Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

sicher, daß England und die Vereinigten Staa­ten. falls die Kammer in den Text der Ratifi- zierungsgesehes irgendeinen Vorbehalt ausneh­men sollte, sich für berechtigt halten würden, die Abkommen als nicht ratifiziert anzusehen und die in ihrem Besitz befindlichen französischen Schahscheine im Betrage von 653 Millionen Pfund in Umlauf zu sehen, anstatt diese Schuld auf 62 Jahre zu verteilen.

Poincare ging darauf zur Reparations­frage über. Er erinnerte daran, unter welchen Almständen die Londoner Konferenz die deutsche Reparationsschuld abgeschätzt habe. Er kam auf die Zeiten zurück, die der Besetzung des Ruhr­gebiets vorausgingen. und bemerkt, daß Frankreich mit der Besetzung des Ruhrgebiets nur den von Lloyd George zum Ausdruck gebrachten Willen d u r ch g e - führt habe. Frankreich habe Deutschland 1921 darauf aufmerksam gemacht, daß die Alliierten das Ruhrgebiet besehen würden. Poincare ging dann dazu über, festzustellen, daß die französische Regierung im Dezember 1922 den Entschluß ge­faßt habe, in das Ruhrgebiet ein- zvmarschieren.

Diese Operation habe nicht nur anderthalb Milliarden für Frankreich erbracht, sondern auch Geld für Amerika und Belgien.

Rach einer Unterbrechung der Sitzung führte Poincare weiter aus. daß Frankreich nach der Ruhrbesetzung ausnahmsweise günstige Be­dingungen hätte erlangen können, daß es aber aus Loyalität nichts habe erreichen wollen, woran nicht auch seine Alliierten teilgenommen hätten. Der D a w e s p l a n sei als Folge derRuhr- besehung zu bezeichnen. Er habe sofort greif­bare Ergebnisse gezeitigt. Da der Dawesplan keine zeitliche Begrenzung enthalten habe, habe Frankreich geglaubt, sich einer neuen Verhand­lung über das Reparationsproblem nicht wider­setzen zu können. Mit dieser Bemerkung kam Poincare nun auf die Verhandlungen des S a ch - verständigenau sschusses zu sprechen.

Poincare führte über die Folgen der Nicht- ratifizierung der Schuldenabkommen ober Ratifizierung unter Vorbehalten noch aus: Es versteht sich von selbst, daß

England und Amerika eine Gefährdung des Poung-Planes darin erblicken würden, wenn wir die Schuldenabkommen nicht ratifizieren.

Die Ratifizierung ist eine Notwendigkeit. Amerika und England nehmen unsere Vorbe­halte unter der Bedingung an, daß sie nicht in den Text des Ratifizierungsgesetzes einge­fügt werden. Wenn die Kammer Vorbehalte be­schließt, die für die Gläubigerstaaten unannehmbar sind, so geht sie unüberwindlichen Schwierigkeiten entgegen. Auf Grund des ihr vorliegenden Mate­rials sieht sich die Regierung veranlaßt, die Kammer zu warnen und die Ueberzeugung auszusprechen, daß weder England noch die Vereinigten Staaten mit dem vom Aus­schuß mit einer Stimme Mehrheit beschlossenen Text einverstanden wären. Poincare kündigt an, daß der Außenminister selbst auf diese Frage zu­rückkommen werde und fuhr fort:

Wenn trotzdem der Ausfchuhanlrag von der Kammer angenommen würde, müßte das Ka­binett, das sich bald darauf bilden würde, aus der neuen Mehrheit genommen werden.

Es müßte versuchen, den Text vom Senat verab­schieden zu lassen und zu erreichen, daß die Ver­einigten Staaten und England dies als genügende .Ratifizierung anerkennen. Wenn dem neuen Kabi­nett das nicht gelingt, wovon ich leider überzeugt bin, so muß es entweder sich selbst widersprechen und sich vor dem 31. Juli wieder an die Kammer wenden, oder die von ihm bekämpfte Ratifizierung durch ein Dekret vornehmen lassen, oder die zehn Milliarden für Heeresvorräte in Devisen be­zahlen, dadurch unsere Kassen schädigen und sich gleichzeitig der Erhöhung der amerikanischen Ansprüche aussetzen, sowie von England Forderungen paralleler Leistungen gewärtigen. Wenn ich zu einer machiavellistischen Politik neigte, würde ich denjenigen, die mich stürzen wollen, die Verwirklichung ihrer Absichten erleichtern; aber ich frage: Was würde das Land von einer Parla­mentskrise denken, deren Ergebnis nur wäre, daß das neue Kabinett sich gezwungen sieht, genau die Maßnahmen zu ergreifen, die es vorher ver­urteilt hat.

PoincarL hat feine Rede heute nicht beendet. Um 19 Uhr vertagte sich die Kammer auf Diens­tag vormittag.

Iunctim.

Der französische Ministerpräsident P o i n - car^. der gegen seine frühere Einstellung jetzt vor der französischen Kammer für die Ratifi­zierung der Schuldenabkommen plä­dieren muß, hatte ursprünglich anders disponie­ren wollen. Er hoffte nämlich, daß der P oung- planvorher vonDeutschland ratifiziert werde, so daß er auf diese Weise seiner Kammer gegenüber mit einem Gegenpräsent hätte aufwarten können. Diese Dispositionen sind miß­glückt, wobei festgestellt werden muß, daß die Umstände, die dazu geführt haben, nicht nur in der Tatsache begründet sind, daß Amerika eine Abänderung des Schuldenabkom- mens abgelehnt hat. Poincar6 war aber trotzdem gezwungen, die Verbindung der Schulden mit den Reparationen aufrechtzuerhalten. Er hat sich dabei einer Konstruktion bedient, die darauf hinausging, daß man schon im Interesse des Boungplanes das Schuldenabkommen ratifizieren müsse da ja sonst Deutschland kommen könnte, die Annahme des Boungplanes abzulehnen. Denn der Zeitraum der Annuitäten wäre doch im Ver-

. ,8U jährlichen Schuldenzahlungen Frankreichs bestimmt worden. Poincare hatte diese Feststellung dazu noch mit der Aufforde­rung eingeleitet, daß man sich jetzt auf den Boden bet Satfocben stellen solle, an denen man nicht mehr vorbeikommen könnte

Die diplomatische Sprache hat unserem Wör­terschah ein Wort einverleibt, das nicht be­sonders schön ist. Von einem3unctim war zum ersten Male die Rede, als im September vorigen Jahres der deutsche Reichskanzler in Genf mit den Vertretern der wichtigsten Gläu­bigerstaaten eine grundsätzliche Vereinbarung über verschiedene Probleme traf, die alsbald geregelt werden sollten. Der erste Dünkt der internatio­nalen Tagesordnung war die Reparationssraae der zweite die Frage der Rheinlandräumung' und endlich wurde als dritter Punkt noch die von Frankreich geforderte »Feststellungs- und DersöhmmgSkommission" zur Debatte gestellt. 1

Briand war damals im Auftrage des französi­schen Ministerpräsidenten darauf aus, eine u n - mittelbare und ursächliche Verbin­dung zwischen Rheinlandräumung und Repara­tionsfrage herzustellen, und das wäre ein 3unctim gewesen.

Man wird die jetzigen Aeuherungen des fran­zösischen Ministerpräsidenten mit besonderem Interesse aufnehmen müssen. Zeigen sie doch, daß P o incare in diesem Falle wenigstens einmal selbst das Opfer seiner eigenen Dispositionen ge­worden ist. Er hat das Iunctim jetzt mit einer unverkennbaren Eindeutigkeit hergestellt, und aus diesem Grunde wird es für Deutsch- Ianl> auch in der Zukunft wichtig sein, immer auch mit der größten Aufmerksamkeit die Entwick­lung des anderen Faktors dieses Iunctim zu ver­folgen. Deutschland hat zum Voungplan ein anderes Iunctim hergestellt, und dieses Iunctim besteht in bet untrennbaren Cßer. £1 m n 9 Stoischen den Reparationen und der Rau m u rt g. Somit existiert jetzt in der ge­samten politischen Situation ein symmetrisches Paar derartiger Iunctims, die in ihrer Wechsel­beziehung gewiß nicht zur Vereinfachung der Lage beitragen, andererseits aber jetzt um so kon­sequenter aufrechterhalten werden müssen, als es wenigstens dadurch möglich wird, einen Druck nach mehreren Seiten auszuüben. Wenn P o i n - rar6 auch in bezug auf das andere Iunctim sich der größten Sachlichkeit befleißigen würde, so durfte es an sich nicht schwer sein, zur End- r JU1\9 *LU fomtme,L Der französische Ministerprä- sldent, der aber mit bestimmter Betonung auf Den® gorsmusderanderenDölker hin- welst, um die Unschuld seines Landes zu verteidi- gen, wird nach der Erfahrung aber kaum so vbiektrv kein, in diesem Falle seine»

Oer Giinnes-Prozeß.

Alle Angeklagten werden vom Staatsanwalt als schuldig bezeichnet.

Berlin, 12. Juli. (WTB.) In der heutigen Ver­handlung im Stinnes-Prozeß nahm Staats­anwaltschaftsrat Dr. Berliner das Wort zu fei­nem Plädoyer. Er erklärte u. a., wenn man, wie er selbst zu der Ansicht komme, daß sich S t i n n e s im Sinne der Anklage schuldig gemacht habe, so frage man sich nach dem Grunde für diese Tat. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß Stinnes eine starke antifiskalifche Einstellung besitze, die ihn keine Bedenken tragen lasse, sich auf Kosten des Staates zu bereichern. Aus dieser anti­fiskalischen Einstellung heraus habe er mehrfach Steuerhinterziehungen begangen, und aus dieser Einstellung heraus fei auch die in diesem Prozeß dem Angeklagten Stinnes zur Last gelegte Tat zu erklären.

Ls stehe fest, daß alle Angeklagten an dem betrügerischen Geschäft mitgewirkt hätten.

Der Nachweis dafür sei der Staatsanwaltschaft in­sofern leicht gemacht worden, als sie sich auf die eigenen Angaben der Angeklagten in der Vorunter­suchung habe stützen können, die bei mehreren Ange­klagten als völlige Ueberführung anzusehen seien. Eugen und Lea pirsch, Groß und S ch n e i d t hätten von vornherein gewußt, daß das Anleihe- geschäft auf betrügerischer Grundlage aufgebaut gewesen sei, während man beiStinnes, Nothmann und v. Waldow nicht mit Be­stimmtheit nachweisen könne, daß sie von Anfang bösgläubig gewesen seien. Fest stehe aber, daß sie im Verlaufe des Geschäftes dessen betrügerischen Cha- ratter erkannt und es, anstatt davon zurückzutreten, weiter durchgeführt hätten.

Heber die Schuldfrage im Falle des Ange­klagten v. W a l d o w erklärte der Staatsanwalt, es seien bei der Feststellung des Sachverhalts diejenigen Tatsachen zugrunde zu legen, die sich aus den Geständnissen des Angeklagten v. Wal­dow vorn 10. und 28. August 1928 ergeben hätten und die auch durch die Aussagen der Zeugen, sowie durch die Briefe des Angeklagten an die Zeugin Grosch ihre absolute Bestätigung gefunden hätten. Danach sei der Angeklagte v. Waldow

des versuchten Betruges überführt. Es sei er­wiesen, daß er spätestens im Rovernber 1927 von Schrandt darüber aufgeklärt worden sei, daß er in einen Betrug verwickelt war, und es sei ferner erwiesen, daß er das als betrügerisch erkannte Geschäft mit allen Mitteln gefördert habe.

Sich dem Angeklagten Stinnes zuwendend, legte der Staatsanwalt im einzelnen dar, wie er zu der Ansicht gekommen sei. daß das in der Voruntersuchung von Stinnes abgelegte und in der Hauptverhandlung widerrufene Geständnis der Wahrheit entspreche. Es fehle jeder ver­nünftige Grund dafür, daß sich Stinnes zu Lin- recht belastet habe.

Der Staatsanwalt erklärte, es fei für ihn klar, daß von Waldow Stinnes über den wahren Charakter des Geschäfts unterrichtet habe, und es fei wahrscheinlich, daß von Waldow das Ge­schäft nur weitergeführt hibe, weil dos Stinnes' Wunsch gewesen sei.

Ein deutliches Schuldbewuhtsein des Angeklagten Stinnes ergebe sich auch daraus, daß er mit allen Mitteln bestrebt gewesen sei, den unbequemen Mitwisser v. Waldow loszuwerden, und daß er ferner versucht habe, belastende Schriftstücke beiseitezubringen und die Sache so zu ver­dunkeln, daß eine Schuld nicht mehr erweisbar war. Begründet sei diese Ansicht in einem Ge­ständnis des Angeklagten v. Waldow und in der Tatsache, daß Stinnes v. Waldow geraten habe, sich nach dem Ausland zu wenden. Am liebsten hätte Stinnes v. Waldow, wie dieser dem Kri­minalkommissar Rassow erklärt habe, nach Gua­temala geschickt. Rach alledem sei der Angeklagte Stinnes des versuchten Betruges überführt.

Die Angeklagten Nothmann, Eugen Hirsch, Bela Grosz, Leo Hirsch und S ch n e i d t wurden von dem Vertreter der Anklage in sei­nen siebenstündigen Ausführungen ebenfalls als schuldig bezeichnet. Ihnen allen habe es klar fein müssen, daß es sich bei den Anleihegeschäften um betrügerische Manipulationen handele. Die Ver­handlung wurde dann vertagt.

Das größte Flugzeug der Welt.

Erfolgreiche Startversuche des neuen FlugschiffeöDo X" auf dem Bodensee.

Rorschach, 12. Juli. (TAI.) Das zwölf- motorige FlugschiffDo X der Dor­nier-Metallbauten-A. -G. ist heute früh in Altenrhein zum erstenmal zu Wasser gebracht worden. Die riesige, in der großen Montagehalle über Eck liegende Maschine war von den Trä­gern, auf denen sie bisher ruhte, ein Stück in die Höhe gewunden worden, und nach Entfernung der Stützen wurde eine auf Schienen laufende Fahrbühne unter die Mitte des 4 2 Meter langen S ch i f f s r u m p f e s geschoben, auf der Do X dann zunächst seitlich aus der Montage­halle hinaus auf das angrenzende Flugfeld und von hier nach entsprechender Drehung auf Schienen zum Alfer gebracht wurde. Alnter all­gemeiner Spannung der Werftleitung und der Belegschaft glitt dann in den frühen Morgen­stunden

das größte Flugzeug der Welt langsam, aber sicher ins Wasser. Mit der an Bord befindlichen Kompressor-Anlage wurden dann nacheinander die 12 Motoren mit ihrer Gesamtleistung von 6300 P. S. angeworfen, und unter dem Winken der Werstangestellten und der sich rasch an den Alfern von Ältenrhein und Rorschach angesammelten Schaulustigen begann dieDo X zunächst mit Rollvers uchen auf dem Bodensee, wobei auch verschiedene Manöver auf dem Wasser durchgeführt wurden, die sich hauptsächlich auf die Feststellung der Wendigkeit des Flugschiffes bezogen.

Dr. Dornier hatte bereits am Donnerstag die Anweisung erteilt, am Freitagfrüh mit den ersten Probeflügen zu beginnen. Er selbst war am Morgen mit einem Stab von Mitarbeitern nach Altenrhein gefahren und beobachtete von einem Motorboot aus den Stapellauf derDo X". Bei herrlichstem Sonnenschein gingen die Roll­versuche von statten, die die außerordent­lich gute Manövrierfähigkeit des Dor- nierflugzeuges vor Augen führte. Die Kurven, dieDo X zog, waren enger als man es selbst bei dem sehr gut manövrierenden Dornier-Wal gewohnt ist. Manchmal hatte es den Eindruck, als obDo X" buchstäblich auf der Stelle drehte. Dann begann um 9.40 Alhr

der erste Start

Alnter dem Donner seiner zwölf Motoren raste das Flugschiff mit riesiger Bugwelle über das Wasser dahin, gespannt verfolgt von den Kon­strukteuren und der Werftleitung, die mit Stopp­uhren das Abheben von der Wasserfläche regi­strierten. In der erstaunlich kurzen Zeit von 30 Se künden hob sich der im Sonnenschein silbern glänzende Riesenvogel unter dem Iubel- ruf der an den Alfern Stehenden ein Stück i n die Luft, um dann nach kurzer Zeit wieder glatt auf das Wasser hinabzugehen. In wenigen Minuten folgte hintereinander noch ein z w e i - t e r und dann ein dritter Start, der jedes­mal das gleiche Ergebnis hatte. Auf ausdrückliche Anweisung von Dr. Dornier sollte zunächst nur das Abheben des Flugschiffes vom Wasser versucht, aber noch nicht ein eigentlicher Flug durchgeführt werden, da vorerst die Mo­toren sich einlaufen und die Steuerorgane usw. sich einspielen sollten.

Als nach Beendigung der drei Startversuche dieDo. X von einem Motorboot gezogen, wie­der in die kleine Ducht an der Werft von Alten­rhein einlief, wurde sie von den Tausenden, die sich inzwischen an den Alfern angesammelt hatten, und von den Insassen der das Flugschiff umgrei­fenden Motorboote mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Auch in Friedrichshafen, wo sich die Stammwerft der Dornier-Werke befindet, herrscht Helle Begeisterung.

Ausgezeichnete Ergebnisse.

Friedrichshafen, 12. Juli. (WB.) Die Alntersuchung der Motoren und der Instru­mente derDo. X, die nach 5er Rückkehr des Flugschiffes in der Werfthalle vorgenommen wurde, hatte außerordentlich zufrie­denstellende Ergebnisse. Das Flugschiff hat bei diesen ersten Versuchen den Erwar­tungenvoll entsprochen. Chefpilot Wagner äußerte sich begeistert über die Eigen­schaften der Maschine, mit der sich trotz ihrer riesigen Ausmaße ausgezeichnet manöberieren lasse. Am Montag sollen die Versuche mit der Do. X" erneut aufgenommen werden.

Standpunkt auf Deutschland ju über­tragen. Die schwache Position, in der er sich, obwohl er in Frankreich im Augenblick wenigstens auf eine starke Mehrheit rechnen kann, gefamt- polltisch gesehen, befindet, läßt seine Haltung wohl begreifen. Deutschland darf aber verlangen, daß es in feinen Forderungen ebenfalls einer sachlichen Beurteilung gegenübersteht. Reparatio­nen und Schulden auf der einen Seite und auf oer anderen Seite Reparationen und Räumung, das sind die beiden Identitätsgleichungen, die un­bedingt im gleichen Sinne gelöst werden müssen.

Bittere Wahrheiten fiirpoincarö.

Paris, 13. Juli. (WTB. Funkspruch.) P o i n- c a r e hat in der gestrigen Kammersihung seine Zwangspvlitik gegenüber Deutschland zu rechtfertigen versucht. Gegen ihn wendet sich nicht nurE r e Rovelle" , die den Bankrott dieser Politik feststellt, son­dern auch die radikaleD o l o n t Das Blatt schreibt:Der Ministerpräsident, der mehr hartnäckig als geschickt ist, findet darin Gefallen, einen Streit zu entfachen, in dem ihm kein Republikaner, der guten Willens ist, unter­stützen wird.

Wenn Frankreich nach dem Kriege nicht eine völlig nationalistische Politik befolgt hätte und anstatt übertriebene Forderungen zu stellen, durch die Deutschland erdrückt worden wäre, da­mals schon verlangt hätte, daß Deutschland seinen Gläubigern die Summe von 38 Millionen Gold­mark zahle, auf die man jetzt seine Schuld fest- gesetzt hat, wäre ohne Zweifel die Reparations- ftage bereit» feit Jahren geregelt.

Auch die Schuldenfrage wäre geregelt, unb <5tanh reich und Europa würden nicht dort stehen, wo sie heute sind. Wir hatten keineswegs von Poin­care erwartet, daß er sich für schuldig er­klären würde, aber wir hatten gehofft, daß er eine Debatte vermeiden würde, von der seine Freunde und er nur eine Verurteilung erwarten können."

Klotz zu Gefängnis verurteilt.

Paris, 12. Juli. (WB.) Die Strafkammer hat den ehemaligen Finanzminister und Senator Klotz wegen Ausgabe ungedeckter Schecks, Untreue und Betrugs zu zwei Jahren Gefängnis und 50 Francs Geldstrafe verurteilt.

Kommunen

und Arbeitslosenversicherung.

Kommt eine Neuabgrenzung?

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers*.

Berlin, 13. Juli. In der außerordentlich schwierigen Frage der Beziehungen zwischen der Reichsan st alt für Arbeitsvermitt­lung und Arbeitslosenversicherung und der Wohlfahrtspflege der Ge­meinden machen jetzt die Sozialdemokraten einen neuen Vorstoß. Der Gedanke, neben der eigentlichen Arbeitslosenversicherung für den Dereich der kommunalen Wohlfahrtspflege eine sogenannte Reichs - Arbeitslosenfür­sorge zu schaffen, ist fein neuer Vorschlag der Sozialdemokraten, aber anscheinend hält man die Diskussion um die Reform der Reichsanstalt für geeignet, von neuem einen sehr weitgehenden Plan zu lancieren. Es handelt sich im wesentlichen um eine

Fürsorge durch das Reich für diejenigen Ar­beitslosen, die aus der Versicherung ausgefleuerl find und deren Betreuung nun den Gemeinden obliegt,

Rach einer Erhebung des Deutschen Städte­tages für Gemeinden über 50 000 Einwohner be­trägt die Zahl der unterstützten Personen ohne die Angehörigen weit mehr als 150 000, die nun in den Bereich der Reichsarbeitslosenfürsorge kommen sollen. Wie wir von unterrichteter Seite hören, ist man sich bei den zuständigen Stellen des Reiches durchaus darüber klar, daß in der Abgrenzung zwischen Versicherung und kommu­naler Wohlfahrtspflege eine Reihe außerordent­lich schwieriger Probleme stecken, und es verlautet auch, daß man die Lösung dieser Fragen auf einer ganz prinzipiellen Grundlage vorbereitet. Mer- Dings geht es hier auch um Probleme des Finanzausgleiches, und schließlich muß das Reichsarbeitsministerium zunächst einmal mit den Innenministerien der Länder in Fühlung treten. Bei diesen Plänen handelt es sich aber keineswegs um den sozialdemokratischen Vor­schlag einer Reichsarbeitslosenfür­sorge.

MerfchwemmunMtaflrophe in der Türkei.

London, 13. Juli. (WTB. Funkspruch.)Daily Telegraph" berichtet aus Konstantinopel: 4 0 0 Menschen verloren das Leben iu -en furchtbaren lleberfchwernmungen und Erdrutschen in den Bezirken Pazardzik und Surmene nach einem der schwersten Unwetter, das sich je in der Türkei ereignet hat. Tausende von Menschen eilen, von den rasch vordringenden Fluten verfolgt, höher gelegenen Gebieten zu. Alle Flüsse in der Gegend sind über ihre Ufer getreten. Ret- tungsarbeit ist so gut wie unmöglich.

Aus aller Wett.

Start zum Transozeanflug.

Paris, 13. Juli. (WTB. Funkspruch.) heute früh um 5.30 Uhr sind die französischen Flieger Lostes und Bettonte an Bord des mit einem 500-P8.-Motor versehenen FlugzeugsPoint dinter- rogation in Le Bourget nach Reuyork ge- ft a r t e t. Auch die polnischen Flieger I d z l k o w s k l und Kuba la, deren Transozeanflug im vorigen Jahre wahrscheinlich tragisch geendet hätte, wenn nicht ein deutscher Dampfer sie ausgenommen hätte, wiederholen ihren versuch. Sie haben mit einem 600-P8.-Flug;eug um 5.45 Uhr den Flughafen Le Bourget mit Ziel Reuyork verlassen.

246 Stunden in der Lust.

Lulver LUy, 12. Juli. (WTB.) Das Flugzeug Angelano" landete heute nachmittag, nachdem es über 246 Stunden in der Luft gewesen war, glatt auf dem hiesigen Flugplatz. Die Flieger sahen sich nur deshalb zum Abbruch ihres Dauer­rekordfluges genötigt, weil es heute nicht gelang, die Verbindung zwischen derAngelano" und dem Flugzeug, das dieAngelano" mit neuem Brenn­stoff versorgen sollte, herzustellen.

Köhl Flugdirektor derMioa".

Der Amercka-Flieger Hauptmann Köhl hat lautGermania" eine Stellung als Flugdirektor der katholischen MissionsgesellschaftMiva" an­genommen. DieMiva" ist die erste Missions- gesellschaft der Welt, die Flugzeuge bei ihrem Werk in Afrika verwendet. Hauptmann Köhl wird die Organisation des Flugwesens der Missionsgesellschaft übernehmen und im nächsten Februar auch Südwestafrika bereisen. Er wird ein Gebiet von mehreren tausend Quadratmeilen zu bearbeiten haben. DieMiva" wird von Franziskanermönchen geleitet. Der Direktor ist Pfarrer Schulte von Köln, ein früherer Flie­gerkamerad von Hauptmann Köhl.

15 Todesopfer der Brandkatastrophe von Gillingham.

London, 13. Juli. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Meldung aus Gillingham ist heute vormittag ein weiteres Opfer der gestern gemel­deten Brandkatastrophe gestorben. Die Zahl der Toten erhöht sich damit auf 1 5.

50 000-Tonnen-SchiffBremen".

Die vor der Ablieferung des Schnelldampfer« Bremen" des Norddeutichen Lloyd oorgenom- mene amtliche Vermessung hat nach einer Blätter­meldung aus Bremen für das Schiff einen Raum­gehalt von 49 694 Bruttoregistertonnen, also nahezu 50 000 Bruttoregiftertonnett ergeben.

1

-Ion Jpei in der &

ist alles

Me oi nachgK irgendein warmen leise M Tag W lich t°T m» l£

Lag.

iygr8 am rleuchtete' die «H» lingW Litern, dar dah uns sehnsM

G o

i

Wohl mancher erzählen, haben w Ersatz. 3 taufenömc überfüllte! Alnb wen si'Zugen scheu Ged Brunnen, stellen sol

Ja, es fahren! 1 am Fenske tischchen, 1 auf die b erinnert, unser leib die Acht Dersügun- machen, t sen. Ma ousgescho man sich was hak Krieg ui V-Zügen Kellner u nicht romc Ich hab wie mit. sich ausdr lung vor einigen £ herum, o gestern t auSgeres