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recht zu veräußern ober zu belasten, wie dies bei Rechten, auf welche die Vorschriften des bürgerlichen Rechts über Grundstücke Anwendung finden, zu- trifft. Unter Berechtigungen im Sinne des §2Ziff. 4 des Umsatzsteuergesetzes find lediglich solche zu ver­stehen, die durch Reichsrecht oder Landesrecht den Grundstücken vollständig gleichgeordnet sind. Es ge­hören z. B hierher das Bergwerkseigentum, das Erbbaurecht, das Erbpachtrecht usw. ('Sgl. Komm. Popitz a.a. O. S. 397.) Die Jagdberechtigung fallt also nicht hierunter. Auch Enneccerus, Lehrbuch des bürgerlichen Rechts, 22. bis 26. Auflaae Sachen­recht, betont auf Seite 248, daß oas subjektive Jagdrecht ein Bestandteil des Grundstücks, nicht des Eigentums ist und durch Rechtsgeschäfte nicht vom Grundeigentum getrennt werden kann. Die Jagd- iierpachtung verschafft dem Pächter kein dingliches Recht. Man kommt also zu bem (Ergeb, nie, daß der Erlös aus den gemeind­lichen Jagd Verpachtungen nicht be­freit i st von der Umsatz st euer.

So bedauerlich die Schlußfolgerungen aus den vorstehenden Ausführungen im finanziellen Inter- esse der Gemeinden find, so hat es doch keinen Zweck, sich diesen zu verschließen, da die Gemeinden gegenüber den Aufforderungen der Finanzämter zur Abaabe von Umsatzsteuererklärungen für den Jagdpachterlös stichhaltige Einwendungen nicht er­heben können. Vcmerlt sei noch, daß auf Grund des § 169 der Rcichsabgabenordnung die Gemeinde- Verwaltung zu der geforderten Steuererklä­rung verpflichtet ist, es steht ihr jedoch, wie jedem anderen Steuerpflichtigen, das Recht zu, gegen eine Heranziehung zur Umsatzsteuer die gegebenen Rechtsmittel einzulegen.

Overheffen.

Landkreis Gießen.

L ID i c f e d, 13. März. Große llnvor - s i ch t i g t e i t. Gestern mittag verg. ügte sich ein hiesiger Einwohner in der Nähe des Lichtenauer Weges mit dem Schießen nach Sperlin­gen. Dabei traf eine verirrte Schrotladung eine Frau so unglücklich ins Dein, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Hoffentlich ge­lingt es, den leichtsinnigen Schützen ausfindig zu machen, damit ihm dieses gefährliche Tun innerhalb des Ortes für die Zukunft gelegt wer­den iann. Auch sollte dieser Vorfall anderen Schützen eine Warnung sein.

Allendorf a. d. Lda., 12. März. Der DienenzüchtervereinLumda tal" hielt am Sonntag bei Gastwirt Ranft seine dies­jährige Hauptversammlung ab. Nachdem der Vorsitzende, Lehrer Schmidt (Kesselbach) die zahlreich Erschienenen begrüßt und der im Lause des letzten Jahres verstorbenen Mitglieder, Vecker lTrais). Wißner (Allendorf) und Wal­lenfels (Geilshausen), in ehrender Weise gedacht hatte, erstattete Rechner Doll die Rechnungs- ablage, die einen guten lleberschuß auszuweisen hatte. Vei der Neuwahl des Vorstandes wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder wiederge­wählt. Daraus wurden an der Hand des letzten Monatsberichtes in derDiene" die jetzt bei der Auswinterung der Dienen, die den harten Winter sehr gut überstanden haben, nötigen Hantierungen und Verhaltungsmaßregeln be­sprochen.

ch Aus bem mittleren Lumdatal, 12. Würz. Die S ch n e e s ch m e lz e i.t hier rascher vor sich gegangen, als man annahm. Innerhalb der zwei letzten Tage ist der Wasserstand unseres Lumdaflüßchens dermaßen gestiegen, daß es vielfach über seine Ufer getreten, ist ynb weite Wiesengründe überschwemmt hat. Nennenswerter Schaden ist bis jetzt noch nicht angerichtet worden. Die Grippe ist in der letzten Zeit in un­serem Tale weiterhin ün Abnehmen begriffen, "fr-ue Krankheitsfälle treten kaum noch ein. t ersten warmen Frühlingstage, besonders am rnstag und am Sonntag, waren den Dienen,

Die Liebe erBrigiita Hollermann

Vornan von Elisabeth Rey.

ovrixht by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). - Fortsetzung Nachdruck verboten.

Sie dachte niHL--LL^e Gefahr, sie gab sich ganz dem teilten, schaurig^jchonen Dild Des furcht­bar entfachten Elements hin. v"

Drinnen, im kleinen Salon ober» lag allein und vergessen Drigitta Hollermann noch immer in tiefer Ohnmacht.

Die Explosion hatte zuerst viel furchtbarer ausgesehen. Der schnell herbeigeeilten Feuerwehr jedoch gelang es in kurzer Zeit, den Drand auf seinen Herd zu lokalisieren und die Klinik selbst völlig zu schützen.

Drinnen in den Krankensälen und -zimmern schritt der Geheimrat indes unermüdlich von Dett zu Dett, immer wieder in seiner stillen, be­ruhigenden Art seinen Patienten versichernd, daß für sie keine Gefahr bestünde.

Zwar loderte das Feuer noch immer hoch gegen den nächtlichen Himmel, aber die Gewalt war gebrochen.

Zu dieser Zeit war es, da Drigitta Holler­mann endlich aus ihrer Bewußtlosigkeit erwachte.

Verstört blickte sie um sich.

Was war mit ihr geschehen?

Ein seltsames fernes Losen klang an ihr Ohr. Schreie, Zurufe, eiliges Laufen erscholl unter dem Fenster des Salons.

Was war da draußen los? Was hatte das nur alles zu bedeuten?

Drigitta Hollermann erhob sich mühsam, und ging mit schwankenden Schritten zur Tür.

Sie sah in den großen Gesellschaftssaal, sah ein Ehaos von umgeworfenen Stühlen, zerschell­ten Gläsern, zersplitterten Fensterscheiben und ihre Schwester Isa, die, gleichsam von einem Feuerschein umgeben, regungslos am Fenster lehnte.

Sie begriff dies vorerst alles nicht.

Nur langsam dämmerte in ihr die Erinnerung an das Vorgefallene.

Da sah sie Doktor Deilinger im Fensterrahmen erscheinen, Isa schnell etwas zvrufend. Plötzlich riß der Schleier, der sich übet ihr Erinnerungs­vermögen gelegt hatte, und mit einem Schlag stand jäh wieder die letzte furchtbare Stunde vor ihr

Sie muhte vor Entsetzen bewußtlos geworden sein. Za. so und nicht anders konnte es gewesen sein. Aber jetzt, was war das alles?

Die Gäste fort und das Drausen und Schreien, und 3fa am Fenster?

die viele Wochen hindurch in ihrem Wintersitz verbleiben mußten, eine w-llko nmene G.legenheit, ihre Reinigungsflüge aus§-, uhren. Sie flogen so stark, wie kaum einmal um diese Zeit in den Vorjahren. Der Imker kann zu seiner Freude beobachten, daß die Völker den Winter besser überstanden Haden, als er geglaubt hat.

z Detsrod, 12. März. Am Sonntag fand der Schlußgottesdienst der Evangelisation des Missionars Walther (Deuern) statt, der unser Gotteshaus mit einer andächtigen Gemeinde füllte. Auch die abendlichen Wochenversamm- lungen waren gut besucht.

6 Göbelnrod, 12. März. Am Montag fand hier die H o l z v e r ft e i g e r u n g der Gemeinde statt, zu der eine große Zahl Interessenten er­schienen waren. ES waren auch auswärtige Stei­gerer zugelassen. Während das Nutzholz nicht sehr hoch im Preis kam, wurde das Drennholz gut bezahlt. Es kosteten 2 Raummeter Kiefern­scheiter durchschnittlich 24 Mk., 2 Raummeter Knüppel 18 Mk.

D Lich, 12. März. Aus dem Stadtvor - stand: Zn der jüngsten, dringlich einberufenen Sitzung befaßte sich der Stadtvorstand zunächst mit der Submission für Buchen-, Hain­buchen- und Eichen st ammholz am 6. März. Es waren pro Festmeter fo'gende Höchst­gebote eingelaufen: Buchenstämme Güteklasse A 3 29,08 Mk., N 3 23,26 Mk.. A 4 34,08 Mk., N 4 29,14 Mk., A 5 41,15 M?.. N5 33,08 Mk., A 6 46,08 Mk., N 6 40,20 Mk. Cichenstämme Güteklasse N 1 23,40 Mk., N 2 23,40 Mk., N 3 33,40 Mk., N 4 63,78 Mk. Hainbuchenstämme Gütellasse N 1, N2 und N3 je 27,77 Mk. Der Stadtvorstand trat dem Vorschlag der städtischen Holzverwertungslommission, den Höchstbietenden den Zuschlag zu erteilen, bei und genehmigte die Submission. Gelegentlich des Ostermarktes am 2. April soll zur Belebung des Marktes u. a. eine Tombolaverlosung stattfinden. Für diese wurden seitens des Stadtvorstandes 50 Mk. zur Verfügung gestellt. Die städtische Wohlfahrtskasse benötigt im Rechnungs­jahr 1927 anstatt der voranschlagsmäßigen 9000 Mark einen Zuschuß von 9500 Mk. Der Stadt­vorstand bewilligte den erforderlichen Mehrbedarf von 500 Mr. zu Lasten des Rechnungsjahres 1927. Bei der DrennstoffversorgungS- a k t i o n wurden insgesamt 109 bedürftige Fa­milien berücksichtigt. Durchschnittlich erhält jede Famllie 8 Zentner Briketts. Der geldliche Auf­wand beläuft sich auf 1080 Mk., an dem sich der Staat mit der Hälfte in Form eines zinslosen Darlehens und der Kreis und die Stadt mit je einem Viertel beteiligen.

rt. Rieder-Desfingen, 12. März. Der unter der Leitung der Frau Prinzessin Ludwig zu Solms-Hohensolms-Lich auf Hof Muhlsachsen stehende Frauenverein unserer Gemeinde kam in diesem Winter alle Mo­nat einmal in dem von der Gemeinde zur Ver­fügung gestellten Schulsaal zusammen und pflegte bei Handarbeiten, gemeinsamem Gesang und guter Lektüre eine edle Geselligkeit. Gestern wurde der Echluhabend gehalten. Rach einer Ansprache des Ortsgeistlichen waren die Frauen bei Kaffee und Kuchen einige Stunden fröhlich beisammen. Der Frauenverein stellte aus seiner Kasse und aus einer unter den Frauen veranstalteten Samm­lung den Betrag von 61,50 Mk. zur Verfügung, der für das Liebeswerk der deutschen Orient- Mission an den armenischen Waisenkindern ver­wandt werden soll.

Kreis Friedberg.

pb. Butzbach, 12. März. Am Samstag abend fand in der evangelischen Et. Markuskirche eine Passionsfeier statt, die von der Ma­drigal-Vereinigung Darmstadt unter Leitung des Professors an der Pädagogischen Akademie in Frankfurt a. W. Dr. Friedrich R o a d durchgeführt wurde. Das Konzert war in jeder Hinsicht ein musikalisches Ereignis. Der

Großer Gott, das war ja Fc'.ier, Feuer! Die Klinik brannte!

Mit einem lauten Ausschrei sprang sie »um Fenster, und riß die junge Schwester beiseite.

Was ist? Wo brennt es? Mein Gott, die Patienten! Zsa, so rede doch, was ist geschehen?!" rief sie,verzweifelt aus.

Datz Laboratorium ist in die Luft geflogen," antwortete Zsa ärgerlich.Mein Himmel, wie du mich soeben erschreckt hast, Drigitta. Zch dachte, du seiest noch ohnmächtig."

Aber so erzähle doch! Wie ist daS alles zu­gegangen? Wo ist Papa? Sind Menschen um­gekommen?"

Gott, Drigitta, ich weiß doch selbst noch nichts. Sieh nur, ist die Flamme, die da aufspringt, nicht einfach grandios?"

Zsa!" rief Drigitta, erbittert über so viel Oberflächlichkeit, und stürzte davon.

Unter der Tür, die zum Park führte, begegnete sie der alten Hanna, die ihr händeringend ent­gegenkam.

Mein Gott, Fräulein Drigitta, Sie hatte ich ja vor Schreck ganz vergessen. Was für eine schreckliche Nacht! Armes Kindchen, und das nennt sich ein glücklicher Derlobungsabend," zeterte sie, als sie Drigitta Hollermann kommen sah.

Wo ist Papa?" fragte Drigitta tonlos.

Del seinen Patienten. Die sind doch ganz aus dem Häuschen vor Aufregung. Gott, es gab ja auch einen Krach, daß ich dachte, nun ist es aus, nun geht die Welt unter."

Wie konnte denn aber das entsetzliche Un­glück geschehen, Hanna?"

Wle es geschehen ist, weiß noch niemand genau. Explodiert muh etwas sein. Der Wilhelm meint, weil vielleicht Doktor Eggenbrecht mit der brennenden Zigarette ins Laboratorium ge­gangen ist."

Doktor Eggenbrecht? Haima, was redest du da für einen Unsinn! Wie sollte der gerade um diese Zeit dahinkornmen?"

Ra, Wllhelm hat ihn doch zur Hintertür hinauslafsen müssen. Er muhte doch eUig zu einem Patienten, und wollte gleich durch das Labora­torium, zu dem er doch auch einen Schlüssel hat."

Hanna, Hanna, ist das wahr?" jammerte Dri­gitta leise.

Da kommt der Wilhelm, gnädiges Fräulein, er wird cs Ihnen genau sagen können."

Wann ging Doktor Eggenbrecht ins Labora­torium?" fragte Drigitta fast tonlos den Herbei- kommenden.

Keine zehn Minuten bevor das Unglück er­folgte."

Mit mit - der brennenden Zigarette?" stammelte Drigitta ganz außer Fassung.

Na, das kann ich nicht direkt behaupten, gnä- diges Fräulein. Doktor Sggenbrecht war ja so

Chor leistete Vorzügliches. Besonders seien aus der Dortragssolge der Dah-Solo, der das Re­zitativ aus der Matthäus-Passion sang, sowie die überaus schwierige Zohannes-Passion er­wähnt. Am Sonntag abend fand im großen ©aal desHessischen Hofes" eine Schubert- Feier statt, die von den vereinigten Gemischten Choren Duhbach-Dad-Rauheim unler Leitung deS Musikdirektors Hans Rosenmeier (Bad- Nauheim) ausgeführt wurde. Als Solisten wirk­ten mit Frau Martha Heinemann aus Wetter a. d. Ruhr (Sopran), sowie Polizei-Major Hof­mann (Dariton). Dirigent Rosenmeier hat es verstanden, die beiden Chore zu einem Ganzen zusammenzuschmelzen und sein künstlerisches Kön­nen auf den Gesamtchor zu übertragen. Die Messe in 6-Dur, der Geisterchvr aus der Ober Rosamunde, sowie Die deutschen Tänze für Ge­mischten Chor mit Klavierbegleitung zeugten von einer Genauigkeit des Einsatzes und einer Stimm­entfaltung vom Pianissimo bis zum Fortissimo, wie man sie selten hort. Ein ebenso hohes Kön­nen zeigte die Solistin Frau Martha Heine­mann. die mit ihren sinnig und fein vorgetra­genen Schubert-Liedern wahre Beifallsstürme ent­fesselte. sticht unerwähnt darf die Klavier- Dcgieitung von Frau Else Hofmann-Althen (Butzbach) und Frau Erna Kutscher (Bad- Nauheim) bleiben. Deide Damen verstanden es, die gesanglichen Darbietungen in künstlerischer Weise zu begleiten.

Kreis Büdingen.

?" Nidda, 12. März. Mit bem Nachlassen des Frostwetters und der Wiederkehr zeitgemäßer Temperaturen beginnen die größeren und klei­neren Dasaltwerke der Umgebung mit der Wiedereröffnung der feit Wochen still­gelegten Betriebe. Die N i ck e l s ch e Dasalt- inbuftrie zu Ober-Widdersheim hat be­reits mit Wochenbeginn einen Seil der Beleg­schaft eingestellt, um das vorhandene Stein­material zum Verladen zu bringen. Zn der Nach­woche soll der gesamte Betrieb wieder ausgenom­men werden, wodurch die Zahl der Arbeitslosen in der hiesigen Gegend stark gemindert wird. Zn dem Bauhandwerk ist noch keine Ent­spannung zu verspüren. Der Beginn der Dausaisvn wird gegen die Vorjahre weit hinaus- gerückt, zumal noch Wochen tiergeljen. ehe der tiefgefrorene Boden aufgetaut ist. Die Nach­frage nach Heu auf dem Lande ist zur Zeit außergewöhnlich groß. Man nimmt an, daß ein großer Teil des im Nachsommer und Herbst abgelebten Heues ins Ausland wanderte. Die Produzenten befleißigen sich größter Zurück­haltung, weil sie erst einen Ausblick auf die Futterverhältnisse des neuen Zahres abwarten wollen. Die Preise sind entsprechend hoch. Für ©rummet werden 4 Mk., für Heu 6 bis 6.50 Mk. bezahlt. Da aber die Kleefelder, ebenso wie Roggen und Weizen, gut überwintert haben, rechnet man mit einem baldigen Rückgang der Preise.

rL Stockheim, 12. März. Am Samstag fand hier im Lötzbaherfchen Saale unter dem Vorsitz des Lehrers Kleyen st euber - Dü­delsheim eine Versammlung des Kreiskar­tells Büdingen des Deutschen Beam­tenbundes statt. Sie war von etwa 50 De- ainten, meist Lehrern, besucht. Oberzollinspektor Lange aus Darmstadt sprach über das De- amtenheimstättengeseh und die auf Grund die­ses Gesetzes gegründete Dcamtenbausparkalse. An der Aussprache, an der sich die Herren Lenz und ©lenz, Geiß-Nidda, und Vlor he Iler- Düdelsheim beteiligten, wurden die Unterschiede zwischen der Beamtenbausparkasse und den schon länger bestehenden Baugenossenschaften (Wüsten- rvder und Darmstädter), sowie die Vorteile der Beamtenbdufparkasse eingehend erörtert

rL Dleichenbach, 12. März. Dieser Tage hielt Herr Blei-Stockheim hier einen Vor­trag über ben Doxcraufstand vom Zähre

seltsam, als wenn er nicht recht bei Sinnen ge­wesen wäre: aber das mit der Zigarette liegt doch sehr nahe. Wie soll das Unglück auch sonst passiert sein? Leider hat es dem armen jungen Herrn baß Leben gekostet."

Das Leben!" Laut und gellend hatte es Bri­gitta Hollermann hinausgeschrien.

Du meinst, daß Hans°Zorg Eggenbrecht?"

Man weih es nicht, aber man sand soeben einen ganz verkohlten Leichnam," antwortete der Diener ruhig, und sah erstaunt auf die Verstörte.

Aechzend lehnte Drigitta Hollermann an der Hauswand und starrte wie eine dem Wahnsinn Verfallene in die noch immer hochlodernde Glut.

Sie konnte nicht weinen, selbst die wohltuende Ohnmacht blieb aus. Sie stand und sah mit tränenlosen Augen, wie zur Dildsäule erstarrt, auf das Feuermeer.

Stunden verrannen, die Dämmerung nahte. Das Feuer war langsam niedergegangen.

Drigitta Hollermann kauerte, in sich zusammen- gesunken, auf einer Dank vor dem Hause, und sah mit leerem Dlick noch immer unverwandt auf die llnglücksstätte.

Vergeblich hatte die alte Hanna auf sie ein« gesprochen.

Da nahten matte, schleppende Schritte dem Hause.

Geheimrat Hollermann war es, der sich endlich frei gemacht hatte, um nach seiner kranken Tochter zu sehen.

Drigitta sah ihn kommen und hob langsam den Kopf.

Alt, müde, zerbrochen, stand der Vater jetzt vor ihr, und nahm sie in seine Arme.

Wortlos folgte sie ihm ins Haus. Dann aber brach cs wie ein einziger furchtbarer Schrei aus ihrer Brust. Der lähmende Bann war gebrochen.

Vater, Vater!" sagte sie, haltlos aufweinend.

Zst er tot. ist es wahr, daß er bei der Explosion umgekommen ist?"

Mit einem Ruck wandte sich der alte Wann ihr zu.

Drigitta, um Gottes willen, wie kommst du auf diesen schrecklichen Gedanken? Nein, mein Kind, er ist nicht tot, er lebt. Fritz Deilinger stand wie ein Mann und rettete seine Klinik."

Drigitta horte nicht die letzte bittere Beto­nung.

Deilinger, Fritz Deilinger," Sammelte sie wirr, den Kopf schüttelnd.Vater, ihn meine ich nicht. Zch frage dich nach Hans-Jörg Sggenbrecht, den Mann, den ich liebe

..Eggenbrecht Eggenbrecht?" Geheimrat Hollermann starrte ihr verständnislos entgegen. Was hast du mit Eggenbrecht zu schaffen?'^

Da schleuderte ihm Drigitta die ganze furcht­bare Wahrheit ins Gesicht, und er^äljlie ihm mit

1900 und seine Ursachen, und zeigte an Hand zahlreicher, sehr gut ausgewählter Lichtbil­der den Weg des deutschen Expedi.ionskorps nach Oftasien und seine Zusammenarbeit mit den Truppen der übrigen, am Chinafeldzug be­teiligten europäischen und außereuropäischen Mächte. Herr Dlei, der den Vortrag nach seinen eigenen Tagebuchaufzeichnungen hielt, gab auch manche lebhafte Schilderung religiöser unö kul­turgeschichtlicher Verhältnisse Chinas und Za° Pans und konnte auch diese mit DUdern gut ver­anschaulichen.

Kreis Schotten.

± Groß-Eichen, 12. März. An, Sonntag­abend wurde in unserer Kirche ein Film vor­geführt mit dem Titel:Das hl. Land und Vater Schnellers Liebeswerr". Zn klaren und inter­essanten Dildern wurden den zahlreich erschie­nenen ©emetnbcg'iebcrn all die Stiitton g:zeig: wo Jesus gewirkt hatte. Vor allem führte bc Film ein in das Leben und Wirken 4mShri schen Waisenhaus" in Zerusalem und feine: Außenstationen. Dieses Liebes werk tourte \r. Zahre 1860 von Johann Ludwig Schneller, al' gemeinVater Schneller" genannt, begründet um eine Anzahl der bei den Armenierverfolgur gen verwaisten Kinder aufzunehmen. Diako: Holderer aus Bethel hielt den begleiten den Vortrag.

Kreis Alsfeld.

--er. Homberg a.d.Ohm, 12.März. Sel­tenes Glück in seiner Viehzucht hatte in dem benachbarten Schadenbach ein Viehzüch­ter der Vogelsberger Rasse (Rotvieh), denn eine seiner Kühe brachte drei Kälber als Dril­linge zur Welt. Eines der Tiere ging nach anderthalb Tagen ein, die anderen zwei über­lebenden Kälbchen sind munter und entwickeln sich gut. Die hiesige Freiwillige Feuer­wehr hatte ursprünglich die Absicht, am Pfing- feste (20. Mai) ein Feuerwehrfest, verbunden mit der Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens, zu begehen. Mit Rücksicht auf andere Vereine hat sie diesen Plan fallen lassen und begeht nun ihr Fest am 27. und 28. Juli. Einen sehr schönen Verlauf nahm der am Sonntagabend im Helm- schen Saale abgehaltene Familienabend des Ver s ch onerungs- und Verkehrsver­eins. Dabei wurden u. a. die Wanderauszeich- nungen an die Mitglieder verteilt, die im vorigen Vereinsjahre 9 Punkte errungen haben. Die erste Wanderauszeichnung erhielten 15, die zweite 4, die dritte 2, die vierte 2 und die fünfte 5 Mit­glieder. Im übrigen wurde der Abend mit Musik­stücken, Gesängen und Vorträgen aller Art in bunter Folge angenehm ausgefüttt. Es wurde schließlich noch angeregt, den früheren Gemischten Chor neu aufleben zu lassen. Sangesfrohe Be­sucher trugen ihre Namen in eine Interessenten liste ein.

Starkenburg.

WSN. Darmstadt, 12. März. Während der Abwesenheit der Wvhnungsinhaber wurde hier, wie sich jetzt ergeben hat, am 8. d. M. ein schwerer Wohnungseinbruch verübt.bei dem den Dieben u. a. 5 goldene Damenringe mit Diamanten und Perlen, 2 goldene Samen- uhren mit goldenen Gliederarmbändern und den Buchstaben M. V. B., 2 Brillantkolliers mit Sa­phiren und Amethysten, eine Sammlung, be­stehend aus 8 Paar goldenen Ohrringen und 3 goldenen antiken Droschen, verschiedene goldene und Venezianer Halsketten, ein Schmuckkästchen mit zahlreichen Schmucksachen in Gold und Silber, eine Toilettengarnitur und eine Maniküre-Gar­nitur, beide aus Goldlegierung mit azurblauem Email, dazu passende Puderdosen und Parfüm­zerstäuber, zwei Nerz- und Lammfell-Pelzmäntel, seine Gesellschaftskleider, außerdem ein schwer- goldenes Handtäschchen, eine um den Hals zu tragende Herrenuhrkette mit ll.hr, ein Spa­zierst ock aus Silber und ein goldener Siegelring

fiebernden Worten, von innerer Angst um den Geliebten gepeinigt, die Geschichte dieser unseligen Verwechslung.

Immer tiefer und tiefer sank Geheimrat Holler­manns Haupt auf die Drust herab, und plötzlich schluchzte er wild auf.

Drigitta! Wie, wie konnte dies alles ge­schehen?" stieß er mühsam hervor.Jetzt verstehe ich alles. O, mein Gott, wie furchtbar! Deine Mutter ist an allem schuld oder auch nicht. Nein, wir alle wurden wohl mehr ober weniger das Opfer eines unglückseligen Verhängnisses. So hast du dich nicht geopfert für die Schuld deine» verbrecherischen Vaters. Gott ün Himmel, wie froh bin ich!"

Lebt Hans-Jorg Eggenbrecht?" fragte Dri­gitta. angstvoll des Vaters Wangen streichelnd.

Dieser zuckte heftig zusammen und blieb ihr die Antwort schuldig.

Lebt Hans-Jorg?", bat sie flehentlich.

Gott helfe, daß er es nicht gerade ist, den man aus den Trümmern barg," entgegnete Hollermann mit dumpfer Stimme.

So ist er es doch. Vater, denn er war es. der kurz vor dem llnglück nach dem Labora­torium ging!" schrie das junge Mädchen qual­voll auf; und plötzlich weitete sich ihr Dlick in hellem Entsetzen, und sie trat weit von dem Vater zurück.

Wenn er tot ist, Vater, bann bann ging er vielleicht freiwillig in den Tod. well er sich von mir schändlich betrogen glaubte."

Drigitta. du rasest. Niemals hätte Sggenbrecht dabei andere Menschenleben auss Spiel gesetzt. Nein, es muß ein llnglück fein: quäle dich doch nicht so furchtbar mit Selbstanklagen."

Zn diesem Moment wurde die Tür hastig aus­gerissen, und Doktor Deilinger. rauchgeschwärzt, so, wie er von der Brandstätte fortgceilt war, stand im Türeingang.

Ah. wieder munter, mein Schah?" fragte er. auf Brigitta zutretend.

.Hinweg. Elender! Wagen Sie nicht, mich anzurühren!" schrie Drigitta. mit Abscheu und Ekel kämpfend.Ich betrachte mich nicht als Zhre Draut. Sie haben mich durch eine geschickt gespielte Intrige getäuscht. Gehen Sie!"

Mit bösem Auf lachen antwortete er:

Ganz wie du willst, Drigitta. doch dein Vater wird kaum mit dieser Entlobung einverstanden sein. Frage ihn selbst, ob es ihm lieber ist. mor­gen des Mordes bezichtigt zu werden."

Deilinger. halten Sie ein! Kein Wort weiter oder, bei Gott!" Hochaufgerichtet, die geballt Faust zum Schlag erhoben, stand der Geyeimrc. vor seinem ersten Assistenten, der untoi lkür' einen Schritt zurückgewichen war.

(Fortsetzung folgt)