Ausgabe 
12.10.1929
 
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Wirtschaft.

Buderussche Eisenwerke, Wetzlar.

Der in der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Duderusschen Eisenwerke in Wetzlar vorgelegte Halbjahresabschluh weist er­höhte Eewinnziffern auf. Der ilnVafc war in Len abgelaufenen neun Monaten dieses Jahres um 8 bis 9 Prozent höher als im Vorjahre. Für das gesamte Geschäftsjahr 1929 wird zum min­desten mit dem Ergebnis des Vorjahres zu rech­nen 2ein. Zur Zeit ist die Gesellschaft noch gut beschäftigt, doch werden in den Wintermonaten in einzelnen Betriebsabteilungen saisonmähige geringfügige Einschränkungen eintreten, wie sie alljährlich wiederkehren. Die neu errichtete Bade- wannenfabrik der Abteilung Westdeutsches Eisen­werk in Kray hat die regelmäßige Lieferung von gußeisernen, porzellanemaillierten Badewannen an die Kundschaft ausgenommen.

Wochenbericht

vom Frankfurter Effektenmarkt.

Die schlechte Verfassung der Börse erfuhr in dieser Woche keine Besserung. Die Kurse erreichten verschiedentlich einen vorher nicht er­lebten Tiefstand. Der Tod des Reichsaußen­ministers und die daraus resultierende Ungewiß« heit über die zukünftige politische Situation wirkten ungünstig nach und verstärkten die schon bestehende Unsicherheit. Die systematische Znterventionstätig- keit des bekannten Bankenkonsortiums, das den größten Teil der herauskommenden Ware auf­nahm, konnte anfänglich neue katastrophale Kurs­rückgänge verhindern. Auf die Dauer vermochten die Bantkäufe aber dein Druck des sich täglich verstärkenden Angebots keinen ausreichenden Widerstand entgegenzusehen. Außerordent.ich ver­stimmend wirkten die Vorgänge bei der Oester- reichischen Boden-Creditanstalt, die zu der Rot- fusion mit der Oesterreichischen Creditanstalt führten. Immerhin war man später beruhigt darüber, daß die Fusion als perfekt betrachtet werden konnte, und ein starker Druck wurde da­durch von der Börse genommen. Eine Erholung konnte daraufhin jedoch nicht eintreten, ebenso konnte die Tatsache, daß die Befestigung des Pfundkurses neue Goldabgaben der Bank von England verhinderte und damit die Gefahr einer neuen englischen Diskonterhöhung beseitigte, die Tendenz nicht günstig beeinflussen. Bei der all­gemein herrschenden Ansicherheit und Verstim­mung blieben auch die feste Haltung der Reu- Yorker Börse und die Verflüssigung des dortigen Geldmarktes ohne nachhaltige Wirkung auf die deutschen Börsen. Die gesamten Märkte wurden vor allem durch die Anhaltenden großen Abgaben in 2. -G. -Farbenaktien un­günstig beeinflußt. Diese Verkäufe, die den Far­benkurs zeitweise bis auf 193 Proz. herunter­drückten, wurden verursacht durch alarmierende Pressenachrichten über Arbeiterentlassungen der 2.-G.-Farbenindustrie im Werk Oppau und ein starkes Anwachsen der dortigen Lagerbestände. Die daraufhin abgegebene Erklärung der 3.-®.» Verwaltung bewirkte zunächst keine Einschränkung der Abgaben. Rennenswerte Kursrückgänge tra­ten ferner am Clektromarkt ein, an dem namentlich Siemens und Schuckcrt, später auch AGG., Licht und Kraft, Bergmann und Chade- aktien stark angeboten waren. Man brachte diese Abgaben in Zusammenhang mit den Ereignissen bei der Oesterreichischen Boden-Creditanstalt, während die Verkäufe am Farben- und Kunst­seidemarkt 3um großen Teil für holländische und schweizerische Rechnung vorgenommen worden fein sollen. Daneben schritt die Baissespekulation zu größeren Blankoabgaben, aber auch das private Publikum dürfte mit Derkaufsorders an den Markt gekommen sein. Erst zum Wochenschluß griff, gestützt auf günstige Presseauslassungen über die Lage der 3.-G.-Farben und im Zusammen­hang mit der Festigkeit der Reuyorker Börse, eine Beruhigung Platz, und auf den meisten Märkten schritt die Baissespekulation zu D e ck u n g s k ä u f e n. Das starke-Angebot von aüßenhcr hörte auf, und vereinzelt konnte man bereits kleine Publikumskäufe beobachten. Die an­fänglich eingetretenen Kursrückgänge konnten na­turgemäß nur zum Teil wieder aufgeholt wer­den. Stärker anziehen konnten Kunstseideaktien auf die Hoffnung, daß die Konventionsverhand­lungen rasch fortschreiten. Am Geldmarkt machte die Erleichterung für Tagesgeld Fortschritte. Monatsgeld blieb unverändert knapp.

Wochenbericht

vom Frankfurter Produktenmarkt.

Der Frankfurter Produktenmarkt eröffnete die Berichtswoche in freundlicher Haltung,

I wozu auch die weiter festeren Auslandmeldungen beitrugen. Aber auch vom 3nlande ging eine gewisse Anregung insofern aus, als die Mühlen verpflichtet find, einen höheren Prozentsatz von 3nlandweizen zu vermahlen, . so daß nament­lich der Weizenmarkt etwas lebhafte­res Geschäft zu verzeichnen hatte. Hier machte sich hauptsächlich von feiten der Mühlen größeres Interesse bemerkbar. Aber auch einige gute Käufe von Händlerseite ließen den Weizen- markt etwas fester tendieren. Roggen wurde hiervon nicht berührt. Das Geschäft ist nach wie vor sehr klein, und nur in Bedarfsfällen schrei­ten die Händler zu einigen Käufen. Vor allem verstimmte das weitere Anwachsen der Lager­bestände. Die Preise konnten sich gegenüber der vergangenen Woche noch nicht einmal behaupten. Das M e h l g e s ch ä f t war weiter ruhig. Rur für Weizenmehl bestand im Einklang mit dem besseren Weizengeschäft etwas 3ntereffe. Hier sollen vorwiegend Großbäckereien verschiedentlich zu Käufen geschritten sein. Die Preise konnten sich 0,25 Mt. höher stellen. Roggenmehl war dagegen weiter stark vernachlässigt. Das Geschäft beschränkte sich hier nur auf Bedarfskäufe. Ha - f e r war weiter knapp angeboten und bei etwas größerer Rachfrage von feiten der Exporteure in der Grundstimmung eher etwas fester. Von Gersten finden nur feine Brauqualitäten und gute Industriegersten etwas mehr Beachtung. An Futtermitteln war die Umsatztätigkeit auch sehr minimal, bei eher etwas nachgebenden Prei­sen. Zum Wochenschluß machte sich im Anschluß an weiter feste Auslandmärkte am Weizenmarkte vermehrtes Deckunzsbedürfnis geltend, wobei na­mentlich rheinische Mühlen a!s Käufer aufge­treten fein sollen. Auch Weizenmehl konnte hier­von profitieren und seinen Preisstand weiter verbessern. Mais wurde namentlich aus Kreisen der Landwirtschaft etwas stärker cus dem Markte genommen. Futtermittel schwächten sich weiter ab. Im Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche konnte Weizen, Mais und Weizenmehl je 0,50 Mk. und Roggen 0,25 Mk. anziehen, während Weizen- und Roggenkleie je 0,25 Mk. niedriger lagen. Gerste und Hafer blieb gut behauptet. Die Woche schloß zu folgenden Rotierungen: Weizen 25,75 bis 25,85, Roggen 19,25 bis 19,50, Sommergerste 20,75 bis 21, Hafer 18,75 bis 19, Mais 20, Weizenmehl (südd.) 38 bis 38,50, Wei­zenmehl (niederrhein.) 38 bis 38,50, Roggenmehl 27,50 bis 29, Weizenkleie 10,75, Roggenkleie 10,90.

Wochenbericht

vom Frankfurter Gchlachtviehmarkt.

Auch in dieser Woche war das Geschäft am Frankfurter Schlachtviehmarkt wieder zufrie­denstellend. Rur am Schweinemarkt konnte das Geschäft infolge des großen Auf­triebs nicht so recht in Gang kommen, was sich auch am Rebenmarkte noch fühlbar machte. Rach ruhigem Handel verblieb etwas Aeberstand. Die Preise konnten sich jedoch behaupten. Am Rin­de r m a r 11 war der Auftrieb nur wenig ver­ändert. Das Geschäft nahm hier zeitweise recht lebhafte Formen an. Die Preise gaben, mit Aus­nahme von Kühen, etwas nach. Der Markt wurde geräumt. Das angetriebene Vieh war von mitt­lerer Qualität. Der Abtrieb nach auswärts war stark. In Kälbern konnte sich am Rebenmarkte recht lebhaftes Geschäft entwickeln, wobei nament­lich Metzger stärker als Käufer hervortraten. Die Preise konnten bei geringen Sorten etwas mehr anziehen, während beste Kälber nur be­hauptet blieben. Der Markt wurde ausverkauft. Schafe hatten bei großem Auftrieb ruhiges Ge­schäft. Die Preise gaben etwas nach. Es verblieb kleiner Uebcrstcmd. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1829 Rindern, darunter befanden sich 392 Ochsen, 110 Bullen, 604 Kühen und 498 Färsen, ferner aus 1519 Kälbern, 793 Schafen und 5712 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 21 Rinder, 62 Schafe und 764 Schweine mehr angetrieben, dagegen standen 133 Kälber weniger zum Verkauf. Be­zahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen A I 59 bis 61, All 55 bis 58, B I 50 bis 54; Dullen A 54 bis 57, B 49 bis 53; Kühe A 46 bis 50,

B 42 bis 45, C 37 bis 41, D 30 bis 36; Färsen

A 59 bis 61, B 55 bis 58, C 50 bis 54; Kälber

B 79 bis 82, C 74 bis 78, D 68 bis 73; Schafe

A 45 bis 48, B 40 bis 44, C 32 bis 39; Schweine B 88 bis 90, C 83 bis 91, D 88 bis 90, E 84 big 88 3m Vergleich mit den Preisen der letzten Woche lagen Ochsen. Bullen, Färsen und Schafe je 1 Mk. niedriger, während Kälber, Kühe und Schweine behauptet blieben.

Roch kein Ergebnis der Konven­tionsverhandlungen in der Kunst- seideindustrie. Wie WTD.-Handelsdienst von zuständiger Seite hört, wird zwischen der 3.-G.-Farbenindustrie A.-G. und den Vereinigten Glanzstoff-Fabriken A.-G. wegen einer Verstän­digung über Kunstseide weiter verhandelt. Ein definitives Ergebnis konnte bis jetzt noch nicht erzielt werden, da wegen des mangelnden Zoll­schuhes und ter dadurch gegebenen starken Kon­kurrenz des Auslandes am deutschen Kunstseiden- markte nur bei gleichzeitiger Erfassung des 3m- ports eine durchgreifende Regelung möglich ist. Ob diese Schwierigkeiten durch Verhandlungen mit dem Auslande beseitigt werden können, steht dahin.

' Errichtung einer Farbenfabrik in der Tschechoslowakei. Die Bestrebun­gen zur Errichtung einer Fabrik für chemische Farbenprodukte in der Tschechoslowakei sind nach den 3nformationen des WTB.-Handelsdienst soweit gediehen, daß die Gründung der Gesell­schaft demnächst erfolgen soll. Das Projekt be­gegne auch bei den zuständigen Regierungs­stellen wohlwollender Förderung, da ja mit ihm ein neuer Schritt auf dem Wege getan sei, in­dustriechemische Farbstoffe durch ein nationales Unternehmen zu liefern. 3n unterrichteten Krei­sen wird behauptet, daß die Hauptförderer des Projekts in den Kreisen des Vereins für che­mische und metallurgische Produktion (Kapital 50 Mill. Kronen) zu suchen seien.

* Zusammenschluß in der Schwach- st r o m i n d u st r i e. Drei Firmen der Schwach­stromindustrie, nämlich die Ferdinand Schuch- hardt A.-G., die Mix & Genest A.-G. und die Süddeutsche Telefon-Apparate-, Kabel- und Drahtwerke A.-G., beabsichtigen, wie WTB.- Handelsdienst von unterrichteter Seite erfährt, eine engere Verbindung einzugehen. Einzelhei­ten ständen zwar noch nicht fest, es fei aber eine Gemeinschaftsgründung in Form einer Hol­ding-Gesellschaft in Aussicht genommen. Eine führende Rolle würde wahrscheinlich der 3n- ternational Telephone & Telegraph Co. zufal­len, die bedeutend an der Ferdinand Schuchhardt A.-G. Berlin interessiert ist. Die Mix & Genest A.-G. gehört bekanntlich zum AEG-Konzem, die Süddeutsche Telephon-Apparate-, Kabel- und Drahtwerke A.-G. in Nürnberg zum 3ntereffen= kreis von Felten & Guillaume.

* Vereinigte Chemische Werke A.-G., Berlin-Charlottenburg. Der Aufsichts­rat beschloß, der G.-V. am 7. Rovember die Verteilung einer Dividende von 4 (i. V. 7) Proz. vorzuschlagen.

Frankfurter Börse.

Frankfurt a. M., 12. Oft. Tendenz: freundlich. Zum Wochenschluß konnte man zwar eine allge­meine Zurückhaltung beobachten, da die Spekulation in Anbetracht des bevorstehenden ifraeli- tischen Feiertages wenig Neigung zu Neuengaae- ments zeigte, doch war die G r u n ö ft t m m u n g tm allgemeinen etwas fr e u n d l i ch e r. Die Können- tionsnerhandlungen in der Kunstseidenindustrie haben noch nicht zu einem Ergebnis geführt, man hofft aber in Börsenkreisen weiter auf eine Verständigung zwischen der J.-G.-Farben und der Glanzstoff. Nach den Abgaben an der gestrigen Abendbörse, die im Zusammenhang mit der schwachen Haltung der Kunstseidenwerte in Amsterdam standen, konnten sich Glanzstoffwerte bei allerdings nicht bedeutendem Um­satz auf Deckungen 3 o. H. erholen. Im übrigen mar die Kursgestaltung nicht einheitlich, überwiegend waren jedoch auf kleine Wochenschlußdeckungen Besse­rungen von etwa 1 v H. zu verzeichnen. Farben eröffneten bei stillem Geschäft fast unverändert. Am Elektromarkt konnten AEG. und Schuckert je 0,5 v.H. gewinnen. Siemens 2 v. H. höher, Chadeaktien da­gegen leicht gedrückt. Am Montanmarkt lagen Phö­nix und Rheinstahl je 1 o. H. höher. Mansfelder jedoch 2 v. H. schwächer. Am Bankenmarkt gaben Barmer Bank und Deutsche Bank leicht nach. Deutsche Anleihen blieben gut behauptet. Ausländische Renten still. Im Freiverkehr nannte man folgende Kurse für amerikanische Kunstseidenwerte: Enka 34,5, Glanz­stoff 28,5, Bemberg 34 Dollar. Im Verlaufe war das Geschäft zwar weiter recht still, doch konnte die Besse­rung der Kurse Fortschritte machen. Bemberg lagen 11 v.H. und Glanzstoff 4 v.H. höher. Auch für einige Montanwerte bestand etwas Interesse. Rhein­stahl konnten erneut 1 v. H. anziehen. Farben und Elektrowerte waren unverändert. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8 v. H. weiter gesucht. Arn Devisen­markt nannte man Mark gegen Dollar 4,1920, gegen Dfund 20,402, Land, i gegen Kabel 4,86525, gegen Mailand 92,95, gegen Madrid (schwach) 33, gegen Holland 12,0960.

Berliner Börse.

Berlin, 12. Oft. Nach geschäftslosem Vormit­tags- und vorbörslichem Verkehr zeigte die Börse zum Wochenschluß anfangs eine uneinheitliche Ten­

denz. Orders von feiten des Publikums ober des Auslandes lagen zu den ersten Kursen nicht vor, uni) die Spekulation schritt sogar zu Glattstellungen. Die vorliegenden Momente waren nicht ungünstig. Neuyork war auf den guten gestrigen Schluß und weitere leichte Tagesgeldsätze fest. Die Bildung eines deutschen Schwachstromtrustes, unter Beteiligung der Internationalen Telefon, steht bevor. Man konnte Schwankungen nach beiden Seiten zwischen 1 und 3 v. H. feststellen, wobei verschiedentlich kleines An­gebot schon einen Kursrückgang hervorrief. Die vor­börslich schwachen Glanzstoffaktien konnten sich gut erholen und gegen gestern sogar leichter anziehen. Bemberg waren sogar fast 5 v. H. fester. Für Soenska erhielt sich das Interesse. Das Geschäft war wieder bei einem 4,50 RM. höheren Kurse lebhafter, als an den anderen Märkten. Elektrowerte waren ganz un> einheitlich. Während Akkumulatoren und Siemens je bis 3 v. H. zurückginaen, befestigten sich Berg­mann, Ehade und Elektrische Lieferungen. Reichs­bank schwach. Auch Farben gaben leicht nach, wäh­rend Schubert & Salzer 4 v. H. schwächer lagen. Deutsche Anleihen behaupteten sich gut. Ausländer waren ganz uneinheitlich. Anatolier fester. Der Pfandbriefm§rkt zeigte das übliche Samstagsgeschäft, die Tendenz war nicht unfreundlich. Am Geldmarkt hat sich der Satz für Tagesgeld auf 6,75 bis 9 v. H. erhöht, eine Anspannung, die man mit noch fälligen Steuerzahlungen motiviert. Monatsgeld unverändert 9,25 bis 10,5 v. H., Warenwechsel zirka 7,75 v. H. Nach den ersten Kursen wurde das Geschäft etwas lebhafter; ausgehend von einigen Spezialwerten, wie Polyphon, Bemberg, Siemens, Schubert & Salzer, Berger, die 3 v. H., und Glanzstoff, die 5 v. H. gewannen, konnte sich das gesamte Kursnioeau um zirka 1 v.H., vereinzelt 2 v.H. erholen. Man wollte allgemeine Käufe in diesen Werten beobachten.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Ehrfurcht!

Ist es ein Zeichen der Gemütsverrohung noch vom Kriege her oder Mangel an Selbstbesinnung in unserer schnellebigen Zeit, daß sich die Menschen nicht bewußt sind, was sie der Majestät des Todes schulden, die auch in der Demokratie unantastbar, von jedem einzelnen ihren Tribut fordert? Sah ich doch, wie schon des öfteren während meines lang­jährigen Aufenthalts hier, wie niemand, auch nicht einer von den zahlreichen Passanten beim Anblick des Leichenwagens, der gestern gegen Mittag mit einem Sarge die Ludwigstraße durchfuhr, sich das Memento mori:Sei eingedenk des Todes" ver­gegenwärtigend, in Ehrfurcht fein Haupt entblößte. Ich kenne verschiedene Gegenden und Städte Deutsch- lands, aber nirgends bin ich dieser bewußten oder unbewußten öffentlich bezeugten Nichtachtung vor der Allgewalt des Todes begegnet, wie hier in Gießen. Dr. B.

Daten für Tonnlag 13. Oktober.

Sonnenaufgang 6.19 Uhr, Sonnenuntergang 17.13 Uhr. Mondaufgang 15.59 Uhr, Monduntergang 0 Uhr.

1821: der Mediziner und Politiker Rudolf v. Vir­chow in Schivelbein geboren; 1924: der franzö­sische Schriftsteller Anatole France auf seiner Be- sitzung bei Taros gestorben.

Täten für Montag, 14. Oktober.

1066: Schlacht bei Hastings; 1644: der Quäker William Penn, Gründer von Pennsylvanien, in London geboren; 18Ö6: Schlacht bei Jena und Auerstädt; 1813: Beginn der Völkerschlacht bei Leipzig; 1919: Ratifikation des Vertrags von Ver­sailles durch Frankreich.

Letzte Nachrichten.

Das Urteil im Prozeß Monroy.

3m Prozeß gegen die Komtesse Helga von Monroy beantragte Staatsanwaltschaftsrat Dr. Schmidt gegen die Angeklagte wegen schwerer Urkundenfälschung, Betrugs und Diebstahls un­ter Zubilligung mildernder Umstände eine Ge­samtstrafe von sechs Monaten Ge­fängnis. Er stellte dem Gericht anheim, für diese Strafe Bewährungsfrist zu bewilli­gen. Die Angeklagte wird wegen Diebstahls in einem Falle und wegen schwerer Urkundenfäl­schung und zugleich Betruges zu einer Ge­fängnisstrafe von 3 1 2 Monaten verur­teilt. Die Kosten des Verfahrens fallen, soweit Verurteilung erfolgt ist, der Angeklagten, im übrigen der Staatskasse zur Last. Das Gericht hat der Angeklagten drei Jahre Bewäh­rungsfrist zugebiUigt.

an. Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent.

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Berlin

Datum

12 in.

11.1.

12.10.

Datum

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4% Schweiz. Bunde».-Ant.. .

<% Oefierretchtlche ®o!drle.. . .

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4% Ungarische ®oldne.....

4% Ungarische Staattr. v. 1910 .

4^i% beigl. non 1918.....

4% Ungarische Kronenrte.. . .

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11.10.

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Berlin, 11. Oktober

Geld

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Norwegische Noten.....

Deutsch-Ocsterr,s iov Kronen Rumänische Roten .....

Schwedische Noten ...... Schweizer Roten ..... Svanifche Roten.......

Tschechoslowakische Roten . . Ungarische Roten

16,43 168,13

21,93 111,78

58,73

2,48 112,05 80,82 62,03

12,355 72,90

16,49 168,81

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Leonhard Tietz ....

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Bamag-Meguin . . . .

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Frankl. Maschinen . . .

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Gnynec.......

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Lechwerre......

Maintrasiwerke . . . .

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SJliag.........

Rekurs ulmer.....

-

11. Oktober

12- Oktober

Amtliche Rorierung

Amtliche Rotierung

oield

Brie'

Geld

Brief

A mst.. Rott.

168,4b

168,80

168.37

168.71

Buen.-AireS

1,758

1,762

1,758

1,762

Brss.-Antw.

58,415

58,435

58,43

58,55

Christiania. Kopenhagen

111,91

112,13

111,90

112,12

111,93

112,1b

111,94

112,16

Stockholm . 6elfingfor8. Aralien. . .

H2.3J

112,52

112,35

112,57

10,521

21,925

10,541

21,965

10,52

21,925

10,54

21.965

London. . .

Reuyork . .

20,378

20,418

20.382

20,422

4,1880

4,1960

4,1880

4,1960

Paris. . . . Schwei; . .

.6,435

16,475

16,44

16,48

60,945

81,105

80,96

81,12

Spanien > .

62,19

62,31

61,51

61,63

Japan . . . Rio de Jan-

2,002 0,498

2,00b 0,500

2,001 0,498

2,006 0,500

Wien in T.«

Ceft- obgeft.

58,86

58,98

58,84

58,96

Prag . . .

Bellrad . .

12,394

7,387

12,414

7,401

12,391

7,387

12,411

7,401

Budapest. .

73,06

73,20

73,06

73,20

Bulgarien .

3,032

3,038

3,032

3,038

Lissabon

18,80

81,59

18,78

18,82

Daruig. . . Konstantin.

81,43

2,005

18,84

2,009

5,445

4,149

81,44

2,005

81,60

2,009

Athen. . Tanada

5.435

4,141

5,435 4,41

5,445 4,49

Uru uay. .

4,096

4,104

4,096

4,104

Cairo . . .

20,895

20,935

20,01

20,05

Berlm, 11. Oktober

Geld

«rief

Amerikanische Roten .....

Belgische Wortn .......

Tonische Raren . . * .

Englische Raren.......

4,172

58,23

111,68

20,36

4,192

58.47

112,12

20,43