9. Gau- und Hess. AngefMentag des GDA.
WSR. Darmstadt, 9. 3unl Der Gau Hessen des Gewerkschaftsbundes der Angestellten, in dem der Dolksstaat Hessen und die Provinz Hessen-Aassau zusammengefastt sind, hielt am Samstag und Sonntag in Darmstadt seinen diesjährigen 9. Gau - und hessischen Angestellten tag ab. Der eigentliche Gautag begann Samstagnachmittag und war mit internen Angelegenheiten ausgefüllt. 11. a. wurde der bisherige Dorstand wiedergewählt. Am Abend fand eine große Angestelltenkund- gebung im Festsaal des Städtischen Saalbaues statt. Aach Musikvorträgen begrüßte der Gau- Vorsteher Aeubert (Frankfurt) die Festversammlung und die Ehrengäste, unter diesen Minister für Arbeit und Wirtschaft K o r e l l, Oberbürgermeister Mueller, Direktor 3 ö ck e l vom Ar^itSamt, die Vertreter des Arbeitsgerichts Darmstadt, der Derufsberatungsstellen, der politischen Parteien und besonders der Aachbargaue deS GDA. Max Rössiger (Berlin), Mitglied des Aeichswirtschaftsrates und des Bundesvorstandes des GDA., hielt darauf einen Vortrag über das Thema „Sozialpolitik— Wirtschaftsantrieb oder Wirtschaftshem- muna?" Der Redner wies in seinem Vortrag darauf hin, daß die moderne Sozialpolitik nichts weiter sei als pflegliche Behandlung des wertvollsten Volksgutes, nämlich der Arbeitskraft. Er kam aus dem Gesichtswinkel des Gewerkschaftlers heraus zu der Schlußfolgerung, daß die Sozialpolitik nicht Wirtschaftshemmung, sondern Wirtschaftsantrieb sei. Minister K o - teil als Vertreter der hessischen Staatsregierung und Oberbürgermeister Mueller (Darmstadt) hielten darauf kurze Begrüßungsansprachen. Die geschäftlichen Verhandlungen des Gautagcs gingen am Sonntagvormittag weiter. Am Rachmittag fand eine Frauentagung statt, auf der Maria Riegel (Berlin) über „die Stellung der Frau in der berufsmäßigen Organisation" sprach. Außerdem hatten die Reisenden und Vertreter eine Sondertagung, in der Derufsfragen behandelt wurden. Der Aach- mittag und 2lbend war mit geselligen Veranstaltungen ausgefüllt.
Aus der provinzialhauptstadt,
Gießen, den 12. 3uni 1929.
Morgen.
Ein eigenartig geheimnisvolles Wort, dieses .Morgen". Verheißungen, Hoffnungen, Befürchtungen liegen darin. Die unlösbare Frage stellt es: Was gibt es mir? Vortastend greift der Gedanke nach ihm hin, malt sich willkürlich aus, was den Wünschen des Augenblicks entspricht, und dann steht oft die zur Gegenwart gewordene Zukunft genau so grau und nichtssagend vor einem, wie eS das Gestern getan. Es ist, wie wenn wir stets mit einem Fuße schon im Morgen stünden, aber nur Täuschung ist es. 3*mmec hat uns nur die Gegenwart völlig, und was das Morgen verspricht und was wir uns von ihm versprechen, wird tausendmal durchkreuzt und berichtigt. Genaue Berechnungen stellen wir an, regen die Hände, daß das Morgen genau das sck^nke, daS wir von ihm begehren, und dann steht es hohnlachend vor unS und bietet etwas ganz anderes, statt der Märchenschähe Richtigkeiten, statt der blinkenden 3uwelen glückgesättigter Stunden graue Steine des Alltags an.
Es kann natürlich auch anders sein. Aus dem Blauen fällt uns ein Unerwartetes zu, das
tW um Wuor.
Roman von Senia Reckel.
Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.
(Schluß.)
Und der kleine 3immh, dem eben 100 000 Dollar in den Schoß gefallen waren, wurde ganz traurig.
Kaffeeduft durchzog den Warteraum. Iirnrny schnubberte in die Luft. Er war schließlich erst achtzehn 3ahre alt und hatte immer Hunger.
Auf einmal wußte er, daß man mit 100 000 Dollar sich immer sattessen kann und daß man sich sogar ein Abonnement im Theater kaufen konnte und nicht nur einen eirrzelnen Platz.
Als jetzt die Straßenbahn das Signal zur Abfahrt gab, da startete 3immh zum Endspurt im Wettlauf um Ellinor.
Würde er noch rechtzeitig ans Ziel kommen? XVII.
Rur langsam fand sich Ellinor zum Leben zurück.
Sie hatte noch immer das Gefühl, als tappe sie durch einen rauchgeschwärzten Schacht und könnte kein Ende finden.
Aber langsam kam das Bewußtsein zurück. Sie lag auf einem breiten Divan und ihre Hgnde griffen in eine weiche seidene Daunendecke.
Ein wenig müde war sie noch, als sie jetzt langsam den Kopf hob und sich umschaute.
Sie war allein in einem großen Zimmer mit kostbaren schweren Möbeln.
Ellinor kannte das Zimmer nicht, sie wußte nicht, wie sie hierher gekommen war, sie wußte nicht, wo sie sich befand.
Langsam setzte sie sich auf. Ihr Kopf schwankte noch unsicher hin und her, sie hatte das Gefühl, als ob er mit einem dünnen Faden an den Körper gebunden sei, und sie hatte noch gar keine Gewalt über ihn.
Rach und nach wurde dieses Gefühl besser.
Ellinor setzte sich langsam auf und sah sich um.
Das Zimmer hatte ein weites großes Fenster, das auf einen Park hinausging, kein Auto tutete, keine Hochbahn ratterte.
Die Tür zum Rebenzimmer war nur angelehnt.
Ellinor wollte sich erheben, aber es ging noch nicht recht. Eine ungeschickte Bewegung warf ein Zigarettenetui, das auf einem Stuhl gelegen hatte, zu Boden.
Die Tür zum Aebenzimmer öffnete sich.
War das Wirklichkeit oder war es vielleicht doch ein Fiebertraum: Ellinor lag ganz still, um den Traum nicht zu verscheuchen.
3n der Tür stand George Wellton.
Aber es war nicht der George, den sie zuerst kennengelernt hatte, -dieser unbeschwerte, ein wenig leichtsinnige George, der die Welt im Sturm eroberte, so wie sie ihn zuerst gesehen hatte im Expreß Philadelphia—Reuhork.
Der Mann, der sich in unendlicher Zärtlichkeit über sie beugte, war in diesen wenigen ^Stunden älter und reifer geworden.
viel mehr gibt, al« alle« war, was wir erwarten zu dürfen glaubten. Mit Befürchtungen können wir dem Morgen entgegengegangen sein, und unerwartete Blüten sind auf dem Wege uns erwachsen. Mit Gleichgültigkeit können wir an das Morgen gedacht haben, und dann kam etwas auf uns zu, das wie ein flinker Sonnenstrahl ist, der zwischen dunklen Wolkenbänken hindurcheilt. Wir sagen, das sei selten. Vielleicht merken wir uns solche Wandlungen nur deshalb nicht, weil die lichte Stunde rasch verfliegt, während die lichtarme weglos suchend dahinkriecht.
Es kann aber auch sein, daß unfern Erwartungen vom Morgen Erfüllung zuteil wird. Auch das vergessen wir dann leicht. Rur das haftet, was uns das Morgen schuldig geblieben ist. Man sollte jedoch in jedem Falle gegen sich und gegen die Erwartung und Erfüllung, wie gegen die Befürchtung und Enttäuschung gerecht sein. Sollte es sein. Wenn man es eben auch könnte! 8.
Kamilientag der Matihäusgemeinde.
Am Sonntag fand der alljährliche Fami- l i e n t a g der Matthäusgemeinde auf der Liebigshohe statt. Ein langer Zug von Kindern bewegte sich durch die Wiesen beim Philosophenwald, dem Trieb zu: und welch fröhliches Treiben der Kinder herrschte dann aus dem Trieb! Die Helle Sonne, das frische Grün, die Freude der Kinder stimmte auch den Großen, die zusahen, das Herz höher. Die Kleinen lagerten in Gruppen und spielten in Gruppen, sich um ihre „Kinderkirchenfräulein" sammelnd, Rätsel ratend, Haschhasch spielend und was der Kin- derfreuden mehr ist.
3ndessen hatte sich die Gemeinde im Saale versammelt. Man hatte die Liebigshöhe gewählt, um einen ausreichenden Saal zu haben für die Menge der Kommenden. Aber selbst der Saal der Liebigshöhe erwies sich für den Andrang der Gemeinde zu klein, ein erfreuliches Zeichen, wie die 3dee der Gemeindetage immer fester wurzelt in unseren Gemeinden. Die Kapelle Hik- gardt eröffnete den Familientag: unermüdlich spielte sie und erwarb sich die dankbare Anerkennung der Gemeinde.
Der Vorsitzende der Matthäus-Vereinigung, Berufsschullehrer Wehrheim, wies in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, daß in unserer Zeit, wo die materiellen Werte nur allein noch gelten, der Familientag die Aufgabe habe, letzte und tiefsve Werte hineinzutragen in unser Gemeindeleben, eben In der neuen Form des ®e- meindetags außerhalb des gottesdienstlichen Rahmens. llniversitätsgarteninspektor Rehnelt führte den Gedanken weiter, indem er über „Du und die Gemeinde" sprach. Er rief auf zu lebendigem und innerem Glauben als letzten Halt in den Röten der Zeit: er mahnte zu einem neuen Zusammenschluß mit der Kirche und der Kirchen- gemeinde.
Pfarrer Mahr als Gemeinbepfarrer sprach von der neuen Zeit, die eine neue Verantwortung der Gemeinde und deren einzelnem Gemeindeglied gebracht hat. Er wies hin auf die Trennung von Staat und Kirche, auf die gewaltig widerstrebenden Zeitströmungen, die evangelisch- kirchliches und frommes Leben hemmen und zersetzen: den praktischen Materialismus, sich äußernd in einet rein wirtschaftlichen Einstellung zum Leben, vor allem auch in der Massenhaftigkeit des Vergnügens von heute: den Atheismus, die Freidenkerbewegung, die Sekten. Er wies hin auf die ungeheure Macht Roms, das zur Zeit ein Konkordat mit dem preußischen Staat abschließt. Er illustrierte diese Hemmungen an einzelnen Erfahrungen aus dem Gemeindrieben und zeigte, wie die Widerstände gegen kirchliches und religiöses Leben in unserer Gemeinde deutlich zu
„Wie gcht es, Licbes, hast du noch Schmerzen?"
Ellinor lächelte:
„Es ist so schön, George, bin ich sehr krank, habe ich hohes Fieber oder ist alles Wirklichkeit, was ich sehe?"
George streichelte leise Ellinors Hände.
„Du mußt ganz ruhig sein, es ist alles gut, du mußt dich nicht fürchten, ich bleibe jetzt bei dir!"
Ellinor legte sich wie ein artiges, müdes Kind in die Kissen zurück. Es war so unendlich schön, ganz still zu liegen und zu wissen, daß der liebste Mensch bei ihr war.
Georg barg die linke Hand auf dem Rücken.
Ellinor hatte es gesehen.
„Was ist. bist du verwundet?"
„Eine kleine Schramme, nicht der Rede wert, irgendein dummer Glassplitter. der da in dem Schacht herumlag, bei dem Rauch konnte man ja nicht sehen, wohin man faßte!"
Erschrocken hielt er inne, denn Ellinor hatte sich steil aufgerichtet.
„So ist es doch wahr gewesen, daß du mich herausgeholt hast, aus dem schrecklichen Qualm, ich dachte, ich hätte geträumt!"
Aber George strich beruhigend über ihre Hände:
Run wollen wir nicht mehr an all das Schreckliche denken, es ist ja alles noch gut gegangen, keinem ist etwas passiert, du muht nicht zurückdenken, nur vorwärts, was vor uns liegt, ist unendlich schön."
Ellinor nickte. Sie war am Ziel, sie wußte nicht mehr, was sie noch erreichen wollte.
Sie besinnt sich langsam auf sich. Run ist aus allem doch noch ein happy end geworden. Aber gibt es eigentlich ein happy end? Lebt man eigentlich nicht immer in einem Meer von Gefühlen, geht es nicht immer wie auf Wellen hinauf und hinunter?
Eben, trägt einen noch ein Wellenkamm afif den höchsten Gipfel des Glücks und schon neigt man sich wieder dem Wellental zu.
„George, ich habe meine Aufgabe noch nicht erfüllt!" sagte Ellinor, aber ihre Stimme klang etwas müde.
Es graute ihr davor, wieder hinaus zu müssen in das hastende und brodelnde Reuyork, in das Getriebe mit den vielen Menschen, den tutenden Autos und den donnernden Hochbahnen.
Sie hatte Angst vor den Menschen bekommen, sie dachte noch immer an die keuchenden Gestalten im verqualmten Tunnel der Untergrundbahn, wie einer den anderen beiseite stieß und jeder nur an sich dachte. So war es immer im Leben, so waren alle Menschen, es gab keine Ausnahmen.
Aber hier im Zimmer war es so schön still, hier konnte man ausruhen und an nichts denken, aber es durfte nicht sein.
Wenn man eine Aufgabe übernimmt, so muh man sie ganz tun, halbe Sachen hatten gar keinen Zweck.
„George, ich muß noch einmal unter die Menschen, es hilft nichts, man muh seinen Weg bis zu Ende gehen! Heute ist der letzte Tag, heute verschenke ich die 100 000 Dollar!"
spüren sind. ES braucht Verantwortung, es braucht Kämpferwillen, es braucht sittliche Widerstandskraft gegen alle Hemmungen. Es braucht Sammlung unserer Kräfte, Besinnung auf Letztes. Es braucht treues Bekenntnis zur Kirche und Gemeinde, ein letztes, aufrechtes Stehen und fich Bekennen zum Evangelium, zum Glauben unserer Väter. Dazu soll auch der Familientag helfen, indem er die Möglichkeit schafft, daS Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeinde als solcher zu stärken.
Als Mitwirkende nannte das Programm Frau Flimm und Frl. Reuling (Gesang). Frau Dr. Fischer (Klavier). Frau Flimm sang von Johann Sebastian Dach „Mit Gott vergnügt", Frl. Reuling von Händel „Er weidet meine Herde". Weltliche Lieder folgten: von Schumann und Schubert, von Koh und Richard Decker. Reicher Beifall lohnte die Sängerinnen. Chopins Polonaise A-5)ur, eine Mazurka in B-Sur spielte Frau Fischer: das Prickelnde von Chopin, das 3mpressionistische wurde mit feiner Einfühlung und starkem Temperament her- ausgebracht. Auch hier dankte reicher Beifall der Künstlerin. Mit allgemeiner Spannung wurde dem SpielderIugendvereinigung entgegengesehen. Die Buben spielten ein Scherz - spiel: „Der Bauer und sein Knecht", nach einem alten Tiroler Scherzspiel, bearbeitet von Fritz Weege. Die Mädchen brachten „Ein Sommer- märchenspiel, das den Kampf der Elfen mit der Büchergelehrfamkeit, die Verdrängung alles Geheimnisses durch die Macht der Aufklärung schildert. Beide Darbietungen fanden verdientermaßen mit lebhaftem Beifall herzliche Anerkennung. Zwei Volksreigen beschlossen den Ge- meindetag. -y-
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" Schließfach-Einrichtung beim Stadtpostamt? Vom Postamt wird uns geschrieben: Eine Reihe von Geschäften hat die Abholung ihrer Briefpost beim Stadtpostamt durch Schließfach beantragt. Die angemeldete Zahl der Schließfächer reicht indessen nicht aus, um die Aufstellung eines zweiten Schliehfachschrankes zu rechtfertigen. Cs bedarf daher weiterer Anmeldungen, die sich für diejenigen Behörden, 3n» Mute, Geschäfte und Privatpersonen empfehlen, denen die Zustellverhältnisse nicht genügen. Die Abholung kann werktags in der Zeit von 7 bis 20 Uhr, Sonn- und Feiertags 7 bis 13 Uhr erfolgen. Um 7 Uhr sind die Briefschaften bereitgestellt, die der Zusteller von 7.30 bis 10 Uhr anbringt, während gegen 9 Uhr die mit den 8-Uhr-Zügen eingehenden Sendungen in Empfang genommen werden können, die von 11 bis 13 Uhr zugestellt werden. Auch nachmittags werden durch die Abholung wesentliche Beschleunigungen in der Uebermrttelung von Sendungen erzielt, da die Zustellung nur einmal nach 16 Uhr stattfindet. Für die im Stadtinnern befindlicher Geschäfte usw., die Schließfachabholer beim Hauptpostamt sind, ist Gelegenheit zur Umstellung der Abholung ihrer Driefpost beim Stadtdostamt geboten, das für sie bequemer liegt uno die Sendungen ebenso schnell wie das Hauptpostamt verfügbar hält.
** „Elektrische Gebote" für Kinder. lieber die Gefahren bei der Berührung von elektrischen Leitungen müssen die Kinder schon in der Schule aufgeklärt werden. Zu diesem Zweck sollten den Kindern die sog. „elektrischen Gebote" zur Beachtung gegeben werden. Diese lauten: 1. Du sollst nicht an den Leitungsmasten hinaufklettern! 2. Du sollst nicht auf Bäume, Gerüste usw. Heitern, an denen Freileitungen vorbeiführen! 3. Du sollst in der Rähe von Freileitungen niemals Drachen steigen lassen. 4. Du sollst an den zur Versteifung
„3ch verstehe dich, du bist kein Mensch, der auf halbem Wege stehen bleibt, du mußt tun, was du für richtig hältst!"
3n diesem Augenblick wurde leise an die Tür geklopft.
Georges alter Diener steckte den Kopf durch die Spalte.
„Ein Herr möchte Sie sprechen!"
George brauste auf:
„Haben Sie nicht gesagt, daß ich nicht gestört werden will!"
Der Diener schüttelte den Kopf:
„Er sagt, es handelt sich um Miß Betty Glynn, man hätte ihm gesagt, die Dame sei hier!"
Der Diener sah mit fragendem Blick auf Ellinor.
„Wie sieht denn der Herr aus?" fragte Ellinor gespannt.
„Ach Gott, 's ist eigentlich noch gar kein Herr, und sehr fein sieht er eigentlich auch nicht aus, eher so ein bißchen abgerissen!"
„Ra, lassen Sie das Individuum mal reinkommen!"
Ellinor lehnte sich fest in Georges Arm:
„Du mußt hierbleiben!"
Leise öffnete sich eine Tür. Eine Gestalt schob sich ins Zimmer.
„3immy," rief Ellinor erfreut.
3immy ging mit seltsam steifen Schritten auf Ellinor zu, es war ihm, als schritte er zur Filmaufnahme, Ellinor kam ihm so fremd vor und dann irritierte ihn der fremde Mann, der sich so vertraut an Ellinor lehnte, als ob er zu ihr gehörte.
Er blieb stehen, die rechte Hand hielt er eisern auf dem Rücken. Mit einem Ruck warf er den Kopf zurück. Er war sich vollkommen bewußt, daß sich in den nächsten Sekunden der größte Moment seines bisherigen Lebens abspielen sollte, und er wollte keine Phrase sagen:
„Da bin ich, Miß Betty, und ich freue mich, daß es Ihnen anscheinend so gut geht!"
„Iimmhchen, wie kommst du denn auf einmal hierher, hast du keine Filmaufnahme, ich verstehe das alles nicht, aber ich bin froh, daß du oa bist!"
Jimmy trat noch einen Schritt näher, jetzt kam der große Moment:
„Es hat sich ausgefilmt, Miß Betty, man hat mich rausgeschmissen, richtig rausgeschmissen, ohne einen Cent auszubezahlen."
Jimmy stockte einen Moment, um die Wirkung seiner Worte zu beobachten.
Ellinor sah den Jungen ernst an:
„Armer kleiner Jimmy, das finde ich wirklich gemein, aber wir werden schon einen Ausweg finden!"
Jimmy hob den Kopf:
„Ja, es war eine Schuftigkeit, aber ich hatte einen famosen Abgang, es war eine ganz große Szene, man hätte sie vom Fleck weg drehen können. Ich ging ganz allein über den großen Platz und der Regisseur und der Aufnahmeleiter schimpften hinter mir her!"
Jimmy lachte in der Erinnerung.
von Leitungsmasten dienenden Verankerungen nicht rütteln ober schaukeln! 5. Du sollst nicht mit Steinen oder anderen Gegenständen nach Porzellan-Isolatoren oder nach Leitungen Wersen! 6. Du sollst Transformatorenhäuser und Schalträume nicht betreten, wenn sie offenstehen oder unbewacht sind! 7. Du sollst einen an elektrischen Leitungen Verunglückten nicht anfassen, aber du sollst lofort Erwachsene zu Hilfe holen!
•• D. H.V. - 3 ugend a u s W a nd e r f ahr t. Die Iungkaufleute des Deutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Derbandes treffen sich im 3uni au« allen Orten von Hessen, Hessen-Rassau und dem Rahegebiet zu Wanderfahrten. Sie werden die engere deutsche Heimat durchstreifen, ihre historischen und romantischen Stätten berühren und die Liebe zu ihr und dem Volkstum vertiefen. Die Wanderungen werden unterbrochen durch Geländeläufe, Turnspiele, Bodenturnen, Steinstoßen und Baumstammwerfen. Am Sonntagmorgen werden die Gottesdienste beider Konfessionen besucht. Die 3ungfaufleute aus Gießen, Lich, Butzbach, Dad-Rauheim, Friedberg, Wetzlar, Herborn, Dillenburg, Haiger, Biedenkopf und Marburg treffen sich am Samstag in Gießen.
Oberhessen.
posaunenchorfest in Klein-Linden.
♦ Klein-Linden, 10. Juni. Wohl selten hat ein kirchliches Fest in unserem Dorfe so viele Besucher zusammengeführt, wie das am gestrigen Sonntag gefeierte 7 5. Subelfeft de s P o - saunenchors (des ältesten in Hessen) Klein-Linden, mit dem der Verband der Oberhessischen Posaunenchöre sein 2 4. Verbandssest verknüpfte. Schon am Samstagabend waren viele auswärtige Vereine gekommen, deren Mitglieder gastfreundliche Aufnahme in Klein- Lindener Familien fanden.
Am frühen Sonntagmorgen ertönten auf freien Plätzen und Straßen Chöre der zu einigen Gruppen vereinigten Posaunenchöre, gleichsam als Weck- ruf und Festgrub der vielen Festgäste. Da unsere kleine Kirche die vielen Gäste nicht alle hätte fassen können, war der Hochwald hinter dem Friedhof als Festplatz ausgestaltet worden. Pünktlich wurde der trotz der anfänglich kalten Witterung st a r k b e - suchte Gottesdien st mit dem Massenchor von rund 150 Posaunenbläsern eröffnet. Der Ortsgeist- llche, Pfarrer Bremmer, versah die Liturgie, wahrend die Festpredigt über Psalm 92, Vers 1 bis 3 „Das ist ein köstlich Ding ..von Pfarrer V ö m e l (Rodheim a. d. Bieber) übernommen worden war. Er pries die Segnungen, die von dem Klein-Lindener Chor nach vielen Teilen Hessens hinausgegangen sind, eingedenk des festen Programms, das sich der Chor bei der Gründung ausgestellt hatte. Eine zweite Predigt, mehr als Missionspredigt gedacht, hielt Missionar Langhols (Hermannsburg) über das Bibelwort Jesaja 51, Vers 16. Seit Gründung schon steht der hiesige Chor als „Missionsverein" in enger Verbindung mit der Heidenmission. Sämtliche während des Gottesdienstes gesungenen Gemeindelieder wurden von dem Posaunenmassenchor unter der Leitung von Weißbindermeister B o Ile r, dem Dirigenten des Posaunenchores von Lang-Göns, geleitet.
Am Nachmittag stellte sich im nördlichen Dorfteil ein Festzug auf, der sich durch die Hauptstraßen des Dorfes nach dem Festplatz bewegte. Der Orts- geistliche, Pfarrer Bremmer, begrüßte alle Festteilnehmer und schilderte die hohen Ziele des Chores, die darin bestehen, Gott zu dienen und zu zeugen von Gottes Ehre. Er übermittelte die Grüße des früheren Ortsgeistlichen, Pfarrer Göbel, jetzt in Engelstadt, und des Bruderchores in Strheilgen, des zweitältesten in Hessen. Oberkirchenrat Wagner, der Superintendent für Sberhessen, beglückwünschte den Chor im Auftrag der Hessischen Landeskirche,
Dann zog er das Gesicht wieder in ernste Falten:
„Was den Ausweg betrifft, so habe ich den gefunden: Ich gehe nach Hollywood!"
Jimmys Stimme barst vor Triumph. Ehe Ellinor etwas sagen konnte, fuhr er fort:
„Sie müffen wissen, Miß Betty, es gibt Leute, die laufen stundenlang neben ihrem Glück her. ohne es zu merken, aber auf einmal knackt es bei denen im Gehirn, und dann packen sie das Glück beim Kragen und lassen es nicht mehr los. Bei mir hat es vor einer Stunde geknackt und jetzt ..er trat ganz dicht an Ellinor heran, „jetzt pack ich Sie zwar nicht beim Kragen, aber einen kleinen Gefallen müssen Sie mir jetzt tun, lassen Sie sich doch bitte von dem Herrn einmal einen Füllfederhalter und ein Stück Papier geben ..."
Ellinor schüttelte lachend den Kopf:
„Gib her, Georgie!" Jimmy verzog keine Miene.
„So, nun schreiben Sie bitte folgendes: Ich bestätige hierdurch, das Jimmy Herv, bitte Herv mit einem v hinten ... als einziger berechtigt ist, die für mich ausgesetzte Belohnung in Hohe von 100 000 Dollar — die Summe bitte in Buchstaben — in Empfang zu nehmen, da es ihm in Anwesenheit von Mr.....“ er sah George fra
gend an.
„George Wellton!"
Jimmy stieß einen kleinen Pfiff durch die Zähne.
„Also weiter: in Anwesenheit von Mr. George Wellton gelungen ist, meine wahre Persönlichkeit vor Ablauf des gesetzten Termines zu entdecken. Als Unterschrift: Ellinor Stanley!^'
Jimmy schnaufte ein wenig. Das war ein schwerer Sah gewesen.
Ellinor flog mit einem Iubelschrei auf:
. „Iimmhchen, Herzensjunge, ich bin ja-so glücklich, das hast du ja fabelhaft gemacht! Aber wie bist du denn auf die Idee gekommen?"
„Es hat eben geknackt!" sagte Jimmy schlicht.
Ellinor wollte Jimmy freudestrahlend an sich ziehen, aber Jimmy trat einen Schritt zurück:
„Pardon, Miß Stanley, ich muh noch etwas sagen ..." er hielt Ellinor ein kleines Veilchen- sträuhchen hin, das er bis dahin auf den Rücken gehalten hatte ..., „erlauben Sie mir, das ich Betty Glynn dieses Heine Veilchensträußchen zum Abschied schenke, Miß Ellinor Stanley erhält von mir einen ganzen Waggon Teerosen, sobald sich meine finanziellen Angelegenheiten geregelt haben ..."
„Sag mal, Jimmy," fragte Ellinor nach einer Weile, als sich die erste Freude gelegt hatte, „warum haben dich die Filmleute eigentlich rausgeschmissen?"
Jimmy sah einen Moment lang von der großen Schüssel wundervoll belegter Brote, die man ihm vorgesetzt hatte, auf. Mit verklärtem Blick schaute er Ellinor an:
„Warum? Damit ich die Weltmeisterschaft Im Wettlauf um Ellinor gewinnen konnte!"


