Der Bauer und seine Arbeit.
geht.
Seit dem Briefwechsel zwischen dem Reichsernährungsminister und den vier Dauernfuh- rern und seit der Tagung des Deutschen Land- wirtschastsrates in Münster hat man von dem Rentabilitätsprogramm für die deutsche Landwirtschaft nichts mehr gehört. Man weih nicht ob die amtlichen Stellen, wie es die Landwirtschaft selbstverständlich erwartet, irf aller Stille die notwendigen Maßnahmen zur Durchführung vorbereiten, oder ob die nicht immer eindeutigen Erklärungen des Ernährungsministers so verstanden werden sollen, daß das Rcntabilitätsprogramm überhaupt nicht durchgesührt wird. Diese zweite Lesart sollte schon darum unwahrscheinlich sein, weil weder andere entsprechende Pläne bekannt geworden sind, noch auch irgendein Versuch zur Widerlegung des Programms gemacht ist. Wie ernst die Dinge in der Landwirtschaft sind, hat in diesen Tagen erneut die Her bst Versammlung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Dresden erwiesen. Dah es sich heute auch in den völlig unpolitischen Fachberatungen bis in die kleinste Einzelheit hinein in erster Linie um die Rücksicht auf die Rentabilität handelt, ist selbstverständlich.
Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hat mit ihren Winterversammlungen in Berlin, mit den großen Wanderversammlungen, die in den nächsten Jahren in Köln, Hannover, Berlin und Mannheim stattfirrden werden, und mit den durch die deutschen Gaue wechselnden Herbstversamm- lungen stets zugleich mit der Steigerung der Erzeugung nach Menge und Qualität die Förderung der Rentabilität im Auge gehabt. Dazu war die DLG. von vornherein als Organ der Selbsthilfe der Landwirtschaft ins Leben gerufen worden, und darin hat
Was geschieht mit dem Reniabiliiäisprogramm der deutschen Landwirtschaft? sie sich in enger Zusammenarbeit mit den anderen Berufsständen seit viereinhalb Jahrzehnten bewährt, wie allein schon ein Blick auf dre Entwicklung der deutschen Agrarerträge seit der Reichsgründung beweist. An der Selbsthilfe in diesem wirtschaftlichen Sinne hat es bei ter Landwirtschaft auch in den letzten Jahren nicht gefehlt: der Wille zur Selbstbehauptung ist auch durch die dreizehn Jahre der Agrarkrise noch nicht gebrochen, so unverkennbar die Zeichen der Verzweiflung und des beginnenden Zusammenbruchs sind, die in der Statistik als Anwachsen der Zwangsversteigerungen und Zwangsverwaltungen verzeichnet werden.
Ist so auch die Dresdener Tagung ein Zeugnis von der inneren Fortschrittlichkeit der Landwirtschaft, so hat sie doch auch noch einmal die Beweise dafür zusammengefaßt, daß a II e in mit der Modernisierung und Tlmstellung der Betriebe, mit der Erzeugung einheitlicher Ware und mit der Organisation des Absatzes die Rentabilität nicht wieder zu erringen ist. Wieweit heute die Landwirtschaft Verlustgeschäft ist, wie unmöglich es ist, eine derart geschwächte Landwirtschaft ganz aus eigener Kraft zur Rentabilität zu bringen, geht aus der einen einzigen traurigen Zahl hervor, daß nach sorgfältigen Untersuchungen in Mittel- und Kleinbetrieben der Bauer heute für die Arbeitsstunde mit einem Cntgeld von 17 Pf. rechnen muß. Welcher andere Berufsstand wäre bereit, für einen derartigen Lohn jahraus, jahrein zu arbeiten? älnd die Landwirtschaft verlangt auch mit dem Rentabilitätsprogramm zunächst nicht mehr, als die Beseitigung der ^Interbilanz, d.h. auf den Bauern bezogen nicht mehr, als einen Stundenlohn von wenigstens 50 Pf. Das sind die Grundlagen, um die es heute für den Dauern und seine Arbeit
eia Lyndikalsverlrag zwischen den Fabrikanten und der Deutschen Zündholzoerkaufs-A.-G. Die Hauptursache der schlechten wirtschaftlichen Lage der Zündholzlnduskrie ist die starke Kon kur- r e n 5 ausländischer, insbesondere russischer Zündhölzer. Da eine Wiedergesun- düng der Zllndholzindustrie durch Einführung der freien Wirtschaft schwere Gefahren für die Produk- tion mit sich bringen würde, hat die Reichsregierung erwogen, eine Aenderung auf der Grundlage der Weiterentwicklung der bestehenden Verhältnisse zu erreichen. Dies würde automatisch auch zu einer Begünstigung der in Deutschland ansässigen schwedischen Zündholzinduslrie führen. Für die Vorteile, die dadurch für die schwedische Industrie erwachsen, wurde von schwedischer Seife eine Anleihe von ungefähr 125 Millionen Dollars angeboten. Es ist selbstverständlich, daß die Bedingungen dieser Anleihe für das Reich annehmbar fein müssen. Vorläufig ist noch nicht zu übersehen, wie die schwedischen Gegenleistungen in direkte Beziehung gebracht werden können zu den Leistungen, die das Reich durch die Schaffung ein es Zündholzmonopols auf sich nehmen würde. Irgendwelche Forderungen der schwedischen Industrie zum Rachteil der deutschen können keinesfalls in Betracht kommen. Das Reich wird die Interessen der deutsch en Zündholzindustrie entscheidend in Rechnung stellen, wenn auch wahrscheinlich infolge der Aenderung der Verhältnisse mit einer Preiserhöhung der Zünd- waren zu rechnen sein wird, so muh dabei berücksichtigt werden, dah die deutschen Zündholzpreife erheblich unter dem Preis des Auslandes liegen, und weiter, dah eine Preiserhöhung für den einzelnen Konsumenten sich nur in Pfennigbelrägen auswirken wird. Die Steuerfrage hat bei den Verhandlungen keine be- fonöere Rolle gespielt.
Sevenngs Antwort an den Reichsausschuß.
Die Haussuchungen und Beschlagnahmen.
Berlin, ll.Okt. (WB.) Reichsminister Severin q hat auf das vom Reichsausschuh für das deutsche Dolsbegehren an ihn gerichtete und durch die Presse veröffentlichte Schreiben folgendes erwidert:
„Auf Ihr Schreiben vom heutigen Tage erwidere ich, daß ich einen Auftrag zur Abhal- tung von Haussuchungen und insbe- sonderezurBeschlagnahme von Werbematerial für das Volksbegehren selbstverständlichnichterteilt habe. Meine Zuständigkeit beim Verbot des Stahlhelms beschränkt sich auf die Erteilung der Zustimmung zu dem Verbot. Das Verbot selbst und die damit zusammenhängenden Maß- nahmen hat entsprechend der geschäftlichen Verteilung der Zuständigkeit der Herr preußische Minister des Innern angeordnet und durch die ihm unterstellten Behörden durchgeführt. Daß der Herr Major a. D. Hei der dem Stahlhelm nicht angehören sollte, nimmt mich besonders deshalb wunder, weil er neben dem Oberst a. D. Exner nach den Feststellungen der preußischen Polizei das Manöver g e l e i t e t hat, das den Grund für das Verbot des Stahlhelms in Rheinland und Westfalen gab.
Weitere Einzelheiten der Verbotsdurchführung entziehen sich meiner Kenntnis. Ich mache Sie jedoch daraus aufmerksam, daß bei der Beschlagnahme von Schriftstücken sowohl im gerichtlichen wie im polizeilichen Verfahren die Exekutivbeamten regelmäßig nicht an Ort und Stelle die einzelnen Schriftstücke genauer auf ihren Inbalt prüfen, sondern daß diese Prüfung im gerichtlichen Verfab- ren dem Richter, im außerordentlichen Derfay- ren den oberen Dien st st eilen vorbehal- t e n ist. Bei diesem Verfahren, das im Interesie der von der Haussuchung Betroffenen und zur Vermeidung von Indiskretionen angewandt wird, kann es nicht ausbleiben, daß neben den gesuchten Schriftstücken auch andere Schrift ft ücke zunächst sichergestellt werden, die nach Prüfung, wie im vorliegenden Falle, der Eigentümer alsbald wieder zurückerhält. Ich werde im übrigen Veranlassung nehmen, mich über die Einzelheiten des Falles amtlich unterrichten zu lassen.
Da Sie Ihre Anfrage an mich der Presse xur Verfügung gestellt haben, darf ich anheimstellen, der Oesfentlichkeit auch von dieser Antwort Mitteilung zu machen."
Rundfunk und Volksbegehren.
Berlin, 11. Okt. (TU.) Der R e i ch s a u s - schuß für das deutsche Volksbegehren teilt mit:
Der Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren hatte sich ansämtlichedeutscheSender mit der Forderung gewandt, Rednern für das Volksbegehren das gleicheRecht wie den Gegnern desselben einzuräumen und ihnen Gelegenheit zu geben, das Volksbegehren vor den Rundfunkhörern zu begründen. Dieses Verlangen ist von sämtlichen Rundfunksendern zum Teil unter fadenscheinigen Gründen a b g e l e h n t worden, so daß die Anhänger des Volksbegehrens politisch unter Ausnahmerecht gestellt sind. Obgleich die politischen Zwiegespräche im Rundfunk, die die Deutsche Welle veranstaltet, wegen ihrer beschränkten Wirkungsmöglichkeit kein Ersatz für einen grundlegenden Vortrag sind, hat der Reichsausschuß für ein Zwiegespräch mit Professor Georg Bernhard Herrn Dr. Bang angeboten, bet aber ab gelehnt worden ist. Dann habe man Dr. Quaatz zur Verfügung gestellt, der zu einer Vorbesprechung zur Deutschen Welle eingeladen wurde. Dr. Quatz ist dieser Einladung zur verabredeten 3 c i t gefolgt. Der Einladende ist aber ntchtanwesend gewesen. Rach diesen Voraussetzungen kann dem Reichsausschuß nicht zugemutet werden, zu der Frage der Zwiegespräche weiterhin Stellung zu nehmen, ehe nicht seine Forde- rung erfüllt ist. Der Reichsausschuß fordert m i n - destenseinen Vortrag am Mikrophon, der genau so wie die Reden der Minister auf alle Sender zu übertragen ist. Wird dieser Forderung Genüge geleistet, dann wird der Reichsausschuß der Frage der Zwiegespräche nähertreten, dabei aber verlangen, f c I b ft zu bestimmen, wen er als Redner zu den Zwiegesprächen zu delegieren gedenkt.
Tntvolltisterung einer Stahlhelmgruppe.
Dessau, ll.Okt. (Priv.-Tel.) Der Stahlhelm Dessau faßte den Beschluß, sich selbst auf* zulösen. An seiner Stelle soll eine Äerrini -
gung ehemaliger Stahlhelmer und Frontsoldaten gegründet werden. Es heißt, die neue Gruppe will frei von aller Politik die wirkliche Kameradschaft pflegen.
Böß wird nicht zurückgerufen.
Der Magistrat gegen den Beschluß der Stadtverordnetenversammlung.
Berlin, 12. Okt. (T.-Ll.) Der Magistrat nahm in einer außerordentlichen Sitzung zu dem von der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung gefaßten Beschluß Stellung, daß Oberbürgermeister Böß mit Rücksicht auf die letzte Entwicklung des Sklarekskandals sofort aus Amerika zurückgerufen werden solle, um sich hier zu der Angelegenheit zu äußern. Der Magistrat beschloß, der Forderung der Stadtverordnetenmehrheit nicht beizutreten, und es ist anzunehmen, dah für diese Stellungnahme die Gründe maßgeblich sind, die Bürgermeister Scholz schon im Stadtparlament dargelegt hat, nämlich, daß durch einen solchen Schritt in Amerika für die Stadt Berlin äußerst schädliche Folgen hervorgerufen werden würden. Der Magistrat beschloß lediglich, Ober-, bürgermeister Böß in einem ausführlichen Kabeltelegramm von den letzten Ereignissen sowie von dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung und der ablehnenden Stellung des Magistrats in dieser Angelegenheit in Kenntnis zu sehen.
Oie pelze des Oberbürgermeisters.
Neue Aussagen der Sklareks.
Berlin, ll.Okt. (Wolff.) Zur Klärung der Pelzaffäre wurde eine Angestellte der K. V. G., ein Fräulein B., vernommen. Rach ihrer Aussage hat ihr eines Tages einer der Brüder Sklarek ein Paket ausgehändigt und sie beauftragt, dieses Paket mit einer Rech- mmg der Frau Oberbürgermeister Böß zuzustellen. Das Paket enthielt den strittigen Pelz. Wie sich Frl. D. erinnern will, hatte ihr einer der Ehefs gesagt, dah der Preis für diesen Pelz dem Oberbürgermeister mit 400 Mark in Rechnung zu stellen sei. Das geschah auch. Die Zeugin wußte aber nicht, ob diese Rechnung inzwischen bezahlt worden ist. Auch andere Angestellte der K. V. G. sollen diesen Vorgang ken- nen und ebenfalls zu seiner völligen Klärung vernommen werden. •
Die Sklareks erklärten ihrem Verteidiger, dah es sich um zwei verschiedene Geschäfte handele. Die P e l z j a ck e, die im Kabel des Oberbürgermeisters erwähnt werde, habe der Oberbürgermeister für sich selbst bestellt. Der Pelzmantel hingegen, der für die Frau des Oberbürgermeisters bestellt wurde, sei von den Sklareks mit 4000 Mk. bewertet worden und der Oberbürgermeister habe diese 4000 Mk. restlos bezahlt. Wie der Sekretär Lehmann zu seiner Behauptung, dah der Frau Oberbürgermeister Döh eine Rechnung von 400 Mk. zugegangen sei, kommen konnte, sei ihnen vollkommen unerklärlich. In der Frage der Pelzjoppe habe der Oberbürgermeister sich tatsächlich so verhalten, wie er gekabelt habe.
Schwere Beschuldigungen gegen die Stadtbankdirektoren
Berlin, 11. Okt. (TTl.) Am Freitag hat der Sklareksche Buchhalter Lehmann seinem Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Puppe Mitteilungen gemacht, die sowohl vom Dernehmungsrichter als auch von Oberregierungsrat Tapolski sofort nachgeprüft werden sollen. Lehmann hat seinem Anwalt erklärt, dah die leitenden Beamten der Stadtbank seit Jahren von den Gebrüdern Sklarek ihre Anzüge, Mäntel u s w. e r ha l t e n hätten, dah aber die Sklareks weder Rechnung gesandt, noch eine Bezahlung für die gelieferten Waren erhalten hätten. Er als Buchhalter habe niemals einen Zahlungseingang der drei leitenden Beamten der Stadtbank sest- stellen können. Man wird in Moabit diese Behauptungen auf das sorgfältigste nachprüfen. I Sollten sich die Aussagen Lehmanns als wahr erweisen, so wäre die Staatsanwaltschaft ge- 1 nötigt. gegen Schmitt, Hoffmann und Schroder
ein Verfahren wegen Bestechung einzuleiten.
Willi und Max Sklarek sind am Freitag kurz verhört worden, und haben bei dieser Gelegenheit erklärt, dah sie den Beweis für ihre Behaupt tung antreten könnten, dah ihnen seitens der Stadtbank selb st die Einreichung von Rechnungen, für die noch keine Ware geliefert worden sei, anheimgestellt worden wäre, damit der Geschäftsbetrieb der KVG. aufrechterhalten bleibe. Für diese Behauptung sollen sowohl die Direktoren der Stadtbank wie Angestellte der Firma Sklarek benannt werden.
Wie der Amtl. Preuh. Pressedienst mitteilt, hat der Oberpräsident das förmliche Disziplinarverfahren gegen die Stadtbankdirektoren Schmitt und Hoffmann sowie den Abteilungsleiter Schröder mit dem Ziel auf Amtsenthebung eröffnet. Gleichzeitig hat er die Amtssuspension dieser drei Beamten ausgesprochen.
Oie Sklareks und die Kote Hilfe.
Berlin, 12. Oktober. (Wolff.- Die „Rote Fahne" versichert, dah die Behauptung, die Rote Hilfe habe von den Sklareks finanzielle Unter ft üftungen bezogen, eine schamlose Unterstellung fei. Das „B. T." erfährt hierzu abfolut zuverlässig, dah die tatsächlichen Beziehungen zwischen den Sklareks und der Roten Hilfe noch viel weiter gegangen find. Die Sklareks haben, wie einer der drei Sklareks heute bei der Vernehmung angegeben hat, der Rhten Hilfe mehrere Jahre hindurch am Abschluß jeder Saison die gesamten Re st bestände ihres Lagers, soweit sie nicht mehr modern waren, der letzten Mode entsprachen, ohne jegliche Gegenleistung übermacht. Diese an die Rote Hilfe geschenkten Restbestände des Lagers präsentierten in jedem Jahre einen Wert, der weit über 10 000 Mark gelegen hat.
polnische Schikanen gegen die deutschen Minderheiten.
Haussuchungen bei deutschen Pfadfindern in Pommerellen.
Bromberg, 11. Okl. (Priv.Tel.) Am Mittwochabend wurden im ehemaligen preuhischen Gebiet der Provinz Posen Haussuchungen bei Pfadfindern beiderlei Geschlechts durchgeführt, denen zur Last gelegt wird, an einem angeblichen „militärischen Ausbildungskongreß" in Lharlottenburg t e i I genommen und dort schriftliche Instruktionen für ihre Tätigkeit auf polnischem Gebiete erhalten zu haben. Bei den Haussuchungen konnten n u r P f a d- finder- und andere Jugendschriften beschlagnahmt werden. 3m Zusammenhang mit diesen Haussuchungen wurden in Bromberg, Graudenz, Thom und üonih zahlreiche Pfadfinder verhaftet, darunter der Leiter der Bewegung, der frühere Lehrer Friß Mielke aus Bromberg, der außerdem beschuldigt wird, an einem Sportkursus der Hochschule für Leibesübungen in Berlin teilgenommen zu haben. Die Mehrzahl der erhafteten, bei denen es sich durchweg um kaufmännische und Handels- lehrlinge handelt, ist bereits wieder entlassen worden.
wie festgestellt werden konnte, haben die Pfadfin- der an dem Bundestreffen der deutschen Pfadfinder in Kahnsdorf am Seddiner See bei Potsdam teilgenommen. Solche Zusammen- fünfte sind bekanntlich internationaler Brauch, und dementsprechend wurde auch seiner- zeit von deutscher Seife den polnischen Pfadfindern in Westfalen die Teilnahme an einem Bundestreffen in Polen ohne weiteres genehmigt. Das Vorgehen der polnischen Behörden hat in ganz Pommerellen starke Erbitterung bei der deutschen Minderheit ausgelöst.
Oie Zeppelinbesatzung gegen eine Polarfahrt.
Friedrichshafen, ll.Okt. Lapitön Lehmann teilt auf Anfrage mit, daß damit gerechnet werden müsse, daß Las Luftschiff „Graf AeppLn"
im Frühjahr 1930 die Polarfahrt nicht antreten wird, da der größte Teil der aus 40 Mann bestehenden Besatzung des Luftschiffes die größten Bedenken gegen eine Polarfahrt geäußert hat. Die meisten Besatzungsmitglieder fpra» chcn die Befürchtung aus, daß bei unglücklichen Zwischenfällen während der Polarfahrt das Luftschiff verloren gehen könnte, und die Besatzung dadurch ihre Tätigkeit und ihren Beruf verlieren würde. Der grüßte Teil der Besatzung äußerte gegenüber Kapitän Lehmann, daß, solange nur e i n Zeppelin-Luftschiff in Friedrichshafe zur Verfügung stünde, der „Graf Zeppelin" n u zu den Aufgaben herangezogen werden sollte, für die er u r s p r ü n g l i ch b e st i m m t war, und daß das Luftschiff nicht für Polarflüge aufs Spiel gesetzt werden dürfte. Sobald zwei Luftschiffe vorhanden feien, wäre die Mannschaft ohne weiteres bereit, sich an einer Polarexpedition zu beteiligen.
Aus aller Welt.
Das Reichsgericht bestätigt das Todesurteil im Donner Giftmordprozeh.-
Am 18. Juni. d. I. wurde vom Schwurgericht Bonn auf Grund Indizienbeweise ter praktische Arzt Dr. Richter aus Dingen wegen Mordes an seiner Geliebten zum Tode verurteilt. In der Revisionsverhandlung vor dem Ersten Strafsenat des Reichsgerichts gipfelten d>ie Ausführungen der beiden Verteidiger des Angeklagten bartn, dah neben einer Reihe pro- ze7sua.'er Verstöße gegen die Denkgesetze verstoßen wurde. Das Urteil wäre in Ermangelung einer einwandfreien Feststellung der Lieberlegung im Augenblick der Tat nicht haUbar.
Erster Staatsanwalt Dr. Hauck kam zu dem Ergebnis, dah keine der Prozeßrügen begründet wäre, ebenso verhalte es sich auch in materieller Hinsicht. Das Urteil habe in zureichender Weise begründet, daß die Ueberlegung bei der Ausführung der Lat vorhanden gewesen sei. Die Ausführung der Tat habe sich nicht bloß darauf beschränkt, dah der Angeklagte der Frau Mertens das Gift eingeführt habe. Die Tat habe sich vielmehr noch drei weitere Stunden fortgesetzt, in denen der Angeklagte die Unglückliche durch drei Kliniken verfolgt und die dortigen Aerzte in den irrigen Glauben versetzt habe, es handele sich um eine Geisteskranke, bis diese schließlich auf seinen Einfluß in einer psychiatrischen Heilanstalt anlangte; in der der Mertens nunmehr keine medizinische Hilfe gegen die Strophantinvergifiung habe zuteil werden können. Wenn also nach dem vor- auZgegangenen Streit die Einführung des Giftes wirklich in einem Zustande des Ausschlusses der freien Willensbestimmung, also ohne Ueberlegung, geschehen sein könnte, wofür aber keinerlei Anhaltspunkte vorliegen, so sei eben der Begriff der Ueberlegung dadurch vollauf erfüllt, baß der Angeklagte später, also in diesen drei Stunden, nichts ge - t a n habe, um sein Opfer zu retten. Der erste Strafsenat des Reichsgerichts schloß sich den Ausführungen des Reichsanwalts in vollem Umfange an und verwarfdie Revision als unbegründet. Das Todesurteil ist nunmehr rechtskräftig geworden.
Line Berliner Schute wegen Diphtherie geschloffen.
In der 223. Eemeindeschule, Putbuser Straße 3, find sechs Diphtheritisfälle vorgelom- men, von Lenen drei tödlich verlaufen sind. Da in der Elternschaft große Beunruhigung entstand, sah sich der Rektor gezwungen, die Schule zu schließen. Der Polizeipräsident hat im Einvernehmen mit dem Hauptgesundheitsamt dieser Maßnahme für die Dauer von acht Tagen zugestimmt, um alle Kinder der Schule untersuchen zu lassen.
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'LLcrtervoouussage.
Die nordische Störung hat sich weiter ostwärts verlagert und abgeflacht. Maritime Kaltluft an ihrer Rückseite ist bis nach Deutschland vorgedrungen und verursacht langsame Abkühlung. Wenn auch der hohe Druck im Westen zunächst beruhigend auf die Wetterlage einwirkt und es dabei zur Aufheiterung kommt, so verursachen die Reste der Störung immer noch Bewölkung, wobei auch vereinzelte, jedoch geringe Schauer nicht ausgeschlossen sind. Ein Uebergang zu stabiler und fester Wetterlage scheint immer noch nicht gegeben zu sein, da bereits über Island eine neue Störung herannaht.
Wetteroorausf age für Sonntag. Vorübergehend etwas mehr aufheiternd, aber immer nod) wolkig, nach anfänglich weiterer Abkühlung später wieder milder, keine oder nur ganz vereinzelte schauer.
Wettervoraussage für Montag. Wieder Uebergang zu unbeständigem Wetter mit Zunahme der Nieoerschlagsneigung wahrscheinlich.


