Ausgabe 
12.11.1929
 
Einzelbild herunterladen

wird ein Wunsch des verstorbenen Reichsaußen- ministers Dr. Stresemann erfüllt. Stresemann sah in seinem persönlichen Freund und engen po­litischen Geiinnungsgenossen Dr. Curtius schon seit langem einen geeigneten Nachfolger. Beson­ders imponierte ihm die Schnellig.eit und Sicher­heit, mit der Dr. Curtius i m H a a g sich in dem Milieu und dem großen Spiel d.r Weltdiplomatie zurechtsand. Wiederholt hat S.rescrnann die si­chere und feste Haltung des damaligen Reichs- wirtschastsministers auf der Kon erenz gerühmt und die Unterstützung anerkannt, die ihm Cur­tius in den zur Verhandlung stehenden ent­scheidenden politischen, wirtschaftlichen und fi­nanziellen Fragen zuteil werden lieh.

Der Name teä neuen * Reichswirtschaftsmini- sters Universitätsprofessor Dr. Paul Molden- Hauer gehört au den vier Kandidaten, die von der Fraktion für das Amt eines Reichswirt­schaftsministers vorgeschlagen wurden, ohne dah für die Benennung irgendeines einzelnen der Kandidaten wirtschaftspolitische Erwägungen in­teressierter Sondergruppen auch nur die be­scheidenste Rolle gespielt hätten. Die Fraktion ist im Gegenteil überzeugt, dah jeder der vorgeschlagenen Kandidaten die Bedingungen er­füllt, die heute an einen Reichswirtschaftsminister in theoretischer und praktischer Hinsicht gestellt werden müssen. Prof. Dr. Moldenhauer ist im Reichstag und noch mehr in seiner Fraktion a l s Bearbeiter wirtschaftlicher und so­zialer Fragen hervorgetreten. Er weih, dah Wirtschaft und Sozialpoli­tik eine unzertrennbare Einheit bil­den. Ebenso sehr, wie die Entwicklung der Wirt­schaft die Betonung des sozialen Gedankens not­wendig macht, hängt die Durchführung und Siche­rung aller sozialen Maßnahmen von derPro- sperität der Wirtschaft ab.

3m Spiegel der presse.

Berlin, 11. Nov. (Wolsf.) DieGerma­nia" begrüßt es, dah im Hinblick auf die in Kürze beginnende Winiertagung des Reichstages und angesichts der außenpolitischen Verhandlun­gen das Reichskabinett wieder voll­zählig beisammen ist. Die langjährige Zusammenarbeit mit Dr. Stresemann in der Reichsregierung und die Teilnahme an der Haa­ger Konferenz haben ^Dr. Curtius mit den schwe­benden außenpolitischen Fragen,wie man an­nehmen darf, in weitem Umfange vertraut ge­macht." Den neuen Wirtschaftsminister weist das Blatt darauf hin, dah eine sachlich orientierte und auf das Gefamtinteresfe der Wirtschaft ab- zielende Tätigkeit ihn allein zum erfolgreichen und gerechten Sachwalter der deutschen Wirt­schaft machen könne. DieVossische Zei­tung" erklärt: Curtius wird im Haag sicher­lich aus eigenem Wollen und eigener Ueberzeu- gung der Ä>llstrecker des politischen Erbes Strese- manns sein, das zwar nicht niedergeschrieben, aber seinem Nachfolger genau bekannt ist. Für Dr. Moldenhauer ist anzuführen, daß er inner­halb der Deutschen Dolkspartei zu den beson­nenen Vertretern der Realpolitik gehört, die ein stark ausgeprägtes Gefühl für das Staats» interesse haben.

DieDeutsche Ta g e sze i tung" sagt: Die Landwirtschaft wird diesen doppelten Minister­wechsel mit einigermaßen gemischten Ge­fühlen betrachten müssen. Sie hat den Wirt- schaflsminister Dr. Curtius sehr häufig und in kritischen Momenten sehr entschieden auf der gegnerischen Seite gesehen. Wenn jetzt -der Leiter dieses Ministeriums das Auswärtige Amt über­nimmt, und gleichzeitig ein Rdann seiner Richtung und Einstellung ihm in seinem alten Mini­sterium folgt, so ergibt sich daraus eine Gleich­richtung in der Haltung der beiden für die Gestaltung der Handelspolitik aus­schlaggebenden Ministerien. 3n einer Zeit, in der so schwerwiegende und folgenschwangere E.eig- nisse im Werden sind, wie der polnische Handelsvertrag, wirken daher diese Per­sonalveränderungen doppelt skeptisch. Zu der Ernennung Modenhauers erklärt die K r e uzz e i t u n g": Wir wollen hoffen, daß der nunmehr ernannte Reichswirtschaftsminister sein Ressort unbeschwert von den Zufällig­keiten parteipolitischer oder koalitionsbedingter Taktik nach den weilen Gesichtspunkten der deut­schen Wirtschaft und mit Festigkeit gegen­überallen Aspirationen eines über­spannten Erfüllungswillens auf sozial- und reparationspoli tischem Gebiet vertritt.

Kardorff zur politischen Lage.

Die inncrpolitirchen Aufgaben der bürger­lichen Mitte.

Dortmund, 10. Nov. (TU.) Der Vizepräsident des Reichstags, Äbg. v. K a r d o r f f (D. 23p.) sprach über die allgemeine politische Lage, die seit zehn Jahren nicht so ernst gewesen sei wie heute. Kampf aller gegen alle und wirtschaftliche Zusammenbrüche auf allen Seiten kennzeichneten sie. Hier wirtschaft­liche Skandale, dort steigende Arbeitslosigkeit, da­neben ein Zustand, den man als latenten Bürger­krieg bezeichnen könnte. Das Volksbegehren habe er­neut eine bürgerliche Zersplitterung ge­bracht: aber der Linken müsse gesagt werden, daß gerade sie uns mit dem Volksbegehrparagraphen be­glückt habe und daß sie sich nicht beschweren könne, wenn nun andere Parteien diesen Paragraphen ausgiebig in Anspruch nähmen. Dann geißelte der Redner scharf die Haltung der Reichsregierung, die schwere politische Fehler gemacht habe. Der Redner bedauerte, daß der Stahlhelm sich poli­tisch betätige. Das Stahlhelmverbot für Rheinland- Westfalen sei ein großer politischer Fehler wie die Bevormundung der Beamten in der Angelegenheit des Volksbegehrens. Die Wirtschaft müsse ersticken an der Steuer- und Zinsenlast. In Gemeinde, Staat und Reich müsse mehr gespart werden. Der Eingriff der öffentlichen Hand in die Wirtschaft führe zur Korruption. Die Forderung müsse deshalb heute lauten: Hände weg von der Privatwirt­schaft. Die Deutsche Volkspartei als Mittelstands­partei müsse Koalitionen nach rechtsund links eingchen. Die Auslandpolitik sei mit der Räumung des Rheinlandes zu einem gewissen Abschluß ge­kommen, so daß die Deutsche Volkspartei sich jetzt in er st er Linie wieder innerpolitisch betätigen müsse. Ein geschlossenes Bür­gertum müsse sich jetzt der Sozialdemokratie gegenüberstellen. Eine durchgreifende Fi- nanzres'orm, die Herabsetzung der Real- steuern, die Erhöhung der indirekten Steuern, müsse erfolgen. Das Steuerproblem müsse so gelöst werden, daß bei Erhöhung einer Steuer alle Kreise des Volkes an dieser beteiligt seien. Heute sei es so, daß nichtwtrtschaftliche Kreise *

durch Mehrheit ihrer Stimmen der Wirtschaft die Steuern auferlegen könnten. Der Redner forderte dann den deutschen Einheitsstaat und die Vereinheitlichung der verwaltungs­behördlichen Instanzen.

Severing dementiert.

Warum nicht früher? Das Einzeich­nungsrecht der Veamien.

Stettin, 11. Nov. (WTB.) Reichsinnenminister Severing hielt hier einen Vortrag, in dem er auch auf das Volksbegehren zu sprechen kam. Er dementierte die Behauptung, daß er Anwei­sung gegeben habe, daß gegen Beamte, die sich eingezeichnet hätten, ein D i s z i p l i - narverfahren eingeleitet würde. Er denke nicht daran, diesen Beamten irgendein Haar zu krümmen. Etwas anderes es, wenn höhere Be­amte in öffentlichen Versammlungen Reichsministern den Vorwurf des Landes­verratesgemacht hätten. Gegen solche Beamte müsse disziplinarisch eingeschritten werden.

Oie Kolonisation des Ostens. Minister Lchiele über die nationale Gefahr im deutschen Osten.

Genthin, 10. Nov. (TU.) Hier sprach der Präsident des R.ichllandbundrs, Rrichs.mnister a. D. Dr. h. c. Schiele, vor etwa 3000 Land­wirten über Heimat und Bauernpol t k. Die gesamte Nation st:he an einem Wendepunkt na­tionaler Entwicklung. Der natürliche Menschen- übcrschuß des agrarischen Ostens habe vor dem Kriege nicht ausg:reicht, den Bedarf an Arbe.t> krästen in den industriellen Großstädten zu decken. Obwohl die Landflucht gefähr iche Lücken in die agrarischen Landesteile Deutschlands ge­rissen habe, sei die Zahl der ausländischen In­dustriearbeiter im Westen Deu schlands von Jahr zu Jahr gestiegen. Die stürmische Industrieent- wicklung Deutschlands habe ihr Ende durch Ver­sailles und seine Folgen gefunden. Die Ar­beitslosigkeit in den Großstädten werde damit zur Dauererscheinung. Auf dem Lande wachse die wirtschaftliche Not und die Landabwanderer vermehrten das Heer der Arbeitslosen, die heute den Reichshaushalt mit l1/* Milliarden im Jahr belasten. Uns fehlten leider politische Machlm t el und Kapital für den industriellen Kampf auf dem Weltmarkt. Daher müsse das Ziel deutscher Politik h uh d ie Ko­lonisation des Ostens, die Uebersührung des Menschenüberschusscs aus den Großstädten auf das Land sein. Wenn es uns nicht gelinge, diese grundsätzliche Umstellung unserer Wirt- schastspolitik nach der agrarischen S.it: hin zu erreichen, dann werde steifende Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher und mor. l scher Niedergang und die Ueberflutung des Ostens durch die Polen die Folge sein. Die Gefahr der polnischen HandelSv rtragsverhan. langen fordere gebieterisch, auch die anderen Schichten des Vol­kes für eine wahrhafte deutsche Agrarpolitik zu gewinnen.

Oer Soll Lampel.

Lampel gesteht bei der Mordtat zugegen gewesen zu fein.

Liegnitz, 11. Nov. (Tel.-Un.) Die Justiz- Pressestelle teilt in der zur Zeit von dem Lieg- nitzer Untersuchungsrichter bearbeiteten Feme- anaelegenheit Folgendes mit:

Die Leiche des Köhler ist bisher noch nicht gefunden worden. Die Grabungen mußten aus technischen Gründen einstweilen ausgesetzt werden, sollen aber nach einigen Tagen ihren Fortgang nehmen.

Die Verhafteten, Lampel und der Diplom­ingenieur Schweninger -Bochum, haben zu - ge geben, daß im Jahre 1921 Fritz Köhler in Wacherau bei Neustadt erschossen worden ist, und daß sie bei Ausführung der Tat zugegen gewesen sind. Lieber ihre aktive Beteiligung an der Tat haben sie widersprechende Angaben gemacht, die noch der Klärung bedürfen. Beide haben einen gewissen Ulrich von Bolwitz aus Spandau erheblich belastet, die übrigen Angeschuldigten hingegen entlastet. Dolwih ist bereits verhaf­tet und in Liegnitz eingcliefert worden.

Der verhaftete Müller ist am Samstag aus der Haft entlassen worden. Er hatte sich seinerzeit unter anderem dadurch verdächtig ge­macht, dah er über im wesentlichen feststehende Tatsachen wechselnde Angaben machte und nach und nach zugab, was er zunächst bestritten hatte. Diese Widersprüche konnten jedoch inzwischen auf­geklärt werden.

Oer Sklarekskandal.

Auch die Steuerbehörde inlercfficrt sich.

Berlin, 11. Nov. (WB.) Wie eine hiesige Korrespondenz zu den im Zusammenhang mit der Sklarekange.egenheit vorgenommenen Haus­suchungen erfährt, erstrecken sich diese z.T. auch auf ein neues Un'.ersuchungsgebiet. Die Staats- anwaltschaft hat sich mit der S t e u e r Ver­waltung in Verbindung gesetzt, um von dieser d-ie Steuererklärunge n der Sklareks aus den einzelnen Jahren zu erhalten. Ferner werden alle diejenigen, die bei der Firma An­züge oder andere Kle.dungsgegenftände gekauft, aber entweder gar nicht oder doch nur sehr geringe Beträge bezahlt haben, jetzt von der Steuerbehörde vorgeladen, um nach­zuweisen, ob sie in ihren eigenenSteuer- e r k l ä r u n g e n die Zahlungen an die K.D.G. richtig oder etwa zu hoch eingesetzt haben, Im letzteren Falle würden die Betrof­fenen sich einer Steuerhinterziehung schuldig gemacht haben und müßten ein ent­sprechendes Verfahren gegen sich erwarten. Das trifft besonders auf diejenigen Personen zu, die von den Sklareks finanzielle Zuwen­dungen erhalten haben, ohne die Summen in der Steuererklärung anzugeben.

Oie neue Beamtenbank.

Die durch die Insolvenzfalle der letzten Zeit in der Deamtengeldwir.schaft in Fluß gekommene Umschichtung wird ein erstes abschließendes Er­gebnis zeitigen. Die von der Dresdner Dank seit einigen Tagen geführten Verhandlungen mit den verschiedenen Deamtenorganisationen sind so­weit gediehen, dah zur Gründung des neuen Beamte nbankinstitutes ge- i

schritten werden kann. Das Unternehmen, das voraussichtlichSpar- und Kreditbank für deut­sche Beamte und Angestellte A.-G." firmieren wird, soll mit einem Aktienkapital von einer Million Mark, das zunächst voll von der Dresdner Dank übernommen werden wird, ausgestattet werden. Es ist aber vorgesehen, dah Aktien auch an einzelne Deamte abgegeben werden können. Das neue Institut wird zunächst ohne Uebernahme einer der bestehenden De- amtenbanken ins Leben gerufen werden. Das Institut soll lediglich das reine Beamlengeschäft pflegen, d. h. sich auf die Hereinnahme der De» amtengelder, vor allem durch Gehaltsüberweisun­gen und auf der anderen Seite auf Deamtendar- lehen beschränken.

Oie Reform der Krankenversicherung. Noch weitgehende Meinungsverschieden­heiten.

Derlin, 12. Nov. (TU.) Wie derVor­wärts" berichtet, fanden am Montag im Reichs­arbeitsministerium bei zahlreicher Beteiligung von Vertretern der Reichs- und Länderministe­rien der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorgani- sationen die ersten Verhandlungen über die Vor­schläge des Reichsarbeitsministeriums zu einer Reform der Kranlenversicherung statt. Drei grohe Fragenkreise seien besprochen worden: Kreis der Versicherten Personen, Aenderungen in den Leistungen und die Organisation der Krankenr ecsicherung. Wie derVorwärts" weiter berichtet, hätten die freien Gewerkschaften für die Angestellten die Anpassung der Krankenversicherungspflichtgrenze an die Ange- stelltenrersicherungspflichtgrenz«, also Fest­setzung einerIahresverdien st grenze von 8400 Mark gefordert. Den Vorschlag des Reichsarbeitsministeriums, die freiwillige Wei terr ecsicherung nach oben durch Fest­setzung einer Ei n k o m m en s g r e n ze zu beschränken, lehnten sie ab. Den vom Mini­sterium in Vorschlag gebrachten Aenderungen in den Leistungen stimmten die Vertreter der freien Gewerkschaften nur teilweise zu. Hinsichtlich der Organisation der Krankenversicherung traten die freien Cewerkschaften für eine weitere Veeschar- fung der geplanten Vorschriften über die Neu­er r i ch t u n g von Krankenkassen ein. Für die Arbeitgeber habe Präsident Drauweiler auf die Steigerung der Aufwendungen für die Kran­kenversicherung hingewiefen und eine De- schränkung auf den schutzbedürftigen Kreis gefordert. Präsident Drauweiler habe alle grundlegenden Aenderungen im organisa­torischen Aufbau der Krankenversicherung abge- lehnt und sich zum berufs ständischen Ge­danken in der Krankenversicherung bekannt. Die Aussprache habe gezeigt, w e tiefgehend die Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den Grundfragen seien.

Gegen die Hungerblockade.

Ein Vorschlag des Präsidenten Hoover am Wasfcnstillstandstag.

Washington, 11. Nov. (WTB. Funkspruch.) Präsident Hoover hielt am Waffenstillstanostage vor der American-Legion eine eindrucksvolle Friedensrede, in der er ausführte, leider starre auch heute noch die Welt von Waffen. Furcht und Mißtrauen herrschten noch immer zwischen den Völkern. Die Ursachen des Mißtrauens und der Eifersucht müßten durch Abschaffung des Wettrüstens beseitigt werden, das dem Nationalvermögen Gelder für Aufgaben entziehe, die das Leben lebenswerter machen würden. Des­halb habe er Verhandlungen über die Beschrän­kung der Seerüstungen eingeleitet und vertraue fest auf den Erfolg der Januar-Konferenz. In­zwischen aber stelle er folgenden Vorschlag zur Debatte: Schiffe mit Nahrungsmitteln sollten, genau wie Lazarettschiffe, in Kriegs- zeiten unbelästigt verkehren dürfen. Das würde das Aushungern von Frauen und Kindern als Kampfmit­tel beseitigen und die Kriege stark be­schränken, wenn nicht ganz verhüten. Gleichzeitig würde es die Unterhaltung einer großen Flotte zur Sicherung der Nahrungsmittelbeförderung unnötig machen.

2'ue aller Welt.

Die Schuldfrage an dem Dessauer Eisenbahn-Unglück.

Wie die Ciscnbahndireltion Halle berichtet, haben der Lokomotivführer des verunglückten Personenzugcs MagdeburgLeipzig und sein Begleiter die Kenntnisnahme der aus­führlichen Dienstanweisung am 7. November be­scheinigt. Am 8. November sind sie noch­mals vom Vorsteher ihres Betriebswerkes ge­fragt worden, ob sie Kenntnis aller Dienst- besehle hätten. Die Frage ist bejaht wor­den. Der Befund nach dem Unfall lieferte den Beweis, daß der Lokomotivführer mit nahe­zu unverminderter, unzulässiger Geschwindigkeit in die ablenkende Weichen st raße gefahren ist und so den Unfall herbeigesührt hat. Er mußte laut Dienst­vorschrift die Geschwindigkeit auf 45 Kilometer verlangsamen. Der Lokomotivführer hatte am Tage vor dem Unfall vollständige Ruhe. Er war bei Eintritt des Unfalls erst eine Stunde im Fahrdienst. Das Gleis, in das der Zug 402 einfahren sollte, war vollständig frei. Die be­schädigten Güterwagen standen auf einem Nach­bargleis. Sie sind durch die entgleiste Loko­motive des Personenzuges erfaßt worden.

35 Kinder vermißt.

In Prag wurde dieser Tage die Masseuse Rosa Novh verhaftet, da sie der Kinder- fürsorgcanslalt fci..c befriedigende Auskunft über denVerbleib von dr e i M ä dch en geben konnte, die ihr zur. Erziehung über­geben worden waren. Im Lause der Unter­suchung hat sich herausgestellt, daß der Novh im Lause dec letzten elf Jahre mehr als 35 Kinder anvertraut wurden, die sämtlich unauffindbar sind. Tie Novh pflegte sich, wenn sie jährlich einmal die Kinder der Obervormundschaft vorführen mußte, fremde Kinder auszuborgen. Man nimmt an, dah die vermißten Kinder von der Novh an fremde Pflegeeltern wei­te r v e r k a u f t und unter falschem Namen in die Register eingetragen worden sind. Die Oef- fentlichkeit ist besonders darüber empört, daß

der Novh Kinder anvertraut wurden, obwohl sie wegen Kindesentführung, Mein­eides und Erpressung mehrfach vor­bestraft ist.

Sechzehn Personen mit Fallschirmen aus einem Flugzeug abgesprungen.

In Rooseveltfieldt sprangen sechzehn Personen, darunter eine Frau, aus einem großen Sikorskh- Flutzzeug in Höhe von etwa 650 Metern mit Fallschirmen ab. Sie landeten alle wohl­behalten auf dem Boden. Die sechzehn waren so schnell hintereinander aus der Kabinen­tür herausgesprungen, daß sie nach dem Oeffnen der Fallschirme in der Luft eine fast ununter­brochene, senkrechte Linie bildeten.

Mil einem gestohlenen Kraftwagen auf den Bürgersteig.

In Hannover verlor ein Kraftwagendieb mit einem gestohlenen Kraftwagen an der Markus- Kirche Die Gewalt über seinen Wagen und fuhr auf den Bürgersteig. Dabei wurde ein Mann schwer verletzt. Eine Frau wurde einige hundert Meter mitgeschleift. Der Unglück- lichen wurde ein Drin förmlich -ausgerissen. Außerdem erlitt sie mehrere Schädelbrüche. Sie starb nach kurzer Zeit.

Schweres Derkehr^unglück.

Auf der Straße zwischen Königsbrunn und Lager-Lechseld stießen zwei junge Augsburger, die auf dem Motorrad in Richtung Augsburg fuhren, mit einem aus entgegrngese t:r Richtung kommenden Radfahrer fo hestig zusammen, daß sie alle drei tot am Platze blieben.

Geplanter Einbruch in die Diener Kapuziner-Gruft.

In Wien verhaftete Burschen, die in einem Auto einen Raubüberfall auf einen Kassen- boten verübt hatten, legten in einem Verhör auch das aufsehenerregende Geständnis ab, daß sie die Absicht gehabt hätten, in die K a p u z i n e r - G r u f t, in der sich die Gröber der habsburgischen Kaiser befinden, einzudringen und dort den Leichnam des Herzogs von Reichstädt, des Sohnes Napoleons !., zu stehlen, um ihn an die Fran- zosen zu verkaufen. Nur durch die Verhaf­tung der Banditen, die noch andere Verbrechen ge­plant hatten, wurde der Einbruch in die Kapuziner- Gruft vereitelt.

Lin neuer Vulkanausbruch in Guatemala.

Ein neuer heftiger Ausbruch des VulkanS Santa Maria ist erfolgt. Man befürchtet keinen großen Verlust an Menschenleben, da die De- völkerung in einem meilenweiten Umkreis um den Gipfel geflohen ist, jedoch ist die Stadt El Palmar bedroht. Die Lava fließt zwei Fluß­betten entlang.

Große Pulverexplosion in louL

In der französischen Festung Toul ereignete sich in einem Pulvermagazin, in dein 5 0 Ton­nen Pulver lagerten, eine starke Explosion. Die ganze Stadt war plötzlich hellerleuchtet und eine Rauchwolke lagerte über ihr. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Um Mitternacht war das Feuer noch nicht gelöscht. Ein hundert Meter entfernt gelegenes PulvsrmagaAin scheint nicht in Gefahr zu sein. Es ist noch nicht geklärt, ob es sich um einen Anschlag handelt.

Oie Wetterlaae.

Montag,

.If.NoVemb. 1929 7h äbds.:

16.

Wien o ms?

CiiynaDt <

ör

la CorZnjz?

=TranKt 5 r er

Owoixenios 0neuer. QnaiD DedetM.0 woixig. © oeaecxt entgeh

* Schnee a Graupeln e NeDei K Gewiiier,(g)wino$!iiie.«0^ sehr «icnte» Os» massige» Sudsuowesi Q stürmischer nordwesl Oie »feile fliegen mit dem Winde Die oeiden Stationen dienenden Zah­len gehen die Temperatur an Die Limen eeroinden Orte mit gleichen} nf necresmveau umoerecnneien Luftdruck

Lvclt.rvürauosage.

Das schnelle Vorgreifen des nördlichen Sturm­wirbels hat einen raschen Abbau des hohen Druckes herbeigesührt. Nur im südöstlichen und östlichen Deutschland verursachte heute morgen der hohe Druck noch vielfach heiteres Wetter mit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Dagegen macht im übrigen Deutschland die Störung ihren Einfluß geltend und unbeständiges, sowie stürmisches Wetter mit Nieder­schlägen herrscht vor. Die mitgeführte wärmere Luft hat bereits unseren Bezirk überquert und der Zu­strom kühlerer Luftmassen hat begonnen. Unter dem Einfluß der Rückseite fließt weiter Kaltluft nach dem Festlande, so daß die Temperaturen wieder zurück- gehen und der Witterungscharakter weiter unbestän­dig bleibt, wenn auch zeitweise Aufheiterung eintritt. Auch treten zunächst noch Schauer auf, die in höheren Lagen in Schnee und Graupeln übergehen dürften.

Wettervorauss age für Mittwoch. Unbeständiges, wechselnd wolliges und kühleres Wetter, vorübergehend auch aufheiternd, zeit­weise Regenschauer, um West drehende Winde.

Wi 11 e r u n gs a u s s i ch t en für Don­nerstag. Nachtsrostgesahr, ruhigeres, teils aufheiterndes Wetter wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 11. November: mittags 8,5 Grad Celsius, abends 3,8 Grad; am 12. November: morgens 4,7 Grad. Maximum 8,6 Grad, Minimum 3,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. November: abends 4 Grad; am 12. November: morgens 4 Grad. Niederschlag 2 mm. Sonnen­scheindauer 5X Stunden.