Donnerstag, 13. Juni |929
179. Jahrgang
Nr. 156 Erstes Blatt
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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England und die Rheinlandräumung.
Eine Konferenz der Premierminister soll den Houngplan und seine politischen Folgen besprechen.
London, 13.3uni. (2DIB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" führt aus, man erwarte mit Bestimmtheit, daß die britische Regierung in der nächsten Woche nach der Rückkehr Macdonalds und Hendersons nach London die diplomatische Initiative in Sachen der Reparationskonferenz ergreift. Offenbar bestehe in Frankreich Abneigung gegen diese Konferenz, oder doch wenigstens die Neigung, die Teilnehmer und die Tagesordnung dieser Konferenz zu begrenzen. Die Anwesenheit der Außenminister sei aber unentbehrlich. Die Wichtigkeit der zu behandelnden Probleme rechtfertige auch die Anwesenheit der Premierminister. Macdonald beabsichtige, unbedingt an der Konferenz t e i 13 u - nehmen. Der deutsche Reichskanzler werde dies wohl auch tun und auch Poincar 6 werde sich schließlich von der Zweckmäßigkeit direkter Erörterungen überzeugen.
Die Haltung der französischen Regierung in der Frage der Annahme des Poung-Planes wird nach der Rückkehr Briands endgültig festgelegt werden. P o i n c a r e, der gegenwärtig den Bericht genau prüft, werde zweifellos mehrere Bedingungen formulieren, die erfüllt werden mühten, bevor die französischen Truppen aus dem Rheinlands zurückgezogen werden. Die französische Regierung sei der Ansicht, daß das Problem des Saargebietes nicht zu einem Teil der Regelung der Reparationskonferen; und der Rheinlandfrage gemacht werden dürfe. Sie wird vorschlagen, dies Problem gesondert zu besprechen.
Briaud weicht aus.
Die andern Eignatarmächte sotten gefragt werden.
Paris, 12. Juni. (WB.) Zu der Unterredung, die Reichsaußenrninister Dr. Stresemann gestern abend mit Briand hatte, schreibt der „T e m p s", daß Stresemann, darauf bedacht, der öffentlichen Meinung in Deutschland eine Genugtuung zu verschaffen, aus die eventuelle Rheinlandräumung angespielt habe, die die Deutschen als eine notwendige Folge der Reparationslösung ansähen, während sie jedoch von der Schaffung einer Feststellungs- und Ausgleichskommission für das entmilitarisierte Rheinlandgebiet abhängig bleibe. Hierüber habe jedoch keine eingehende Aussprache stattfinden können einfach deshalb, weil das Rheinlandproblein noch andere Länder als nur Frankreich angehe und praktisch e r st nach vorheriger Verständigung unter den Besatzungsmächten in Angriff genommen werden könnte. In Wirklichkeit dürften die Verhandlungen über die Rcparationsf rage, die Rheinlandräumung und die Feststellungs- und Aus- glcichskommission erst in einer Zusammenkunft angeschnitten werden, auf der sämtliche Mächte, die den Genfer Beschluß vom September v. 3. unterzeichnet hätten, vertreten sein werden: das sei in Madrid nicht der Fall gewesen, wo Briand und Stresemann lediglich eine private Besprechung miteinander hatten. Wieder englische Minniünöser?
Was sagt Macdonald?
Berlin, 13. Juni. (Priv.-Tel.) Die letzten englischen Rheinmanöver halten schon sehr viel Staub aufgewirbelt, vor allem deswegen, weil die britischen Truppen gemeinschaftlich mit den französischen operierten und weil dadurch zum Ausdruck gebracht wurde, daß auch England noch immer von feindseligen Absichten Deutschland gegenüber erfüllt ist. Jetzt wird vom „Manchester Guardian" mitgeleilt, daß neue großeRhein- manöver des englischen Befahungs- k o r p s in Vorbereitung wären und daß diese Hebungen ihren Anfang am 20. August nehmen sollten. Da nach den Pariser Vereinbarungen die neuen Reparationslasten am 1. September zu laufen anfangen und Deutschland auf Grund früherer Versprechungen damit rechnen muh. dah es ihm gelingt, die Freigabe des Rheinlandes bis zu diesem Zeitpunkt zu erreichen, fällt es doppelt peinlich auf, dah ausgerechnet das englische Oberkommando noch einmal große Hebungen auf deutschem Boden abhalten will. Macdonald und die Labour Party haben wiederholt erklärt, dah sie für die R ä u m u n g des Rheinlandes feien; man darf doch wohl erwarten, daß fie wenigstens unverzüglich diesem Manöverunfug ein Ende bereiten werden.
Dank an Dögler.
Reichswirtschaftsminister Dr. Curtins gegen die Pressehctzc.
Berlin, 12. Juni. (WTB.) Bei dem im Anschluß an die Tagung des Vereins Deutscher Eiseii- unh Stahlindustrieller veranstalteten Essen nahm Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s in einer kurzen Anl;.''ache Gelegenheit, um Herrn Generaldirektor Dr. Vogler seine Hochachtung und
feinen Dank für die Tätigkeit in Paris, was der Auffassung der Reichsregierung entspreche, zum Ausdruck zu bringen. Er teilte mit, daß der Reichskanzler heute morgen den Dank der Reichsrcgierung in einem besonderen Brief an Dr. Vogler ausgesprochen habe. Dr. Curtius wandte sich gegen die in einem Teil der Presse erfolgten Angriffe auf Dr. Vogler bezüglich seines Rücktritts von den Pariser Verhandlungen. Er stellte ausdrücklich fest, daß Dr. Vogler nur von sich aus gehandelt habe und daß man nicht Klüngel wittern dürfe, wo letzte Gewissensentscheidungen fallen. Um eine Nation sei es schlecht bestellt, deren Geschick nicht mehr durch freie Entscheidung von Männern bestimmt werde, die ihre Persönlichkeit in den Dienst des Vaterlandes stellen.
Die Madrider Ratstagung.
Deutsch-polnische Streitfragen.
Madrid, 12. Sunt (WB.) 3n der heutigen Ratssitzung wurden sämtliche Punkte der Tagesordnung ohne nennenswerte Aussprache genehmigt. Die vom Rat ausgesprochene Empfehlung betreffend das Genfer Giftgas- Protokoll, das bis jetzt von dreizehn Staaten ratifiziert und von etwa zehn anderen Staaten für die Ratifizierung vorgesehen ist, veranlaßte den finnischen und den persischen Delegierten, die Bedeutung des Verbots des Gaskrieges und des bakteriologischen Krieges hervorzuheben und die bevorstehende Ratifizierung durch chre, Länder anzukündigen. Aus den Berichten über die deutsch-polnischen Besprechungen in Paris ergeben sich Verbesserungen des örtlichen Verfahrens, namentlich
eine Beschleunigung des Verfahrens, und eine Entlastung des Dölkerbundsrates, der in den letzten 3ai)ren von polnischer Seite immer mehr mit Bagatellsachen behelligt worden war, während die Beschwerden des Deutschen Volksbundes meist schwerwiegender Art sind. Die jetzige Regelung läßt jedoch die Möglichkeit offen, daß Angelegenheiten, die durch die örtlichen 3n- stanzen nicht befriedigend geregelt werden konnten, vor den Völkerbundsrat gebracht werden. Die polnische Forderung nach Wiedereinführung der S p r a che n p r ü f u n g e n , die von der knutschen Minderheit als ein gegen sie gerichtetes Druckmittel betrachtet wird, war für die deutsche Delegation bei den Pariser Verhandlungen untragbar. Eine andere Lösungsmöglichkeit zur Beseitigung der freilich unbegründeten Besorgnisse der Gegenseite wegen der Zulassung nur polnisch sprechender Kinder zur Minderheitenschule konnte noch nicht gefunden werden.
3m weiteren Verlauf der Sitzung wurde zum allgemeinen Erstaunen die für die Verfassung den Völkerbundes sehr wichtige Frage der Revision des Haager Statuts vollkommen debattelos erledigt. Auf Vorschlag des italienischen Ratsmitgliedes wurde beschlossen, gleichzeitig mit der nächsten Völkerbundsvcrsamm- lung eine Konferenz der am Haager Statut beteiligten Staaten abzuhalten, um die Revisionsvorschläge des 3uristenkomitees endgültig zu genehmigen. Die vorgeschlagenen Statutenänderungen, die sich insbesondere auf die Frage der Einholung von Gutachten^ beim Haager Gerichtshof beziehen, sollen der nächsten Dölker- bundsversammlung vorgelegt werden.
Hugo Sünnes jr. sagt aus:
Der Hauptangeklagte im Kriegsanleihe-Betrugsprozeß.
Berlin, 12.3uni. (WB.) Am heutigen Der- handlungstag des Prozesses Stinnes wurde der Hauptangcklagte selb st vernommen. Staatsanwaltschaftsrat Berliner beantragt die Verlesung derjenigen Protokolle, in denen Geständnisse des Angeklagten v. Wal- d o w enthalten sind. 3n den Protokollen wird der Angeklagte Stinnes von dem Angeklagten v. Waldow schwer belastet, v. Waldow wirft ihm darin vor, über die Älegalität des Anleihegeschäftes bereits frühzeitig informiert gewesen zu sein. Auch Direktor Roth- mann sei sich darüber klar gewesen, daß das Geschäft unkorrekt war. Rothmann habe fer-, ner bei einer Unterredung zwischen Stinnes, Rothmann und v. Waldow die von ihm selbst bestrittene Aeußerung getan, daß das Anleihe- geschäft in vier bis sechs Wochen abgewickelt sein werde und man dabei das Fünfzehnfache verdienen könne. Weiter hat der Angeklagte zu Protokoll gegeben, daß er, nachdem die betrügerische Basis des Anleihegeschäftes dem Reichskommissar bekannt war und er den Eindruck gehabt habe, daß er im Stich gelassen werde, zu Stinnes gesagt habe: „Tun Sie doch nicht so, Herr Stinnes, als wenn Sie von der Sache nichts wüßten. 3ch soll wohl der Sündenbock gewesen sein?" Stinnes habe darauf geantwortet: „Es denkt ja niemand daran, Sie im Stich zu lassen, aber Sie dürfen Rothmann und mich nicht belasten, da wir 3hre einzigen Entlastungszeugen sind." Der Vorsitzende fragte darauf den Angeklagten v. Waldow, ob er angesichts dieser Geständnisse seine in der Hauptverhandlung gemachten Angaben aufrecht erhalte. Waldow erklärte, alles was mit seinen Angaben in der Hauptverhandlung in Widerspruch stehe, entspreche nicht der Wahrheit. Damit ist die Vernehmung des Angeklagten v. Waldow beendet, und es folgt
das Verhör des fjauptangeflagfcn Stinnes.
Stinnes erklärte stockend und mit innerer Be- wegung: „3ch habe, als v. Waldow und Rothmann mir das Geschäft vortrugen, auch nicht den geringsten Zweifel gehabt, daß es sich um ein unfaires oder auch nur in irgendeiner Form nicht einwandfreies Geschäft handeln könnte. 3ch bin mir heute selbstverständlich darüber klar, daß, wenn man mit der Logik des 3uristen an das Geschäft nachträglich herangeht, dann Fragen auftreten könnten, die einen hätten st u tz i g machen müssen. 3ch habe aber damals keine Bedenken gehabt. 3ch war nach dem, was ich gehört hatte, der Ansicht, daß durch die zuständigen Stellen eine sorgfältige Rachprüfung erfolgen werde. Aus den Mitteilungen v. Waldows über das französische Geschäft gewann ich nach und nach den Eindruck, daß bei der Durchführung die Holländische Dank oder Schrandt vielleicht sich nicht immer ganz fairer Methoden bedienten. Riemals aber ist davon die Rede gewesen, daß etwa Ansprüche nicht existierten. Diese Bedenken liehen bei mir den festen Entschluß aufkommen, wir müssen aus diesem Geschäft heraus.
Ich wollte mich nicht in die Hände von Hochstaplern begeben und verhindern, daß mein
Rame im Zusammenhang mit derartigen Geschäftsleuten genannt würde. An eine Schädigung des Reiches habe ich niemals gedacht. Ls ist mir selbstverständlich niemals der Gedanke gekommen, mir die Früchte eines Betruges zugute kommen zu lassen.
Stinnes schildert, Rothmann habe ihm erklärt, daß für das Ausland eine Sonderbestimmung des Aufwertungsgesetzes bestehe, wonach die ausländischen Anleihebesitzer etwa schon verkaufte Stücke wieder nachkaufen konnten und es vor allem darauf ankam, daß die Anleihen ununterbrochen im Auslande waren. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Angeklagte an Rothmann nicht die Instruktion erteilt habe, sich über die angebliche Sonderbestimmung des Aufwertungsgesetzes für das Ausland zu erkundigen, erklärte Stinnes, das habe er leider nicht getan; er sei eben nicht auf den Gedanken gekommen, daß ihm jemand ein unkorrektes Geschäft anbieten könnte. Ferner bestreitet der Angeklagte, daß v. Waldow ihm an dem von diesem genannten Zeitpunkt mitgeteilt habe, daß die Unterlagen für die eingereichten Aufwertungsansprüche falsch waren. Der Vorsitzende fragte den Angeklagten, ob es ihm nicht bedenklich erschienen sei, auf Kosten des Reiches Ausländern zu Aufwertungen zu verhelfen, die sie sonst nicht bekommen hätten. Stinnes erklärt, zu derartigen Ueberlegungen habe er nicht kommen können. Er habe sich sagen müssen, wenn e r die Sache nicht finanziere, würde es ein a n - derer tun. Auf die Frage des Vorsitzenden an den Angeklagten, ob er o. Waldow nicht, wie dieser in der Voruntersuchung aussagte, den Auftrag gegeben habe, Akten beiseite zu bringen, erwidert Stinnes sehr erregt, daß davon gar keine Rede sein könne. Er habe gar keine Ursache gehabt, irgend etwas zu verheimlichen oder irgendwelche Akten zu vernichten. Die Vernehmung wird darauf auf Freitag vertagt.
Fubiläumstagung des Hansa-Bundes.
Berlin, 12. 6. (WB.) Der Hansa-Dund für Gewerbe, Handel und 3ndustrie hielt aus Anlaß seines 20jährigen Bestehens am Mittwoch eine Tagung seines wirtschaftspolitischen Gesamtausschusses ab, die aus dem ganzen Reich stark besucht war. Der Präsident des Bundes, Reichstagsabgeordneter Dr. Fischer (Köln), wies darauf hin. dah man angesichts der politischen und wirtschaftlichen Lage unseres Vaterlandes von einer größeren festlichen Tagung absehen und sich auf eine Arbeitstagung beschränken wolle. Geheimrat R i e h e r erklärte, über die Pariser Verhandlungen könne man erst ein definitives Urteil fällen, wenn man wisse, wie es mit der Räumungsf rage stehe. Gegenüber den Gefahren, die aus den Pariser Abmachungen für die Wirtschaft entstehen, sei es notwendig, eine möglich st große Einheitsfront herzustellen, ein einheitliches Wirtschaftsprogramm au schaffen, das Versöhnung und Ausgleich an die Spitze stellt und nicht den Kampf. Solange die Parole bei irgendeiner Partei Klassenkamp
heiße, könne Deutschland nicht vorwärtskommen. 3m Mittelpunkt der Tagung standen Vorträge über die nächsten Aufgaben des Bundes im Anschluß an die Pariser Verhandlungen und über die Reformnotwendigkeiten auf so- zialpolitischem Gebiet.
Der Tariferhöhungsantrag der Reichsbahn.
Ein Druckmittel gegenüber der Reichsregierung?
Berlin, 13.3uni. (Priv.-Tel.) DieReichs- bahn wird sich noch etwas gedulden müssen, ehe sie auf ihren Antrag auf Tariferhöhung beim Reichsverkehrsministerium anläßlich der Lohnsteigerung eine endgültige Antwort erhält. Zur Zeit finden zwischen der Bahn und der Reichsregierung ständig Verhandlungen statt, die noch in keiner Weise abgeschlossen sind. 3n enger Zusammenarbeit ermittelt das Reichsverkehrsministerium zusammen mit dem Reichsfinanzministerium die Auswirkungen des neuen Pariser Reparationsabkommens, soweit sie die Reichsbahn direkt oder indirekt betreffen. 3n unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß die Tariferhöhung zu vermeiden ist, da die neugeschaffene Reparationslage sicherlich irgendeinen Ausweg ermöglicht. Man deutet den Antrag der Reichsbahn auf Tariferhöhung vorwiegend als eine Art Schreckschuß, mit dem die Reichsbahn aus faktischen Gründen bei den Verhandlungen um die Verteilung der Reparationsersparnisse eine starke Stellung zu gewinnen sucht. Wie wir hören, hat sich das Reichskabinett, nachdem die Pariser Ergebnisse vorliegen, mit der Angelegenheit noch nicht beschäftigt, die zunächst den Sachverständigen in den einzelnen Ministerien zur Vearbeitung vorliegt. Unter diesen Umständen ist damit zu rechnen, daß eine endgültige Antwort der Regierung auf den Antrag der Reichsbahn und eine Klärung des Falles frühestens im Verlauf einer Woche erfolgen kann.
König Fuad besucht Rathaus und Universität.
Festvorstettungen in der Staatsoper.
Berlin, 12.Juni. (WTB.) König Fuad von Aegypten wurde heute mittag im Rathaus in Gegenwart von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden empfangen. Jrn großen Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung sand eine musikalische Veranstaltung statt, an der das Berliner Symphonieorchester und der Berliner Lehrergesangverein mitwirkten und interessante Vorführungen der Tonbild-Syndikais-A.-G. gezeigt wurden. In einer Pause der Musikveranstaltungen hielt Oberbürgermeister Dr. Böß eine Ansprache. König Fuad dankte in französischer Sprache dem Oberbürgermeister und betonte, daß ihn der Empfang, den ihm die Stadt Berlin bereitet habe, mit besonderer Genugtuung erfüllt habe und daß er die kommunalen Einrichtungen der Reichshauptstadt bewundere. Nachmittags veranstaltete die Universität einen Empfang, zu dem sich neben Senat und Lehrkörper der Universität der preußische Slultusminifter Dr. Becker, sowie eine Delegation der Studentenschaft eingefunden hatten. Der Kultusminister empfing den König an der Pforte der Universität und geleitete ihn zum Vestibül, wo ihn Rektor und Senat begrüßten und in die alte Aula führten. Hier hielt der Rektor der Universität eine Ansprache, die vom Lektor für Aegyptisch-Arabisch, Dr. Waly, ins Arabische übersetzt wurde. Der König dankte in herzlichen Worten und begab sich in der Begleitung des Rektors, des Senats und einer Reihe von Dozenten in den Senatssaal zu einem Tee. Am Abend fand zu Ehren König Fuads in der Staatsoper Unter den Linden eine F e ft Vorstellung statt, zu der die Reichsregierung eingc- laden hatte. Beim Eintritt des Königs und des Reichspräsidenten v. Hindenburg in die große Mittelloge erhob sich das Publikum von den Sitzen, während das Orchester die Nationalhymnen spielte. Außer dem Reichstagspräsidenten, den Reichs- und Staatsministern, den Staatssekretären des Reiches und Preußens hatten sich das diplomatische Korps sowie Vertreter beider Parlamente, der Reichswehr und der Reichsmarine, der Be- Hörden, der Kunst und Wissenschaft, der Wirtschaft und der Presse eingefunden. Zur Aufführung gelangte die Oper „Der Rosenkavalier" von Richard Strauß unter persönlicher Leitung des Komponisten.
Llm den Kopf Aesreteteel.
Berlin, 13.3uni. (Priv.-Tel.) Bereits vor längerer Zeit wurde erörtert, ob Deutschland die ungewöhnlich schöne und weltberühmte Büste der ägyptischen Königin Q7ef retete Aegypten übergeben würde. 3m Zusammenhang mit dem Besuch König Fuads bringt ein Spätabendblatt aus angeblich gut unterrichteter Quelle eine Mitteilung, wonach man auf Grund verschiedener Vorbesprechungen zwischen den Diplomaten der beiden Länder zu dem Entschluß gekommen fei, die Büste der Königin dem ägyptischen Besuch als Geschenk des Deutschen Reiches mitzugeben. Bisher hatten sich die zuständigen deutschen Stellen auf den Standpunkt gestellt, daß keinerlei Anzweiflung des rechtmäßigen Besitzes möglich sei. Es würde sich also nur um ein außerordentlich wertvolles Geschenk handeln können. Wie die Telegraphen-Tlnion von unterrichteter Seite hört, dürfte indessen diese Meldung ganz und


