadt herrschte den ganzen Sonntag über lebhafter Verkehr. Die Hotels und Privatquartiere sind bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Teil der von Amerika gekommenen Passagiere hat Friedrichshafen auf kurze Zeit verlassen, so der amerikanische Multi­millionär Leeds, der unverzüglich nach Paris abreiste. Gestern abend versammelte sich die Be­satzung des Luftschiffs mit ihren Angehörigen zu einer Familienfeier im Zeppelin- Kasino. Wie wir hören, wird Dr. Eckener morgen als Gast des schwedischen Generalkonsuls in Renting bei Lindau weilen, wo er mit dem König von Schweden, Der sich zur Zeit auf seiner Besitzung am Bodensee aufhält, zu- sammentrefsen wird.

Dr. Eckener Über den Wettflug.

Friedrichshafen, 12. Aug. (TU Funk­spruch.) In einer Unterredung, die Dr. Eckener dem Sonderberichterstatter der Telegraphen-Union ge­währte, ging er eingehend auf die bevorstehende größte Etappe der Weltfahrt ein. Es kommen für die Fahrt nach Tokio hauptsächlich zwei Reisewege in Betracht, eine nördliche Route über Rordsibi/ien, die man etwa als den Weg über Jakutsk bezeichnen könnte und eine süd­liche Route über Irkutsk. Der Weg durch Deutschland wird voraussichtlich ziemlich gradlinig in der Richtung auf Danzig und von hier aus nach Leningrad sein. Bei diesem Reisewege würde das Luftschiff Berlin links liegen lassen und über Hinterpommern direkt die Ostsee ansteuern. Dar­aus gehr auch hervor, daß keinesfalls Oberschlesien angesteuert wird, wie dies vielfach angenommen wurde. Die ursprüngliche Absicht, zum Reklame­kongreß nach Berlin zu fahren, hat Dr. Eckener wieder aufgegeben. Welche von den beiden ange­gebenen Routen das Luftschiff einschlagen wird, hängt von den meteorologischen Ver­hältnissen ab, die es in Asien antreffen wird. Auch während der Fahrt kann jederzeit eine Aen- berung der Route oorgenommen werden. Bei Ein­haltung des nördlichen Reiseweges würde man i n

der Nähe der I e n i f se e ° M ü n du n g die Küste des Eismeeres berühren. Es trifft übrigens keineswegs zu, daß Rußland die Zustim­mung zum Ueberftiegen des russischen Gebietes verzögert hat. Dr. Eckener betonte im Gegenteil, daß di e russische Regierung außer­ordentlich entgegenkommend gewesen sei. i

Llm den Benzinverbrauch möglichst niedrig zu halten, werde das Luftschiff bei mittleren Winden mit vier Motoren laufen. In diesem Falle würde die Geschwindigkeit des Luft­schiffes bei Windstille 105 Kilometer, bei dem zu erwartenden Rückenwind aber 125 Kilometer be­tragen, während die Geschwindigkeit bei fünf Motoren 115 bzw. 135 Kilometer ist. Diese ge­ringe Verminderung der Reisegeschwindigkeit würde man wegen der bedeutenden Benzinstoff­ersparnis gern in Kauf nehmen. Die Gesamt- st recke wird rund 10000 Kilometer bei einem Aktionsradius des Luftschiffes von 12/13 000 Ki­lometer betragen. Dr. Eckener hat die Absicht, die Blaugaszellen ganz zu füllen, diese also nicht durch Vermehrung der Traggasmengen zu schmä­lern.

Während auf der Europastrecke das ßuftfd)iff genau über die Wetterlage orientiert sein wird, werden in Sibirien öie Wetternach­richten auf weite Strecken ganz aus­fallen. Die Reisezeit bis Tokio dürfte rund fünf Tage betragen, während Dr. Eckener die Lieberquerung des Stillen Ozeans in vier bis viereinhalb Tgen, die Lieber­querung des amerikanischen Fest- l a n d e s in zwei bis drei Tagen durchführen zu können hofft. Die Gesamtdauer der Welt- sahrt wird vor allem von der Dauer des Aufent­halts auf den Etappenstationen abhängen. So hat man in Japan Vorbereitungen für große Festlichkeiten anläßlich des Zeppelinbesuchs ge­troffen, so daß Dr. Eckener schon jetzt befürchtet, länger als beabsichtigt, dort bleiben zu müssen.

Das Luftschiff wird alle vier Stunden Standortmeldungen funken. Lieber die Verzögerung der Standortmeldungen bei der letzten Amerikafahrt äußerte sich Dr. Eckener da­hin, daß die Funkstation in Friedrichshafen die Standortmeldungen des Luftschiffes infolge at­mosphärischer Störungen meist nicht erhalten habe. Das Luftschiff habe regelmäßig alle vier Stunden an die Werft, nach Washington und an die Hapag seine Standortmeldung gegeben.

Oer Welirellamekongreß beginnt seine Arbeit.

Berlin.il. Aug. (WTD.) Der Weltreklame- Kongretz begann heute vormittag feine fach­männischen Arbeiten mit einer Sitzung in der Funkhalle, die von dem Ehrenpräsidenten des Kongresses, Reichskanzler a. D. Dr. Luther, eröffnet wurde. Der Vorsitzende des Kongresses, TZounggreen, dankte für den freundlichen Empfang, den der Kongreß in Deutschland und insbesondere in Berlin gefunden habe. Wir sind, so führte der Redner aus, alle treue Bürger der Gefc^iftswelt, jenes Geschäfts, dessen Vorrecht es ist, das materielle und kulturelle Wohl­ergehen aller Volker sicherzustellen. Hierauf wurde das Referat des Präsidenten des Reklame« Verbandes von Großbritannien, Lord Riddel, verlesen, der infolge einer Erkrankung am Er­scheinen verhindert war. In dem Referat wird betont, dah die Kongrehteilnehmer etwas von den Wundern des modernen Deutsch­lands sehen würden. Sie würden sehen, wie die deutsche Industrie nach dem Kriege trotz bedeutender Schwierigkeiten neu geschaffen und fortentwickelt wurde. Es sei eine an Wunder grenzende Leistung, welche den Mut und die Mannhaftigkeit des deutschen Volkes widerspie­gele. Dor diesem Mut müsse man den Hut ab­ziehen. Es folgte dann eine Reihe von fachlichen Vorträgen. Am Abend fand im Marmorsaal des Zoologischen Gartens ein Bankett statt, au'f dem Ehrenpräsident Reichskanzler a. D. Dr. Luther erklärte, der heutige Abend habe bewiesen, dah der Derständigungsgedanke mächtiger ist als alle auseinanderstrebenden Ten­denzen. Die Redner der verschiedenen Rationen hätten durchweg zum Ausdruck gebracht, daß die Menschheit zu ihrer Entwicklung deS gegen­seitigen Verstehens bedürfe. Ich hoffe, so schloß der Redner, dah, wenn der Geist, der in diesen Reden der Vertreter aller Volker le­bendig war, zur Herrschaft kommt, auf der Erde ein Zusammenleben der Menschheit auf der Grundlage der Gerechtigkeit und des Friedens zu erreichen ist. Rachdem Dr. Luther ein Hoch auf den Reichspräsidenten v. Hindenburg und das deutsche Volt ausgebracht hatte, fang die Fest- versammlung das Deutschlandlied.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Mit der weiter östlichen Ausbreitung des hohen Druckes über Mitteleuropa führt derselbe allent­halben zu ruhigerem heiteren Wetter. Die an­fangs noch zugestromten etwas kühleren Luft­massen flauen durch das Llmdrehen der Winde nach Westen ab. Lüe Hochdruckwetterlage bleibt zunächst bestehen, wenn auch bereits wieder durch das neue isländische Fallgebiet über Irland eine Warmluftwelle mit Riederschlägen zum Vor­dringen gelangt. Die Randstörung des Tiefs dürfte später vis in unseren Bezirk erneut Be­wölkung aufkommen lassen, die gewitterdrohenden Eharakter annimmt. Die Temperaturen, die zur Zeit nur tagsüber höhere Werte erreichen, wer­den später sich zwischen Tag und Rächt mehr ausgleichen.

Wettervoraussage für Mittwoch: Meist heiteres Wetter, warm und trocken.

W i t te r u n g s au s s i ch t e n für Don­nerstag: Wieder leichte Eintrübung mit auf- kommender Gewitterneigung.

Lufttemperaturen am 12. August: mittags 23,4 Grad Celsius, abends 46,7 Grad; am 13. Augusts morgens 13 Grad. Maximum 23,6 Grad, Minimum 8,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. August: abends 23,3 Grad; am 13. August: mor­gens 17,4 Grad Celsius. Sonnenfchetndauer sechs Stunden.

Reifewetierdienst

der amtlichen Wetterdienststelle Gießen.

Rheingebiet (Köln): Gestern kühle Rächt, meist heiter; heute morgen heiter, 14 Grad, Rord- westwind.

Baden (Baden-Baden): Gestern heißer Tag, meist heiter: heute morgen wolkig, 16 Grad, Ostwind.

Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Gestern regnerisch und der Jahreszeit angemessene Tem­peratur: heute morgen wolkig, 14 Grad wind­still. (Berchtesgaden): Gestern regnerisch, der Jahreszeit angemessene Temperatur: heute mor­gen bedeckt, 16 Grad, Rordostwind.

Küste (Westerland a. Sylt): Teils heiter, teils wolkig, der Jahreszeit angemessene Temperatur: heute morgen wollig, 15 Grad. Südwestwind. Swinemünde: Gestern meist heiter, kühle Rächt: heute morgen wolkig heiter. 18 Grad, Westwind.

Borkum: Gestern teils heiter, teils wolkig, warmer Tag: heute morgen heiter, 17 Grad, Südwestwind.