Ausgabe 
12.10.1929
 
Einzelbild herunterladen

Der Bauer und seine Arbeit.

geht.

Seit dem Briefwechsel zwischen dem Reichs­ernährungsminister und den vier Dauernfuh- rern und seit der Tagung des Deutschen Land- wirtschastsrates in Münster hat man von dem Rentabilitätsprogramm für die deutsche Land­wirtschaft nichts mehr gehört. Man weih nicht ob die amtlichen Stellen, wie es die Land­wirtschaft selbstverständlich erwartet, irf aller Stille die notwendigen Maßnahmen zur Durchführung vorbereiten, oder ob die nicht immer eindeutigen Erklärungen des Ernährungs­ministers so verstanden werden sollen, daß das Rcntabilitätsprogramm überhaupt nicht durchgesührt wird. Diese zweite Lesart sollte schon darum unwahrscheinlich sein, weil weder andere entsprechende Pläne bekannt ge­worden sind, noch auch irgendein Versuch zur Widerlegung des Programms gemacht ist. Wie ernst die Dinge in der Landwirtschaft sind, hat in diesen Tagen erneut die Her bst Ver­sammlung der Deutschen Landwirt­schafts-Gesellschaft in Dresden er­wiesen. Dah es sich heute auch in den völlig un­politischen Fachberatungen bis in die kleinste Einzelheit hinein in erster Linie um die Rück­sicht auf die Rentabilität handelt, ist selbstver­ständlich.

Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hat mit ihren Winterversammlungen in Berlin, mit den großen Wanderversammlungen, die in den näch­sten Jahren in Köln, Hannover, Berlin und Mannheim stattfirrden werden, und mit den durch die deutschen Gaue wechselnden Herbstversamm- lungen stets zugleich mit der Steigerung der Erzeugung nach Menge und Qualität die Förderung der Rentabilität im Auge gehabt. Dazu war die DLG. von vorn­herein als Organ der Selbsthilfe der Landwirt­schaft ins Leben gerufen worden, und darin hat

Was geschieht mit dem Reniabiliiäisprogramm der deutschen Landwirtschaft? sie sich in enger Zusammenarbeit mit den an­deren Berufsständen seit viereinhalb Jahrzehn­ten bewährt, wie allein schon ein Blick auf dre Entwicklung der deutschen Agrarerträge seit der Reichsgründung beweist. An der Selbsthilfe in diesem wirtschaftlichen Sinne hat es bei ter Landwirtschaft auch in den letzten Jahren nicht gefehlt: der Wille zur Selbstbehauptung ist auch durch die dreizehn Jahre der Agrarkrise noch nicht gebrochen, so unverkennbar die Zeichen der Verzweiflung und des beginnenden Zusam­menbruchs sind, die in der Statistik als An­wachsen der Zwangsversteigerungen und Zwangs­verwaltungen verzeichnet werden.

Ist so auch die Dresdener Tagung ein Zeugnis von der inneren Fortschrittlichkeit der Land­wirtschaft, so hat sie doch auch noch einmal die Beweise dafür zusammengefaßt, daß a II e in mit der Modernisierung und Tlmstellung der Betriebe, mit der Erzeugung einheitlicher Ware und mit der Organisation des Absatzes die Rentabilität nicht wieder zu erringen ist. Wieweit heute die Landwirtschaft Verlustgeschäft ist, wie un­möglich es ist, eine derart geschwächte Landwirt­schaft ganz aus eigener Kraft zur Rentabilität zu bringen, geht aus der einen einzigen traurigen Zahl hervor, daß nach sorgfältigen Untersuchun­gen in Mittel- und Kleinbetrieben der Bauer heute für die Arbeitsstunde mit einem Cntgeld von 17 Pf. rechnen muß. Welcher andere Berufs­stand wäre bereit, für einen derartigen Lohn jahr­aus, jahrein zu arbeiten? älnd die Landwirtschaft verlangt auch mit dem Rentabilitätsprogramm zunächst nicht mehr, als die Beseitigung der ^Interbilanz, d.h. auf den Bauern be­zogen nicht mehr, als einen Stundenlohn von wenigstens 50 Pf. Das sind die Grundlagen, um die es heute für den Dauern und seine Arbeit

eia Lyndikalsverlrag zwischen den Fabri­kanten und der Deutschen Zündholzoerkaufs-A.-G. Die Hauptursache der schlechten wirtschaftlichen Lage der Zündholzlnduskrie ist die starke Kon kur- r e n 5 ausländischer, insbesondere rus­sischer Zündhölzer. Da eine Wiedergesun- düng der Zllndholzindustrie durch Einführung der freien Wirtschaft schwere Gefahren für die Produk- tion mit sich bringen würde, hat die Reichsregierung erwogen, eine Aenderung auf der Grundlage der Weiterentwicklung der bestehenden Verhält­nisse zu erreichen. Dies würde automatisch auch zu einer Begünstigung der in Deutschland an­sässigen schwedischen Zündholzinduslrie führen. Für die Vorteile, die dadurch für die schwe­dische Industrie erwachsen, wurde von schwedischer Seife eine Anleihe von ungefähr 125 Millionen Dollars angeboten. Es ist selbstverständlich, daß die Bedingungen dieser An­leihe für das Reich annehmbar fein müssen. Vor­läufig ist noch nicht zu übersehen, wie die schwedi­schen Gegenleistungen in direkte Beziehung ge­bracht werden können zu den Leistungen, die das Reich durch die Schaffung ein es Zünd­holzmonopols auf sich nehmen würde. Irgendwelche Forderungen der schwedischen Indu­strie zum Rachteil der deutschen können keinesfalls in Betracht kommen. Das Reich wird die Inter­essen der deutsch en Zündholzindustrie entscheidend in Rechnung stellen, wenn auch wahr­scheinlich infolge der Aenderung der Verhältnisse mit einer Preiserhöhung der Zünd- waren zu rechnen sein wird, so muh dabei berück­sichtigt werden, dah die deutschen Zündholzpreife erheblich unter dem Preis des Aus­landes liegen, und weiter, dah eine Preiser­höhung für den einzelnen Konsumenten sich nur in Pfennigbelrägen auswirken wird. Die Steuerfrage hat bei den Verhandlungen keine be- fonöere Rolle gespielt.

Sevenngs Antwort an den Reichsausschuß.

Die Haussuchungen und Beschlagnahmen.

Berlin, ll.Okt. (WB.) Reichsminister Seve­rin q hat auf das vom Reichsausschuh für das deut­sche Dolsbegehren an ihn gerichtete und durch die Presse veröffentlichte Schreiben folgendes erwidert:

Auf Ihr Schreiben vom heutigen Tage erwidere ich, daß ich einen Auftrag zur Abhal- tung von Haussuchungen und insbe- sonderezurBeschlagnahme von Werbe­material für das Volksbegehren selbstverständ­lichnichterteilt habe. Meine Zuständigkeit beim Verbot des Stahlhelms beschränkt sich auf die Ertei­lung der Zustimmung zu dem Verbot. Das Verbot selbst und die damit zusammenhängenden Maß- nahmen hat entsprechend der geschäftlichen Vertei­lung der Zuständigkeit der Herr preußische Minister des Innern angeordnet und durch die ihm unter­stellten Behörden durchgeführt. Daß der Herr Major a. D. Hei der dem Stahlhelm nicht angehören sollte, nimmt mich besonders deshalb wunder, weil er neben dem Oberst a. D. Exner nach den Fest­stellungen der preußischen Polizei das Manöver g e l e i t e t hat, das den Grund für das Verbot des Stahlhelms in Rheinland und Westfalen gab.

Weitere Einzelheiten der Verbotsdurchführung entziehen sich meiner Kenntnis. Ich mache Sie je­doch daraus aufmerksam, daß bei der Beschlagnahme von Schriftstücken sowohl im gerichtlichen wie im polizeilichen Verfahren die Exekutivbeamten regel­mäßig nicht an Ort und Stelle die einzel­nen Schriftstücke genauer auf ihren Inbalt prüfen, sondern daß diese Prüfung im gerichtlichen Verfab- ren dem Richter, im außerordentlichen Derfay- ren den oberen Dien st st eilen vorbehal- t e n ist. Bei diesem Verfahren, das im Interesie der von der Haussuchung Betroffenen und zur Vermeidung von Indiskretionen an­gewandt wird, kann es nicht ausbleiben, daß neben den gesuchten Schriftstücken auch andere Schrift ft ücke zunächst sichergestellt wer­den, die nach Prüfung, wie im vorliegenden Falle, der Eigentümer alsbald wieder zurückerhält. Ich werde im übrigen Veranlassung nehmen, mich über die Einzelheiten des Falles amtlich unterrichten zu lassen.

Da Sie Ihre Anfrage an mich der Presse xur Verfügung gestellt haben, darf ich anheimstellen, der Oesfentlichkeit auch von dieser Antwort Mit­teilung zu machen."

Rundfunk und Volksbegehren.

Berlin, 11. Okt. (TU.) Der R e i ch s a u s - schuß für das deutsche Volksbegehren teilt mit:

Der Reichsausschuß für das deutsche Volksbegeh­ren hatte sich ansämtlichedeutscheSender mit der Forderung gewandt, Rednern für das Volksbegehren das gleicheRecht wie den Gegnern desselben einzuräumen und ihnen Ge­legenheit zu geben, das Volksbegehren vor den Rundfunkhörern zu begründen. Dieses Verlangen ist von sämtlichen Rundfunksendern zum Teil unter fadenscheinigen Gründen a b g e l e h n t worden, so daß die Anhänger des Volksbegehrens politisch unter Ausnahmerecht gestellt sind. Obgleich die politischen Zwiegespräche im Rund­funk, die die Deutsche Welle veranstaltet, wegen ihrer beschränkten Wirkungsmöglichkeit kein Ersatz für einen grundlegenden Vortrag sind, hat der Reichsausschuß für ein Zwiegespräch mit Professor Georg Bernhard Herrn Dr. Bang angeboten, bet aber ab gelehnt worden ist. Dann habe man Dr. Quaatz zur Verfügung gestellt, der zu einer Vorbesprechung zur Deutschen Welle eingeladen wurde. Dr. Quatz ist dieser Einladung zur ver­abredeten 3 c i t gefolgt. Der Einladende ist aber ntchtanwesend gewesen. Rach diesen Vor­aussetzungen kann dem Reichsausschuß nicht zuge­mutet werden, zu der Frage der Zwiegespräche wei­terhin Stellung zu nehmen, ehe nicht seine Forde- rung erfüllt ist. Der Reichsausschuß fordert m i n - destenseinen Vortrag am Mikrophon, der genau so wie die Reden der Minister auf alle Sender zu übertragen ist. Wird dieser Forderung Genüge geleistet, dann wird der Reichsausschuß der Frage der Zwiegespräche nähertreten, dabei aber verlangen, f c I b ft zu bestimmen, wen er als Redner zu den Zwiegesprächen zu delegieren ge­denkt.

Tntvolltisterung einer Stahlhelmgruppe.

Dessau, ll.Okt. (Priv.-Tel.) Der Stahlhelm Dessau faßte den Beschluß, sich selbst auf* zulösen. An seiner Stelle soll eine Äerrini -

gung ehemaliger Stahlhelmer und Frontsoldaten gegründet werden. Es heißt, die neue Gruppe will frei von aller Po­litik die wirkliche Kameradschaft pflegen.

Böß wird nicht zurückgerufen.

Der Magistrat gegen den Beschluß der Stadtverordnetenversammlung.

Berlin, 12. Okt. (T.-Ll.) Der Magistrat nahm in einer außerordentlichen Sitzung zu dem von der Mehrheit der Stadtverordnetenversamm­lung gefaßten Beschluß Stellung, daß Ober­bürgermeister Böß mit Rücksicht auf die letzte Entwicklung des Sklarekskandals sofort aus Amerika zurückgerufen werden solle, um sich hier zu der Angelegenheit zu äußern. Der Magistrat beschloß, der Forderung der Stadt­verordnetenmehrheit nicht beizutreten, und es ist anzunehmen, dah für diese Stellungnahme die Gründe maßgeblich sind, die Bürgermeister Scholz schon im Stadtparlament dargelegt hat, nämlich, daß durch einen solchen Schritt in Ame­rika für die Stadt Berlin äußerst schädliche Folgen hervorgerufen werden würden. Der Magistrat beschloß lediglich, Ober-, bürgermeister Böß in einem ausführ­lichen Kabeltelegramm von den letzten Ereignissen sowie von dem Beschluß der Stadt­verordnetenversammlung und der ablehnenden Stellung des Magistrats in dieser Angelegenheit in Kenntnis zu sehen.

Oie pelze des Oberbürgermeisters.

Neue Aussagen der Sklareks.

Berlin, ll.Okt. (Wolff.) Zur Klärung der Pelzaffäre wurde eine Angestellte der K. V. G., ein Fräulein B., vernommen. Rach ihrer Aussage hat ihr eines Tages einer der Brü­der Sklarek ein Paket ausgehändigt und sie beauftragt, dieses Paket mit einer Rech- mmg der Frau Oberbürgermeister Böß zuzustellen. Das Paket enthielt den strittigen Pelz. Wie sich Frl. D. erinnern will, hatte ihr einer der Ehefs gesagt, dah der Preis für diesen Pelz dem Ober­bürgermeister mit 400 Mark in Rech­nung zu stellen sei. Das geschah auch. Die Zeugin wußte aber nicht, ob diese Rechnung in­zwischen bezahlt worden ist. Auch andere An­gestellte der K. V. G. sollen diesen Vorgang ken- nen und ebenfalls zu seiner völligen Klärung vernommen werden.

Die Sklareks erklärten ihrem Verteidiger, dah es sich um zwei verschiedene Geschäfte handele. Die P e l z j a ck e, die im Kabel des Oberbürgermeisters erwähnt werde, habe der Oberbürgermeister für sich selbst bestellt. Der Pelzmantel hingegen, der für die Frau des Oberbürgermeisters bestellt wurde, sei von den Sklareks mit 4000 Mk. bewertet worden und der Oberbürgermeister habe diese 4000 Mk. restlos bezahlt. Wie der Sekretär Lehmann zu seiner Behauptung, dah der Frau Oberbürgermeister Döh eine Rechnung von 400 Mk. zugegangen sei, kommen konnte, sei ihnen vollkommen un­erklärlich. In der Frage der Pelzjoppe habe der Oberbürgermeister sich tatsächlich so verhalten, wie er gekabelt habe.

Schwere Beschuldigungen gegen die Stadtbankdirektoren

Berlin, 11. Okt. (TTl.) Am Freitag hat der Sklareksche Buchhalter Lehmann seinem Ver­teidiger Rechtsanwalt Dr. Puppe Mitteilungen gemacht, die sowohl vom Dernehmungsrichter als auch von Oberregierungsrat Tapolski sofort nach­geprüft werden sollen. Lehmann hat seinem An­walt erklärt, dah die leitenden Beamten der Stadtbank seit Jahren von den Gebrüdern Sklarek ihre Anzüge, Mäntel u s w. e r ha l t e n hätten, dah aber die Sklareks weder Rechnung gesandt, noch eine Bezahlung für die gelie­ferten Waren erhalten hätten. Er als Buchhalter habe niemals einen Zahlungseingang der drei leitenden Beamten der Stadtbank sest- stellen können. Man wird in Moabit diese Be­hauptungen auf das sorgfältigste nachprüfen. I Sollten sich die Aussagen Lehmanns als wahr erweisen, so wäre die Staatsanwaltschaft ge- 1 nötigt. gegen Schmitt, Hoffmann und Schroder

ein Verfahren wegen Bestechung ein­zuleiten.

Willi und Max Sklarek sind am Freitag kurz verhört worden, und haben bei dieser Gelegenheit erklärt, dah sie den Beweis für ihre Behaupt tung antreten könnten, dah ihnen seitens der Stadtbank selb st die Einreichung von Rechnungen, für die noch keine Ware geliefert worden sei, anheim­gestellt worden wäre, damit der Geschäftsbe­trieb der KVG. aufrechterhalten bleibe. Für diese Behauptung sollen sowohl die Direktoren der Stadtbank wie Angestellte der Firma Sklarek benannt werden.

Wie der Amtl. Preuh. Pressedienst mitteilt, hat der Oberpräsident das förmliche Disziplinarverfahren gegen die Stadt­bankdirektoren Schmitt und Hoffmann so­wie den Abteilungsleiter Schröder mit dem Ziel auf Amtsenthebung eröffnet. Gleich­zeitig hat er die Amtssuspension dieser drei Be­amten ausgesprochen.

Oie Sklareks und die Kote Hilfe.

Berlin, 12. Oktober. (Wolff.- DieRote Fahne" versichert, dah die Behauptung, die Rote Hilfe habe von den Sklareks finanzielle Unter ft üftungen bezogen, eine scham­lose Unterstellung fei. DasB. T." erfährt hierzu abfolut zuverlässig, dah die tatsächlichen Beziehungen zwischen den Sklareks und der Roten Hilfe noch viel weiter gegangen find. Die Sklareks haben, wie einer der drei Sklareks heute bei der Vernehmung angegeben hat, der Rhten Hilfe mehrere Jahre hindurch am Abschluß jeder Saison die gesamten Re st bestände ihres Lagers, soweit sie nicht mehr modern waren, der letzten Mode entsprachen, ohne jegliche Gegenlei­stung übermacht. Diese an die Rote Hilfe geschenkten Restbestände des Lagers präsentierten in jedem Jahre einen Wert, der weit über 10 000 Mark gelegen hat.

polnische Schikanen gegen die deutschen Minderheiten.

Haussuchungen bei deutschen Pfadfindern in Pommerellen.

Bromberg, 11. Okl. (Priv.Tel.) Am Mittwoch­abend wurden im ehemaligen preuhischen Gebiet der Provinz Posen Haussuchungen bei Pfadfindern beiderlei Geschlechts durchgeführt, denen zur Last gelegt wird, an einem angeb­lichenmilitärischen Ausbildungs­kongreß" in Lharlottenburg t e i I ge­nommen und dort schriftliche Instruktionen für ihre Tätigkeit auf polnischem Gebiete erhalten zu haben. Bei den Haussuchungen konnten n u r P f a d- finder- und andere Jugendschriften beschlagnahmt werden. 3m Zusammenhang mit diesen Haussuchungen wurden in Bromberg, Graudenz, Thom und üonih zahlreiche Pfadfinder verhaftet, darunter der Leiter der Bewegung, der frühere Lehrer Friß Mielke aus Bromberg, der außerdem beschuldigt wird, an einem Sportkursus der Hochschule für Lei­besübungen in Berlin teilgenommen zu haben. Die Mehrzahl der erhafteten, bei denen es sich durchweg um kaufmännische und Handels- lehrlinge handelt, ist bereits wieder ent­lassen worden.

wie festgestellt werden konnte, haben die Pfadfin- der an dem Bundestreffen der deut­schen Pfadfinder in Kahnsdorf am Seddiner See bei Potsdam teilgenommen. Solche Zusammen- fünfte sind bekanntlich internationaler Brauch, und dementsprechend wurde auch seiner- zeit von deutscher Seife den polnischen Pfad­findern in Westfalen die Teilnahme an einem Bundestreffen in Polen ohne weiteres ge­nehmigt. Das Vorgehen der polnischen Behörden hat in ganz Pommerellen starke Erbitterung bei der deutschen Minderheit ausgelöst.

Oie Zeppelinbesatzung gegen eine Polarfahrt.

Friedrichshafen, ll.Okt. Lapitön Leh­mann teilt auf Anfrage mit, daß damit gerechnet werden müsse, daß Las LuftschiffGraf AeppLn"

im Frühjahr 1930 die Polarfahrt nicht antreten wird, da der größte Teil der aus 40 Mann bestehen­den Besatzung des Luftschiffes die größten Bedenken gegen eine Polarfahrt ge­äußert hat. Die meisten Besatzungsmitglieder fpra» chcn die Befürchtung aus, daß bei unglücklichen Zwischenfällen während der Polarfahrt das Luft­schiff verloren gehen könnte, und die Besatzung dadurch ihre Tätigkeit und ihren Beruf verlieren würde. Der grüßte Teil der Besatzung äußerte gegenüber Kapitän Lehmann, daß, solange nur e i n Zeppelin-Luftschiff in Friedrichshafe zur Verfügung stünde, derGraf Zeppelin" n u zu den Aufgaben herangezogen werden sollte, für die er u r s p r ü n g l i ch b e st i m m t war, und daß das Luftschiff nicht für Polarflüge aufs Spiel gesetzt werden dürfte. Sobald zwei Luftschiffe vorhanden feien, wäre die Mann­schaft ohne weiteres bereit, sich an einer Polarexpedition zu beteiligen.

Aus aller Welt.

Das Reichsgericht bestätigt das Todesurteil im Donner Giftmordprozeh.-

Am 18. Juni. d. I. wurde vom Schwurgericht Bonn auf Grund Indizienbeweise ter prak­tische Arzt Dr. Richter aus Dingen wegen Mordes an seiner Geliebten zum Tode ver­urteilt. In der Revisionsverhandlung vor dem Ersten Strafsenat des Reichsgerichts gipfelten d>ie Ausführungen der beiden Verteidiger des Angeklagten bartn, dah neben einer Reihe pro- ze7sua.'er Verstöße gegen die Denkgesetze ver­stoßen wurde. Das Urteil wäre in Ermangelung einer einwandfreien Feststellung der Lieber­legung im Augenblick der Tat nicht haUbar.

Erster Staatsanwalt Dr. Hauck kam zu dem Ergebnis, dah keine der Prozeßrügen begründet wäre, ebenso verhalte es sich auch in materieller Hinsicht. Das Urteil habe in zureichender Weise begründet, daß die Ueberlegung bei der Ausführung der Lat vorhanden ge­wesen sei. Die Ausführung der Tat habe sich nicht bloß darauf beschränkt, dah der Angeklagte der Frau Mertens das Gift eingeführt habe. Die Tat habe sich vielmehr noch drei wei­tere Stunden fortgesetzt, in denen der Angeklagte die Unglückliche durch drei Kliniken verfolgt und die dortigen Aerzte in den irrigen Glauben versetzt habe, es handele sich um eine Geisteskranke, bis diese schließlich auf seinen Ein­fluß in einer psychiatrischen Heilanstalt anlangte; in der der Mertens nunmehr keine medizinische Hilfe gegen die Strophantinvergifiung habe zu­teil werden können. Wenn also nach dem vor- auZgegangenen Streit die Einführung des Giftes wirklich in einem Zustande des Aus­schlusses der freien Willensbestimmung, also ohne Ueberlegung, geschehen sein könnte, wo­für aber keinerlei Anhaltspunkte vor­liegen, so sei eben der Begriff der Ueberlegung dadurch vollauf erfüllt, baß der Angeklagte später, also in diesen drei Stunden, nichts ge - t a n habe, um sein Opfer zu retten. Der erste Strafsenat des Reichsgerichts schloß sich den Aus­führungen des Reichsanwalts in vollem Umfange an und verwarfdie Revision als unbegründet. Das Todesurteil ist nunmehr rechtskräftig geworden.

Line Berliner Schute wegen Diphtherie geschloffen.

In der 223. Eemeindeschule, Putbuser Straße 3, find sechs Diphtheritisfälle vorgelom- men, von Lenen drei tödlich verlaufen sind. Da in der Elternschaft große Beunruhigung entstand, sah sich der Rektor gezwungen, die Schule zu schließen. Der Polizeipräsident hat im Einvernehmen mit dem Hauptgesundheits­amt dieser Maßnahme für die Dauer von acht Tagen zugestimmt, um alle Kinder der Schule untersuchen zu lassen.

Jngft

!ydl$f

AMrdtl

franitf.

Ktocent

freitaa.

H.Oktob. 1929 7" <3Dds.

Oie Weiisrlaae.

<pwoixentoj. oneuer. <>naiD bedecm^ woucig. o oeaecKi erreget * Schnee aQraupein. - MeDei K Gewitter.(§)Wind$!ilie..o sehr «lenter Ost .£ -nissiger Südsüdwest q sturmiscno tordwesl oie Pfene fliegen mn dem winde. Die oeiden Stationen stenenden Zah­len geoen die Temperatur an. Die timen veromdeo Orte mit gleichen^ l Meeresniveau umaercctinelen UifldrucK

'LLcrtervoouussage.

Die nordische Störung hat sich weiter ostwärts verlagert und abgeflacht. Maritime Kaltluft an ihrer Rückseite ist bis nach Deutschland vorgedrungen und verursacht langsame Abkühlung. Wenn auch der hohe Druck im Westen zunächst beruhigend auf die Wetter­lage einwirkt und es dabei zur Aufheiterung kommt, so verursachen die Reste der Störung immer noch Bewölkung, wobei auch vereinzelte, jedoch geringe Schauer nicht ausgeschlossen sind. Ein Uebergang zu stabiler und fester Wetterlage scheint immer noch nicht gegeben zu sein, da bereits über Island eine neue Störung herannaht.

Wetteroorausf age für Sonntag. Vorübergehend etwas mehr aufheiternd, aber immer nod) wolkig, nach anfänglich weiterer Abkühlung später wieder milder, keine oder nur ganz vereinzelte schauer.

Wettervoraussage für Montag. Wieder Uebergang zu unbeständigem Wetter mit Zunahme der Nieoerschlagsneigung wahrscheinlich.