beB unttldMbten Otntxnl Sttschgrstchrt »orfie», ha dieses auf dem Standpunkt steht, daß, wenn dnS Senden erlaubt ist und lediglich an eine Anmeldepflicht gebunden ist. viel leichter ehre Kontrolle über Geheimsender möglich wäre. Die bestehenden politischen Bedenken — man weist amtlicherseits genau, dast nicht nur kommunistische, sondern auch rechtsradikale Geheimsender existieren — sind bei der eventuellen Freigabe recht gering. Erheblicher allerdings sind diejenigen der R e i ch S p o st . die für ihr Telegraphenmonopol fürchtet. Die in diesem Zusammenhang geführten unverbindlichen Besprechungen werden noch einige Wochen an’ dauern.
Organisaiionsmißstände im Flugwesen.
Rationalisierung der Flughafenbetriebe. Zuviel Luftpolizei.
Berlin, 13. Febr. (Priv-Tel.) Dieser Tage hat sich der Berliner Stadtbaurat Dr. Ad ° l e r über unbedingt notwendige Rationalisier runasmahnahmen der deutschen Flughafenbc I riebe ausgelassen, wobei er ausführte, dast ge genwärtig in Deutschland 108 Flugplatz anlagen existieren, die keiner einheit-- lichen Organisation unterstehen, viel mehr -um großen Teil neben- und gegeneinander arbeiten und dadurch für bas deutsche, Luft- wesen hemmend sind und den Vereinheit- lichungsbestrcbungen in der deutchen Luftfahrt kraß entgegenstehen. Es wird von Dr. Adler vor allen Dingen beanstandet, dast auf den einzelnen Flughäfen eine Heberfülle von Personal beschäftigt ist, was darauf zurückzufuh- i-en ist, dast die deutschen Flughafen sich In je dem einzelnen Fall in vier voneinander getrennte Betriebe gliedern. Es ist einmal die Flughafenverwaltung, die mit den Luftverkehrsgesellschaften den Absertigungsdienst versieht, dann die Flugverkehrslei- lang, die der Luft Polizei untersteht, unb schließlich ist die Flugsicherung mit Ihren An° gestellten zum Lei! dem Relchsverkehrsmim- sterium und zum Teil der Deutschen Lust-Hansa unterstellt. Es ergibt sich aus dieser Tatsache natürlich ein Nebeneinander von verschiedenen gleichen K o m p e t e n z e n . die durchaus entbehrlich sind und gewist nicht im Znteresfe eines einheitlich organisierten Flug’ wesens liegen. Es ist unverständlich, warum die einzelnen Kompetenzen nicht der Deutschen Luft-Hansa unterstellt werden können, die doch schliestlich auf Grund ihrer organisatorischen Erfahrungen und der von ihr auch im Xusland gemachten Studien am ehesten in der Läge wäre, dem gegenwärtigen Derwaltungs-- nürrwarr zu begegnen. Auf Grund der gemachten Beröffentlichung über die herrschenden Mißstände wird man, wie wir hören, in Kürze die beteiligten Instanzen, verschiedene Vertreter der Polizeiorgane, der Konnnunalbehörden, der Luftsahrtkreise yi einer Konferenz zusant- mcnrufen, um in eingehenden Besprechungen die imßaltbaren Zustände zu bereinigen.
Aus oller Welt.
Das Schnellzugsunglück bei Bitterfeld.
Halle, 12. Febr. lWTB.) Zu dem gemeldeten Zngznsammenstost bei Bitterfeld in der vergangenen Nacht teilt die Pressestelle der Reichsbahndirektion Halle weiter mit: Soweit die Ermittlungen reichen, trifft außer Dem Lokomotivführer, der das auf Halt stehende Ausfahrtssignal in Gräfenhainichen überfahren hat, auch den Weichenwär- 1 e r vom Stellwerk OP in Gräfenhainichen die Schuld an dem Hnglück, da er das Einfahrts- 'ignal gezogen hat, bevor der U-Zug 70. ' zum Halten gekommen oder das Llusfahrtssignal gezogen war.
Freiherr von Schcenck-Nohing t»
Der llllünchcner Gelehrte Freiherr von Schrenck- Notzing verstarb am Dienstag an den Folgen einer Blind'oar.nopcration. Der Verstorbene war durch seine Arbeiten auf para Psychologie s ch c m Gebiet weiten Kreisen bekannt geworden. Erinnerlich sind seine sich über 16 Jahre erstreckenden Versuche mit dem Medium Eusapia Paladino und anderen Medien. Heber seine Ce- perimente hat Schrenck-Nohing auch mehrere Bücher geschrieben, die namentlich hinsichtlich seiner Bewcisversuche für die Echtheit Der Materialisationsphänomen'' viel umstritten sind. Der Verbene stand im 67. Lebensjahre.
Das Leidener Rathaus abgebrannt.
Das aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammende Rathaus dec alten holländischen Stadt Leiden ist durch ein Feuer so gut wie vollst ä n b i g vernichtet worden. Mit dem berühmten Renaissancebau sind gleichzeitig die in ihm ausbewahrten wertvollen Archive und zahlreiche seltene Kunst schätze den Flammen zum Opfer gefallen. Die Leidener Feuerwehr, die durch eine Airzahl Wehren aus dem Haag, Voorschoten und Warmond unterstützt wurde, stand dem Brande ziemlich machtlos gegenüber, da die Löscharbeiten durch die strenge Kälte sehr erschwert wurden. Das Rathaus war für eine Million Gulden versichert.
Gasexplosion.
3n Wald bei Solingen erfolgte in dem Lauter- bachschen Hause, auf dem Wege nach ®iaen am Berge, eine Gasexplosion, der das Gebäude zum Opfer fiel. Die Hmstände lassen daraus schließen, das; sie an dem Hause vorbeiführeirde Ferngasleitung undicht geworben ist. Als der Hauseigentümer morgens Licht anzünden wollte, kam es zur Explosion. Diese riy einen Hausgiebel heraus, verletzte den Eigentümer Lauterbach glücklicherweise nut leicht, zündete aber daS Gebäude an, das bald lichterloh brannte. Die Feuerwehr war dem Brande gegenüber machtlos. Es blieb zum Schutz der an- liegenden Gebäude nichts anderes übrig, als durch beschleunigten Abbruch des brennenden Hauses das Feuer einzudämmen. Die Gasflammen schossen später rroch immer aus der Erde.
Schulkreuzer „Emden- in Konstantinopel
Schultreuzer „Emden" ist trotz des schweren Schneegestöbers pünktlich in Konstantinopel ein- getroffen. Die deutsche Kolonie aab aus diesem Anlaß einen Enrpfang in Anwesenheit de« auS Angora cingctroffencn deutschen Botschaster- vaareS und der Spitzen der türkischen Militärbehörden. An den Reichspräsidenten wurde tele- qraphisch der Dank für die Errtsendung de« Kreuzers übermittelt, an den türkischen Staatspräsidenten wurde ein HuldigungStesegramm gesandt.
Haben wir den Höhepunkt der Jrostperiode überschritten?
Sie kalten Lustmassen ziehen südwärts.
Berlin, 12.Jebt. (WB.) Obwohl augenblicklich fast überall in Deutschland noch Temperaturen von über 20 Grad gemessen werden, scheint nach den Beobachtungen der Wetterstationen der Höhepunkt des Fro st weiters überschritten zu sein, wenn auch vorläufig noch weiter große Kälte zu erwarten steht. Die Oslwinde aus Ruhland versprechen un» auch für die nächsten läge noch klares Wetter. Schneefälle sind nicht zu erwarten. 3n ganz Ostdeutschland ist eine geringe Milderung des Wetters eiugelceten. In Berlin wac die tiefste Temperatur der vergangenen Rocht in der Innenstadt minus 22 Grad, in den Außenbezirken minus 24 Grad. 3n Breslau maß man minus 28 Grad, in Ostpreußen durchschnittlich 22 bis 24 Grad. Die kalten Luftwaffen ziehen immer weiter westwärts mit geringer Drehung nach Süden, so daß in Süddeutschland zur Zelt, besonders in dem Gebiet der oberrheinischen Tiefebene, verschärfter Frost herrscht. 3n Karlsruhe war die Minimaltemperatur minus 23 Grad, in Frankfurt a. TR. minus 22 Grad. Am kältesten war es in München mit minus 31 Grad. Aehnliche Temperaturen wurden in ganz Süddeutschland gemessen.
An den beutfdjen vstsee- und Nordsee- k ü sl e n lagen die Temperaturen in Pommern durchschnittlich minus 25 Grad, in Mecklenburg minus 15 Grad und auf den Nordseeinseln zwischen minus 7 und minus 10 Grad. 3n Mitteldeutschland herrschten noch immer 21 bis 25 Grad Kälte, stellenweise, wie z. B. in der Gegend von Weimar, maß man noch erheblich tiefere Temperaturen, bis unter 30 Grad. Allmählich wird auch Frankreich von den kalten Cuffmaff-zn heimgesucht. 3n Paris herrschten 12, in Tours 11 Grad Kalte. Die Bretagne, von der gestern noch milderes Wetter gemeldet wurde, meidet heute Schnee bei 2 bis 3 Grad unter Rull. (Eigenartige Temperaturerscheinungen machet» sich in den nördlich st en Gebieten Europas bemerkbar. Dort maß man anscheinend infolge dec durch Südwind verstärkten Einwirkung des Golfstromes Temperaturen von 2 Grad Wärme. Selbst auf den Bäreninseln nahe bei Spitzbergen wurde noch 1 Grad über Rull gemessen.
Bedrängte Lage der Ostseeschiffahrt.
Hilfsaktion deutscher Kriegsschiffe und Flugzeuge.
Berlin, 12. Febr. (WTB.) Don der westlichen Ostsee kommen beunruhigende Nachrichten. Etwa 30 Dampfer, von denen die Mehrzahl die englische, schwedische, norwegische, estnische und polnische Flagge führen, sind im Eis fe ft geraten und signalisieren um Hilfe. Sile hoben zum Teil keinen Proviant, z. T. haben sie Havarie erlitten und können nicht mehr manövrieren. Die Linienschiffe ^Schlesw i g - Holste! n" imt> „Elsa tz" sind am 12. d. wieder ausgelaufen und setzen ihre Bemühungen, die Schisse aus dem Eis zu befreien und ste in GeleUzügen nach dem nächsten Hasen zu bringen, fort, obwohl die Eis- zersehung ein O3ort>ringen außerordentlich er* schwerst. Nachdem der Verband Deutscher Reeder
- Wann« Tage auf den Läeeninseln. in Hamburg die gefährdeten Schisse mit Flugzeugen zwei Tage lang mit Proviant auf den Beständen Der großen Reedereien versorgt hat, werden nunmehr von der Reichsregierung Flugzeuge der Lufthansa eingesetzt, um die Mannschaften der bedrohten Schiffe mit den notwendigsten Lebensmitteln zu versorgen. Die Hilfsaktion liegt in den Händen der Marinedtenftstelle in Hamburg und des Oberpräsidenten der WasserbaudireUion in Stettin und wird für alle Schiffe ohne Hnterschied der Nationalität durchgeführt.
BerkehrSschwierigleitenimSoden'eegebiel
Konstanz, 12. Febr. (WTB.) Der Verkehr auf dem Unterfeee ist nach dem starken Sinken der Temperatur nunmehr vollkommen eingestellt worden, während die Dampfsch.ffkurse auf dem Obersee mit Ausnahme von Bregenz und Lindau noch zur Durchführung gelangen können. Auch der Heber* linger See ist noch offen, Dagegen ist der Ober- r h e i n zwischen Konstanz und Basel auch infolge des sehr niedrigen Wasserstandes teilweise vollkommen zugefroren, so daß man über das Eis vom bad.schen nach dem schweizeriscken User gehen kann. 5m internationalen Eisenbahn- v e r k e h r hat der nunmehr auch in Oberbaden eingetretene sehr scharfe Frost für die aus Norden kommenden Züge erhebliche Verspätungen verursacht. Der Verkehr auf den Schiffsbrücken zwischen Sa fei und Mannheim ist wegen starken Eisganges des Rheins größtenteils c i n geteilt, der auch für die Brücken selbst eine große Gefahr bedeutet.
Bis 28 6>raö Kälte in her Schweiz.
Bern. 12. Febr. (WB.) AuS der ganzen Schweiz wird ein rapider Rückgang der Temperaturen gcnreldei. So ist in der vergangen eir Nacht in Solothurn die Aare auf eine lange Strecke vollständig zugefcown. 3n fr*n Städten Bern. Schaffhausen und Zürich und in Davos beträgt die Kälte 24 Gvad. AuS Unter- ägen im Kanton Zug meldet man 37 Grad Kälte. Boi Erlen im Kanton Thurgau toaren eS 34 Grad. Der Kanton Basel-Laird meldet Kältegrade von 25 bis 28 Grad. 3n Münster im Kanton Luzern ging das Thermometer auf minus 38 Grad, dagegen sind im Neuenbuvgischen La Drä- vins, daS toegen feiner tiefen Temperaturen bekannt ist. heute 19 Grad Kälte gemessen worden, in Zermatt nur 12 Grad. Sogar Locarno und Lugano hatten 7 und 8 Grad Kälte.
Polarschnee in Berlin.
Berlin, 13. Febr. (Priv.^Tel.) Berlin hätte gestern eine merkwürdige Wettererscheinung. 2n den Abendstunden fing es an zu schneien. SS war ein ganz dünner Schnee. Während dieses Schneefalles waren die Sterne zu sehen, ein Beweis, daß die Niederschläge nicht au« einer Wolkendecke kamen, sondern au« freier, nur etwa« dunstiger Luft. Die Erscheinung war außer in Berlin nur noch in Schlesien wahrzunehmen. Wie die Wetterdienststelle mit teilt handelt eS sich um Polarfchnee, so genannt, weil er für gewöhnlich nur in den Polargegenden vorkommt Er beweist, daß das Wetter in unseren Gegenden in den letzten Tagen einen fast arktischen Charakter angenommen hat.
Die eingefrorene deutsche Wirtschaft
Millionenschäden durch die starke Kälte. - Oie Schwierigkeiten im Warentransport
In Sibirien könnte das hochentwickelte deutsche Wirtschaftsleben auf die Dauer nicht bestehen. Das lehrt die Kältewelle, die nicht nur viele Unalücksfälle verursacht, sondern den komplizierten Mechanismus der Wirtschaft ins Stocken bringt und Schäden hervorruft, die in Monaten nicht wieder gutgemacht werden können. Am stärksten ist die gesamte Transportindustrie durch die Kälte geschädigt roorben; werden doch viele frostempfindliche Waren seit einigen Tagen nid)t mehr zum Versand gebracht. „Seit vielen Sabre» hatten wir keinen solchen Rückgang der Aufträge zu verzeichnen", berichtet der Direktor einer der größten deutschen Transportgesellschaften. „Selbstverständlich bemühen wir uns, einen E l l d i e n st für olche Waren einzurichten, die besonders stark unter der Kälte leiden. Die Abwicklung des Transportes wird durch die augenblickliche Witterung stark verzögert! wenn unsere großen Lastautos längere Zeit halten, friert der Kühler ein, und es dauert eine geraume Weile, bis die Wagen wieder in Gang gebracht werden können. Noch schlimmer geht es den Pferdefuhrwerken, da die Tiere auf den vereisten Straßen leicht zu Fall kommen. Die Leistungen des Personals sind in diesen Tagen stark zuruckacgangen, denn die Kutscher können nicht längere Zeit hintereinander auf offener Straße arbeiten, ohne sich zwischendurch In einem geheizten Raum ein wenig aufzuwärmen. Außer den entgangenen Aufträgen haben wir aber noch manchen anderen großen Schaden durch die Kälte erlitten. Zn ausgedehnten Kellerräumen lagern bei uns große Warenmengen. Durch diese Räume laufen nach polizeilicher Vorschrift Wasserrohre, damit bei Feuersgefahr sofort Wasser zur Hand ist Die Rohre sind nun geplatzt und haben die leicht verderblichen Waren überschwemmt. Wir haben es nie für möglich gehalten, daß die besonders starken Wasserrohre schadhaft werden könnten. Auch die Der- sicherungsgesellschaften dürsten durch den Frost nicht angenehm überrascht fein; nach meiner Meinung wird ein großer Teil der kälteempfindlichen Lebensmittel verderben, die sich augenblicklich auf dem Transport befinden, und da fast alle diese Sendungen versichert sind, werden beträchtliche Summen ausbezahlt werden müssen."
Besonders unangenehm wird sich die Kälte in kurzer Zeil auf dem Lebensrnittel» markt außtoiricn. Die Frühgemüse, die täglich in großen Sendungen aus Holland kamen, sind in den letzten Tagen fast völlig auSgeblie- ben. Die Apfelsinensenoungen und die Caöungen amerikanischer Aepfel, die augenblicklich rollen, werden durch den Frost so angegriffen, daß sie für die menschliche Ernährung kaum noch in Frage kommen Die Versender werden weiter«
Transporte natürlich z u r ü ck h a 11 e n , da die Reichsbahn keine heizbaren GüterwaggonS für den Transport von Lebensmitteln besitzt. Eines der wichtigsten Nahrungsmittel, die Kartoffel, wird selten und teuer werden, denn die Landwirte können bei dem scharfen Frost nicht einmal die Mieten öffnen, in denen der Vorrat an Winterlartoffeln lagert. Hnter diesen Zuständen leidet zunächst der Großhandel, dem die Waren ausgehen. Die Zufuhr stockt, und die Vorräte sind durch die Kälte bereits stark angegriffen oder verdorben. Schlimm ist auch der Kleinhandel daran, dessen Vorräte im Laden erfrieren. Aber nicht nut die frischen Lebensrnittel, auch die Konserven werden von der Kälte sehr angegriffen. Bei starkem Frost zerspringen die Konservenbüchsen, und ihr Anhalt ergießt sich in das Innere des Waggons. Deshalb sind auch diese Transporte eingestellt worden.
Die Freunde eines guten Tropfens werden ebenfalls eine Milderung des Frostes herbei-« sehnen, wenn sie erfahren, daß der Trans- portvon Wein und Sekt völlig ins Stocken geraten ist. Es ist jetzt unmöglich, Weinflaschen — mögen sie noch so gut mit Stroh verpackt sein — heil und wohlbehalten an ihren Bestimmungsort zu bringen. Selbst in Fässern ist der Transport nicht zu bewerkstelligen, denn auch diese halten dec Kälte nicht stand. Auf bayerische- Bier werden wir wahrscheinlich ebenfalls verzichten müssen, da München den Versand eingestellt hat. Nur wer sich Sekt leisten kann, braucht sich feine Sorgei' zu machen, denn «ine große deutsche Leitfirma besitzt eigene heizbare GüterwaggonS, in denen sie ihre Erzeugnisse verschickt. Aehnllch wie bei dem Alkoholversand liegen die Dinge bei der Beförderung von Parfüms. Man kann heute nicht wagen, die teuren Flacons und GlaSflaschen der Eisenbahn anzuvertrauen, denn der kostbare Inhalt der Flaschen würde wohl tato die Güterwagen parfümieren. 2n derselben pem- lichen Lage befinden sich die großen Tinten- fabriken: auch sie stellen den Dersand ein. nachdem in diesen Tagen eine ganze Wag- gonladung geplatzt ist und die Transport- wagen verunreinigt hat.
Unabsehbaren Schaden bat die außergewöhnliche Kälte der Binnenschiffahrt zugefügt. Während im vorigen Winter die Schiffahrt nur wenige Wochen ruhte, ist es in diesem Iahe bei der starken Eisbildung noch gar nicht abzusehen, wann wieder Waren auf dem Wasserweg beförderst werden können. Selbst nach dem Eintritt miider Witterung kann es viele Wochen dauern, biS die Schiffahrtswegr wieder eisfrei find. Biete schwerbeladene Fahrzeuge sind wäh
rend der Fahrt von der Sttoe überrascht worbe» und eingefroren, imb die Waren, die die Schiffe geladen hatten, verderben.
Don allen großen Industriezweigen geht es der Bauindustrie augenblicklich wohl am übelsten. Bei mildem Wetter wurden sonst um dies« Jahreszeit schon Neubauten in Angriff genommen, während jetzt nicht einmal Erde ausgeschachtet werden kann. Hnter dieser Kalamität leiden natürlich auch alle Gewerbe, die vom Dau abhängig sind. Den Firmen, die Ziegel und andere Baumaterialien Herstellen, geht es schlecht, und in schwieriger Lage befindet sich auch dte Möbelindustrie. Wenn aber die Möbelfabriken keinen Absatz haben, leiden die Tischler darunter. Da nicht gebaut wird, befind« sich auch die deutsche Kleineisenindustrie in großen Schwierigkeiten: niemand braucht ihre Türbeschläge und Türschlösser! Besonders trübe sehen die Landwirte in die Zukunft. Ist der Boden doch oft bis zu einer Tiefe von einem Meter gefroren, während der Frost Im letzten Winter nur ungefähr 20 Zentimeter in den Erdboden eingedrungen war. Schon ist die Zeit gekommen, in der die Vorbereitungen für die Düngung der Felder getroffen werden müßten: aber vorläufig ist an diese Arbeit noch gar nicht zu denken. Selbst wenn der Frost bald aufhören sollte, wird eS noch geraume Zeit dauern, bis die notwendigen Arbeiten vorzenommen werden können. Das tief gefrorene Erdreich macht auch den Gas - und Wasserwerken große Sorgen: Rohrbrücke sind an der Tagesownung und verursachen erhebliche Kosten.
Wenn auch einzelnen Industriezweigen die kalte Witterung zu einem kurzen Aiftschwung verhilft, darf man doch nicht vergessen, daß der starke Frost dem deutschen Wirtschaftsleben im ganzen sckwere Schäden zufügt. Die Kohlern Händler, die augenblicklich einen Rekordabsah zu verzeichnen haben, würden wahrscheinlich gegen eine Fortdauer des Frostes nicht- einzuwenden haben. Auch die Kaufleute sind mit der herrschenden Witterung zufrieden, die ein größeres Lager warmer Hnterwäsche besitzen Ausgesprochen gut geht es den Gesellschaften, die elektrische Oefen und Heizsonnen Herstellen, demt ihnen wird die Ware fast aus den Hard gerissen. Selbstverständlich erhöht sich bei tret eisige.i W t.erung auch der Alkohollvnsum, so daß die Likörfabviken ihre Läger räumen können. Allerdings stehen die Transportschwierigkeiten einer ausgesprochenen Konjunktur im Wege. Weniger zufrieden, als man annehmen könnte, ist die Pelz- tnbuftrte, da nur wenige sich den Luxus eine# schönen Pelzmantels leisten können. Den wenigen Industriezweigen aber, denen es augenblicklich besser geht, steht die Mehrzahl der Bevölkerung gegenüber, die unter der außergewöhnlichen Kälte auch wirtschaftlich leidet. Eine längere Dauer der starcken Frostes würde für die deutsche Wirtschaft und damit für jeden einzelnen sehr peinliche Folgen haben.
Drei Todesopfer einer Korbidexplofion.
3n Barmen ereignete sich in der Horather- Llraße. bei der auf der nördlichen Anhöhe gelegenen fteffelfabrlf und Eisenkonstrukttonswerke ber Firma Siner & Damart eine folgenschwere Explosion in der Acetylenanlage. Kilometer weil wurde eine heftige Bodenerschüllerunq wahr genommen, die einem leichten Erdbeben glich. Vie Acetylenanlage wurde völlig zerstört. Die lüden Mauern des Gebäudes sind in einer Breite von zehn Meter eingestürzl. Aus den Trümmern wurden drei Tote und fünf zum Teil schwer- verletz le Arbeiter geborgen. Weitere verunglückte sind nicht zu beOagen. lieber die Ursache be* Unglücks ist noch nichts Genaues festznstellen, da die drei Arbeiter, die darüber hätten Ausschluß geben können, (ot sind. Man nimmt an, daß das Karbid gefroren war und daß bei dem versuch, ev anszutauen, die Explosion erfolgt ist.
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Wettervoraussage.
Wettervoraussage für Donnerstag' Weitere leichte Abschwächung des Frostes, teil* nebelig-wolkig, teils aufheiternd: Neigung zu siel' kenweifen Schneefällen.
Witterungsaussichten für Freitag Weiterer Rückgang des Frostes, sonst wenig Aenoe- rung der Wetterlage.
Lufttemperaturen: am 12.Februar: mittags —14,1 Grad Celsius, abends — 17L Grad Celsius: am 13.Februar: morgens —-Ist7 Grm> Celsius. Marimum —14,1 Grad Celsius, Minimum — 20,8 Grad Celsius. — Erdtemper atu r^n. am 12. Februar: abends 5,8 Grad Celsius. — 13. Februar: morgens —6,8 Grad Celsius. — «on* nenscheindauer 7.45 Stunden.
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