Einzelbild herunterladen

gar nicht Len Tatsachen enftprechen. Die Ltplv- matischen Verhandlungen, die seinerzeit zwischen dem Reich und 2legt)bten über dieses Kunstwerk gepflogen worden sind, haben zu dem Ergebnis geführt, daß sich die Düste vollständig zu Recht im Besitz Preußens befindet, so daß von irgendeinem ägyptischen Anspruch gar keine Rede sein kann. An die Museums­leitung ist bisher von keiner Seite wegen einer etwaigen Rückgabe des Kunstwerkes heran­getreten worden.

Ungarn und dieKleine Entente".

Die Revision des Trianonvertrags.

Berlin, 12. Juni. (Eigene Meldung.) Be­kanntlich bestehen zwischen Ungarn und den Staaten der Kleinen Entente starke Span­nungen wegen der ungarischen Wünsche auf Revision des Trianonvertrages. Die Gesandten der Kleinen Entente in Budapest haben dem ungarischen Außenminister eine Verbalnote überreicht, in der das Befremden der Regie­rungen der Kleinen Entente über eine Rede des ungarischen Ministerpräsidenten GrafenBeth- l e n enthalten ist. Sn der Verbalnote wurde gleichzeitig angedeutet, daß die Regierungen der Kleinen Entente diei r r e d e n t i st i s ch e n" Bestrebungen Ungarns demnächst vor einem internationalen Forum, gemeint ist wahr­scheinlich der Völkerbund, erörtern würden. Der ungarische Außenminister Walko hat darauf die würdige Antwort gegeben, daß Ungarn stets die Ungerechtigkeit der Friedensverträge behauptet habe und sich nicht davon ab­halten lassen werde, mit friedlichen Mitteln eine Revision dieser Verträge zu erstreben.

Cura^ao.

Am st e rd a m , 12. Juni. (WB.) Blättermeldungen aus Curayao besagen, daß die venezolanischen Insurgenten, die den Ueberfall ausgeführt haben, inzwischen auf 2000 Mann angewachsen sind und sich in der Nähe des venezolanischen Hafen- Platzes Como, den sie bereits erfolglos angegriffen haben, verschanzt haben. Der morgen nach Curaxao in See gehende niederländische Panzerkreuzer Hertog Hendrik" wird außer seiner gewöhn­lichen Landungsdivision eine Abteilung Kolonial­truppen zur Verstärkung der Polizei­truppen in Willemstad mit sich führen.

Zriedensverhandlungeri zwischen Staat und Kirche in Mexiko.

Mexiko City, 12. Juni. (Associated Preß.) PräsidentPortesGil empfing den Erzbischof von Morelia Ruiz y Flores und den ihn be­gleitenden Bischof D i a z im Schloß Chapollepec. Zu dieser Besprechung, die nach einer Aeußerung des Präsidenten gegenüber einem Pressevertreter die Einleitung von Verhandlungen zur Beilegung des seit langer Zett herrschenden Streites zwischen Staat und Kirche in Mexiko bedeuten dürfte, wurde sonst niemand zuaelassen. Die beiden Kirchen­fürsten haben es auch abgelehnt, sich Pressevertretern gegenüber über den Zweck ihres Besuchs zu äußern. Nachmittags war die Besprechung noch nicht be­endet.

Bundestag des Deutschen Offiziers-Bundes.

Hamburg, 12. Juni. (LU.) Der Hamburger Bundestag des Deutschen Offiziers-Bundes wurde am Mittwoch mit einer Frauentagung und der darauffolgenden Dundessihung eröffnet. Diese be­schäftigte sich in der Hauptsache mit Organisa- tionsfragen. Sm weiteren Verlauf der Tagung wurde eine Reihe von Entschließungen einstimmig gefaßt, deren eine sich mit der Kriegsschuldfrage besaßt. Sn dieser er­sucht der Bundestag die Reichsregierung, an die Unterzeichnermächte des Diktats von Versailles die Forderung zu richten, die Behauptungen von Deutschlands Schuld am Weltkriege als im Wider­spruch mit der Geschichtswahrheit und unerträglich für die Ehre des deutschen Voltes restlos zu

Römischer Kalender.

Von Or. Gustav W. Eberlein.

Rom, Juni 1929.

Die neue Stadt.

Wir wollen es doch genauer nehmen mit dem Datum: 7. Juni 1929, mittags 12 Uhr. Das ist nach Tag und Stunde die Geburtszeit der Stadt, die dem Himmel am nächsten ist, der Vatikanstadt, der Cittä del Vaticano. Es war ein großes Ereignis, ein historisches Ereignis, es war geradezu ein staatserzeugendes Ereignis. Schlachten mußten ihm vorausgehen, die sich durch zwei Generationen hin­zogen. Die erste wurde bei Sedan geschlagen und die letzte im Palazzo Chigi. Bismarck und Mussolini, Pius IX. und Pius XI.

Noch vierundzwanzig Stunden vor dem endgül­tigen Friedensschluß gab es ein kleines Geplänkel: Der Duce: Wir haben die zeitliche Macht der Päpste nicht wieder aufgeweckt, wir haben sie für immer begraben!

Der Papst: Ich erlaube mir, einige Aeußerungen des Onorevole Mussolini zu be­lächeln.

So ausgesucht fein, wie man das der Diplomaten­sprache nachrühmt, klang das ja nun gerade nicht, aber man darf die Worte nicht auf die Goldwaage legen, wenn es sich um so gewichtige Dinge han­delt. Schließlich ist es keine Kleinigkeit, einen Kirchenstaat zu verlieren, und Milliardenschecks zu zücken, das fällt nur gewissen Tributärstaaten leicht.

Nun ist also der alte Streit zu Ende, die Brücke zwisck)en Quirinal und Vatikan geschlagen, König und Papst haben die ersten Begrüßungstelegramme getauscht. Das war um elf Uhr. Dann zog der treffliche Außenminister des Statthalters Christi, Kardinal Gasparri, den Bevollmächtigten Viktor Emanuels zu einer letzten privaten Unterhaltung in seine Gemächer. Als der Duce den Damasushof hinter sich hatte, sein Auto hinter dem großen Obe­lisken auf dem Petersplatz verschwunden war, sah man, wie ein Blatt im Geschichtsbuch sich langfam wendete. Bald darauf, fünf Minuten vor zwölf, machten sich zwei päpstliche Gendarmen auf den Weg, auf den sie seit 1870 gewartet hatten, und als die Mittagskanone vom J,niculus herunterdonnerte, da besetzten die Schweizer Landsknechte die Stadt­grenzen.

Bumm mmmmmm! Hellebarde aufgeftoßen!

Die neue Stadt trat ins Leben.

... Feierlich, höchst feierlich, das läßt sich nicht leugnen. Aber die sichtbare Souveränität, auf

beseitigen. Eine zweite Entschließung tritt für den Wehrgedanken ein und richtete an alle auf dem gleichen Standpunkt wie der Deutsche Offiziersbund stehenden Dollsgenossen die Ditte, sich mit ganzer Kraft einzusehen in die Arbeit der Wiederbelebung des Wehrwillens im deutschen Volke zur Rettung unseres Vaterlandes. Sn seiner dritten Entschließung endlich fordert

der Deutsche Ofsiziersbunv von den in Dekracht kommenden Landesregierungen, daß endlich Schluß gemacht werde mit den sogenanntenFeme- prozessen" und daß den noch in ten Ge­fängnissen schmachtenden Verurteilten, die in schwerster vaterländischer Rvt in gutem Glauben gehandelt hätten, durch eine ^Begnadigung die Freiheit wiedergegeben werden.

Die Norm des Mariais in Hessen.

Darmstadt, 12. Suni. (WTB.) Der Land­tag beginnt die Aussprache über die Reform des No tariatsto esens. Abg. Schül (Zentr.) erstattet Dericht über die Beratungen der verschiedenen Anträge der Abg. Dr. Best (Dolksrpt.), Dr. Werner (fraktionslos), Böhm (Sn.) und Scholz (D. Dp.) im Gesetzgebungs­ausschuh. Das Ergebnis der Ausschußberatungen läßt sich dahin zusammenfassen, daß die Regie­rung gemäß einem Anträge Schreiber (Dem.) und v.Helmolt (Bbd.) zum Antrag der Ab­geordneten Dr. Best und Genossen, Aenderung des Ausführungsgesetzes über die Angelegenhei- ten der freiwilligen Gerichtsbarkeit usw., baldigst einen Gesetzentwurf vorlegen will, der, unter Anpassung an die wirtschaftliche Leistungs­fähigkeit, eine Senkung der Stempel und Gebühren in den Angelegenheiten der frei­willigen Gerichtsbarkeit, namentlich im Grund- stücks - und Grundbuchverkehr, vorsieht, und in die sofortige Prüfung der Frage eintreten will, ob ohne Verletzung wohlerworbener Rechte eine Beseitigung der staatlichen Pen- sions- und Hin te r b li e b enenve r s o r- gung für die Notare durch Schaffung einer selbständigen Zwangspensionskasse unter der Selbstverwaltung der Rotariatskammer mög­lich ist. Später gestellte Anträge mit Einzel­vorschlägen wurden der Regierung als Material überwiesen. Sn einer Eingabe des Hessischen Industrie- und Handelskammertages werden schwerwiegende Bedenken gegen die Uebertragung von Beurkundungen besonders im Grundstück­verkehr an die Ortsgerichtsvorsteher zum Aus- druck gebracht, wenn auch eine starke Herab­setzung der Rotariatsgebühren notwendig sei. Der Berichterstatter weist darauf hin, daß die Vor­bereitungen zum Reichsnotariatsgesetz sehr weit gediehen seien. Gegen die Bestschen Vorschläge haben sich ausgesprochen das Plenum des Hessi­schen Oberlandesgerichtes, die drei Landgerichts­präsidenten, die meisten Amtsgerichte, der Deutsche Rotarverein, die Hessische Rotar- und Anwalts­kammer. Das Durchschnittsgehalt des Rotars betrug im Jahre 1927 etwa 5000 Mk., 1928 4800 Mk.

Abg. D r. Best hält seine Anträge aufrecht. Die hessischen Gebührensätze seien im Sahre 1923 ganz ungeheuerlich erhöht worden. Sm Snter- effe der hessischen Finanzen sei die Reform des Notariats notwendig. Wenn der Staat im In­teresse der Rechtssicherheit die Formalisierung von Rechtsgeschäften vorschrieb, dann dürften die Kosten und Stempel nicht viel höher sein als die Kosten für die aufgewandte Zeit der Beamten.

Abg. v. H e l m o l t (Bbd.) Die Auffassung seiner Fraktion in Einzelheiten sei nicht einheit­lich. Im Interesse des Publikums liege zweifel­los, daß die Beratung beim Rotar eine ein­gehendere sei, als dies beim Gericht mög­lich wäre. Mißstimmung im Lande bestehe nur über die zu hohen Stempelgebühren.

Abg. Dr. Werner (fraktionslos) ist erfreut, daß sein Vorstoß in dieser Frage auch die an sich ablehnenden Kreise veranlaßt habe, sich mit den hier bestehenden Mißständen zu befassen. 'Bei einer Umänderung des Verteilungsschlüssels und der Herabsetzung der Gebühren dürften jedoch nicht die S t a a t s f i n a n z e n geschädigt werden. Er fordert die Einführung des Rich- ter-Rotariats. Auf die reichsgesetzliche Re­gelung brauche man nicht zu warten, bei der Frage des 11. August habe man ja auch davon abgesehen.

Abg. Sturmfels (S.): Meine Fraktion lehnt die Uebertragung der Grundstücksbeurkun­

dungen an die Ortsgerichte ab, da wir nicht zu den Ortsgerichtsvorftehern in ihrer Mehrheit das Zutrauen haben, daß sie bei der heutigen verwickelten Rechtslage imstande sind, derartige Verträge zu protokollieren. Wenn der Abge­ordnete Dr. Best nach den Vorgängen im Aus­schuß heute viel vorsichtiger gesprochen habe und kein Feind der Rotare sein wolle, so schaue ihm doch die Mißgunst aus allen Knopflöchern. 'Auch jetzt hübe Dr. Best wider besseres Wissen Be­hauptungen über die Einkommensverhältnisse der Rotare ausgestellt (der Redner wird zur Ord­nung gerufen),

Abg. Schreiber (Dem.) lehnt die Soziali­sierung des Rotariats ab. Die Anträge Dr. Best und Dr. Werner lägen nach einstimmiger An­sicht der Fachmänner nicht im Interesse der Rechtspflege. Sie würden eine große Kosten- und Personalvermehrung bringen.

Justiz- und Finanzminister fiirnbergcr erklärt u. a. er bedauere die Ausführungen des Abg. Dr. Best, der sich bisher große Verdienste um die hessische Justiz erworben habe. Er wolle ihm auf seine für die Justizverwaltung kränken­den Ausführungen nicht in der eigentlich ange­brachten Weise antworten. Eine nennenswerte liebertragung von Deurkundungsgeschäften an die Ortsgerichte könne nicht in Frage kommen. Die Regierung hat nicht die Absicht, das gut bewährte Notariat auszuheben, weil dadurch dem Staat erhebliche Kosten entstehen. Mit der Pensions- und Hinterbliebenenversorgung ist der erhebliche Gebührenabzug verbunden, der dem Staat mehrere hunderttausend Mark einbringt, was in keinem anderen Lande der Fall ist. Wir stehen mit den anderen Ländern wegen einer Senkung und Angleichung der Gebühren in engen Unterhandlungen. Wenn ich die Unterlagen für die finanzielle Auswirkung besitze, werden wir den Plänen auf Gebührensenkung sofort näher treten.

Abg. Dr. Niepoth (D.V.-P.) erblickt im Notariat eine beim Publikum beliebte Einrich­tung. Die Uebertragung der Grundstücksbeur- kundungen an die Ortsgerichtsvorsteher wäre für diese ein Danaergeschenk. Die ganze Frage sei eine rein finanzielle. Wenn erst das sagenhafte Gutachten des Sparkommissars vor­liege, könne man doch der Bevölkerung nicht zu- muten, ein nicht vollbeschäftigtes Amtsgericht aufheben zu lassen, wenn gleichzeitig ein voll- beschäftigter Notar am Platze sitze: der Staat dürfe nicht auf der einen Sette Opfer verlangen und andererseits fette Pfründen vergeben. Die Mehrheit seiner Fraktion stimme der Tendenz der Bestschen Vorschläge zu, in Einzelheiten weiche sie jedoch von diesen ab. Das zugesagte Entge­genkommen der Regierung hätte er etwas posi­tiver und weitgehender gewünscht.

Abg. Böhm (Deutschn.) fragt, nach welchen Gesichtspunkten die Ernennung von Notaren er­folge und ob bei der reichsgesehlich geplanten Regelung wirklich allen Rechtsanwälten nach 15- bis 20jähriger Praxis die Notariatserlaubnis gegeben werden solle.

Ministerialdirektor Schwarz stellt fest, daß die Besetzung von Notarstellen nach Recht und Gerechtigkeit ohne Rücksicht auf konfessionelle oder politische Gründe erfolge. Bei vakanten Notar­stellen werde ernstlich geprüft, ob das Amtsge­richt die Notariatsgeschäfte übernehmen könne.

Nach weiteren Ausführungen der Abgeordne­ten Dr. Müller (Bbd.). v. d. Schmitt (K.) und Dr. Best wird die Abstimmung auf morgen aus­gesetzt, da nur noch ein Dutzend Abgeordneter anwesend ist.

die der Papst den Akzent legte, wird von vielen Fremden als Rückfall in die Zeit der Kleinstaaterei beklagt, von den Sammlern freilich mit Begeiste­rung begrüßt werden. Denn jetzt gibt es Gedenk­münzen und sogar echte Briefmarken im Vatikan, es gibt aber auch Torwächter und Schranken. Die Vatikanstadt ist an ihren wichtigsten Zugangsftellen sofort mit Brettern vernagelt worden und wenn man hinein will, muß man an das Eternithäuschen gehen und Auskunft geben, was man darin zu suchen habe. Eine Art Kaserne, ein Kloster ist an die Stelle des offenen Heiligtums der Christenheit ge­treten. Damit ja kein Unbefugter den Frieden störe, kriegen sogar die vatikanischen Sammlungen, die nach dem Versöhnungsvertrag der Oesfentlichkeit zugänglich bleiben müssen, einen Eingang von der Piazza del Risorgimento aus auf ... italieni­schem Boden.

Andererseits haben die Schweizer die berühmte Bronzepforte, die 58 Jahre lang zum Zeichen der Trauer halb geschlossen blieb, nun ganz geöffnet.

Caligula gibt feine Sorte ab.

Er hat das in meiner Anwesenheit getan, ich bin Kronzeuge und kann mich daher für die Echtheit verbürgen. Die Karte ist natürlich aus Bronze, hat die Gestalt eines Wolfskopfes und sieht so pracht­voll aus, wie sich das Seine Majestät eben leisten kann. Jedermann hat sie schon gesehen oder wenig­stens dasPendant" dazu, den Löwenkopf mit dem Ring im Maul, der zu unserer Kinderzeit, als das Pendant die gutbürgerliche Wohnung beherrschte, als der Trompeter von Säckingen auf dem Wand­teller einmal von rechts her und einmal von links her blasen mußte, sämtliche Plüschsofas zierte. Da­mals, im Jahre 1895, fischte ein deutscher Taucher das Original aus dem Schiffe des Caligula im Nemisee heraus. Im römischen Nationalmuseum kann man es heute noch bewundern, die Kopien der Blechindustrie sind gottlob verschwunden. Hoffen ®ir. beim gütigen Zeus, sie werden jetzt nicht beim Anblick dieses Wolfskopfes wieder aufleben.

Der Wolfskopf hat freilich auch schon sein Pen­dant, auch im Nationalmuseum, aber wir stießen doch «in Uff der Erleichterung aus, als er sich aus den schlammigen und zitternden Händen des Arbei­ters herausarbeitete, der mit seinem Holzlöffel in der schmuddeligen Fracht des Orgienschiffes herum­stocherte. -Lenn damit war nach der großen Enttäu­schung. die das erste Auftauchen desSchiffes", das heißt eines vermoderten Baumftrunkes, hervorrief, der gewichtige, kilogewichtige Beweis erbracht, daß wir doch nicht vor einem total ausgeplünderten Pharaonengrab stehen.

Jetzt, wo das schwarze Fragezeichen zu einem Drittel auf- dem Trockenen liegt, wagt man bereits wieder, von einem Schiff zu sprechen. Es sieht wie ein gestrandeter Walfisch oder vielmehr wie das Gerippe eines verfaulten aus. Die Rippen werden nach der Säuberung sogleich mit dickem Segeltuch bedeckt, damit die stechende Sonne sie nicht zu Staub zerdörrt. Im Innern des Ungeheuers buddeln halbnackte Kerle mit Holzdingern herum, wie sie die Kinder beim Sandspielen benützen: so sorgfältig geht man vor, ganz wie in Pompeji. Kupserziegel fallen uns in die Hand, Marmor mit dem kaiser­lichen Zeichen desSoldatenstiefeichens", wie Cali­gula auf deutsch heißt ... die letzten Zweifel ver­sinken schamhaft imSpiegel der Diana".

Neandertal am Tiber.

Der Homo heidelbergensis wird sich hinter den Ohren kratzen, wenn er das hört. Der homo pri- migenius hat eine Konkurrenz bekommen. In Ita­lien! Das ist insofern unerhört, als der Stiefel un­serer guten Mutter Europa in der Maien^eit der Anthropologen gar nicht bewohnt war. Was der Urmensch eigentlich gegen Italien gehabt hat, ist nie so recht klar, geworden. Vielleicht konnte er die Spaghetti nicht leiden. Jedenfalls war er im römi­schen Standesamt nicht eingetragen und existierte infolgedessen für die Obrigkeit ebensowenig wie der amtlich im Weltkrieg um- und doch nach Hause ge­kommene Soldat, von dem man ab und zu in den Zeitungen lieft.

In den römischen Zeitungen steht jetzt, daß der Neandertaler vom Tibertal den direkten und un­widerruflichen Beweis erbracht habe, daß auf dem heiligen Boden Roms das Leben des Menschen zu­rückreiche bis in die Epoche remotissima. Wie in Heidelberg und Mettmann.

Auch das ist beim Buddeln zum Vorschein ge­kommen, wie alles in Rom. An der Via Momentana draußen, dort, wo es der Aniene nicht mehr erwar­ten kann, in den Tiber zu kommen, und infolge­dessen das von den Anthropologen für solche Fälle vorgeschrieben« Kiesbett in die mit Recht so be­liebte Erscheinung tritt, an dieser historischen Stelle, wo Nero sich den Tod gab, da hieb der Pickel eines Erdarbeiters plötzlich in Mammut- und Riesenfluß, pferdknochen, daß die Urzeitfetzen nur so herum­flogen. Diese Reliquien, überlegte der Mann, kön­nen nur von dem allen Scheusal stammen, diesem Nero, na warte, dir will ich's mal geben! Und hieb und stocherte und philosophierte, bis er, Hamlet vom Scheitel bis zur Sohle, tatsächlich den Schädel des ^Wüstlings, des Brandstifters, des Muttermör­ders, hochheben konnte.

Kultur- und Poststagen im Reichstag.

Berlin, 13. Juni. (VDZ.) Im Reichstag wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichsmini, [teriums fortgesetzt. Abg. Ka h l (D. V.) widerspricht der Anregung des Abg. Dr. Moser, dem Reichs­tag eine gewisse Mitwirkung bei der Arbeit der Notgemeinschaft zu gestatten. Die von Dr. Moser bemängelten Arbeiten der Notgemeinschaft hätten sehr ernsten wissenschaftlichen Aufgaben ge­dient.

Abg. P e tz o l d (W. P.) bedauert die Kürzung der Mittel für die wissenschaftliche Notgemeinschaft. Der Redner tritt für die Festsetzung eines Holks- trauertages und für die Schaffung eines Reichsehrenmales bei Bad Berka ein.

Abg. Dr. Moses (Soz.) meint, die Notgemein­schaft der deutschen Wissenschaft werde aus den hier über sie geführten Debatten gestärkt heroorgehen, denn jetzt sei das Interesse für sie geweckt worden. Das Kontra 11 r e ch t könne dem Reichstag nicht durch die Einheitsfront der Professoren genommen werden.

Abg. Berndt (2n.) weist die Angaben des Mi­nisters über den Stahlhelm als unrichtig zu­rück. Der Stahlhelm habe erst in München wieder programmatisch festgelegt, daß er gegen Umsturz und Gewaltanwendung sei. Unrichtig sei auch die Behauptung des Ministers, daß der Stahlhelm von Industriellen unterstützt wird. Der Stahlhelm werde ausschließlich durch die Beiträge seiner Mit- glieder erhalten. (Widerspruch links.) Leider habe der Minister feine Pläne gegen die Technische N o t h i1fe beinahe schon durchgesetzt.

Abg. Dorsch (Chr.-Natl. Bp.) verlangt Er­höhung der Mittel für die Technische Nothilfe: Schutz gegen den Terror der Gewerkschaften sei notwendig.

Abg. Landsberg (Soz.): Die Deutschnationa­len sollten mit dem Vorwurf des Landesverrates vorsichtiger (ein. In der französischen Zeit­schrift für das besetzte deutsche Ge­biet inseriert erfreulicherweise fein deutscher Ge­schäftsmann. Die einzige Ausnahme bildet Herrn Hugenbergs Ufa-Theater, das dort in deutscher und französischer Sprache inseriert.

Der Haushalt wird in der Ausschußfassung unverändert angenommen. Angenommen wird auch gegen die Linke eine Entschließung der Deutschnationalen, in der gesetzgeberische Maß­nahmen gegen Entartung und Verwil­derung auf dem Gebiete der lite­rarischen Erzeugnisse und des Thea­ters gefordert werden, ebenso eine deutsch- nationale Entschließung, die Sicherstellung der politischen und religiösen Neutralität des Rundfunks nachzuprüfen. Weiter werden Ent­schließungen angenommen auf Verbesserung der Fahrpreisvergünstigungen für Iu - gendsahrten und Nachprüfung des Impf^ gesehes.

Die Mißtrauensverträge gegen den ReichLinnenminister Severing werden gegen Deutschnationale, Kommunisten und Rational- sozialiften abgelehnt. Der demokratische An­trag auf Vorlegung eines neuen Wahlge­setzes wird gegen Demokraten und Zentrum abgelehnt. Ein demokratischer Antrag auf Aufhebung der innerdeutschen Län- dergesandtschaften wird angenommen. Ein deutschnationaler Schulgesehentwurf wird gegen die Stimmen der Linken dem Ausschuß überwiesen. Es folgt nun die zweite Beratung des P o st e t a t s.

^eichspostminister Dr. Gchähel

gibt einen Ueberblick über die Entwicklung der Reichspost. Verkehr und Einnahmen der Post hät­ten eine ansteigende Linie gezeigt. Die im Klein­güterverkehr zwischen Poft und Eisenbahn be­stehende Konkurrenz soll beseitigt werden. Die Ver­suche der Verkraftung des Landbestell- d i e n st e s sind erfolgreich verlaufen. Kraftpost- nnd Luftpostoerkehr haben sich gesteigert. Nach Lon­don und Stockholm haben wir Luftpoftlinien ein- gerichtet. Im Fernsprechwesen werden 'Diitte dieses Jahres 50 Prozent aller Hauptan­schlüsse automatisiert sein. Wir rechnen

Noch heute kann er sich nicht erklären, warum ein Professor darüber bis zu Tränen gerührt wurde und ihm den dreckigen Kürbis sanft aus der Hand nahm.

Der Professor hat jetzt vor der römischen Gesell­schaft für Urgeschichte nachgewiesen, daß es sich um einen echten Neandertaler handelt.

Die Straßenbahn im Schützengraben.

Das neueste Schlagwort. Die Lösung des unlös­baren Verkehrsproblems! Kein Platz mehr im alten winkeligen, von den Ahnen so unzweckmäßig der­bauten inom? Nun, dann müssen sich eben die Stra­ßenbahnen eingraben, halb unterirdisch fahren ...

Ich will mich kurz fassen. Denn wenn ich mir vorstelle, daß man im Lauf einiger Tage eine Vati­kanstadt, ein Orgienschiff und einen Neandertaler ausgebuddelt hat was mag da beim Einbuddeln des Trams alles zum Vorschein kommen! Dafür reicht feine Phantasie aus.

Zwischen den Beinen hindurch.

Von Hans Siemsen.

Bei uns zu Hause auf dem platten Land gab es einen kleinen Hügel. Er war vielleicht zwanzig er schien uns tausend Meter hoch. Wir nannten ihn denBerg". Von da oben konnte man in unsere flache Ebene sehr weit hineinsehen. Und das taten wir auch. Aber da es immer dieselbe Landschaft war, die man von da oben sehen konnte, so wurde uns das bald langweilig. Dann drehten wir uns um, bückten uns und sahen zwischen unseren Beinen hin­durch. Und dann sah alles ganz anders aus.

Das haben Sie auch gemacht? Gewiß! Aber haben Sie auch soviel daraus gelernt wie ich?

Damals, als Junge, habe ich das nicht gemerkt. Viel später ist mir das aufgegangen: daß alles ganz anders" ausfieht, wenn man es zwischen seinen Beinen hindurch wenn man es von einem anderen Standpunkt, von einem anderen Gesichts­punkt aus ansieht.

Wie wäre es, wenn wir mal, wenn wir was nicht verstehen, wenn wir so ganz und gar anderer Mei­nung sind^als unser bester Freund, wenn wir dann mal die Sache zwischen unseren Beinen hindurch ansähen?! Wenn wir uns mal auf den Kopf stellten?!

Das ist schwer? Ich weiß. Wir sind alt und steif und etwas korpulent geworden, und es fällt uns schwer, zwischen unseren Beinen hindurchzusehen.

Aber wie wäre es, wenn wir wenigstens ver­suchten, unseren Aussichtshügel von zwanzig Meter nicht für einen Berg von taufend zu halten?