Ausgabe 
12.11.1929
 
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Dienstag, 12. November 1920

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Nr. 266 Zweites Blatt

Wohltat Plage

Patent wird tinfinn

Geheimrat

Zuerst ist eine sestgesormte Ton»

anfaßt.

durch

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greift zuerst etwa einem

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Nachdenken anregendes Beispiel für die moderne Entwicklung der führenden Produktion: er ist, außerdem, recht geeignet, den Beschauer auch wieder auf das Buch Hinweisen, und es kommt wenig dar­auf an, ob er das Buch zum Vergleich oder zum reinen Genuß der Lektüre allein in die chand nimmt. r

yian'üutia.'ÜLübet .DwAbiatznnanrie' runa im iSiiuel- handel" wozu wir uniere Milglieder nebit Angehörigen nochmals einlaoen. E Ter «Vorstand.

Rodin modelliert G. B. Shaw

2m Frühjahr 1906 war Rainer Maria Rilke als Sekretär und Freund des Hauses bei dem französischen Bildhauer Auguste Rodin in Pa­ris, zu der Zeit, als dieser gerade den damals noch nicht sehr berühmten Dernard Shaw mo­dellierte. 2n dem Band der Briefe aus den Jahren 1 902 bis 1906, die der 2nsel°BerIag soeben herausgebracht hat*, be­schreibt nun Rilke, wie diese Porträtbüste ent­standen ist, und wie sich die beteiligten Personen dabei benommen haben. Rilke schildert diese künstlerisch und menschlich fesselnden Vorgänge also:

Tweeds sind hier für zwei Tage und wohnen in Fernands Zimmer an ihrem alten Platze. Ro­din vermeidet es möglichst, nach Paris zu gehen, und hat hier braufym im großen Atelier im Hause ein sehr schönes Porträt von Bernard Shaw begonnen. Bernard Shaw kommt täglich mit seiner Frau heraus, wir sehen uns öfter, und ich wohnte den ersten Seancen bei, und sah zum ersten Male, wie Rodin so eine Arbeit

Rainer Maria Rilke: Briefe aus den Jahren 1902 bis 1906. Herausgegeben von Ruth Eieber-Rilke und Carl Sieber. 322 Seiten 8°. 2m 2nsel-Derlag zu Leipzig, 1929. (491J

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puppe da, die aus nichts als aus einer Kugel, auf e twas schulterähnlich Tragendes ausgesetzt,

rutschen, vielerlei Arten von Kragen- und Man» schettencrsah, und natürlich auch v e r st e l l b a r e Stehumlegekragen, die für alle Hals­weiten passen. Ein Kölner ließ sich, vielleicht für den Karneval, ein Damen st rumpfband mit Glühbirne patentieren, das er Wohl für besonders reizvoll hielt: die Birne kann sowohl durch die Gehbcwegung als auch durch einen Druck auf eine Feder zum Leuchten gebracht werden. Man hat auch Strümpfe erfunden, durch die O- und X°Bcinc verdeckt werden sollen: sie sind mit Längsstreisen und anderen Mustern versehen und haben eine Mittelnaht, die die Linie des normalen Beines vortäuschen soll: für den 2uristcn ergibt sich dabei das eigenartige Problem, ob der auf diese Weise hereingelegte Ehemann vielleicht die Ehe wegen Täuschung anfechten könnte. Schutzvorrichtungen, meist aus Gummi, sollen das Zerreißen der Strümpfe hin­dern: zwei Bände des Patentamtes sind mit Patenten von Strumpfhaltern angesü.lt, und es gibt sogar ein System, den Strumpf durch am Schuh angebrachte, ausrechte Stäbchen gerade zu erhalten. Bor vierzig 2ahren patentierte man noch Krinolinen, 1912 einen Reifrock, 1927 ein Krinolinengestcll für historische Kostüme. Die vielen Zeichnungen, in denen patentierte Schnür­leiber dargestellt werden, zeigen komplizierte Maschinerien zur Bändigung der Fülle: trotz der Wandlung der Mode wurden in den letzten Zäh­ren durchschnittlich noch immer je fünf Patente auf solche Zwangsvorrichtungen erteilt. Büsten­halter erfand man schon im vorigen 2ahrhundert, patentierte aber noch in diesem 2ahr neun neue Formen: noch im 2uni 1926 glaubte ein Erfinder, sein Glück mit der Herstellung bestimmter Ber- steisungsstäbe für Korsetts zu machen. Sehr prak­tisch sind wahrscheinlich elektrisch g eheizte Kleidungsstücke, die besonders Luftfahrern, aber auch Autoführern empfohlen werden.

Die Bekleidung der Füße scheint dem Laien schon längst sinnvoll gelöst zu sein. Aber er irrt sich, denn die Erfinder belehren ihn, daß man Schuhe aus Holz, Blech, Aluminium, aus anderen Metallen, aus Papier oder aus alten Gummi­reifen weit besser Herstellen würde. Es gibt Gummischuhe zum Anschrauben, Stie­fel, die elektrisch oder durch glühende Kohlen geheizt werden, ja, sogar Schuhzeug, das durch Druckwärme der Luft die Füße vor Erkältung schützt, indem die Luft beim Gehen durch einen zusammenpretzbaren Absatz verdichtet wird: wer sich so kleidet, geht angenehm wie auf einem Blasebalg. Absätze kann man übrigens auch mit Spiralfedern versehen, und sehr nützlich ist es, sie drehbar zu gestalten, da sie dann nicht mehr wie bisher nur auf einer Seite schief getreten werden. Die Vorläufer der modernen, in einer Handtasche unterzubringende Regenschirme findet man schon lange in zahlreichen Patenten: die Regenschirme lassen sich auch automatisch aufspannen oder einknicken, und man hat sogar einen Schirm konstruiert, der als Tisch zu benutzen ist. Schließlich gibt es Schirme mit zusammenlegbaren Gefäßen, Trinkbechern zu vergleichen, die dazu dienen, das von den Schirmen abfließende Wasser auf* zusangen, das ja wegen seiner Weichheit be­sonders gut zum Waschen zu verwenden ist.

Man hat auch viel darüber nachgedacht, wie den Haarkünstlern ihre schwere Arbeit erleichtert werden kann. Ein Patent beschreibt einen Atem- a Men ter für Barbiere, um die Kunden vor Be­lästigung zu schützen: zum Scheitelziehen kann man eine bestimmte Schiene benutzen, an manchen Kämmen sind Behälter für Haarwasser ange*

Narkose" ein $itm.

Brief einer Unbekannte n", die stärkste Novelle in dem BandeAmok" von Stefan Zweig, bot die Grundlage für den FilmNar - k o s e", welchen Alfred Abel nach dem Manuskript von Böla B a l a f z inszeniert hat. Dieser Film ist sehr kennzeichnend für die durchaus problematische Lage der gegenwärtigen großen Produktion: er steht nämlich gewissermaßen in der Mitte zwischen dem alten traditionellen Stil und dem neuen, der sich, vorerst noch sehr vereinzelt, durchzusetzen beginnt, und dem, wie wir glauben, abseits von den Be­strebungen des Tonfilms, die Zukunft gehören wird. Alt (und ein Mangel zugleich) ist die Anteil)« bei der Literatur, hinter der der Film fast stets zurück­bleibt, wenn sie wertvoll ist wie hier. Die größte, die aussichtsvollste und, offenbar, die schwerste Auf­gabe des neuen Films: sich freizumachen von der Literatur und aus eigenstem Geist und eigensten Ge­setzen schöpferisch zu sein. Das geschieht hier nur be­dingt, nur zum Teil, gewissermaßen aus zweiter Hand. Denn das Manuskript klebt an der litera­rischen Vorlage. Wo es abweicht, wirkt es nicht glücklich: ja, di« einzige angreifbare Stelle in der Erzählung daß nämlich der Empfänger des Briefes die Geliebte mehrfach nicht wiedererkennt wird in der bildhaften Fassung noch frag­würdiger. (Auch andere Einzelheiten, vor allem der Schluß, sind wenig vorteilhaft umgebogen.) Hin­gegen kündigt sich in einer einzigen Umwandlung, die mit sehr feinem und sicheren Griff geschah, der neue Stil an, öffnet sich der Weg zu den selbst- schöpferischen Möglichkeiten der Kamera. Die Brief­einkleidung der Novelle wird nämlich in ein opti­sches und also filmisch überaus dankbares Motiv verwandelt: wie eine Patientin im Aetherrausch vor der Operation Teile ihres früheren Daseins wiedererlebt. Hier gelangt der Film über die epi­schen Grenzen des Buches hinaus, hier schafft die Regie mit ausgezeichnetem Können und den reichen Mitteln einer hochentwickelten Technik Bilder von prachtvoller Eindringlichkeit. Hier liegen die positi­ven Werte eines an sich noch nicht ausbalancierten Werkes. In der großen Rolls der Unbekannten lernt man eine neue Schauspielerin kennen: Ren6e Häribel: sehr sympathisch und von starker Aus­druckskraft. Jack Trevor, der Gegenspieler, ist gut, obwohl er vielleicht nicht ganz dem Bilde ent­spricht, das einem nach der Erzählung vorschwebt. Abel selbst, der Regisseur, erscheint angenehm dis­kret in der Charge des Dieners. Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus; man sollte ihn I sich ansehen, denn er ist ein interessantes und zum

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Zuviel Erfindungen. Oanienstrumpfband mit (S ühbirne. Heizbare Anzüge und Schuhe. Ohrenschüher beim Haarschneiden.

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Vereinigung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie in Hessen.

Die diesjährige Hauptversammlung der Vereinigung tagte am Samstag im großen Hör­saal unserer Tlniversität unter zahlreicher Be­teiligung ihrer Mitglieder und auch nichthessi­scher Gäste, fast ausschließlich 2uristen und be­amteten Acrzien. Den Vorsitz sührte Geheimrat Professor Dr. Sommer (Gießen), der nach Begrüßung der Erschienenen alsbald dem Geh. Rat Professor Dr. Hoche von Freiburg i. Br. das Wort zum Thema des Tages:Die Re­form des2rrenrechts' er .eilte. 2n wohl- durchdachien Ausführungen besprach der Referent die derzeitige Rechtslage. Zwischen dem Recht des 2ndividuums und den 2nteressen der Oes- fentlichkeit bestehen sich belämpfende Gegensätze. Richt immer wird notwendiges ärztliches Handeln von den Bestimmungen des Rechts gedeckt. Ter Arzt hat eine moralische Rei.ep, licht (z.B. bei ansteckender Krancheit eines Verlobten) und ist zu scheinbarer Freiheitsberaubung ge­nötigt (z.B. bei Einweisung eines Kranken in eine 2rrenanstalt), bei der das ärztliche Gewissen entscheidet. Törichter Weise er­blicken viele Familien noch in einer geistigen Erkrankung einen Makel, den sie z.B. bei Ehe­schließungen, sogar verheimlichen. Tie Folge davon ist die Richtigkeitserklärung vieler Ehen. 2n den Anstalten gibt es heute feinen Zwang. Eine Irrenanstalt ist, von einzelnen besonderen Einrichtungen abgesehen, eine Klinik wie jede andere, dienend der Behandlung eines beson­deren Abschnittes der Erkrankungen des Rerven- systems. Bei Ausnahme und Entlassung von Kranken ist der Arzt an besondere Bestimmungen gebunden.2m 2rrenwesen hat jeder Sachver-

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Mittwoch, d. 13.91oo. adendS 8 Uhr Im GewerlschaflSdans

Telegramnwerkehr einer schwimmenden Stadt.

Wie sehr Berkehrsgesegen^eit Verkehr schafft, lieht man am Beispiel des LloyddarnyfersBre­men". Früher konnte man von Schiffen keine Rachricht geben und auch während der Tleber- sah-rt keine empfangen, und man hielt «3 für gut so. Als der jetzige R ichsrundfunkkommissar Bre­dow als junger 2ngenieur den Reeder Karl Woermann von der Rotwendigkeit überzeugen wollte, seine Schiffe mit Funkent: cgraphie aus­zurüsten, erhielt er die Antwort:Eine solche Einrichtung würde für meine Flo t> jährlich vielleicht 50 000 Mark kcstn. Glaube:' Sie, ich hätte soviel G-ld dafür übrig, daß sich meine Kapitäne auf SeeGuten Morgen" sagen kön­nen?"Tas ist freilich nicht der Zweck der C'.n- richtung", erwiderte Bredow,sie soll vielmehr die Sicherheit auf dem Meere erhöhen und den Reeder in die Lage sehen, mit feinen Schiffen während der älcberfahrt ständig Rachrichtcn aus­tauschen zu können". Das war Karl Wörmann aber zu viel, und ärgerlich rief er:Ach was, ich bin froh, wenn ich von meinen Schiffen nichts mehr höre, wenn sie den Hafen verlassen haben."

Run, Karl Woermann hat nicht recht be­halten. DieBremen" hat z. B. auf ihrer letzten Reise nach Amerika 50 000 Worte gfunlt, davon allein 270 Telegramme während der letzten fünf Stunden ihrer Fahrt. Allein 1725 Handelet le- gramme wurden gegeben. 1200 Worte empfing das Schiff täglich im Rachrichtendienst von Berlin und ebensovicle aus Reuhork.

Die Funkanlage an Bord derBremen" hat nicht weniger als fünf Sender und neun Emp­fänger. Sämtliche Sender können mit Hilfe eines Maschinengebers im Schnellbetrieb bis zu 150 Worten in der Minute senden, hauptsächlich zum Verkehr mit Rorddeich in Deutschland und Cha­tham in Amerika. Während des Sendens kann auch empfangen werden. Daß diese Möglichkeiten ausgenuht worden sind, zeigen die angeführten Derlehrszahlen.

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des Strafvol z igsbeamten.

2n seinem Schlußwort besprach Sommer, Gießen, die historische Entwicklung der Psychiatrie, ihren Aufstieg zu Zeiten Phi­lipps des Großmütigen und ihren Wiederabstieg im 17. 2ahrhundert, ferner die Frage der Cc- meingesährlichkeit und das wünschenswer c Für- sorgegefeh, das den Kranken rafchestens der ge­eigneten Behandlung zuführen müsse.

Am Rachmittage felgte ei e geschlossene Sitzung im Schwurgerichtssaale. Die nächste Dersamm-

Dieser Tage fand in Berlin die 2nter- I nationale Pa tentanwalts-Tagung statt, deren Ziel es ist, den Erfindern die Er­teilung von Patenten in den verschiedenen Ländern zu erleichtern.

Das Schlagwort vomLeidensweg der Erfin­der" ist nur zum Teil berechtigt. Es ist wahr, daß viele Erfinder um den Lohn ihrer jahre­langen Bemühungen gebracht worden sind, und es trifft auch zu, daß die Erteilung eines Pa­tentes und dessen wirtschastliche Ausnutzung zu­weilen allzu groß« Schwierigkeiten bereiten. 2m 2ahre 1928 wurden in Deutschland rund 71 000 neue Ers indungen beim Reichs­patentamt angemeldet: aber schon beim ersten Schritt zur Verwirklichung wurden die Hoffnun­gen vieler taufend Menschen vernichtet, da nur ungefähr 15 600 Patente erteilt worden find. Run darf man nicht glauben, daß die patentierten Erfindungen auch nur in ihrer Mehrzahl wirk­lich ausgenüht werden; die meisten gelangen niemals zur praktischen Ausführung, sei es, daß der Erfinder kein Kapital auf treiben kann, sei es, daß fick) sein Geisteswerk später als praktisch undurchführbar oder als zu teuer oder als wirt­schaftlich unbrauchbar herausstellt. Don der hal­ben Million Patente, die es in Deutschland gibt, ist der größte Teil äußeren Hindernissen zum Opser gefallen, oder die biederen Erfinder sind mit Recht ausgelacht worden, als sie ihre Erzeugnisse an den Mann bringen wollten. Wenn nun jetzt die Patentanwälte aller Länder auf ihrer internationalen Tagung in Berlin fich bemühen, durch überstaatliche Ver­einbarungen den Erfindern ihre Ausgabe noch zu erleichtern, dann ist eine neue Hochflut verfehlter 2 deen zu befürchten, an denen es auch bisher nicht gemangelt hat, wie die Archive der Patentämter enthüllen. Unausrott­bar ist auch heute noch der Ersinderglaube an das Perpetuum mobile, das als technisch unmöglich erkannt worden ist, aber immer wie­der in verschiedenen Formen zum Patent an­gemeldet wird. Dor einigen 2ahren konstruierte hier ein Franzose einen solchen Apparat, der unter der BezeichnungExp.ofionsmotor" segelte. Ter junge Gehil e eines Berliner Patentanwaltes berechnete, daß die Maschine nicht gehen könne, doch bedeutete ihm sein Chef, er solle als Anfänger nicht allzu vorwitzig sein. Rachdem der Erfinder und eine bedeutende Maschinen­fabrik 20 000 Mark für Versuche geopfert hat­ten, erkannten sie, daß der junge Mann und das Patentamt mit ihren Ablehnungen im Recht waren.

Auf technischem und chemischem Gebiet sind für alle Erfindungen doch so große Vorkenntnisse nötig, daß nicht barer Unsinn zum Patent an­gemeldet wird. Anders steht es mit den Ver­besserungen, die tüchtige Leute an allen täglichen Gebrauchsgegenständen anzubringen bemüht sind, dem Grundsatz folgend, daß man auch d i e ein­fachsten Dinge um stündlich g e ft alten kann. Die Möglichkeiten, die sich für solche Ver­besserungen bieten, scheinen leider noch immer nicht erschöpft zu sein, denn cs laufen täglich neue entsprechende Erfindungen ein. Man ver­sucht dabei, die widersprechendsten Zwecke in einem Gegenstand zu vereinen, also etwa Feder­halter, Zahnstocher und Zahnbürste zu kombinie­ren. Kein Gebiet des menschlichen Lebens ist vor solchen Erfindungen sicher. Es gibt besonders kon­struierte Rachtkleider, Oberhemden, Samenunter- wäfche, Windeln und Bettunterlagen, Vorhemden und Einrichtungen, solche großväterlichen Dinge zu befestigen, damit sie nicht am Hals empor-

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Pünktlicher Einzug von Monats, und Äerteiiabrsbeiirük. M vertrauens­würdigen Herrn Holen. i Sicherheit vorhanden.»

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ständige den Richter, den er verdient",der physikalische Satz der Addition gilt nicht für Gehirne." Der Laie bringt aber dem 2rrenarzt grundsätzlich Mißtrauen entgegen.Auch das Wort .Krisis d e r 2 u ft i ist ein Schlagwort, an dem sich ein gebildeter Mensch n i ch t be­teiligen sollte." Bei gelegentlichen Differenzen zwischen ärztlichen Gutachten handelt es sich um Grenzsälle. Die Einschließung Gesurcher in Staaisirrenanstalten ist ausgesch os en. Ge­meingefährlichkeit verlangt die 2ntcmicrung. Zu spät 2nternierte richten größtes cklnheil an. Wie­der gesund Gewordene erkennen gerne das geübte Verfahren an. Rotwendiger Gesichtspunkt ist die Heilungsfrage. Ein 2rrengesch muß die Richtverzögerung der Aufnahme m den Vorder­grund stellen. Alle polizeilichen Belästigungen müssen Wegfällen. Ter Beschwerdeweg ist zu regeln im 2nteresse der Allgemeinheit. Das badische 2rrengesetz. das sich seit zwanzig 2ahren bewährt habe, wird vom Redner eingehend be­sprochen. Es gibt 5 bis 7 v. H. freiwillige Eintritte. Das im 2ahre 1923 geplante Reichs­irren ge seh sei ein Tolument der Westfremdheit gewesen. 2n den Maßnahmen der Länder ruhe die Hoffnung gegen ein schlechtes Reichsirren­gesetz.

Professor Dr. Dannernann, Heppenheim a. d.B., schilderte die Vorzüge des alten hes­sische n Regulativs von 1 865 un er Her­vorhebung der Verdienste Ludwigs bei seinem Zustandekommen, sodann die des jetzt gelten- denRegulattvsvom 9. Dezember 1911, das die Zweckbestimmungen der Anstalt, die Staas Aufsicht, die Aufnahme in die Anstalten, die Verpflegung und Beschädigung usw. regelt, und verlangt lediglich die Beseitigung kleiner Schönheitsfehler.

2n der eingehenden Diskussion besprachen Di ek- tor Oßwald, Gießen, die Einrichtung des sog. FestenHauseS in Gießen und Privatd zmt von Heutig das Erfordernis einer gesetzlosen Rege­lung des2rrenrech'.s aus: Prof. Raecke, Frank­furt a. M., sprach sich für die beschleunig'e Rettung Kranker aus. Geh. Rat Dr. B a l s e r, Darmstadt, besprach die Frage der Verwahrlosunggei­st ig Erkrankter. Von b'sondecem 2n eresse waren zum Schlüsse die Ausführungen von Pros. Dr. G m e I i n, Gießen, über die Frage der for­malen Behandlung des 2rcenwesens. AlsS'.aats- rechtlec vevneint er die Gültigkeit aller irrenrecht­lichen Bestimmungen, die sich nicht auf ein Ge - s e h gründen, da eine Einwirkung auf die gesetz­lich gewährleistete Freiheit einer Person nur im Wege der Gesetzgebung geregelt werden könne, durch den freiwilligen oder erzwungenen Eintritt in eine Anstalt stets aber ein Gewaltverhältnis begründet werde. ge meister Dr. Aull. Of e bad) a. M., Verne in'e den Wert des ärzili ,en Zeugnis es s g.Kass nlöwen" für Li2 ® n_ ei . ng in eine Anstalt auf Grund seiner praktischen Erfahrung, fordert amtsärztliche Atteste, sowie entsprechend der neugei lid;en 2dee des Rechts­staates eine Beschwer^einstanz, die in die Hand des unabhängigen Richters der Freiwilligen Ge- richtsbarleit z i legen ist. der Erkundungen anzu­stellen und den Psychiater 31 hören hat. Direktor Stumpf, Butzbach, sprach vom Standpunkt

bracht, der Seifenschaum wird besser mit der Maschine als mit der Hand geschlagen, Rasier­pinseln kann die Seife von innen durch den Griff zugeführt werden: beim Selbstrasieren emp­fiehlt sich ein Apparat aus zwei federnden Backen, die die Gefichtshaut spannen: wer beim Haar­schneiden für seine Ohren fürchtet, kann sie in Zukunft durch einen patentierten Apparat schüt­zen, und ein Gummischwamm, um die Stirn ge­legt, fängt das Wasser beim Kopfwäschen auf. Pudern und Schminken besorgt ein Apparat mit Uhrwerk. Cs gibt Rageipoliermaschinen, ein in der Tasche zu tragendes Reinigungsgerät mit Bimsstein und Wasser, das den Waschtisch er­spart, ein Wasserglas mit Hohlräumen für 2HuntPflegegeräte und einen Behälter zur Auf­bewahrung künstlicher Gebisse, die beim Oeff- nen des Deckels griffbereit aus dem Wasser ge­hoben werden.

Die seltsamsten Blüten treibt der Erfindergeist auf dem Gebiet der Körperreinigung. Wer auf der Höhe der Zeit steht, wäscht sich auf Reisen die Hände in einem flaschenartigen Gummi­beutel. Ein Spanier hat eine Sitzgelegenheit konstruiert, die nebenbei als Waschtisch sowie als Kinder-, Brause- und Sitzbad dient. Schwer erreidjbare Körperteile sagen wir: den Rücken reinigt man durch Walzenbürsten mit Kurbel- und Hebelübertragungen; das ist übrigens die harmloseste Art, die die Ersinder zur Reinigung der verschiedensten Körperteile erdacht haben. Es gibt einen Schuhring, der das Waschwasser hindert, am Arm hinunterzurinnen. Beim Baden seht man komplizierte Vorrichtungen in ge­wöhnliche Wannen, um Wellen zu erzeugen. Rach dem Bad sindet man vorgewärmte Wäsche in einem Schrank, der dadurch geheizt wird, daß man ungelöschten Kalk mit Wasser begießt. Ob es viele Käufer für Nachtgeschirre gibt, die mit Leuchtfarbe bestrichen sind? Zehn Bände des Patentamtes befassen sich mit der Verbesse­rung der unvollkommenen, auf diesem Gebiet bisher bestehenden Vorrichtungen ein schönes Zeichen menschlichen Erfindergeistes, der auch gern die kleinen cklnannehmlichkeiten des Lebens erleichtern Willi

verschiedene Zeichnungen an der Tonkugel senk­recht auseinander anbräch'.e, fügte dann zwi­schen diese Konturen Zwischenprosile ein u w. Gestern, in der dritten Seance, setzte er Shaw (was alles diesem 2roniker und übrigens nicht unsympathischen Spötter ein ausgesuchtes Ver­gnügen bereitet) in einen niedlichen Kindersessel und schnitt der Büste mit einem Draht den Kopf ab (Shaw, dem die Büste schon , ganz merkwürdig, gleichsam überlegen ähnlich sah, er­lebte diese Enthauptung mit unbeschreiblicher Freude) und arbeitete am liegenden, von zwei Keilen etwas unterstützten Kops, ihn von oben sehend, etwa in derselben Ansicht, wie das einen Schritt entfernt tief sitzende Modell. Dann ward der Kopf wieder aufgesetzt, und die Ar­beit geht nun in derselben Weise weiter. Am Anfang stand Shaw oft ganz neben dem seile, so daß er etwas höher war aL die Büste. Run sitzt er unmittelbar daneben, genau so hoch wie die Arbeit, parallel mit ihr. 2n einiger Entfernung ist eine dunkle Decke aufgehängt, so daß die Profile sich immer klar abzeichnen. Der Meister arbeitet rasch, Stunden, wie mir scheint, in Minuten zusammenpresfend, Griff um Griff ausführend in ganz kurzen Pausen, in denen er unbeschreiblich ausnimmt, sich ansüllt mit Form. Man fühlt gleichsam, wie sein rascher, raubvogelartiger Griff immer nur eines t 0 . den Ce ich.cn aus ü^rt die in i^n e n römen, und man begreift seine Arbeiten aus Erinne­rung nach Ablauf der Seance...

Rodin genießt das alles mit der Hingabe eines Menschen, der weiß, was daZ alles zu bedeuten hat: meistens aber ist er jetzt ganz in seiner Arbeit versunken, die an Aus­druck und Gelingen seine so vollendeten Bild­nisse noch zu übertreffen scheint. Shaw ist ein unbeschreibliches Modell, der an das Modell- fein eine Energie wendet und die Fähigkeit hat, in seine Büste, die doch den ganzen Shaw sozusagen wird darzustellen haben, sein gan'.es 2d), gewissermaßen seine Deine, und alles übrige mit einzubeziehen, so daß Rodin etwas ganz ungewöhnlich Konzentriertes vor sich findet und (Sie können sich denken, mit welchem Eifer) in sich und fein Ding übernimmt.

Dieser ersten Sammlung von Rilkes Briefen liegen über 500 an Clara Westhoff, die Gattin des Dichters, Auguste Rodin, Paula Becker- Modersohn, Ellen Key, Arthur Höllischer, Lou Andreas-Salomß. Karl und Elisabeth von der Heydt gerichtete Briefe zugrunde. Rodins Ge­stalt ist ihr unsichtbarer Mittelpunkt:

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besteht. Diese Tonpuppe ist für ihn vorbereitet und enthält gar keine Armatur; nur " festes Kneten hält sie zusammen. - Er seine Arbeit an, indem er das Modell in ganz geringer Entfernung aufstellt, einen halben Schritt vom seile. Mit großen Cisenzirkel nahm er das Maß vom Scheitel zur Bartspitze und stellte dieses Der« hältnis an der Tonpuppe durch Anfügen von Ton sofort her. Dann nahm er im Verlaufe der Arbeit nt>d> zweimal Maß: Rase bis Hinterkopf und Ohr bis Ohr von hinten. Rachdem er noch die Augenbogen ganz schnell ausgeschnit­ten halte, so daß etwas wie eine Rase sich formte, und die Stelle des Mundes durch einen Einschnitt, wie Kinder an einem Schneemann tun, festgelegt hatte, begann er, bei ganz nahem, stehendem Modell, erst' vier Profile zu formen, dann acht, bann sechzehn, das Modell immer nach etwa drei Minuten wieder drehen lassend. Er fing bei Dordcr- und Rückansicht und den beiden vollen Seitenprosilen an, als ob er Pier

lung wird in Darmstadt stattfinden.____________

Sprechstunden der NedaMon.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen

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