Ausgabe 
12.9.1929
 
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Nr. 214 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Donnerstag, 12. September 1929

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Dr. Friede Will;. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein unö- für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Die Aufklärung der Bomöenaiieuiais.

Der Augriff der Polizei. Oie Verhaftungen in Berlin und Holstein. Kurz vor einem neuen Anschlag festgenommen.

Die Verhaftungen in Holstein.

Herstellung und Transport der Bomben.

DieLandvolkbcwcgung".

Hamburg, 11. Sept. (Wolff.) Nach den ersten drei Attentaten richtete sich der Verdacht gegen einen bestimmten Personen­kreis, der auch bei der Ermordung Nathe- naus und bei dem Anschlagsversuch auf Seve- ring die Hand im Spiele hatte. Es wurden alle Sprengstücke gesammelt und die fraglichen Per­sonen genau beobachtet. Aber nicht nur die Personen wurden überwacht, sondern auch die Landstraßen und Wege, hauptsächlich die Einmündungsstraßen von und nach Altona. Die ständige Ueberwachung der Automobile wurde beinahe schon zur Plage. -Zuerst wurden die Wagen im geheimen überwacht, d. h. Beamte schrieben die Nummern auf, während die Wagen vorüberfuhren. Dies ging aber auf die Dauer nicht, denn viele Wagen fuhren ein so schnelles Tempo, daß die Nummern nicht genau ersichtlich waren. Darauf wurden die Straßen durch die beiannten rot-weißen Pfähle verbaut, um Pflasterarbeiten vorzutäuschen. Die vorüberfah­renden Wagen waren auf diese Weife gezwun­gen, langsam zu fahren, wodurch es möglich wurde, alle Nummern zu notieren. So konnte man beobachten, daß immer wieder d ie gleichen Wagen vvrüberfuhren, wenn irgendwo ein Attentat erfolgt war. Der Kreis der verdächtigen Wagen und Personen verdich­tete sich immer mehr,

hauptsächlich dec Wagen IP 35 088 erregte den verdacht der Ueberwachungsbehörden. Ls wurde festgeftellt, daß der Wagen mit einem ver­dächtigen Gegenstand nach dem letzten Attentat

in Lüneburg nach Heide unterwegs sei.

Ein Beamter nahm auf einem Motorrade die Verfolgung auf, doch entschwand der Wagen den Blicken des Verfolgers, der durch eine Panne an der Weiterfahrt gehindert wurde.

Am Dienstagfrüh erhielt das Polizeipräsidium die Meldung, daß der verdächtige Wagen in Krempe stehen sollte. Es wurde Befehl erteilt, daß die Insassen verhaftet werden sollten. Als Insasse konnte der angeblich ehemalige Polizei- Hauptmann Hans Friedrich N i ck e l ermittelt wer­den. Nickel war aber nach Hamburg gefahren und hatte den Wagen in Krempe stehen lassen. Die Nachforschungen in Hamburg ergaben, daß Nickel den verdächtigen Gegen st and mit nach Hamburg genommen hatte und bei dem Bankbeamten Karl Albert P ü n j e r abgegeben hatte.

Die Polizei erschien nun überraschend bei Pünjer und sand im Bücherschrank eine völlig betriebs­fertige Bombe, wie sie ähnlich auch bei den letzten Anschlägen Verwendung gefunden hatte. Bei seiner Rückkehr nach Krempe wurde Nickel verhaftet und gab auch zu, das verdächtige Paket die Höllenmaschine bei Pünjer abge­geben zu haben. Nickel ist 1890 in Westholstein ge­boren, war Supernumerar in Kiel und ohne festen Wohnsitz. Ob er Polizeihauptmann war, soll nach­geprüft werden. Er wohnte zuletzt bei seiner Mut­ter in Heide. Selbstverständlich wurde auch Pünjer verhaftet. Es konnte festgestellt werden, daß Nickel sehr oft in der Redaktion desLand­volk" in Itzehoe verkehrte.

Nun wurden auch hier Nachforschungen ange- stcllt, die zu dem Ergebnis führten, daß der Haupt­schriftleiter Bruno v. Salomon, der Syndi­kus Guido W e s ch k e , der Korrektor Wilhelm D a m m a n d und der Redakteur Johann Kühl verhaftet wurden. Diese Inhaftierten find der poli­tischen Polizei keine Unbekannte, denn Dammand war derjenige, der bereits wegen des Hohenweste.)er Attentats verhaftet worden war, aber wieder frei- gelassen wurde. Außerdem wurden noch der angeb­liche Uhrmacher Hans P l e n , der in Wirklichkeit Gold- und Silberarbeiter ist, verhaftet.

Ls konnte feslgeslelll werden, daß Plen off und sehr geschickt bastelte, so daß der verdacht be­gründet erschien, daß er die Höllenmaschine sertiggestellt hak.

Ein gewisser Herbert Volk konnte leider nicht verhaftet werden, weil er sich im Auslande aufhält, doch wird das Ausland ihn wahrschein­lich ausliefern, denn fein Aufenthaltsort ist be­kannt. Er hielt sich bei feinen Verwandten in Nonne in der Nähe von Lüneburg auf, bei denen be i einer Haussuchung meh­rere Handgranaten gefunden wurden. Heute morgen wurde noch der Landwirt Klaus Heim aus St. Annen verhaftet. Heim hatte den Fordwagen gefahren, den Nickel benutzte. Die Bomben wurden von FaU zu Fall immer besser, so daß Wohl angenommen werden kann, daß infolge der intensiven Be­richterstattung in den Zeitungen die Attentäter auf Fehler in der Herstellung auf­merksam gemacht wurden. Während zuerst eine Margarinekiste Verwendung fand, nahmen die Täter später Zigarrenkisten, die sie mit großer Sorgfalt herrichteten. Gesucht wird noch der Fahnenträger aus Neumünster, namens M u t h m a n n , der auf einen anderen Namen (Drangfeld)auf Reisen" gegangen ist. Auch

der bekannte Landvolkführer aus Neumünster, Hamkens, wird in dieser Sache gesucht und seine Verhaftung dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Natürlich ist es nicht aus­geschlossen, daß es an einigen Stellen noch knal­len wird; doch

die Spitze der Affenfäfer scheint bereits verhaftet zu sein.

Es ließ sich nicht vermeiden, daß die Verhafteten in Fesseln nach Altona gebracht wurden, denn ein Fluchtversuch lag sehr im Bereich der Möglichkeit. Die meisten festgenommenen Personen stehen der sogenannten Landvolkbewegung nahe, die in keiner Verbindung zu der christlich­nationalen Bauern- und Landvolk­partei unter Führung des Vorsitzenden des Ver­bandes der preußischen Landgemeinden Landrat a. D. Dr. Gerecke steht. Es handelt sich vielmehr anscheinend um die Kreise, die dem wegen Auf­ruhrs bereits vorbestraften Landvolkführer Hof­besitzer Hamkens (Tetenbüll) Gefolgschaft leisten.

Die unter dem Verdacht der Beteiligung an den Bombenattentaten festgenommenen Prsonen, zu de­nen noch ein Kaufmann Johnsen hinzugekom- men ist, b e ft reiten mit Ausnahme des verhaf­teten Nickel, der den Transport einer Bombe nach Hamburg zugegeben hat, sämtlich die ihnen zur Last

Berlin, 11. Sept. (Priv.Tel.) Schon nach dem ersten Attentat in Lüneburg hat die preußische Po­lizei, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, sofort dieverfolgungeinheitlichorgani- fiert und den Berliner firiminalpoNzeirctt Weihet nach dort geschickt. Bei dem (leinen fi trete der Attentäter war mit den üblichen Mitteln nichts zu erreichen. Die Zusammenarbeit der preußischen Polizei mit der Hamburger und der Mecklenburger Polizei war geradezu vollendet. Mit dem Zugriss muhte aber gewartet werden, bis d i e Be­weise schlüssig waren. Die Polizei wußte, daß Nickel imBesih einer neuenBombe war, die er an Schrader abgab. hier wurde sie beschlagnahmt. Ls ist eine sehr technisch voll­endet gearbeitete Bombe. In Berlin stehen mit der Angelegenheit zwei kreise in Verbindung. Der eine ist der von Techow, der andere ist ein kreis, von dem man weiß, daß durch ihn Unterricht in der Behandlung von Sprengstoffen erteilt wurde. Ob dieser Unterricht ;um Zweck der gegenwärtigen Attentate erteilt wurde, steht noch nicht fest. Lin Teil der verhafteten gehört der früheren Organisation Konsul an. Ob Ehrhardt mit den Dingen im Zusammenhang steht, dafür sind keinerlei Unterlagen vorhanden.

Wie der Polizeipräsident weiter mitteilt, wurden die feftgenommenen Personen im Lause de» Tages vernommen. Dabei stellten sowohl die zur Gruppe Salomon wie auch die zur Gruppe Timm ge­hörenden Personen jede Verbindung mit den Atten­taten in Abrede. Durch das beschlagnahmte umfang­reiche Schriftmaterial und auch durch Zeugenaus­sagen ist jedoch schon einwandfrei festgestellt, daß die zur Gruppe Salomon gehörenden Festgenomme­nen in eng ft er Verbindung mit den in Hol­stein festgenommenen Personen standen.

Bei den zur Gruppe Timm gehörenden Per­sonen ist festgeftellt worden, daß noch in letzter Zeit in der Wohnung des Timm versuche mit Spreng ft offen, Sprengwasser (Pykrin), Tränengas und Nilroglyyzexin angeffeUt worden sind. Die Chemikalien stammten von dem festgenommenen ehemaligen Feuerwerker W i l s k e, dessen Wohnung in der Bode-Straße in Neukölln ein vollständiges Laboratorium darstellt, dessen Ein­richtung und Bestände zur Zeit von einem Sach­verständigen eingehend untersucht werden. 3n die­sem Laboratorium Wilskes, der sich Laborant nennt, sind praktische versuche zur Her­st e 11 u n g von Sprengkörpern vorgenom­men worden. Der ebenfalls zu dieser Gruppe ge­hörende feftgenommene Schlosser Roßteutscher war früher Mitglied des Ausschusses für die Orga­nisation öffentlicher Kundgebungen, derSportab­teilung" der NSDAP.» und ist zur Zeit Vorsitzen­der der Ortsgruppe Berlin des Bundes der Freunde Schlageters. Die ganze Gruppe Timm ist noch e i n Ueberbteibf el der ehemaligen Spreng- und Sabotageabteilung Hanen st ein, die von ihrer Tätigkeit in Oberschlesien und im Ruhrgebiet bekannt ist, und in der die Personen um Timm eine Arbeitsgemeinschaft bildeten.

In einem LafL in der Leipziger Straße (es han­delt sich um das bekannte Lase hlllbrlch. D. Red.) wurden heute um 15.50 Uhr der 25jährige Ver­treter horst v. Salomon, der 27jährige Kurt Hein; v. winters et dt und der 29jährige Flugzeugführer Willy Lichter feftgenommen,

gelegten Handlungen. Die in Itzehoe Verhafteten sind sämtlich streng getrennt in Polizeiautos nach Hamburg transportiert und in Einzel­zellen untergebracht worden. In verschiedenen Fäl­len sind bei ihnen falsche Passe oorgefunden worden. Zur Zeit ist man mit der Sichtung der in der Redaktion desLandvolks" in Itzehoe beschlag­nahmten Schriften beschäftigt.

Die Verhaftung des langjährigen Landbund­führers Weschke hat in den Kreisen der Land­wirtschaft eine Sensation hervorgerufen. Der Land­bund s e l b st hat sofort eine Erklärung heraus­gegeben, in der er von Weschke abrüdt und feststellt, daß dieser seit einiger Zeit nicht mehr Geschäftsführer des Landbun­des fei.

Oie Landvolksührer in Schlesien verhaftet.

Berlin, 11. Sept. In Verbindung mit den Si­stierungen in Hamburg und Berlin sind in der Nähe von Breslau noch zwei weitere Per­sonen festgenommen worden, und zwar handelt es sich um den bekannten Landvolkführer Hamkens, der sich auf einer Agitationsreise durch Schlesien befand, und den Geschäftsführer Muthmann, der Hamkens begleitete.

weil sie sich in verdächtiger Welfe über die Bomben* attentäfer unterhielten. Sie wurden der Abteilung la des Polizeipräsidiums zugesührt. Wegen Verdachts der Beteiligung an den Bombenatientaten wurden in Berlin ferner noch festgenommen: der Inhaber eines Türschtteßergefthüfts, Georg K ruf chk-1 aus der Görliher Straße, der zum fireife Salomon ge­hört, und ein ehemaliger Feuerwerker Wilske aus der Florastrahe aus Neukölln, der zum fireife Timm gehört. Bei den in Berlin festgenommenen Personen wurde schriftliches Material vorgefunden, das auf eine enge Verbindung mit Ernst v. Salomon, Techow und Laß sowie mit Bruno v. Salomon und demLandvolk"-Krels schließen läßt.

Nie Verhafteten Techow, Salomon und Laß.

Berlin, 11. Sept. (WTB.) Lieber Hans Gert Techow ist noch zu berichten, daß er im Zusammenhang mit der Ermor­dung Rathenaus vom Staatsgerichtshvf z u vier Jahren und einem Monat Ge­fängnis verurteilt wurde, und zwar we­gen Beihilfe. Sein Bruder Werner verbüßt augenblicklich die 15jährige Zuchthausstrafe, zu der er als Führer des Mordautos ver­urteilt worden war. 3m 3ahre 1927 gehörte Hans Gert Techow $u dem Kreis um Ehr­hardt, gegen den ein Verfahren wegen Fort­setzung des verbotenen Wikingbundes eingelei­tet war. Das Verfahren ist aber infolge der Am­nestie von 1928 eingestellt worden. Lieber Ernst v. Salomon wird noch bekannt, daß er von Beruf Schriftsteller, in Kiel geboren und 27 3ahre alt ist. Er hatte in Berlin drei Woh­nungen. Werner Laß, ebenfalls 27 Fahre alt, stand früher Roßbach nahe, bekämpfte ihn aber später. Er ist Führer der Freischar Schill, deren tätiger Mitarbeiter der Hans Gert Te - chvw ist.

Nr. Galmgsr.

Eine vielseitige Persönlichkeit.

Berlin, 12. Sept. (Wolfs.) Recht eigenartig sind die Laufbahn und die politische Tätigkeit des in Berlin verhafteten Dr. S a l i n g e r. Er hat wie­derholt seinen Beruf gewechselt, war eine Zeitlang Angestellter einer holländischen Luftverkehrsgesell­schaft, dann Redakteur derIndustrie- und Han­delszeitung" und zuletzt Syndikus des Zentral­verbandes der Blech-, Metall-, Elfen- und Stahl- warenindustrie. Neben dieser geschäftlichen Tätig­keit hatte er politische Ambitionen und veranstaltete in seiner Wohnung in Wilmersdorf an jedem Frei­tag politische Diskusslonsabende, zu denen Angehörige der verschiedensten politischen La­ger, insbesondere aber der radikalen Grup­pen erschienen, und zwar sowohl völkischer wie bolschewistischer Kreise. So verkehr­ten bei Dr. Solinger zwei leitende Persönlichkeiten der russischen Handelsvertretung in Berlin. Auch der Schriftsteller Arnold Bron­nen gehörte zu diesem Kreise, in dem er vielleicht Inspirationen zu seinem Roman über die ober- schlesischen Kämpfe erhalten hat. Auf neutrale Teil­nehmer dieser Diskussionsabende habe Dr. (Solinger den Eindruck gemacht, als ob er eher ein Verfech­ter linksradikaler Ideen als ein Anhänger von rechtsradikalen Kreisen sei. Nach derVoss. 3tg." wurden in der Wohnung von Dr. Solinger Teile von Höllenmaschinen, Sprengstoff, Pläne zur Herstellung von Bomben und zahlreiche

Pläne von öffentlichen Gebäuden ge« fanden. Die Wohnung des Dr. Solinger soll das Zentrum der Berliner Organisation C gewesen sein, in der die Attentäter alle Vorbereitun­gen zu ihren Anschlägen trafen. Aus den Funden soll hervorgehen, daß sie in allernächster Zeit e i n neues Attentat, und zwar in Berlin, geplant hätten. Welches Gebäude sie in Aussicht ge­nommen hatten, läßt sich nicht erkennen, da die Zahl der Vorgefundenen Pläne zu groß ist und keiner von ihnen besonders gekennzeichnet war.

Aussagen der Verhafteten.

Ernst von Salomon und Dr. Lalinger bestreiten jede Mitwissenschaft.

Berlin, 11. Sept. (TU.) Nachdem die Haus­suchungen heute vormittag abgeschlossen waren, wurde in den T^chmittagsstunden mit dem Ver­hör der ye ft genommenen begonnen. Ernst von Salomon erklärte, daß er an den Anschlägen in keiner Weise beteiligt gewesen sei. Er habe sich ausschließlich mit schriftstellerischen Arbeiten be­faßt und augenblicklich sei er an der Fer­tigstellung eines Romans gewesn. Wegen finanzieller Schwierigkeiten habe er im August seine Wohnung aufgeben müssen und dann eine Zeitlang, etwa drei Wochen, bei seinem Freunde Dr. Salinger Untcrfunft ge­funden. Als er schließlich in den ersten Segen des Monats wieder zu etwas Geld kam, habe er sich die Wohnung in der Darmstädter Straße gemietet. Mit seinem Bruder, dem Redakteur desLandvolk", will er zwar in reger Korre­spondenz gestanden haben, doch über die poli­tische Tätigkeit Bruno von Salomons und haupt­sächlich über feine angebliche Mitwirkung an den Bombenanschlägen nicht informiert ge­wesen sein.

Auch.Dr. S^jin-e^ bsstreit^ ent­schieden jede Anteilnahme an den Attentaten. Er gibt zu, mit Herrn von Salomon befreundet ge­wesen zu fein, da er Herrn von Salomon toeg. n feiner schriftstellerischen Begabung schätzte. Er behauptet auch, keineswegs radikaler Ueberzeu- gung zu fein und will wiederholt versucht haben, auch Emst von Salomon von seinen politischen Ansichten abzubringen.

Haussuchung im Bureau Ehrhardt.

Berlin, 11. Sept. (WB.) In Verbindung mit den Untersuchungen der Sprengstoffattentate sollte heute vormittag das Bureau Eh r h a r d t in der Lützowstraße, das von früheren Mitgliedern der Organisation Konsul geleitet wird, einer Durch­suchung unterzogen werden. Als die Beamten der Polizei erschienen, war aber noch niemand im Bureau anwesend, so daß sich die Haussuchung verzögerte, bis gegen Mittag die Sekretärin, Sonja Lankes, eintraf. Die Beamten der Abteilung la des Polizeipräsidiums beschlagnahmten nunmehr das gesamte schriftliche Material und nahmen Frl. Santes fest, die nach etwa einstündigem Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.

Berliner Blatter

zu den Verhafiungen.

Berlin, 12. Sept. (Priv.-Tel.) Zu den Ver­haftungen im Zusammenhang mit den vielen Bombenanschlägen der letzten Zeit erklärt die G e r m a n i a, das Berliner Zcntrumsblgtt: Wie von Anfang an in der Oefsentlichkeit ver­mutet, handelt es sich um rechtsradikale Ele­mente, Revolutionäre von Beruf. Ge­gen diesen politischen Nihllismus muß der Staat, muß jeder Staat, der sich nicht selbst aufgeben will, mit aller Schärfe und mit exem­plarischen Strafen vorgehen. Vor allem gilt es auch, die Fäden, die zu etwaigen poli­tischen Hintermännern führen, rüctsichts- los aufzudecken. 3edenfalls erscheint die sog. Landvolk"-Bewegung durch die bisherigen Ver­lautbarungen schwer kompromittiert. Nichts könnte der Landbevöllerung mehr schaden, nichts wäre mehr dazu geeignet, das ehrliche Ringen der Landwirtschaft mit ihrer schweren materiellen Lage zur Aussichtslosigkeit au verurteilen, als wenn in den anderen Schichten des deutschen Volkes der Glaube aufkommen würde, daß der politische Radikalismus und Anarchismus in der Landbevölkerung feine Stühe findet.

3n der demokratischenVossischen Zei­tung" heißt es:Was bisher nur als begrün­deter Verdacht ausgesprochen werden konnte, ist durch die Verhaftungen in weitestem Umfange bestätigt: Es sind rechtsradikale Elemente, die Bomben fabriziert und zur Implosion gebracht haben. Die deutschnationale Partei läuft Gefahr, mit der moralischen Mitverantwortung für die nihilistischen Methoden im politischen Kampf be­lastet zu werden, wenn sie nicht einen deut­lichen Trennungsstrich zwischen sich und jenen extremen Gruppen, aus denen die Ur­heber der Bombenattentate stammen, zieht.

3m ebenfalls demokratischenBerliner Tageblatt" wird gesagt: (Die Methoden der Verhetzung und Verfälschung, mit denen die na­tionalsozialistische Propaganda und ein Teil der deutschnationalen Propaganda arbeitet, sind mo- rallsch mitschuldig an den Kriminalverbrechen.

Die Ermittelungen in Berlin.

Oer Kreis der Organisation Konsul. Haussuchung bei Ehrhardt.