Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde.
Die Gesellschaft für Erd - und Völker- künde eröffnete ihr reichhaltiges Winterprogramm mit einem Vortrag des aus Bremen gebürtigen Forschungsreisenden D r. Eanil Trink le r, der in den Jahren 1927/28 eine der wenigen rein deutschen großen Forschungsexpeditionen der Nachkriegszeit unternahm. Er durchreiste in Begleitung von Dr. De Terra (München) und Dr. Boßhardt (Zürich) Chinesisch-Türkistan, das von mächtigen Hochgebirgen auf drei Seiten eingerahmte Herz Asiens, das Hochland von Nord- w e st - T i b e t, das selbst in seinen Talungen nur selten unter 5000 Meter herunterreicht. Die anschaulichen und höchst fesselnden Schilderungen Dr. Trink- lers waren von prächtigen Lichtbildern begleitet. Die eigentliche Expedition begann in Srinagar, der Hauptstadt von Kaschmir, und führte zunächst auf einem verhältnismäßig häufig begangenen Karawanenweg über die Hauptwasserscheide des Himalaya und durch das schon buddhistische obere Jndus- tal nach Leh. Der Vortragende schilderte die Tschor- ten, die buddhistischen Grabmäler, in denen die Gebeine der Verstorbenen zu Staub zermahlen und mit Ton verknetet beigesetzt sind, die buddhistischen Klöster, die hoch über dem Jndustal thronen, mit ihren Götterbildern vor denen Butterlampen brennen, und die meist nicht Gautama Buddha, den Stifter dieser Weltreligion, sondern Tschampa, den zukünftigen Buddha, darstellen, die auf Muschelhörnern zum Frühgebet blasenden buddhistischen Priester, die im Winde flatternden Gebetswimpel und Gebetsfahnen. In Tankse hinter Leh wurde die für die Durchquerung Nordwest-Tibets bestimmte Karawane zusammengestellt, die aus einer Anzahl Kulis, 8 Pferden, einigen 30 Jaks und 70 Packschafen bestand. Die letzteren sollten die Rettung der Karawane bedeuten, denn die Jaks starben großenteils an einer Magenseuche, und die Pferde entliefen, so daß Dr. Trinkler sich dazu entschließen mußte, einen großen Teil seines Gepäcks auf der Aksai-tschin-Hochfläche zurückzulossen. Dasselbe wurde nach dem Eintreffen der Expedition in Chinesisch- Türkistan noch im gleichen Sommer von einer Hilfskarawane nachgeholt. 62 Tage lang durchzog die Expedition die oft völlig vegetationslosen, aber im Spätsommer meist schneefreien Hochflächen Nordwest-Tibets, ohne menschliche Ansiedlungen zu treffen. Dr. Trinkler fand die Spuren einer intensiven diluvialen Vereisung. Die zahlreichen abflußlosen Seen zeigen durch übereinander angeordnete Tonterrassen den Prozeß der ruckweisen Einschrumpfung; sie sind die durch diese Einschrumpfung salzig gewordenen Reste großer postglazialer Süßwasserseen.
Von Kaschgar, der Hauptstadt Chinesisch-Türkistans, aus begann Dr. Trinkler den zweiten Teil seiner Expedition, der dem Südwesten der die Mitte des Landes einnehmenden Wüste Takla- makan galt. Er widmete sich hier archäologischen Forschungen und dem eng damit zusammenhängenden Problem der Austrocknung in historischer Zeit. Er traf am Südwestrand der Takla-makan abgestorbene, sandüberwehte Pappelwälder und schätzt das Gesamtareal dieser toten Pappelwälder auf 4500 Quadratkilometer. Bis weit in die Wüste hinein findet man zwischen den Dünensanden Seetonschichten mit Sllßwasserschneckenschalen. Solche Seetonschichten überlagern sogar noch die von Kulturdokumenten des 4. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. erfüllten Schichten. Die weit in die heutige Wüste hineinrcichenden Spuren alter Stätten der hohen grökobuddhistischen Kultur, von denen Dr. Trinkler reiche Funde ausgrub, scheinen sie danach, in Ueber- 'cinstimmung mit der Auffassung von Marc Aurel Stein und Huntington, durch den Nachweis einer bis vor 1000 Jahren bestehenden, wasserreicheren Zeit zu erklären, zu der das Bereich der Wüste wesentlich kleiner war als heute.
Liebe in Keiien.
Vornan von Hans Mitteweider.
Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale).
(Schluß.)
„Schurke!" schrie er diesem entgegen. „Elender Schurke!"
„Herr von Turnau!"
Da aber hob dieser den rechten 2lrm. um Klausen niederzuschlagen. Er konnte den Schlag nicht füHren, denn eine Hand umklammerte seinen Arm.
„Turnau!" mahnte eine bekannte Stimme.
. Als er sich umschaute, sah er neben sich Herrn von Bodenstein, hörte hinter sich eine andere Stimme und sah, wie Berty Altberg sich über Käthe beugte. Da wäre er beinahe zufamrnen- geb rochen.
„Dodenstein, e? war fürchterlich!" murmelte er.
Dieser lächelte ihm zu.
„Wir hätten uns nicht trennen sollen, Turnau," sagte er leise.
„Wie meinen Sie das?"
„Ich wollte verhüten, was nun doch geschehen ist."
„Sie wußten ...?"
„Lassen wir das jetzt, Turnau! 3d) will nur einige Worte zu diesem da sprechen!"
Er umklammerte mit festem Griff das rechte Handgelenk des Freundes. Dann wandte er sich Berndt Klausen zu, der in höchster Derwirtung dastand, auf dessen Gesicht sich Wut und Bestürzung zugleich malten.
„Herr Klausen," sagte Bodenstein nur halblaut, aber in schärfster Drohung, „Sie werden sofort dieses Haus verlassen und niemals wieder wagen, sich Herrn von Turnau oder dessen Gattin zu nahen oder einem von Ihnen zu schreiben!"
„Dessen Gattin!" wiederholte Klausen voll Hohn. „Die ist es ja gar nicht!"
„Sie ist es! älnb zwar rechtmäßig!"
Da lachte Klausen chm ins Gesicht.
„Wo ich hier den Trauschein habe, der bestätigt, daß Käthe Fernau in London mir gesetzmäßig angetraut wurde?"
„Stimmt!" erwiderte Dodenstein gelassen. „Rie- mand bestreitet die Echtheit des Scheines."
„Ra also! Aber wenn Sie jetzt etwa mit mir unterhandeln wollen, damit ich aus meine /Rechte verzichte, dann geben Sie sich keine Mühe. Ich fordere nur, was ich fordern darf, und das ist, daß meine Frau mich begleitet, wenn ich dieses Haus verlasse!"
„Ihre Frau? Sie haben keine Frau, Klausen!" Dieser schaute den Sprecher verblüfft an.
„Sie haben doch eben zugegeben, daß ..."
„Daß Käthe Fernau Ihre Frau wurde, jawohl, aber sie ist es schon feit Jahren nicht mehr!" erklärte Dodenstein. Hnb da er merkte, daß ec doch nicht verstanden werden würde, die Szene aber so rasch wie möglich beenden wollte, sagte et:
„Die /Rechnung, die Sie machten, als Sie erfuhren, daß jene Käthe Fernau, die Sie in Lon-
Dr. Boßhardt kehrte mit den Sammlungen von Kajchgar über Rußland in die Heimat zurück. Monatelang wurde jedoch zuvor das wertvolle Gepäck von den chinesischen Behörden zurückgehalten. Dr. Trinkler nahm mit Dr. De Terra den Rückweg auf der Route über den 5600 Meter hohen Karakorumpaß und gelangte so wieder nach Srinagar, nachdem er 4200 Kilometer zurückgelegt hatte.
Dr. L.
Schauspieler-Tagung in Darmstadt.
Man berichtet uns:
Die Genossenschaft Deutscher Düh- nenangehöriger, Dezirksverband Hessen, Hessen-Aassa u, hat dieser Tage in Darmstadt getagt. Im Stadtverordnetensaale waren etwa 30 Delegierte (darunter auch der Vertreter des Ortsverbandes Gießen) und Gäste anwesend.
Der Vorsitzende, Dezirksobmann /Herting (Frankfurt), berührte in seiner Eröffnungsansprache sogleich die zur Debatte stehende brennendste Frage: die der Existenz des deutschen Theaters und seiner Mitglieder. Die Organisation wolle sich selbst gern mit den finanziellen Schwierigkeiten beschäftigen, die heute die Erhaltung des Theaters bedrohen. Aber die vielleicht notwendige /Reform dürfe nicht auf dem /Rücken der Dühnenangehörigen ausgetragen werden. Ole r fing stellte die Forderung auf: Gleichstellung des Theaters mit Kirche und Schule.
Staatsrat Balsers Ausführungen waren voll Sorge, aber doch auch voll Zuversicht. Der diesjährige Fehlbetrag habe 1,5 Millionen überschritten, (ilnb welch geringe Summe bekommt das Stadttheater Gießen vom Staate! — Der /Ref.) Es sei selbstverständliche Pflicht, zu erhalten, was an Kulturgut übernommen worden. Ebenso selbstverständliche Pflicht sei es, soziale Härten für Künstler und Angestellte
zu vermeiden. Oberbürgermeister Mueller sprach in ähnlichem Sinne. Es sei schwer, andere Kreise, vor allem die Parlamente, von der Gleichstellung von Kirche, Schule und Theater zu überzeugen.
/Rach kurzer Pause erstattete der Dezirks- obmann den Geschäftsbericht, aus dem als wichtig hervor gerufen sei, daß er sich scharf gegen Zusammenlegungsabsichten von Theatern ausspricht, ebenso scharf gegen /Rationalisierung in der Form von Verminderung des Personals, /Riederhaltung der (Sagen, Herabsetzung der Spielzeit, weil alle diese Bestrebungen untragbar seien. Er fordert weiter Konzessionierung des Ausbildungswesens für Schauspieler und Sänger.
In der Aussprache über die Lage der einzelnen Theater des Bezirks wurden namentlich interne Fragen der Anstellung, Dertragsregelung, der Arbeitszeit (Probezeiten usw.) behandelt. Man müsse bestrebt fein, das bestehende Ensemble aufrechtzuerhallen, allzu starken und öfteren Wechsel zu beseitigen. Auch fei für ältere Mitglieder eine Vertrags Verlängerung (über ein Jahr) zu erstreben. Erfurt, Opernhaus Frankfurt a. M., Slaatstheater Kassel und Wiesbaden, Schauspielhaus Frankfurt a. M. usw. kamen mit internen Angelegenheilen — hierbei auch Gießen mit seinem Konflikt mit dem Frankfurter Künstlertheater (Wanderthoaler Rhein und Main). Es wurde auch hier ausdrücklich betont und später vom Präsidenten Wal lauer nochmals bekräftigt, daß eine Wanderbühne nicht in den Bezirk eines stehenden Theaters hineinkommen dürfe.
Am zweiten Terhandlungstage Fortsetzung der Behandlung in ter er Belange und Reuwahl des Bezirksausschusses, die die Wiederwahl 21 e r» kings und Pfeils (Frankfurt a. M.), dazu Reuwahl von Baumeister (Darmstadt) ergab. — /Bef.
Turnen, Sport und Spiel.
Frauenturnen
im Turngau Hessen ö. T.
— o— Die planmäßige Tlebungsstunde der Frauenabteilungen aus dem Gau Hessen kam am Sonntagvormiitag in Gießen bei reger Beteiligung von Avteilungsleit rn und Vorturnerinnen zur Durchführung. /Unter der Leitung des zuständigen Gauwarles, Rudolf Paul (Gießen), hat sich die Zahl der Abteilungen in wenigen Jahren mehr als verdoppelt; im letzten Jahre haben zehn Turnvereine dieses Fachgebiet dem Gau angegliedert, und zwar Burgsolms, Dorheim, Echzell, Gambach, Griedel, Groß-Eichen, Hartenrod, Leihgostem, Rauborn und Schotten, so daß zur Zeit insgesamt 59 Abteilungen zu verzeichnen sind, die mehr als 1/3 aller Gauvereine nach dieser Richtung beschäftigen. Im Hinblick auf diese starke Zunahme wurde es begrüßt, daß die ©auleitung einen besonderen Lehrgang zur Ausbildung von Leitern und Leiterinnen für Vereinsabt Hungen zu Anfang nächsten Jahres in bestimmte Aussicht genommen hat.
Der Gau-Fraucnturnwart nahm zunächst die neuen allgemeinen Freiübungen in eingehende /Behandlung; sie bestehen aus vier Uebungs- gruppen zu je drei Teilen, und jeder Teil vereinigt in seinem Bewegungsablauf Lockcrungs- und Spannungsübungen aus dem Gebiet der 1 Körperschule, ferner rhythmische Bestandteile mit I
Schrittbewegungen und schließlich fließend-zügige Dewegungsteile. Tie Geräteübungen am Darren, Reck und Pferd leitete und erläuterte für die verschiedenen Stufen Heinrich Schneider (Tv. Wetzlar). Die allgemeinen Freiübun^n sowohl, wie die Geräteübungen sind vom Miltelrheinkreis für das nächste Kreis turnfest zu Hanau zu- sammengestellt und vom Gau Hessen übernommen worden für sein Frauenwetturnen zu Lauterbach.
Fechten imTumMHeffen(D.T.)
Reue Altmannen.
Unter Leitung von Gaufechtwart Kühn (Friedberg) trug die Fechterschaft des Turngaues Hessen hier ein Ausscheidungsfechten für Jung- mannen in beiden Waffen aus. Die einzelnen Fechterriegen des Gaues hatten dazu durchweg Leute mit gutem Können entsandt. Es wurde recht schön gefochten, und besonders in den Endrunden boten sich dem Zuschauer äußerst spannende Kämpfe. Die. vier ersten Sieger jeder Waffe konnten zur Altmannenklasse überschrieben werden. Nachstehend die Ergebnisse:
Florett (13 Bewerber): 1. Brack, Tgm. Friedberg, 2. Ludwig, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 3. Hans Bürck, Mto. Gießen, 4. Elmshäuser, To. Wetzlar, 5. Gerth, To. 1860 Bad-Nauheim, 6. Leonhardt, Tv. 1 8 4 6 Gießen, 7. Fink, T. u. Spv. Marburg, 8. Prümmer, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 8. Maletzke, T. u. Spo. Butzbach. -
don heirateten, die Frau des Barons von Turnau geworden war, hatte verschiedene Fehler. Ich hätte nicht nötig, Sie auf diese aufmerksam zu machen. Ich könnte es getrost darauf ankommen lassen, daß Sie Ihre vermeintlichen Ansprüche vor Gericht anhängig machten, aber ich sehe keinen Grund, den 2t am en meines Freundes in eine Skandalaffäre verwickeln zu lassen ..."
„Was Sie doch nicht verhindern können!" unterbrach Klausen ihn voll Hohn.
„Geduld! Zugleich rate ich Ihnen, die unsere nicht auf eine zu harte Probe zu stellen. Es könnte Ihnen schlimmer bekommen, als Sie jetzt zu ahnen scheinen ..."
„Sie drohen mir?“
„Ich sage die Wahrheit, und wenn Sie mich noch einmal zu unterbrechen wagen, werden Sie Turnau nur als Gefangener verlassen."
Berndt Klausen wich zurück.
„Sie haben die Polizei benachrichtigt? Desto besser! Ich habe sie nicht zu fürchten, wohl aber die Dame dort, die sich der Bigamie schuldig machte ..."
„Run ist's genug!“ rief Dodenstein. „Sie stützen sich auf diesen Trauschein, den Sie immer noch in der Hand halten! Her damit!"
Und ehe Klausen wußte, wie ihm geschah, hatte Dodenstein ihm das Dokument entrissen. Mit einem wilden Schrei wollte er sich auf ihn werfen, da erschien in der noch ofsenstehenden Tür ein Herr, in dessen Hand zwei dünne stählerne Kellen flirrten — Handschellen.
Klausen erblaßte. Er knirschte mit den Zähnen, aber er wagte nicht mehr, Dodenstein zu unterbrechen, als dieser nun erklärte:
„Der Trauschein hier und die dadurch bestätigte Che zwischen Berndt Klausen und Käthe Fernau ist in doppelter Hinsicht ungültig. Zunächst, weil nach englischem Gesetz der Ehemann, dec seine Frau länger als ein halbes Jahr verläßt, die geschlossene Ehe aufhebt und nach dem gleichen Gesetz auf Antrag der verlassenen Frau zu mindestens einem Jahr Tretmühle verurteilt werden kann — Die kennen sicher die englische ,hard labour', Klausen? —, und bann, weil die'e Ehe nicht den wahren Ramen der Frau zur Grundlage hatte, wodurch sie ohne weiteres von vornherein ungültig war.
Wollen Sie nun noch Ihre vermeintlichen Ansprüche geltend machen, Herr Klausen?"
„Sie wollen mich übertölpeln!" schrie dieser außer sich.
„Wenn Sie das glauben, können wir uns ja vor Gericht weiter unterhalten. — Wie entscheiden Sie sich?"
25ern6t Klausen stand unentschlossen da. Ec kannte die englischen Gesetze nicht, wußte nicht, ob Dodenstein mit seiner ersten Behauptung recht hatte, aber die zweite stimmte. Er hätte sie vielleicht anfechten fönnen.
Doch dort, der Mann mit den Handschellen!
„Hol' euch alle der Teufel!" schrie er auf.
Dann stürmte er zur Tür. Der Herr dort — Herr von Friedenau — vertrat ihm den 25kg.
„Roch einen Augenblick!" sagte er. „Falls Sie
die Absicht hegen sollten, nunmehr das Bündnis mit Fräulein von Kletten einzugehen, das Sie heute nachmittag abgekchnt haben, so möchte ich Ihnen sagen, daß Sie sich umsonst bemühen würden.
Fräulein von Kletten, mit der ich soeben eine kleine, rette Unterredung hatte, ist in diesem Augenblick bereits auf dem Wege nach der Schweiz, wo es ihr voraussichtlich so gut gefallen wird, daß sie nie wieder deutschen Boden betreten wird."
Rachdem er das gesagt hatte, gab er den 25kg frei. Und Berndt Klausen stürmte an ihm bor- bet
Run erst wandte sich Turnau an Bodenstein.
„Ich verstehe noch immer nicht ..."
Da rief Berty Altberg von der Ottomane her:
„Darauf kommt es jetzt auch gar nicht an, Turnau, sondern daraus, daß Sie Ihre Frau zu Bett bringen lassen müssen. Lange genug hat es gedauert ..."
„Käthe!" stieß Felix hervor, und wollte sich über seine Frau werfen; aber die entschlossene Gräfin hinderte ihn, büdle sich über die Bewußtlose und hob sie auf ihre Arme.
„Gott sei Dank, daß unsereins noch ein bißchen Kraft in den Knochen hat!" sagte sie lachend. „Ich werde sie in ihr Zimmer tragen. Sie aber lassen sich mal inzwischen etwas erzählen, was Ihnen freilich nicht immer gefallen wird, Turnau!"
Dieser war so verblüfft und noch so safsungs» los, daß er Berty nicht hinderte, als sie aus dem Zimmer schritt. Aber als Dodenstein ihn mit sich zog, da ließ er es geschehen. Rachdem die beiden Männer im Arbeitszimmer Turnaus angekommen waren, erfuhr er alles.
Es war eine furchtbare halbe Stunde, die furchtbarste, die Felix Turnau in seinem Leben ausgestanden hatte. Er war außer sich.
„Dieser Elende!" knirschte er. „Er soll nicht ungestraft entkommen!"
„Wollen Sie Ihre Frau zur Verzweiflung treiben, indem Sie sie zwingen, vor Gericht zu erscheinen? Wollen Sie Ihren Ramen ..."
„Rein, nein! Sie haben recht, Dodenstein! 2lch, wie soll ich Ihnen nur danken! Dieser Mensch hätte uns voneinander gerissen, wären Sie nicht gewesen ..."
„Ich war aber!" entgegnete Dodenstein lächelnd.
„Und nun gehen Sie zu Käthe," fuhr er fort, „wenn Frau Derty es Ihnen gestattet ...“
Käthe Turnau war unter den Händen der Freundin erwacht, als diese ihr die Stirn mit Kölnischem Wasser einrieb. Erst schaute sie noch verständnislos auf Berty. Plötzlich aber kam ihr die Erinnerung. Jäh fuhr sie empor und umklammerte die treue Freundin.
„Berty, was ist nun geworden? Hat Felix ...“ „Das wird er dir wohl selber am besten sagen können, Herzel," lautete die Antwort. „Ich bin sicher, daß er nicht lange auf sich warten lassen wird. 2lber jetzt wollen wir mal nicht von ihm
Leichter Säbel (7 Bewerber): 1. Chateau, T. u. Spv. Marburg, 2. Maletzke, T. u. Spv. Butz- buch, 3. Fink, T. u. Spv. Marburg, 4. Hans Bürck, M t v. Gießen.
Schwimmen im Gau Hessen (O.T.)
21m ©onntarg fand in Gießen im städtischen Dolksbad die 13. Gauvorfchw.mmerstunde unter Leitung des Gauschwimmwarts Franz Sauer, Gießen, statt. 2Jon den Vereinen waren vertreten: T.V. 1846 Gießen. M.T.V. (Sie'-en, TV. Wetzlar, Tgm. Friedberg, T.V. Lauterbach, T.V. Butzbach, T.V. Hungen, T.V. Dutenhofen, T.V. 1860 Bad-Rauheim, T. u. Sp. 1860 Marburg.
Es erfolgte zunächst die Einteilung in Riegen, und zwar für Fortgeschrittene, Anfänger und Turnerinnen. Die Riege der Anfänger unter Leitung des Turners Götz (Wetzlar), wurde in den Schwimmarten und Tauchen unterrichtet. Die fortgeschrittenen Turner unkt Führung von Turner F ö l s ch (Wetzlar), sowie die Riege der Turnerinnen wurden eingehend in Startsprung und Wenden unterrichtet. Anschließend wurden von Turner Balzer (Fr'edberg) /Das erspiele gezeigt. Rach dieser Hebung folgte Springen der Turner, wobei es diesmal in der Hauptsache auf die Wertung' der Teilnehmer ankam und die neue Sprungtabelle der D. T. angewandt wurde. Eine von Turner Balzer (Friedberg) neu konstruierte Wertungstafel zur schnelleren Angabe der Wertung tour? e ausprobiert und für gut befunden. Zum Schluß der Schwimmstunde wurden die Anfcrngsgründe des Wassevballes vorgeführt.
Epielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Die Blauweißen bereiteten ihren Anhängern im Ligaspiel gegen den Wetzlarer Sportverein eine herbe Enttäuschung. Durch taktisch falsches Spiel verloren sie in der letzten halben Stunde das Spiel, in dem sie bis dahin mit 2:0 Toren in Führung lagen. Beim Schlußpfiff hatte Wetzlar einen knappen 3:2-Sieg errungen, obwohl das umgekehrte Resultat wohl gerechter gewesen wäre. Die Gegner lieferten sich eine ausgeglichene Dartie. Den Vorteil der besseren Technik glich der Gast durch großen Eifer aus. Man hat die Wetzlarer selten so forsch spielen sehen, wie in dieser Begegnung. Die Hauptlast am Spiel tragen in dieser Mannschaft die beiden Verteidiger, Gebrüder Benner, wozu sich noch das solide Spiel des Torwarts und Mittelläufers gesellen. Bei 1900 war die Verteidigung der schwächste Mannschaftsteil. Die Aufstellung des linken Verteidigers scheint vollständig verfehlt, da er in seinen Leistungen von Spiel zu Spiel schlechter wird. Der Torwart hatte keinen glücklichen Tag. Die Läuferreihe war recht gut, trieb jedoch Ueberkombination und brachte den Ball nicht schnell genug in den Sturm. Letzterer hatte in den beiden Flügelleuten Versager und ließ auffallend viele der sichersten Torgelegenheiten aus. Der Spielleiter, ein Herr von „Hessen-Preußen". Kassel, leitete einwandfrei. Beide Mannschaften zeigten ein grundverschiedenes System. 1900 bevorzugte die flache Kombination und verschaffte sich dadurch ein kleines Ueberge- wicht. Wetzlar wurde jedoch mit seinem Lauf- und Schlagspiel auch des öfteren vor dem Gießener Tor gefährlich. In der 16. Minute schoß der Gießener dJiittelftürmer nach schönem Zusammenspiel mit dein Halbrechten das Führungstor. Mit 1:0 für 1900 wurden die Seiten gewechselt. Der Platzverein stellte ohne ersichtlichen Grund um und erzielte auch sieben Minuten nach Wiederbeginn durch Halblinks den zweiten Treffer. Man wiegte sich dann anscheinend bei dem Gastgeber in allzugroher Siegessicherheit und vergaß das rechtzeitige Abdecken der schnellen Wetzlarer Außenstürmer, die einige Male durchkommen und dabei drei Gegentore und damit den Sieg
reden, fon/ern von d.r. Ich möchte dir eine Standrede halten deswegen, weil du so wenig Vertrauen zu deinen Freunden hast."
„2lch, Berty, ich ..."
..... ich war zu feig!" unterbrach Gräfin Altberg. „Unb wenn nun all dein Glück in Scherben gebrochen wäre infolge deiner Feigheit?"
Tränen brachen aus Kättzes blauen Augen. „Ich hätte es nicht überlebt!" schluchzte sie. „Dann danke Gott, daß deine Freunde für dich gehandelt habe t, vor allem Herr von Boden- ftein. — Aber da höre ich meinen Grasen unten hupen! Ich muß ihn abfangen, ehe er herauf- lommt. Ich fürchte, er könnte nicht schweigen, deswegen will ich ihn lieber gleich wieder mit heimnehmen. Ihr beide werdet sowieso froh sein, wenn ihr heute abend allein bleibt. — Also, Schahei, Kopf hoch! Run ist die Operation überstanden ..."
„Felix ..." wollte Käthe fragen.
„Da klopft er schon!" unterbrach /Berty abermals, und eilte zur Tür.
„Da ist sie!" rief sie Felix zu, und schob ihn gegen das Bett.
Sie selber eilte die Treppe hinunter und atmete auf, als sie dort ihren Gatten schon mit Bodenstein im Gespräch sah.
„Sie haben ihm ge'agt, daß wir wieder heimfahren müssen?" fragte sie, und schaute ihren /Verbündeten an.
„Ach, /Berty, es ist doch nichts Schlimmes mit deiner Freundin? Herr von Bodenstein sagte, es sei nur ein leichtes älnwohlsein ..
„Jawohl, jawohl! älnd damit er für das ihm entgangene Diner hier entschädigt wird, wollen wir ihn mit zu uns nehmen, nicht wahr?"
Graf Altberg war erfreut,, und die drei fuhren heim.
Oben aber kniete Felix Turnau am Lager seiner Frau. Sie hatte es auf seinem Gesicht gelesen, als er hereineilte, daß sie nichts mehr zu fürchten brauchte. Als et ihr nun beichten wollte, als er ihre Hände flehend ergriff, da zog sie ihn zu sich empor, schaute ihm tief in die Augen und sagte:
„Felix, einst sprachst du zu mir Worte, die ich dir jetzt wiederholen will. Sie lauteten: Fürchte nicht, daß meine Liebe zu dir je erkalten könnte! Mein Herz schlägt nur für dich! Dieser Schwur wird gelten, bis einst mein Leben zu Ende geht. Mein letzter Herzschlag wird noch dir gelten — du weißt ja, wie glücklich du mich durch deine Liebe gemacht hast! — 23efinnft du dich, Felix?"
„Ja, Käthe, ja. Und was ich damals sprach, gilt heute noch. Ich liebe dich ...“
„Wie ich dich, Felix. Immer habe ich nur eine Liebe gekannt — die Liebe zu dir. 2Cber es war eine Liebe in Ketten, Felix, in Ketten, die mir das Herz wund drücken wollten. Run sind diese Ketten gesprengt, nun ist meine Liebe ganz frei geworden — Felix!"
Da sank er an ihre Brust. Und sie preßte ihn an sich, während sie aus tiesstem Herzen dem dankte, der die Ketten ihrer Liebe gebrochen hatte.


