Einzelbild herunterladen

Donnerstag, 13. Juni |929

179. Jahrgang

Nr. 156 Erstes Blatt

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnlü und Verlag: vrühl'fche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerei H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrift 20v/o mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen

Die Illustrierte

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse:

51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen.

Postscheckkonto:

Frankfurt am Main 11686.

England und die Rheinlandräumung.

Eine Konferenz der Premierminister soll den Houngplan und seine politischen Folgen besprechen.

London, 13.3uni. (2DIB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" führt aus, man erwarte mit Bestimmtheit, daß die britische Regierung in der nächsten Woche nach der Rückkehr Macdonalds und Hendersons nach Lon­don die diplomatische Initiative in Sachen der Reparationskonferenz ergreift. Offenbar bestehe in Frankreich Abneigung gegen diese Konferenz, oder doch wenigstens die Neigung, die Teilnehmer und die Tagesordnung dieser Kon­ferenz zu begrenzen. Die Anwesenheit der Außen­minister sei aber unentbehrlich. Die Wichtigkeit der zu behandelnden Probleme rechtfertige auch die An­wesenheit der Premierminister. Macdonald be­absichtige, unbedingt an der Konferenz t e i 13 u - nehmen. Der deutsche Reichskanzler werde dies wohl auch tun und auch Poincar 6 werde sich schließlich von der Zweckmäßigkeit direkter Er­örterungen überzeugen.

Die Haltung der französischen Regierung in der Frage der Annahme des Poung-Planes wird nach der Rückkehr Briands endgültig festgelegt wer­den. P o i n c a r e, der gegenwärtig den Bericht genau prüft, werde zweifellos mehrere Bedin­gungen formulieren, die erfüllt werden mühten, bevor die französischen Truppen aus dem Rhein­lands zurückgezogen werden. Die französische Re­gierung sei der Ansicht, daß das Problem des Saargebietes nicht zu einem Teil der Rege­lung der Reparationskonferen; und der Rheinland­frage gemacht werden dürfe. Sie wird vorschlagen, dies Problem gesondert zu besprechen.

Briaud weicht aus.

Die andern Eignatarmächte sotten gefragt werden.

Paris, 12. Juni. (WB.) Zu der Unterredung, die Reichsaußenrninister Dr. Stresemann gestern abend mit Briand hatte, schreibt derT e m p s", daß Stresemann, darauf bedacht, der öffentlichen Meinung in Deutschland eine Genugtuung zu verschaffen, aus die eventuelle Rheinland­räumung angespielt habe, die die Deutschen als eine notwendige Folge der Repa­rationslösung ansähen, während sie jedoch von der Schaffung einer Feststellungs- und Ausgleichskommission für das entmili­tarisierte Rheinlandgebiet abhängig bleibe. Hier­über habe jedoch keine eingehende Aussprache stattfinden können einfach deshalb, weil das Rheinlandproblein noch andere Länder als nur Frankreich angehe und praktisch e r st nach vorheriger Verständigung unter den Besatzungsmächten in Angriff genommen werden könnte. In Wirklichkeit dürften die Ver­handlungen über die Rcparationsf rage, die Rhein­landräumung und die Feststellungs- und Aus- glcichskommission erst in einer Zusammenkunft angeschnitten werden, auf der sämtliche Mächte, die den Genfer Beschluß vom September v. 3. unterzeichnet hätten, vertreten sein werden: das sei in Madrid nicht der Fall gewesen, wo Briand und Stresemann lediglich eine private Besprechung miteinander hatten. Wieder englische Minniünöser?

Was sagt Macdonald?

Berlin, 13. Juni. (Priv.-Tel.) Die letzten eng­lischen Rheinmanöver halten schon sehr viel Staub aufgewirbelt, vor allem deswegen, weil die briti­schen Truppen gemeinschaftlich mit den französischen operierten und weil dadurch zum Ausdruck gebracht wurde, daß auch England noch immer von feindseligen Absichten Deutschland gegenüber erfüllt ist. Jetzt wird vomManchester Guardian" mitgeleilt, daß neue großeRhein- manöver des englischen Befahungs- k o r p s in Vorbereitung wären und daß diese Hebungen ihren Anfang am 20. August nehmen sollten. Da nach den Pariser Vereinbarungen die neuen Reparationslasten am 1. September zu lau­fen anfangen und Deutschland auf Grund früherer Versprechungen damit rechnen muh. dah es ihm gelingt, die Freigabe des Rheinlandes bis zu diesem Zeitpunkt zu erreichen, fällt es dop­pelt peinlich auf, dah ausgerechnet das englische Oberkommando noch einmal große Hebungen auf deutschem Boden abhalten will. Macdonald und die Labour Party haben wiederholt erklärt, dah sie für die R ä u m u n g des Rheinlandes feien; man darf doch wohl erwarten, daß fie wenigstens unverzüglich diesem Manöverunfug ein Ende be­reiten werden.

Dank an Dögler.

Reichswirtschaftsminister Dr. Curtins gegen die Pressehctzc.

Berlin, 12. Juni. (WTB.) Bei dem im An­schluß an die Tagung des Vereins Deutscher Eiseii- unh Stahlindustrieller veranstalteten Essen nahm Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s in einer kurzen Anl;.''ache Gelegenheit, um Herrn General­direktor Dr. Vogler seine Hochachtung und

feinen Dank für die Tätigkeit in Paris, was der Auffassung der Reichsregierung entspreche, zum Ausdruck zu bringen. Er teilte mit, daß der Reichs­kanzler heute morgen den Dank der Reichsrcgierung in einem besonderen Brief an Dr. Vogler ausgesprochen habe. Dr. Curtius wandte sich gegen die in einem Teil der Presse erfolgten Angriffe auf Dr. Vogler bezüglich seines Rücktritts von den Pariser Verhandlungen. Er stellte ausdrücklich fest, daß Dr. Vogler nur von sich aus gehandelt habe und daß man nicht Klüngel wittern dürfe, wo letzte Gewis­sensentscheidungen fallen. Um eine Na­tion sei es schlecht bestellt, deren Geschick nicht mehr durch freie Entscheidung von Männern bestimmt werde, die ihre Persön­lichkeit in den Dienst des Vaterlandes stellen.

Die Madrider Ratstagung.

Deutsch-polnische Streitfragen.

Madrid, 12. Sunt (WB.) 3n der heutigen Ratssitzung wurden sämtliche Punkte der Tages­ordnung ohne nennenswerte Aussprache ge­nehmigt. Die vom Rat ausgesprochene Emp­fehlung betreffend das Genfer Giftgas- Protokoll, das bis jetzt von dreizehn Staa­ten ratifiziert und von etwa zehn anderen Staa­ten für die Ratifizierung vorgesehen ist, ver­anlaßte den finnischen und den persischen Dele­gierten, die Bedeutung des Verbots des Gas­krieges und des bakteriologischen Krieges her­vorzuheben und die bevorstehende Ratifizierung durch chre, Länder anzukündigen. Aus den Be­richten über die deutsch-polnischen Be­sprechungen in Paris ergeben sich Verbes­serungen des örtlichen Verfahrens, namentlich

eine Beschleunigung des Verfahrens, und eine Entlastung des Dölkerbundsrates, der in den letzten 3ai)ren von polnischer Seite immer mehr mit Bagatellsachen behelligt worden war, wäh­rend die Beschwerden des Deutschen Volksbundes meist schwerwiegender Art sind. Die jetzige Re­gelung läßt jedoch die Möglichkeit offen, daß Angelegenheiten, die durch die örtlichen 3n- stanzen nicht befriedigend geregelt werden konn­ten, vor den Völkerbundsrat gebracht werden. Die polnische Forderung nach Wiederein­führung der S p r a che n p r ü f u n g e n , die von der knutschen Minderheit als ein gegen sie gerichtetes Druckmittel betrachtet wird, war für die deutsche Delegation bei den Pariser Ver­handlungen untragbar. Eine andere Lösungs­möglichkeit zur Beseitigung der freilich unbegrün­deten Besorgnisse der Gegenseite wegen der Zu­lassung nur polnisch sprechender Kinder zur Minderheitenschule konnte noch nicht gefunden werden.

3m weiteren Verlauf der Sitzung wurde zum allgemeinen Erstaunen die für die Verfassung den Völkerbundes sehr wichtige Frage der Re­vision des Haager Statuts vollkommen debattelos erledigt. Auf Vorschlag des italie­nischen Ratsmitgliedes wurde beschlossen, gleich­zeitig mit der nächsten Völkerbundsvcrsamm- lung eine Konferenz der am Haager Statut be­teiligten Staaten abzuhalten, um die Revisions­vorschläge des 3uristenkomitees endgültig zu ge­nehmigen. Die vorgeschlagenen Statutenänderun­gen, die sich insbesondere auf die Frage der Einholung von Gutachten^ beim Haager Gerichtshof beziehen, sollen der nächsten Dölker- bundsversammlung vorgelegt werden.

Hugo Sünnes jr. sagt aus:

Der Hauptangeklagte im Kriegsanleihe-Betrugsprozeß.

Berlin, 12.3uni. (WB.) Am heutigen Der- handlungstag des Prozesses Stinnes wurde der Hauptangcklagte selb st vernommen. Staatsanwaltschaftsrat Berliner beantragt die Verlesung derjenigen Protokolle, in denen Ge­ständnisse des Angeklagten v. Wal- d o w enthalten sind. 3n den Protokollen wird der Angeklagte Stinnes von dem Angeklagten v. Waldow schwer belastet, v. Waldow wirft ihm darin vor, über die Älegalität des Anleihe­geschäftes bereits frühzeitig infor­miert gewesen zu sein. Auch Direktor Roth- mann sei sich darüber klar gewesen, daß das Geschäft unkorrekt war. Rothmann habe fer-, ner bei einer Unterredung zwischen Stinnes, Rothmann und v. Waldow die von ihm selbst bestrittene Aeußerung getan, daß das Anleihe- geschäft in vier bis sechs Wochen abgewickelt sein werde und man dabei das Fünfzehnfache verdienen könne. Weiter hat der Angeklagte zu Protokoll gegeben, daß er, nachdem die be­trügerische Basis des Anleihegeschäftes dem Reichskommissar bekannt war und er den Ein­druck gehabt habe, daß er im Stich gelassen werde, zu Stinnes gesagt habe:Tun Sie doch nicht so, Herr Stinnes, als wenn Sie von der Sache nichts wüßten. 3ch soll wohl der Sünden­bock gewesen sein?" Stinnes habe darauf geantwortet:Es denkt ja niemand daran, Sie im Stich zu lassen, aber Sie dürfen Rothmann und mich nicht belasten, da wir 3hre einzi­gen Entlastungszeugen sind." Der Vor­sitzende fragte darauf den Angeklagten v. Wal­dow, ob er angesichts dieser Geständnisse seine in der Hauptverhandlung gemachten Angaben aufrecht erhalte. Waldow erklärte, alles was mit seinen Angaben in der Hauptverhandlung in Widerspruch stehe, entspreche nicht der Wahrheit. Damit ist die Vernehmung des Angeklagten v. Waldow beendet, und es folgt

das Verhör des fjauptangeflagfcn Stinnes.

Stinnes erklärte stockend und mit innerer Be- wegung:3ch habe, als v. Waldow und Roth­mann mir das Geschäft vortrugen, auch nicht den geringsten Zweifel gehabt, daß es sich um ein unfaires oder auch nur in irgendeiner Form nicht einwandfreies Geschäft handeln könnte. 3ch bin mir heute selbst­verständlich darüber klar, daß, wenn man mit der Logik des 3uristen an das Geschäft nach­träglich herangeht, dann Fragen auftreten könn­ten, die einen hätten st u tz i g machen müssen. 3ch habe aber damals keine Bedenken gehabt. 3ch war nach dem, was ich gehört hatte, der Ansicht, daß durch die zuständigen Stellen eine sorgfältige Rachprüfung erfolgen werde. Aus den Mitteilungen v. Waldows über das fran­zösische Geschäft gewann ich nach und nach den Eindruck, daß bei der Durchführung die Hollän­dische Dank oder Schrandt vielleicht sich nicht immer ganz fairer Methoden bedienten. Riemals aber ist davon die Rede gewesen, daß etwa Ansprüche nicht existierten. Diese Bedenken liehen bei mir den festen Entschluß aufkommen, wir müssen aus diesem Geschäft heraus.

Ich wollte mich nicht in die Hände von Hoch­staplern begeben und verhindern, daß mein

Rame im Zusammenhang mit derartigen Ge­schäftsleuten genannt würde. An eine Schädi­gung des Reiches habe ich niemals gedacht. Ls ist mir selbstverständlich niemals der Gedanke gekommen, mir die Früchte eines Betruges zu­gute kommen zu lassen.

Stinnes schildert, Rothmann habe ihm erklärt, daß für das Ausland eine Sonderbestimmung des Aufwertungsgesetzes bestehe, wonach die auslän­dischen Anleihebesitzer etwa schon verkaufte Stücke wieder nachkaufen konnten und es vor allem dar­auf ankam, daß die Anleihen ununterbrochen im Auslande waren. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Angeklagte an Rothmann nicht die Instruk­tion erteilt habe, sich über die angebliche Sonder­bestimmung des Aufwertungsgesetzes für das Aus­land zu erkundigen, erklärte Stinnes, das habe er leider nicht getan; er sei eben nicht auf den Ge­danken gekommen, daß ihm jemand ein unkorrektes Geschäft anbieten könnte. Ferner bestreitet der An­geklagte, daß v. Waldow ihm an dem von die­sem genannten Zeitpunkt mitgeteilt habe, daß die Unterlagen für die eingereichten Aufwertungsan­sprüche falsch waren. Der Vorsitzende fragte den Angeklagten, ob es ihm nicht bedenklich erschienen sei, auf Kosten des Reiches Ausländern zu Aufwertungen zu verhelfen, die sie sonst nicht bekommen hätten. Stinnes erklärt, zu derartigen Ueberlegungen habe er nicht kommen können. Er habe sich sagen müssen, wenn e r die Sache nicht finanziere, würde es ein a n - derer tun. Auf die Frage des Vorsitzenden an den Angeklagten, ob er o. Waldow nicht, wie dieser in der Voruntersuchung aussagte, den Auftrag gegeben habe, Akten beiseite zu bringen, erwidert Stinnes sehr erregt, daß davon gar keine Rede sein könne. Er habe gar keine Ursache gehabt, irgend etwas zu verheimlichen oder irgendwelche Akten zu vernichten. Die Vernehmung wird darauf auf Frei­tag vertagt.

Fubiläumstagung des Hansa-Bundes.

Berlin, 12. 6. (WB.) Der Hansa-Dund für Gewerbe, Handel und 3ndustrie hielt aus Anlaß seines 20jährigen Bestehens am Mittwoch eine Tagung seines wirtschaftspoliti­schen Gesamtausschusses ab, die aus dem ganzen Reich stark besucht war. Der Präsident des Bundes, Reichstagsabgeordneter Dr. Fischer (Köln), wies darauf hin. dah man angesichts der politischen und wirtschaftlichen Lage unseres Va­terlandes von einer größeren festlichen Tagung absehen und sich auf eine Arbeitstagung be­schränken wolle. Geheimrat R i e h e r erklärte, über die Pariser Verhandlungen könne man erst ein definitives Urteil fällen, wenn man wisse, wie es mit der Räumungsf rage stehe. Gegenüber den Gefahren, die aus den Pariser Abmachungen für die Wirtschaft ent­stehen, sei es notwendig, eine möglich st große Einheitsfront herzustellen, ein einheitliches Wirtschaftsprogramm au schaffen, das Versöhnung und Ausgleich an die Spitze stellt und nicht den Kampf. Solange die Parole bei irgendeiner Partei Klassenkamp

heiße, könne Deutschland nicht vorwärtskommen. 3m Mittelpunkt der Tagung standen Vorträge über die nächsten Aufgaben des Bundes im Anschluß an die Pariser Verhandlungen und über die Reformnotwendigkeiten auf so- zialpolitischem Gebiet.

Der Tariferhöhungsantrag der Reichsbahn.

Ein Druckmittel gegenüber der Reichsregierung?

Berlin, 13.3uni. (Priv.-Tel.) DieReichs- bahn wird sich noch etwas gedulden müssen, ehe sie auf ihren Antrag auf Tarifer­höhung beim Reichsverkehrsministerium an­läßlich der Lohnsteigerung eine endgültige Ant­wort erhält. Zur Zeit finden zwischen der Bahn und der Reichsregierung ständig Verhand­lungen statt, die noch in keiner Weise abgeschlossen sind. 3n enger Zusammenar­beit ermittelt das Reichsverkehrsministerium zusammen mit dem Reichsfinanzministerium die Auswirkungen des neuen Pariser Reparations­abkommens, soweit sie die Reichsbahn direkt oder indirekt betreffen. 3n unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß die Tariferhöhung zu vermeiden ist, da die neugeschaffene Repa­rationslage sicherlich irgendeinen Ausweg er­möglicht. Man deutet den Antrag der Reichs­bahn auf Tariferhöhung vorwiegend als eine Art Schreckschuß, mit dem die Reichsbahn aus faktischen Gründen bei den Verhandlungen um die Verteilung der Reparationsersparnisse eine starke Stellung zu gewinnen sucht. Wie wir hören, hat sich das Reichskabinett, nachdem die Pariser Ergebnisse vorliegen, mit der Angelegen­heit noch nicht beschäftigt, die zunächst den Sach­verständigen in den einzelnen Ministerien zur Vearbeitung vorliegt. Unter diesen Umständen ist damit zu rechnen, daß eine endgültige Antwort der Regierung auf den Antrag der Reichsbahn und eine Klärung des Falles frühestens im Verlauf einer Woche erfolgen kann.

König Fuad besucht Rathaus und Universität.

Festvorstettungen in der Staatsoper.

Berlin, 12.Juni. (WTB.) König Fuad von Aegypten wurde heute mittag im Rathaus in Gegenwart von Vertretern der Reichs- und Staats­behörden empfangen. Jrn großen Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung sand eine musika­lische Veranstaltung statt, an der das Berliner Symphonieorchester und der Berliner Lehrerge­sangverein mitwirkten und interessante Vorführun­gen der Tonbild-Syndikais-A.-G. gezeigt wurden. In einer Pause der Musikveranstaltungen hielt Oberbürgermeister Dr. Böß eine Ansprache. König Fuad dankte in französischer Sprache dem Ober­bürgermeister und betonte, daß ihn der Empfang, den ihm die Stadt Berlin bereitet habe, mit be­sonderer Genugtuung erfüllt habe und daß er die kommunalen Einrichtungen der Reichshauptstadt be­wundere. Nachmittags veranstaltete die Univer­sität einen Empfang, zu dem sich neben Senat und Lehrkörper der Universität der preußische Slultusminifter Dr. Becker, sowie eine Delegation der Studentenschaft eingefunden hatten. Der Kul­tusminister empfing den König an der Pforte der Universität und geleitete ihn zum Vestibül, wo ihn Rektor und Senat begrüßten und in die alte Aula führten. Hier hielt der Rektor der Universität eine Ansprache, die vom Lektor für Aegyptisch-Arabisch, Dr. Waly, ins Arabische übersetzt wurde. Der König dankte in herzlichen Worten und begab sich in der Begleitung des Rektors, des Senats und einer Reihe von Dozenten in den Senatssaal zu einem Tee. Am Abend fand zu Ehren König Fuads in der Staatsoper Unter den Linden eine F e ft Vor­stellung statt, zu der die Reichsregierung eingc- laden hatte. Beim Eintritt des Königs und des Reichspräsidenten v. Hindenburg in die große Mittelloge erhob sich das Publikum von den Sitzen, während das Orchester die Nationalhymnen spielte. Außer dem Reichstagspräsidenten, den Reichs- und Staatsministern, den Staatssekretären des Reiches und Preußens hatten sich das diploma­tische Korps sowie Vertreter beider Parlamente, der Reichswehr und der Reichsmarine, der Be- Hörden, der Kunst und Wissenschaft, der Wirtschaft und der Presse eingefunden. Zur Aufführung ge­langte die OperDer Rosenkavalier" von Richard Strauß unter persönlicher Leitung des Kom­ponisten.

Llm den Kopf Aesreteteel.

Berlin, 13.3uni. (Priv.-Tel.) Bereits vor längerer Zeit wurde erörtert, ob Deutschland die ungewöhnlich schöne und weltberühmte Büste der ägyptischen Königin Q7ef retete Aegyp­ten übergeben würde. 3m Zusammenhang mit dem Besuch König Fuads bringt ein Spätabend­blatt aus angeblich gut unterrichteter Quelle eine Mitteilung, wonach man auf Grund verschiedener Vorbesprechungen zwischen den Diplomaten der beiden Länder zu dem Entschluß gekommen fei, die Büste der Königin dem ägyptischen Besuch als Geschenk des Deutschen Reiches mitzugeben. Bisher hatten sich die zuständigen deutschen Stellen auf den Standpunkt gestellt, daß keinerlei Anzweiflung des recht­mäßigen Besitzes möglich sei. Es würde sich also nur um ein außerordentlich wertvolles Geschenk handeln können. Wie die Telegraphen-Tlnion von unterrichteter Seite hört, dürfte indessen diese Meldung ganz und