Ausgabe 
13.4.1929
 
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Handlungen mit den Regierungsparteien des Strelitzer Landtages ausgenommen. Der Landtag hat sich daraufhin, ohne Beschlüsse zu fassen, auf nächsten Montag vertagt.

Nie Reichsnchtlini'en für den Wohnungsbau.

Berlin. 13. April/ (D. D. Z.) Der Woh­nungsausschuh des Reichstags nahm Richtlinien für die technische Wohnungsherstel­lung an. Danach sollen die Dauarbeiten. soweit es die Witterung irgend gestattet, gleich­mäßig über das ganze Iahr verteilt werden. Reue Bauweisen und neue Baustoffe sollen herangezogen werden. Bei Frachten und Beförderungstarifen der Verkehrseinrichtungen ist auf eine Begünstigung der Baustoffe hinzuwirken. Die vorhandenen Träger der Bautätigkeit sind im gegenseitigen Wettbewerb voll ouszunühen. Soweit für einzelne von ihnen b e - sondere Begünstigungen bestehen, ist deren Mißbrauch zu verhindern. Die tech­nische Gestaltung des Wohnungsbaues ist den Forderungen für Landes- und Stadtbauplanung. Dodenbeschafsung und Bodenrecht anzupassen. Den Anträgen auf Gewährung öffentlicher Baumittel sind sorgfältig aufgestellte und technisch einwandfreie Pläne und Berechnungen beizufügen, die von den zuständigen Stellen ein­gehend auch hinsichtlich der Auswahl geeigneter Wohnungstypen und Verwendung verbilligender Bauweisen und Baustoffe zu prüfen sind. Weiter wird gefordert die Rormung von Bau­teilen. Von der Dauberatung ist 'weitgehendst Gebrauch zu machen. Bei der Vergebung von Aufträgen soll möglichst die R e i ch s v e r d i n- gungsordnung angewendet werden. Die baupolizeilichen Vorschriften sind nachzuprüfen. Das Verfahren der mit den Bauvorhaben be­faßten öffentlichen Verwaltungs- Nellen ist zu vereinfachen, zu be­schleunigen und zu verbilligen sowie den neuzeitlichen Baubedürfnissen anzupasfen

Diktatur in Indien.

?2' 3tpriL <TU > Aus d-r qem-m- wmen tfreitagstagung der indischen Gesetzgebenden Versammlung und des Staatsrates in Neu-Delhi kündigte der Vizekönig von Indien, Lord Ir- hAn?R lr 'M, Hinblick auf den Einspruch des Präsidenten des Parlaments gegen die Verab- ^rm^or(a9cür bic öffentliche bie Vollmachten selbst übernehme. Die notwendigen Verfügungen werden demnach direkt DD,m DlZekonig ausgehen, ohne daß die Gesetz- gebende Versammlung oder der Staatsrat die Mög- lichkeit eines Einspruches besitzen. In Begründung dieses ungewöhnlichen Schrittes führte der Vize- konig in längerer Rede u.a. aus, daß er nie mit

| seiner Ansicht zurückgehalten habe, welch e r n st e r Gefahr das indische öffentliche Leben ausgesetzt i würde, wenn den revolutionären Drohungen auch nur für einen Augenblick freie Hand gelasseii würde. Wenn die Auslegung der bestehenden Derfassungs- bestimmungen durch den Präsidenten eines der bei­den Häuser, die das Parlament zu einer Lage führe, der die Regierung aus sehr ernsten Gründen nicht zustimmen könne, wie das gegenwärtig der Fall sei, dann bestehe die einzig wirksame Abände- derungsmöglichkeit darin, von der zuständi­gen Stelle diejenigen ergänzenden Bestimmun­gen zu treffen, die notwendig seien, um in Zu­kunft die Wiederholung ähnlicher Unterbrechungen des normalen Ablaufes der gesetzgebenden Arbeiten zu verhindern. Diesem Kurs müsse ohne Ver­zögerung gefolgt werden. Um jedes Mißverständnis zu vermeiden, wolle er hinzufügen, daß der Zweck der geplanten Ergänzung der Bestimmungen in rohen Umrissen darin liege, daß der Verlauf der gesetzgebenden Arbeiten beider Häuser durch die Präsidenten der beiden Häuser nicht mehr auf­gehalten werden könne, ausgenommen in Ueber- einstimmung der dem Präsidenten zustehenden Rechte.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident ist weiter in der Rekonvaleszenz. Erfreulicherweise geht es ihm dauernd besser.

Da der Reichsminister der Justiz Koch- Weser am Samstag im besonderen Auftrage des Herrn Reichspräsidenten und der Reichs­regierung den neuernannten Reichsgerichts­präsidenten Dr. Bumkein sein Amt ein­führen wird, wird die Umbesetzung des Reichs­justizministeriums und die Ernennung der anderen neu in das Kabinett eingetretenen Reichsminister erst im Laufe des Samstag erfolgen.

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König Doris von Bulgarien, der be­kanntlich seit einiger Zeit inkognito in der Reichs- Hauptstadt weilte, ist Freitag abend mit seinem Gefolge nach München weitergereist.

Der wegen mehrerer Fememorde von den Un­tersuchungsrichtern bei den Landgerichten Ber­lin HI und Landsberg steckbrieflich verfolgte und in Bremerhaven von der deutschen Polizei fest- genommene ehemalige Feldwebel August Fahl­busch, der aus Amerika ausgewiesen worden ist, ist in Berlin ein getroffen und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Die Voruntersuchung wird vvn dem zuständigen Un­tersuchungsrichter, Landgerichtsrat 3ung (Ber- Iln), geführt. Die Verteidigung liegt in den Hän­den des Rechtsanwalts Graf v. d. Goltz aus Stettin.

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OBic verlautet, wird König Georg von England wahrscheinlich in der zweiten oder

Verwendung von chemischen Kampfstoffen aus der Luft verhindern und so in erwünschter Weise dazu beitragen, die Leiden der Zivilbevölkerung im Kriege zu mildern. Außerdem würden durch ein solches Verbot Kampfmittel getroffen, die in erster Linie zum Angriff geeignet sind.

Das dritte Kapitel über die Regelung von Stretttgkeiten befaßt sich mit dem Plane der Einsetzung eines Kontrollorgans. Die neue deutsche Anregung geht dahin, daß durch eine besondere Bestimmung jeder Sig­natarstaat das Recht hat, bei einem gemein­samen ständigen Ausschuß, der personell vielleicht mit der Vorbereitenden Abrüstungs- kommission übereinstimmen könnte, etwaige Ver­stöße zur Sprache zu bringen. Der Ausschuß würde alsdann die Angelegenheit schriftlich oder münd­lich aufklären und etwa festgestellte Verstöße im Wege der Verhandlung in geeigneter Weise ab» zustellen suchen. Dabei könnte erwogen werden, zur endgültigen Austragung von Angelegenhei­ten. in denen auf diesem Wege eine Regelung nicht zu erreichen ist. einen ähnlichen Weg zu eröffnen, wie er in den Minoritätenverträgen zur Anrufung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes gegeben ist.

Oie Kommunisten am 1. Mai.

Keine Truppenkonzentrationen der Reichswehr.

Berlin. 12. April. (WTB.) DieRote Fahne" bringt in ihrer heutigen Morgenausgabe Meldungen über angebliche Truppen- konzentrationen am l.Mai. Rach der­selben Meldung soll Polizeipräsident Z ö r - grebel sich an die maßgebenden Reichswehr­stellen gewendet haben und weiterhin sollen Ver­handlungen mit dem preußischen Innenminister über Heranziehung ostpreußischer Schutzpolizei stattfinden.

Wie hierzu von den maßgebenden Stellen mit­geteilt wird, entspricht die Meldung derRoten Fahne" in keinem Fall den Tatsachen. Das Reichswehrministerium erblicke keine Rot­wendigkeit, Truppenkonzentrattonen in Berlin vorzunehmen und das Polizeipräsidium denke nicht an die Heranziehung ostpreuhischer Schutz­polizei, da die in Berlin vorhandenen Kräfte vollkommen a u s r e i ch t e n. um die Ruhe und Ordnung unbedingt aufrechtzuerhalten. Wie weiter gemeldet wird, haben die Gewerk- s ch a f t e n auf ihrer gestrigen Tagung beschlossen, am l.Mai den Verkehr im üblichen Maße aufrechtzuerhalten. Das Fahrpersonal der drei großen Verkehrsunternehmungen hat sich auch bereit erklärt, wie üblich an diesem Tage Dienst zu-tun.

Gegen die Aufforderung der Kommu- n i st e n, am 1. Mai auf den Straßen zu demon­strieren, macht sich eine immer stärker werdende Bewegung unter ihren eigenen Mitgliedern be­merkbar. So hat eine kommunistische Versamm­lung dieser Tage den Beschluß gefaßt, daß man nur dann demonstrieren wolle, wenn d i e Führer sich verpflichteten, an der Spitze der Züge zu marschieren.

Trotzkis Gnreisegesuch abgelehni.

Berlin. 12. April. (TU.) Wie amtlich mltgeleilt wird, hat sich das R e i ch s k a b i n e l l mit der Stage der Einreise Trotzkis nach Deutschland beschäftigt. Rach eingehender Prüfung aller Umstände hat das Kabinett beschlossen, dem Gesuch Trotzkis nicht stattzugeben. Maßgebend für die Ablehnung des Ge­suches dürfte vor allen Dingen die Erwägung ge­wesen fein, die guten Beziehungen zu So. wjetruhland nicht zu trüben. Aefl steht auch, daß gefühlsmäßige Gründe nicht ausschlaggebend gewesen sind. 3m übrigen wird von zuständiger Seile darauf hingewiesen, daß Trotzki von der T ü r- kei die Aufenlhaltserteilung erteilt worden ist und daß er sich nach Lage der Dinge in der Türkei durchaus wohl fühle.

Lin neues Memorandnm der GläubigermSchte.

Oos neue Rechenexempel.

Die Pariser und Londoner Blätter berichten über­einstimmend, daß die Sachverständigen der vier Gläubigermächte Frankreich, England, Italien und Belgien nachdem sie zuerst durch das Ergebnis ihrer eigenen Ädditionsexempel einigermaßen ver­blüfft waren, unter sich zu einer Einigung darüber gekommen seien, w i e o i e l sie glauben von Deutsch­land verlangen zu können. Die Ziffern selbst wer­den etwas verschieden voneinander angegeben: Pertinanx berichtet dem Daily Telegraph, sie kämen auf eine Durchschnittsannuität von 2,2 bis 2,3 Mil­liarden hinaus, steigend gestaffelt, während 37 Jah­ren und hiernach herabgehend auf die Sumem der Amerikazahlungen aller europäischen Alliierten. Da an anderer Stelle Anfangsziffern von 1,7, Höchst­ziffern von 2,3 Milliarden genannt werden und auch voneinander abweichende Berechnungen über die Anteile der einzelnen Gläubigermächte verbreitet werden, so kann man zunächst diese Angaben als nichtauthentisch betrachten. Aber in den nächsten Tagen wird man ja wohl zuverlässig erfahren, was die Delegierten der Gläubigermächte zusammen aus­geklügelt haben, und man wird seine Konse­quenzen daraus auf deutscher Seite ziehen müs- St. Wenn es sich dabei ergeben sollte, daß man tat- hlich mit einem Jahresaufkommen von 2,2 bis 2,3 illiarben Goldmark rechnet, so wird man den Gläubigern die Frage vorlegen müssen, ob sie es für gerechtfertigt halten, Deutschland zuzumuten, daß es für einen Nachlaß von 200 bis 300 Millionen jährlich ober von etwa 10 v. H. der im Dawesplan mit allerhand Kautelen vorge­sehenen Höchstleistung drei ganz entscheidende und einschneidende Konzessionen macht; nämlich

1. den teilweisen Verzicht auf den Transferschutz bewilligt; in welcher Hohe dieser Verzicht beansprucht wird, wissen wir noch nicht, aber wir wissen jedenfalls, daß wir ihn bisher lOOprozenttg. also i n voller Höhe, genießen,

2. daß wir einer Ausdehnung der Zahlungen auf 58 Iahre zustimmen, d. h. auf 21 Lfahre mehr als im Dawesabkommen durch die Befristung der verschiedenen Obligationen vorgesehen.

3. daß wir unsere Mitwirkung zu einer Kom­merzialisierung großer Teilbeträge der Gesamtforderungen herleihen, ohne die eingestandenermaßen eine Gesamtregelung nicht durchführbar ist, die aber für Deutsch­land mit ter Privatisierung seiner Schuld, mit einer Abänderung der p o l i 11 schen Forderung seiner ehemaligen Kriegs­gegner in eine unwandelbare, geschäfts­mäßige verbunden wäre.

Auch bei größtem Verständigungswillen und wettestgehender Rücksicht auf die wirklichen oder vermeintlichen Bedürfnisse der Gegenseite wird man sich sagen müssen, daß das gebotene Aequi- valent keineswegs für diese deutschen Kon­zessionen ausreicht, wenn es sich tatsächlich in dem Rahmen hält, der aus den vorliegenden Pressenachrichten zu entnehmen wäre. Cs ist selbstverständlich, daß die Ziffern der Annui­täten nicht allein und nicht absolut maßgebend sind, sondern daß in sehr hohem Maße auch die Dauer, die Modalitäten, die Sicherungen usw. in Rechnung zu stellen sein werden. Aber welches auch die möglichen Er­leichterungen wären, die nach dieser Richtung hin und in Anpassung an die deutsche Lei­stungsfähigkeit noch geboten werden könnten, scheint die Grundlage für eine Verständigung zum mindesten eine ziffernmäßige Re­duktion der Iahresraten in dem Maße

notwendig zu machen, das den bedeutenden Kon­zessionen entspricht, die man von Deutschland in Abänderung des Londoner Abkommens von 1924 verlangt und die in den oben genannten drei Punkten plastisch vor Augen treten. Man wird deshalb hoffen dürfen, daß die authentische Mitteilung über die Vorschläge, auf die sich die Delegierten der vier Mächte geeinigt haben, nicht unerheblich von dem abweichen, was von der französischen und englischen Presse heute mitgeteilt worden ist.

Oie Lahreszahlungen.

Heute Uebergabe des Memorandums au Dr. Schacht.

Eigene Drahtmelbung desGießener Anzeigers".

Paris, 13. April. Die Agentur havas berichtet: Das neue Memorandum, das in der heule vormittag stattfindenden Vollsitzung der Repara­tionskonferenz überreicht werden wird, sei nicht ein Vorschlag der Delegationen der reparattonsberech- tigten Länder an die deutsche Delegation, sondern eine schriftliche Mitteilung der Delegationen an die Reparationskonferenz, um diese über die Ergebnisse ihrer Arbeiten und über ihre Schlußfolgerungen in Kenntnis zu sehen. Das Dokument werde die Zahl der Annuitäten enthalten, die die Sachver­ständigen mit der Zahlungsfähigkeit Deutschlands vereinbar erachteten. Dem Memorandum sei eins Aufstellung von Rormalannuitüten beigefügt, deren Annahme geeignet sei, die Grundforderungen der reparalionsberechtigten Mächte zu beftiedigen. Der Makin" will wissen, daß die Anfangsannui­täten 1 8 0 0 Millionen Mark betragen und nach und nach auf 2400 Millionen Mark steigen würden, um nach 37 Zähren für 21 wet­tere 3ahre auf 1700 Millionen Mark zurückzugehen. Das .Journal sagt bereits voraus, daß die endgültigen Ziffern unter diesen eben genannnfen Ziffern liegen würden, aber nicht sehr viel darunker, denn die vier Dele­gationen feien entschlossen, ihre Positionen zu ver­teidigen.

Weder Angebot noch Mmatum.

Die Konferenz in der kritischen Phase.

Paris, 13. April. (Reuter.) Es scheint, daß alle Gläubiger ihre Fordern nge n er­mäßigt haben, einschließlich sogar der Ameri­kaner bezüglich der Milliarde Gvldmark, die ihnen noch zustand. Die erzielte Annuitäten­tabelle stellt daher die Ansicht der Gläubiger über das Mindeste dar. was Deutschland annehmbarerweise zu zahlen ersucht werden kann. Es ist nicht wahrscheinlich, daß Dr. Schacht diesen Vorschlag annehmen wird. Er wird wahrschein­lich um Zeit ersuchen, um seine Kritik zu formu­lieren. Don den jetzt kommenden Erörterungen hängt der Erfolg oder Fehlschlag der Konferenz ab und es ist schwer zu glauben, daß das Er­gebnis ein Fehlschlag sein soll.Daily Tele­graph" berichtet, die Vorschläge würden weder als Angebot noch als Ultimatum bezeichnet, sondern als Erörterungsgrundlage. Die Sachverständigen sind der Ansicht, daß die Ziffern vollkommen geheim gehalten wer­den müßten, bis die Deutschen Zeit gehabt haben, ihre Meinung darüber zu äußern. Es wird kaum als wahrscheinlich angesehen, daß Dr. Schacht heute mehr tun wird, als das Dokument zur Prüfung entgegenzunehmen.

Berufung im Langkopp-Prozeß.

Berlin, 12. April. (WB.) Die Staats­anwaltschaft hat gegen das Urteil des Er­weiterten Schöffengerichts Berlin-Schöneberg im Langkopp-Prozeß Berufung eingelegt. Bekanntlich hatte das Schöffengericht entgegen dem Anträge des Ersten Staatsanwalts Köhler den Farmer Heinrich Langkopp von der An­klage der räuberischen Erpressung freigesprochen und ihn nur wegen Be­drohung und Rötigung und wegen un­erlaubten Waffenbesitzes zu fünf Mo­naten Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt Die Freisprechung wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz dürfte bei der Berufungsver- handlung durch die Staatsanwaltschaft nicht an- gefochten werden, da von ihr selbst dieser An- klagepunkt fallengelassen worden war. Bei der C^nchtsschreiberei war bisher noch nicht bekannt ob auch Langkopp Berufung einlegen wird. Das durfte aber, dem Vernehmen nach, geschehen.

Siu (Sparprogramm der Lufthansa.

x -J1' (Priv.-Tel.) Die Beratungen

des Arbei^ausschusses der Lufthansa über den Um- fang des Betriebes bei voller Durchführung ber ge­planten Etatsabstriche haben bemB. X." zufolge er­geben, baß nur zwei ober drei ber gro­ßen internationalen Linien aufrecht­erhalten werben könnten, nämlich bic Linien noch Paris, ßonbon und Moskau. Eine auch nur vorsorgliche Kündigung der Arbeiter und Angestell­ten »st v e r m i e b e n worben, um auch den Anschein zu vermeiden, daß die Lufthansa einen Druck auf die Regierung und bie öffentliche Meinung ausüben wolle. Nachdem der Umfang des Luftverkehrs end­gültig festgelegt worben ist, wirb bie zweite Frage zu prüfen fein, wie bas Verhältnis der Lufthansa zur Industrie und die Verhält­nisse in der Flugzeugindustrie selbst zu ordnen sind.

Das 2Reid>

vermittelt in Mecklenburg-Strelih.

AerNn, 12. April. (Tel.) Amtlich wird mitgeteilt: Die Regierungskrise in Mecklenburg- Strelitz hat die Gefahr des Eintritts eines re g i e r u n g s l o se n. den Vor- schriften der Reichsverfassung nicht entsprechenden Zustandes herbei- g/suhrtt Die Relchsregierung hat deshalb be- l<Wfen. fren Ministerialrat Dr. Häntzschel nach Reu-Strelitz zu entsenden, um zunächst im Wege vermittelnden Eingreifens eine Regie- rungsbildung zustandezubringen. Ministe­rialrat Häntzschel hat heute nachmittag die Der-

dritten Maiwoche Dognor verlassen. MSg» licherweise wird er im Schloß Windsor Qlufenfv halt nehmen und dort einige Zeit bleiben. Von Zeit zu Zeit würde er von Windsor nach dem Buckingham-Palost im Kraftwagen fahren, um die mit den allgemeinen Wahlen im Zusammen­hang stehenden Geschäfte zu erledigen.

Der Sozialdemokratische Pressedienst erfährt von unterrichteter Seite, daß der kommunistische Reichstagsabgeordnete Pieck seines Amtes als Dezirksvorsihender der KPD. von Berlin- Brandenburg enthoben worden ist. Pieck soll in Zukunft in einem Bureau derRoten Hilfe" als Angestellter beschäftigt werden.

Der russische Volkskommissar Tschitscherin, der sich zu Kurzwecken im Berliner Grunewald- Sanatorium aushielt, verläßt die Reichshaupt­stadt. Rach Beendigung seiner Kur, die noch nicht abgeschlossen ist, kehrt Tschitscherin nach Moskau zurück. Dor seiner Abreise -hat er dem deutschen Außenminister, Herrn Dr. ©trefemann, noch einen Abschiedsbesuch gemacht.

Aus aller Welt.

Der Aerztekonfllkl itn Lichterfelder kreiskrankenycius.

Zu dem Aerztekonflikt im Lichterfelder Stuben* rauch-Kreistrankenhaus wird von der Kreis- vsrwaltung u. a. erklärt:Als der lang* lahrige Direktor des Stubenrauch-Kreiskranken- hauses. Geheimrat Professor Dr. Riese, im Iuni v. I. verstorben war, wurde vom Kreisausschuß mit Zustimmung des Verwaltungs­ausschusses des Krankenhauses beschlossen, zu seinem Rachfolger nicht den langjährigen Leiter der inneren Abteilung, Professor Rauten­berg, zu wählen, fonbern es wurde für diesen Posten der Chirurg, Professor Dr. D ö n i tz, in Aussicht genommen, der bisher im Krankenhause nicht beschäftigt war und der jetzt endgültig a l s Direktor des Krankenhauses ange- ftellt ist. Schon unmittelbar nach der Berufung dieses Herrn setzten in dem Hause Intrigen gegen seine Person ein, die dann, als Herr Pro­fessor Rautenberg einen Kranken, der nach seiner Ansicht operiert werben muhte, nicht der chirurgischen Abteilung überwies, sondern in ein fremdes Krankenhaus schickte, Kreisausschuh und Derwaltungsausschuß zwangen, sich mit dieser Angelegenheit zu ve- schäfttgen."

Der König der Berliner Unterwelt.

Auf dem Friedhof in ber Berliner Straße in Rei­nickendorf-West wurde am Freitag der 48 Jahre alte Richard Ienderko, prominentes Mitglied des VereinsRoland" unter außerordentlicher Betei­ligung zahlreicher Lotterie-,Athletik"- und ähnlicher Vereine beigesetzt. Die Polizei hatte rechtzeitig davon Mitteilung erhalten und sorgte dafür, daß sich unter die Teilnehmenden viele Kriminalbeamte mengten. Richard Ienderko war die unbestritten führende Erscheinung der Berliner Unterwelt. Er war ber Vorsitzende aller Ringvereine Deutich- lands. Schon eine Stunde vor der Beerdigung kamen Dutzende von Autos mit den verschiedenen Abordnungen der VereineImmertreu",Roland", DeutscheKraft" usw. vorgesahren. AlleMitglieber die zehn Mark Strafe zahlen mußten, wenn sie nicht erschienen waren in schwarzen Mänteln und Zylinderhüten erschienen. Jede Gruppe führte ein Banner mit sich. Es waren wohl an­nähernd tausend Mann versammelt. Die Trauerfeier selbst verlief ruhig. In allen Reden wurde betont, daß Jenderko das Muster von Vereinstreue ge­wesen sei.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das umfangreiche südliche Tiefdruckgebiet ist sentlich zusammengeschrumpft und hat sich abge­flacht. Seine bis nach Mitteldeutschland vorbringen­den milden Luftmassen führten beim Zusammen­treffen mit ber kontinentalen Kattluft weiterhin zu trübem unb regnerischem Wetter. Da die Störung sich mehr unb mehr auffüllt, so geht ihr Einfluß weiter zurück. Vorläufig kommt es jedoch noch zu Bewölkung unb Nebelbildung, wobei gelegentlich auch leichte Niederschläge auftreten. Das Wetter bleibt weiterhin kühl, und der Einfluß des Hochs dürfte im Laufe des morgigen Tages stellenweise auch in unserem Gebiet zur Aufheiterung führen.

Wettervoraussage für Sonntag: Reblig-wolkiges Wetter mit Reigung zu Rieder­schlägen, später auch stellenweise aufheitemd. kühl.

Wettervoraussage für Montag: Stellenweise neb'ig-wossiges Wetter mit zeitweiser Aufheiterung, Temperatur wenig verändert.

Lufttemperaturen am 12. April: mittags 6,6 Grad Celsius, abends 5,2 Grad; am 13. April: morgens 5,1 Grad. Maximum 6,5 Grad, Minimum 2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. April: abends 6,7 Grad; am 13. April: morgens 4,7 Grad Celsius. Niederschlag 0,3 nun,