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Mittwoch. 5. März 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)
Nr. Zweites Blatt
feit 1920 laufend«
Kreuzer ist freilich
auf
deren Bauzeit in die Jahre und schließlich zwei fchon Kreuzer von 7600 To.
Die tatsächliche Zahl der
Ganz abgesehen von der Tatsache, daß eS erstaunlich wirkt, daß ein holländisches Blatt eine solche, feder Völkerverständigung ins Gesicht schlagende Rotiz überhaupt veröffentlicht, darf man darauf Hinweisen, daß gerade die Reming» ton-Gesellschaft in Deutschland ein Absatzgebiet sucht und zum Teil auch schon gefunden hat. Hoffentlich erinnert sich jeder deutsche Käufer einer Schreibmaschine dieser Rotiz. ehe er sich ent- schlicht, sich der Erzeugnisse der Remington- Gesellschaft zu bedienen. Diese Rotiz aber muh uns die Augen öffnen über die Art, wie immer noch in der Welt gegen uns gearbeitet wird.
höher, aber dies sind di« einzigen, die mit den modernen Kreuzerbau^en der amerikanischen Flotte in Vergleich gestellt werden können. An Kampswert sind sie zweifellos den amerikanischen Bauten unterlegen; hinzu tritt die Unterlegenheit der Zahl von 26 zu 33. Wie stark übrigens die Vereinigten S.aalen ihren Flottenbau forcieren, dafür Ipricht auch die Tatsache, dah nach dem gegeivoärtigen Stand Grohbritannien 7 Prozent seines Gesamthaushaltsplans für Marineausgaben verwendet, während bei den Vereinigten Staaten der Prozentsatz sich aus 8,5 beläuft
mal nach!" Der Beamte sieht noch einmal ngch. Auch dann, wenn das Mädelchen in einer Stunde viermal Nachfragen kommt
Ich machte jener DeamLt sM, der ständig Dienst am Lagerschglker hall Rur um dieser Briefe willen, die so sehnsuchtsvoll wie keine anderen erwartet werden! In wieviel Menschen könnte ich dann unendlichen Jubel entfachen, wenn ich alle jene duftigen Briese hinaus-- reiche! Wieviel Frohheit, wieviel köstliche Gesichter und glänzeiwe Augen könnte ich spenden! Oder tröstend wirken voll heimlicher Trauer, wenn sie vor überquellender Spannung vor meinem Schalter geöffnet werden. Denn es wird ja auch Abschiedsbriefe unter „Qlmor 500" geben...
Und dann würde ich auch keine Auskunft erteilen, wenn ein zornroter Vater käme und nach dem Verhältnis seiner Tochter fragte; jener Kleinen, die jeden Tag ein schwungvoll beschriebenes Kuvert unter „Seraphen" empfängt. Wie sollte ich Seraphen verraten!? Schon um dieses tanzenden Ramens, um dieser bezaubernden Chiffre willen, die von edelstem Geiste zeugt, verdient Seraphens eifriger Postlagerbrief-Schreiber geliebt zu werden. Denn an ihren Chiffren kann man sie erkennen!
Amor am postschalier.
Don Otto 3R. Gervais.
Wenn es regnet, gehe ich am liebsten
Zeitungsschau.
Einer Antwort deS ehemaligen Reichskanz- kers Dr. Joseph Wirth an die Dichter Droe- ger, Weismantel und Bab entnehmen wir folgenden bemerkenswerten Passus: Der heutige Staat steht auf den Parteien. Diese sind seine Stützen und Trager im Volke. Aber wenn die Parteien ihre inneren lebendigen Beziehungen zum Volke verlieren, wenn sich das Volk mit seinem poU- tischen Willen neben die Parteien stellt und an ihrem Getue keinen ernsthaften Anteil mehr nimmt dann wird der Staat zu einer Angelegenheit der Bürokratie und der großen Jnteressen- organisationen. die mit ihren Einflüsterungen hinter ihr stehen.
So weit haben ton es heute gebracht. Wenn sich jede Partei als eine in sich geschlossene, volkliche Gemeinschaftsgruppe fühlt, mit chrer eigenen Weltanschauung. mit chrer eigenen Moral, mit ihren eigenen Auffassungen eines Jdealtyps der so-tologffchen Ordnung, toenn jede dieser Gruppe die Aachbargruppe verachtet, weil sie von dem eigenen Ideal nicht die vorgeschriebene höhere Meinung hat. wenn überdies jede Gruppe im Ringen um die eigene Existenz in der Rachbargruppe nur den verbissenen Feind und hinterlistigen Schädling sieht, da muh das Vertrauen unter den Führern verloren gehen, denn bann steht lediglich der rücksichtslose Konkurrenzkampf im Vordergrund der parlamentarischen Arbeit Dann wird alles daraus angelegt, nur Durch rein taktische Manöver den Rachbar in ^Fallen zu locken und ins Unrecht zu sehen.
Der politische Besihkamps, der sich in den ^Fraktionen und Parteien zeigt, ist unbedingt eine Alterserscheinung. Das Alter ist geizig und störrisch. Unsere Fraktionen und Parteien sind zu alt geworden, sie erneuern sich aus den jungen Kräften unseres Volkes zu wenig. Es ist gewiß richtig, wenn Sie sagen, das; es im Volke viel stärkere ©emcinfantteilen in der politischen Willensrichtung gibt. Aber wenn sich diese politische Gemciitsamkeit nicht entfalten kann, wenn sie neben den Parteien sich entwickeln muh. wenn Die Form und die organisatorische Verfassung unseres Parteilebens unfähig bleibt, jene Entwicklung in sich aufzunehmen, dann stirbt trotzdem die Demokratie selbst mindestens vorübergehend ebenso ab. wie es die Parteien tun. Und es bleibt letzten Endes immer ungewih. ob Katastrophen wirklich solche neuen Formen des politischen Lebens gebären, die ertragreicher fein werden als die zerbrochenen.
im Zentralvorstand ihrem Führer nicht ganx gefolgt ist. Wie sich auch die weitere ©nttoialung in der Innenpolitik gestalten wird, zunächst wird es auf jeden Fall darauf ankoinrnen. eine Reu - ordnung in dem deutschen Parteiwirrwarr herzustellen. Dr. Stresemann hat dazu in seiner Rede vor dem Zentralvorstand den Oluftaft gegeben.
und politischen Ansichten der großen Stadt ‘j5ir sprachen recht lange, während die Frauen das Kind betreuten und still zuhörten. Dann schwieg er eine Welle, nachdenkend, und man sah an dem aufmerksamen und angeftrengten Sinnen seiner Züge, daß er ein Fazit zog; ich fühlte mich und alles Städtische von vornherein verurteilt.
Aber da hob er plötzlich seine ernsten Augen und sagte das bescheidenste und stolzeste Wort, das ich lange gehört hatte. Er sage: „ja, das mag schon seine Richtigkeit haben für euch, ihr seid's studierte Leut', aber mir fan einfache Dauern, für uns schickt sich solchenes nicht. Mir müssen festhallen an dem. was bei uns der Brauch ist. an unserm Heben Herrgott und an unferm bissel Land und müssen schauen, daß unsere Kinder recht werden, deutsche Leut. Und dann is eh'S Leben vorbei und Zeit zum Sterben."
Er stand auf und gab mir schlicht die Hand zur Gutenacht. Ich nahm diese Hand wie man etwas Heiliges nimmt, Erde oder Brot, und fühlte crfdjüttert, daß an solchem deutschen Wesen wahrhaftig die Well genesen tonnte.
Bork-Klasse zu 8400 To.. 4 Kreuzer zu 9750 To.. • - - 1916 bis 1925 fällt.
Tisch, bald standen Milch und Käse vor mir und ein Schüsselchen mit Kartoffeln, kostbares Gut hier auf diesen Höhen, wo nur mehr wenig wuchs. Der Dauer schnitt mir mit ernster Würde das Drot und segnete es.
In welch versunkene Well war ich geraten? Alter deutscher Familienkult wehte mich an in dieser 'gesitteten Stube; wie die heiligen Hüter des Herdes standen diese jungen Eheleute vor mir. und die Alte mit dem schlummernden Kind im Arm war wie das unaufhörliche Schreiten der Geschlechter selbst.
Als ich gegessen hatte, setzten sie sich zu mir und frügen bescheiden nach dem Woher. Der Dauer horchte auf, als ich den Ramen der großen Stadt nannte, er zögerte ein wenig, er kämpfte mit einem Wunsche; endlich, die Äugen Augen verlegen auf mich gerichtet, bat er, doch ein wenig von der großen Stadt zu erzählen.
Run war es an npr, verlegen zu fein. Denn was konnte ich diesen Leuten sagen, das vor ihrer einfachen und naturnahen Unbeirrbarleit Wert behallen hätte? Sollte ich ihnen von der inneren ©cjagtijeit und Unzufriedenheit des Großstädters erzählen, von seiner Selbstbetäu- bung in Kinos und Festen und Rachtlokalen, die er Freude nannte? Hätten sie. diese vor sich selbst Ehrlichen, etwas anderes dabei empfinden können, als Erstaunen und Mllleid? Oder sollte ich ihnen Luxus. Eleganz unb Verführung schildern? Diese Frauen waren Zeit ihres Lebens in seibstgcwebten Stoffen gegangen, derb und ärmlich und allen bewußten Reizes bar und dennoch hatten sie Frauenschicksal erlebt, hatten in eines Mannes Arm gelegen und Kinder geboren. Was sollten ihiren solche Künste sagen?
Ober sollte ich ihm vom Tempo unserer gehetzten Arbeit erzählen, ihm, dem Dauern, der mit der Pflugschar über seine Aecker ging, und neben ihm schritt Gott? Ober sollte ich ihm vom Triumph bet Technik sprechen, diesem Manne, der seinen Zugochsen am Horn ergriff und zufrieden war?
Ach, in der tiefsten Seele fühlte ich mit De- schämung und Leid, daß alles, was ich diesen Leuten hätte barlegen können, verblichen wäre neben ihrem Reichtum unb in tiefstem Grunde Offenbarung der Armut gerochen wä.e, Geständnis jener, die zu well vom Schoß der Erde fort- gewandert sind.
Aber mein Zögern hals nichts, er frag mich aus, bescheiden unb klug, nach Lebenshaltung
Oer englisch-amerikanische Flottenweitlauf.
Zwischen England und Amerika steht die Flottenfrage, und die Zeit des sogenannten englisch-französischen Flottenkompromis- fes hat besonders deutlich gezeigt, eine wie wichtige Rolle sie in den Beziehungen und in dem Verhältnis der beiden Staaten zueinander steht. Cs ist von Interesse, über die tatsächliche Flotten- stärke der beiden Mächte einige Ziffern zu betrachten. Rach einer amtlichen französischen De- rechnung verfügt Groh-Dritannien gegenwärtig über eine Kriegsflotte von 1 227 000 To., die samt unb sonbers als neuzeitliche Schiffe gelten können. Dei ben Vereinigten Staaten ist die Gesamttonnage mit 1 225 000 To. fast genau gleich der englischen, doch haben als modern davon nur 997 000 Tonnen zu gelten. Rach einer englischen Terechnug ist die englische Tonnage per Mitte dieses Monats noch ein wenig höher und beträgt 1 329 000 To. Es ist übrigens recht interessant, diese Ziffer mit der des Juli 1914 in Vergleich zu sehen: damals verfügte die englische Marine über 2 276 000 To !
LochschulnacknchLen.
Professor Dr. Moritz Weyermann in Dem hat ben Ruf auf den Lehrstuhl der theo- rettschen Rationalökonomie an der Universität Jena als Rachfolger von Prof. Franz Gutmann zum 1. Oktober 1929 angenommen. — Professor Dr. theol. et phil. Artur Landgraf von der Phllosophisch-theologischen Hochschule in 'Bamberg hat einen Ruf als ordentlicher Professor der Dogmatik an die deutsche Universität in Prag als Rachfolger von Pros. Franz Enbler abgelehnt.
Der außerordentliche Professor für Physik an der Universität Jena Dr. Hans Busch hat einen Ruf auf bas Ordinariat für theoretische Elektrotechnik unb Fernmeldetechnik an die Technische Hochschule in D a r m st a b t erhalten. — Der Professor Dr. Wolfgang Krause in Göttingen hat ben an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der vergleichenden Sprachwissen- schaff an der Universität Königsberg als Rachlolger von Prof. E. Sittig angenommen unb bereits seine Ernennung zum Ordinarius an der Albertus-Universität erhalten.
Sind Zngdvekpachiungen nmsatzfleuerpsiichiig?
Don Bürgermeister Dr. Dölsing, Alsfeld.
Deutsches Dors.
Don Sofie von Llhde.
In sanftem Gefälle führte die tief verschneite Landstraße dem einsamen kleinen Reste zu. Wasser murmeüc. nebenher unter Eis- unb Schneebrücken, von den hohen Bergen rechts unb links des Wegs fiel letzter Lagesschein; bas weiße Märchenreich der bereiften Tannen strahlte im rosigen Ab- schiedsblick des Lichtes.
Aus dem nahenden Dorfe klang das tiefe Abendgeläut weithin durch die falte, klare Welt der ‘Serge. Die ersten kleinen, einsamen Höfe kamen, die Wegbiegung mit dem alten Kruzifix voll ernster Dauerngotik, die Kirche mit dem schweren Wachtturm und dem tief verschneiten Gottesacker, auf dem kaum mehr die Spitzen der schmiebeiseraen Kreuze aus der weißen, stillen Decke ragten, das einstöckige Pfarrhaus unter hohem Dach — und nun die ruhende Dorsstrahe mit winkligem Giebelwerk unb buntem Wirtshausschild.
Ein Friede ohnegleichen lag über diesem Blld, die Glocken riefen wirklich zu einem Feierabend, nicht nur der Hände, sondern auch des Herzens. Gottes Ruhe nach getaner Pflicht. Ruhe der Scholle nach Wachstum und Ernte. Mich fiel das Vaterland an wie eine süße Gewalt, mein Herz, das eben zurückgekehrt aus sehr ferner Fremde, und noch erfüllt war von ihren bunten Bildern, wurde warm und still von Heimatgefühl.
Und glücklich löste ich die Skier von den Füßen und trat in das kleine, bäuerliche Gast- Haus ein. _
Ein gewaltiger Kachelofen strömte gute Warme in die saubere Stube. Unter der Hangelampe, deven rötlich-mattes Licht freundlich auf das Kreuz im Herrgottswinkel fiel, stand — schwere, eingesessene Arbeit — der gescheuerte, geschnitzte Tisch. Es saßen keine Gäste daran, wer wollte auch sich wochentags ins Wirtshaus setzen. Rur die Hausleute liefen erstaunt bei meinem Eintritt zusammen, der junge Dauer kam aus dem Stall vom Füttern, die Däuecin lief aus der Milchkapimer herzu, die alte Mutter, das Eickel- kind im Arm. erhob sich aus dem Dämmer der Osenecke. Wan war keine Fremden gewohnt in diesem weltfernen Rest.
Wit der wortarmen Freundlichkeit der Berg- bauern nahm man mich auf. Die junge Frau brettete stolz derbes leuchtendes Seinen über den
umSachpacht, sondern um eine Rechtspacht handelt. (Dgl. Entscheidungen des Reichsgerichts in Zivilsachen, Band 98, S. 102.) Dieser vom Reichsgericht eingenommene Standpunkt hat aber ausschlaggebende Bedeutung für die Frage, ob der Erlös aus der Jagdpacht umfatzsteuerpflichtig ist, oder nicht. Die Ueberlaffung von Grundstücksnutzungen ist nur bann umsatzsteuerfrei, wenn das die Nutzung abwerfende Grundstück selbst Gegenstand des Pachtoerttags ist, nicht aber die Auswertung des Nutzungsrechtes. Deshalb ist nach der Auffassung von Pros. P o p i tz , Kommentar zum Umsatzsteuergesetz in der Fassung vom 8. Mai 1926, 3. Auflage 1928, S. c>34, die Verpachtung der Jagd auf Grund des §2 Ziffer 4 des Umsatzsteuergesetzes nicht um- satzsteuerfrei.
Denselven Standpunkt vertritt auch der Reichefinanzhof in seinem Urteil vom 12. Februar 1926 V.A. 57,26. (Dgl. Sammlung der Entscheidungen und Gutachten des Reichsfinanzhofs, Band 18, S. 201.) Wie bereits oben ausgeführt, find gemäß § 2 Ziff. 4 des Umsatzsteuergesetzes befreit von der Umsatzsteuer Berechtigungen nur unter der Voraussetzung, dah auf sie die Vorschriften des bürgerlichen Rechts über Grundstücke Anwendung finden. Der Reichsfinanzhof vertritt nun in der angeführten Entscheidung den Standpunkt, daß diese Voraussetzung für das Jagdrecht nicht zuttifft. Die Befreiungsvorschrift des ß 2 Ziffer 4 verfolge lediglich die bürgerlich^recht- liche Gleichstellung der grandstücksähnlichen Rechte mit den Grundstücken auch für das Umsatzsteuer' recht. Darüber hinaus ist nach der Auffassung des Reichsfinanzhofs die Ueoerlaffung von Grundstücksnutzungen nur in dem Falle nach §2 Ziff. 4 a. a. O. umsansteuerfrei, wenn nicht, wie bei der Jagd, allein die Ausübung des Nutzungsrechtes den Gegenstand des Pachtvertrages bildet, sondern, wie z. B. bei den Ausbeuteverträgen und bei der Grasnutzung, das die Nutzung abwerfende Grundstück selbst. (Dgl. auch Entscheidungen des Reichsfinanzhofs, Band6, S.123.)
Im vorliegenden Falle kann nun die 3ogbberedp tigung der Gemeinden nicht als ein grundstückähnliches Recht angesehen werden, da die Gemeinden keine Möglichkeit haben, das ihnen zustehende Jagd-
Die „Kölnische Zeitung" schreibt: Am 12. Februar brannte das Rathaus in Leiden nieder. Mit Schrecken hörte die ganze zivilisierte Welt von der Zerstörung dieses mittelalterlichen architektonischen Kleinods. Die Welt ist wieder um einen Kunstschah ärmer. Ist es nun stets eine Geschmacklosigkeit, ein Unglück zu Reklamezwecken auszubeuten, so kann eine Art der Reklame, wie sie die amerikanische Schreibmaschinenfabrik Remington für zweckmäßig hält, im „Algemeen Handelsblad" vom Sonntag, dem 24. Februar, zu veröffentlichen, nicht scharf genug verurteilt werden. Es geht vielleicht noch an, toenn diese Firma, die neben Schreibmaschinen auch feuerfeste SafeS herstellt, darauf hinweist, daß der Schade an verbrannten Akten nicht so groß gewesen wäre, hätte man ihre Erzeugnisse in Gebrauch gehabt; wenn sie sich aber bemüßigt fühlt, alte, längst widerlegte Kriegsgreuelmärchen aus der Versenkung hervorzuholen, um ihre Ware anzu- preisen, so kann dieses Verfahren nicht genug gegeißelt werden. Der in großer Aufmachung gegebene Reklametext, der mit einem Bild des Rathauses geschmückt ist, beginnt nämlich mit dem geschmacklosen Hinweis:
Richt mehr seit den Tagen des großen Krieges, wo ein mordbrennender Feind seine schändende Hand an die schönsten Denkmäler mittelalterlicher Architektur in Belgien und Frankreich legte, mußten wir mit so viel Wehmut machtlos zusehen, daß ein so unschätzbarer Desitz uns und den kommenden Geschlechtern entrissen wurde.
Men not Measures.
Mit einer geradezu ausfallenden Gleichzeitigkeit taucht in den verschiedensten politischen Lagern Deutschlands gerade in diesen Tagen der Ruf nach dem Führer auf, ein Ruf, der manchmal schon recht ähnlich dem Schrei des Ertrinkenden nach dem rettenden Strohhalm wird. Diese Gleichzeitigkeit wird noch auffälliger in den Kommentaren und Artikeln der Sonntag.blätter, wo politische Köpfe in der Wochenbilanz sozusagen als Endergebnis die Auseinandersetzung um das Führerprinzip finden. Und dabei lag e3 ja recht nahe, gewissermaßen als Prototyp den deutschen Reichsauhenminister hinzustellen, der auf der einen Seite der Führer des deutschen Minderheitenvorstohes ist und auf der anderen Seite als Führer seiner Partei in seiner so hervorragenden Rede vor dem Zentralvorstande recht gute Worte über die Führerpersönlichkeit zu sagen wußte. Run wäre es ja falsch, daraus den Schluß zu ziehen, als wenn man von allen Seiten daraus hinarbeiten würde, gleichsam Dr. Stresemann zum Primus i n t e r Pares zu ernennen. Das würde ihm selbst nicht liegen und vor allem auch ihn in seiner Tätigkeit selber hemmen. Andererseits gibt es ja auch gewisse Kreise, die z. B. durch die Kreuz-Zeitung eine andere Ansicht verlautbaren lassen und unter Anlehnung an altpreuhische Begriffe in neu» saszistischer Färbung ba$ Führerprinzip von eben dieser Seite her gelöst sehen wollen.
Aus all diesen Kommentaren spricht aber gemeinsam der eine Gedanke, daß gehandelt werden mutz. Da man nun sehr leicht von der Handlung auf den Handelnden schließen kann, so hat sich in der deutschen Innenpolitik gerade in diesen Tagen so etwas wie ein Führer- Wirrwarr entwickelt. Unb hier muß die Kritik einsetzen, bie bie beseitige Entwicklung eben konkreter verstanden wissen will. Am Donnerstag tritt der Reichstag zusammen und zwar in einer" Form, bie nicht gerade sehr esmutigenb ist. Er hat nämlich im Grunde genommen gar kein Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern muh sich, gewollt oder ungewollt, den Manövern der innenpoffiischen Auscinanderseyungen mehr oder weniger anpassen. Hoffentlich wird er Mut genug finden, seine eigene Kraft durchzu- sehen. Mit bloßen Osterferien ist es nicht getan, denn biese Vogelstrauß-Politik löst niemals eine Krise. Gewiß verbleibt bie letzte Initiative bem Reichskanzler.
Unb boch fällt in biesem Zusammenhänge einer anberen Persönlichkeit eine viel größere Bebeu- tung in der Lösung der Krise zu, und das ist eben bet deutsche Aeichsaußenminister, der sich zwar jetzt nach feinet so anstrengenden Arbeit zur Erholung nach der Riviera begeben hat, der sich aber zu gleicher 3eit zu entscheiden hat, ob er je nach der Haltung Seiner Partei z u einer eigenen Initiative griffen muß. Und hier liegt auch der Grund, weshalo Dr. Stresemann in den allgemeinen Auseinandersetzungen um das Führerprinzip eine solche große und ausschlaggebende Rolle spielt. Die Kommentare der Sonntagsblätter sprechen in diesem Zusammenhänge viel davon, daß sich Dr. Etrese- mann "sehr leicht von feiner Partei trennen könnte. Das scheint vielleicht doch zu weit gegriffen zu fein. Trotzdem liegt der Schlüssel zur Lösung eben in der Klärung des Verhältnisses der Volkspartei zu Dr. Stresemann, bie
Diese Frage ist neuerdings dadurch aktuell geworden, daß von den Finanzämtern anläßlich der in diesem Winter vielfach erfolgten Neuverpach- tungen der Gemcindejagden die Gemeinden zur Abgabe einer Umsatz st euererklärung über ihre Einnahmen aus ben Iagdpachten aufgefordert worden sind.
Es fragt sich nun, ob der Erlös aus der Ge- meindejagd tatsächlich umsatzsteuerpflichtig ist oder nicht. Hierzu wäre folgendes zu bemerken:
Die Gemeinden nehmen Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht in Anspruch auf Grund des §2 Ziff. 4 des Umsatzsteuergesetzes. (Reichsgefetzbl. 1926 Teil I S. 218.) Darnach find von der Besteuerung ausgenommen Verpachtungen und Vermietungen von Grundstücken und Berechtigungen, auf welche die Vorschriften des bürgerlichen Rechts über Grundstücke Anwendung finden. Es ist die Frage zu prüfen, ob die Jagdpacht eine Berechtigung ist, auf welche die Vorschriften des bürgerlichen Rechts über Grundstücke Anwendung finden. Das Hess. Jagdrecht beruht auf dem Gesetz die Ausübung der Jagd in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen bett, vom 26. Juli 1848 und auf einer Verordnung vom 21. September 1815 über das Jagdrecht der Provinz Rheinhessen, welch' letztere allerdings teilweise aufgehoben ift Insoweit die rheinhessische Verordnung keine Sonderbestimmung enthält, wird das in den beiden anderen Provinzen geltende Recht analog angewandt. (Dgl. Conradi, Das Hessische Jagdrecht, S. 51.) Auf Grund dieser Gesetzesvorschriften ergibt sich für die rechtliche Beurteilung des Hess. Jagdrechts das Grundprinzip: Das Jagd recht steht an sich dem Grundeigentümer zu, er kann es aber selbst nicht ausüben, sondern das Iagdaus - uvu!'. gsrecht wird durch die polittsche Gemeinde, in? hierbei als Vertreter der Grundbesitzer anzuschen ih verpachtet. Der Pachtzins wird nicht an die Grundbesitzer verteilt, sondern ist Einnahme der Gemeinde, (Vgl. Dr. Wolf: Hess. Landes- privatrecht § 145, S. 403; Conradi a. a.O. S. 6.) Das Reichsgericht hat nun wiederholt ausgesprochen, daß den Gegenstand der Jagdpacht nicht die Grundstücke bilden, auf denen die Jagd ausgeübt wird, sondern die Jagdberechtigung, daß es sich allo nicht
Bahnsteige, in Wartesäle ober in bie Schalterräume der Postanstalten. Es ist so Überaus reizvoll zu sehen, wie sich Menschen beim Abschied benehmen, toie sie sich langweilen oder Briese empfangen, aufgeben, frankieren und in den Kasten werfen.
Am schönsten ist es vor dem Schalter für postlagernde Sendungen. Richt, wenn Reisende kommen und auf Grand ihres Ausweises das telegraphisch nicht übertoiefene Geld verlangen, nein, toenn sich jene nahen, etwas verschämt und bang-erwartungsvoll, die „unerlaubte Beziehungen" unterhalten, die üjre Liebe chiffrieren, die leise dem lächelnden Beamten zuflüstern: „Ist etwas unter QI. 'S. 100 da? Ober unter Ping Pang Pong 4711?"
Unb toenn der Beamte verneint, weil er der Mittler ist, ein Menschenkind glücklich ober unglücklich zu machen, bann stehen sie einige Sekunden toie betäubt, fassungslos, begreifen die Enttäuschung nicht: „Qlber es muh doch etwas da fein! Ditte, bitte, sehen Sie doch noch ein-
Die Vereinigten Staaten aber sind auf dem besten Wege, die gegenwärtig noch vorhandene englische Ueberlegcn.jcit einzuholen unb zu ü b c r- holen. Rach den bisherigen Bauplänen wirb Amerika 1934 verfügen über 15 Kreuzer, die alle in Washington für 10 000-To.-Standard- Kreuzer zugebilligten Möglichkeiten ausnuhen. über 8 weitere Kreuzer zu 10 000 To. aus dem Bauplan von 1924 unb 10 Kreuzer zu 7500 To.. Bauplan 1916. Die geringste Geschwindigkeit dieser 33 Kreuzer wird 33 Knoten betragen. Unb ihre Seetüchtigkeit unb Kampfkraft wird man als unerreicht ansehen müssen. England wirb 1934 verfügen über 14 Kreuzer von 10 000 To., die zum erstenmal im vorigen Jahr in Dienst gestellt wurden, 6 ganz moderne Kreuzer der
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